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wochendellag«: „Zllllftrierte Sonntagrzettung''
Zeitung
MonatrdeNage: „Fuldaer GefchlchtMätter"
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Botati on$»rutf H. Verlag 6er Huldaer Ak» tiendr iderei in Hulda
Sen (preßet Ur V.
Fulda, Montag den 28. Januar 1907.
34. Jahrs ang.
$artei|reunüe, einftweilen Keine binkenken MmaHnngen für die SiiDchl!
Wir Litten unsere Parteifreunde bezüglich der Stichwahlen in den Wahlkreisen:
Hanau Gelnhausen-Orv-Bockenheim, Hersfeld-Hünfeld-Notcnburg,
Ninteln-Hofgeismar-Wolshagen
Kaffel-Melsungen,
Eisenach-Geisa-Dermbach
«och keine bindenden Abmachungen zu treffen, solange die Konferenz der Zentrumssraktiou in Köln
noch nicht stattgefundcn hat und deren Beschlüsse nicht mitgeteilt sind.
89 Zentrumzmandate.
Immer noch ist dos Grsamtrcsultat der Wahlen dem 25. Januar nickt definitiv bekannt. Doch fleht eS in der Hauptsache fest »nd die kleinen Richtig, stellungen, welche vielleicht noch eintreten, können an dem Ergebnis nicht mehr viel ändern. Die Hauptwahlen brachten, insgesamt betrachtet. Ueberraschungen, die wohl auf keiner Seite er- Iva riet wurden. Hat die Regierung das erreicht, was sie mit der Auflösung des Reichstages am 13. Dezember beiwerkte? Wir wollen versuchen, in einer Besprechung der durch die Hauptwahlen ge- schaffene» Konstellation auf diese Frage näher ein. zugehen; ein sicheres Urteil ist indessen noch nicht möglich, nachdem die zahlreichen Stichwahlen noch mancherlei Verschiebungen herbeifiihren können.
TaS charakteristische Merkmal der Hauptwas,- lcn istdirNiederlaaederSozialdemo- traten. In allen 307 Wahlkreisen batten sie Kandidaten aufaestellt, sie gingen mit der groß ten Siegeszuversicht in den Wahlkampf und hofften neben einein erheblichen Stimmenzuwachs namentlich eine Verwehrung ihrer Mandate. Er- steres ist in vielen Wahlkreisen zwar einoetroffen. die Zahl ihrer Mandate ist aber merklich zusam- mengefchrumvft. Einundzwanzig Wahlkreise, von denen einige sogar zu ihrem sichersten Bestände ge°
Wiederseyen.
Mo« E. üibwttt
14] (HeMrud verboten.)
Konstant wuchs auf, wild, zügellos, unwissend wie die Seinen. Chika lehrte ihn nur die Sucht nach Glanz und Gold, und Haß zu empfinden gegen seinen erbarmungslosen Vater, wie den Wunsch nach Rache.
Als er 13 Jahre alt war, verließ sie wieder die Bande, bettelte sich mit ihrem Kinde durch, bis sie Nagorni erreichte.
Ter harten Mutter des Verstorbenen teilte sie ihre früheren Beziehungen zu Taknostoi mit, und daß ihr Konstant das Kind ihres Sohnes fei, was ja auch die damals schon große Aekmlich- feit glaubwürdig machte. Sie bat um Hülfe, um "inen kleine» Teil deS großen Ueberflustes.
Wir wißen ja die Szene, die folgte, daß di? harte Frau Kind und Zigeunerin durch Hunde vom Hofe hetzen ließ.
Damals erblickte Chika zum ersten Male den kleinen Stephan, und all' die unsinnige Wut, der Jahre lang gehegte Zorn fiel aus dessen unschuldige Person. Sie schlenderte einen Stein auf ihn
Einige Tage schleppte sich der kranke Konstant noch mit der Mutter, dann aber brach er zusam- men. Ratlos kniete sie neben dem Knaben an einem einsamen Landwege.
,?ie-e5?tlen des Abends senkten sich. Da nahte em Wagen, dessen Pferde ein älterer, einfach gekleideter Mann lenkte.
$oö Mitleid hielt er bei der traurigen Gruppe an und kein anderes Hütfsmittel sehend, ließ er die Beiden feinen Wage» besteigen und fuhr sie zu dem einsam gelegene» Gut, wo er Verwalter war.
Lange lag der Knabe dort elend nieder; der kinderlose Manu «e» ihn pflege» und versorgen.
hörten, haben sie eingebüßt. Nur 29 Sitze be- kwupteten sie am 25. Januar, kommen aber in 82 Stichwahlen. Im Jahre 1903 erlangten sie sofort 55 Mandate und standen in 122 Wahlfrei- sen in Stichwahl. Genügt schon diese Angabe allein zur Feststellung der Schlappe, welche die Partei der Genossen erlitten, so wird die Größe der Niederlage noch deutlicher durch de» Ausfall der Wahlen namentlich im K ö n i g r e i ck S a ch- fen. Bisher wehte über sämtlichen sächsischen Wahlkreisen die rote Flagge, nicht einen einzigen bürgerlichen Vertreter konnte das Land nach Berlin entsenden. Jetzt eroberte die bürgerliche Wählerschaft 6 Wahlkreise zurückt Die Wahlbeteiligung war in manchen Kreisen fast beispiellos: sie stieg bis auf 90 Proz. Umgekehrt hat die Sozialdemokratie in Sachsen allein mehr als 80 000 Stimmen eingebüßt, eine Erscheinung, welche auch aus anderen Wahlkreisen gemeldet wird. Meldungen aus Sachsen führen dies auf die Abbröckelung des „M itläufertu ms" zurück, welches dieses Mal in der Hoffniutg auf eine Reform des Landtagswahlrechts für die Ord- niingsparteien eingetreten wäre. Selbst der „Vorwär t s" gibt zu, daß dieses Mal das H e er der Mitläufer den Dienst versagt hat. Er schreibt unter dem 27. Januar: „Bestand 1903 noch ein Drittel unserer Armee ans Rekruten.
Das Wei wanderte weiter; er hielt sie nicht zurück, dock für den Knaben, der noch lange hinsiechte, faßte er eine väterliche Zärtlichkeit.
Konstant war einschmeichelnd, schlau, behende und klug.
Rach Monatne kam der Herr des Gutes mit seinen kleinen Buben und Töchtern an. Auch die Sergen all' dieser Kinder gewann Konstant im Sturme, sodaß sie beim Verlaßen des Gutes sich nickt trennen wollten von dem hübschen Knaben Der Vater nahm ihn mit nach Odessa.
Tort wurde er erzogen mit den Kindern des Edelmannes und überflügelte bald alle an Wissen Scharfsinn und gewandtem Benehmen. Er lernte wie spielend verschiedene Sprachen, las leiden- schaftlich gern und machte sich mit der Literatur der deutschen Kulturvölker vertrant.
Chika, die bei dem Verwalter, den sie spsifr besuchte, erfahren, wo ihr Sohn sich aufhalte, trat nun, so oft ihre Kräfte und Mittel es zu ließen, den Weg zu ihm an.
Ta trafen sich oan.i Muttre und Sohn an ein- tarnen Orten und sie erzählte wieder und wieder die Geschichte ihres Glückes, dann das ihr geschehene Unrecht, die Grausamkeit der Taknostoi's. dem Knaben.
Tie keimened Rache in seinem Herzen schürte sie zur Flamme. „Lerne, werde weise und ein Herr, dann erst räche Dich an dem Erben Tak- nostois. Deine Rache trifft so sicherer," sprach sie oft eindringlich.
Mit 20 Jahren verließ Konstant die nicht begüterte Familie seines Wohltäters, trieb sich dann in vielen großen Städten als Kavalier umher, fein Dasein fristend durch Hazardspiel und dunkle Unternehmungen.
Gr erweiterte feine Sprach und Menschenkenntnis. Nie schwand in ihm der Haß gegen Stephan, nie verließ ihn der Wille, sich zu rächen.
Er reifte nach dem vermeintlichen Trauungsort seiner Eltern, nahm Einsicht in das Kirchen-
die zum Teil nur vorübergehende Stimmungen in unser Lager getrieben haben, so besteht sie jetzt vollständig aus erprobten Kämpfern, auf die wir uns unter allen Umständen verlassen können. Wer in dem Sturm stand hält, der in den letzten Wochen gegen uns tobte, der ist uns sicher, der kam uns nicht mehr entrissen werden." lieber- baupt ist man im sozialdemokratischen Lager sehr kleinlaut geworden. Die näheren Umstände machen dies leicht begreiflich. Dieses Mal stehen sie in 82 Stichwahlen; im Jahre 1903 konnten sie aus 122 Stichwahlen 27 Mandate erobern. Selbst wenn sie ebenso viele Kreise auch jetzt noch gewin- neu würden, könnten sie nur mit etlichen 50 Abgeordneten in den Reichstag einziehen, gegenüber 83 im Jahre 1903. Als Saimtnrfacbe der Man- datsverlnste nennt der „Vorwärts" den festen Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien und das Heranschlepven der indifferenten Maste; er schreibt weiter: „Tas sind aber Mittel, die ihre Greinen haben und nicht Überboten werden können. Stärkere Mittel können unsere Gegner nicht mehr in Anwendung bringen. So können sie unseren Sie- geszug nur voriiberaehenb hemmen, es muß von nun an wieder toeitcr vorwärts gehen."
D ie Regierung selbst ist von diesem Ergebnis offenbar s e hr befriedigt. Das hat der Reichskanzler schon in seiner nächtlichen Rede
buch und fand bestätigt, daß eine Ehe zwischen ihnen nickt eingetragen sei.
Er ließ Stephan nie au5 den Augen und wußte sich immer die Kunde zu verschaffen, wo er sich aufhalte.
Es war ihm noch nickt klar, wie er Stephan am sichersten treffen könne. Er wartete auf eine günstige Gelegenheit.
Statt daß die Mutter ihn aufsuchte, trafen sie nun öfter, auf Verabredung, zusammen.
Eines abends trat er mit blitzenden Augen und triumphierendem Gesicht zu ihr in eine, auf öder Steppe in Ungarn gelegene Hütte.
„Mutter," sprach er, „jetzt ist mein Plan reif, der Teufel selbst gab ibn mir ein. — Ich sah gestern Stephan.--Mutter, wie ist er mir in d.'r
kurzen Zeit ähnlich geworden; iwe dnrck ein Wunder ist der jüngere das leibhafte Ebenbild des. älteren Vrndres!"
„Was nutzt das Deiner Rache?". fragte die Alte.
„Begreife es," jubelte Konstant, „und glaub-» meu-em Worte: in zwei Jahren bin ich der wahre Graf Taknostoil"
Von nun an hatten die Pläne der beiden ein bestimmtes Ziel, es galt, alte Familienvrehält- niste, Beziehungen des jungen Stephan zu erforschen, sich seine Talente, sein Wissen anzueignen, seine Manieren nackzucihmen. Konstant folgte den Schritten Taknostoi's drohend und unheilvoll. Er reifte, die diesem so ähnlichen Züge entstellt, mit ihm nach Frankreich und England, lebte als Gärtiierburscke einige Wochen in Nagorni und ließ sich später durch einen Agenten Stephan empfehlen, der einen Diener suchte. —
Ties alles hatte Chika erzählt, weitschweifig gedehnt, dann kurz abspringend, doch durch des Präsidenten klare Fragen wieder zurückgeführt, der sie auf diese Art zwang, ihre, wie ihres Sohnes Vergehen offen darzulegen. Nun wandte sie sich bittend zu Herrn von Berns:
zum Ausdruck gebracht; noch deutlcker sagt er es in einem Artikel der „N o r d d. Allg. Z t g." vom Samstag abend. Es heißt dort: „Der Erfolg der Hauptnmhl ruft zur verdoppelten Arbeit bei den Stichwahlen. Es gilt, noch innen und außen zu beweisen, daß das deutsche Volk, wenn nationale Fragen auf dem Spiele stehen, alles nieberreitet, was der Nation im Wege stellt, daß es nicht die geringste Schwächung seiner nationalen Kraft duldet, auch wenn es sich um eine afrikanische Kolonie und ein paar tausend Mann mehr ober weniger handelt." Das lautet ähnlich wie die Rede, welche der Kanzler unter nächtlichem Himmel an seine „nationalen" Gratulanten gehalten bat, stimmt aber nickt mit der Wirklichkeit. Nach Auffassung der Negierung steht ja auch das Zentrum der Nation im Wege; sie kämpft ja „gegen Sozialdemokraten, Polen, W'l- fen und Zentrum". Bis jetzt ist uns aber nichts davon bekannt, daß auch das Zentrum „niedergeritten" worden wäre. JmGegenteil. krait- voller denn jeistessiegreichaus den Hauptwahlenhervorgegangen. Zwar hat es zwei Mandate an die Polen verloren, diese gehörten aber auch ohne die „nationale" Hiirrah- parole nickt mehr zu seinem sichern Besitz: andererseits eroberte es aber 89, nach einer andern Meldung sogar 91 Mandate im ersten Anlauf. Wie
„Urteilen Sie milde über meinen Sohn. Ich leitete ihn auf diesen Weg, ich pflanzte und nährte feine Rachsucht. Was Alexander Taknostoi und seine harte Mutter an uns verbrochen, das kann leider kein Gericht bestrafen." .
„Führen Sie die Frau ab," wendete sich von Demo an den Untergebenen.
Plötzlich leuchtete ein Funken der alten Leidenschaft in Chika's Augen und: „Werde ich ...einen Sohn sehen?" wandte sie sich flehend an den Prä- fibenten.
„Ja", entgegnete er, „in den nächsten Tagen."
Die Türe schloß sich und bald war dieses wilde Naturkind seiner Freiheit beraubt in einsamer Zelle.
Acht junge Leute, darunter vier in Uniform, hatten beim Grafen Konstant Taknostoi ein erlesenes Frühstück genommen.
„Komm' herab, o Madonna Theresa", sang mit kräftiger, doch ungeschulter Stimme ein schlanker Dragoner-Leutnant.
„Falsch, falschI" Erspare uns Deine künstlerischen Versuche. — Trotz Deiner Verehrung für Signora Marietta verstehst Du nichts vom Singen!" so rief es durcheinander.
Taknostoi teilte nicht die Ausgelassenheit seiner Gäste. Tie reichlich genoßenen Getränke batten sein Gesicht nicht gerötet und mit spöttischem Lächeln musterte er die erhitzten Gesichter der jungen Männer. Sich nun an den verhöhnten Sänger wendend, sprach er:
„Na, Egon, die Marietta scheint sich mit der Ausbildung Ihrer Stimme herzlich wenig Mühe gegeben zu haben. Und nach den süßen Blicken, die sie nach meiner Loge sandte, dem gewissm Etwas, das sie später in jedes an mich gerichtete Wort legte, sucht sie wohl einen anderen, gelehrigeren Schüler — und — Sie bekommen bald den Abschied."