Fulda, Samstag den 26. Januar 1907.
34. Jahrgang.
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Fuldaer
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wocheubeilage: „Illustrierte bonntagzzeitung
ftltftitrt iSali«, mit ae$ri«hme der Semt« uns Seiet tag«. Viertel« jährt vezug»prei« ohne Bringerlobn uni veneüaeld in Saldo und auseärtsimt sopffr
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monatsbdiage: „Zuldaer Eeschlchkblätter
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Hebalt gewahrt.
Arveites WCatt
Ja dieser felsenfesten Ueberxeugimg und unbeugsam in dem Willen, des Vaterlandes treue Eöhne i»?ute und immerdar z« sein, treten wir vor unfern Kaiser als die bestgeschutte und festest gefügte Schutztruppe gegen den immer mehr an« wachsenden Umfluq, der Thron und Altar bedroht. Das vergangene Jahr hat Wilhelm II. mehrmals Worte dringlichster Ermahnung zum Frieden unter den Könsesstonen und den bürgerlichen Parte e» auf die Lippen gelegt.
Seit fast zwei Jahren lebten Alexander und Chika in Südrußland, und die Entfremdung zwi-
hundert Personen sind verletzt. Auf der Nordfeite der Insel hat das Erdbeben keinen Schaden angcrichteh Tas jetzt vom Erdbeben so schwer beimgcsuchte Jamaica ist von der Natur wenig gegen Erdbeben geschützt. Denn das ganze Eiland wird von vulkanischen Gebirgen durchzogen, in denen es ständig ruiniert, in denen ständig Eruptionen vor sich gehen, die bei jeder Gelegenheit vernichtend hervorbrechen. Schon einmal ist die Hauptstadt der Insel, Kingston, durch ein Erdbeben vernichtet worden. Im Jahre 1863 wurde Port Royal, die eigentliche Hauptstadt Janiaikas, durch Erderschütterungen zeustört, und damals legten moderne Baumeister eine Stadt an, die ganz modern sein sollte.. Port Ronal blieb fortan nur ein Festungshafen, dessen Geschütze weithin das Meer beherrschen. Bei dre jetzigen Katastrophe scheint besonders diese Festungsvorstadt schwer beschädigt worden zu sein. Das ist für England ein besonders harter Verlust, da die Festung mit den vorzüglichsten strategischen Mitteln ausgestattet war. Das Geschwader, das in dem Hafm von Kingston beordert worden ist, wird dort eine große Handelsflotte antrefsen, denn Kingston ist das Zentrum des kommerziellen Verlustes für das gesamte britische Westindiern Tie ausgedehnten Zuckerrohrplantagcn haben eine reiche Industrie ermöglicht. Besonders der Jamaika-Rum, der über die ganze Welt berühmt ist, wird aus Kingston exportiert. Die Engländer haben es sich zur Aufgabe gemacht, alle ihre nationalen und gesellschaftliche» Gewohnheiten nach der Hauptstadt Jamaikas zu überpflanzen. Eine große Beamtemnenge ist in Kingston statio- niert, theologische und juristische Seminare dienen sowohl den Eingeborenen wie den Kindern dec Kolonialbeamten zur Ausbildung für den britischen Staatsdienst.
Nachdem die Trauung in einer kleinen Stadt Englands vollzogen war, brachte Taknostoi sein junges Werb, das an der Gesetzlichkeit und Gültigkeit der Ehe nicht zweifelte, auf die Besitzung nach Südrußland.
Chika besaß damals eine fast unbeschränkte Macht über den stolzen, wilden Alexander, wohl aus dem Grunde, weil in ihrem Herzen für den ungestümen Mann, besten Weib sie aus Sucht nach Geld und Ansehen geworden, keine Liebe wohnte, und sie ihn durch Launen und Kälte quälte.
Doch Chika's Bitte: sie öffentlich bald als seine Frau anzuerkennen, sie aus der Einsamkeit fort, nach Petersburg zu bringen, kam er nicht nach und gab an, daß, so lange seine Mutter noch lebe, die Erfüllung ihres Wunsches rmmöglich sei, und daß seine Rahe, seine Liebe, das schöne Heim ihr genügen müsse.
„Merke es Dir, Chika, diese Zeit soll eine Prüfung für uns sein, ob wir zu einander paffen und den ganzen Lebensweg zusammen gehen können", sprach er oft bedeutungsvoll.
Aber Chika begnügte sich nicht. Ihr Sehnen nach dem Treiben der großen Welt, nach Zer- streuung und Glanz, ward immer stürmischer, und es gab heftige Auftritte zwischen ihr und Alexander, der ihre Bitten stets wieder zurückwies.
Chika's maßlose Heftigkeit, ihre wilden Zor- nesausbrüche wirkten bald erkältend auf Takno- stois Leidenschaft. Er verließ Cbika oft für Wo- chen. Die Dienerschaft, die schnöde von ihr behandelt wurde, empfand Abneigung gegen ihre Herrin.
Ehrlich haben wir die Hand zum Frieden geboten, und vermehrter Haß, eine geschloffene Kampsreihe gegen uns war die Antwort.
Das warfür uns bitter, aber eS hat uns nicht erbittert. Auch heute, nachdem 25.3a* nuar und nach dem 5. Februar, wird das Zentrum die Partei sein, die ehrlich den im Reiche begründeten Frieden unter den Konfessionen fördern will, die Partei, welche die Ehre des Vaterlandes nach außen, aber auch seine Stärke nach innen erstrebt. In allen Zielen, die der christlichen Wahrheit, ber bürgerlichen Freiheit, der Gerechtigkeit gegen alle dienen, wird sie in der ersten Front stehend, treue Heeresfolge leisten dem Kaiser und dem Volke.
In diesen Grundsätzen liegt ein eisernes Band, daS Fürst, Volk und Vaterland auf das innigste umschließt. Sie bilden eine hehre Macht freier Männer, einen Wall, an dem sich alle zerftörungs- gierigen Fluten des Umsturzes rate an einer harten Felswand ohnmächtig brechen.
Wenn heute jeder echte deutsche Mann zu seinem von gleichem Pflichtbewußtsein gegen alle seine Laudeslinder erfüllten Kaiser eilt, um ihm seinen Treuschwur zu erneuern, so mag er dabei nicht vergessen, die Liebe zum Vaterland« und zu allen denen zu erneuern, bte ihm, wenn auch anderen Grundsätzen huldigend, in ehrlicher Arbeit dienen. Gerade der vorausgegangene Kampf legt uns diese Bürgerpflicht doppelt nahe. Wir müssen schließlich doch in diesen schlimmen Tagen, wenn das Wohl des Reiches gedeihen soll, ein einig Volk von Brüdern fein.
Darum schweige der Haß, eine gute in sich gefestigte Ueberzeuqung wird auch ohne diese veriverfliche Waffe den Kampf aus geistigem Gebiete zu bestehen wissen!
Empor lodere dieFlamme der Liebe in den deutschen Herzen, die Liebe, welche auch des Gegners Ansicht achtet, die Liebe, welche goldene Brücken schlägt für jeden ehrlichen Mann, dem daS Wohl des Vaterlandes oberstes Gesetz ist.
Wenn die deutschen Männer, so dem Herzenswünsche unseres Kaisers dienend die Hand zum gemeinsamen Verständnis bieten, dann mag es froh in die deutschen Lande hineinklingen: „Heil Kaiser Dir!"
Möge sein Regiment stets nach außen stark und geachtet fein, nach innen aber eine Zeit des Friedens, des gedeihlichen Fortschritts und des fnedlichen Zusammenlebens der Bekenntnisse sein, damit unser Volk an der Lösung der großen Aufgaben unserer Zeit erfolgreich Mitwirken könne!
Gott segne, schirme und erhalte unseren erhabenen Kaiser und sein ganzes HauS!
wochen-Rundscha«.
X Fnlda, 26. Januar 1907.
(Stachdruck nicht gestattet.)
Der Wahlkampf ist beendet, und es ist gut so, das Volk hat ein Anrecht darauf, zur Ruhe zu kommen und dem Erwerbe nachzugehen. Man will das Zentrum ausschalten; ein neuer Kulturkampf soll beginnen, die Sozialrc- form soll still stehen, der Liberalismus will auf
diesmal. — Sie hatte die Hand, von der das Blut rann, an ihre Lippen gezogen und geschluchzt: „Ich Elende — verzeih mir, die Hand, die vor dem Altäre mit der meinen verbunden" —
Und er hatte sie barsch unterbrochen: „Das laß Dich nicht bcsAverenl"
Wenige Tage nach Alexandcr's Abreise trat der Verwalter zu Chika ins Zimmer, überreichte ihr einen Beutel, der ein Vermögen an Goldstücken enthielt, und ein Schreiben Alexauder's. Es lautete:
„Unsere Wege find gettennt für immer. Das Gut rst verkauft. Verlasse es."
Von der erbosten Dienerschaft, die die Sachlage zu ahnen schien, ward sie gezwungen, sich zu entfernen. Sie zog in die Stadt, lebte dort auf großem Fuße und tvarf das Geld mit vollen Händen um sich.
Sie sehnte sich nicht nach Alexander zurück, m Gegenteil, sie war froh, seiner Herrschaft und dem einsamen Landleben entronnen zu fein. Auch hegte sie die feste Ueberzeugung, daß er über kurz oder lang reuig zu ihr zurückkehren würde.
Wenige Monate, nachdem er sie verlassen, kam ihr Kind Konstant zur Welt. Sie überließ es bald der Sorge von Amme und Wärterin, lebte weiter int Trubel der schönen Großstadt, und genoß ihre Freiheit.
Als Konstant bald zwei Jahre zählte, konnte Cbika sich nicht mehr verhehlen, daß ihr Vermögen, befielt Zinsen bei einfachen Ansprüchen für ihre Existenz genügt hätten, bald erschöpft fei.
Sie schrieb also an Alexander, teilte ihm da erst die Geburt des Kindes mit, und daß sie in Geldverlegenheit fei.
Es erfolgte keine Antwort Ta wandte sie sich an einen Rechtsanwalt und trug ihm auf, ihre Rechte als Gräfin Taknostoi zu wahren.
Ter Herr schien, da ihm die Klieirtiu wie deren Zahlungsfähigkeit wenig Vertrauen einflößte, nicht gern die Fiihntng ihrer Sache zu übernehmen, besonders, da sie keinen Trauschein in Händen hatte. Er ließ sich dennoch bestiminen. Aber auf feine Nachforschungen nach der Tranbescheini- gung im Kirchenbuche der Stadt Irlands, in der
Wiedersehen.
Von E. Lidwin.
Nachdruck verboten.)
Ium 27. Januar.
Soweit die deutscheZunge klingt und überall, wo ein deutsches Herz schlägt, wird der heutige Tag, das Geburtsfest unseres Kaisers und Königs, als der höchste politische Gedenktag gefeiert. Tausende heiße Glück- und Segenswünsche steigen heute aus den Millionen treuer deutscher Herzen zum Herrn der Welten, zum König der Könige für das zeitliche Wohlergehen Kaiser Wsthelms und seiner Familie, für eine erfolgreiche, dem ganzen Vaterlande ersprießlich« und segensreiche Regie- rung unseres Landesherrn empor.
„Heil Kaiser Dir!" So ertönt heute mitten in das heiße Ringen der Parteien der Freudenruf au- deutschem Herten und gebietet Schweigen den Stürmen, die in diesen Tagen über das Land dchingedraust sind. Mag es draußen im Kampfe der Patteien wettern und toben — hinan zu den Stufen des Thrones dringt keine Woge der wilden Brandung.
Es war und ist auch heute noch «in harter Kampf, den daS deutsche Zentrum durchfechten mußte, namentltch auch, weil seine freien An- schauungen, sein Rechtsqesühl nicht mit den Wünschen und Plänen ber Regierung überein stimmten. Als freie Männer nahen wir uns heute mit bett ersten dem Throne, um dort den Tribut unwandelbarer Treue zum angestammten Herrscherhause zu entrichten, um bort den Zoll der Dankbarke.t niederzulegen für ben Herrscher, der sein Volk liebt tmö es in treuer Vatersorge hegt.
Unbeirrt suhr der Präsident fort: „Euer Sohn ist dem Gericht verfallen und kann der Strafe nicht mehr entgehen. Sind Euch Gründe bekannt, die für ihn ein milderes Urteil bewirken, oder den Grafen Taknostoi bestimmen könnten, seine Anklage schonender zu stellen, so teilt sie mir mit. — In einer Viertelstunde bin ich bereit, Euch zu hören." —
. Nun verschwand er mit dem als Diener gekleideten Geheimpolizisten im Nebenzimmer, wo ihm dieser den genauesten Bericht über feinen Erfolg abstattete.
alles feinen Reif legen! Muß das nicht alle Kräfte anspannen, um den übermütigen Gegner nicdcr- zuhalten? In alter Stärke soll das Zentrum wieder einziehen, aber mehr als 2 Millionen Wähler müssen hinter ihm stehen. Dann sicht die Negierung, daß sie unserer Ehre nicht zu nahe treten darf, daß sie uns nicht an die Wand drücken kann!
Die Polenpolitik der preußischen Negie- ntng wird immer unhaltbarer; jetzt sind bereits 10 Geistliche unter Anklage gestellt wegen Vor- letzung des bekannten Kanzelparagraphen, eines Kulturkampfgesetzes der 70er Jabrek Da sieht man, wo die Sache hinausläuft! Auch neue Millionen sind in dies Faß geworfen worden! Für die Beamten aber hat man keine genügenden Gelder zur Aufbesserung t
Dio sächsische Staatsregierung hat eine neue Ibieral gehaltene Wahlrechtsvorlage für die Landtagswahlen ausgearbeitet. Diese Ankündigung vor der Reichstagswahl wirkt erheiternd; aber noch ist das Gesetz nicht gesichert. Tie Negierungen find in heilloser Verlegenheit; alles versprechen sie jetzt vor den Wahlen, weit mehr, als je die Parteien! Aber der Glaube an alle die schönen Dinge ist doch ein sehr geringer und kleiner!
Im böhmischen Industriegebiet fanden bedenkliche Arbeitermisschreitungen statt, die sich namentlich gegen Firmen richteten, die nicht den Tarif bezahlten.
Die dritte französische Bischofskonferenz hat eben begonnen. Es heißt, der Papst wünsche, daß ■ die Bischöfe unter anderem eine gemeinsame Einrichtung treffen, die den Bischöfen der reicheren Diözesen gestattet, den ärmeren Diözese» beizustehen. Für diesen Zweck, soll ein von verschiedenen Diözesen entnommener Aus- schuß gewählt werden, dessen Aufgabe es wäre, eine entsprechende Beitreibung der Geldmittel vorzunehmen. Ter Papst habe ferner empfohlen eine Kommission zu ernennen, welche inbetreff allgemeiner Fragen, sowie bezüglich der ausländischen Geldspenden einen ständigen Verkehr mit dem Vatikan unterhalten würden. Der französische Kulturkampfsminister Fynianot, ein waschechter Sozialdemokrat, arbeitet ein Gesetz nach dem andern aus, um gegen die Kirche vorzugehen. Und da gibt es schon liberale Kandidaten bei uns, die es offen sagen, so wie in Frankreich müsse es auch in Deutschland werden! Seht euch also vor, deutsche Katholiken!
Der schwedische Reichstag ist mit einer Thronrede vom Kronprinz-Regenten eröffnet worden. Es werden weitgehende Wahlrechtsreformen angekündigt, durch die das politische Wahlrecht ein allgemeines und die Dauer der Mandate der Ersten Kammer auf sechs Jahre eingeschränkt wird. Auch das kommunale Wahlrecht soll so reformiert werden, daß der Schwerpunkt de-, Elnflusscs bei den kommunalen Wahlen auf wesentlich breitere Gesellschaftsklassen gelegt wird. Für beide Kammern des Reichstages wie für die kommunalen Vertretungen soll die Pro- portionalwakl eingeführt werden. Ferner werden angekündigt: Entwürfe über Verlegung der Flottensiation nach der Lichmginsel, über Freihäfen und Freilager, Ausnutzung der Wasserkraft der staatlichen Wasserfälle usw.
Eine schwere Erdbebenkatastrophe hat auf Jamaica stattgefunden und die Stadt Kingston schwer heimgesucht. Zuerst hat am 14. Januar ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Sofort nach dem ersten Erdstoß brach in Kingston Feuer aus. Die Bevölkerung kampierte im Freien. Die Notlage war groß. Eine Anzahl Gebäude, darunter das Haupthotel, sind zerstört und verschiedene schwer beschädigt. Die Verluste au Menschenleben dürften beinahe 100 erreichen, mehrere
Nicht Roß, nicht Reisige Sichern die steile Höh', Wo Fürsten stch'n.
Liede des freien Mann-, Liede des Vaterlands, Gründen den Herrscherthron
Unpolitische Schlaufe.
(::) Berlin, 24. Januar 1907.
(Nachdruck verboten.)
Wenn der Leser diese Zeilen zu Gesicht bekommt, find schon die Stimmzettel in die Urne geschneit. Hier oder da ist vielleicht schon das Ergebnis bekannt. Ich könnte ja über das wahc- scheinliche Ergebnis orakeln, wenn ich das Glücksspiel um den Prophetenruhm mitmachen wollte. Aber Wahrsagen ist kein solides Geschäft. Warten wir noch ein Weilchen, dann sind die Stimm,», zahlen aufgerechnet und wir können uns auf Grund der Rechnung unsere» Schaden oder auch unseren Vorteil besehen. Nur keine imgebitlbige Neugierde!
Aber ich bin doch so gespannt, sagt der Nervöse. Warum denn? Wer redlich seine Pflichtz getan, der braucht feine gespannten Nerven zu haben. Er lagt sich einfach: das Meinige habe ich geleistet; das übrige steht bei Gott. Gibt Gott mir das Gelingen, so sage ich ihm Dank, und gibt et wir diesmal noch nicht das Gelingen, so küsse ich auch feine Hand und arbeite weiter, fo gut ick kann.
Ten Gleichmut sollte man immer bewahre», hat schon der alte römische Dichter Horaz gesag», ob die Sache schief geht oder ob sie gut geht. Tas war ein kluger Mann, dieser Vers- macher; er hat z. B. auch gesungen von bem mittleren Weg, welcher der beste sei, als ob er die Politik der mittleren Linie vorgezeichnet hätte, obschon es doch im alten Heidenrom noch gar keine Zentrumspartei gab. Die Mahnung zum unerschütterlichen Gleichmut gefällt mir auch sehr. Ich verstehe da unter Gleichmut niajt eine schläfrige, faule Gleichgiltigkeit oder ein feiges Sickducke» gegenüber den Tatsachen, sondern vielmehr die.
Chika angab, getraut zu sein, stellte sich heraus, daß eine Ebeschlicßung zwischen Alexander Takno- stoi und Chika Sauczek nicht darin eingetragen war.
Chika raste. Auf mehrere Briefe an Taknostoi kam feine Antwort. Der Rechtsanwalt verweigerte mm Chika seinen Beistand, sowie mehrere seiner Kollegen, an die sie sich noch wandte.
Sie faßte de» schweren Entschluß, zu ihrer Bande zurückzukehren. Nun mehr im Besitze weniger Rubel, trat sie die Steife zu den Ihren an.
Jahrelang lebte sie dann unter ihnen, ruhelos umherziehend von Ort zu Ort. Ziveimal bec- st'chte sie, sich Taknostoi zu nähern, als sie in der Nähe seines Wohnortes, Nagorni, waren. DaS erste Mal war er abwesend. Bei ihrem zweite» Kommen traf sie ihn an. Er stand im Gutshofe, von mehre, e» Herren umgeben, und ließ sich ein Pferd vorfübren.
Sie warf sich mit dem Knabe» vor ihm nieder und flehte um Erbarmen.
Er schleuderte ihr Geld zu, rief: „Ich kenne Dich nicht!" und ging fort.
Wie oft fragte sich Chika später: „War die Trauung eine Komödie oder eine gesetzliche, und ist sie in einer Stadt vollzogen, deren wahre» Namen mir Alexander verschwieg und dafür eine» unrichtigen angab? — Da ich kein Euakisch bet, stand, war ich leicht zu täuschen. — Suchte er sich die Möglichkeit zu verschaffen, mich, wen» ich ihm nicht genügte, verlassen zu können, ohne daß ich im Stande war, meine Rechte geltend zu machen? — Wollte er wirklich mich prüfe», was er im Anfänge unseres Zusammenlebens oft betonte — und hätte er mich als feine Gattin anerkannt, wenn er mich würdig befunden ober wenn er vom Tafcin meines und seines Kinbes zeitig Kenntnis erhalten hätte?"
Nie im Leben hatte Chika und ihr Sohn Antwort auf diese Fragen gefunden. Sie nähme» sie mit ins Grab.
(Fortsetzung folgt.)
Dann zu der in ohnmächtiger Wut Zurückgebliebenen wieder eintretend, richtete er die Frage an sie: „Habt Ihr zu sprechen?" Auf ihr bejahendes Kopfnicken bedeutete er einen Sekretär, die Aussage zu Protokoll zu nehmen; und so be- garm die Zigeunerin, erst stockend, wie träumend, dann mit wachsender Erregtheit und Leidenschaft, wie ber Gegenwart entrückt, zu erzählen:
Chika war mit siebzehn Jahren der Stolz, die Zierde ihrer Bande. Alles huldigte ihr. Sie aber schaute wie eine Königin auf die Armseligkeit der Ihren. Ihr Sinn stand nur nach Geld, Geschmeide und Ansehen. Graf Alexander Taknostoi, der sich auf der Besitzung eines Freundes in Un- 0?™ aufhielt, erblickte das schöne Geschöpf im Schloßhofe, wo es tanzte und bettelte. Es ent- flamnife wilde Leidenschaft in ihm. Aber Chika durch Jein 8iebc§lverbcn, noch durch x>.,..u ... vu<,.un.u,.u, emnemvung z»
ots ^watze, vie er ihr anbot, bewegen, ihm auf. schen ihnen war größer und größer geworden.
etn<^m«a f4einc5«.öut in Südrußland zu fol- Alexander war plötzlich abgereist nach einer 0e*7 wm aber unmöglich war, ihr zu furchtbaren Szene am Vorabend. Chika hatte da, entfagra, versprach er ihr, sie zu seinem Weibe vor Wut außer sich, seine Hand, mit der er sie zu mache» und sich in England mit ihr trauen zu zuriickstieß, ergriffen und hineingebissen.
10 ’crh .< , , ■ m „ Durch Schmeichelei und kriechende Nnterwür-
Damit hatte sie also das Ziel ihres Strebeiis: figfelt suchte Chika es immer wieder gut zu ma- Reichtum, Rang und Lurus Erreicht. chen. wenn sie Alexander beleidigt hatte. So auch