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Kabati ceroäfcrt
Betattonsbinct u. Verlag der tuiöae? Ke» tienor idetei in Sulb»- $en fpieter Hr *>.
Zcihrcmng.
Fulda, Montan den 4. Februar VJO7.
M 28.
Krstes Wlalt.
Vie ersten Ztichwahlen.
• lieber 160 Stichwahlen vollenden dieses Mal erst die Wahlen zum neuen Re chStcig. Ter größte Teil derselben findet morgen Dienstag statt. Teil« weise wurde aber schon am Freitag und Samstag damit begonnen. Ten ersten Resultaten wurde mit froher Spannung entgegengeseheu, da e» sich Haupt- ächltch um Mandate handelte, von welchen auch die Sozialdemokratie noch einen Sieg erhoffte. Soweit öie Resultate bis jetzt vorliegen, setzte» sich dir Verluste der Sozialdemokraten auch jetzt w eder fori. Sie haben bis jetzt abermals vier Mandate verloren.
Den Anfang machte Bremen: Dort fand die Wahl am Freitag statt. Im ersten Wahlgang wurden für den Kandidaten der ftctf. Volkspartei Hormann 28106 Stimmen abgegeben, während aus den Sozialisten Schmalseld 27360 Stimmen ent» fielen. In der Stichwahl erhielt nunmehr Hormann 29401 und Schmalfeld 27690 Stimmen. In der Hauptwahl wurden noch 1242 bündlernche Stimmen gezählt, welche dieses Mal der srets. Voltspartei zu Gute kamen. Die Wahlbeteiligung war außer» ordentlich lebhaft, sie betrug rund 95 Proz. Vor 3 Jahren ist die ireis. Vereinigung mit 23993 gegen die Sozialdemok,alie mit 25076 Stimmen unterlegen. Ilriprünglich wurde Bremen im Reichstag national» liberal vertreten, 1890 trugen aber die Sozialdemokraten erstmals den Sieg davon. In den zwei solgeudeu Legislaturperioden batte die jteil'. Vergg das Rtandat im Besitz, im Jahre 1903 erooerten es aber die Sozialdemokraten wieder. I tzt ist es an die freis. Bolksparlet gefallen. Der „entschiedene" Liberalismus jubelt deshalb jetzt schon, daß nur iinstanoe wäre, „den Damm änfzurichten, der die bürgerliche Gesellschast vor dem Hereinsiutcn des Sozialismus schützt".
Ter Bremer Wahl folgten am Samstag weitere Stichtvah.en. Auch dieies Mal blieben die Sozialdemokraten in den Kreisen, in welchen sie in Betracht kommen, in der Minderheit, sie verloren weitere drei i rer bisherigen Mandate, sodaß ihr Gesamtverlust zur Stnnöe 25 Sitze einichließt. Zunächst wurde ihnen der Wahlkreis Pinneberga bgenommen, roeldiet jetzt an die freis. Bolksparlet überging. Bei der Hauptwahl erhielten die Sozialdemokraten 19617, die Freisinnigen 144 >3 und die Ratioualliberalen 9027 Stimmen. Letztere hatten also den Äusichiag zu geben, sie stimmten offenbar geschlossen für den Freisinn, sodaß er 23 882 Stimmen erhielt und die Sozialdemotrate« mit 19 843 Stimmen unterlagen. Der Wahlkreis war fett 1890 mit Unterbrechung eines Jahres in Händen der Soz aldemokraien. Wetter wurde ihnen am -amstag der Wahlkreis Randow-Gretsenhaak t avgenommen. Dort wurden bei den Hauptwahlen für die Soz. 17 162, für die Konservative» 17030 und für die liberalen 4942 Stimmen abgegeben. Jetzt trugen die Hontet« vativeir mit 22790 Stimmen gegen 13830 soz. den Steg davon. Die Liberalen traten also größtenteils für Die Konservativen ein. An dritter Sielte roiiibe Rostock den Soz. entrissen. Gewählt wurde hier der Rativuatliderale mit ca. 13200 Stimmen gegen ta. 12 200 Stimmen, roeldje aus Die Sozialdemokraten ein fielen. In der Haupt wahl erhiettcn die Sozial« demokraten 12314, die Ratioiialltveralen 0286 und die stets. Loltspartei 7913 Stimmen. Hier führte al o der Freisinn den Sieg der Raliorrallibercue» herbei. Weiter stano die Sozialdemokratie tm dritten braunschw. Wahlkreis Holzminden m Stichwahl. Bisher war der Wahltreis im Besitz der rmrtfch. Vrg. Bet der Hanp.wahl erhielt ihr Kandidat, der Antisemit Damm, 9703, die Sozialdemo.raten 9364 Stimmen, während aus den Freisinn 3258 Stimmen fielen. Jetzt erhielt der Antisemit 12 931 und der Sozialdemokrat 10 231 Stimmen. Ter Freisinn gab als« auch hier den Ausschlag.
Der Wahlkreis Memel-Heydekrug war 6i$t;cr in Händen der Konservativen; er ist jetzt art die Nationalliberaten Lbergegangen. Tea Aurschlug hatten Sozialdemokraten und L'ittauen zu geben. In Hagenow-GrcvelSmühle wurde an Stelle des forf. Rettich der wildtibcrale Graf Bcthmcr gewählt. In Schwerin-Wismer fie- haupteten sich die Konservativen gegen die Sozial- demrsraten, in Parchim wurde Pochnicke von der fr Vgg. wiederaerröhlt, in Malchin siegte von Maltzahn (?o:if.) gegen den Sozialdemokraten, in Rrftrcto wurde v. Treuenfels kkons.) wieder- gr"'SMt und in Meckfenburg-Streliy behauptete sich di: ReichZpartei gegen die Sozialdemokraten.
lamaj, haben als» die Sonaldemokrateu ens- fliltig 25 Mandate verloren. Die Konservativen stellen sich jetzt aus 48 (+ 61, haben aber 5 Wian- bate verloren, die Natwnalliberalen auf 21 verloren 10, gewannen 12), die freis. Voltepartei atu 8 (veil. 2, gern. 6), die freis. Ver.iuigung auf 2(4- 1), bte Retmepattei aus 10 (verl. 5, gern. 2). Am Montag finden 9 Stichwahlen statt, an denen die Sozialdemokraten dreimal, da- Zentrum viermal (Forchheim, Würzburg, Landau und Zweidrücken) beteiligt UL '
Deutscher Reich.
Oetlin, 2 Februar 1907.
Die Dudgetkommisfion deS Abgeordnetenhauses letzte am sitetiag leine Beiatungen bfim (Siat der Berg-, Hüllen- und Salinenver- Wallung sdlL Var dem Eintritt in die Ver- handfungen gab Handelsmmister Delbrück welcher am Donneisiaq von der Unglücks^ stelle im Saaraebiel zurückkehrle, eine ein siebende Darstellung über das Unglück in der Jieöen>(Srube. In längerer Auseinandersetzung trgle er dar) daß vor dem Emsahren der Beleg-
schast die vorschriftsmäßige Meldung erstattet worden fei, Daß sich alles in Ordnung befinde. Ein Vertrauensmann der Belegschaft, Dessen Be- fabrbfitber (eine Bemänaelungen enthielten, habe ihm erklärt, daß er tatsächlich nichts zu erinnern gesunden habe und daß das Flfitz Thiele als schlagwetlersrei anzusprechen gewesen sei. In einem einzigen Falle, wo Schlagwetter aui- gelreten seren, wären die Arbeiten in dreiem Flfitz zur Berhütung von Gefahren mit elek« lriichen Lampen vollkommen sachlich ansgesührt worden. Sehr wertvolle Dienste, führte der Minister weiter auS, hätten die in völlig aus. reichender Zahl vorhandenen Rettungsapparate geleistet, in deren Gebrauch die Leute gut aus« gebildet seien. Gegen Abend deS Unglückstages hätten die Rettungsmannschafien zurückgezogen werden muffen, weil zu befürchten gewesen fei, daß em Grubenbrand einlreten und weitere Explosionen zur Folge haben würde, lieber die Ursache der Explosion bat sich nach den Mil« teilungen des Ministers Zuoerlä'siges nicht ermitteln lasten. Ern Sprengschuß kann nicht der Anlaß gewesen sein. Ob die Explosion vtellercht durch Tabakrauchen verjchuldel fein könnte, laste sich mrt Sicherheit nicht beantworten, ebensowenig, ob etwa mit einer Lcrntpe unvorsichtig rrmaegangen worden sei. Das völlig über» rauchende Auftreten von Schlagwettern sei, wie man vermuten wüste, darauf zurückzujühren, daß blähet unbekannte Klüfte aus dem oberliegenden Flfitz Schlagwetter in das Flfitz „Thiele" hätten eintrelen lassen. — Die Komm ssion nahm die Erklärungen des Ministers zustimmend auf und wandle sich dann der Beratung des Bergetais zu. Der Etat sieht an Ernnahmen aus Bergwerken rund 20 » Millionen Mark vor, was eine Mehreinnahme von 30 M llionen Mark bedeutet. Die Mehrein- nähme erklärt die Regierung daß nach der gegenwärtigen Marktlage eine mäßige Et Höhung der Kohlenpreiie angezetgt erschien. Die Emnalunen aus den Hutten betragen reichlich 24 Millionen M_rk mehr als im Vorjahre. Die ©alwerfe bringen 15 Millionen Mark, die Bäder Elmen, Geynhausen, Arten und Dürrenberg 550,000 Mk. und einige von Preußen mit anderen Staaten gemeinschaftlich betriebene Werke 7 Millionen Mark. Die getarnten Einnahmen deS Etats stellen sich auf 245 Millionen Mk., 18 Millionen mehr als im Vorjahre. Auf eine Anfrage, nach weichen Grundsätzen die Kohlenpreise der fiskast- scheu Werke den Preisen abhängig feien, welche die Privatindusirie an den Plätzen stellen würde, an denen er mit der Privaundustrie in Konkurrent stehe, so würde der niedrigere Preis nur den Händlern, nicht aber den Konsumenten tu gute kommen. In her weiteren Diskussion wurden auch die Verhäftnisie deS Kaliiyudikats besprochen. Der Minister erklärte, daß er feine Maßnahmen sowohl für den Fall des Zustandekommens wie deS NichtiustandekommenS des Kalisyndikates getroffen habe, indem er in Bleiche- rode einen stärkeren Ausbau in Aussicht genommen habe, um für alle Fälle gerüstet zn fein. Eine Ausschließung neuer Felder dürfe nur mit Vorsicht erfolgen, um die Ueberprodukiion an Kali nicht noch weiter zu vermehren. Vorderhand beabsichtige jedenfalls der Fiskus nicht, neue Salzbergwerke zu kaufen, sondern nur die vorhandenen auszubauen.
* Gin Missionär über den slidwestafrikani- schen Krieg. Der bekannte protestantische Mttsionär«. Scho mal der äußert sich über die südwestafrikanischen Zustande in der.Gartenlaube' folgendermaßen: „In unterem südwestafrikanj. lchen Schutzgebiete, oder wie es bald heißen wird, in unserer südwestairikanifchen Kolonie, ist immer noch Krieg; wenigstens berichten Die Zeiiungen so. Ter weisende im Lande der Bewohner des Sandes, ja auch der größte Tert der dort stationierten Truppen sieht aber davon nichts; nur der Truppen-Lieserant merkt es an den Preisen, Die er löst, und der Soldat an den endlosen Tran-porten. die er geleitet.....»'
lieber die Vorteile deS Krieges lagt Schowalber: «Dem Kriege haben es die Geschättsleute in ^üdwestafrrkazu verdanken (und die Leiter fiffent- sicher Arbeiten nicht mm »er), daß es an Aibei- lern nicht fehlt; denn der größte Teil dieser Arbeiter sind Kriegsgefangene. Die von Dem Gouvernement nach Bedarf abgegeben werden. Und während in Kapstadt ein Schwarzer 80—100 Mk., im Innern des Landes 6u—80 Mark nebst freier Station im Monat erhält, zahlt man in Südwest 10 15 Mark und auf dem Lande selbst 9 Mk. im Monat; auch für treie Arbeiter, als ta sind Berg- und Klippkaffern und Orambos, die Kon- kurren, drückt auf fie.* Daß eS einem großen Teile Der Soldaten, Deren furchtbare Notlage Die Presse des Holte ttotten-Blocks nicht «rübiehg ge- n«g schildern konnte, gegenwärtig gar nicht mehr so kläglich geht, beweisen folgende A'isiührungen des Millionärs: „Di filiere und Mannschaften sieht man hier fast nu. mit S ficken in der Hand, kaum, daß einmal einer umgeschnallt Hal. Und doch sind hier in Der Stadt noch Europäer genug, daß es sich mit der Rüstung zu paradieren lohnte; Die Sachen in Ordnung zu Italien, ist auch hier noch am ehesten möglich, woraus sich ergibt, daß matt im Lande drinnen noch weniger «milttäriich"
auflritt* lieber die Trotha'sche Ausrotlungs- Sirategie läßt sich der Missionär also vernehmen: „Unter Den allen Kolonisten Südwests gibt es wenige. Die nicht mit Der Möglichkeit einer bal« Digen Wiederholung des Ausstandes rechn n; ich glaube nicht. Daß die Hereros in absehbarer Zeit wieder an eine Erhebung denken kfinnen, u> d ich bin gewiß. Daß Die Gefahr, die ganz Südafrika in Dem unausbleiblichen Enlscheidungs - Kampie zwischen schwarz und weiß Droht, für Sudwest in weitere Ferne gerückt ist, als irgendwo sonst. Denn Der letzte Krieg hat Dem Hererovolle mehr als ein Viertel feines Bestandes geraubt. Nach Den Kämpfen am Waterberge sind die Ausstän- bischen nach Der Sandwüste, Der Dmahefe, aus- gewichen, und hier bleichen Die Gebeine von 12 — 15,000 verhungerten unD verdurste- len Menschen; 5o00 mögen in den Geiechien geblieben fein und n 00 sind weiterhin in Den Konzentrationslagern gestorben oder beim Eisen- bohnbau. Man erschrickt unwillkürlich, wenn man die Zahlen hört und denkt an Die berüchtigten Konzentrationslaaer aus demBurenkrieqe. . .* Die ehiliche Wahrheit sieht aHo ganz anders aus, als Die Legende Der ehemaligen Südwest- afüfaner, Die sich jetzt dem Hottentotten - Block zur Venügung gestellt haben!
Zur Wahrbewegung.
Selben Stichwahlen stimmen Die Liberalen in ganz Deutschland gegen das Genirum und für die Sozialdemokratie. Das ist Das Resultat her Kölner Kom- promißverhandlungen rwischen Zentrum und Liberalen. Deshalb Darf jetzt ebewowenig e ne Zentrumsstimme für r inen Liberalen abgegeben wer- Den, in keinem Wahlkreise.
A Lkaffel Melsungen, Einer großen Gefahr ist das Zentrum dadurch entgangen, daß in Kassel der Schnfisteller Wolf, Der sich selbst als Kandidaten proklamiert hatte, nicht mehr in Frage kommt. Im ,Berl. Tagebl/ hieß es, daß Wolf gewählt werden müßte, weil Wölfe, ja Löwen in dem Reichstag nötig wären, um einmal Die schwarze Bande auszusresien. 9lun draucht sich Herr Wolf, Der 575 Stimmen er- halten, nicht Den Magen an Dem „schwarzen Keulen fleisch" in Berlin zu verderben, er kann in Kassel bleiben und an hem zarten, weißen national« katholischen Lammfleisch fern Hunger stillen.
Den Katholiken im Kreise Kassel-Melsungen zur Rachncht und Beachtung, daß die Deutschsozialen in D. Krone, wo Spahn (Benhum) gegen Ganrp in Stichwahl fleht, geschlossen gegen Spahn stimmen, wert die Parole auSgegeben worden ist: »Keine Stimme Dem Zentrum." Der im ganten Deutschen Reiche die Deutichio.ialen cegen Zentrum stimmen, kann man füglich nicht erwarten, daß Die Zentrums- anhänger Die Deulfchfozialen an gefährdeten Stellen herau-hanen.
X Aus dem Wahlkreise Kaffel-Melsmtgen. Mancher von den m unserem Wahlkreis üoruanöeneit, freilich nicht gerade zabtreichen „national Eathol.* Katholiken, bat sich nach dem Ausfall der Wahlen im deutschen Reiche zu Gunsten der Z-ntrnmspartei an b;e Stirne gefaßt uns bedauert, daß er sich feuroärt» der Partei gestellt. Tie Staatsparole lautete: Gegen die „schwar-rote Ästehrheitt' und eine solche Zn- sammensteilung her tiiduratfeftrn, national denkenden, für daS Wohl des Vaterlandes einiretenben Katholiken mit der revolutionären Sozialdemokratie darf sich lein entschiedener Katholik bieten lassen. Wi. find königstreu bis auf die Knochen urb echt national, d. h. wir wahren die Rechte des Volkes und wollen, was da» Jntercffe des geiamten Volkes fordert. Tarum ist für nnS auch die Parole: Vaterland und Zenttumspartei kein Gegensatz! W is die „national" denkenden Kawoliken freilich in den Zei ungsannoncen vor dem SBahUa >e nicht gesagt, aber geroümr't hatten, hat die ,Bo|s. Zeitung' in einer Depcjche vertaten, die da lau.ete; .Eine Anzahl katholischer Männer haben entgegen der Zcutrumcparole für Uaffel-Melsungen beichlofsen und in der Zeitung dazu auigeiorbert, im ersten Wahlgange für den nationalliberalcn Kandidat cmuitreteiu* litt» begreiflich ist es in der Tat, wie man bei den tag» lichen Beleidigungen der Katholiken in den großen und tleincn Zeitungen noch so blind und lenden- Iah n sein kann. Wie beleidigend ist doch wieder der folgende Erguß deS ,(£a(feier Tageblattes' vom L Februar: ,TaS Zentrum freilich wird ungefähr in alter Stärke in den Reichstag roietec einziehen. Aber es wird kaum mehr einheitlich stimmen, wenn auiS neue nationale Fragen auf dem Spiele stehen. Du Riß ist da, zwischen den nationalen Katholiken und den llUramoutaneit san« ph«as«. Vortäitfig ist bet Rtß verkittet, aber der Kitt wird sich taiim als dancrhait erwencu. Die Frage des Verhaltens bei den Stichwahlen für dte bür erlichen Parteien ist aus derselben nationalen Parole zu lesen, die non vornherein ausgegeben ist und als Flaaqe übet der ganzen Wahl wehen fall. Auch daS Zentrum bat sich prinzipiell stets hoch und teuer dagegen verwahrt, mit der revolutionären, vaterlandsloien Sonaldemokratie gemeinsame Sache machen zu tfinnen. Selbst beim jetzigen Wahlkampte, wo es sich wobt ober übel an deren Seiten festgenagelt fah. furtue eS sich noch äußerlich jenes Prittzip hochnihaltrn. Es will trotz allem und vor allem repierungstähig bleiben, bat Ar zeugt das (Scharen 'einer Führer wabrcnd tin> nach der Wahl. Aber dem erhaltenen nationalen und kolonialen Denkiettel wird das Zeittinm bei seiner tun igen Politik doch einigermaßen Reclmung tragen niuiicn. Auch ist von bleibendem Wert, daß es mit der Sozialdemokratie
keine Majorität mehr ins Feld führen kann, dta h allem dürfte das Z ittrum bei den Slichivahleii das Odium scheuen, sich mit der roten Fahne zu verbrüdern, zumal für die Partei ebenso viel ober mehr (tzewinn dabei heranskommt, weilii sie mit ober ohne offene Verständigung den Gang mehr an der Seite der anderen bürgerlichen Parteien m icht." Das kann man doch nur Dann ruhig hinnehmen, wenn man wirklich inferior d. b. hirnverbrannt ist. Was die Stichwahl anbelangt, so muß das Zentinnis- Wah komitee für Kassel-Melsilitzen die allgemeine Parole der Zeutrnmstübrer anerkennen und von Herrn Lattmann schriftliche Aeußeiung unb Stellung« nähme verlaugen. Sollte das nicht ge!ordert werben, bann hätten ja bie Israeliten mehr Mut uns Festigkeit, die an den bürgerlichen Kandidaten heranarteten sind und Erklärungen »ordern.
[] Wahlkreis Eisenach-Dermbach. T as Zentrums- ®aültomuce für den Wah kreis Eisenach-Dermbach hat beschlossen, in der Stichwahl zwischen Schack unb Leber Wahlenthaltung zu proklamieren. Das Zentrum hat durch feine Beteiligung au der Haupt wähl sein Ziel erreicht: Berhiuderutig der Wahl des yiationalliberaletu Ta nun das Zentrum für bte Sozialdemokratie grundsätzlich nicht zu haben ist, und da ferner die Partei des Kandidaten Schack — wirtschaftliche Vereinigung — nicht auf dem Boden d r jür die Stichwahlen von der Siebener« konimission in Köln aufgcfieUten Forberititg fleht, so ist damit der obige Standpunkt des Zentrums begründet. ,
Ausland.
* Für Die allgemeinen Reichsratswalflen in Oesterreich auf Gr und des neuen Wahlrechts ist »ach der Wiener ,9leuen Freien Presse' Der 15. Mai als Wahltag und für Den Zwammen- iritt Des neuen Reichsraies Der 12. Juni festgesetzt wotDen.
* Zum ungarischen Justizminister i t bet bisherige @iaaiy|etielär tm Justizministerium Dr. Günther ernannt worden.
* Schwedische Wahlreform. Die Neail-rnng hat am Samstag abend im Reichstag einen Entwurf tvtrcffcnb eine Reform des polilischen und kommunalen Wahlrechts eingebracht. Tanach soll für die Wahlen ?rr zweiten Kammer das a l l- gemeine Wahlrecht und das proportionale Wahlsnstein eingefnhrt weiden. Tie Wahlen zur ersten Kammer, die sich eben* falls nach dem Proportionalwahlsnstcm vollziehen sollen, werden von den Landstings in jedem Lön borgenommen; die Wahlperiode wird von nci.tt auf sechs Jahre herabgesetzt.
* Ans Rußland weroen neue terroristische Untaten gemelDet. Die Stationen Nal- entschow und Leopoldo an Der Weichselbahn sind Freitag abend von Banden ühetfaöen worden, welche Die Apparate Demolierten und Die Kaffen betäubten. Luch Die Halieflelle Kolonia bei Warschau wurde überfallen, es wurden Dort aber nur zwei Nübel oesnnden. — In Odessa überfielen Anarchisten den Kmsierer Der PierdebahngeieUschaft, raubten 2100 slinbel und verwundeten einen Kutscher, der sie verfolgte. Alle entkamen.
* Das neue montenegrinische Kabinett ist ans drei Ministern gebildet worden. Nadovitsch übernimmt deS Präsidium, sowie die Leit'kig des Aenßerrn, der Finanzen und des Krieges. Michael Ivancwillch übernimmt das Innere und (Gabriel Tzcrnovitsch das Justizministerium sowie die Leitung des Kultus unb des Unterrichts. Dieser Ministerpräsident Radovitsch muß ein sehr viel-, seifiger Srrr sein.
• President Noosevelt sandte an den norwegt- scheu Minister des Aeußeren, Lövland, den Dorsitzenden des Nobclkomitees, ein herzliches Dankschreiben für die Zuerteilnng de? Nobelpreises. In diesem Schreiben erklärt er, er werde sein ganzes Leben hindurch Diplom und Medaille hoch in Ehren halten und nach feinem Tode würden dies auch seine Kinder tun. Indem er mitteilt, daß er das Geld einem Komitee über- sandf habe, welches dieses zur Förderung deS industriellen Friedens in den Vereinigten Staaten verwenden werde, schreibt 'er, der Friede der Gefellschaftsklasten unter einander sei in der Heutigen Zeit von ebenso großer Bedeutung, wie der Friede unter Den Nationen; deshalb glaube er mit dieser Verwendung deS Geldes im Geiste des Stifters zu bandeln.
Eröffnung -es nenen Zchlachthofes in 5ul-a.
(£ Fulda, 4. Fehr. 1907.
Nach SVijähriger Bauzeit, bie im Jahre 1905 nur durch Den etwa ein Vierteljahr währenden Maurerau«stanD unterbrochen wurde, ift nunmehr der neue Schlachtdaf Der Stadt Fulda vollendet. Am Rosengarten. *ort, wo noch vor nicht allriilanger Frist sich etn großer Wielenteppich au?breilete, fleht jetzt eine allen sanitären und volkswrrrichafllrchen AuforDrrunaen entsprechende, mit allen Hilfsmitteln Der modernen Technik au»« gerüstete große Anlage, welche Fulda, DaS sie in Zukunft mit Fleisch versorgen soll, zum befon« Dern Muhme gereicht.
Mit gerechtem Stolze darf Die Bürgerschafi unserer ousstreb'nDen StoDt auf das Werk bilden, Das sie mit eigenen Mitteln schuf. Vicht ohne Daß im WrDerstrert der Jniereffen Die geistigen Waffen manchmal scharf getreurt wurden, ward Die Errelchuirg des zu erstrebenden Zieles beschieden. Heute schauen mir Die Vollendung und mit Befriedigung Dürfen Die siäv».