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Zuldaer W Zeitung
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Ratet,»aebrN« tu vertag »er yttibaer He» tiettbr iderei i« Hulda. Zen iprecher Nr V.
34. Jahroanq.
Fulda, Freitag den 1. Fedruar 1907.
Der geheimnisvolle Ring.
Von M. wk Ekensteeu.
t| ('Jta*6tud vervoirn.)
„Sfta", — so kürzte der Oheim schmeichelnd den Namen der schtva^äugigen Maid, und dieselbe hatte cs heute auch laßend Albrecht erlaubt. — „Ata, soll cs nun wirklich also bleiben, daß Sie in wenigen Tagen in Ihre sonnige Heimat zurückkehren — dort die Zukunft suchend, von welcher das braune Weib sprach?" srug derselbe nun, und »vas er unausgesprvchen liefe, das redete der sengende Strahl seines Auges.
„Mein Glück halte ich in der Hand, ob hier, ob dort", gab neckend Ata zurück, indes ibr Auge an dem Silberrcifen hing. Er ober erfaßte die zarte, feinalicdrige Hand, und fest die Lippe» darauf pressend, sagte er beaehrend: „Wenn ich nun diese kleine Hand, welche auch mein Glück umspannt, fest in der meinen hielte und die schöne Trägerin bäte: sei mein für Zeit und Ewigkeit als mein vielgeliebtes, eheliches Weib?" Dem Mädchen wurde es wunderbar zu Mute. — Sie hatte schon manches Wort von Liebe gehört, wenn drüben in der schönen Villa zu Albano die feurigen Söhne ihrer Heimat bei heiterer Tafel- runde an ihrer Seite sahen, oder durch die dnnk- len Cvvressengänge schritten, die weit im Park nen ausdehnten — aber feiner noch hatte mit (o offenem Worte sie xum ehelichen Weibe begehret, ehe er ton Leidenschaft und Liebe geredet hatte, , und dennoch — keinem vorher war sie gut gewesen wie diesem blonden, hohen Manne, nie hatte ibr Herz bei einer Werbung so jäh gemocht.
Albrecht, ihr Schweigen wohl für eine liebliche Aufmunterung haltend, gab die kleine Hand nicht frei, sondern, fest den silbernen Reif umsvannend.
aus ihren Schlünden, denn es ist Sonntag und die fröhlichen, geputzten Menschen strömen scharen» weiseauSdem Häusergewirr ins blühende, grünende Land hinaus, zu genießen urb zu rasten vom Alltage, sich in Gottes freier Raiur zu ergehen am heißen, hellen Sommersonnen-Vkachmittage.
Ter kleine Dampfer, der den Verkehr zwischen RalrSbona und Regenstauf vermittelt, stößt vom Hier ab. Langsam furcht er den breiten St>om, dem selügen Talrand zu, auf dessen weitaus» schauend»r Höhe sich die Walhalla, der prächtige dorische Marmvrtempel aus dichtem Baumgrün erhebt. Auf Deck ist eine dichtgedrängle, lachende Sctar von Sonntags-Ausflüglern, die nach der weißen Tolenhalle pi'gern wollen; Fremde und Einheimische jeden Alters. Die Kinder sehen über Bord, wo die weißen Schaumperlen den Bug des Schiffes umtanzen, wo die Wellen Hüpfen. Andere beugen sich über daS niedrige Geländer, das den Maschinenraum umgibt und schauen neu» gierig dem glc.ckmäßigcn Gang von Hebel und Wellrad zu. Stickendheiß brodelt es zu ihnen auf, und zum kadenrierten Lärm der Schaufel» rüder trommeln sie mit den Fingern gegen das weißgestrichene Randholz des Geländers.
Die Herren sind meistens ohne Kopfbedeckung und weben sich mit ihren Hüten Kühlung zu; dre Damen haben über ihren Köpfen Sonnenschirme ^nsgespannt; immer wieder verwickel« sich Stahl- spitzen und Rüschen und BolantS im großen Gedränge. Am weniqsten leiden wohl die jungen Mädchen unter den 32 Grad Reanmur, denn ihre Batkist» »nd Tüllbluien bauschen sich im schwachen, lauen Luftzüge, der vom Flusse aussteigt.
Wie das leuchtende Ruhmesdenkmal in Sicht kommt, jauchren alle auf in Bewunderung; selbst jene, die es schon zahllose Male gesehen haben, sind immer wieder entzückt von dem herrlichen- Kunstwerk mit den wunderbaren Gicbelgruppen.
„Sehen Sie, Komtesse, Freudenheim-Walhali naht! Wie ein Schwan aus dunkler Flut erhebt es sich a>is dem Landhain Glasir, wo goldene Blüten wachsen!» tagt, den spärlichen Bart zwir- belud, ein junger Lebemann in weißem Spoit- anzuae. Sem Gegenüber, ein bleiches Schwarzköpfchen in fescher, himmelblauer Toilette, lacht hell auf: „O. Graf, ich kenne bie nordische Mythologie noch ga»r genau! Bedenken Sie doch, vor einem Fabre laß ich noch im Gymnasium! Aber, da Sie so überzeugt von goldenen Blüten iprechen, halte ich Cie beim Wort; Sie sollen mir eine Krone daraus winden, wenn wir den Hain durchschreiten.
Der jlinge Mann meckert ein gezwungen s Lochen: „Geht nicht, gebt wirklich nicht, Komtesse! Rur den Wükyicn, die O">in den Wein kredenze», aehört der goldene Schmuck!»
Maschiuemaum aufsteigend kerrchk e n Arbeiter. Die A'rmek seines dlaugeilreiflen Hemdes sind emporgeschoben, die dampfende Brust liegt frei und vom geröteten, rußaesiecklen Gesicht rinnt der Schwe.ß. Auf dem Rücken klebt das nasse blaue Hemd, auf der tieidurchiurchten Stirn das spärliche Haar. Scheu rveichen die Damen in ihren hellen, lpihenrimfluteten Kleidern zur Seite, damit der rußige Arbeiter sie nicht fireitt. Graf Thorsten hat Sein rosaseidenes Koquettier- taschenluch, daS mit Atkinionp. rtüm getränkt ist, zur Rase geführt. Ter penetrante, ordinäre Schweißgeruch hat ihm ent körperliches Unbehagen verursacht.
„Shoktng!» lispelt die Komteste, „nackt die schmutzige B ust, dte rußigen Arme!»
Em kleiner Bengel mit goldblonden Locken und hochroten Glübwangen, sieht dem Ar bei er
Drittes Wlalt
ki. c. Die hsben's gut.
Skizze von M. von tikeustee».
(Nachdruck nützt gestattet.)
Glühend heiß, in senkrechten Stra len liegt die Fultjonne über dem fruchtbaren Tale, wo am lecksten Donau • Ufer Regensburg sich ausbreitet. Sie strahlt m die engen, krummen Straßen mit Len wappeugezierlen, altertümlichen Häusern, webt wundertiche Reflexe um die wundervollen Türme des Domes, dte rote Fitigranschmuck zum Himmel emporstreben, haucht ihren lenaenhen Kuß auf das Steingeländer der Gallerie und flimmert um den schlanken Dachreiter atr| der Vierung.
Dre Sonne lacht heute auch um die hohen Fabriktchlote, kein qualmender Rauch wälzt sich
und flehend vor einem Weibe gewesen zu sein, sprang er empor — und fest — aber ohne den innigen Klang in der Stimme, der Annuziata stets so traut berührt holt-, sprach er: „Möge es Anunzrata Ferrari beschlafen, ob sie Albrecht Wendlings Weib werden maal"
Danft wandte er sich den Fenstern gegen den Platz zu; eilig schritten die Menschen durch die Dämmerung, aber er acht-te nickt darauf und legte die glühende Stirne an die kühlenden Scheiben. — Sie aber gesellte sich plaudernd den Frauen bei, und als der junge Mann später dem Spiele der Männer ernst und schweigend zrisab, verlor sich ihr Blick bang und fragend zu ihm hin; — er jedoch suchte ihr Auge nicht mehr, und als er zu später Abendstunde mit den übrigen Gästen munter plaudernd heimwärts schritt, da lag sie wer nend erst, dann im Zorn grübelnd, in ihrer blau verhangenen Stube und sprach immer wieder: „Er hak mich nicht lieb, trenn er nicht nachgibt; er hat mich nicht lieb, sonst würde er nicht herrisch fordern!"
Sie bedachte nicht, wie sie sich selber mit solchen Worten ihr Urteil sprach, und endlich sckli- sie ein unter der tröstenden Hoffnung: er wird kommen, und nachgebenk
Aber — er kam nicht, und er gab nicht nach.
Andren Tages laa es regeiisckwcr am Himmel, als ein Bote vom Hause Sßenblina „tarn, einen flroßen Schreibebrief überbringend für Fräulein Ferrari. „ _ , t
Jäh pochte es ihr in der Brust, rind hastig den Bogcn ausbreitenb las sie die, mit festen, niarki- gen Zsig-n gefchriebenen Worte: „Will die Fung- freu Slnnnüata Ferrari meine Liebe annehmen, und den Bund für das Leben besiegeln durch Wechsel der besprochenen Ringe? Albrecht Wendling."
! Regenschwer war der Septembertag rind regen-
Tie Freisinnigen geben keine einheitliche Parole aus, sondern überlassen fodem Kreise die Entscheidung; gegen das Zentrum aber stimme« s i e überall; m einigen Orten wollen sie für die Sozialdemokraten ein- t'^Di'e Polen treten in den Stichwahlen überall für das Zentrum ein; wo dieses nicht m der engeren Wahl steht, fordern sie zur Unter,tutziuig der Sozialdemokraten auf; gegenüber National- liberalen und Konservativen aber empfehlen sie Wahlenthaltung. Tiefes Verhalten, ist vom politischen Standpunkte aus verständig, aber unbegreiflich ist es, wie sie im Westen im ersten Wahlgange eigene Kandidaten aufstellten. Hätten sie in Dortmund. Bochum und Mülheim sofort für das Zentrum gestimmt, dann wäre da ein Nationallideralcr gar nicht in die Stichwahl gekommen und der polnische Feind wäre mlsge- schaltet worden. Aber die Radikalpolen find ganz unverständig und für eine brauchbare Politik nicht zu haben.
Tie Sozialdemokraten haben sich ihre Stellungnahme ganz für ihren eigenen Zweck dargelegt; sic kämpfen gegen Konservative und Nationalliberale; den letzteren sind hierdurch viele Hoffnungen zerstört worden. Für Freisinn und Zentrum treten sie ein, wenn diese Kandt- baten sich erklären für die Beibehaltung des NeichStagswahlrechts, für die Koalitionsfreiheit und gegen jedes Ausnahmegesetz. Ter Partei- Vorstand wünscht dringend die Einhaltung dieser Parole. Das sozialdemokratische Interesse ersor- dert diese Taktik; je stärker die Rechte wird, um so größer find die Gefahren auf diesem Gebiete. Aber mit dieser Taktik gesteht die Sozialdemokratie auch ein, daß sie seither das Zentrum zu unrecht auf diesem Gebiete verleumdet hat. Jetzt traut sie plötzlich dem Zentrum zu, daß es diese Neckte hochbält, sonst las mau stets, es sei nicht zuverlässig gewesen.
So hat der Aufmarsch sich vollzogen. Pflicht der Zentrumswähler ist es, in allen Kreisen, wo wir in Stichwahl stehen, den letzten Maun hernn- zuholen und aus eigener Kraft zu siegen. Wir tränen feiner fremden Hilfe. In einem Dutzend Wahlkreise können wir aus eigenem Vermögen siegen und müssen dies auch. Dann wiederholen wir die Bitte, sich strenge an die für den Kreis gegebene Parole zu halten. Am 25. Januar hat die Zentrumswählcrschaft ausge-eichnet gefochten; am Tage der Stichwahl wird sic c? nicht minder tun! Die Gegner und besonders die Re. gicrung suchen uns heute zu umschmeicheln; noch vor acht Tagen haben fie uns beschimpft; das vergessen wir nickt und folgen unseren Führern und nicht unseren Gcanern. Die strengste Einhaltung der Stickwahltaktik ist ein neues Ver- tranensvotum für nufere Führer; alle Welt soll sehen, wie aescklosien wir find und wie hoch unfer politisches Verständnis ist. Die Gegner spekulieren auf unsere politische Dummheit; aber dieser Faktor ist bei uns gar nicht vorhanden, darum muß ihre Rechnung faßen!
U Der Aufmarsch zur Stichwahl.
Die verschiedenen Parteien haben nun die Parole für die Stichwahlen ausgcgebcn; wenn fie überall eingehalten wurden, könnte man heule schon das Ergebnis derselben scststellen; aber man weiß ja, daß die Wähler im liberalen Lager sehr unzuverlässig find und nicht ihrer Parteileitung folgen. , , , ...
Was zunächst das Zentrum betrifft ,so ist eine einheitliche Parole für das ganze Reich nicht zustande gekommen; das ist leicht erklärlich, xte Verhältnisse im Reiche sind so verschieden, daß es gar nicht möglich ist, von einer Zentralstelle aus zu schablonisieren. Tie Provinzial- und Landesausschüsse wissen am besten, wie sie mit ihren Wählern daran sind, und deshalb war cs sehr verständig, diesen die Parole zu überlassen; sie ist überall zustande gekommen nach eingehender Prüfung der jeweiligen Verhältnisse und somit den Bedürfnissen der Provinz und des Landes gut angepaßt. Jetzt muß vor allem darauf gefeiten werden, daß diese Parole überall strenge eiiigchalten wird; man lasse sich ja nirgends verwirren durch Hinweis auf das Verholten der Zentrumswähler in anderen Gegenden. Wo andere Verhältnisse sind, fallen eben andere Entscheidungen; das ist ganz natürlich. Im aß gemeinen lassen sich drei Gruppen im Zentrum unterscheideu: 1. in Schlesien besteht die Parole: unter allen Umständen gegen die Sozialdemokratie für die bürgerlichen Kandidaten; wo 2 bürgerliche Kandidaten im Felde stcho«, da entscheidet das Bezirkskomitce. Wenn hier gegen den Frei- sinn feine besondere Sympathie besteht, hat er dies der fatholifenfeindlichen Stillung feiner Presse zuzufckreiben; man vergißt im Zentrum nickt so rasch, was man einem angetan hat. 2. In Bayern besteht gleichfalls eine Wahlparole für sich, bet „Bayr. Kourier" gibt als führendes Zentrumsorgan die Parole aus: „Heraus mit der Blockbr Überschrift! Keine Stimme für siel" In einigen Kreisen werden wohl manche Zen- trinnswähler sogar direkt für den Sozialdemokraten stimmen. 3. Im übrigen Deutschland heißt es: Keinem Nationtillibcralen und keinem Sozitildemofraten eine Stimme! Für Preußen und Baden gilt dieser Ruf ganz befondcrsl Er ist nur bie Fortsetzung der Wahlparole vor der Hauptwahl! Kein Mensch kann vom Zentrum fordern, daß es für einen Nationalliberalen eintritt, (auch in Schlesien geschieht dies nicht, denn dort ist keiner in Stichwahl). Diese Partei har unS grimmige Fehde geschworen, also muß sie damit reckneu, daß wir sic allein kämpfen lassen. Insokge dieser Parole durfte bie Sozialdemokratie einige Mandate gewinnen.
Die K o n f er v a t i v e n unterstützen jeden bürgerlichen Kandidaten gegenüber den Sozialdemokraten.
Tie Ratioualliberalen wollen folgende Stichwahltaktik befolgen. Da das Zentrum gegenüber den ncitionalliberale« Kandidaten Wahlenttzaltimg proklamiert und die Sozialde- mofeatie noch einen Schritt weitcrgcht und eine positive Unterstützung der Zenttumskandidaten tn Aussicht stellt, wird die nationalhbcrale Partei in mehreren Distrikten gatt* auf eigene Kraft att- getoiefen fein. Tort, wo SoÄtildctuokraten und Zentrum nriteinanber kämpfen, könne für die liberale Partei nur die Wahlenthaltung in Frage kommen: Keine Stimme einem Sozialdemokraten, aber auch kstne Stumme einem Zentrimts- mann". Wir haben hiergegen gar nichts cinzu- wcndcn, wenn nur biefe Parole befolgt wird. Köln, Düsseldorf und Essen sind uns dann in der Stichwahl sicher ; sie können nur durch direkte Unterstützung der Sozialdemokraten verloren leben. Am Tage nach der Wahl sprechen wir ierüber näheres.
welchem die Zigeunerin durch ihr geheimnisvolles 1 Rede» in Annuziatas Herzen tiefe Bedeutung ge- 1 geben, bat er schmeichelnd: „Ala^darf ich dem Oheim morgen zu gebührlicher totiutbe diesen wunderlichen Ring zeigen, und ihm tagen, daß ihn ferne schöne Nichte mit dem Ring vertauschte, den ich zu feftem Gelöbnis ihr jetzt an den Finger stecke?" Bei den letzten Worten hatte er vom kli-tnen Finger seiner rechten Hand ein zierliches Riugelein von seiner Goldschmtebefunst zeugend, gelöst, in dessen Mitte eine leuchtende Perle gefaßt war; Ata aber, erschreckt abwehrend rief: „Nicht diesen Ning, Herr Albrecht, begehret von mir! Denselben missen, brächte mir Unglück!"
Verwundert, den Sinn ihrer Worte offenbar nickt begreifend, gab er zurück: „Unglück? tote sollte solches nahen, wenn Ata sich in liebenden Mannes festen Schutz begibt? — Tausche d'n, Ning nur ein, holdselige Jungfrau, wenn nicht der Liebe geheime Mockt Dick daran bindet!" < „Nickt Macht der Liebe, — Machst des Glückes! Herr Albreckt! Fordert alles andere von mir, doch dieses Ningelcin begehret nicht, denn nimmer würde ich es Euch geben!" — „Und wenn ich bäte Anunziara, bäte als Beweis der Liebe, die. meines Serien» heißestes Sehnen ist?"
Der stolze Mann hatte artig das Knie vor ihr gebeugt und achtete cs nickt, daß (ein WommS aus tiefblauem Mancheftcrfamt den Boden streifte, und fah es nicht, wie herrischer Eigensinn in das fuße Gesichtckcn der Italienerin flammend aufflieg
Ack! der Mann in einem Augenblicke flehen- der Bitte, erscheint fo schwach dem Weibe!
„Auch kein Bitten mag helfen! ich darf — ich kann und ich wiü den Ring nicht von mir geben."
Ta zog es wie Unwillen über deS jungen. ManncS Zuge: hastig, als schäme er sich fo weich!
mit großen, fragenden Augen nach, rote er zur Kantine eilt, zwei Flä.chchen SeltcrSroasser kauft und in den Maschinenraum zurücksteigt, ohne umhermschaucn.
WaS geht in dem Kinderberzen vor? Fühlt es instinktiv die stille Anklage, die dieser ruß. geschwärzte, schroeißbedeckte SonnlagSarbeiter bildet? Empfindet der kleine Bursche mit dem Engelskopf schon tun krassen Unterschied zwischen Reich und Arm, zwischen den Sklaven der Arbeit unb der ausgepichten Menge, die sich lachend und cherzend auf Deck unterhält, sich mit Tüchern und Hüten Kühlung zujächelt und über die Sonnenglut feuszt?
Schmerzt es das weiche Kindergemüt, daß der balbentblöüte Mann in der brodelnde« Schwüle an der Maschine arbeiten muß, dah die eleganten Damen ihre Kleider an sich reißen, um den Kontakt mit dem schmutzigen Arbeiter zu meiden?
Immer größer werden des KindeS Augen; eine ftischcn Lippe« öffnen sich, hastig keuchend, weit beugt er sich über daS Geländer und blickt m den Mafstinenraum.
Und plötzlich wendet er sich um und rüst halb in Schmollen, halb i« Staunen: „Mamachen, haben die Männer eS gut! S,e trinken Limonade !”----
Ein Kichern auf Deck, ein Lache«; dann eine Schmeichclstimine: „Der süße Bengel! Welche köstlichen Einfälle!»
Die Sonne glüht, da« Schiff zieht seine Furchen, die Räder rattern Born Maschinell- raum steigt die Hitze atembeklemmend empor.
Sonntag ist's, heißer, sonniger Soinnternach- mittag. — — Im Maschinenraum wissen sie nichts davon. Arbeit ist ihre Losung, ob Sonn- ob Wochentag.
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fckwcr l<ia es ihr cmck im S?r«w: aber ..wäre n'Hn Nachü'-b^n nickt Sckmäckc?" sprach die stimme des ®i(*e«Rttr’n ihrer Brust, ""d her« sstbcn na-h^chend fckrtch sie auf ein rterlickes Bcr> oamentbl-cki: „Annnstata will ^llcs geben, doch nimmer fick trennen von dem Ringe, welcher ihr Glück beh-ntet"
Dann hnrrte sie den langen Tag aus ihn. aber immer dichter geh der Rcacn herab und me-^en» leer k-lsth der Enjdicnpl-’tz. — Die Nackt kam, und trübe Regc"f^titicr ftafien ans ihren f*än»n Nuaen auf die Kissen — diese eine, schwere Nacht — und wie fo mcincke noch nachher: denn — Afhreckt Wendling war ohne Abschied farWtogen. „sticschäftsverbind’inoen" fo hieß eS. hatten ihn eilig hinwenaelockt, aber Ala allein wußte es, warum er ansaeiogen war. .
Auck sie kehrte zurück in ihr schönes Se,Mailand, aber vernei"cnd f^'sttelte sie daS Saunt, wenn ihr ein atutäuoiacr Mann von Liebe sfrack. UebernIT fah sie zwei blaue Ai'acickt^rne, und fest die L'vnon prelkend drehte sie den GliickSring mit hen Schlanacnköpfcn, her ihr bi? seN mir Leid nebrachr hotte. Noch fünf Tannen wahren fern Kunde van Niirnb"ra, und felicics Soffen f^mefTfe ihr die Brust, olS sie wieder die markigen Schrift- -ngc Albrecht Wendlings erkannte. Er schrieb kurz und gewcffcn, wie fein Bascr deS einzigen SobneS und Erben Seirnt wnnfchc und frfion ein Weib ncwählt habe für denselben: ihn ah-r treibe das Sm, vorher anuifragcn, ob die f*5-e Ata noch frei fei. und sich heute von dem Silberreif trennen wolle?
Da Rente wicdcrum der Eigensinn über die Liebe, und zu ihrem Batcr eilend fnmck sie: «Teurer, ich bin entschlossen. Deinen Lichsings- wünsch zu erfüllen, ich will ßconorbo Sangollani heiraten l"
Gortsehung folgt.)