34» Jahrgang
Fulda, Dienstag den 22. Januar 1Ü07
18.
3n »tleett: Die «i» fpaltiar Petitseilt ober bereit Raum 15 Psg. Reflamen He pel*t$eile 25 Pfq.; bei wieder« hoiunaen wird entfpr. Rabatt oewahrt.
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Lrick'eint tSgli», mit Husnabme 6er Sonn« unö.sciedage viertel« jäbri. Bezugspreis ebne Bringer lohn unb Betteügelö in Sulba unb auswärts i DU so psg.
Vetenw«rtti*er
Sd*riiotiiet tXWefclet;
Wochenbeilage: „IllustrkrteZsnntagrzeltmg.'
Zweites MlÄtt.
=V Aus der Diaspora
richtet ein einfacher Maa«, der aus dem Fuldaer Lanve stammt, an seine lieben Landsleute, alle ohne Ausnahme, welche das 25. Lebensjahr bis zum Freitag vollendet haben, die herzliche und dringende Bitte, doch ja alle zur Wahlurne zu eilen und ihrem hochverehrten und verdienstvollen Abgeordneten Richard Müller ihre Stimme zu geben. Liebe Lmdsleuie, schlaft nicht an diesem Tage und denkt, Herr M. kommt doch durch, das unterliegt keinem Zweifel; aber es kommt darauf an, daß daS Zentrum möglichst viele Stimme« auf feine Abgeordneten vereinigt, damit wir der Regierung zeigen, daß unsere Abgeordneten nicht bloß mit knapper Rot durchge- komme« sind, sondern daß das g-nze latholische «olt hinter ihnen steht. Wir im Wahlkreise Kastel - Melmngen könne t diesmal nicht unser schwarzes Fähnchen flaileru lasten und auch die Kaiholilen in Hanau - Gelnhauien - Orb können leider nicht wählen, tretet deshalb alle für uns ein, ihr lieben Fulder, und wählet alle Mann für Mann, damit der Stimmenaussall wett gemacht wird. Ich sitze hier als einzigerKatholik in eineml3 '(> Einwohner zählenden Dorfe, und da die Partei» leilung Wablenthaltung proklamiert hat, so bleibe ich zu Hame. Ader die anderen hier tun mir leid, 5 Kandidaten gibt's schon, einer schimpft aus den andern, „setzt" sind sie alle Arbeiter- freunde, sodaß die armen Leute nicht wissen, was sie vor lauter guten Freunden anlangen sollen und sie können ausrufen: „Gott schütze mich vor C meinen Freunden, vor meinen Feinde» werde ich
mich selber schützen." Run, ihr heben tianteteule, ihr seid darin glücklicher, bei euch kommt nur eine
Partei ernstlich in Betracht, und da» ist in Wirklichkeit eine Dolksvartri. Euer Abgeordneter ist wirklich ein Volksfreund und darum zeigt auch ihr eure Dankbarkeit in kathol. Treue. Glaubt nur nicht, daß es in der ganzen Welt so ist als wie bei euch in der Fuldaer Gegend, wo ihr in euren religiösen Hebungen so gar nicht gestört werdet. Leset die Zeitungen und ihr werdet eines andern belehrt, es muß bei euch viel mehr ge- leien werden; ich weiß, daß in meinem He,mats- dörschen und in der Umgegend noch sehr wenige Zeitschriften gehalten werden, und deshalb glaubt ihr, es wäre überall Friede wie bei euch. Ich bitte euch, haltet die .Fuldaer Zeitung^. Die Auflösung des Reichstages war so günstig, gerade am Schluß des Quartals und im Winter, wo ihr alle Zeil zum Lesen habt. Hoffentlich haben recht viele abonniert! Die paar Groschen sind leicht aus- zubnngen. Ich btn zwar Beamter, aber einer von den ersten, wenn von hinten gezählt wird. Wer die Zeitung nicht halten kann, der halte wenigstens de« «Bomsatiusbotentz und haltet darauf, liebe Väter, daß eure Söhne leien, damit dieselben, wenn sie in die Well kommen, wenigstens etwas geschult sind und zwischen den politischen Parteien wenigstens einigermaßen Bescheid wissen.
Aber ganz besonders in re'igtöfen Ungelegen* beiten müssen junge Leute Bescheid wissen; wenn (o ein junger Mensch dann ganz allein in Mitte der Protestanten verschlagen wird, so werden ihm Fragen in jeder Weise gestellt. Man nennt un» ultramontan, aber der hiesige enangelnche Pfarrer ist ultramontaner, als alle Katholiken zusammen. Jeden Sonntag steigt er erst vor der Predigt ultra montes nach Rom und läßt ,ein liebendes Auge auf dem Papst ruhen, hier besieht er durch einen Spiegel, was der heilige
Vater treibt, leider sieht man durch einen Spiegel alles verkehrt. Und so wird dem hl. Vater an- gedichtet, was er nicht tut, und abgeleugnet, was er wirklich leistet. In der Woche werde ich dann von den Gläubigen zur Rede gestellt und muß dann die Sache berichten. Goll sei Dank, die meisten Lenke glauben mir in unteren katholischen Glaubensangelegenheiren mehr, als ihrem Pfarrer.
Der »Fuldaer Zeitung' läge ich zum Schluß meinen Dank für die gründliche und kernige Abfertigung der Gersfelder Hurra-Patrioten. An diesem Abend bin ich in die Wirtschaft und habe dies Kapitel nörgelet en, ebenfo die Verdienste de» geliebten Herrn R. Müller.
Run, Landsleute, tut eure Pflicht und lebet wohl!
Zur Wahlbewegung.
Niemand denkt an Kulturkampf oder daran, die katholische Kirche in ihren 91 echten oder in ihrer Bewegungsfreiheit zu verkürzen. So hört und liest man es jetzt alle Tage als „nationale" Phrase. In einer am vorigen Sonntag in Unter- grombach (10. badischer Wahlkreis) abgehalteneu liberalen Versammlung erklärte, nach dem ,Bad. Beobachter', ans eine Anfrage aus der Versamm* lung der freisinnige Landtagsabgeordnete Früh- auf, daß der Liberalismus allerdings b a * rauf ausgehe, in Deutschland ähnliche Zustände zu schaffen, wie in Frank* reich bezüglich Staat und Kirche, Schule und Kirche. Es m u tz so weit kommen und wird so weit fomnien; wir ruhen nicht, bis das Ziel erreicht istl" So sagte Fröhauf wörtlich ....
Ein erster positiver Vorschlag für den neuen Kulturkampf liegt schon vor. In Nr. 58 bet .Köln. Zeitung' vom 17. Januar wirb nämlich auf bie reichen Klöster hingewiesen unb im Anschluß hieran der Vorschlag gemacht, die Sch c n f- ungen unb Z uweubnngen an Kirchen
unb kirch liche Anstalten, sogar bie frommen Stiftungen für ein Iahrgebächtnis ober für eine Seelenmesse für die Verstorbenen dergestalt einzuschränken, daß alle derartigen Zuwendungen und Stiftungen der staatlichen Genehmigung unterworfen werden!
Das Zentrum, ein Spiegelbild des Volkes. Daß das Zentrum eine wahre Doftstzartei ist, zeigt sich wieder so reckt bei der Aufstellung der Kandidaten für bie nächste Reickslagswahl. Alle Stände und Berufe sind wieder vertreten und zwar in meist sicheren Wahlkreisen. Zunächst, rme bisher, bilden bie Vertreter ber Landwirtschaft einen großen Teil, dann sinb biesnial vier Hanbwerker aufgestellt, von benen bret ganz sicher durchgehen. Der K a u f m a n n s* ftan b hat seine alten Vertreter unb dazu einen neuen Kanbidaten aufgestellt. In ber Zentrumspartei sitzen bie meisten Kaufleute. Ter mittlere und untere Beamtenstanb wirb im Reichstag einen tüchtigen Vertreter in der Person bes Postsekretärs Hamacher erfüllten, der jahrelang Vorsitzender des großen Postasilstenten* Verbandes war. Arbeiterkandidatnren sind diesmal zahlreicher als wie zuvor t insgesamt sind über ein Dutzend Arbeitm-sekretöre auf* bestellt, von denen 9 Aussicht auf Erfola babeit. Daan kommt eine süchtige Kraft, Dr. Pieper in Krefeld, der in sozialer .Hinsicht mehrere Dutzend Sozialdemokraten auswieat. Nickt zu vergessen ist, daß sckon seither zahsteicke Zentr"msahae^rb- nete bie Interessen ber Arbeiter aufs beste vertreten haben unb dies guck in Zukunft tun werden. Die f r e i e n B e r u f e CA e r x t e, Rechtsanwälte, Lebrer und Prowstaxen. Deshalb kann bie Zentrumspartei mit Recht als eckte wirkliche Volkspartei bezeichnet werben.
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Mveisainniiiiiig der Zeiitnimspartci
In Hilders
Mittwoch den 23, Januar, nachmittags 2 Uhr
tm Cölestin Hohmann'schen Saale zu Hilders.
Die Zentrumswähler von Hilders und Umgegend sind freundlich eingeladen. Fnlda, den 19. Januar 1907.
Der Wah!-Auss©hussB
toiwsaiMliiiig der ZeiilrüDisparUi
in Rothemann
Mittwoch den 23. Januar, abends 1 Ukr
in der Emil Kramer'scheu Gastwirtschaft.
Die Zentrumswähler sind freundlich eingeladen.
Fulda, den 21. Januar 1907.
Der WahK-Aus«chussa
Stimmzettel tir den Kanteten der Zentrums - Partei
Herrn Richard Müller in Fulda
Der Mhiisäh der ZentrussparteL
in Kerzell
Donnerstag den 24. Januar, abends 7 Ohr
nicht ausreichend befunden werden, bitten wir solche, eventuell telearavhisch oder telephonisch, von der Fuldaer Actiendrncksrel, welche alle Kosten vergütet,
in der Diegelmann'scheu Gastwirtschaft.
Die Zentrumswähler sind freundlich eingeladen-
Fulda, dm 21. Jaauar 1907. , v-rlaugm zu wollen-
Der Wahl-Ausschuss, i
WüdjvttjgMiW dkl ItukuWMlti An unssTß Itewsn Vßrtnnißnsffltliwr!
/ i v T Sollten die zur Versendung gekommenen
Mittwoch de« 6. Februar, nachmittags 1 Uhr wirb in der Juli'scheu Gast- wirtschaft zn Gotthards die ©ftneinbe»
fdi- uni Walijagi
auf wettere 6 Jahre verpachtet.
Dir Gemarkung enthält 635 Hektar Ackerland, Wiesen und Waltzunq. Drr Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht und Pachtliebhaber Höst, ungeladen.
«otthardr, d. 13. Jan. 1907.
Der Bürgermeister.
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