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ZulLaer W Zeitung
wochenbM-e:.„Illustrierte§onntagrzeitung^ monatsbeNage: „Huldaer GelchichtrblätLer"
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25 Vfq.; bei Wiebe bolwwtrtn wird entfi Babafi eewibrt.
oetbrud u. Verlag bet Sulbaer Bk» leabrtderei in fiulba Sen lpredjer Nr 9.
•M 19.
Fulda, Mittwoch bett 23. Januar 1907.
34. Iahraanq.
Zentrumstandidaten
für die iiritljstagsjualjl am 25, faituar.
Wahlkreis: hanan-Selnhanfen-Vrb. Die Zen- IrumSwähler werden gebeten, sich der Abstimmung zu enthalten.
Wahlkreis: Zrulda-Serrfeld-Zchlüchtern. Kandidat: Herr Richard Müller-Fulda.
Wahlkreis: Marburg -ttirchhaln«Hranlenbery.
Kandidat: Her rRegterungsratKlacke- Treyla.
Wahlkreis: HSnsetd-tzerrfeld-Rotenburq. Kandidat: Herr Richard Müller-Fulda.
Wahlkreis: homberq-.WKIar-Ziegenhain. Kan- feidm: Herr Richard Müller-Fulda.
Wahlkreis: Hinteln »Hofgeismar > wslfhaaen. Kandidat: Herr Mchard Müller- Fulda.
Wahlkreis: Hassel• Melsungen ES ist kein Kandidat ausqestellt. die Zentrums- Wählern werden gebeten, fich der Wahl nu enthalten.
Sur Wahlbewegung.
Nvser gefährlichster Feind! Wer ist der gesSdrlichste Femd des Zentrums? Sind eS die Rarteklparteien oder die Sozialdemokrate«? Ja, biete Parteien werden uns zu schaffen machen, aber unsere schlimmsten Gegner sind sie nicht. Das Zentrum hat einen inneren Feind, der ihm viel Schaden zu'ügt, und das rst die Wahlfaul- heil seiner Freunde. Wohl zählten die Soziat- demokraien bei der Reichslagswahl imJcchre 1903 3,oio,77l Stimmen, während es das Zentrum auf 1,876,092 Stimmen brachte, allein es gibt im Deutschen Reiche noch eine Partei und die zählt noch mehr Anhänger, dar ist die Partei der Schlashauben, die Par ei der Drückeberger. Solche Drückeberger, die aus lauter Bequemlichkeit von der Wahlurne fern bleiben, gibt es leider auch in unteren Reihen. Bei den liberalen wird der letzte Subaltern-Beamte abkonunandrert; dre Sozraldemokralen dringen den letzten Mann auf, nur bei uni schonen Himdertlauiende — ich möchte schreiben Millionen — mit verschränkten Armen dem Kampfe zn. Was ist derHauplgrund für eine solche lätsige Wahlbeteüigung? Der Hampiarrms der Wahls aut hert, die in Stadt und tiaud daheim ist, liegt dann, daß man vielfach kein BerMndms für die Beoetstung einer Wählst imme und kein genügendes Interesse an den brennenden Fragen der Gegenwart hat. ,Aus mich lammt es nicht an; ich hebe die Welt nicht aus denAugein", sagt waucher gutmütigeWälster und bletbl am W. Januar tetlnahmslos auf lernet Oiendank sitzen. Ich n*8 nicht sagen, daß bei den Reichstaqsrvahlen eine eruzige Stimme den Sieg entscheidet, obwohl et auch schon solche Falte gegeben hat. Aber in jedem Falle werden die Stimmen, die für eine Partei abgegeben werden, l,n ganzen Reiche zuiammengezählt. Jede einzelne Stimm« verstärkt den Sieg, erhöht das Arneh« eurer Partei und vermehrt ihren Einfluß. Fede ReichsiagSwahl ist eine Art BolkSzählung, wodurch^erüchtlich wirb, ob eure Part« im Wachten, rm Stillstand oder im Rückgang hegriffeu rst.
Wiederseyen.
D«t L tiib wie.
IO| lRachdruck verbsien.)
„Die Kräfte des Knaben waren erschöpft, er lagerte sich hin, indes die Männer weiter dem Pferde folgte«. Ta gewahrte er. neben sich halb unter Steinen und Sand versteift, etwas Blitzen- des. Er ^icto das Verborgene hervor. Es ist eine Leder tasthc mit glänzendem Schloß, die einen goldenen Trinkbecher, Eßwaren, wie einige Keine, silberne Teller birgt. Lüstern nach weiterem Fund untersucht er den Boden umher, tote die ihn umgebenden Schluchten. Da, in einer, die eng und tief in di« Felsen einschneidet, findet er zwi- slben zwei groß« Steine geklemmt, den leblosem Körper, wie er annünmt, die Leiche eines Mannes. Sie ist mir mit leinenem Beinkleid und blu- tir-em Hemd bekleidet, dos Gesicht von Blut überströmt und eine kaffeude Wunde ziriht sich über den Schädel, lieber der Brust liegt znsammeu- peroTIt der Livreerock eines Dieners. Durch das Angstgeschrei des 5tnaben herbeigelockt, nahen sich die Männer, das gefangene Roß an einem Seil führend. Mit vereinten Kräften zerren sie dem leblosen Körper aus der engen Spalte hervor. @1 entringt sich den bleichen Lippeu des Todgeglaubten ein leises Wimmern.
„So also hatte mich Gott gerettet vor bete eiu- fctiue» Hinstcrb«! in der Einöde! Die FesiahS machten von dem Ereignis bei -er Polizei keine Anzeige, wob! au.S Furcht, daß man ihnen das Psi-ri) wie die Silbersache« nehme. Sie brachten mich unter, so gut es ihnen möglich war: daS Mägdlein sorgte Tag rmb Nacht ffir »ich, verband meine Dnudes in Brust und Schädrt imb fühlte uwüren .Kopf. Wie ich endlich bes Gebrauches meiner Sinne mächtiq trirrto. da entrollte es sich mir klar, mit welch' teuflischer Schlauheit bet Löwwicht mein Verderben vorbereitet hatte. Ja.
Sckweine. SexnMt wurde ffir 1C0 STfb. Ftf-Irtf ierir:*t Ockseu: e. vvllflrildnge, misgemäflete höchsten Schlacht- werleS bis zu 6 Jahren 80—85 M., h. junge fleischig« nicht ansgemästele und ältere au§gemäft«te 70—74 i’L, c. mäkng genährte junge, gut genährte ältere 62 -65 M., d. gering genährte jeden Alters 00—8# M. Bullen r a. vollfleischige höchsten Schlachtwertes 71—71 Mrrk, *•. rnäkig genährte jünger* und gnt genährte ältere, 68—70 M., c. gering genährte On.txi M Rübe und Dürfen <Stiere »nd Rinder): a. vollfleischige, auSge» mästete Järien <Etiere und Rinder' höchsten Sdjladjt» wertes 72—74 91., b. vollfleischrge, ausgeninstete Kühe brd f en gd lndnvertet- vrs zu 7 Jahre« «8-70 M„ e. ältere nnsgen-ästete Pfihe imd wenig mit entwickelte hingrre frühe und Jätsen <Stiere und Rinder» 58 bis Lu Bl., d. mäßig genährte Hübe und Järjen lStiere und Rinder) <>0—00 M, <“■ gering genährte Kühe und flärlen Stiere und Rinder) 00—00 M. BezahU wurde für 1 Bid. SchlmtUgewidst: Kälber: u. fetniie Biast« lBollmast, u. beste Saugkälber «Hannov.j 102—104 Pfg., b. mittlere Mail- und gute Saugkälber 88—96 Pig., <•_ geringe Saugkälber <>8 7u Psg., u. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pjg. Schale: a. Maitlänimer und jünger« Masthämmel 80—82 Psg., b. ältere Biasthämiuel 74—76 Psg., . mäßig genährt« Hänimel und Schaje<Merzschaje)00—00Psg. Schweine: a. vollfleilchrge der ferneren rllassen und deren Streu« zunge» üu Aller bis zu 1'/« Jahren 66—67 Psg., b. fleischige 65—00 Pjg., c. gering enimidelte, sowie Sauen und Eder 5V—58Psg., d. auslündi>che Cchweme (Unter Angabe der Herkunft« 00— 00 Psg. Bezahlt wurde für 1 Pjd. Lebendgewicht: Kälber: » 61—62 Psg., b. 53 bis 57 Psg. Sdiweine: ■■ 53 - 00 Psg., b. fleischige 52—00 Psg. (Kejchäjtsgang in Großvieh miltelinäßi i, Ueberftanö unbedeutend, in Kleinvieh gut. Biarkt geräumt. Aus Oesterreich standen 98 Ochsen, 4 Bullen und 80 Schafe zum Perkauf.
Reklame- und Anzeigenteil.
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• wird von Ki ideru leidenschaftlich gern gegessen und deren blühendes Aussehen beweist schon bald die vielen Voreiige dieser schmackhaften Nahrung.
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Der Ausfall der Wahlen sagt der Regierung, ob sie mit der oder jener Partei noch zu rechnen hat oder ob sie auf das Absterben einer Partei rechnen kann. Soll eS bei den nächsten Reichs- tagswahlen heißen, daß das Zentrum im Still- stand oder Niedergang begriffen ist? Nie und nimmer! Darum auf zur Wahl alle ohne Aus- nähme, besonders aus dem Wahlkreise Fulda- Schtüchtern-Gersfeld, wo unsere Gegner krampf- hafte Anstrengungen machen, nm Erfolge zu erziele«.
Worte «nd Taten! Ständen Worte und Tatett der Sozialdemokratie auch nur in einem entfernt richtigen Verhältnis, dann müßte sie wahrhaft Großes auf dem Gebiete der foüal- polrtii chen Gesetzgebung für den Arbeitet stand geschaffen haben. Statt dessen hat sie hier ein großes Schuldenkonto! Um daS zu verdecken, zeigt sie sich im Wahlkampfe in der Rolle des Taschenkünstlers, der, um das Publikttm von seinem Schwindel adzulenlen, umsomehr in tiarm und prahlerischen Gesten macht. DaS muß die Sozialdemokratie sich selbst von Professor Werner Sombart sagen lassen, dem gen'iß keme beton bei« große Voreingenommenheit gegenüber de« Sozialdemokraten vorgeworfen werben kann, und der in seinem Bucke über Sozialismus und soziale Bewegung (S. 259) schreibt: „lind nicht znt'tzt stammt diese Ohnmacht der deutschen Sozialdemokratie von ihrem Pochen auf die eigene Kraft, von ihrerGeneiglheit, sich durch große Worte über die tatsächliche Bedeutungsloilgkett hinwegzutLuschen/ ltnd so tutet auch heute wieoer die Sozialdemokratie gewaltig in das Parteihorn, macht den Wähtenl Berge von Versprechungen, große Worte, hinter denen die Taren auSbleiben werden! Wer diesen glaubt und am 25. Januar sozialdemokratisch wählt, Hal später daS Stach- sehen!
ver »Achter.
* Trinkgeld-Rückvergütungs-Gesellschast m. b. H. U.tter dieser eigenartigen Bezeichnung ist in Hannover ein Geschäft gegründet worden, welches sich zur Aufgabe macht, den Ressenden die an das Hotelpersonal erteilten Trinkgelder zurückzuvergüten. Allerdings nicht in mildtätiger Barin- berzigkeft arrs eigenen Mitteln, sondern auf Kosten der — Wirte. Die Idee entspringt dem Rabatt- Markensystem, welches bisher in das Gasttvirts- gewerbe noch nicht eingedrungen war. Die Grün- der der G. m. b. H. denken sich die Sache wie folgt: Jeder Reisende erhält auf Wunsch ein handliches Heftchen, in welches 200 Marken, sogenannte Rabattmarken, eingeklebt werden können. Diese Marken haben einen Wert dorr 5 Psg. das Stück, werden aber von der Trinkgelddrückvergütunas- gefellschast an die Hoteliers zum Preise von 6 Psg. verkauft. Der Gast erhält nun von dem Hotelier bei Begleichung feiner Rechnung für sede Mark eine Rabattmarke. Sobald das Heftchen 200 Marken aufweist, löst die Gesellschaft das Buch von dem Inhaber gegen Zahlung von 10 M ein. Diese verpflichtet sich, in ganz Deutschland durch Inserate bekannt zu geben, welche Hotels nut ihr in Berbinimng stehen, und hofft, dadurch den Kundenkreis dieser Hotels zu vergrößern. Die Gesellschaft verdient also an feder Rabattmarke, da sie solche ia n, 6 Wg. d--rkauft, 1 Pia.: orfinat rt ihr, mit )'o viel Hotelbesitzern in Verbindung zu treten, daß der Gesamtumfchlag 1 000 000 erreicht, so würden also bei dem Geschäft 10 000 M herauskommen.
bis in's Kleinste hatte er überlegt. In den wenigen Kleidungsstücken, die ich getragen, war kein Narnenszerchen: an meinen Händen kein 5Hnn,j in tneirnt Taschen nichts wie einige Münzen Geldes. Lis» direkt an der Schauerstätte hatte er die Livree obgeworfen und meine Kleider angelegt. Ein Glück toctr's, daß in den Minuten, die er noch bei mir weifte, mein Geist <t> tief um- nachtet blieb, so jedes Leben in mir stockte, daß der Mörder mich für eine Leiche hielt. Nschdenr er mich in die Spalte gezwängt, wird er von den unten angekoppelten Pferden dos meine selbst bestiegen, das seine vom Zaumzeug befreit — dirseS in eine Schluckst versenkt und es weggefcheucht haben.
-v» Kairo war es ihm nur zu leicht, nach ast' den Vorkehrr-nFen, di» ich zur schleunigen Abreise — meistens auf seinen teirflifcben Rat — getroffen, direkt nach Alerandrien cttfiiErerben."
„Und der Brief, Stevban, den ich Dir nach dem Tode des Vaters, nach dem Ruin unseres vermögens sandte, in dem ich Dich so dringend bat, zu wir in eilen, kann er in feine Hände gelangt sein: ist es denkbar, daß er mir dir Antwort schrieb, die eiet» Leben seitdem so trostlos machte? Ach, seit Stunden kreuzen diese Gedanken in meinem Gehirn 1" Sie reichte ihrem Gefteftten nun das zerknitterte $ rief blatt, das sie damals erhalten
Srevhan's Augen durchflogen es und er rief zornglühend: „O, der niederträchtige D-rräter 1 Also in mein Herzensgeheimnis hatte er sich ein- geschlichen, und wohl um weiteren Nachforschungen Deinerseits zu entgehen, die ja bei meinem vollstöndiaen Schweigen sicher erfolgt wären, ersann der Elende dieses schlaue Mittel. Vielleicht totrt er als Spion in Kairo ttm uns, wie ich ihn krank m Alexandrien glaubte, und gewiß ist, daß er in den Tagen, wie ich mich in Sehnsucht rwch Dir verzehrte, schon Deinen Brief, Deine Bitter SU Euch zu eile«, in Händen hotte. Wie tot der Schändliche fich nnr diese Bildung anaeei-met, wie diele Writformen, daß er nun schon so lange
* Zur Feier der B»«end«ng einer 15Y Fuß hohen Schornsteins des Royal Palace Hotels m Atlant« City, Rew Iericy, speisten 59 Angestellte des Gasthofes auf der Spitze des Schornsteins. Tie Kellner schafften die ©peilen und Gehäuft mittels Winden in Körben hinauf. — Bloß in 150 Fuß Höhe? Das ist noch nicht echt amerikanisch. Da tvcibcn es demnächst die Angestellten ewes Hüt.emverkcs in den Vereinigten Staaten besser baden. Tie Hütte läßt sich von der Finna Alphons Coustcrics in Düsseldorf einen 500 Fuß hohe» Störnstein bauen, dessen obere Oeffnnng 50 Fuß Tnrä mriser hat. Dann soll da oben in der luftigen Höhe auf dein Schornsteinrand ein kleines Tänzchen stattfinden! Das ist doch etwas! Können die Jinftes den ,/tntichsten Staatsmann der Welt", den ,,itn« bestechlichsten Richter auf der Erde", den „reinlichsten Wurstmacher aller Zeiten" nicht ausiveiien, so imponieren sie uns doch ungeheuer durch die „größten Rarreleien des Erdballs".
6 Kleines Mißverständnis. Graf: „Johann, Sie gehen mir über meine Zigarren, über meinen Wein und Schnupftabak!" — Johann: „Ach, das f.eut mich, Herr Graf, daß Sie mich so gern haben!"
Qrerartschez.
Das Deutsche Zentrum von Martin Spahn.
(V. Bändchen aus „Kultur und Katbolizis- mu§">. 1907, München und Mainz, Verlaz Kirchheim & To. Kl. Oktav. {VT und 117 Seiten.) In moderner Truckausstattung elegant kartoniert 1,50 Jt.
Inhalt: Vom Deutschen Parteiwesen, ehe das Zentrum entftanb. — Der LiberaliSnmS — Wie Mtstaud das Zsntrulu? — Das Zentrnm eine politische Partei..— Bismarck und das Zentrum. — Der Kulturkampf. — Zentrum und Reichsentwickltmg in den achtziger Jahren. — Das Zentrum als führende Partei im Reiche. — Ausblick in dte Zuftrnft.
„Gegen daS Zentrnm laufen sie an; aber eS gilt mehr als die eine Partei. ES gift die Grundlagen des Reiches, wie Bismarck und der konstituierende Reichstag de sNorddeutschen Bundes sie gelegt hcck, wie dir großen Parteien der positiven Arbeit sie in den achtziger und neunziger Jahren entwickelt und ausgeführt haben." (Vorwort.)
In großzügigen Linien zeichnet der durch feine Vorstudien (Leo XIII". „E. Lieber"), und Stellung besonders berufene feinsinnige; Autor ein gesckichts- und rechtsphilosophifches Bild von der deutschen Parteientwicklung, von der Entesthung des Zentrums, seiner Stellung zu Bismarck, seiner Mftarbeit en her Reichspolitik bis an fnufere Tage. Zum erstenMalewirdderInbalt des Gesprächs Windthorsts miitBis- marckam l4. März 1800 (vor der ftn!ftll'.i"g des Altreichskanzlers) auf Grund Windtt"'rsts versönlicherMitteilrlNgandenZen- t r u m s f ü l) r e r P. Spahn mitgetrilt. (S. 85 ff.)
Die Kunst essayistischer Behandlung von Km- turperioden ist Martin Spobn wie nx>nioen gege° ton. Aeufiere Politik, Verfassung, Vorwaft"ng, Wirtsltoftftch» n„d soziale fiswaen, geistiges Heben/ kuriale Einflüsse :c„ alles erscheint ihm ftris in rrrnnen Z"sammenbängen. ftine vfvchoftassch tieft Zeftanalnse von nicht gewöhnlicher Gessaftnaaz, kraft voll reillftem Interesse für alle .
unentbehrlich für die sich hnfriri* Betätigenden.
Marktderichte.
• Rrflutfurt o. M.. 21. Jan. 1907. «mtiichr Notierung der Biehnrgrkk-Prr'ft. -jum Berkaus standen 258 Ochien, 48 Bullen, 801 Mibe und fssirien (Stiere und Rinder), 276 Kälber. 308 Schafe und Kämme! und 15"6
sich in den erste« Kreisen bewegt, ohne daß -man Verdacht schöpft? Und tote täuschend er meine Schrift nachalunte! Er scheint mit tcSenten aus- gestattet itnb benutzte sie alle zu meinem verderben. 9hm schnell zum Schluß meiner Erzählung.
„Der Stich in die Brust hatte nicht mein Herz, sondern die Lunge getroffen: der Schlag auf den Schädel uicht den Tod herbeigeführt, sondern nur eine heftige Gehirnerschütterung. — Gott hatte Erbarmen mit mir und meine kraftvolle Konstitution siegte. Do tokd es mir möglich, schrieb ich Dir nach da ich nicht wuffle, daß Nr den Wohnsitz gewechselt hattet. Keine Antwort kam. Doch die Hoffnungmeine Helma wird von mir hören, sobald ich öffentlich gegen meinen Tod- frinb auftrete, sie wird zu meiner Hülfe herbei- eilen, mir beisteheu, den Falschen gu entlarven, hielten mich auftecht. Nber ach, oft tarnen doch trostlose Stunden, mein Herzlieb', wo mir diese Hofftumgeu schwanden, «nd ich Dich für mich verloren glaubte. Der furchtbare Gedanke: Du bist jetzt krank — ein Bettler ohne Namen — hielt mich auch zurück, Dft wieder zu schreiben. Zch nahm mir vor zu warten, bis ich den Schuldigen entlarvt hatte.
„Als ich meine Kräfte in etwa wieder gewonnen, verschaffte mir der treue Kollah einen Anzug für den Erlös der silbernen Schalen, hie er verkaufte. Don folgenden Tag begab ich mich zum Konsul . Dieser schwere, bittere Gang! — Dollständig mittellos, — die anderen Gesäße hatte ich den Fellah's geschenkt für ihre treuen Bemühungen, — nnr wenige kleine Münzen in der Tasche, in srmfeliger Kftidung mußte ich vor den Konsul treten. Kein Beweis, daß ick; Graf Tck- noskooi fei, war in meiner Hand. Ich trug den Konsul also das Erlebte vor. Er schien mir nicht zu glauben imb an^ttnehmen, daß er einen Lügner oder einen Irrsinnigen vor sich habe. Das letzte dachten auch wohl meine Retter, denn, trenn ich ihnen begreiflich zu nracheu fleftidjt batte, daß mich mein Diener ni£bcrprfif)lagen und ich der Herr war, merkte ich a» ihren Mienen, daß sie
meinen Verstand moch für gestört hielten. Der Konsul verfemte siche Hi'lft mb trostlos ftbrie ikb zu de" lti’ttah’9 zurück. Sväter überwerd ich meinen Stolz, aina nochmals zum ftonfnl, nm ist» zu bitten, mir Oftld für die Reise nach Fnropa vorzustrecken. Ick» fand einen inngen Engländer bei ihm. „Sie können von diesem Herrn da ein höchst interessantes Erlebnis, das er hatte, erfahren," sprach der Konsul zum Engländer. Ich bemerkte Wohl den Spott in den Worten des Ersten, aber ich wandte mich dennoch an den Altersgenossen nrd schilderte ihm so klar «nd ruhig, wie mir möalich, das Erlebte.--Dar er auch nicht
dlssftg überzeugt von der wahren Sachlage, so doch gxrichrt und voll Mktteid, und freundlich bot er mir die Geldsumme an, feie ich nöttg hatte. Der Konsul zeigte sich nun auch zugänglicher. In Europa angekommen, fors^ste ich zuerst nach dem Grasen Toknostoi und wußte bald, daß er jetzt in M. lebe. Rein, ich wollte nicht als Bettler ohne Namen vor Dich hintreten, liebe Helma, und hätte uns das Geschick heute nicht gufammengefiihrt, so würde ich nichr eher, wie mein Recht a-erkannt war, vor Dich hingetreten fein.--Aber hier,
wohin mich die Rache trieb, fand ich gleich bei meiner Ankunft mein Lieb--mein alles. DaS
ist nur ein Bürge für der Zukunft Glück.
Helma, ich bin nur noch ein Armer, mit müdem schwachem Körper, imd ich wage Dich noch nicht wieder alS meine Brmft zu betrachten — doch —"
„Ich bin und Illeibe Deine treue, selige Braut," unterbrach sie ihn, „und möae die Zukunft bringen, was sie wolle." Sie sah liebefttahle''d in seine ängstlichen Augen «nd ergriff feine Hand
Er beugte sich nieder und küßte sie.
Am folgenden Morgen hatte Frau von Tur» noto eine lange Unterredung mit dem Polizeipräsidenten. Sie teilte ihm Stephan'S Bericht aufS Genaueste mit, denn sie wollte diesem die mit einer Wiederholung desselben verbundene Auf- tegung ersparen.
(Fvrtsetzun- folgt.)