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Fulda, Donnerstag den 31. Januar 1907.
34. Zahrpang.
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Aar Imin» md die Slichvahlm.
In einer am 29. Januar in Köln abgr- halten en Besprechung über die bevorstehenden Stichwahlen zum Reichdtag, an welcher teil» nahmen die Vorsitzenden der Landerausschüsse bezw. Provinzialausschüsse der Zeotrumspartei der Rheinprovinz, Westfalen, Hessen • Nassaus- de- Großherzogtums Hessen, der Rheinpfalz, sowie eine Anzahl weiterer Vertrauensmänner der Zentrumspartei, wurde nach eingehender Beratung beschloßen:
Den Wahl»Komitee- der Zentrumspartci z» empfehlen, nur diejenigen Kandidaten zu unterstützen, welche sich verpflichten, einzulreten:
1) Für die Aufrechterhaltung des geltenden Reichstag- - Wahlrechte-, gegen jede De» schränkung de- Koalition-rechte-, für die Fortführung der sozialen Reform - Gesetz- gebung, sowie gegen jedes Ausnahmegesetz auf politischem Gebiete;
2) für die Sicherung der vollen Religionsfreiheit in allen deutschen Bundesstaaten im Sinne de- Toleranz - Antrages und gegen jedes Ausnahmegesetz aus religiösem Gebiete.
Köln, den 29. Januar 1907.
Dr. Spahn. Dr. Karl Bachem. Lahensly. Fritze»-Düsseldorf Gröber.
Herold. Dr. Jäger. Müller-Fulda.
Dr. Schmitt-Mainz. Trimborn.
—* Der Kaiser über die Reichs- tagswahlen.
Alljährlich gibt der Kaiser in einem Erlaß an den Reichskanzler seinem Dank Ausdruck über die Glück» und Segenswunsch!, welche ihm zu seinem Geburtsfest dargebracht werden. Ta dieses Ma die Verkündigung der Wahlresultate mit dem 27. Januar zeitlich zusammcnficl, lag die Annahme nicht fern, daß der Kaiser in diesem Erlasse den Ausgang der Wahlen näher berühren würde. Da- ist auch geschehen. Aus seiner Danksagung geht hervor, daß in den rhm übermittelten Glückwünschen namentlich aus den Ausgang der Wahlen Bezug genommen war. Der Kaiser sagt nämlich: „Die mir zugeaangenen Kundgebungen waren getrogen von der begeisterten Freude über die nationale Haltung der deutschen Wählerschaft, die in ihrer großen Mehrzahl soeben ein glänzendes Zeugnis von dem gesunden und patriotischen Sinn des deutschen Volkes, seinem Verständnis für die großen Kulturaufgaben der Zeit, feinem Vertrauen tn die Zukunft des Vaterlandes und feiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an Kaiser und Reich vor aller Welt abgelegt hat."
Von bi-fet kaiserlichen Kundgebung interessier! uns namentlich die Feststellung, daß die beut'/’ Wählersckiast „in ihrer großen Mehrzahl" zu i -lfer und Reich steht. Run hat aber der Reichskanzler in seiner Wahlparole „Sozialdemokratie. Polen, Welfen und Zentrum" als die anti- nationalen Parteien bezeichnet, gegen welche der Kampf zn führen wäre. Wenn wir die Stimmenzahl, welche nm 25. Januar für diese Parteien abgegeben wurden, den Stimmen gegen überstellen, die auf den nationalen Block entfallen find, ist die Möglichkeit, von einer „großen Mehrzahl" der Wählerschaft zu sprechen, welche ihrem „gefunden uns patriotischer! Sinn" ein glänzendes Zeugnis
Der geheimnisvolle Ring.
Bo» M. von Ekensteeu.
2j kRachvruck verboten.)
Dann wickelte sie den Zettel um ein kleines Kieselsteinchen, und warf das Ganze hoch über ihrem Kopfe in die Lust, fest die Augen dabei schließend.
Nun suchte sie emsig am Boden: lag süd-, nord-, ost- oder westwärts von ihrem Standpunkte das Steinchen mit dem Zettel — oder hatte sich im Fallen das Papier gelöst, chr anbeutend, daß sie alte Jungfer würde? Sie sucht« — er in der Nähe nur mit dem Blick, dann i.t weiterem Kreise herumgehend — aber — nirgends war eine Spur S» entdecken, und lachend nach der Maucrbrüstima schreitend, in die Tiefe unter sich blickend wohin sich wohl ihr Zauderspruch verloren haben mochte tief sie übermütig:
„Liebes Schicksal hat da unten
Sich ein Lieb für mich gefunden?"
„GefundenI" ballte das Echo herauf — aber__
wie erschrocken, sich so lange aufgehalten zu haben, eilte sie dann auf kürzestem Wege heim, und fand zu ihrer Freude ihre Wohltäterin iricber in ruhi- gern Schlummer versunken. Sie ahnte ja nicht, daß es jener schwere Schlaf war, wie ihn das Alter fo oft tn ben letzten Lebenstagen hat, ehe es das Auge zu i nein langen Schlummer schließt, dessen Erwach« mi bessere« ^nseits ist.
Am Abend war eine sichtliche Ermattung über bte Kran e gekommen, und »nährend Lina an nt-s n,it den zierlichen Händen weiße
SBoiTfni en stfgend, _ daß dieselben die Schäden in Ar Winterst rümpfe deckten, bedeutete die
6retpn tit obgcnf,cne« Sätzen dem jungen Mäd- iben, wie """ doch sich 51l angegriffen fühle, jbr öu rtwhwn wie sie es am, Nachmittage versprochen, sie ge aber in der alten beschlagenen
ausstellten, nur dann gegeben, wenn ein Teil der als antinutional im Sinne der Bülowschen Wahl- Parole verschrieenen Wählerschaft den nationalen Elementen zugezählt wird. Die Zahl der Stimme.», welche für beide Lager abgegeben wurden, zeigt dies recht deutlich, denn der nationale Block kann auch heute noch nicht behaupten, daß für seine Kandidaten mehr Stimmen abgegeben mürben, als für die gegnerischen Parteien insgesamt. GS ist aber auch ausgeschlossen, daß die drei Mil- Honen sozialdemokratischen Wähler für die kaiserliche Aeußerung über die „große Mehrzahl" der deutsche Wählerschaft in Betracht kommen können. Aber auch die Polen und Welfen werden nicht wohl berücksichtigt worden sein. So bleibt nur der eine Schluß übrig, daß bet Kaiser zu der „großen Mehrzahl", welche von dem „Verständnis für die großen Kulturaufgaben der Zeit" ein „glänzendes Zeugnis" abgelegt hat, namentlich auch die Stimmen des katholischen Belke- zählt, welches geschloffen für feine altbewährte Zentrums Partei ein getreten ist.
Der Reichskanzler gab aber am 13. Dezember die Parole gegen dasZentrum aus und bezeichnete sein „antinationales" Verhalten als Grund für die Auflösung des Reichstages. Der Kaiser selbst setzt ihn also mit feiner Wahlparole inS Unrecht. DaS katholische Soli: wird sich diese Anerkennung seiner nationalen Haltung au- kaiserlichem Munde mit Freuden merken. Es bot unzählige Mal schon Beweise von Treue und Anhänglichkeit an Kaiser und Vaterland gezeigt und ist nicht gewillt, sich kn seinem Patriotismus willkürlich herabsetzen zu lassen. Es freut uns aber auch, daß in der kaiserlichen Kundgebung eine direkte Anerkennung der Zentrumspollti!' liegt. Tas Zentrum bat bei der Beratung des Nachtragsetats für Südwestafrika 20 Millionen bewilligt und nur den geringen Betrag von st Millionen abgestrichen. Man sieht auch jetzt wieder deutlich, daß dieser Abstrich nut der Vorwand war, um gegen da- Zentrum zu Felde zu ziehen.
Deutsches Reich.
Berkin, 30. Januar 1907.
r. Professor Harnack wurde von liberaler Sette wiederholt schon als der künftige preußisch« Kultusminister genannt. Ein nationalliberales Blatt wollte wissen, daß die Ernennung bereit- vollzogen sei. Damit ist e» nun nicht-, Harnack selbst bezeichnet diese- Gerücht für unzutreffend. Run tröstet sich der Liberalismus damit, daß, wenn die Ernennung auch noch nicht erfolgt ist, Harnack doch zum Nachfolger Stadt- auSerseheu sei. Da aber auch hiervon dem Professor nichts bekannt ist, deutet beispielsweise da- »Berliner Tageblatt' dre Möglichkeit an, daß eine solche Absicht beim König besteht, ohne daß Professor Harnack bisher Kenntnis davon erhalten hat. Die liberalen Wünsche äußern sich in dieser Kombination zu deutlich. Wie oft schon hat die gesamt« liberale Presse de« Weggang S'ndt- gefordert und wie oft schon hat sie seine Ausscheidung an- dem Amte gemeldet! Daß diese Frage bei dem Atter des Kultusminister- über kurz oder lang eine Lösung finden wird, ist selbstverständlich. Die .Deutsche Tagesztg/ behauptet aber, daß über seine« eventuellen Nachfolger noch nicht- beschlossen ist. Sie vermeldet auch den in kundigen Kreisen gehegten Zweifel, daß e- Professor Harnack sein werde. Der Liberaii-mu- hat uns, namentlich seit dem Ausgang der Hauptwahlen, so oft schon an gekündet, daß in Zukunft liberal regiert werden müßte.
Truhe nachschauen, dort liege unter Briefschaften und Büchern wohlverwahrt ein kleines Heft, in braunem Lederumschlage, dos enthalte eine toua- derliche alte Geschichte, wellst« sie für Lina nicber- geschrieben bade, tn stillen Stunbcn. Sie möge chr nun vorlcsen, was dort auf den vergilbten Blättern siebe, denn es sehne sie, all die Wirrnisse chreS Lebens von ihren frischen Lippen zu hören. D"nn steckte sie Lina den alten wunderlichen Ring an neu Goldfinger der sinken Hand, und das jun^e Mädchen iah staunend auf die feine Arbeit. Der atttf war aus einer doppelten Schuppenkette ge» fugt mit zwei kleinen Schlangenköpfen, alles aus femstem Silber, nur die Schlangenaugen toareu rute, funkelnde Steinchen wie Rubinen, und In einer der Augenhöhlen fehlte ein Stein.
In b.m Büchlein aber stand, waS ßina mit immer regerem Interesse las:
-Dir. geliebte» Kind, schreibe ich diese Blätter auf. daß sie Dir einst erzählen von des Schicksals wunderlichem Fügen. Fräulein Laetitia hat c8 mir gesagt ,als sie mir vor sechzig Jahren auf tlncm Sterbebette ben Ring an den Finger steckte, und was sie nicht selbst erlebte, batte ihr auch eine Sterbende berichtet.
Es war im weißen Prellerhause auf dem Eal- !>ienvlatz zu Nürnberg an einem warmen Spät- h'-rbsttage zu Ende des 17. Jahrhunderts, als eine röhltcke Gesellschaft in der Säulenhalle des blu- mengeschmückten, prachtvollen Koses saß, dessen wunderschön gearbeitete Wendeltreppe noch heute o vielfach bewundert wird. Fräulein Anunziata Ferrari war ou3 Albano Im schönen Jtaliener- lanbe zn Besuch gekommen, und sie legte Zeugnis ab, wie wahr man sprach, wenn man sagte, die Albanerinnen seien des sonnigen Landes schönste iVtau«n. Sir hatte seidiges, schwarzes Haar, welches unter dem Spitzenschleier mit den feurigen, roten Granatblüten wie eine dunkle Winternacht 'Qfl. und in dem bleichen Gesichtchen mit den blutroten Lippen funkelten ein Paar schwarze Augen,
Kem Wander, wenn er jetzt den Professor Harnack al5 den Nachfolger StudtS reklamiert.
* Die Bodget-Kommlfsio« des Abgeordnetenhauses setzt« am Mittwoch ihr« Beratungen beim Etat der direkten Steuern fort. ES wurde angeregt, bei den direkten Steuern den Scheckverkehr für die Zahlung der Staatssteueirr zuzulassen. D«r Finanzminister erklärte zwar, daß dies zulässig fei, es sei aber bedenklich, di« Gemeinden anzuweisen, daß sie «8 unbedingt tun müßten. Bezüglich der Wirkungen der Reform des Ein kommen steuer-G'setzer erklärte der Finanz» Minister, daß sich hierüber «in abschließendes Urteil noch nicht bilden lasse. Eine längere Erörterung knüpfte sich an die Absicht der provinzial- lanvständischen Verwaltung in Westfalen, eme neue Veranlagung der Grundsteuer für Westfalen aus eigene Kosten der Provinz her beizuführen. Der Finanzminister erklärte, eine bestimmte Antwort, wie bte Staatsregiermtg sich zu einem derartigen etwaigen Beschluss« stelle« werde, noch nicht abgeben zu wollen. Beiläufig erwähnte Der Minister, daß Die letzte Grundsteuer-Regulierung dem Staate 60 Millionen gekostet habe.
* Offiziöse Wahlmache. Dem Zentrum sind eme ganze Anzahl von Belegen zur Verfügung gestellt, aus denen sich ergibt, rote man offiziöfer- seitS für bte Wahle« gearbeitet bat. Im neuen Reich-tag« wirb alle- bieie- Material vorgelegl werden. Man wird Pannen, wozu man Marine- foldaten verwendete, wo bet „Katholik" ist, der für unsere „allerheiligste Religion" eintrat ufro.I Der Flottenverein kommt hierbei besonder- unter bi« Räder; die Katholiken und ZenkrumSieute, bi« diesem angehören, werden nach dies« Feststellungen allesamt au- diesem Vereine ausscheiden ! Wir hätten eine solche Art des Wahlkampfes nicht für möglich gehalten! Der „Sieg der Regierung", der noch nicht da ist, wurde mit höchst bedenklichen Mitteln erfochten.
* Die „ulten Afrikaner" als Wahlagita- toten. Am 29. Januar fand in Hamburg eine interessante Verhandlung statt. Es war eine Strafanzeige des C. Schlettwein, daß Busch sich unter der falschen Vorspiegelung, daß er mein Vertreter sei, 1.50<, Mk. von ihm erschlichen habe. Busch selbst war nicht zugegen. Dafür aber ein vom 25. Januar 1907 datierter Brief des Wahlverein» aller Afrikaner, Berlin, daß Busch für denselben auf Agiration-reiien für Die RetchstagSwahlen in Süddeuts chland tätig sei und daher nicht kommen könne. Dieter Buick hat versucht, in Zentrumsversammlungen als Redner auszutreten; em hübscher Agitator! Es liegen nun über seine Vergangenheit in Süd- westafrika recht erbaulich« Dinge vor! Er sorge erst hter für Ordnung!
* Eine wichtige Verbesserung des Gepäck' tarifs ist von der Enenbahnverwaltung noch nachträglich in bk Wege geleitet. Die Sätze für bie unterste Gewichisstuse bis zu 25 Kilogramm sollen wesentlich ermäßigt werden. Da die Abhebung de- Freigepäcks notwendiger Weite eine IkberfüÖung der Personenwagen mit Handgepäck herbei führen wird, io ist Die geplante Aenderung der Tarifreform zu begrüßen. Denn nur durch eme wesentliche Ermäßigung der Gebühren für da» Gepäck kann Dem erwähnten Nebeln au de abgeholfen werden. Eine Eubaßean Einnahmen Dürft« kaum zu erwarten fern, ba Der vermehrte Gebrauch bie Folgen bet Herabsetzung jedenfalls mehr al» auSÄeichen wird.
groß und feurig wie blitzender Edelstein. Ihr zur Seite saß der stolze Patrizicrsohn Albreckt Wendling, und er schien verloren mit bem sanften Bstmauge in den Zauber der neckenden Anunziata. Die Gaste am Tische, welche au feurigem Malvasier sich weidlich ergötzt hatten, und nun fränkische Trauben aßen, indes bte Rebe überquoll von bet Mcistcrsänger mancherlei unvergessenem Ruhm — sahen zuweilen, heimlich mit ben Augen blinzelnd, nach dem jungen Paar». Sie wußten alle, daß der Herr des Hauses das schöne Rlchtchen keinem anderen lieber gönnen würde, als bem Sohne des reichen Haas Wendling, und fo ließ man sie denn voll bas lachende Glück eines leisen Zwiegespräches genießen. Schon neigten sich dämmernde Schatten über den wetten Hof, den kunstgeübte Hand zu einem Wunderwerk i)cr Architektur geschaffen hatte, als durch des Hauses wette Vorhalle ein Diener schritt, ihm zur Seite ein phantastisch gekleidetes Zigeunerweib, welches Almosen erfleht batte an des Halles Schwelle. Es war guter Brauch im reichen < öause, keinen Flehenden unaelohnt zielen zu affen, aber heute hatte bas Weib noch einen be- onbers glücklichen Tag erraten, denn, von bm Tafeksreuben froh bewegt, flog ihr aus der Gäste Hand, von ber Säulenhalle zierlicher Brüstung herab manches klingende Geldstück in bie ausae- breitete Schürze. Auch Anunziata war an bie Brüstung getreten und rief keck bem braunen Weibe zu: „Kannst Tu auch wahrsagen, Mütterchen?"
Ein Blitz flog durch das wilde Auge der Zi geuncrin, und ihren Vorteil rasch erkennend, prach sie hinauf: „Will's versuchen, schöne Maid, wch kommt herab, baß ttnbolalischt bie Stimme ttcs Schicksal» Euch nahe!"
Auunziata immer erentrisch, heute in feuriger Erregung wohl doppelt zu abenteuerlichem Handeln aufgelegt, bot mit schmeichelndem Wort ben Oheim um Gewähr, und eilte bann, einen Golb-
Der Kampf in der Berliner Holzindustrie bat in ben letzten Tagen abermals an Umfang zugenommen. ES find jetzt mehr al» 10000 Holzarbeiter entlaßen worden, so daß nut noch etwa 3000 Arbeiter beschäftigt sind. Der Holzarbeiterverband bat wöchentlich eine Unter- stükzungSfurnme von 200 000 Mark an feine Mitglieder zu zahlen. Eine Verschärfung wird der Kampf, dessen Ende nicht abzusehen ist, durch einen Beschluß der Berliner Möbelposarnenten- Industriellen erfahren. In Amtlichen größeren Betrieben dieser Industrie ruht bereits Die Arbeit. Die Arbeitgeber haben jetzt beschlossen, Di« Werkstätten zu schließen und alle organisierte« Arbeiter zn entlassen. Die Ursache« dieses Vorgehen- liegen m Differenzen, welche schon seit längerer Zeit bestehen. Die Gehilfenschaft halte gefordert, daß alle Arbeitskräfte nur durch Den Gehilfennachweis bezogen werden sollen. Da eine Einigung zwischen beiden Parteien nicht zu erzielen war, kam e- zu Dem oben erwähnten Beschluß. Auch hier scheint eine baldige Verständigung leider au-gesMoffe« zu sein.
Ausland.
* Erklärung der französischen Bischöfe. 30 Bischöfe husten am Montag unter bem Vorsitz be- Erzbischofs Richard eine Versammlung ab, in der eine vom Papst genehmigte Erklärung angenommen mürbe. In biefer heißt e-: Wir ballen unerschütterlich ben allgemeinen Einspruch gegen da- Trennungsgesetz und Vie anbeten Darauf bezüglichen Bestimmungen aufrecht und verlange« gemeinsam mit bem hl. Baler Unverletzlichkeit ber Kircherrgüter und Achtung vor der Hierarchie. gegenwärtigen Kampfe wolle« wir alle- ausbieten, um bis zum letzten Augenblicke bk Ausübung b«8 öffentlichen Gottesdienste» in den Kirchen zu ermöglichen und die geweihten Orte gegen jede Entweihung zn verteidigen. Ausschließlich zu diesem Behuf werde« wir unS herbeilasten, de« Versuch der Organisierung de- öffentlichen Gottesdienstes zu mache«. Ein zwischen den Präfekten oder de« Bürgermeister« einerseits und be« Bischöfen oder bett Pfarrer« anbererfeit» abgeschlossener Vectra- wird entsprechend bem Wortlaut de- Gesetze» ben Geistlichen ben Nießbrauch der gottesdienstlichen Gebäude sichern.
* Tas österreichische Herrenhaus hak itt feiner letzten Sitzung da- Automobilhaftpflichtgesetz abgelehnt, trotzdem Reich»« oerichtSprästdent Unger, der frühere Minister Witteck und Justizmlmfler Klein wärmstens für Die Vorlage einlraten. Da- SvorNnleresse war eben bei ber feudalen Herrenhausmehrbeit stärker alS da- RechtSgefühl. — DaS österreichisch« Abgeordnetenhaus ist am Dienstag durch kaiserliches Patent ausgelöst worden.
* Auf der Lkrmferenz der englischen Arbeiter' Partei tn Belfast haben d e waichechte« Sozial' Demokraten noch eine zweite Niederlage erfahren. Ern Antrag Keir Hardie'-, betreffend da- Frauenstimmrecht roitcbe mit großer Mehrbeit abgelehnt.
* Aus Rußland. Aus Petersburg wird ein neue» terroristische» Verbrechen gemeldet. Am Mitlwock wurde in bet Hauptstraße be- Wassil« Oftrom-Siadtteiie- der Direktor De» Der« jobin-Gefängnisfe» GuiDima vo« einem Unbetännien durch einen Reoolverschuß getötet, ein Gefängnl-aufseber wurde
butatm in den Händen, bie Wendeltreppe hinab, bem Hose zu. Großblätteriges Gelände hing iit herbstlich roten Tinten von ben Mauern herab, in einer Ecke des Hofes eine Laube bildend, wo ein kleiner Steintisch mit niederen Schemeln stand. Dorthin schritt eilig da» Mädchen, dem Werbe winkend, ihm zu folgen, und sich auf einen ber Sitze nieder lassend, sah sie erwartungsvoll der Zigeunerin in die ernsten Züge. Das Weib aber, die Rechte ber schönen Albanerin erfassend und deren seingezeichnete Linien studierend, sah plötzlich an deren Hand ein wunderliche» Riugeleia, und diese Gattung Talisman erkennend, drehte und wendete sie das seltsame Gefüge um den Finger Annuziatas, indem sie geheimnisvoll sprach: „Dieses Ringelein hütet wohl, schöne Jungfrau, in ihm liegt Euer Glückt"
Anunziata aber erwiderte lack'end: „Weib, Du magst Dich täuschen, denn das ist fein Ring, bett Liebe gab, und von welchem ich Glück erhoffe!"
„Und dennoch liegt Gute Zukunft darin", sagte mit Nachdruck da» Weib.
Doch, ungläubig ben Kopf schüttelnd, lachte Anunziata noch voller auf, indem sie höhnisch sprach- „Ein alles Aniulet ist io dieser Ring, den meine Mutter einst von einer spanischen Zigeunerin gekauft hot; schon damals hieß es, der Steifen habe wunderlich« Kraft zn Glück und Unglück — doch, da er nimmer das eine ober das andere bewies, kegle ihn meine Mutter bei Seite, mich aber teilte bas sonderbare Gefüge, und weil e» so ausfällig war. steckte ick es au bie Hand."
„Ich bleib« dabei, schöne Jungfrau", sprach ernst und eindringlich das Weib, „in Eurem Ring liegt maßloses, geheimnisvolles Glück berbomeu, aber, richtig zu tragen müßt Ihr ibn wissenl Selbstsucit ist ber Liebe Tod, geteilte Lust bringt doppelt Wonnel Seht Euch vor. wenn die Liebe Euch nabt, daß der Schlangen funkelnde öligen sich richtig zu Euch wendeni" Dann streckte sie bittend die Hand aus