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Fulda, Mittwoch den 30. Januar 1907.

34. Jahraanfl.

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Erstes Wl'crtf

Der geheimnisvolle Ring

1]

um den schwebenden Vogelbauer utit dem lustigen Schläger, und die duftigen Vorhänge, das in ein lichtes Gewand gehüllte Mädchen und ein bunter Wiesenstrauß sind wie der friste Hauch eines Hel­len Sommertages; auch draus;:» auf der schmalen Gasse liegt Heller Sonnenschein, denn cs ist Juli und der klare, blaue Hiinmel zeigt kein Wölkchen.

Jetzt regt sich die Kranke, und als sie die Au­gen aufschlägt, blickt sie in das freundlich lächelirde Antlitz des Mädchens — so, daß es wie Freude über ihre welken Züge zieht. Lina Kerner aber fragt mit heiterem Lächeln: „Hast Du gut ge­ruht, Tantchen, fühlst Du Dich wohl und darf ich Dir einen Schluck Wein bringen?"

Tie Greisin streichelt sanft das rundliche .Händ­chen, welches ihre abgcmagerte Hand umschließt und bittet um den gebotenen Trank, mit Behagen versichernd: „Herrlich habe ich geschlafen, mir ist wunderbar wohl und frisch!"

„Sieh! DaS ist fa wonnig! Du hättest mich schon längst sollen kommen lassen; in den acht Tagen seit ich bei Dir bin, wird es von Stunde I zu Stunde besser mit Dir," meint ermutigend das sunge Mädchen, während sie die Kranke in ihren, Kiffen zurecht setzt und ihr ein Kelchglas alten Burgunders reicht.

„Gutes Kind, wie durfte ich wagen, Dich von Deiner Stellung abzurufen, so lange mich noch Margarcth leidlich zu pflegen wußte?"

„Aber Tante", plauderte frisch das Mädchen, sichtlich bemüht, der Kranken das angreifende Re­den zu ersparen. „Du stehst mir doch näher als alle Menschen auf der weiten Welt! Wer hätte die Waise erzogen, wenn nicht Tu, als ich ein kleines, mittelloses, hilfsbedürftiges Kind, von Dir aufgenonimen wurde? Wer anders als Du aab mir die Erziehung, welche mir die schöne Stellung in dem Hause verschaffte, wo ich nun schon drei Jahre bin? Wer teilte stets sein Brot mit mir — und seine Freuden — mir nur die I Leiden verschweigend? Wer anders als Du — I Liebe. Gute und ooch mußte ich erst von Freunden I

erfahren, wie sehr Du meiner zu sorglicher Pflege bedurftest! — Wie gefällig ließ sogleich meine Herrin mich abreisen, als ich ihr sagte, wie mich Liebe und Dankbarkeit zu Dir hinzögen — und Du fühlst es ja doch selber — meine Pflege hat Dir Glück gebracht. — Wie frisch Du heute aus- siehst, und hell ist Dein Blick! Nun will ich Dir aber auch schnell eine kleine Stärkung bereiten! Tn weißt gar nicht wie glücklich ich bin. Dir end­lich all Deine Güte ein wenig vergelten zu kön­nen!" Und mit herzlichen Grüßen eilt Lina in I die nahegelegene Küche, wo Margareth, die treue

Dienerin, auf mäßiger Glut die Kraftbrühe für die Kranke kocht.

Die Greisin hatte dem jungen Mädchen nach- gesehen, mit einem zärtlichen Blick, wie ihn wohl nur eine Mutter für ihr Kind haben mag, und wie Erinnerung ging cs durch ihr Denken hin: Solche Locken hatte auch einst ein Jüngling ge- habt, den sie im Lenz des Lebens geliebt; ganz so blau war der Stern seines Lebens gewesen und er hatte Kerner geheißen wie das Mädchen auch! Darum hatte sie es geliebt und bei sich aufgenom­men, als es einsam, verlassen und verwaist im Leben gestanden hatte! — Die Alte sann ver­gangenen Jahren nach, und ihr tvar, als sei sie wieder ein Kind. — Ta fiel ihr Blick auf einen breiten, wunderlich gearteten Silberreif, welchen sie an der Hand trug, und es ging wie ein Schmerz durch ihre Züge hin. Aber, als ob Lina ahne, wenn der altersschwachen Frau ihr Lächeln not tue, trat sie mit der Stärkung ein, und er­zählte geschäftig — tote sie nun bald all das schad­hafte Linnen ausgebessert hätte, und wenn die alte Margarcth in der Küche fertig wäre, käme dieselbe herein; sie aber wolle dann noch eilig die notwendigen Gänge in der Stadt besorgen.

Aber, all das Plaudern wollte dennoch heute die Kranke nicht von ihren Erinnernngen ab­bringen, und fort und fort den wunderlichen Ring betrachtend sprach sie: „Ja Lina — zerstreue Dich ein wenig in der Stadt, und da mir so wohl* 1

Bon M. von Ekensteen.

(Nachdruck verboten.)

Nun eilte Lina Kerner geschäftig flugs durch die Gassen, bald hier, bald dort in einen Laden tretend, und als die Gänge alle besorgt waren, den Schritt nach der alten Burg wendend. Man-

I ches Auge sah der jugendlich hübschen Gestalt nach, die in dem knappen, grauen Kostüm mit dem breitrandigen schwarzen Hute auf dem blonden Gelocke etwas graziös Fremdartiges hatte aber — sie selber wußte nichts davon, wie so manchem Männerblick sie lieblich auffiel, denn unbefangen schritt sie rüstig ihrem Ziele zu. Jetzt stand sie an der Mauerbriistung der Freiung, über das Häusermecr der alten Stadt hinwcgsehend, ganz versunken in den unbeschreiblichen Zauber, der sich dem Auge dort bietet. Ein Sinnen kam über sie, ein schwärmendes Träumen, wie es wohl jedes Mädchenherz einmal erfassen mag, und ein Notiz­buch zur Hand nehmend, sah sie zum tiefen Blau des Himmels empor. Es hatte ganz den An­schein, als ob ihre Verse in den Gedanken lägen, aber plötzlich zuckte cs wie Mutwillen durch ihr frisches Antlitz und von einem heiteren Einfall erfaßt rief sie in die einsame Stille um sich her: „Schicksal Du sollst mir zeigen, wo meine Liebe weilt!" Und, altem Aberglauben uachgebend, schrieb sic auf einen Zettel:

Wo ist mein Lieb?

Im Süd, im Norden, int Osten, im Westen? Oder hält mich das Schicksal zum Besten?

Werd' ich allem?

Alte Jungfer fein? (Fortsetzung folgt.)

IZentrum in die Wagschale werfen müssen. Und doch hängt alle- davon ab, daß der Liberalismus das Zentrum diesmal nicht auS feiner Patsche heraushaut. Von den frei­sinnigen Wählern hoffen wir das auch, aber ebenso fürchten wir, daß die nationalliberalen Wähler zuletzt doch wieder dem Zentrum zuhilfe

i kommen. Dem Zentrum ist eS aber ganz egal, auf welche Weise eS zu seinen Mandaten kommt, wenn eS nur schließlich wieder in alter Stärke im Reichstage erscheint. Wenn das Zentrum nichts bei den Wahlen verliert, dann hat eS sich dafür nicht bei seinen Wählern zu bedanken, sondern bei der Lauheit der Regierung und bei der So­zialistenscheu der Nationalliberalen. Und das ist der bittere Humor dieses angeblich gegen das Zentrum geführten Wahlkampfes." DaS ist eine offene Aufforderung an die liberale Wählerschaft, am 5. Februar gegen das Zentrum und für die Sozialdemokraten zu stimmen. Da das .Berliner Tageblatt aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, sind wir von dieser Parole durchaus nicht über- rascht. Im Gegenteil, es würde ganz gegen seine freisinnigen Traditionen verstoßen, wenn es sich jetzt zu einem anderen Glaubensbekenntnis; entschlossen hätte. Neu ist unS nur die anqeb- j liche „Patsche" des Zentrums und die Sozialisten­scheu der Nationalliberalen. UnS sind ganz an­dere Dinge in lebhafter Erinnerung. Mit Stolz kann der Reichskanzler aus seine „nationalen" Stützen herabblicken.

Auch in der freikonservativen Ecke empfindet man ähnliche Gelüste. In Nr. 47 vom 29. Januar schildert die ,Post' den nationalen Minderheitsparteien „die Versuchung, bei den Stichwahlen daS Zentrum empfindlich zu treffen, indem man den Sozialdemokraten zum Siege

I verhilft", in den schönsten Farben. Sie erinnert sich aber doch noch, daß „das Zentrum in sehr viel mehr Wahlkreisen zwischen den nationalen Parteien und den Sozialdemokraten den Aus­schlag gibt, als es mit diesen zur engeren Wahl steht." Lediglich dieses Vorteiles halber kommt sie dann zu dem Schluß: „Patriotische Pflicht und politische Kluaheit fordern daher gleichmäßig dazu aus, daS Zentrum in den Wahlkreise», in denen es mit den Sozialdemo-1 traten zur engeren Wahl steht, gegen diese zu unterstützen." Nur unter dem Zwange des Vor­teils für die „nationalen" Parteien ist also die ,Post' für das Zentrum zu haben; sobald aber dieser Vorteil sich nicht bietet, steht daS frei- konservative Organ Hand in Hand mit der roten Garde; das sind dieselben Herren, welche sich alle fünf Minuten über einen angeb­lichen Kuhhandel des Zentrums entrüsten!

I den Frankfurter Wahlkreis retten, welcher seit dem Jahre 1881 in sozialdemokratischen Händen ist. Diesmal kommt der Volksparteiler Oes er in die

I Stichwahl, welcher 17,500 Stimmen auf sich ver­einigte. Auf den Sozialdemokraten fielen 28,500, während für die Nationalliberalen 5300, für die Mittelstands-Partei 5000 und für das Zentrum 4400 Stimmen abgegeben wurden. Die „natio­nale" Presse kündigt jetzt schon an, daß Dernburg in Frankfurt vor 5000 Zuhörern sprechen wird.

* Ein neuer Erfolg des Zentrums. Vom 1. Januar 1907 ab sind der Wörmann-Linie I die Regierungsfrachten von Kapstadt nach Deutsch-Südwestafrika entzogen worden; die Houston-Linie hat diese Frachten übernommen und zwar zu einem erheblich billigeren Preise. Der Abg. Erzberger hat schon im Sommer 1906 auf das Offert dieser Linie daS 50% billiger war als der Wörmann-Tarif, aufmerksam ge­macht! Die Regierung ließ es anfangs unbe­achtet liegen; schon am lß. 4. 19(’6 ist es ein» gereicht worden: infolge des Drängens des Zen­trums mußte man jetzt das billigere Angebot annehmen! Wie man siebt, muß die Regierung sich immer mehr den Forderungen des Zentrums anschließen. Konservative und Nationalliberale stimmten seinerzeit gegen die sofortige Kündigung der Verträge.

f. Das Alterspräsidium in» neuen Reichs­tage wird voraussichtlich dem konservativen Ab­geordneten v.Winterfeldt zufallen. Herr von Winterseldt ist 81 Jahre alt. Der nächstälteste Abgeordnete dürfte der Zentrumsabgeordnete Gras Hompesch sein, welcher im 81. Lebens­jahre steht.

* Wen der Bund der Landwirte unterstützt, erfährt man ans der.Deutschen Tagesztg/ sehr genau; 78 Kandidaten, die der Bund unterstützte, sind gewählt und gehören folgenden Parteien an: Konservative 41, Reichspartei 10, Nationall'be- rale iß. Deutschioziale 1, Reformpartei2, Christ­lichsoziale 2, parteilos 6. Summa 78. Ferner brachte der Blind 95 Kandidaten in du Stichwahl und diese verteilen sich folgendermaßen: Kon­servative 34, Reichspartei 17, Nationalliberale i 25, Deuts chsoziale 8, Mittelstands-Vereinigung 2, i Fraktionslose 9. Im ganzen 95. Das Zentrum echte!t also keine Unterstützung vom Bunde d.r Landwirte. Diese Feststellung ist sehr lehrreich!

* AenderKng des Neichstagswahlrechts. Bei ! der Kaisergeburtstaasfeier der Hainburg-Ameiika- Linie hielt Generaldlrektor Bal lin eine Rede, in der er auf den glücklichen Ausfall der Reichs- tagswahl zu sprechen kam und betonte, daß In- dustrie, Handel und Schiffahrt nur in verschwin­dend kleiner Zahl im Reichstage vertreten seien. Nicht durch eine Aenderung des Wahlrechts, son­dern durch eine Ergänzung in Form berufständi- scher Begliederunq der Vertreter der großen Er- werbsgebiete müsse darin eine Aenderung herbei­geführt werden. Ballin ist erst auf Kaisers- geburtsiag noch dekoriert worden; feine engen Beziehungen zu unteren leitenden Kreisen fm'> bekannt! Wie aber die ,K. Volksztg.' meldet, besteht auch in Regierungskreiien eine ähnliche Absicht. Wir sagen nur: Also doch! We hat man vor den Wahlen sich bemüht, in Abrede zu stellen, daß eine Aenderung des Wahlrechts komme. Noch sind die Wahlen nicht ganz vorüber und schon folgt diese doppelte Ankündi­gung. Aber noch ist es Zeit, bei den Stich­wahlen zu sorgen; daß eine große Abwehrmehr­heit zustande kommt, und daß die Geaner des

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Januar 1907.

* Für die Einberufung des Reichstags wird jetzt em neuer Termin genannt. Vor einigen Tagen noch galt der 14. Februar als Tag des Wiederzusammentrittes, jetzt meldet die .Voss. Zig/ aus wohl unterrichteter Quelle, daß die Einberufung höchst wahrscheinlich auf den 19. Februar erfolgen soll.

* Kolonial-Direktor Dernburg greift nochmals in die Wahlkampagne ein. Am nächsten Sonn­tage spricht er in Frankfurt a. M. über untere tolon alwirlschaftlicben Verhältnisse. Dernburg soll

|?J Gegen das Zentrum, für die Sozialdemokratie.

Vom 13. Dezember bis zum 25. Januar hat der .entschiedene' Liberalismus von .nationalem' Tun und Streben völlig übergeschäumt. Nach der Hauptschlacht zeigte er sich aber wieder mit feinem wahren Gesicht. Er buhlt, wie wir schon bärge» legt haben, um die Gunst der Sozialdemokraten und wirft sich ihnen hilfsbereit in die Arme. „Lieber rot als schwarz" ist feine Parole für die Stichwahlen. Wer noch daran zu zweifeln wagte, dem empfehlen wir die Lektüre der Nr. 51 des .Brrl. Tagebl/ vom 29. Januar.

Von allem Anfang an hatderReichSkanzler in der Hauptsache dir Parole gegen daS Zentrum auSgegeben; der gesamte Liberalismus stellte sich in diesem Kampfe auf seine Seite. Beide sind dieser Parole auch treu geblieben. Run hat aber daS Zentrum nicht nur seinen alten Besitzstand im ersten Wahlgange behauptet, sondern auch noch mehrere Mandate dazu er­obert, sodaß es heute schon 92 Sitze stellt. Der Zentrumsgedanke und die Zentrumspolitik haben also allen Widersachern zum Trotz den Sieg davongetragen. Das ist zu viel für den „ent­schiedenen" Liberalismus, oder er will kein Ver­ständnis dafür haben. Das .Berliner Tageblatt' hat nämlich die großartige Entdeckung gemacht, daß die Reichsregierung selbst die beste Helferin im Siegeszuge des Zentrums war. ES schreibt nämlich zu dem Erfolge: „Das ist nicht etwa daS Verdienst der Zentrums- mannen, denen daS Herz schon bedenklich in die Hosen zu fallen anfing, sondern einer fast sträf­lichen Rücksichtnahme' der von der preußischen Regierung sekundierten Reichsregierung auf die ultramontanen Bedürfnisse." Derselbe Reichs­kanzler also, welcher alle „nationalen" Herren gegen das Zentrum auf die Zinnen rief, steht im Dien sie des Zentrums! Und warum? Weil der Kultusminister dem Kardinal Kopp zu seinem Jubiläum die Glückwünsche der Regierung ent­gegenbrachte und der preußische Eisenbahnmimster den Bahnyofsbuchhandlungen den Verkauf anti­ultramontaner Flugschriften verboten habe! Wir sind dem .Berliner Tagebl.' äußerst dantbar für seine Entdeckung. Es fehlt nur noch, daß der „entschiedene" Liberalismus daran- eine amt­liche Wahlbeeinflussung zugunsten des dreimal verhaßten Zentrums konstruiert.

Beldstverständlich kann nun der Freisinn einer so lehr verhätschelten Partei nicht auch noch Wahlhilfe leisten. Er ist sogar sehr entrüstet darüber, daß die Nationalliberalen dieS I auch noch nicht von sich offen ausgesagt haben. I Und weil der „entichiedene" Liberalismus in den verflossenen fünf Wochen, wie er glaubt, bis zur äußersten Grenze im „nationalen" Fahrwasser l mitsegelte, reicht seiner Ansicht nach bteie Spritz­tour nun völlig auS. Länger fühlt er sich in der „nationalen" Rolle nicht mehr wohl, des­halb wende' sich da- /Berliner Tageblatt' in der genannten Nummer mit folgender bekennt­nisreichen Aufforderung an die Nationalliberalen: „Wir vermissen die eine Konsequenz, die doch so nahe liegt, daß nämlich die Liberalen bei den Stichwahlen ihre Stimme gegen das

In der schönen Reichsstadt Nürnberg, an der altehrwürdigen Sebalduskirche mib dem nahen Pfarrhause vorüber, mit dem historischen Chör- lein, den Neliesbildern und den von goldener Abendsonne beleuchteten gemalten Fenstern liegt im engen Gassengewirrc ein schmuckloses Haus, mit den bleigefaßten Scheiben und dem malerisch vorspringenden Erker, wie ein Stuck Vergangen­heit in das bewegte Leben hineinlugend. Im un­teren Teile sind Warenlager, und dicke ciferne Stäbe vor den Fenstern deuten an, wie sehr mar in früheren Jahren für die Sicherheit bedacht war. Nur ein Stockwerk hat das Haus, welches unter hohem Giebeldach fast erdrückt scheint. Vier go- thische Fenster schauen nach der engen Gaffe hinab, und im Erker, dessen blendend weiße Gardinen wunderlich vom alten, rauchgeschwärzten Gemäuer abstechen, sitzt eh rosig frisches Mädchen, emsig über die Arbeit gebeugt. Weiches, weißes Linnen bessert sie aus mit geschickter Kand — doch besorgt springt sie von Zeit zu Zeit empor, die losen Blondlocken in den Nacken zurückschüttelnd, um an dos Krankenbett einer bleichen Matrone zu eilen, deren silberner Scheitel im Schnee weicher Kiffen gebettet ist.

ist das Gemach, nicht einmal oö‘ri’benfieit zeigend, aber der Zauber ge- rnuuicher Wohnlichkeit und peinlicher Reinlichkeit Eben demselben etwas ungemein anmutendes. D?? Getäfel Decke und Wänden ist tief ge­brannt, das Bett massiv altdeutsche A>-beit zei- gend; die Truhe, der Tisch und die Stühle — alles redet von ftrucn vergangenen Togen und nur des Erkers Schmuck lacht wie ein Stückchen moderner Sitte hinein. Grüne Pflanzen und glühende Blumen bilden einen Heinen Garten I

l Wahlrechts nicht vermehrt werben! Unser Freunbe müssen sich nun alle Kandidaten nach ber Richtung des Wahlrechts besonders genau ansehen.

f. Die Sozialdemokratie zieht trotz ihrer Niederlage aus dem Wahlkampfe einen merk­lichen Vorteil. Wie ber.Vorwärts' mitteilt, hat rr während bes Wahlkampfes 70()0 Abonnenten gewonnen, sodaß das sozialdemokratische Zentral- organ jetzt 128000 Abonnenten zählt. Weiter stellt er gegenüber anderen Mitteilungen fest, daß die für die Sozialdemokraten abgegebenen Stimmen nicht zurückgegangen seien, vielmehr um 200000 zugenommen hätten. Das ist auch ein Trost für die Genossen in diesen Tagen.

/. lieber die Berechnung der bei den Mitgliedern von Gesellschaften mit beschränkter Haftung unerhoben bleibenden Steuer- betrüge bestehen in weilen Kreisen erhebliche Zweifel. Der preußische Finanzminister nimmt hieraus Anlaß, darauf hinzuweifen, daß für die Berechnung des nicht zu erhebenden Einkommen­steuerteils derjenige GesellschaslSgewinn maß­gebend ist, welcher auf den Gesellschafter in dem dem Steuerjahre vorangeganaenen Kalenderjahre, bei der Veranlagung für 1907, also ber Ge­winn, der in dem Kalenderjahr 1906 tatsächlich erteilt worden und welcher ihm bei seiner Ver- I anlagung als Einkommen angerechnet ist. Für welches Geschäftsjahr der Gesellichast dieser Ge­winn dem Gesellschafter zugerechnet war, ist da­bei ohne Bedeutung. Eine Schätzung des Ge» fellschastsgewinnes nachdem mutmaßlichen Jahres- betrage tritt nur ein, wenn die Beteiligung eines Keselltchafters an einer Gesellschaft mit be­schränkter Haftung erst io kurze Zeit besteht, daß Verteilung eines Gewinnes an die Gesellschafter bisher überhaupt noch nicht erfolgt ist. In solchem Falle ist derjenige Gewinnbelrag, welcher bei der nächsten Gewinnverteilung auf den Ge­sellschafter voraussichtlich entfallen wird, zu schätzen, und dieser geschätzte Betrag ist sowohl von dem Gesellschafter in die Steuererklärung einzusehen, wie auch der Berechnung zugrunde zu legen.

* Die Budgetkommission des preußischen Ab­geordnetenhauses trat am Dienstag nach kurzer Pause wieder zusammen. Vor dem Beginn der Weiterberatung des Etats faßte die Kommission folgenden einstimmigen Beschluß: „Die Budget» kommifsion des Hauses der Abgeordneten spricht ihr tiefstes Mitgefühl mit dem schrecklichen Un- glück aus, das am 28. d. M. auf der Grube Reden so vielen braven Bergleuten das Leben gekostet bat, und durch welches so viele schwer verletzt sind. Die Budgetkommission erwartet, daß die könig­liche Staatsregierung ihr Gelegenheit gibt, diesem Mitgefühl auch praktischen Ausdruck zu geben, insbesondere durch schnelle Fürsorge für die Ver­letzten und Hinterbliebenen." Sodann fetzte die Kommission die Etatsberatung beim Etat dec Handels- und Gewerbeverwaltung I fort. Bei den Einnahmen des Etats wurde der Wunsch ausgesprochen, die Seffrebungen auf Er» richtung einer Baugewerkschule in Essen durch staatlichen Zuschuß zu unterstützen. Ein Negierungsvertreter erkennt an, daß ein Bedürf­nis dazu vorliege, und erklärt, daß hierüber be­reits Verhandlungen schweben. Ferner wurden verschiedene Gehaltserhöhungen angeregt, denen gegenüber der Unterstaatssekretär erklärte, daß die Prüfung der Gehälter der mittleren Beamten für den nächsten Etat stattfinden würde. Im übrigen verwies er darauf, daß eine baldige Regulierung der Gehaltsverbältnisse der gesamten Beamten­

ist heute, so gönne Dir ein Stündchen der Er­holung; geh' auf die schöne Burg hinauf — nach all dem Pflegen wird die freie Luft Dir wohltun; — am späten Abend aber — wenn mir noch immer so frisch zu Mute ist — mutz ich Dir eine wunder- liche alte Geschichte erzählen. Mit 78 Jahren darf man nicht mehr an das Aufschieben denken."