WdaerWZeitung
moncttsbeilage: „SnlbGCt Geschichtsblättet
z"parMtt"in'Mda Wochenbeilage: „IvuftrierteZonnlagrzettllNg^
34. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch den 6. Februar 1907.
JW 30.
VerantworMcher Schriftleiter: 3.Ba*m;
»otetienshniÄ «. Verlag der gulbaer Ht» tienbrrderei in Hulda Fernsprecher Nr 9.
jshrl.ve;ugrpreig 'ohne Bringerioha «ad BeneLgeld in Hulda und auswärts t mt »OPfg-
»Rjeigdu: Vie et, fpaltige Pettheile ober deren Baum 15 pfg. NeNamen die petitjeUt 25 Pfg.; bei wieder« Holungen wird etrtfpr, Nadal l gewährt.
Zweites Wfatt.
Vie Kühlanlage -es neuen Schlacht- Hofes in Mda.
Die Wirkungsweise der Kühlmaschinen ist kurz folgende: Kühlmaschinen bestehen im Wesentlichen aus dem Verdampfer, Kompressor und Kondensator. Der Verdampfer oder Refrigerator be- steht aus einem oder mehreren Schlangsflysiemen, welche bei Eisfabrikation in einem mit Salzwasser gefüllten eisernen Blechkasten und bei Luftkühlung in einem gemauerten Gehäuse aufgestellt sind. <Jn diesen Verdampfer wird flüssiges Ammoniak ‘geleitet, welches bei niedriger Temperatur darin verdampft und die zur Verdampfung nötige Wärme der Umgebung der Rohrschlangen — bei Eisfabrikation dem Salzwasser und bei Luftkühlung der den Apparat durchströmenden Luft entzieht. Nach dem bekannten physikalischen Gesetze wird bei der Verdampfung einer Flüssig- feit Wärme verbraucht, und diese muß hier dem Salzwassec bezw. der Luft entnommen werden. Durch fortgesetztes Verdampfen von Ammoniak in den Schlangen wird die Umgebung, d. h. das Salzbad bezw. die Luft, derart abgekühlt, daß die Temperatur weit unter den Gefrierpunkt fällt und bei normalem Betriebe die Temperatur der Salzlösung im Eisgenerator auf durchschnittlich —6 Grad Celsius und in den Lnftkühlapparaten die Temperatur der abgekühlten Lust auf durchschnittlich —2 bis —6 Grad Celsius gehalten wird. Das in den Rohrschlangen verdampfte Ammoniak wird durch entsprechende Rohrleitungen vom Kompressor als Gas aus dem Verdampfer gesaugt, in einen, dem Verdampfer ähnlich ausgebildeten Apparat — den Kondensator — gedrückt, wo es unter dem Einflüsse des Druckes und des die Kondensatorrohrschlangen umfließenden Kühl- Wassers sich wieder zu flüssigem Ammoniak verdichtet. Das flüssige Ammoniak sammelt sich unten im Kondensator und wird von hier arts nach dem sogenannten Amrnoniaksammelgefäß geleitet, von wo aus dasselbe dem Verdampfer durch den Druckunterschied zwischen Kondensator und Verdampfer wieder zugeführt wird, um alsdann aufs neue zu verdampfen und Kälte zu erzeugen. Es findet also eine ununterbrochene Verdampfung der Kälteflüsiigkeit und Wiederverflüssigung der Dämpfe, ein dauernder Kreislauf statt, der die Grundlage der Kälteerzeugung bildet.
Was nun die Luftkühlung zum Betrieb des Kühlhauses anbelangt, so wird die Luft desselben dadurch gekühlt, gereinigt und getrocknet, daß die wärmere und feuchtere Kühlhausluft durch hölzerne Luftleitungen hindurch, mittels eines geräuschlos arbeitenden Exhaustors, aus dem Kühl- . raume abgesaugt und an den in zwei Klammern verlagerten, durch ein Zwischenkammec von einander getrennten Berdampferrohrschbrngen — Firary'scher Apparat — vorbeigeführt wird, um alsdann nach erfolgter Reinigung und Abkühlung wieder dem mit Fleisch angefüllten Kühlraume ßugeführt zu werden.
Die maschinellen Teile des Fuldaer Schlacht- Hofes und speziell der Kälteanlage bestehen bem* gemäß hauptsächlich aus Kesselanlage, Dampfmaschine mit Kompressor, Kondensator, Luftkühler, sowie Leitungen und Einrichtungen der Fleisch. Kiihlräuine, sowie Apparaten für Kunsteiserzeu- flung.
Die Kess e l a n l a g e besteht aus zwei Korn- Wallkesseln mit je einem Wellrohr und Planrost- feuerung. Dieselben haben je 50 Quadratmeter Heizfläche und 8 Atm. Betriebsdruck. Jeder Kessel ist ausgerüstet mit allen, nach reichsgesetzlicher Vorschrift auSgeführteu Armaturen, den Fene- ruugsteilen, einer Zugklappe und einem Rauch- schieber mit Rahmen für automatische Zugregulierung beim Oeffnen der Feuertüren. Reben dein Dampf für den Betrieb der Dampfmaschine wer- den aus den Keffeln noch weitere Dainpfmengne für die Warmwasserbereitung, für die Brühbottiche und für die Heizung abgegeben. Als Speise- Vorrichtungen für die Kestel sind vorgesehen: eine liegende, doppelwirkende Dampfpumpe von 4000 Liter in der Stunde und ein Injektor als Reservespeise-Vorrichtung. Für normalen Betrieb reicht ein Kessel aus, der zweite dient als Reserve.
Im Ma sch inen Hause befindet sich die Dampfmaschine mit dem direkt gekuppelten Ammoniakkompresior: ferner hat hier der Am- moniak-Eintauch-Kondensator Aufftellung gefunden, welcher mit feinem unteren Teile in den Maschinenhauskeller hineinragt, während an der Hinteren Seite des Maschinenhauses die Dynamo maschine mit der Schalttafel Aufstellung gefunden hat.
, Das frisch geschlachtete Fleisch, wel- ches eine Wärme von 30 Grad Celsius besitzt, wird zunächst in den auf 6—8 Grad Celsius gehaltenen Vorkühlraum gebracht, worin es 24 Stunden zur Abkühlung hängen bleibt. Dos Fleisch gibt hier einen großen Teil seiner Wärme ab, um mit etwa 10 Grad Celsius in den Hauptkühlraum zu gelangen. Die Temperatur des Hanpt- küblraumeS wird dauernd auf —2 bis —4 Grad Celsius gehalten; der Feuchtigkeitsgehalt der Luft soll hierbei durchschnittlich ca. 75 Prozent be. Atzen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß frisches Fleisch gegen alle zerstörenden Einwirkungen am ^EOen durch reine, relativ trockene und kalte Lust geichutzt werd, weil sich durch die Trocknung eine Hülle bildet, welche den Eintritt der in der gereinigten, kalten Luft ohnehin äußerst Termin- derten Fäulnis Bakterien verhindert. Es muß also nickt nur die Ternveratur, sondern auch der Zustand klarer, reiner Winterluft im Fleischkühl, raume hergesteüt tuerben. Der Apparat, in tvel- chem hier die vorgenannten Wirkungen erzielt werden, ist der Trockenluftkühler. System Hum
boldt, welcher sich in bereits zahlreichen Ausführungen, ca. Y» Hundert Schlachthofen und Ge. frieranlagen, bestens bewährt hat. Es werden hierbei keinerlei Zwischenmittel, wre schwer ge- ftietenbe Salzlösung, gebraucht, sondern dre Lust wird unmittelbar in Berührung mit ben troaenen Außenflächen von starken, schmiedeeisernen Rohrschlangen gebracht, in deren Innern das flüssige Ammoniak zur Verdampfung gelangt und einen bedeutenden Kältegrad bewirkt. Durch die unmittelbare Berührung der abzukuhlenden Lust mit den sehr kalten Rohrschlangen wird dieselbe ebenfalls sehr tief abgekühlt, sodaß sie ihre Feuchtigkeit und mit dieser die verunreinigenden Bestandteile, Pilzkeime re. als Reif an den Schlangen zurücklätzt.
AuS dem Lufttühlappayat tritt dis so gereinigte und getrocknete Luft in die entsprechen- den, aus Hotz hergestellten Luftleitungen der Kühlräume, welche so angeordnet sind, daß die Luft an möglichst vielen Stellen in die Kühlräume gelangt und später aus den Kühlräunien in er- toärmtem Zustande wieder an möglichst vielen Stellen durch ebensolche Lustleitungen abgefaugt ,,nd durch die Ventilationseinrichtung m den Luftkühlapparat zurückgeführt wird, um hier im mer aufs neue wieder abgekühlt, getrocknet und gereinigt zu werden. Die Luftleitungen sind so angeordnet, daß die kalte Luft, direkt über den Fleischzellen eingeführt, das Fleisch von allen Seiten umspülen kann, ivährend die erwärmte Luft über den Gängen abgesaugt wird. Weiter ist Vorkehrung getroffen, daß der Gesamtinhalt der Kühlräume nach Bedarf durch frische Außenlnft erfeht iverden Fann.
Jin Frühjahr, Spätherbst bezw. Winter kann bei niederer Außentemperatur eine geeignete und nicht zu kalte Lust in den Kühlräumen dadurch hergestellt werden, daß die Luft einfach aus dem Freien zugeführt, mittels besonderer, vor und hin ter dem Lustkühler eingebauten Heizvorrichtun- gen, erwärmt und nur durch den Ventilator im Kreislauf bewegt wird.
Die Eisfabrik mit dem Eisgenerator dient zur Erzellgung von täglich 90 Ztr. Eis in Blöcken von 12% Kilogramm. Das benötigte Wasser wird der städtischen Leitung entnommen und in einem Füllapparat aufgespeichert, von welchem eS selbsttätig und gleichzeitig in die einzelnen Zellen gelangt. Die Zellen werden in die Salzsohle gehängt, welche durch einen Schraubenflügel in lebhaften Umlauf gesetzt ist. Nach Beendigung des Gefrierens werden mittels eines an der Decke angebrachten Laufkrahnes die Rahmen mit den Eiszellen aufgehoben und in das au dem ^vorderen Generatorende aufgestellte Auftaugefäß getaucht, und, nachdem sich die Blöcke von den Zel- lenwäiiden losgelöst haben, wird die ganze Zellenreihe mit Hilfe einer selbsttätigen Kippvoreich tung auf der vorgebauten Pritsche entleert. Das Eis kann dann seiner VerwendungSftelle zugeführt oder in den unter der Laufbühne aufgestellten fünf Eisschränken bis zum Gebrauch anfbe- wahrt werden.
Außerdem ist der Schlachthof ausgestattet mit einer Kalt- und Warmwafferanlage (Wasserturm). Es würde zu weit führen, die übrigen Nebeuanlagen: Santtätsgebände, Garderobe, Brausebäder, Freibankgebäude mit Fleisch-Sterilisator, Schauamt, Nnlersuchungsraum für eingebrachtes Fleisch usw. noch des Näheren hier auszuführen. Eine Besichtigung der Anlage dürfte die Interessenten viel eher und bester mit der umfangreichen» Anlage bekannt machen.
—* Goldene Kanonen.
Von H. T il m a nn.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Daß eS bronzene und eiserne, kupferne und stählerne Kanonen gibt und gegeben hat, weiß jedes Kind: ja die meisten Leute wissen sogar, daß man auch versucht hat, aus Leder itmtonen herzustellen, die jedoch allzu „ledern" gewesen seilt sollen. Aber goldene Kaiwnen? Das klingt doch fast wie ein Märchen aus Tausettd und eine Nacht. Und dennoch hat es einmal goldene Kanonen gegeben, und die naturgetreuen Nachbildungen finb noch vorhanden. Es ist auch nicht nötig, ins Aus land zu reifen, um diese goldenen Kanonen zu sehen, sondern sie befinden sich auf deutschem Grund und Boden, und zwar auf der Jnselfestung Wilhelmsteiu im Steinhuder Meer, im Fürstentum Schaumburg-Lippe.
Es war im siebenjährigen Kriege, als Graf Wilhelm von Schaumburg, ein Parteigänger Friedrich des Großen, enter Einladung des Kö nigs Joseph von Portugal folgte, um das portugiesische Heer nach preußischem Muster ttmzuge- statten und es anzuführen im Kriege gegen Spa. nien. Ludwig XV. von Frankreich, unzufrieden mit dein Erfolg seiner Armee in Deutschland, suchte nämlich eine Koalition sämtlicher bour» konischen Höfe in Europa gegen England und Preußen zustande zu bringen, um aus diese Weise die Scharte auszuwetzen, die sein Kriegsruhm im Kriege gegen Preußen davongetragen hatte. (Spanien war sofort bereit, dieser Koalition bei- zutteten: Portugal aber, das mit England in freundschaftlichen Beziehungen stand, versagte den Beitritt. Die Folge davon war die Kriegserklä rung Spaniens an Portugal. König Joseph bat nun die Engländer nm einen kundigen Heerführer, ■ und König Georg III. wußte keinen besseren zu ! empfehlen, als bett Grasen Wilhelm von Schaum» ‘ bürg, der als kurfürstlich hannoverscher General- I Feldzeugmeister sich bereits verschiedentlich ans- * gezeichnet hatte, besonders in den Schlachten bei j Minden und Billinghausen. Im Frühling 1762 j kam der Gras über London nach Portugal, wo ' er in Oporto zuerst portugiesisches Gebiet betrat. In Lissabon wurde ei von der königlichen Familie f mit großen Ehren empfangen; aber er hatte
keine Zeit, Feste zu feiern. Er machte sich sofort ans Werk, dre portugiesische Armee auch einem ge- toanbteren Gegner, wie die Spanier es waren, ebenbürtig zu machen. Er hatte eS freilich nicht Verbindern pönnen, daß die Spanier in Portugal fallen waren; aber mit einigen Hülsstrup- gelang es ihm bald, sie wieder zu bet treiben und mm seinerseits den Krieg aus spanisches @e' biet zu übertragen. Um aber die Grenzen Portugals gegen einen Einfall der Spanier besser zu schützen, gründete er die starke Festung ElvaS, deren Zitadelle noch heute ihm zu Ehren den Namen „Fort de la Lippe" führt. Gewiß hätte Graf Wilhelm in diesem Kriege noch weitere große Ec- folge errungen, wenn nicht bereits im Spätherbst 1762 ein Waffenstillstand, dem im Februar 1763 der Friede folgte, dem Kriege ein Ende gemacht hätte.
Bis zum November des Jahres 1763 blieb Graf Wilhelm noch in Portugal und leitete den Bau der Festung Elbas, die ganz und gar nach feinen Intentionen eingerichtet wurde. Dann aber sehnte er sich nach der Heimat zurück, um die Regierung feines kleinen Ländchens nunmehr selbst zu übernehmen. Obgleich er jede Belohnung seitens des Königs von Portugal ablehnte, ließ dieser es sich doch nicht nehmen, dem scheidenden Grafen mancherlei Beweise seines Dankes und seiner Anerkennung zu geben. So schenkte er ihm z. B. sein mit Edelsteinen reich besetztes Bild, außerdem einen Hutknopf von Brillanten unb sechs kleine, mit dem Schaumburger Wappen der- sehene, 10 Pfund schwere massiv goldene Kanonen, deren Lafetten von Ebenhotz und bereit Beschläge von Silber waren. Diese kostbaren Kanonen tour- den durch eine besondere Deputation von Lissabon nach Bückeburg gebracht. Die große Kiste, in der sie verpackt waren und die einem großen Geigenkasten nicht unähnlichen Kartons, in denen je eine Kanone lag, find heute noch auf dem Wilhelmster» zu sehen, wo die Kanonen auch aufbewahrt wurden.
„Habent sua lata libelli", sagt ein lateinisches Sprüchwort; d. h. „Bücher haben ihre Schicksale". Ich möchte hinzufügen: „Auch Kanonen, zumal goldene Kanonen, haben ihre Schicksale." Von diesen goldenen Kanonen des Grafen Wilhelm weiß eigentlich niemand so recht, wo sie hingekom» men sind; nur das weiß man, daß sie nicht mehr da sind. Im Volke suchte man allerdings die Fik- Hon aufrecht zu erkalten, daß auch die. Kanonen noch die Originale seien. Dieses verleitete einst eine Diebesbande, dieselben zu stehlen. Es war am 31. Oktober 1882, während einer sehr kalten Nacht, als einige Spitzbuben, die jedenfalls gut orientiert waren, unter dem Schutz der Dunkelheit auf der Insel landeten und die kleine Waffenkammer erbrachen, die in einem kleinen Gebäude auf der Insel untergebracht ist. Hier befanden sich in einem Glasschrank vier von den goldenen Kanonen; die andern beiden standen und stehen auch heute noch in der Zitadelle. Die Diebe nahmen die Kanonen samt den Lafetten und machten sich ebenso leise, wie sie gekommen waren, wieder davon. Als man am andern Morgen den Diebstahl bemerkte, wurde sofort die Staatsanwaltschaft benachrichtigt, und es gelang bereits im Laufe des 1. November, zwei Kanonenrohre und alle vier Lafetten, deren sich die Diebe entledigt hatten, in der Nähe von Hayenburg auf einer Wiese zu wiederzufinden. Nach etwa 14 Tagen fanden Knaben auch die beiden anderen Rohre in der Nähe von Hannover am Benther Berge, unter Laub versteckt. Die Diebe hatten herausgefunden, daß ihre Beute nicht so wertvoll war, tote sie geglaubt hatten, und hatten sie toeggetoorfen. So kamen also die Kanonen wieder nach Wilhelm- stein zurück, wo sie noch heute zu sehen sind. Man ist jetzt aber ehrlich genug, den Besuchern der Insel zu sagen, daß diese Kanonen nur Skachbildun- gen sind; die Originale seien in Bückeburg. Es ist aber gestattet, hinter diese Behauptung ein ganz großes Fragezeichen zu machen; denn, wie bereits gesagt, ist es mehr als fraglich, daß die Originale überhaupt noch vorhanden sind.__
vermischtes.
* Eine Nacht in einem Eisberge. Der zu Beginn der Froftperiode aus See heiinkommende Finkenwärder Fischerkutter Schwalbe strandete in dem schweren Oststurm itntoeit der Elbmiin- dunz auf dem Kratzsande. Während der Rackst, in der die Strandung in dem Schneetreiben noch unbemerkt blieb, bildete sich bei dem scharfen Froste auf dem Kratzfande schon viel Eis, das dicht den Fischerkutter umlagerte. Als dann am nächsten vormittag der Schleppdatnpfer „Reiher" dem Kutter zu Hilfe kam, war dieser bereits fo im Sande feftgefroren und vom Eise blockiert, daß alle Abschlevpnngsversuche lediglich einen Bruch der Schlepptrofle herbeiführten Vom „Reiher" setzte man dann ein Boot aus, um di« Besetzung von dem Fischerkutter zu bergen Dieses Boot wurde aber derart von der Strömung unb dem Treibeise bedrängt, daß es in höchste Ge- fahr kam, in die offene Se« zu vertreiben. Die Besatzung des Bootes war schließlich froh, al? sie den „Reiher" wieder erreichte. Man sah auf dem Schlepper ein, daß so nichts zu machen toar und der Dampfer mußte sich auch jetzt wieder mit Eintritt der Ebbe selbst in Sicherheit bringen, um nicht mit dem Ablaufen des WasierS zu stranden. Der Führer des „Reiher" rief deshalb der Fisckkutter-Mannschaft zu, noch einen Tag ausziiharren. Am nächsten Tage mit der Flut würde er toieberfommen. Dieser nun folgende Tag, an dem der Fifckerkntter allein und verlassen in dem sich immer dichter und höher auftur- menden Eise saß, war für die Mannschaft ein Schreckenstag. Der Kutter vereiste allmählich über unb über, unb das Treibeis drückte und drängte gegen die Planken des Schiffes, da3 in allen Fuge« krachte und bebte. Dazu die bitterliche
Kälte. Da nahte endlich am anderen Tage mit der Flut der „Reiher" wieder, der von dem einem Eisberge gleichenden Schifte nur noch die Masten emporragen sah. Ringsum war dickes, festes EiS, und das wurde zur Rettungsbrücke für die Mannschaften des Kutters, lieber das Eis hinüber retteten sie sich und mit ihnen zwei treue Schiffs- Hunde auf den „Reiher", bet dann mit den Geretteten nach Cuxhaven fuhr und sie dort landete.
* WaS ein Jubiläum kostet. Der große, über 20,000 Mitglieder umfassende Verein deutscher Ingenieure beging im vorigen Sommer zu Berlin in Verbindung mit seiner 47. Hauptversammlung daS 50jährige Stiftungsfest. Jetzt wird in seinem Organ die Abrechnung über die großen Veranstaltungen mitgeteilt. Die Ausgaben beziffern sich auf mehr als 140,000 Mark. Die Festschrift kostete rund 15,000 Mark, der Begrüßungsabend und das Festessen je 23,000 Mark, das Theater 10,000, das Gartenfest anähernd 22,000, die Damenunterhaltung über 8000 Mark usw. Auf der anderen Seite warm auch die Einahmen ganz außerordentliche; sie betrugen 144,650 Mark. Der Hilsskasse für deutsche Ingenieure konnte eine Summe von 10,000 Mark überwiesen werden, unb es hat sich schließlich ein Ueberschnß von 3665 Mark ergeben. Im Verhältnis zu beit hohen Kosten der Veranstaltungen allerdings ein bescheidenes Sümmchen!
* Zu Gesellschaft. „Achten sie stets darauf, daß Sie mit dem Vater deS Mädchens in politischen Fragen übereinstimmen," sagte der alte Sachverständige, als er dem jungen Liebhaber gute Winke gab. Am selben Abend kam, als der junge Mann eine Stunde in der Gesellschaft zugebracht hatte, ihr Vater herein, und der Jüngling begann die Unterhaltung damit, baß er ihn fragte: „Wie denken Sie über die marokanifche Frage?" — ,Zch bin für die Politik der offenen Tür," war )ie steife Entgegnung des alten Herrn; „unb bleist ja wohl Ihr Hut?"
* Fatale Zustimmung. Ella: Ja, er sagte, deine Wangen seien wie Rosen. — Berta: Ach, das ist doch ein bißchen sehr auf getragen! — Ella: Ja, das meinte er freilich auch.
Marktberichte.
• Frankfurt a. M., 4. Febr. 1907. Amtliche No tierung der Biehmartt-Pretse. Zuin Verkauf standen 365 Ochsen, 36 Bullen, 765 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 349 Kälber, 319 Schafe und Hämmel unb 1970 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Psd. Schlachtgewicht Ochse«: ». vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren 83—87 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere auSgemäsiete 72—76 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 67—70 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: *. vollfieischige höchsten Schlachtwertes 76—78 Mark, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere, 72—74 M., c. gering genährte 00.00 M Kühe unb Färsen (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlacht« Ivettes 78—80 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtivettes bis zu 7 Jahren 73—75 M., & ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 64 bis 66 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M , e. gering genährte Kühe unb Färsen (Stiere unb Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Psd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Bollmast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 100—104 Pfg., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 88—96 Pfg., c. geringe Saugkälber 68 —70 Pfg., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pfg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 80—82 Pfg., b. ältere Masthämmel 74—76 Pfg., mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 00-00 Pfg. Schweine: a. vollfleischige der ferneren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu l1/« Jahren 66-00 Pfg., b. fleischige 65—00 Pfa., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 54—56 Pfg., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) 00—00 Pfg. Bezahlt wurde für 1 Psd. Lebendgewicht: Kälber: a 60—62 Pfg., b. 52 bis 56 Pfg. Schweine: tu 52—00 Pfg., b. fleischige 51—00 Pfg. Geschäftsgang in Großvieh und Kleinvieh gut. Markt geräumt. Aus Oesterreich standen 115 Ochsen, 5 Stiere und 60 Schafe zum Berkaus.
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