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zO.

Fulda, Donnerstag den 24. Januar 1907.

34. Jahrgang»

Kn unsere MtNrger!

Die Stunde der Entscheidung naht! Am 25. Januar findet die ReichstagswahL statt, durch welche entschieden wird, wer unseren Wahlkreis für die nächsten 5 Jahre im Reichstage vertreten soll.

Am 16. Juni 1898 wählten in Fulda von 2688 Wahlberechtigten nur 1404, — 1284 blieben zu Hause, am 16. Juni 1903 wählten von 3746 nur 2185, — 1561 blieben zu Hause, unser Kandidat erhielt 1555 Stimmen, unsere Gegner 630 Stimmen ohne jede Agitation von deren Seite.

Unsere Gegner wählten fast vollzählig, unsere Freunde blieben zur Hälfte zu Hause, weil sie annahmen, unser Kandidat werde ja doch gewählt.

Heute liegen die Verhältnisse anders; das Sentrum ifi von allen Seiten auf'r schwerste bedroht, „ßeinde ringsum"; öffentlich und im geheimen wird der stärkste Druck angcwcndct, um unseren Kandidaten zu Fall zu bringen.

Mitbürger, wollt ihr auch diesmal Euch der Wahl cuthaltcn? Damit der Liberale oder Rote den Sieg davonträgt, oder sich rühmen kann, die Mehrheit der Stimmen in der Stadt Fulda erhalten zu haben?

Kein Wähler darj zu Muse bleiben, ein 3eüer, der Jur seinen glauben, sein Vaterland, Jur Wahrheit, freiheit und Recht eintreten will, wähle unseren Kandidaten:

Richard Mer in füllte.

Fulda, dm 23. Januar 1907.

Der Wahlausschuß der Zeutrumspartci.

^>teöer|e^en.

Bo« E. Lidwin.

11] Machdruck verboten.)

Demo unterbrach die Dame oft durch Fragen und Ausrufe. Als sie (teertbet, fast er sinnend da, feine scharfen Auaen blickten ins Weite, als liest er nochmals da?- Gehörte au sich vorüberziehcn.

Tann sprach er: „Hub Sie erkennen in diesem jungen Manne zweifellos den Stephan Takuostoi, der in ftniro mit Ihnen verkehrte?"

„Ja. Detter, zweifellos Ich könnte das mit einem Eide bestätigen."

„Sie sahen hier auch den andern Taknostoi?" „Ja. ich erinnere mich, im Theater."

~ Ihnen fein Unterschied zwischen Ihrem Schützling und Ersterem auf?"

„Ich muh gestehen, ich war damals fest über- zeugt, den mähren Takuostoi vor mir zu haben. Ich fand ihn zwar gealtert und sein Gesicht bla­siert geworden."

„Rufen Sie jetzt Ihren jungen Freund herbei. Cousine. Es geht nickt ander?, ich mutz mit ihm selbst reden. Aber ich werde rücksichtsvoll fein, meine Verehrte, seien Sie ruhig." n„n?aIi>uttl3t die Gräfin mit Stephan ein und Neiile ihn nm erhobener Stimme vor ,t*eer ©tep ^n Jah-onoi. _ _ Mem lieber Vetter, der Poltzelprastbent von Lento, dem ich Ihr cZÜc*?a&Iie "nd der mit alle» Kräften für Ihre Rechte euitreten wird", fügte sie bei und stutzte wie bittend chre Meiste Hand auf BernoS Schulter.

.Gütig redete Demo dann zu dem Schwerae- pru-t.n. Er Uetz intt Wohlgrmi'cu ,eitle Blicke auf dem offenen edlen Gesicht, der eleganten G'- 'talt ruhen. ,

Alle ließen sich nieder, Hclma dicht neben dem Geliebten Sie wollte ihn vor jedem unzarten Wort schittzen.

„Lasse die Sorgen fahren, Helma, dem Herrn wird nichts Uebles geschehen, meine Fragen dienen feinem Interesse", sagte mit ironischem Lächeln der alte Herr.

Und nun begann ein Forschen twch dem Hei­lten Umstand, der durch die Erzählung der Gräfin dem Präfideten noch nicht klar geworden

Stephan antwortete kurz und klar, zur Ve- friedignng des Herrn von Berno.

„Also kein Beweis Ihrer Identität liegt vor?" forschte et werter. „Blieb Ihnen kein Nina, fein Papier, kein Wäschestück mit Ihrem Mono­gramm?"

. „Nichts, mein Herr. Ter Mensch war mir beim Ankleiden behilflich und konnte das also leicht verhindern", antwortete Stephan.

„Wissen Sie keine Personen herbeizurnfen, die Sie mit Sicherheit legitimiere» könnten?"

„Rahe Verwandte habe ich nicht, die alten Diener aus Nagorni, das ich mit 12 Jahren bee­ilen, find wohl tot, möglich, da st die noch lebenden mich erkennen wurden. Aber sollten sie unter zwei fast gleichen Menschen ihren richtigen Herrn Wahlen, würde es sie sicher verwirren."

„Scktwerlich würde auch das Zeugnis hinrei- cheu", erklärte Berno. „Rur ein Punkt in Ihrer Mitteilung gibt mir einen Anhalt. — Sie spra- chcn von einer Zigeunerin. die mit ihrem Sohn, also möglich, Ihrem späteren Diener Iwan in Nagorni bettelte und fortgejagt ward. Dieser Tiener schrie, als er Sie überfiel:: ^Jch und die elende Zigenncrin, die mir das Tasein gab." --Nun ist die Frage", folgerte Bert s, „lebt diese Fra« noch und wo? Weitz sie von der Tat des Sohnes?--Würde ich den Vnischeu auch

verhaften lassen — ich bin überzeugt, er ist nicht

der Tat zn überführen, da wir keine Beweise ha­ben. Er ist zu vorsicktia und scklau zu Werke gegangen. Natürlich, schlägt der Plan mit der Mutter fehl, müssen wir ihm die Anklage inS Gefickt schleudern. wenn ich auch dadurch nickt aut Erfolg hoffe. Der angebliche Takuostoi darf nicht almen, dass Sie hier sind. Sw dürfen das Haus nicht verlassen, sich nickt am Fenster zeigen, denn, sobald der Psmtdo-Taknostoi erfährt, bah Sie noch leben und von Ihrer Anwesenheit hört, wird er M. verlassen und unser Vorgehen daun mit tau­sendfacher Mule und endlosen Geldopfern ver­bunden sein. Ich lernte Ihren Feind verso- lich vor wenige» Wochen kennen. Er spielt Ihre Rolle vortrefflich, ist elegant und geistreich. Jetzt zwar fällt mir auf, daß er erzählte, infolge eines Son­nenstiches, den er im letzten Sommer in Ungarn bekommen, sei sein Kopf, sein Denken und Er­innern oft schwach und er leide seitdem zuweilen an Schwindel. Das ist also ein schlaues Mittel, um etwaige Lücken in seinem Wissen erklärlich zu macken "

Zu später 6titr.be empfahl sich Berno mit er­munternden. gütigen Worten an die Zurück- bleibenden.

Dem geschickten Vorgehen Vernos gelang e? bald, den Aufenthalt einer Zigeunerin Chika Sauczek und ihre Beziehungen zum Pseudo-Tak- nostoi zu erfahren.

Der Kammerdiener des letzteren hatte dem Bitten und dem Schmeicheln feiner Braut nickt widerstanden und lhr alles, was et vom Privat- leben seines Herrn wußte, ewählt. Freudestrah­lend «ar daS intrinuante Mädchen zu einem Unterbewuten Bcrnos, der ihre Hilfe erkauft hatte, gekommen und es gab folgenden Bericht:

Takuostoi schicke alle Vierteljahr eine Geld­summe oit eine Frau Sauezek, nach dem Torie Hirschdorf. Den Drück besorge er selbst zur Post, war dem Dien« auffiel. Er habe die Adresse

des Briefes gelesen, da fein Herr, der plötzlich Be­such bekam, ihn ans dem Schreibtisch liegen liest. Seitdem habe er, der Diener, auf das Abgehen dieser Wertbriefe geachtet.

Vor einigen Monaten fei eine alte, eigentüm­lich ausschauende Frau in Taknostoi's Wohnung gekommen und habe verlangt, den Grafen zu sprechen. Sie sagte dem Diener, sie als die Frau aus Hirsckdorf anzumelden.

Sein Herr sei bei der Meldung zornig aufge- fahren, habe aber dann das Weib herernfiihren lassen. Etwas zu erlauschen, wäre unmöglich ge­wesen. Jedoch das Weid habe nach einer Weile mit geröteten Auge« das Haus verlasse«, und Tak- nostoi bekohlen, die Frau nie wieder vorzulasse« und zu sagen, werm sie käme, der Graf sei ver­reist. —

„Bernhard glaubt fest," hatte das Mädchen geschlossen, „daß es die Mutter einer Verlassenrn Geliebten des Grafen ift.”

Auf dem Sandwege, der von der Bahnstation nach Hirschdorf führt, schritt bei sinkender Däm­merung ein Mann eilig dahin. Seine schmächtige Gestalt trug die blaue Livree eines Dieners. Scharf blickten die kleinen Augen. Kein Gepäck beschwerte feine Schritte.

Im Dorfe ankommend, begab er sich zum Post- haus.

„Ans seine Frage «ach der Wohnung der Frau Sanczek hietz c§: Das ist ein weiter Weg. Fast 2 Stunden von hier, oben im Gebirge haust bit Chika in einer frühere« Holzfällerlssitte."

„Derschoffen Sie mir eilig einen Führer, an gnwr Belohnung soll cs vicht fehle«." sprach der Fremde.

(Fortsetzung foljt)