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letettOBSbru« L Verlag der Sulbarr Ar» titnbrrdmi in Snlba. SerrfprtJjtr Nr 9.
Fulda, Donnerstag den 17. Januar 1907.
34. Jahrgang.
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-Selma gab sich von nun an alle Mühe, dm Wunsch ihrer Mutter ,u erfüllen: sie zeigte sich hcitcrer, geselliger und mutiaer. Si- hatte sich noch keiner jugendlichen Gefährtin bisher ange- chwsien und der Umgang der Damen sich nur auf von Demo und dessen Schwester und Graf Thorn beschränkt.
Männer wie Windthorst. v. Mallinckrodt, die beiden ReichenSperger und v. Schorlemer-Alst in schwerer Zeit die Fraktion ins Leben riefen, bis auf die heutige Stunde. ES ist insbesondere stets die
starke Schutzwehr der Religionsfreiheit, der feste Hort der Verfassung und der BolkSrechte
gewesen.
Mögen andere daS vergesien haben, die Wähler der Zcntrumspartei können und dürfen cS nicht vergessen, ohne sich schnöden Undanks schuldig zu machen. Mögen sie angesichts der Wahlen an ihren Augen vorüberziehen lasten, was alles sie dem Zentrum verdanken und sich auch reckt klar werden, waS geworden wäre ohne daS Zentrum.
Jetzt ist der Augenblick da, den Dank durch die Tat abzustatten. Man will das Zentrum nie- derbrechen und an feine Stelle etwas setzen, waS ni+t widerstehen, aber auch nickt stützen kann. Schon mehr als einmal ist dasselbe versuckt worden; immer ist der Versuch gescheitert. Er wird auch dieses Mal sckeitern, wenn die Dählerfchast des Zentrums in den weiten deutschen Gauen, in Stadt und Land ihre volle Schuldigkeit tut. wenn sie zum so und so vielten Male mit dem Stimmzettel in der Hand erklärt, daß sie vom Zentrum nicht lasten will, allen Lugen und Verleumdunaen zu Trotz nickt lasten will, daß die Ehre des Zentrums ihre eigene Ehre ist, daß diese Ehre nicht ungestraft verletzt werden soll. Sckon gleich am 25. Januar muß die ZentrnmSfraktion dasteben als die stärkste Fraktion deS Deutschen Reichstages wie bisher.
Man will daS Zentrum tot machen; wir wollen, daß eS lebe; wir gehen in den Kampf mit dem Rufe:
ES lebe da» Zentrum!
Die Räume deS neuen Stadttbeaters in M waren von einem schaulustigen Publikum ange üllt. In den Logen erblickte man elegant ge- leidete Damen, Herren in blitzender Uniform und chwarzem Frack.
Die höheren Galerien waren besetzt mit ein- achen Bürgern, strebsamen, unbekannten fünftem, alten poetischen Jungfern. Auck manch unges Mädchengesicht konnte man dort erschauen, wie eS neugierig die elegante Welt musterte, oder andachtsvoll den Zettel studierte.
„Faust und Margarethe" von Gounod, mit einer berühmten Künstlerin in der Titelrolle, ellte zur Aufführung gelangen.
Die lebten Klänge der Ouvertüre Verhallen, >a tritt Frau von Turnow, Helma, Herr von Berno mit Schwester und Nichte in eine Loge ersten Ranges.
Helma, ihre Mutter und ihr Onkel nehmen im Hintergründe der Loge Platz, Fräulein von Berno und die Verwandte an deren Brüstung, (f- F-)
Verstimmungen in Einzelfragen stehen die große«, unauslöschliche« Verdienste de» Zentrum»
kn seiner Gesamtheit von den Zeiten an,
Und jäh kam daS Unglück. Ein Telegramm brachte dis Nachricht, daß Graf Turnow schwer vom Schlage getroffen sei, elend darniederliege. Gattin und Tochter waren außer sich vor Schmerz und Angst; den liebevollen Gatten, den gütigen Later, zu verlieren. Auch Taknostoi traf dieses Ereignis schwer; mußte er sich doch noch eher, wie er gedacht, von Helma trennen. Seine Bitte, mit den Damen reisen zu dürfen, wies Frau von Turnow diesmal saft schroff zurück.
Er brachte Mutter und Tochter alfo bis auf das Deck des Dampfers „Adria". Helma schmiegte sich fest an seine Brust, sie schluchzte krampfhaft und ftbren ihn nicht lasten zu können ro-'k®£rl Jta h«' mc*n auf baldiges, baldige» Wiedersehen! waren ferne letzten Worte. Die Grafrn druckte schwelgend einen Kuß auf seine Stirn
Er verließ das Deck.
Der Dampfer setzte fick in Bewegung, und eine schäumende, silberne Spur in der blauen Flut zurücklastend, die bald verschwamm, zog er tern und ferner auf den Wellen dahin.
Was unsere großen Kämpfer aus schwerer Seit jetzt sagen würden.
„Gegen die Möchte, die im geheimen und öffentlichen unsere Sache jetzt bekämpfen, haben wir gemeinschaftlich und kräftig einzustehen. Stan- den wir allein, wir wären ein schwaches Häuflein. Aber Gott steht zu uns und er kann mit wenigen siegen, darum verzagen wir nicht. Für die christlichen Ideen, für die wir einstehen, haben wir den Schutz GotteS, wir haben dafür auch unter gutes Recht und unsere mutige Entschiedenheit". (Monfang 1871 in Mainz.) —
„Wir müssen alle auf den Wällen der Kirche zu ihrer Verteidigung erfchcinen, alle ohne Ausnahme: Gelehrte und Ungelehrte, Reiche und Arme, Hohe und Niedrige, keiner darf zurückbleiben. Sage niemand, ich bin nicht notig, ich kann nichts nützen, die Sache gebt andere an, man kann mich nicht brauchen. Während der Belaaerung tritt die allgemeine Wehrpflicht ein, wer sich zn- rückzieht, verdient den Namen eines Katholiken nicht". Dr. Sckmitz (später Weihbischof in Köln) in Würzburg 1877).
„Seien wir einig! Wir haben gesehen, toal Einigkeit vermag. Denn ohne Einigkeit, ohne diese zähe, wahrhaft bewundernswerte Einheit der deutschen Katholiken ständen dir Tinge schlimmer als sie stehen. Unsere Gegner drängen auf nichts mehr hin al» unsere Einigkeit zu stören.
Den« wir sehen, wie alles darauf bedacht ist, die Phalanx zu sprengen, welche dir Katholiken bilden, dann können wir nicht zweifelhaft sein, daß wir unS immer fester und enger aneinander schließen muffen.* (Schorlemer-Alst 1882 in Frankfurt.)
„Halten wir die Augen offen und die Hand am Gewehre und seien wir einig, dann totrb
der Turm de» Zentrum» ««besiegt bleiben.
(Windthorst 1882 in Frankfurt) .
„Defnncti adhuc loqnuntur“
„3m Tode noch reden sie zu uni.
Alls M LllWs für Wahrheit, Freiheit NU) Reiht, Höre« wir den Ruf, der au» den Gräbern uns cnlgegentönt und zeigen wir uni
würdig unserer großen Tote«.
^>teöer|el)en.
Von E. L id win.
(Nachdruck verboten.)
Zur Wahlbewegung.
Für die Reichstagswahl brauchen wir keinen Sozialdemokraten, edensowemg einen mit der „nationalen" Milchmasch-Kokarde gezeichneten sreikonfervativen kutturkSmpsenfchen, bis dahin gänzlich unbekannten Mann; wir bleiben bei un* ferm bisherigen bewährten Abgeordneten Herrn
Richard Müller, Fulda,
befien Verdienste man nicht wie bei anderen Leuten am hellen Tage mit der Laterne zu suchen braucht, der für Vas Wohl bei Vaterlandes und be5 ganze-. Volkes seit 1-1 Jahren in bet uneigennützigsten unb selbstlosesten Weise im Reichstage tätig gewesen ist unb Erfolge erzielt hat, wie taurn em anderer Abgeordneter. Mögen andere glauben, schon eine große Heldentat vollbracht zu baden, wenn sie bet Welt ihre „deutsche Gesinnung" mit großen Worten verkünden; wir wollen ihnen daS harmlose Vergnügen lassen, sie werden tonst nichts haben, und wenn sie Wähler finden, die so anspruchslos finb, mit nationalen Redensarten zufneden zu sein, so ist uns das höchstens ein Beweis für den alten Satz: „Es ist nichts so dumm, eS findet doch sein Publikum." Unser Mann ist unb bleibt Herr Müller - Fulba, der sich durch glänzende, wirklich nationale, selbst an höchster Stelle durch den Adler» und Kronenorden anerkannte Taten als em
wahrhaft dentschgesinnter Mann bewährt hat.
Wie recht man hatte in der letzten Vertrauen», männerversammlung der Zentrumspartei, vor dem Flottcnverein zu warnen und dessen Vorgehen gegen das Zentrum zu brandmarken, zeigt sich immer deutlicher. So wird der „Kölnischen Volkszeitung" auS Brühl geschrieben:
Brühl, 15. Jan. 1907. Gestern abend hielt der Flotienvcrein hier eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Den Anziehungspunkt bildeten die im Volke so beliebten Lichtbilder und da» Thema: Das Soldatenleben in Ostasien. Der Vortrag des Herrn Hauptmann Amelunxen war gut, so weit er sich in den Greinen der Schilderung von Land und Leuten uns r Kolonie bewegte. Aber mit den Seitensm iingen auf da» politische Gebiet im Geiste der Flottensckwärmerei und einseitigen Kolonialpolitik verdarb er den guten Eindruck. Seine Ausführungen trugen ddn
nach ihrem Fortgehen suchte ich in den Zeitungen."
„Er ahnt nicht, daß wir in dieser Stadt wohnen", flüsterte Helma; „zu all dem Bösen fit »3 noch etwas Gutes."
„Wir können ja auch eine Weile von hier fort- reifen, Kind, wenn Tu nicht die Kraft in Dir ühlst, eine mögliche Begegnung zu ertragen."
„Nein, Mutter", antwortete Helma, und ihre Augen blitzten. „Nein, Mutter, ich will nickt liehen vor dem Treulosen, ich habe Kraft, hier ouszuhatten, sogar ihn zu sehen. Ja, nun werde ch die unselige Liebe auS meinem Herzen reißen, ie erscheint mir unwürdig — verächtlich."
Sie richtete sich hoch auf, und ihre Wangen glühten. _
„So ist es recht, so erkenne ich, daß Du meine Tochter bist, meinen Stolz geerbt hast", sprach die Gräfin und atmete erleichtert auf.
nie einseitig einen Stand bevorzugt. Wenn wirklich hie und da in Einzeljragen ein Anhänger der Partei einmal anderer Ansicht gewesen ist. als die Fraktion, jetzt gilt es die Einigkeit zu wahren. Jede Eigenbrödelei muß schwinden; die Einigkeit der Fraktion am 13. Dezember muß für die Wähler ein leuchtendes Vorbild sein. Man sagte sich damals: „Tie Lage ist so, daß niemand das Schiss verlassen darf und wenn's auch mitten hinein gebt in die brandenden Dogen." Da» muß auch bei den Wählern deS Zentrums die Parole fein, turmhoch über etwaige persönliche Meinungsverschiedenheiten, turmhoch über allen
ev stürmten die Ereignisse auf die zwei r.rrQf'‘ens em- Sie sanden den Gatten und Vater » Gr kannte sie nicht mehr. Kaum
,-°r Teure in die Erde gebettet, da teilte ihnnn^mH- ^rrm!°J^?ncnb oIä möglich war, ihnen mit. d.r Verschiedene habe unglücklich spe- knliert, >bre zwei Güter seien schwer verschuldet, das ganze Privalvermogen verloren — — Tie Gmfin war der Verzweiflung nahe, Helma's Schmerz war still und xrgeben. Sie schrieb dem
fernen Geliebten, klagte ihm all' das schwere Leid E bat: „komme zu mir, ich sterbe sonst." Keine Antwort erfolgte. — — Selma wartete wochen- 1 erlösendes Dort.--Umsonst I -
Jaffa" an.^^ 93ticf mit bem Poststempel
OTtt bebenden Fingern erbrach sie ihn. Er Ä*nur die mit zitternder Schrift hingewor- enen t
und bergiebl--Unüberwind.
h?nn?n .?nanfre -Rnb Elchen uns getreten und wohl, - —tmmec--Frage nicht. Lebe
Mutter fand Selma bewußtfasÄ"dem Teppich liegend, den Brief mit der kalten Hand umklammert haltend» — DaS junge Mädchen der- fick dann ht em heftiges Fieber. — Alz fi, ae. nefen nobm die Mutter einen monatelangen Aufenthalt mit ihr tu der Schweiz. — Darauf zogen sie nach M., wo ihnen Präsident von Berno nn^ väterlicher Freund, ein ritterlicher Beschützer
Helma richtet sich jetzt im Sesiel auf, die Uhr über ihr kündete mit hellem Schlage ein Uhr ~ Die Veroanaenheit war vor dem geistigen lluge des Mädchens so klar vorübergezogen daß ie glaubte, nochmals alles zu erleben
Sie streicht das Haar auS der Stirn: Vor- u6eL" 'A^ber —" flüsterte der weiche Mund.
Karo schlief schon lange fest.
Helma sucht Ihr Lager auf, unb der feste Schlaf der Jugend umfängt sie bald. '
Eben kehrt Helma von einem Besuch der Bildergalerie zurück.
Sie sindet die Mutter in einem Paket Zeitungen umberfachen. Ihre Züge sind erregt, und sie beantwortet die Anrede der Tochter zerstreur.
Plötzlich ruft sie auS, und ihr Finger rügt auf einer Stelle der Zeitung:
„Mein Gott — hier — richtig — eS fit allo wahr, was mir Maria Berno erzählte. ... Ist eS zu fafien?"
„Mutter, was meinst Du? — Erkläre eS doch", sagt Helma.
„Selma hier, lies es. — Dort steht unter den im Hotel du Nord angekommenen Fremden der Name: Graf Stephan Taknostoi auS Kiew "
DaS junge Mädchen hat witaolesen. — Seine Hand krampst fick um die Stuhllehne — »itternb kommt es über ihre Lipp m:
„O Mutter, das ist entsetzlich!"
Mit zorniger bebender Stimme erzählt die Kutter:
„Ja, Helma, fasse eS. Er ist hier — schon feit einigen Tagen. Er macht viel von sich reden, er st eingeführt in mehrere erste Familien. Man obt feine Schönheit, feinen Reichtum, seine Manieren.
„O, dieser nichtswürdige Bube! Wäre ich «in Mansi, ich ruhte nicht, bis ich ihn zur Rechenschaft gezogen. Aber, einem Weibe find ja die Hände gebunden."
„ArmeS, armes Kind", sprach fie bann, al? ie Helma's schmerzvolles Gefickt bemerkte und zog sie an sich, „sieh, nun muß ja für Dich ein neues Leben beginnen, wo Dir der Treulose selbst den Beweis gibt, daß nickt zwingende Grunde feine Trennung von Dir nötig machten, daß nur der Verlust unseres Reichtums die Ursache ist."
„Wer erzählte Dir über ihn?" forschte Helma.
„Tie Kousine Berno, die ibn in Gesellschaft traf, sprach mir vorhin über ihn. Sie ahnt ja nicht, daß der Mensch uns nahe stand, daß wir : in kannten. Ich verbarg meine Erregung, und
Hotz die Föhne des Zeoirms!
ßtrbet, H geht zum Kampf«, Das Banner ist entrollt!
Es eigt in gold'nem Grunde, Wofür ihr kämpfen sollt.
Herbei, ihr jungen Männer, Stellt euch in feinen Sold; gum Kampf für „beutiche Ehre", b ihr da zögern wollte
Herbei, die ihr schon oft mall
Im Kampfe seid erprobt;
Sfbr wißt, der Sieg ist unfe^ Wie auch der Gegner tobt.
Ihr Greise, kommt am Stabe;
Das Herz voll Jugendkraft
Schlägt für die deutsche Sachen E« ist noch nicht erschlafft.
„Mit Gott!" ihm fei die Ehr«^ Für Wahrheit, Freiheit, Recht; Em Mann vor Fürstenthronen, Bor Gott ein armer Knecht.
So wollen wir e» hallen Un» echter „deutscher Sinn" Führt mit der „deutschen Treue" Zu diesem Ziele hin.
Wir werben mutig kämpfen, Streu halten wir die Wacht;
Der Turm soll fester stehen Rach dieser Geisterscht cht.
Ob auch verkannt, verachtet
Dec feste Zentrumsturm, Er soll die Schutzwehr werde« Im wilden Zertensturin.
Wenn jene dunklen Geister Im Volke steigen auf. Dann schaut man hilfesuchend Zn seinen Zinnen auf.
Die makellose Fahne,
D.e Böller glücklich macht, Gelrönet mit dem Kreme Bringt Licht bann in bte Nacht.
Herbei, ihr beutschen Männer, Schart all' euch um den Turm;
Die Fahne sollt ihr schützen, Ihr gilt bet ganze Sturm.
R. Atzert.
Die Ehre der Zentrumspartei
ist bei dem bevorstehenden Wahlgang im Spiel.
Die Zentrumsfraktion hat feit mehreren Legislaturperioden eine ausschlaggebende Stellung im Reichstage gehabt. Was während dieser Zeit von wichtigen Gesetzen zustande gekommen ist: da» Bürgerliche Gesetzbuch für daS Deutsche Reich, die sozialen Reformgesetze, die neuen Heeres- und Flottengesetze, der Zolltarif, die neuen Steuerge- setze, ist zu einem ganz erheblichen Teile daS ®erl! deS Zentrums.
DaS Zentrum hat die erwünschten Gesetze durchgefctzt und den minder erwünschten eine Gestatt gegeben, welche sie erträglich machte, indem eS namentlich die breite Masse der Devötterung vor drückenden neuen Belastungen bewahrt hat; feine Tätigkeit wurde mehr als einmal von Vertretern der Regierung in den verbindlichsten Wendungen anerkannt.
Da» Zentrum
hat feine ausschlaggebende Stellung in maßvoller, dem Gemeinwohl dienender Weife geltend gemacht; von einem Parteiregiment deS Zentrums zu reden ist eine bewußte Unwahrheit. Einer der Führer der Mittelparteien im Reichstage, welche jetzt in erster Reihe gegen daS Zentrum tnofcr machen ,ber Abg. v. Kardorff, hat den» auch 1904 dem Zentrum bezeugt, daß eS nationale Politik getrieben habe, was der Reichskanzler Fürst Bülow — damals noch nicht der „neue Bülow" — ausdrücklich bekräftigte; und die „Kreuzzei- tung", das Hauptorgan der konservativen Partei, hat noch im Oktober 1905 geschrieben: Keine Regierung weder in Preußen noch im Reiche könne heute gegen das Zentrum regieren, sie möge liberal oder demokratisch fein. Aber es laste sich in Wahrheit nicht sagen, daß das Zentrum seine Macktstellung in staats"efährlicher Weise miß- brauche. Es beteilige fick loyal an der Gesetzgebung und wahre die Ghre und das Anse'-en des Staates nach außen und nach innen. ES zei>: Verständnis für die sozialen Ausgaben bet Z"it und die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölkerung. Es habe bei der Reform deS bürgerlichen Rechtes und bei der Zollaefetzaebuna fleißig und einsichtig mitaewirkt. Politische Uebergriffe gegen die evangelische Kirche habe es nie versucht.
Unter diesen Umständen ist die aus geringfügigem, durch die Entwickelung der Dinge in Südafrika sUnterwerfung der Aufständischen) in- zwis^ey völlig nichtig gewordenem Anlaß, ohne ernstlichen Versuch einer Verständigung neuen da» Zentrum erfolgte Auslösung des Reichstage» eine Beleidigung des Zentrums.
Niemand weiß mit Bestimmtheit zu fernen, warum sie erfolgt ist: um die Aufmerksamkeit hon unliebsamen Erscheinungen der mch»ren und inneren Politik ahzulenken; um die maAtTüfterre nationalliberale Partei an die Stelle deS Zentrums zu setzen; auS einer jener plötzlichen, aus Stimmnnaen oder Verstimmungen des Angen- dlrcks Geborenen Entschließungen heraus, denen das deistsche Volk so oft mit wachsendem Mißbe- Finnen sick gegenüber gesehen hat? Wie dem feit W viel ist gewiß, man wollte das Zentrum beiseite schmhen, man wollte vom Zentrum abrücken, man mochte da«
Zentrum an die Wand drucken.
Jedes Mitglied, besonders jeder Wähler der Zcntrumspartei im Deutschen Reiche muß im Hinblick auf die Gesamftätigkeit deS Zentrums diese dem Zentrum zuteil gewordene Behandlung als eine ihm selbst angetane Unbill empsfaden. Aiick das Zentrum hat eS ja niemals allen feinen Wählern reckt machen können — das geht über menschliches Vermögen —, aber es hat sich doch immer bemüht, einen gerechten Ausgleich aller dere^traten Jnteresten herbermfuhren und hat
Sentrumsfanöiöaten
för die RechstNSwch! m25. Jamm.
Wahlkreis: H^r, ' r/gusen-Ard. Die Zen- IrumSwühler neiden gebeten, sich berAbst mmung zu enthalten.
Wahlkreis: Fulda-Zersfelb-Schlüchtern. Kand,- bat: Herr Richard Müller-Fulda.
Wahlkreis: Marburg - rrirchhai« - Hrankenberg.
Kandidat: HerrRegierungsral Klocke- Treysa.
Wahlkreis: yjjufeld»ykr§feld-Rstenburg. Kan- didat: Herr Richard Müller-Fulba.
Wahlkreis: homberg-zritzlar'Aiegenhain. Kan- didat: Herr Richard Müller-Fulba.
Wahlkreis: Hinteln * Hofgeismar - Wolfhagen. Kandidat: Herr Richard Müller- Fulba.
Wahlkreis: Lasse!»Melfungen. Es ist kein Kandidat ausgestellt, den Wählern bleibt es überlassen, für wen sie stimmen ober ob sie Stimmenthal, tung üben wollen.