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Fulda, Freitag den 25. Januar l$>u7.
M 21.
34. Jahrocma.
In letzter Stunde.
Nun auf! Veteranen, ,nr Fahne geschart! Hinaus in den Kampf, der er wtrugen, Ann an»! junge Garde, ml tititew gepaart; Bewahrt, was die Alten ertrugen.
Gemeinsam SchwarzeauSchwarjtgerelhh Die Uebermüi'gen zu lehren.
Daß sen noch uns stark uns treu noch chr seid. Den Gegnern die Schanzen zu wehren.
Daß immer noch geht der Zenirum?turm Aratz feindlichem To''en und W iten. Daß, rote auch legte durchs Land der Stur«, Wir ihnen die Spitze noch bieten.
Drum auf! Kameraden das Banner harrt;
Drum altes zum Angriff bereitet. Frisch auf zum Sieg nach Väter Art, Bon ihrem Geiste geleitet!
Ein alter Zeutrumsmann.
«Aus meine Stimmekomnli'Lnicht an!"
Eine der beliebtesten Ausrede« flauer und bequemer Wähler ist neben dem Worte: „'s Hilst ja doch nichts!" der Spruch: „A u f meine Stimme kommts nick a nl" Ein Leser sendet als belehrendes und warnendes Beispiel für solche, welche ihr F"rn- bleibcn von der Wahlurne mit einer hohlen Ausrede entschuldigen, nachstehendes, dem Werke: „Ter Weg, die Wahrheit und das Leben" von Dr. vof). Emanuel Beith übernommenes lehrreiches Geschichtchen: „Von einem der alten Pfalz- Ctafett am Rhein wird berichtet, es sei ihm einmal in de i Sinn gekommen, zu versuchen, tote der Wem, ans dem berühmten Heidelberger Fasse gekauft, ihm munden würde. Zu diesem Ende erließ er an den Bürgermeister den Befehl, jeder Bürger labe eme Maß von gutem Gewächse in das Faß zu schütten, damit es voll werde. Der Bürgermeister. dir sich für einen fernen Kovf hielt, überlegte b.-i sich, ob es der Sache einen Eintrag machen f-'nne wenn ein einziger statt des Weines eine Maß reinen Wassers hineingösse? Und das Ergebnis seines Nachdenkens bestand in dem beinernen Svriicklein: „Auf einen kommt e§ nicht an!" Allein, daß auch andere soge- nannte solide Leute auf diesen Spruch fic6 verstanden. darüber sollte er nicht lange in der Täuschung bleiben. Denn nachdem der Jnbalt des woblemgefüllten Falles eine Zeit lang Rübe gehabt, um llch achmkkären, und der Pfalzgraf das Faß anzapfen ließ, um den Wein zu kosten, wurde ihm in dem goldenen Pokal fein goldener Rheinwein, sondern pures Wasser kredenzt. Dieser Grundsatz: ..Auf einen kommt es nicht an", ist schon an sich lügenhafter, weil er die große, geistige Macht nicht in Anschlag bringt, die der einzelne gar ost durch seine Persönlichkeit ansübt. Sodann. weil ja jeder endlich für sich ttnb für fein eigenes Tun zur Rechenschaft aezoaen wird. Wie verderblich aber müßte vollends dieser Grundsatz werden, to nn <*r bei der Mehrzahl der Menschen Eingang fände? Würde bann nicht überall statt des reinen Weines nur trübes Wasser eingeschenkt, Glaube und Tugend dem Hohne preisge- creben? Da also niemand aus den törichten Svruck sich b.Tufcn darf, so ist die Wahrheit die, daß es auf jeden ankommt." Jede Stimme ist von allee- höchster Wichtigkeit — eine Stimme kann Sieg oder Niederlage entscheiden. Jede Stimme, die uns verlöre:' geht, ist ein Gewinn für de« Gegnerk Tas mögen sich diejenigen wollt merken, du aus Deaneml'chfeit, Lästigkeit oder — Menschenfurcht ihr Wahlrecht nicht aus üben wollen.
Wie werden die Neuwahlen anrfaSen?
ihre Wut, daß das Zentrum die neuen Steuern den unteren Klaffe« abgewendet und aus die Schultern der Reichen, Leistungsfähigen, der Geldmänner, abgewälzt hat. Tarin besteht ferner die Feindschaft der Großen und Bor» nehmen, ba» das Zentrum die schrecklichen Mißstände in den Kolonien, die Greuelkalen gegen die Eingeborenen aufgedeckt hat.
Da4 wird bet heutige Tag zeigen. Roch nie ist eine Portei mit so viel Siegesjauchzen tn den Wahlkampf gezogen, wie es diesmal der Regte- rnngsmischmasch tut, der sich aus den Liberalem Konservativen, Freisinnigen, Landdundlern und Antisemiten ztifammensctzt. Tie vereinigten Re- gierungssreunde feiern die Auslösung des Reichstages schon als Sieg und hoffen mit aller Zuber- sicht, daß sie dem Kaiser zu seinem (tzeburtstag (27. Januar) eine Freude machen und ihm den gebändigten Zentrumsdrachen auf dem Schloß- platz am Nase.rring vorführen werden. Aber statt jetzt schon Jubellieder anzustimmen, hätten sie besser das Sprichwort beherzigt, daß man erst Kuh schreiben soll, wenn man über dem Graben ist. Das Zentrum wird einen harten Stand gegen den Ansturm der Gegner haben; es bat keilte Freunde, ganz allein zieht c5 in die Schlacht. Von links und rechts sind die Kanonen nach unserem alten festen Turm gerichtet, auf feine Zinnen reanet cd Feuer, von oben und unten wühlt die Sozialdemokratie an seinen Fundamenten. Tie ganze Negierungsmaschine bis zum letzten Subalternbeamten herab arbeitet gegen das Zentrum, der konfessionelle Haß bat Unglaubliches geleistet, und die Menge der Wahltagen hat die Sonne verdunkelt. Aber das Zentrum wird daran nicht sterben. es wird, so hoffen wir, in alter Stärke und mit einer neuen härteren Haut aus dem Jungbrunnen der Neuwahl emportauchen. Das Volk wird ein Verständnis dafür haben, daß das Zentrum nicht untergehen darf. Es muß oben bleiben. damit das Recht des Reichstags auf Geldbewilligung auch fernerhin gewahrt, damit der unerträglichen Schuldenwirtschatt und der ewigen Sterrererfinderei ein Tamm gef-frt wird, e« muß wiederkommen. damit nickst die Fürsorge für die arbeitenden Stände dem Zuchthausknrs und dem Scharfmachertum Platz machen muß, damit das Wahlrecht gesichert und der Kulturkampf verhindert wird. Das Zentrum ist heute ebenso unentbehrlich tote in den Tagen des Kirckensturms. Das Zentrum, das nufere politische und religiöse Freiheit schützt, darf nicht zerschmettert werden Das Schicksal des Zentrums liegt in der Hand des katholischen Balkes. Kein Steinchen, kein Mörtelstückchen vermögen die Regierung und alle Parteien miteinander aus unserem Turm zu breifen, wenn die katholischen Männer ihre Pflicht tun! -
Seht wie die Gegner in unserm Wahlkreis nnd besonders kn der Stadt sich die größte Mülle geben, einen Erfolg zu erringen. Sollen sie triumphieren? Das darf nicht fein. Darum
wer »och nicht gewählt hat» der eile zur Wahl.
Wer heute feine Schuldigkeit nicht tut und aus Merstchensurcht ober persönlicher Verstimmung zurücktritt, der fd'äbiat unsere heilige Sache.
Jeder ist notwendig, jeder ohne Ausnahme. Wir müssen an diesem Tage einen wahren Schnee- sturm von Zentrumszetteln veranstalten.
Schätzet da- Zentrum, damit t» auch euch fernerhin schütze
Zur Wahlbewegung.
Bon erneut Beamten erhalten wir folgende beachtenswerte Zuschrift:
„Katholische Wähler, laßt euch nicht verb.'Lsse«? Die Hurrapakrtoien bewilligen freilich alle Forderungen der Regierung, die Geldmittel aber müßt ihr aufbringe«, die .Nationalen" sind ent MM Hurrarufen da. aber nicht zum Zahle«! Wißt ihr nicht, wie sie sich mit Händen »ne Füßen gegen die Liixusstenein gewehrt haben? Darin besteht ja Haupt sticht ich
Kal hol'iche Wähler des Wahlkreises Fulda- KerSsetv-Schllichteru! Freut euch, daß ihr in Her»n
Richard Müller
einen Mann wählen könnt, dem ihr wie affe Andersgläubigen mit gutem Gewissen eure Stimme gebe» könnt, der sich rote fern Zweiier um das Vaterland und das deutsche Volk verdient gemacht hat. Ihr wißt nicht, wie schwer den Katholiken in anderen Wahlbezirken, ivo nur Zenkrumsseinde emeneils und Sozialdemo (roten anbenettS in Frage kommen, die Wab gemacht wird. Schreiber vieler Zeilen weiß dies aus eigener Erfahrung au» dem Wahisieije Er- suU-Scheusingen«Ziegenrück Tort war 19"3 der bisherige kevaugetftcke) konscroative Abqeoid- nete als Kandidat ausgestellt, für den wir Katholiken wegen seiner wahrhaft toleranten Haltung geschloffen eingetieien wären. Bon den Kukluikampier« aber wurde ein Eegenkandidat, ein yiationaUiterater. ankgestellt, weil der Konter vakiv« bei Abst'mmung des § 2 des Zehnten« acsetzes nicht etwa zugunsten bet Jesuiten gestimmt, sondern sich der Wahl enthalten hatte. Infolge einer maßlosen Kattzo'ikentzetze zwang man Vas Zenknim bei der Stichwahl zwischen Nationaüiberalen u>d Sozmivemokraien zur Srimmenkhaltmig. Wir kathostiche Beamten aber befanden uns m einem furchtbaren Geivtffens- zwange, entrchieden uns abt zur Wahl uns verhalfen damit un»erem Todfeind zum Siege.
Karholi che Wähler! Laßt euch alle nicht verblüffen, ibr werdet die Fol ien empfinden mchi nur an eurem Geldbeutel, sondern auch an einem heiligsten Gute, der karholi! chen Religron. Denkt an »en Kulturkampf, denkt an Frankreich! Seid nicht bstrud, sondern haltet die Augen osfen!"
Eichenau b. Salzschlirf, 25. Jan. 1937. Kurz vor Nedaktionsschlnsi um ’/*ll Uhr erhalten wir die hocherfreuliche Nachricht, bnfi hier der Wahlakt bereits geschlossen ist und sämtliche Wahlberechtigte« — 34 — ihre Stimme für den Zentrumsabgeordneten Herrn Richard Müller abgegeben haben. Bravo!
Die Nuterzeichuer des Wahlaufrufs der „freikousrrvativ-ualioncrleu" Partei fetzen «dt, so wett es sich seustellen ließ, nach Be r« fs stän de uaeorduet.wie folgt zrnam men: Postbeamte etwa 24, Eisenbahnbeainte 40, Lehret u. Pfarrer 30, andere Beamte 77. Domänenpächter, Land» und Gastwirte 22, ohne Berufs-Angabe, worunter zumeist zahlreiche Neuste und ab- hängige Existenzen 5i, Hrnswerker 12, Fabrikarbeiter 7, Kaufleute 16, Letzte 3, verschiedene Berufe 6.
Die »Dchlüchtcruer Zeituwg^ hat sich so tot darüoer beklagt, daß das Zentrum im SBeMLete Hanau-Gelnh uken-Orb infolge seiner Wahkenthaliung den Saziakdemsktatea m- bkteti unterstütze — sie hat ferner tn dieser Wahlkampagne allen Zent tarn »Wählern die KSaigSiteue abgesptochen — sie sagt mit Recht mder RtiUwochs-Rummer vom 16. Januar:
„alles, was monarchisch fühlt, kann mit ihr — öer Sozialdemolralie — nicht znsamwengehen"; nun aber sch weben 'Jeihanblungeu zwischen den liberalen und foziawemosiainckku Parteileitungen der Reuwieder und Kölner Wahlkreiies, daß bei der Stick wähl in Neuwied bte eoualöemohateit den Liberalen und umgekehrt in Köln d e Liberalen den Sozialbemokiaien unterstützen sollen. Was sagt die .Schlüchterner Zeitung' dazu? Sie bat schon gerprochen: alles, was monarchisch fühlt, kann mit ihr nicht zuiammenaehrn. Äus dem Sh.finlanbe wird (siebe werter unten!) geschrieben, daß em nalronalliberaler Geheimer Kommeruemat feinem Regierrmgspräsiventen erklärt habe, fr werde in bet zu errrarreuben Stichwahl zwilchen Zentrum und Sozialdemokratie für den Soziaidemolraten stimmen. Ter Regte- rnnaspräsibent habe daraus mit verlegenem Lackeln geantworlkk: „Aber das tun Sie ja doch nicht", woraus der Geheime Kommerzienrat erklärt habe, er werde unbedingt so stimmen, und bteielbe Stellungnahme sei von werten Krefteu des rbeimfckeu uaiionalliberaken Bürgertums zu erwarten. Tie .Schlüchterner Zeitung' wird um Antwort gebeten.
In der Wahlvcrfammkiurg in Klein- saffen, tu der nur bte Zeirtrumsivahlet eingeladen waren, ha ken sich auch emiae NicktzenB t rum-wählet emaejunben. Wir batwn berichtet, daß bte „gesamte nationale Wählerschaft drei Mann hoch eridjienen sei und durch ihren Wort» ifibrer einige Fragen vorgebracht habe, d>e ent« sprechen) beaul wartet ivarden". Herr G uls- Pächter Hoffmann tn Schackau teilt uns dar« mit, daß er nicht ber „Wort ührer" der nationalen Wähler, sondern aus eigenem Antrieb gerprochen kw.be. Wenn er weiter wüt, — die von ihm gestellten Fragen feien nickt überzeugend beantwortet wurden, so ist bas jedenfalls nut feine Privalansichl. bte Bersartrutlmrg war, w>e der laute und ailgemefne Beifall bekundete, vollständig durch die Beantwortung belriebigt. Wenn Herr H. werteren Aufschluß haben will, möge er sich an den frühere« Gouverneur Leut- mein. den Hauptmann Francois ober Den früheren Kolonialdireklor wenden, bte genau berjelbttt Ansicht sind, wie die Zentrnm-mehrheit.
An christliche Arbeiter (Drei Worte zum Nachdenlen). 1) Pro eflor Harms ans Berkin iprach auf einem Kongresse von Ar bester freunden das Wor : Man mag zum Zentrum ftchen wie man will, das wird man anerkennen muffen: „Zn der Soziakpokrtrk ist das Zentrum tederzeit an bet Spitze marschiert." 2t Und Professor Wagner aus Berlin: „Di« Unternehmer sollen sich freuen, daß eine christliche Arbeiterbewegung entstanden ist. die imstande ist. btr wilden Agitation des Sozialismus em P^irolk zu bieten." 3) Ter 7iffäl)tige ehemalige Hofprediger Stöcker, zweifellos ein Arbeiter freund, sprach am T2. Dezember l'.»O6 im Reichstage: «Es gble nechlistlrch'uastonakeArbettertzcwegung. In jeder Werre müffeu wir diese nnterstützen und stärken nm jeden Prers. Es sind in d r christlich-nationalen 'v erve ung stber 60 /Bo Mann. Ich weiß abrokul keinen andern Reitnngsweg säe unser Vaterlaub " Und nun chrrstkicher, denkender Arbeiter! Kann die Wahl Dir noch wehe tmr? WM macht Quak, sagt man sonst tm Leben. Diesmal nicht. Dein Glaube, De ne Hetze mm Baterlande, zu Deiner Familie, zn dem Arbeit erstände sagt Drr ftai, zu welcher Partei Du hatten kolkst: Rur z«m ^entrnrn!
Wiederjeyen.
Don S. Lidwiu.
18) kRachdrnck verböte«.)
einen flachsköpfigen Knabe« neben sich, steigt er bald b-it schmalen Bergpsad hinan. Tiefe Strüe und Einsamkeit ist ringsumher. — Leichte Nebel wogen in dem Tal zu ihren Füßen, — am Raube des Horizonts liegt noch ein matter, roter Schein. —
Weber zu dem Manne noch zu dem Kinde redet die erfcabetre Natur. Tas letzte denkt an die wenigen Nickelstücke, die et erhalten würde, der Erste grübelt über das nach, was er zu der Frau sagen will
Jetzt nimmt sie der Wald auf.
Ter Diener fragt: „Was weißt D« von ber Alt-n? Erzähl: k"
-Es ist 'ne Hexe," stottert der Knabe, „allein itl->g ich nie hinauf. Sie bat Angen wie 'ne Eule. Hö.ide wie Krallen, und sie redet immer mit selbst Sie bekommt durch die Post oft viel Geld, das schickt ihr ein König. Aber niemand traut sich, es ihr zu stehlen. Sie bat Messer und Gewehre tn ber Hütte, und sie schläft nie."
Rastlos schreiten sie voran. — Endlich $eigt sich ihnen bet Schimmer eines Lichtes.
_.-Da wohnt sie." flüstert der Junge. „Geben Ste mit meinen Lohn, denn wer weiß, ob Sie lebend wiederkommen?"
da. Tu Dummer," spricht der Mann unb schiebt in die kleine, harte Hand einige Münzen.
Eeräi'schlos steigt er dann in die Zweige einer Tanne. So kann er in das kleine Fenster hinein- blicken, dessen untere Scherben verhangen find
Ein merkwürdiges Bild schaut er: rto^etiinchte Wände, geschmückt mit Bildern und gkänzend-u Stoffen; alte Schemel, bedeckt mit kostbaren Kis
sen und einen Tisch mit Marmorplatte. Dor ihm h«kt rin Weib. Ihre Hände sind beschäftigt, glitzernde Dinge, die auf dem Marmor zerstreut liegen, zu putzen. Ihr Gesicht ist abschreckend mager, die Backenknochen treten vor, und um die tief znrückgesunkeuen Angen ziehen sich viele Nun- zeur.
Bei bett Zigeunern findet man ja fast immer L'kbrorz nnd Schönheit m der Jugend, schnelles Verblühen und große Häßlichkeit tm Alter. Di:s- Grerftn konnte eben 50 Jahre zählen.
Die hagere Gestalt umgab rin phantastifches .9Iet>, und um de» Kopf schlang sich eia buntes Tack.
Dee «atm stieg von der Tanne nieder und wollte die Huttentüre öffnen. Er fand sie 6er- riegrlt und Hundgebell schallte ihm rotacaen.
«br«ge etil» Botschaft ans ter Stabil" rief er.
Der Lichtschein verschwand und das Wrib be- obacktcte wobt aus dem Dunkel den Fremden
Aetzt war» e» wieder he«, ter Riegel klirrte, und der Diener vernahm die Bette: „Tretet cm."
Da stand er nun, umgebe« von Armseligkeit und lächerlichem Tand.
Starr musterten EKika's Augen fein Antlitz mm, wir erschrecken», seinen Anzug.
-Was wollt Ibr, redet schnell."
»Ick suche die Mutter des Grafen Stephan Toknosioi," antwortete der Gefragte ne» fixierte
bdB SMS.
Wie vom Blitz berührt zuckte fte wfotnrnen.
Suh gewaltsam fassend, flüsterte sie: JB»» soll das? Was kommt Ihr darum iu mir? Ich kenne nicht Graf noch Mutter."
-Mo bin ich unrecht gegangen," sprach bedauernd der Marin. „Und es eilt so setz». Mein Herr. Graf Taknoskoi, ward beute im Duell ter- toitnbd, er ist dem Tode nahe. — Er befahl wir, einem vertrauten Diener, :'■* Mutter herbeizuholen. Än» fernen abgebrochenen Worten meinte
ich Ihren Namen und Ihre Wohnung zu verstehen. Allo aller umsonst."
Eure furchtbare Veränderung war bei dem grausamen Bericht mit dem Weibe vorgegangen.
Erst tote verständnislos — mit zuckendem, geöffnetem Munde — hatte sie gehorcht, dann breitete sich f»Äe Bläffe über ihr Gesicht, — sie stieß ein leises Wimmern aus und karrt in die Snice.
Endlich wohl »re fchreckkiche Kunde fassend, sprang sie auf; rang Sie Hände, zerrte das Tuch von den Haaren im» die Finger bann vergrabend, lief sie auf uu» ab un» streß die Worte hervor: „Ja. ja. mein Sohn. — o Gott, es ist mein Sobnl I--Hn» sterben sollte er, — f» jung, so schön,
ein Graf — O. Gericht Gottes, a, Vergeltung!" --Sie warf sich attf den Toden und wimmerte: „Sein Mut für das verhaßte forderst Du? Auge um Ange,--Zobn um Zahn.--*
Sre starrte trat sich--und. tote zur Be-
ftmtimg kommend, keuchte sie: „Was sprach ich? Was?--Ich tett wahnsinnig, rat — Doch mm
schnell, ßhueA M Ihrem Herrn!" siche sie fort und zog 9m mit zur Türe.
In 2 Stunden jätet der Zug nach M : den müssen wir noch zu erreichen suchen, um morgen früh dort kinzntcesseu," sagte ter Mann ruhig.
TaS verzweifelte Weib führte ihn. So eilten fte dahin durch die dunkle, totenstille Nacht.
Sie erreichten rechtzeitig die States».
In den laugen Stirnbein der Fahrt schlossen sich Ehisik'S Auren keine Minute. Anjanas fönte sie mehrmals zu te» Tiener. „L» er leben bleiben totrb?" — en»: JBeen ich ihn schon tot fäntel** — Daun tetfbuemte sie.
Am Morgen träfe» sie in M. etn en» eine Treickke führte das seltsame Paar zum Polizei- Präsidenten.
Beim Bvrloffen des Wagens sagte die Fran plötzlich: „TaS ist nicht Taknostoi s Hau?, liegt er hier?' -
„Folgen Sie mir und fragen Sie nicht," herrschte tex gL I
Mit großer Aufregung hatte von Berns bte Ankommenden erwartet und trat ihnen in bet Türe entgegnt.
-Also Sie find die Zigeunerin Ehika Säueret?" wandte er sich, nachdem et sich niebeege- lassen, au tes Weitz.
»Ja. ja," keuchte sie, „und ich bitte, mich schnell zum Grafen Taknostoi bringen zu lasse«. Wo ist er?" —
„Ihr Sokm Konstant,--hier unter dem
Namen des Grafen Taknostoi lebend,--beit
er bei Kairo niederfchktg, trm sich besten Titel mch Vcfitztümer anzuevmeu, — — ist nicht verwundet, --nicht »em Tode nahe--Es sei bette, daß dieser durch den Ausspruch des Richters über ihn verhängt totrb!"--
Lmtostmr. acrent irrend, seine Blicke tief te die Augen »er Zigeunerin bohrend, hatte Berns diese Worte gesprochen.
Doch unbeweglich, tote gefühllos, die schmalen Lippen krampfhast znfammengepretzt. stand das Weib ihm gegenüber. —
Tie furchtbare Aufregung der vergangenen Nackt, die früheren glühenden Leidenschaften, ihre Rackfnch: und Goldgier, hatten wohl schon ihre Geistesträsie geschwächt, sodaß die furchtbare Enthüllung momentan sie vollständig lähmte.
Dder warf ber Gedanke: „Tete Sohu ist nicht iot. — liegt nicht im Sterben, — einen Hellen Fnvken tn die dunkle, fündeiisthwere Nacht ihres Herzens? WaS wor ihr Verbrochen und ihre Schande im Vergleich zu ber Empfindung, di» ie bis sitzt gehegt: tei findest dein Lind tot, als Leiche." —
Und weiter redete ter Präsident: „Graf Taknostoi ist nicht gemordet durch ihren schurkische« Sohn. Tie Wunden, die er i6m beigebracht, waren nicht tödlich. — Er ist selbst hier und erhebt dre Anklage gegen ihn!"--
Ta verbreitrt? sich ein Zug raletrden Zornes über die Züge ter Zigeuner in, nub leist stieß fte tert^t: „Der Verfluchte esrettot ' 1—