Universitäten geschickt, um bei protestantischen Professoren National- ökonomie zu hören. Dies fei der Erklärung Sgrund, daß die Zentrumspartei eine so große Anhängerschaft im Volke gefunden habe."
Diese Anerkennungen deS Gegners sind besonders wegen der bevorstehenden Wahl lehrreich für die Bevölkerung des Arbeiter- und Mittel- standes.
k. Zentrum und Arbeiter.
Braucht es da noch vieler Worte? Die eine Tatsache, daß trotz aller Angriffe der Sozialdemokratie das Zentrum diejenige Partei ist. die am meisten Arbeiter zu ihren Wählern zählt, sagt wahrhaftig genug ! Alles, was heute für die Arbeiter an staatlicher Fürsorge besteht, ist durch das Zentrum mitgeschassen worden und zu den allermeisten Punkten hat das Zentrum die Anregung gegeben! Von dem Anträge Graf Galen bis zn den neuesten Anträgen des Zentrums von 1906 zieht es sich wie ein roter Faden! Schutz dem Arbeiter! Gerechtigkeit dem Arbeiter!
Der erste große Erfolg des Zentrums war im Jahre 1878 die Einführung der Fabrikinspektion, die bisher nur eir.c freiwillige war. Freilich hatte dann der Kulturkampf der Negierung und der Liberalen keine Zeit zur Arbeiterfürsorge gelassen. Solange die Nationalliberalen über 100 Reichstagsmandate besahen, ist auch nicht ein einziges Arbeitergesetz geschaffen worden: je kleiner sie wurden, desto besser ging es. Von 1877 bis 1890 hat das Zentrum in jeder Session seine Ar- beiterschntzanträge gestellt; aber immer vergebens! Erst 1891 kam das große Arbeiterschutz- gesetz zustande mit seinen riesigen Fortschritten. Einführung der Sl...,ttagsruhe, Verbot der Fab- ruVi-teit für schulpflichtige Kinder, Beschränkung o:r Arbeitszeit für jugendliche Arbeiter und für Arbeiterinnen. Schutz am Leben, Gesundheit und Sittlichkeit; Einführung der Arbeitsordnung, Schaffung von freiwilligen Arbeiterausschüssen I Das war der erste gr^'-e Schritt, ein großer Fortschritt, weil er mit iun falschen Prinzip brach, daß der Staat in diesen Fragen nichts zu sagen habe. 1891 erklärten die Nationalliberalen, daß jetzt eine Ruhepause eintreten niüsse, schon nach dem ersten Anlauf. Aber das Zentrum arbeitete ununterbrochen weiter und stellte 1896 den Antrag auf den 10% Stundentag für alle Fabrikarbeiter, 1903 auf den 10 Stundentag; leider fanden diese Anträge keine Annahme. 1903 kam daS große Kinderschutzgesetz, mit feinen Verboten und Elnschreitnngen (Getreidemühlen, Bäckereien, Schriftsetzern, Blei- und Glasbctrieben usw.) find ausgedehnte Schutzverordnungen erlassen worden!
Das Gebiet des Arbeiterrechts wurde vom Zentrum ebenso' sorgfältig bearbeitet; hatte es schon 1891 sich gegen jede Einschränkung der Koalitionsfreiheit ausgesprochen, so bertoatf es 1899 die Zuchthausvorlv"? einmütig und seither ist den Scharfmachern die Luft nach solchen Gesetzen vergangen. Hier hat das Zentrum sich gewiß als eine Partei des Rechts bewiesen! Die gesetzliche Anerkennung der Berussvereine fordert es seit 1892 ununterbrochen und leider entsprach der 1906 borgelegte Entwurf gar nicht feinen Wünschen. Auch die Arbeitskammern hat cs seit 10 Jahren immer und im.....r wieder gefordert; fal
len die Reichstagswahlcn „gut" in unserem Sinne aus, so niüssen diese kommen, siegen die Liberalen, so ist es damit schlecht bestellt. Die Einführung von Gewerbegerichten fordert das Zentrum schon im Antrag Graf Galen (1877), erreichte sie aber erst 1890. Ihr Nutzen wird heute b0n jedem Arbeiter anerkannt, aber die Sozialdemokraten haben dagegen gestimmt.
Fü ■ das Krankenbersicherungsgesetz von 1883 und das Unfallbersicherungsgesetz von 1884 ist das Zentrum einstimmig eingetreten. Was dre Jnbalidenbersicherung angeht, so hat das Zentrum zwar aus wicktiaen praktischen und grundsätzlichen Bedenken betreffend die jetzige Fassung, Aus- dehnung und Organisation beinahe vollzählig gegen daS Alters- und Jnvaliditätsversicherungs- gefetz von 1889 gestimmt, hat aber trotzdem damals schon eine Reihe von wesentlichen Verbesserungen durchgesetzt. Eine gesetzliche Invalidenversicherung für die Industriearbeiter bat ?s von Anfang an ger sert und erstrebt. Ebenso hat es seine Bereitwilligkeit, auch an einer weiteren Verbesserung mitzuarbeiten, bei der Reform des Jrbalidenbersicherunasgesetzes im Jahre 1899 in bollem Maße betätigt. Die wichtigen V.-rbüse- rnngen: Erhöhung der Renten, Verkürzung der Wartezeit, Gewährung der Jnvalidenren»? schon nach 26 Wachen der Erwerbsnnfähip^it, Erleichterung der Rentenbewerbung usw. w'iren atme die
„Heute", erzählte Stephan eines Tages, „ward mir eine große Freude. Ich bekam die Nachricht, daß mein in Alexandrien am Typhus erkrankter und zurückgelossener Diener wieder gesund ist und demnächst wieder feinen Dienst bei mir antritt. Ich bermißte ihn sehr, er ist äußerst tüchtig. Vor 1% Jahren engagierte ich ihn in Frankreich. Es ist "der gewandteste Bursche, den ich je kennen, lernte. Früher y n er Jockey und ist unglücklül gestürzt. Deshalb ist fein linkes Auge, auu, di Figur, etwas verunstaltet. Na, Tu wirst ihn ja bald feben, Helma. Er wird sich Dir, wie er es bei mir getan, unentbehrlich machen."
Als Hclma's Fuß ganz geheilt, drängte die Mutter zur Heimkehr nach dem deutschen Vater- lande. Takno-toi wünschte sich den Damen anzn- schließen, aber Frau Turnow sprach den Wunsch aus: er möge noch so lange in Kairo verweilen, bis sie ihn zu sich rief. Es war die unbestimmte Sorge um ihren Gatten, dessen Briese in letzter Zeit immer ernster, kurzer und eigentümlicher gelautet batten, die sie zu der Bitte bewog.
„Ich werde natürlich so handeln wie Deine Mutter es wünscht", sprach Taknostoi zu Helma, „obschon ich sie darin nicht verstehen kann. Es ist mir entsetzlich, mich von Dir, wenn auch nur für kurze Frist, trennen zu müssen. Leidest Du ebenso darunter?" Und er sah ihr so tief, so durchdringend und intensiv in die Augen, während der trotzige Mund unter dem dunklen Schnurrbart juckte, daß ein Zittern über ihren Körper rann.
„Wir wollen innig zu Gott beten, Stephan, daß er uns bald vereint. Nicht wahr, Geliebter, wirst auch beten, bitte."--
„Beten--ich soll beten?" e rlachie kurz
auf. „Ja, ja, wenn Du es willst, Du mein Schutzengel, dann--ja," und er zog sie in seine
Arme.
(Fortsetzung folgt.)
eifrige Mitarbeit und kluge Taktik des Zentrums aum erreicht worden.
Dasselbe gilt auch von der B-rdefserung der Unfallversicherung im Jahre 1900, non denen wir als die wichtigsten nur nennen wollen, daß die Vorteile der Unfallversicherung nunmehr vielen Arbeitern (z. B. Schlossern, «Schreinern, Schneidern, Metzgern usw.) zuteil werden, di- bisher davon ausgeschlossen waren, daß die Rettenbe- rechnung und Rentenauszahlung für die Arbeiter günstiger geregelt, die Rentenbewerbung cben- alls erleichtert ist, die Unfallverhütungsborfchris- ten berschärst usw. Eine Reform der Krankenversicherung forderte das Zentrum zuletzt noch anfangs 1903. Auch hierbei wird es die Inter- essen der Arbeiter bestens zu wahren wißen; da- ür bürgt seine ganze sozialpolitische Vergangen- >eit. Nicht zu Vergessen ist schließlich, daß das Zentrum sochn mehrmals eine Witwen- und Wai- enversicherung im Anschluß an die Jnvalidenver- icherung beantragt hat. Bei der Beschlußfassung iber das Zickltarifgesetz (1902) hat es den ver- imndeten Regierungen die Verpflichtung auferlegt, spätestens bis zum Jahre 1910 eine gesetzliche Witwen- und Waisenversicherung einzusüh- reu.
Und welches ist der Nutzen dieser Versicherungen für die Arbeiter? Dafür sollen hier nur ein joar Zahlen reden. Zur Krankenverfichenung tragen bekanntlich die Arbeitgeber ein Drittel der Beiträge bei, zur Invalidenversicherung die Hälfte und die Kosten der Unfallbersicherung tragen die Arbeitgeber allein. Im einzigen Jahre 1902 z. B. sind aufgewendet worden aus der UnfnDber- icherung für 834 566 Personen 107 205 573 M, aus der Jnvalidenbersickierung für etwa 1100 000 Personen etwa 121 000 000 <M, aus der Kranken» Versicherung für etwa 4 800 000 Erkrankte etwa 206 000 000 <#., insgesamt für rund 6 735 000 Personen etwa 434 Mill. M. Von dieser Summe ind etwa 41 400 000 M vom Reiche und 210 000 000 oft von den Arbeitgebern, also rund 182 000 000 von den Versicherten und 252 000 000 von anderer Seite aufgebracht worden. Im Jahre 1885 betnrnen diese Unter« stützunaen insgesamt erst 1 500 000 ein winziger Betrag geaenüber den fetzigen Leistungen der Arbeiterverstcherung. Für die Zwecke der gesamten Arbeiterbersicherung kommen heute in Deutschland täglich mehr als 1% Mill. -ur Verwendung.
So hat sich das Zentrum auf allen Gebieten der Arbeiterfiirforge glänzend bewährt es kann nicht nur auf Anträge Hinweisen, es hat auch Resultate zu verzeichnen, weil es eben praktische Politik treibt! Arbeiter, werbet für eure Partei, für ein starkes Zentrum, das euch die Weiterführung der Sozialreform garantiert!
vie Sozialdemokraten
n.
Das Schlimmste aber ist, daß die
Sozialdemokratie die Partei der Gottesseinde und Kirchenstürmer ist.
„Es ist nicht möglich, Sozialist zu fein, wenn man sich zu einer Religion bekennt. Wer nicht aus seinem Privatleben jede Spur von Religion wegräumt, hat Nicht das Recht, sich auf die Sozialdemokratie zu berufen. Sicher sind die Fälle selten, daß streitende Sozialisten sich so weit vergessen, daß sie an der Schande der Religions- Übungen teilnehmen; dennoch werden solche gefunden", sagte dieser Tage das Hauptblatt der belgischen Sozialdemokraten.
Auf dem Parteitag in Halle erklärte man es als selbstverständlich, daß der richtige Sozialdemokrat keine Religion habe.
„Wir erstreben auf dem Gebiete, welches man das religiöse nennt, den Atheismus (Gottlosigkeit), so lieh sich Bebel im Reichstag am 31. Dezember 1888 vernehmen und bei anderer Gelegenheit (3. Februar 1893).
„Wir sind gegen alle Autoritäten, gegen die himmlischen, wie gegen die irdischen."
„Wir haben gar keinen Anlaß, ein Hehl daraus zu machen, daß die Sozialdemokratie der Kirche — ob katholisch oder evangelisch — feindlich gegenübersteht und daß wir unsere Forderungen mit besonderer Entschiedenheit deshalb stellen, weil wir wissen, daß wir damit die Macht der Kirche brechen werden", sagt Genosse Tw. Erdmann in den Sozialistischen Monatsheften 1905 1. Bd. 516.
„Ich bin der Meinung, daß der Religions« unterricht aus der Schule entfernt werden muß. . Ich würde am liebsten sagen: Heraus mit jeder Religion aus der Schule." Genosse Dr. Erdmann (Köln), Redakteur der „Rhein. Zeitg.", auf dem Parteitag der soziald. Partei Preußens (1904), Protokoll 49, 50.)
„Wir Sozialdemokraten müssen uns aber an die Spitze des Kampfes um die Schule mit der Forderung stellen, fort mit der Religion aus der Schule." (Lebh. Beifall.) (Genosse Dr. Arons auf dem Parteitag für Preußen 1904. Prot. 42.)
Alle sozialdemokratischen Häuvter sind wütende Gottesleugner, und ihre Schriften strotzen von
«slästerungen. Die schönsten und erhaben- Zehren der Religion werden offen verhöhnt icherlich gemacht. Bebel meint, er überlasse
Himmel den Engeln und den Spatzen (Die Frau S. 424) und ein sozialdemokratisches Blatt schrieb:
„Der Teufel ist die einzige anständige Person in der ganzen christlichen Kirche. Größere Halunken als das Lumpengesindel, was sich Erzväter usw. nennt, hat die Sonne nie beschienen."
Natürlich sprechen die Sozialistenapostel ihr kurioses Evangelium nicht so offen ans, wenn sie zu gläubigen Christen kommen. Sie würden ia riskieren, etwas rascher als sie wünschten, an die frische Lust gesetzt zu werden. Deshalb haben sie den heuchlerischen «Satz erfunden: „Religion ist Privatfache." Es ist zur Täuschung der Gimpel bestimmt, die gern Sozialdemokraten werden und doch noch etwas Religion behalten möchten. Dieser Satz ist, wenn man die wahren Gesinnungen und Absichten der Sozialdemokratie sich vor Augen hält, ebenso schlau, als ob du jemanden alle Nahrungsmittel raubtest und ihm dann ge- mütlidj erklärst, ob er verhungere ober nicht, sei seine Privatsache. , ,
Ein Sozialdemokrat kann kein gläubiger Christ mehr bleiben. Der richtige Sozialdemokrat muß dem affmächtiaen Gott aufkünden. Er darf an keine unsterbliche Seele, an keine Ewigkeit mehr glauben. Es ist nichts mehr als ein zivilisierter Asse. Sollte je ein schweres Unglück über ihn hereinbrechen, fo gibt c? für ihn fr'nen
I Trost mehr, als eine Kugel buraj bei*. Kopf. Wer all' das ein ficht und boch noch Sozialdemokrat werden will, der verdient reichlich das „Glück", bas ihm zuteil werben wirb.
* Sozialdemokraten als Arbeitgeber.
Aus einer kürzlich erschienenen Schrift über die Lohn- und Arbettsverhältniffe in den sozialdemok. Konsumvereinen entnimmt daS .Vaterland' folgende Mitteilungen, die zwar nicht ganz neu, aber in dieser Zusammenstellung doch recht inte» refsant sind: „Von den 1417 Lagerhaltern haben gegen 67 eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 bis 50 Stunden. Für 388 Lagerhalter in 62 Vereinen betrügt die Arbeitszeit 51 bis 60, für 600 in 175 Vereinen 61 bis 70, für 286 in 161 Vereinen 71 bis 80, für 75 in 53 Vereinen 81 bis 90 und für einige Lagerhalter 96 Stunden wöchentlich. Noch ungünstiger sind die Ver- hältnisie bei den weiblichen Angestellten, die als Verkäuferinnen beschäftigt werden. — Außer- ordentlich kärglich sind ferner die Löhne: 13 Lagerhalter haben ein Anfangsgehalt von weniger als 50 Mark monatlich. Für einen bleibt sogar daS Höchstgehalt unter 50 Mark. Für 340 Lagerhalter beträgt das Mindestgehalt und sür 42 das Höchstgehalt 50 bis 99 Mark, ffir 495 ist daS Mindestgehalt und sür 127 das Höchstgehalt 100 bis 124 Mark. Bis zu mehr als 200 Mark bringen es 22 Lagerhalter; 5 fangen mit mehr an, doch wird nicht gesagt, wie weit es über 200 Mark hinausgeht. Lagerhallerinnen bringen eS nicht so hoch. Von 3tt »6 beziehen 2228 ein Monatsgehalt unter 50 Mark. Das Höchstgehalt für Verkäuferinnen liegt zwischen 50 und 75 Mark monatlich. Auch bei den Löhnen der Arbeiter und Arbeiterinnen finden sich 68 Personen mit einem Mochenlohn bis zu 9 Mark, 275 mit 9 biS 12 Mark, 71 mit 12 bis 15 Mark und 112 Personen mit 15 biS zu 18 Mark wöchentlich. Der Höchfllohn beträgt bei 14 Personen 9 bis 12 Mark, bei 20 Personen 12 bis 15 Mark. Den vom Zen- tralvorstand der Konsumv.reine beschlofienen A chtuhrladenschluß haben von 774 in der Statistik ausgeführten Genofienschafien ganze 275 durchgeführt !“ ES wird namentlich im Hinblick auf die ReichstagSwahl von großem stutzen sein, diesen Zahlen weiteste Verbreitung zu geben, da. mit die Arbeiter erkennen, daß die „Profit» macherei" in den sozialdemokratischen Betrieben mindestens so groß ist, wie anderwärts. Wo die Sozialdemokraten selbst die Herren spielen können, sind sie immer die schlimmsten Paschas!
Ausland.
* Ein Beschluß der österreichischen Delegation kann für die Zukunst von Wichtigkeit werden. Es wurde beschlossen, daß künstig auch die österreichischen Minister, nicht nur die gemeinsamen Minister, eventuell die Pflicht haben sollten, vor den Delegationen zu erscheinen. Der Beschluß wurde gesoßt, obschon der Minister des Aeußeren dem enlgegenhielt, es tönne da- i durch der Eindruck hervorgerufen werden, als genügten die gemeiniamen Minister nicht oder I nicht mehr zur Ausfüllung des ihnen vorn Ge» setze zugewiesenen Wirkungskreises.
* Zu ernsten Arbeiter-Ausschreitungen kam es in den letzten Tagen m den Orten Swarow und Haratitz des tschechischen Glasindu- strie-Gebretes. Die Krawalle richteten sich geaen zwei außerhalb des Kartells stehende Fir- men, die unter dem Kartellpreise arbeiteten. Die beiden Fabriken wurden gestürmt und die Warenvorräte vernichtet. Die Fabrik-Inhaber wurden tätlich bedroht. Die Arbeiter leisteten den Gendarmen offenen Widerstand; es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
* Eine französische Bischofskonferenz ist in Paris Dienstag zuiammengetreten. Von 85 Mitgliedern des französischen Episkopates wohnten 78 der Versammlung bei. Sechs Bischöfe haben sich wegen Krankheit entschuldigen lassen. Die Konferenz wurde vormittags */»ll Uhr eröffnet. Hunderte von Zuschauern wohnten der Auffahrt der Prälaten bei, die achtzig an Zahl sind. Nach Absingung von veni creator in der Kapelle begann die Versammlung unter dem Vorsitze des Kardinal-Erzbischos- Secot ihre Arbeit, indem sie sich in Kommissionen teilte. Nur an den Nachmittagen werden Plenar- sitzungen abgehalten werden. Die Versammlung der Bischöfe sandte dem Papst telegraphisch die Versicherung ihrer Treue und ihres Gehorsams.
* Aus Rußland. In einem Handschreiben an den Ministerpräsidenten Stolipin gedenkt der Kaiser zunächst deS Zeitpunkte« der Er- nennung des Ministerpräsidenten, dem die schwere Aufgabe zugesallen fei, die durch revolutionäre Umtriebe gestörte öffentliche Ordnung wieder- herzustellen. Im Laufe von 51/» Monaten habe es das Kabinett Stolipin verstanden, — fährt der Kaiser fort — durch sein energisches Auftreten eine deutliche Besserung hinsichtlich der öffentlichen Ordnung herbeizuführen, trotz des tollkühnen Auftretens der Revolutionäre und wiederholter Uebeltaten zu dem Zwecke, die regierenden Kreise in Verwirrung zu fetzen. Der Kaiser erwähnt sodann dir Gesetzentwürfe, die das Ministerium für die Tagung der Duma vorbereitet, und die Maßnahmen, die von ihm als unumgänglich nötig noch vor dem Zusammentritt der Duma verwirklicht worden feien. Der Kaiser spricht sodann dem Ministerpräsidenten Stolipin und dem gesamten Ministerium feinen Dank aus und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß nach dem bevorstehenden Anfang der Tagung der Duma und des ReichSrats da« von Stolipin geleitete Ministerium dieselben Dienste zur Aus- sührung der kaiserlichen Pläne leisten werde, wie bisher.
* Deutschland und Amerika. Die .Franks. Ztg/ meldet aus New-Bork: Laut.Journal of Cammerce' opponieren die Senatoren, besonders der sehr einflußreiche Senator Aldrich gegen den Pl?« hesond erer Zugeständnisse an
Deutschland, welche die Zollkommission en8 psehlen wird. Präsident Roosevelt droht milde» Einberufung einer (fjrtrakffion.
vermischtes.
* St. Etienne, 13. Jan. 1907. Ein Wc « der elektrischen Straßenbahn mit 30 Fahr- gasten ent gleiftt an einer Weiche und schlug umj 2 Personen wurden getötet, 2u Personen verwundet. )
• Kleine Nachrichten. Roth (Rhön.) Ern Großfeuer äscherte 7 gefüllte Scheunen und 5 Firste ein. Vermutlich liegt Brandstiftung vor. — Diedenhofen. Der Gemeinderat hat beschlossen, einen städtischen Fleifchver- kauf einzuführen, falls die Metzger die hohen Fleischpreife nicht herabfetzen. — Salzburg. Die letzte Verwandte Mozarts, die 80jährige Rrichskreiin Genofefa Barchold, ist in Sonnenburg gestorben. Ihr Großvater väterlicher Seite war mit der Schwester Mozarts, Mariane, verheiratet. — Harn. Die „Nordhäuser Ztg." meldet: Auf dem hiesigen Schacht bet' Nordhäufer Kaliwerke wurde heute, durch einen herabfallenden Stein der Schachthauer VogelausUthlebenso unglücklich am Hin- terkopfe getroffen, daß ein Schädelbruch eintrat, an dessen Folgen der Verunglückte nach einer Stunde starb. — Zeitz . Der elfjährige Gymna- fialfchüler Tille ist im Hofe des Gymnasiums in eine Abortgrube gestürzt und darin umgekommen. Es war nicht mehr möglich, ihn ins Leben zurückzurufen, als man ihn herausae- schastt hatte. — H a l l e a. S. Durch die morsch« Eisdecke des Dorfteiches in Paupitsch brachen 12 Schulkinder ein. Zwei Kinder ertranken. —< Berlin. Die Kölner Strafkammer verurteilt« den Konditor Wershoven, der beim Zubereiten von Berliner Pfannkuchen, die Pfeitz rauchend, in siedendes Kochöl spuckte, zu 200 Geldstrafe. Der Angeklagte erklärte, er habe dadurch immer konstatiert, ob das Oel den nötigen Hitzegrad besitze.
* Tie Besatzung eines Ozeanriefe». Der Kapd ton eines großen Ozeanrenners ist ein kleiner König in feinem Reich. Der Herrscher auf dem Schnelldampfer „Kronprinzessin Cecilie" beS Norddeutschen Lloyd gebietet über ein Heer von 679 Köpsen, davon sind 24 Offiziere, Aerzte, Zahlmeister und Postbeamte, 61 Maschinisten, Elektriker, Kesselschmiede und Schmierer, 291 Oberheizer, Heizer und Kohlen^ieher, 229 Sttlvants, Stewardessen, Zwischendeckswärter, 33 Aittwäscher und Pantryleute, 33 Köche, Bäcker, Schlachter, Konditoren, 9 Barbiere, Friseure, Buchhändler, Gepäckmeister, Marconibeamte, 59 Steuer-, Bootsund Zimmerleute, Gegelmacher, Matrosen und Lampenwärter.
* Die Dachluke. Mutter Flint verlangt vor ihren Kindern unbedingten Gehorsam. Eines Nach mittags erhebt sich ein Sturm, und sie schickt ihren Sohn John nach oben, um die zum flachen Dach führende Ärke zu schließen. — „Ja, aber Mutter —" „John, mach die Luke zu— „Gut, Mutter, wenn du es sagst, aber —"--„John!" — John stieg
langsam nach oben und schloß die Luke. Der Nachmittag schritt vor, und draußen heulte und wütete der Sturm. Zwei Stunden später versammelte sich die Familie zum Tee, und als das Mahl halb mr über war, hatte sich Tante Mary, die bei Mutter Flint wohnte, immer noch nicht eingestellt. Mutter Flint stellte nun Erkundigungen an, brauchte aber nicht viele Fragen zu stellen, beim John beantwortete gleich die erste: „Die ist auf dem Dache, Mutter" . . .
* Ein Sohn der Zeit. „Was sängst Du an, wenn Du fertig bist mit dem Studieren?" — „O, ich taffe meinen Vater noch einige Jahr« arbeiten, dann setze ich mich zur Ruhe und werde Rentier!"
♦ Beim Wett genommen. „Werner, hast du vielleicht ein Zehnmarkstück, das du nicht brauchst^ — „Gewiß, hier ist eins." Den Tag darauf: „Werner, weift du auch, daß das ein falsches Zehnmarkstück war, das du mir gestern gegeben hast — „Aber , natürlich, Du wolltest doch eins haben, bai ich nicht brauche."
* Vorsichtig. Bauer (zum Nachbarn, der Wittwer ist): „Warum hast denn Deine Wirt- fchastccin, die doch so gut war, weggeschickt?" — Nachbar: „Dö hat so großartige Knövel kocht, daß i' immer Angst hatte... ich könnt sie «mal heiraten!"
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Stadt Fulda und den umliegende» Kreisen.