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M 19.

Fulda, Mittwoch den 23. Januar lt)U7.

34. Jahroanst.

An unsere Mitbürger!

Die Stunde der Entscheidung naht! Am 25. Januar findet die Reichstagswahl statt, durch welche entschieden wird, wer unseren Wahlkreis für die nächsten 5 Jahre im Reichstage vertreten soll.

Am 16. Juni 1898 wählten in Fulda von 2688 Wahlberechtigten nur 1401, — 1284 blieben zu Hause, am 16. Juni 1903 wählten von 3746 nur 2185,- 1561 blieben zu Hause, unser Kandidat erhielt 1555 Stimmen, unsere Gegner 630 Stimmen ohne jede Agitation von deren Seite.

Unsere Gegner wählten fast vollzählig, unsere Freunde blieben zur Hälfte zu Hause, weil sie annahmcn, unser Kandidat werde ja doch gewählt.

Heute liegen die Verhältnisse anders; das Zentrum ist von allen Zeiten auf'r schwerste bedroht, „Feinde ringsum“; öffentlich und im geheimen wird der stärkste Druck angcwcndct, um unseren Kandidaten zu Fall zu bringen.

Mitbürger, wollt ihr auch diesmal Euch der Wahl enthalten? Damit der Liberale oder Note den Sieg davonträgt, oder sich rühmen kann, die Mehrheit der Stimmen in der Stadt Fulda erhalten zu haben?

Kein Wähler darf zn Paare bleiben, ein Zeder, der für seinen glauben, sein Vaterland, für Wahrheit, Freiheit und Recht eintreten will, wähle unseren Kandidaten:

Richard Mer m fulk

Fulda, den 23. Januar 1907

Der Wahlausschuß brr Zeutruruspartci.

Zur Reichrtagrwahl.

Im Wahlkreise Fulda-Ger-seld-Schlüch» lern waren wahlberechtigt:

in bet Stadt Fulda

1898

2688

1909

3746

hi den kleineren Städten

und Land bezirken

16950

18131

zusammen 19638

21871

1*0 1M0

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dem Land war die Wahlbeteiligung im 2«h« 1V03 durchweg sehr gut; so wählten |. B. in

Tiefengruben 100%

Simmershausen 90*/» Dieter-Hause« 97*/,

(Slfifenell 16»/,

Hosenfeld 95»/,

Rommerz 94»/,

Neuhof 92»/,

Lahrbach 92»/,

dkeuenberg 9l»/,

Hora- 90»/,

Die für da- Zentrum abgegebene« Stimmen betrugen:

in der Stadt Fulda

in den kleineren Städten

1898 1903

1404.52% 2l5d.58,5°/e

und Land bezirke« 7'64=14,5% 9014=50% zusanunen 8j68=4.>,u% 11199*51», e

Für andere Parteien wurden abgegeben: tn der Stadt Fulda wiSJPk 630=17»/» i« den kleineren Städte«

Mw Landbezakea 742-4 2432-13,5»/»

zusammen llOp-5ch% 306244,% e-wählt, überhaupt mcht 9561.49»/» 7616=35%.

Tie Wahldeleikigung ist allo tm Jahre 1903 auf 65% gegen 51»/, im Jahre 1898 gestiegen. (1893 betrug fte 80»/»!).

Bei der bevorstehende« Rrich-tazSwayl beträgt die Zahl der Wahlberechtigte« tm Wahl» kreise Fulda-Get^feld-Schlüchtern voraussichtlich nahezu 240i>0! Auch dürste die Wahlbeteili­gung infolge d»c lebhaften Agitatton der Zen* trumsgegner, sowohl der Soziatdemokratte, welche sich durch fremden Zuzug ganz bedeutend ver­stärkt Haden, als auch der Freikoaieroatloen und ihrer Mitläufer recht lebhaft werden.

Umsomehr wird diesmal jeder Wähler seine Schuldigkeit tu« Müsse», um einen Mißerfolg w verböten. Untere Gegner rechnen bereu- aus eine Stichwahl, diese wird jedoch nur bann em treten können, wenn unsere Freunde ebemo lau mähte«, wie int Jahre 1898, ..,o nicht einmal Die Hälfte aller Wähler zur Wahl ging und bas Zentrum leicht hätte überrumpelt werden können.

Da- Land hat von jeher mit größter Pflichttreue gewählt, burchfchnutitch nut 85—90% der Wahlberechtigten, die Stadt .,ulda mit durchichnUtlich 55®'» bleibt dagegen weit zurück und könnte sich an dem Eifer unterer r'anddeoölkerung ein gute- Beu-iel nehmen. Hoffemlich wird man diesmal, auch in der Stadl

Fulda den Ernst und die Bedeutung der Situation nirgends verkenne«. Darum keine Gleich itltigkett, keine Lauheit, denn „tvenn der Meirich anfängt, !an zu werben, scheut er auch eine geringe Mühe", verzichtet aus eines der wichtigsten Volk-rechte und wirkt schließlich dazu rott, dem Gegner zum Lrinmph zu verheilen.

Bei dem außergewöhnlichen Interesse, welches die diesmalige Wahl erweckt, umsomehr als die Möglichkeit befiehl, daß der Reichstag zum zwettenma'e ausgelöst wird, so daß wir vielleicht tm Mai ds. I». nochmals Neuwahlen erleben töiinten, werde« wir über die Wahldetetlt- gung in der Stadt Zulda demnächst genauere Ziffern gebe« und nicht allem die Zahlen bei einzelnen Bezirke, sondern auch eine Slattstik der liLahlbetetltgnng der einzelnen BerufSktafsen bringen in der Lag. fern.

Klarheit nnd Entschiedenheit.

Wir leben in einer Zeit, in der sich dir Welt immer deutlicher in zwei Heerlager scheidet, wo in nicht zu ferner Zukunft für Halbheit und Ver­schwommenheit kein Platz mehr vorhanden ist. Hie Christus! Hie Antichristusl H i e Gla übet Hie Unglaube! Als katholische Männer dürfen wir da feine neutrale Stellung einnehmen, wir dürfen nicht mit eingerollter Fahne mitten im Kamps des Tages einherzichen, wir muffen unsere katholische Fahne frei entfalten.

„Mit allem Zagen und Zaudern fort. Die Zeit braucht ein entschieden Wort, Und es ist Pflicht eines Jeden D/m die Wahrheit im Herze» lebt. Daß er die Hand znm Schwur erhebt, Im Dienst des Herrn zu reden."

Ein katholischer Mann muH in allen Lebens­lagen Farbe bekennen, er schweigt zu keinem An­griff auf Gott und seine hl. Kirche, er spielt nicht die Rolle des stummen Hundes in Gesellschaften, in denen fortgesetzt seine innere Ueberzeugung ver­höhnt, die katholische Kirche und ihre Diener an­gegriffen und das Heiligste in den Koth gezogen wird; er läßt sich nicht durch die Rücksicht auf feine „Karriere" durch ein gnädiges und herab­lassendes Lächeln, durch einen verständnisinnigen Händedruck, durch den Vorwurf „Finsterling", „Dunkelmann" bestimmen, in der öffentlichen und offiziellen Welt seine im Privatleben bochgehal- tene Gesinnung zu verleugnen. Ein Mann be­kennt in allen Lebenslagen Farbe. Er redet, wo die Pflicht es gebietet und handelt, wo seine un­feiner Kirche Ehre in Frage kommt.

„Neutral (gleichgiltig) nur ist, wer dumm w bang, „Hoch Christus!" ist mein Feldgesang, Den Weg entlang."

so singt Pater W. Kreiten (3. J.) in einem feiner beachtenswertesten Gedichte. Das muß für jeden katholischen Mann die Parole fein, besonder« auch dann, wenn es heißt

an die Wahlurne

zu treten. Ein Katholik kann nach feinen reli­giösen Grundfätz-n nur derjenigen Partei sich an- fchließen, die für die Kirche und ihre angegriffenen Rechte am entschiedensten und kraftvollsten ein­tritt. DaS ist nur die

Zrntrnmspartei.

Sie ist die beste Schubwehr gegen neue katho- likenseiirdlicke Gesetze, gegen eine erneute Be­drückung der Kirche und des ihr ergebenen Vol­kes; sie will auch im wirtschaftlichen Leben Recht und Gerechtigkeit durch den Ausgleich der sich gegenüberstchenden Bestrebungen aus einer mitt­leren Linie. Darum sollte jeder Katholik, auch wenn er in einer Einzelsrage anderer Ansicht ist.