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M 16.
Fulda, Samstag den 19. Januar 1907.
34. Jahrgang.
Zweites Wkatt.
□ Zentrum und Beamte.
Die Fürsorge für die Beamten des Reiche- und die Arbeiter in Reichsdetrieben hat sich do- Zentrum stet- angelegen fern lassen; e- erblickt in einem gut gestellten Beamtentum die erste Voraussetzung für eine taSellose Verwaltung. Kein Beamt« wird reich werden in feinem Berufe, aber er muß doch so gestellt werden, daß er mit den ©einigen sorgenfrei in die Zukunft sehen kann, daß er seine Kind« ordentlich «ziehen und ausbilden lassen kann. Darum ist die Gehalt-frage bte «fte, bte hier in betracht kommt. Das Zentrum ha! sämtlichen GehaltSvorlagen für unsere Beamtenschaft zugestimmt und diese auch vor allen feinen Wählern verteidigt; es hat selbst wiederholt auf Erhöhung der Gehält« der mittleren und unteren Beamten hingeardeitet. Kein Berufsstand ist in den letzten Jahren so schlecht daran getreten, wie d« Beamtenstaud; alles steigt im Preise, nur der Gehalt bleibt gleich. Der Arbeit« erhält Lohnerhöhungen, der Kaufmann gewinnt bei d« guten Geschäftslage; dem Beamten ab« bleibt nicht- übrig, al- immer mehr zu zahlens Aber feine Einkünfte bleiben auf d« allen Stufe! DaS Zentrum sieht eS nun al- feine erste und wichtigste Aufgabe an, hi« einzugreifen. Sobald der Reichstag versammelt tfi, wird eine recht bedeutende Erhöhung ber Gehält« unfern Beamtenschaft gefordert und auch erreicht »«Ben. DaS hierfür erforderliche Geld muß an der Weltpolitik gespart hleibenl Ab« die Beamten müssen hierin „uch daS Zentrum unterstützen: solange sie im Flottenverem für mehr Ausgaben und in den Kolonialgesellschaften für uferlose Pläne mit- schreien, bleibt eben für sie und ihre Kinder nicht- mehr übrig! Eine gesunde HeimatS- politik tut UNS not! Die Beamtenschaft kann sich darauf verlassen, daß sie nicht un- gehört gerufen hat. Gerade deshalb hat daS Zentrum das Budgetrecht de- Reichstage- auch so hochgehalten, damit eS in d« Lage ist, von sich au- eine Erhöhung b« BeamtengehäU« durchzusetzen; die Regierung wird daran den Etat nicht scheitern taffen! Schon im Jahre 1905 hat da- Zentrum beantragt, daß z. B. die Gehälter umer« Postunterbeamten um 100 Mark erhöbt werden sollen: fast d« ganze Reichstag stimmte z«. 1906 fand sich nicht- im Etat; da- Zentrum wied«holte seinen Antrag; vergeben6! Auch im neuen Etat für 1907 findet sich n.chts! Dann wird eben das Zentrum diese seit 3 Jahren geforderten 100 Mark selbst in den Etat einsetzen!
Aehnlich sieht e- mit dem WohnungSgeld - Zuschuß au5; für die Unterbeamten sind ja am 1. April 1906 = 50% Erhöhung eingetreten, ab« die mittleren Beamte» gingen leer au- und doch können sie ei ebenso notwendig gebrauchen. Es find g«ade die Wobnung-mieten zu ganz riesiger Höhe angewachsen und w« vollend- eine zahlreiche Familie hat, kann nicht au-kom» men. DaS Zentrum hat erreicht, daß spätestens am 1. April 4908 eine neue Revision stattfindet und ei wird der Be amten hierbei nicht vergessen.
Die Pensron-. Bezüge d« Offiziere sind verbessert worden; da- Zentrum stellte hierbei sofort den Antrag, nun auch für die Beamtenschaft die Penfion mit *%e beginnen zu lassen statt mit 1s/m! Der Antrag fand einstimmige Annahme; ab« bit Regierung legte keinen entsprechenden Gesetzentwurf vor: der Etat enthält keine Gelder hierfür, wohl aber 9« Millionen Mark Zuschüsse an die Kolonien! Wir „haben" e- ja, und unsere Bcamlen>PensionLre sind die reinsten „Protzen". Eicichzeilig forderte da- Zentrum eine Neurege- laug der gesamten Witwen- und Waisenvrrsor- girng; auch hier stimmte ihm d« Reichstag zu, dir Regierung tat nichts!
Für die Militär-Anwärter bringt das neue Militär-PensionSgesetz eine Reihe von Fortschritten ; das Zentrum forderte hierbei, daß den DiiÜ'.Sr-Anwärtem ein Teil der Militär-Dienst- zeit auf da- Zivübesoldung- - Dienstalter angerechnet werde, «egen diesen berechtigten W»nfch der Militär-Anwärter stimmten aber Freisinn und Sozialdemokratie.
Für die Reich-postbeamten hat daS Zentrum schon feit Jahren in ganz besonderer Weise gesorgt! E- ist dem Zentrum zu verboten, daß der große Verband der Post- und Telegraphenasfistenten nicht unterdrückt worden ist; wenn die Liberalen siegen, ist e- mit dieser Beamtenorganisatio» da« hin. DaS Zentrum hat überhaupt stet- da- Recht b« Vereinigung-freiheit für die Beamten hochgehalten. 9t rechnet das Vereinigung-recht z« ben staatsbürgerlichen Rechten, bte man keinem Beamten nehmen darf. Für die Verkürzung der ArbeltSzeit und für AuSdehnung der Sonntagsruhe ist da- Zentrum mit Erfolg tätig gewesen; es entspricht einem ZentnunSavtrage, wenn jetzt an Sonnlagen keine Watete mehr bestellt werden, roenn jetzt keine
Geldsendungen mehr au-getragen w«denl Die Arbeitszeit für die mittleren Beamten soll auf 48 bis 54 Stunden in der Woche heruntergesetzt werden und auf 64—60 Stunden für die Unter- beamten; heute haben letztere durchschnittlich 66 Stunden Dienst. Auch für Gewährung eines Erholungsurlaube- und für gesunde Diensträume trat da- Zentrum stet- ein.
So sehen wir, wie tatsächlich das Zentrum jede ehrliche und redliche Ardett schätzt; nur keinen Schutz kennt el für Tagediebe, Wucherer, Spekulanten und ähnliche- Gelichter! Die müffen sich anderSwo anzu- gliedern suchen! Die Erhaltung des starken Zentrum» ist eine Staatsnotwendigkeit! Das größte Unglück für uns« Vaterland wäre eine schwache Zentrumsparte, I Aber die- tritt nicht ein, weil bte Zentrum-wähl« einig unb geschloffen zusammenstehen.
Herr Abgeordneter Aoere« veröffentlicht eine Erklärung gegen die maßlosen Angriffe bet akatholischen Presse. Nachdem er darauf hingetviesen, daß in dem von ihm angestrengten Strafverfahren vor deutschen Richtern festgestellt toerbe, daß bte gerügten Vorkommnisse tatsächlich stattgefunben, laßt « sich speziell über bte Togoer Angelegenheit wie folgt aus:
Im September 1904 kam bet Apostolische Präfekt der Miffion von Togo zu mit unb legte mir das unerträgliche Verhältnis bar, bas infolge bet bekannten unerhörten Verhaftung und Einkerkerung ber sämtlichen Missionare und des sonstigen Treibens mehr«er dortigen Beamten zwischen b« Miffion und bem Gouvernement entstanden fei, und bat mich um meinen Rat, wie eine Besserung dieser Zustande herbeigeführt werden könnte. Ich riet ihm, in ber Kolonial- abteilung in Berlin die ganze Angelegenheit barzulegen, und wandte mich bann auf seinen Wunsch brieflich an den Herrn Reichskanzler mit ber Bitte, eine Bespr«hung im Kolonialamte veranlaffen zu wollen. Ich «hielt barauf vom Kolonialdirektor unter dem 25. Oktober ein Schreiben, in welchem es heißt: »Ich habe nie, auch nicht dem Herrn Präfekten gegenüber, den geringsten Zweifel darüb« gelassen, wie außerordentlich lebhaft und aufrichtig die borge- kommenen Störungen des Friedens zwischen Mission unb Beamtenschaft in Togo von mir bedauert worden find, und wie großen W«t ich meinerseits auf die Setlegung derselben lege. Ich bitt, wie gesagt, zu jeder Genugtuung bereit, aus die die Mission nach dem Vorgefallenen auch mein« Ansicht nach b«echtigten Anspruch bat. Mit Euer Hochwohlgeboren bin ich ber Ansicht, daß eine nochmalige gründliche Aussprache mit dem Herrn Präfekten die beste Gewähr für die Beseitigung der noch bestehenden Differenzpunkte bieten wurde, vor allem bann, wenn Etter Hochwohlgeboren die Gute haben wollten, dabei gegenwärtig zu sein."
Erst nach diesem Schreiben und nach ber darin enthaltenen Einladung habe ich die ersten Schritte in das Kolonialamt getan. Darauf haben an mehreren Tagen in b« Kolonialabteilung Besprechungen zwischen bem Präfekten und mir einerseits und dem Kolonialdirektor andererseits ftattgefunben, die zu einer schriftlichen Feststellung ber zu änbernben Verhältnisse führten. Bet diesen Verhandlungen wurde beiderseits ber Wunsch ausgesprochen, eine öffentliche Besprechung der ganzen Angelegenheit möglichst zu Dermetben. In einem Schreiben des Herrn Reichskanzlers vom 2. Marz 1906 heißt es, daß eine solche Besprechung weder dem Jntereffe bet Kolonialverwallung, noch ber Mission dienlich fem würde. Es lag auf ber Hand, daß eine öffentliche Besprechung ber Verhaftungsaffäre, die schon damals sehr niedrig stehende Temperatur ber Kolonialsreundlichkeit int Lande noch verschlechtern und nid;t ohne Einfluß auf die Stimmung der Zentrun^sraktion bleiben mußte. Es handelte sich also beiderseits barutn, daß die Angelegenheit friedlich erledigt unb das Miß- Verhältnis zwischen Mission und Beamtenschaft nicht durch öffenllicke Verhandlungen nur noch verschärft würde. Mit ber Verhaftung der Missionare hing aber die Wistuba'sche Angelegenheit untrennbar zusammen, da gegen den Bureauvorsteher Wistuba von einigen Beamten aus Togo Denunziationen wegen des freundschafi- lichen VerhältnifleS des letzteren zur Miffion Vorlagen. Wurde die Wistuba'sche Sache verhandelt, bann konnte es wegen der Oeffenllich- keit des Verfahrens tticht ausbleibeu, daß auch die Verhaftungsgeschichte aufgerollt wurde unb ich dann selbstredend gezwungen war, dieselbe im Reichstag darzulcgen. Hieraus habe ich sowobl den Kolonialdirektor wie ben Reichskanzler auf» merffam gemacht und deshalb den letzteren gebeten, in der Wistuba'schen Angelegenheit selbst, persönlich zu entscheiden, wozu er nach dem Gesetz »m 31. März 1873 und der Verordnung vom >. August 1896 berechtigt toar. Nur in diesem Sinne sind alle meine Briefe unb auch die Depesche : „Sitte Disziplinarsache zu inhibieren", zu verstehen. Durch die letztere wollte ich den Herrn Reichskanzler, der damals in Norderney weilte, veranlaffen, feTbft darüber zu befinden.
ob die Sache d« Disziplinarkamm« zu übermitteln sei ober ob er selbst sie materiell «lebigen wolle. Ich legte Wert darauf, weil ber Reichskanzler persönlich, nicht ab« fein Stellvertreter üb« die Lage der Verhanblungen informi«t war. Dies «gib auch mein gleichzeitig an ben Herrn Reichskanzler gerichtetes Schreiben. Um die Frage, ob eine Strafe und welche Strafe gegen Wistuba zu verhängen, hat es sich bei bem ganzen Briefwechsel nicht gehandelt. Ich habe vielmehr lediglich darauf aufmerffatn gemacht, daß die Ueberweisung an die Disziplinär- kämm« notwendig die öffentliche Besprechung der Angelegenheit zur Folge haben müsse. Dies aber war web« mit n«h b« Kolonialabteilung noch dem Reichskanzl« erwünscht. Ich handelte also lediglich auch den Wünschen ber Kolonialabteilung entsprechen!), wenn ich, um bie Person- !iche Entscheidung des Reichskanzl«- herbeizu- führen, auf die Konseguenzn des öffentlichen Verfahrens vor b« Disziplinarkamm« aufmerksam machte.
Von einem Druck, einer Pression, ob« einer Nötigung kann hiernach wahrlich nicht die Rede fein. Uebtigens bin ich noch durch ein Schreiben des Kolonialbitektots vom 15. Dezember 1904 ausdrücklich ersucht worben, „auf Wistuba einzu- wirken, baß er sich beruhigen möge", sodaß meine Tätigkeit gewiß nicht als eine ungehörige Ein- Mischung bezeichnet w«ben kann. Nach Erlebi- gung ber ganzen Angelegenheit, also nach d« ganzen Korrespondenz, nach d« Depesche und nach allen mündlichen Verhandlungen hat mir bann noch b« Reichskanzler seinen Dank für meine Mitwirkung zur friedlichen Beilegung ber ganzen Togo-Angelegenheit ausgesprochen. Es geschieht dies in bem mehrerwähnten Schreiben vom 2. März 1906, in welchem es heißt: „Die erneute Erörterung bies« Angelegenheit, an deren friedlich« Erledigung Eu« Hochwohlgeboren in dankenswert« Weise mitgewirkt haben, dürste nach mein« Auffassung weder den Interessen ber KlKonialvolitik, noch denen b« Mission dienlich fein." Tie bem p. Wistuba spät« zur Last gelegten Verfehlungen in dem bekannten Verfahren gegen Götz, Schneid« usw. haben meines Wissens mit der Togo-Angelegenheit nichts zu tun. Bezüglich dieses Verfahrens habe ich denn auch webet mündlich noch schriftlich auch nur ein einziges Wort an ben Reichskanzl« und die Kolonialverwaltung g«ichtet.
Daß ich die Missionsangelegenheit trotzdem im vorigen Monat zur Sprache gebracht habe, dazu war ich leider durch die entstellten B«ichte. die in der Presse inzwischen üb« die Togo« Verhältnisse erschienen waren, und dadurch veranlaßt, daß trotz ber Llbmachungen im Kolonialamte die Zustände in Togo, abgesehen von einem besseren Verhältnis zum Gouverneur, im toefettt« sichen dieselben geblieben sind, in manch« Beziehung sich sogar verschlechtert haben.
Ich bin mir bewußt, aus Pflicht gehandelt zu haben, und ich bin überzeugt, daß jeder Abgeordnete, der in gleich« Weise angegangen wäre, ebenso gehandelt haben wurde. Man mag mir von gegnerischer Seite vielfach vorwerfen, daß ich mich zu seht mit Wärme b« verhafteten Missionäre und b« damit zusammenhängende Wistubaschen Angelegenheit angenommen hätte, ab« das Zeugnis, daß ich offen und ehrlich gebandelt habe, wirb mir niemand verweigern können, b« in b« Heftigkeit des gegenwärtigen Wahlkampfes auch dem Parteigegn« fein ob» sektives Urteil bewahrt hat.________
von ber deutschen Kolonial Herrlichkeit.
Wir entnehmen die nachstehenden Aussiibr- gen bem soeben erschienenen, scharf polemischen Buch: „Germania—daheim". Reue ungemütliche Wahrheiten" von Karl Böttcher (Verlag von Map Zieg«, Leipzig. Preis 1,60 Mark s Der Verfass«, wohlgem«kt kein schwarzer Zentrumsmann, besuchte deutsche Kolonien gelegentlich feiner Studienreise rund am Afrika. Er schreibt u. a_ :
Zur deutschen Kolonial-Tragödie. ^Trauerspiel.)
Wißt ihr, wo sich das Grabmal uns«« Ko- lornalpracht «hebt?
Auf Helgoland, im Winde der Nordsee. Kokett trägt es auf b« «neu Sette die feierliche Zuschrift:
„Sc. Majestät ber deutsche Kaiser, König von Preußen, Wilhelm TI. «griff an dieser Stelle Besitz von b« Insel Helgoland"
Was ab«, ber lieben Vollständigkeit halber, auf b« anderen Seite des Graburals stehen müßte, das verschweigt d« Rüge Stein. Stehen müßten dort die umflorten Zeilen:
„Für dieses „Besitz«greifen" des Brockens Helgoland wurde deutscherseits die Zauberinsel Sansibar mit ihr« mächtigen, bie ganze ostafrikanische Küste beherrschenden Handelsstadt geblecht,"
Denn durch dieses „Besitzergreifen" hat man auch unsere immerhin noch brauchbarste Kolonie „Teutsch-Ostafrika" zum ewigen Siechtum ver- urteilt
Und nun mögen in tapfer« Unermüdlichkeit ans den Taschen ber Steuerzahler neue Hunderte von Millionen den Todesriü nach ben im Sonnenbrand schmorenden Sandstrecken ber deutschen Kolonien antreten — stets wirb ber Lurul dieser Kolonien ein miserables Geschäft bleiben, bcs nie unb nimm« bie Kosten beckt. Und stets werben biefe Kolonien so wertlos bleiben, daß England sie bei einem möglichen Tauschgeschäft nur als Ramschware akzeptieren würde.
So für den unparteiischen Sachkundigen bie unabänderliche Sachlage — selbst wenn man eine Generalversammlung von reformierenden Kolonialbirekwren vom Himmel herunt«holen wollte.
* «
Der Kolouial-Abgrund.
Cs ist in Deutsch-Ostafrika. . . ,
Von Tanga aus bin ich tief ins Land hinein- gezogen, in die wachsende Wüste. Wohin b« Blick schweift — Sand . . . Sand . . . Sand bis zur Unendlichkeit.
Die Sonne ist im Untergehen. Ein unge- heur« Feuerball hängt üb« ber rötlichen, todes- starren Cebe. D« stumme, blauleuchtenbe Tropenhimmel verwanbelt sich in tigergelbe Pracht.
Berauscht vom Farbenzauber blicke ich in dies strahlende Gebänuner.
Ab« was ist bas? . . .
Drüben bie Dunstmassen nehmen auf einmal bestimmte Formen an. Jetzt weiten sie sich sata- morganaartig zu einem unermeßlichen, schaurig t aherklassenben Abgrund. . . . Der wächst und »oächst. . . enthüllt imm« neue, schreckenvolle Tiefen ... «scheint mit jedem Augenblick furchtbarer.
Ich starre und starre nach diesem entsetzlichen Riesen gebilde. . . .
Und jetzt «kenne ich's:
Es ist ber gefräßige, unersättliche Kolo- nialabgrunb, in welchen Deutschland jahraus, jahrein in unermüblicher Verschweu- bungslaune einen großen Teil seines Wohlstandes wirst.
Wie diesen Abgrund ausfüllen? Wie diesen Rachen ftopfen?
Herbei, ihr unzähligen Projekte .Entwürfe, Hoffnungen, Illusionen! Herbei, ihr Milliarden von Mark!
Hineingeworfen, hineingeworfen! . . .
Ha, wie das alles gleich Waff« im Sieb verschwindet!
Wie? D« Abgrund füllt sich nicht? Im Gegenteil — wird da hinten tiefer und breiter?
Was tut's! Nur wacker vorwärts! Mehr Material zum Stopfen! . . .
Herbei all die toten Krieg«, welche auf oben Sandstrecken im Kampf gegen die Eingeborenen verbluteten — verbluteten unter Stöh- n n. Röcheln, Seufzen, Beten Herbei zerrissene, zerschossene, z«ftwte Glieder! Herbei bie Leichen- Haufen unb das Jammergeschrei, welches darob zum Himmel flieg! . . .
Und aufs neue herbei frisches, junges Mut, kraflstrotzenbes Leben — bte Hoffnung der Eltern, das Glück bet Bräute, bte Zukunft des Staates!
Hineingeworfen, hineingeworfen! . . .
H«bei das neue große Rüsten zu neuen, aus dem Dimkel der Zuktmst herübergrinsenden Ko- lonialmeger, zur Verteidigung öder Landstre- cken, zur Medermetzelung einig« Häuflein Schwarz«!
Im fiebernden Rausch, im phantastischen Tattmel — alles hineingeworfen, hinein geworfen! . . .
Wie? . . . Noch imm« d« gleiche Ab- gründ, als hätte man ihn bisher nur mit Seifen- bllrsen gefüllt ? Barmherzigkeit! —
Inzwischen daheim tm fernen Deutschland, in den phantasievollen Kolonialkreisen, unermüdlich plätschernde Phrasen:
„--jawohl, die Steuerfreudigkeit muß
in unferm Vaterland gehoben werden! Flam- menbe Begeisterung fürs Zahlen — fürs Opfern auch des letzten Scherfleins auf dem Altar des Vat«landes — entfacht werben! Drum von warmem Patriotismus und in freudigst«^ Gebelaune auch bie verschlossensten Taschen geöffnet! Es handelt sich nm —• unsere herrlich «blühenden Kolonien!"
* ♦
*
Eine große Berliner Zeitung vroffentlichte kürzlich em PreisauSschreib«!. Es galt die Be- anttoortung der Frage:
„Wie machen wir unsere Kolonien rrn- tobel?"
Wohl verstanden! Die Milliarden-Kolonien — rentabel!
Ist vollständig möglich. Die Sache nur richtig anpacken.
Also:.
Deutsch-Lstafrika bedeutend von d« Nähe beL Aequators abrücken, damit deutsche Ansiedl« für bie Dau« dort leben können. Ungeheure Sandstrecken mit den^Besen hinausfegen unb bähet die Büreaukratie ber Verwaltungen nicht vergessen. Eine Gesellschaft m. b. H. zur Einführung eines brauchbaren Klimas gründen. Von