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34. Jahrcranfl.

Fulda, Montag den 21. Januar 1907

M 17

lassen.

Feinde

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»w>etee«: v,e ein- fpalttge pelitzeil« oder deren Raum 15 pfg. Rdlamen Jte Pe»"zrU« 25 Pfg.; bei wieder» hoknnae« wird rntipr. Baba» i atroährt.

Möge sich das jeder Katholik am 25. Januar merken.

Verentmortliter

Sdiriftleiter :JLroefelet; *—

)! parze»er in tz«Ida w»ch«iibeiia-«:„Iliulirrerte5onntagrzeitung"

Zentrumrlandidaten

[iit dir Rtichstagsnahi am 25. Januar

ringsum!

einen Entscheidungkampf. Wir werden kämpfen und wir auch noch da sind und bei lebendigem Leibe be-

WahlkreiS: tzanau-Gelnhausen-Srb. Die Zen. trumswähler werden gebeten, sich der Abstimmung zu enthalten.

Wahlkreis: 8ulda-GersseId-5chlüchtent. Kandr. bat: Herr Richard Müller-Fnlda.

Wahlkreis: Marburg - Kirchhain • 5rankenberg.

Kandidat: HerrRegierungsrat Klocke- Treysa.

Wahlkreis: Hünfeld-Hersfeld-Rotenburg. Kan­didat: Herr Richard Müller-Fulda.

Wahlkreis: homberg-.'rritzlar-Siegenhain. Kan- didal: Herr Richard Muller-Fulda.

Wahlkreis: Rinteln - Hofgeismar - Wolfhaqen. Kandidat: Herr Richard Müller- Fulda.

Wahlkreis: Raffel»Melsungen. Er ist kein Kandidat aufqestellt, die Zentrums- Wählern werden gebeten, sich der Wa hl nu enthalten.

Wiedersehen.

Von E. Lidwin.

(Nachdruck verboten.)

Nm Nachmlttage eines klaren Februartages Wandelten Gräfin Turnowo und Helma durch die belebte Promenade deS Schloßparkes.

In den breiten Fahr- und Reitwegen bewegten fidi Wagen von verschiedenster Bauart, sowie eine große Anzahl Reiter.

Da naht sich eilends Graf Thorn mit erreg- fcm sorgenvollem Gesicht den Damen.

„Gott Dank, daß ich Sie hier finde, meine Damen", beginnt er, „ich konnte nicht reisen, ohne Sie vorher gesehen zu haben. Ich lvar bei Ihrer Wohnung, und die Dienstboten wiesen mich hierher. Denken Sie; vor einer Stunde bekam ich dir Nachricht, daß mein Vater schtver erkrankte. Ich reise hin mit dem um 5 Uhr 30 Min. ab­gehenden Schnellzuge."

Frau von Turnow und Helma reden Thorn beruhigend und tröstend zu und die Gräfin sagt zu, ihn zum Bahnhöfe zu begleiten, was ihn hoch erfreut.

Dicht am Ausgange des Parkes, viele andere Equipage» überholend, braust ihnen ein hohes, zweirädriges Gefährt entgegen. Ein Gentleman- kutscher lenkt die feurigen Rappen. Es ist Tak- . nostoi. Er steht nicht auf die Spaziergänger, sein Blick ist fest auf die Pferde gerichtet.

Bei seinem Nahen bleibt Karo, der vor den Damen schreitet wie angewurzelt stehen, fein Schwan, hebt, dl- Ohren spitzen sich.

Helma denkt, daß ernun mit tollen Sprüngen und Gebell auf den Wagen zueilen und — o Kckreckenl — daß Taknostoi sie bemerken wird.

nicht tot.

Die Sozialdemokratie und die liberalen Par- teien reichen sich die Hände, ^rm das Zentrum zu begraben und daniit die zu ihm haltenden Katho­liken ihres Einflusses zu berauben. Darum sollen sie alle es erleben: die Katholiken rvollen tm öffentlichen Leben sich nickt begraben lasten, denn sie sind noch nicht tot. Ja, das sollen sie erleben. Auf Granit sollen sie beißen, wenn, sie uns ver­schlingen wollen, daß ihnen die Zähne krachen.

Die Kreuzesfahne hoch!

DaS Schwert fest in die Hände! Für Wahrheit, Freiheit, Recht ein siegreich Ende!

Srscheült tSglick, Mit Rusnahmt der Soun* unöhtititage Viertel- sährt. Bezugspreis ahne Brixgerloh« und Ben eUgelb in sulba unb instoärt* I Hit 50 Pfg.

in der Ehe-Gesetzgebung den Forderungen des Christentumes Geltung zu verschaffen, blies man von allen Seiten zum Sturme gegen das Zen- trum. Als es galt eine christliche Schulgesetz- gebung zu schaffen, tobte der wildeste Sturm aller christentumsfeindllchen Elemente gegen das Zentrum.

Und vollends, daß das Zentrum es wagte, die verfassungsmäßigen Rechte der Katholiken zu schützen, daß man mit diesen Katholiken nicht mehr umspringen kann wie man will, daß man sie nicht zu Bürgern zweiter Klasse herunter- drücken kann, verzeiht man dem Zentrum nie. Also fort mit ihm. Hocherfreut sind daher gerade die zahlreichen antichristlichen Elemente, daß auf politischem Gebiete seit längerer Zeit gilt die

Parole aller Parteien: Fort mit dem Zentrum!

Darauf haben jene Kulturkämpfer schon längst gewartet; denn längst drängten und trieben sie nach einem neuen Kulturkampf. Für ihren Haß und Grimm hatte

der Kulturkampf in Frankreich das Signal gegeben. Wehrlose Nonnen, gleichviel ob im Dienste der Kranken- und Armenpflege oder der Erziehung der Jugend hat man des Landes ver­wiesen. Kirchen und Kirckengüter eingezogen und konfisziert, Bischöfe und Priester auf die Straße geworfen. Tas alles war so recht nach dem Her- gen der deutschen Kulturkämpfer. So was möch­ten sie auch haben. Das gestehen sie selbst offen ein.

Ein nationalliberales Blatt, die „Magdebur­ger Zeitung" rief Ende 1906 ans:

Alles läuft im Haufen mit. Leute, die sich sonst nickt sehen können, die haben sich alle zusammen- gefunden unter der Parole: Fort mit dem „ul­tramontanen" Zentrum!

Wenn Leute von solchen politischen Gegen- sähen sich zusammenfinden, kann der Grund des allen gemeinsamen Hasses gar kein politischer sein. Er muß tiefer liegen. Er gilt eben dem Zentrum als dem Träger der entschiedenen christlichen Weltanschauung. Das zeigt ein Blick auf den

Kulturkampfsgeist, der sie alle erfüllt.

Um den Liberalismus kennen zu lernen und das, was wir von ihm zu erwarten haben, ge­nügt nur das eine Wort „Kulturkampf"; denn eben der Kulturkampf der 70er Jahre, wo Bischöfe und Priester im Gefängnis schmachteten, Ordens­leute wie Verbrecher des Landes verwiesen, Prie­ster wegen Ausübung religiöser Handlungen, Spendung von Sakramenten an Sterbende von Gendarmen verfolgt wurden, istsein Werk. Das wird wiederkommen, wenn wir eS uns gefallen

„Ein Blick auf Frankreich kann vielleicht der deutschen Negierung in diesen Dingen eben so gut tun, wie der deutschen Zentrumspartei. . . Wir wollen hinter dem französischen Beispiel, das uns diesmal ein gutes Vorbild fein sollte, nicht zurück­bleiben. Der frische Luftzug, der int Westen weht, soll sich auch bei uns aufmachen, damit die uner­trägliche Stickluft, die über dem deutschen Reiche liegt, ein Ende hat." Und das ist nicht eine ver­einzelte Stimme. Nein aus allen Ecken und Enden hören wir dasselbe Feldgeschrei.

Was also brauchen wir noch langer Beweise, wenn die Gegner selbst mit rücksichtsloser Offen­heit ihre Pläne, die sie im Busen hegen, ausspre­chen. Diese Pläne lauten kurz und bündig:

Fort mit dem Zentrum!

als dem Träger der christlichen Weltanschariung.

Ja, der christlichen Religion gilt der Haß! Das Zentrum nennt man; die Kirche, Christen­tum und Religion meint man. Die Herren haben ihre Masken abgelegt.

Einen Kulturkampf wollen sie.

Nun, sie sollen ihn haben, wir fürchten uns nicht. Schon einmal hat man Deutschlands Ka­tholiken mit einem Kultnrkampf beglückt. Die deutschen Katholiken l)aben den Kampf durchge­fochten; aber besiegt waren nicht sie, sondern ganz andere Leute. Auch in dem neuen Kultnrkampf werden wir unser» Mann stellen. «Und wenn die Welt voll Teufel wär'" — der Kampf, der fällt uns gar nicht schwer. Was sind es denn für Heerhaufen, dis gegen uns im Anmarsch sind«

Zwei Armeen.

Die eine ist ein geschlossenes, einheitliches Ganze: es ist die Sozialdemokratie. Diese hat längst dem Zentrum den Untergang geschworen. Denn au dessen positiver Sozialpolitik findet ihre Verhetzung der Masten den stärksten Damm.

Die andere Armee ist ein bunt zusammenge­würfelter Hausen mit den verschiedensten Fahnen und Fähnlein: Liberale, Jungliberale, Demokra­ten, Antisemiten, Evangelische Bundestruppen.

und es gilt für uns Was werden wir tun? den Leuten zeigen, daß keine Lust haben, uns graben zu lasten.

graben. Einen ließ er liegen. Der Hauptmann

einem Feldwebel befahl, die Gefallenen zu be- graben. Einen ließ er liegen. De raHuptmann fragt ibn, warum er den nicht begraben habe. Und der Fedwebel antwortete: der Kerl will sich nicht begraben lasten, er hat gesagt: er wär noch

wie „ein einzig Volk von Brütern* müssen die Zentrumswähler setzt im ganzen Da- terland zusamrnenstehen und sich zu einem un­durchdringlichen Karree formieren, das nach allen Seiten Front machen kann. Ringsherum laufen die Feinde Sturm gegen den Zentrumsturm, allein stehen wir im Kampf, der zu unserer

Vernichtung

unternommen tvorden ist, aber wir vertrauen,auf Gott und unsere gute Sache und der Sieg wird unser fein.__

geinte ringsum!

Bei der Jahrhundertwende vor sechs Jahren haben weitblickende Männer vorhergesagt, das ie-t Jahrhundert werde in ferner ersten Halste fteien im Zeichen großer religiöser Kämpfe.

Heute schon beginnen diese Vorhersagungen sich zu erfüllen. Schon stehen wir vor einem ernsten Kampfe, einem Eutscheidungskampfe, den es zu schlagen gilt nicht um nebensächliche und untergeordnete Dinge, nein um die höchsten und wichtigsten Fragen.

Nicht irgendwelche nationale Fragen sind die Hauptsache, um die der Streit der ©el­fter geht. Denn niemand kann den deutschen Ka­tholiken nachweisen, daß sie jemals in nationalen Fragen, wo des deutschen Volkes Ehre und An­sehen auf dem Spiele stand, ihrer ganzen Verant- lvortung sich nicht betvutzt gewesen waren.

Mit Reckt und Stolz kann daher auch das Zentrum in seinem Wahlaufruf sagen: „Es schützt uns die ganze bisherige Haltung der Fraktion in den Fragen der Heeres- und Flottengesetze, der Zollgesetze, der Zolltarif- und der Finanzreform vor der Verdächtigung, daß wir nicht immer bereit seien, für des Vaterlandes Ehre und Wohl einzu- treten."

Nein, um diese Fragen dreht es sich gar nickt. Diese sind nur der Deckmantel, mit dem man den Hg-ntlichsten und tiefsten Grund des Streites 'ernschen will.

t Die ganze heutige Lage wird gekennzeichnet ,urch das Wort, mit dem schon einmal ein beut« ifiet Reichskanzler (Caprivi) die eigentlichen Triebfedern eines ähnlichen Kampfes aufgedeckt Jat:

hie Christentum — hie Atheismus (hie Glaube — hie Unglaube). Das gilt auch für den heu­tigen neuen Kulturkampf. Denn es gilt nichts anderes als den

Kampf gegen die christliche Weltanschauung. Beweises genug ist es, daß alledem dann der Haß gegen das Zentruin hoch emporloderte» wenn es 'ich um Fragen handelte, die eigentlich für einen Bekenner des Christentums selbstverständlich wa­ren. Da allemal ging der Hexentanz los. Als es galt in energischer Geltendmachung der christ- licken Weltanschauung die Sozialpolitik in An­griff zu nehmen, hat man das Zentrum verhöhnt und als „Umsturzpartei" verspottet. Als es galt

Helma ruft laut: „Karo her, Karo zurück!" Ter Fremde dreht sich um — und — o Gott! — täuscht sie ein Vision — ein Traum — oder ist's Wahrheit? — Ach! namenloses Entzücken! Sie schaut in das Antlitz Stephan Taknostoi'S, aber nickt des Stephan's mit dem stolzen, kalten Ausdruck in den Zügen, der vorhin im Schloßpark an ihr vorüberfuhr, nein, in das offene, edle — aber ach! wie verhärmte Gesicht des Stephans, den sie liebte — um den sie so grenzenlos litt, — der ihr den Scheidebrief sandte.

Sie greift an ihre Stirn. Täuscht sie ein Wahn? — Hat sich ihr Verstand verwirrt? — £>ber — o Himmel! wär's möglich, ist der Tak- nostoi, der in M. wohnt, nicht ihr verlorener Geliebter — war der Brief eine Fälschung — sind fte Opfer der Bosheit, des Betruges geworden? —

Und sie fckaut auf — in das einst so geliebte Gesicht ihres Stephan, in seine großen, leuchten- den Augen. Ja, es ist feine weiße Stirn — feine Lippen sind's, die nun: „Helma, meine Helma! rufen — es find feine Arme, die sich ihr entgegen- strecken.

Ach, namenloses Entzücken, das sie durchbebt. Sie weiß plötzlich: er blieb mir treu, er l-obfe mich stets, er litt um mich. —

Sie wankt auf ihn zu. — Ibra Lippen wollen reden — aber sie formen keinen Lau,, ^hr Denken verwirrt sie. — Da fühlt sie, wie zwei Armee sie umschlingen, wie sie an eine Brust ge­zogen wird, in der das Herz wrld hämmert. — Sie begreift es: Es sind Stephans Lippen, bte sich auf ihre pressen, es ist seine Gestalt die in krampfhaftem Schluchzen nun erbebt.

Fran von Turnolv. die ähnliche Empfindungen in den letzten Minuten durckwallten, wie ihre Tochter, sagt zitternd: „Taknostoi, o, mein Gott, sind Sie eS denn wirklich — und haben Sie einen Dovdelaänaer? Fasten Sie sich Stephan."

An die Wahlurne.

Wer schläft, wenn der Feind stürmt, ist ein Verräter seines Landes. Die Wahlzeit ist d-e rechte Zeit, wo es gilt den Mund auszumachen, Farbe zu bekennen und ehrlich zu stimmen. Wenn erst die Wahlzeit vorüber ist, dami ist es zu spat für Klagelieder. Wer die Tage der gesetzlichen Selbsthilfe am Wahltag nicht benutzt, der ist seiner Bürgerpflicht nickt bewirbt und zeigt sich seines Bürgerrechtes nicht würdig. Ein jeder Katholik muß es als Gewiffenspflickt betrackten, zu wählen und gut zu wähle». Schlecht wählt derjenige, der für Männer stimmt, die nicht entschlossen sind, die Interessen der Religion und der Gesellschaft zu wahren. Wer fckkecht tväblt, ist :ür alle daraus entstehenden schlimmen Folgen verantwortlich. Leider sind sich viele Bürger dieser Wahlpflicht nicht bewußt. AuS den nichts­sagendsten Ursachen, oder auch ohne alle Ursache, ätzen sie am Tage der Abstimmung dabeim hinter dem Ofen und schimpfen aus Leibeskräften über die Politik und über die Gesetze. Solchen Leuten, die aus lauter Bequemlichkeit der Gleichgiltigkeit ihre heilige Pflicht verleben und durch ihre Psiicht- vergessenheit die Sckuld tragen, daß ungeeignete oder glaubenslose Männer ans Ruder kommen, gilt das Wort Montalemberts: „Was redet ihr immer", erscheint am Wahltag, dann seid ihr Männer. ______

Aber nein. — Der Schwanz des Hundes senkt sich, das freudige Funkeln der Augen erlischt — er wendet den Kopf und schreitet ruhig weiter.

„Er ist nicht so klug, wie ich glaubie", denkt Helma. Erleichtert hebt sich ihre Brust, als da- Gesährt verschwunden ist.

Sie betreten den Bahnsteig. Bald braust der Zug heran, keuchend, schnaubend, rasselnd.

Auf viele Menschen macht solcher Anblick einen großartigen, schönen, auf manche einen beäng­stigenden Eindruck. — Wie viel Augen richteten sich schon voll Wonne, glühender Sehnsucht und Erwartung dem Nahende» entgegen, wie viele sahen ihm verzweifelt, von Tränen verdunkelt, nach! — .

Der Ruf: ,.M. zwei Minuten Aufenthalt", ertönt, die Kuveetüren werden aufgerissen und em Schwarm Reisender verläßt den Zug.

Thorn redet noch eifrig mit der Gräfin, die bemüht ist, ihm das Scheiden zu erleichtern.

„Einfteigen!" Die Türen fallen dröhnend ht9 Schloß Erst langsam, schnaufend, dann schnell und schneller rollt die Riesenscklange dahin.

Helma, die fest Karo's Halsband gefaßt hat, bemerkt, wie das Tier sich freizumach?« sucht. Sie erwidert Thorn's Winken, dann wenden die Damen sich dem Ausgange zu.

Der Bahnsteig ist fast menschenleer. Unweit von Helma steht ein sehr großer, graugekleideter Herr, der ihr den Rücken zuwendet.

Sie kann jetzt Karo nickt mehr halten — er reifet sich ungestüm los — mit weiten Sprüngen eilt et aus den Fremden zu — spnngt an ibn herauf - stößt ein Freuden^beul ans und seine Pfoten ftemnien sich auf die Schultern des Man­nes, dessen Hut bei dem Anprall des Hundes zu Boden rollt. t r r . .

lieber ein Freudengeueul — dann ein Mn — ein Bellen tuib das Tier legt seinen Kopf an den deS Unbekannten und leckt dessen Wange.

„Wir spielen die Toten."

Der hochselige Weihbischof Schmitz erzählt eilt« mol von einem Manöver, dem er wohl beigewohnt haben muß. Alles ging in schönster Ordnung, so führte er aus. Während die Truppen hin und her marschierten und auf einander feuerten, kommt ein Offizier und findet einzelne Soldaten gemüt­lich int Graben liegend. „Was mackit ihr da?" so fuhr der Offner sie an, und ruhig antworteten, die Soldaten:

„Wir fpitlen die Toten."

Sie glaubten, wenn manöveriert und geschossen wird,' dann müßte es auch Soldaten geben, die bte Toten spielen. Der Bischof meinte im Anschluß ba- ran, es gebe auch in mancher gut katbol. Stadt gar manchen, der den Toten spielt, der nicht mit­tut bei dem Kampf der Katholiken. Denen mihfe man znrufen: mit eurem „Spielen der Toten" seid ihr unsere arößten Feinde im eigenen Lager. Tas Schlafen ist eine scköne Sacke, aber wenn gekämpft wird, dann ist Schlafen und Spielen ein Verbrecken. Die Wahlzeit ist eine Zeit des Kampfes. „Aus znm Kampf gegen daS Zentrum", dos ist der Ruf, der beute die deuts^en Lande erfüllt, unsere Partei, die n*'hmwFront seit Jahrzehnten unbeirrt durch Feindes Tadel und Feindes Lob so unendkich viel Gutes gewn hat für unser deutsches Vaterland, soll vernichtet werden. Einsam und verlassen stellt dos Zentrum, dem Ring ferner Feinde gegen­über, allein auf seine eigene Kraft ist es ange­wiesen, ttm diesen Ansturm, wie alle bisharwon, sieareick abzuwehreu. Darum muß auck der letzte Mann auf den Kamufploh treten keiner darf diesmal von der Wahlurne znrtukbl-'ben, das oilt mich im Wahlkreis F n l b a • Scklücktern-GeeS selb, wo bte ver-nttg- t?n ©r-mtcr eine riibriae Aaitatton entm ten. pa TiniFf dar"ne auf der Hut lein und einaebnnf zu fein ber Bflicht, der fick diesmal niemand entliehen darf.

Die Absichten unserer Gegner müssen wir uns int Wahlkampf klar vor Augez halten: sie wollen

1. die ausscklaimeütnde Stellung des Zen­trums beseitigen, und wenn daS gelingen sollte,

2. das Bewilligungsrecht des Reichstags be- schneiden,

3. das aBgetneine Wahlrecht, das vornehmste Recht, daS der Bürger hat, einschrauken,

4. daS Vereins- und Bersammlungsrrcht im scharfmacherischen Sin« umarbeiten und

5. einen neuen Kulturkampf i« Szene setze«.

Wähler, wollt ihr dazu die Hand bieten? Nie und nimmer! Darum auf znm ^ampf flogen die buntscheckige Schar unserer Feinde. Nieder ni i t ihnen, das muß am 25. Januar un gan­ze« Reich die Parole sein. Hoch das Zentrum^

„Ich mutz weinen, das Glück tötet mich sonst , stößt er hervor. . .. ,

Und als sie ihn anblickt, muß die Frau,, tn der Zweifel, Abneigung, Groll und Sympathie noch mit einander fingen, feinen Worten glauben, denn — ach! — wie verändert ist Taknostoi, tote schmal und elend ist sein Gesicht - wie tief liegen die Augen — tote blesih ist der Mund — und so hager die Gestalt-- „

„Mein armer, mein geliebter Stephan , tut" fiert Helma an seiner Brust.

Tie Gräfin faßt sich Zuerst und spricht: „Aber Taknostoi, wie kann ich nur Pas Rätsel erklären. Wir glauben, daß Sie hier tn M. ftub, noch f * eben meinten wir, daß Sie an un« voruberfuhreki und--" „

O der Schurke — der Verräter!" stoßt ste- vba'ü hervor, „feier lebt er in Glanz tn Ehren und ich- ich rang mit Tod unb Armut."

Mutter", unterbricht Helma, „frage ihn nun nicht weiter. Sieh, er ist noch schwach unb krank und noch mehr Aufregung wirb ihm schaben — Er ist nns ja nnn toteber gegeben, bag ist ia das Hö^Ja, ja," stimmte Taknostoi zu, „laß uns für diese Minuten nur der seligen Gegenwart leben. Ich erzähle das Erlebte nachher."

Sie verlassen das Bahnhofsgebäude, und em Waaen führt sie zu ihrer Wohnung

Helma, sonst so sckeu und zurückhaltend, zieht jetzt selbst, da ihr früher so kühner und kraftvoller Stevban sick ermattet in die PEr des Waaens zurücklebnt, sein Saunt an ihre Schulter und strei­chelt seine schmalen Wangen.

„Ich will Dich pflegen, Stephan, spricht sie. „so gtck für Dich sorgen. Dich wieder froh unb gesund macken."

Er lächelt sie liebevoll an (Fortsetzung folgt.)

Botati onsörud u. vertag 6er .Sulftaer »<• v ,. tienOr leieret tn Hulda,

monatsbellege: „Hulda« Geschichkblamr zen sprecher Nr 9.