Crtoehrt tlflltb, wtt aimetjet »er $m» un6Stiettiigt. Oiertd* jährt. Bezugspreis ohne Bringerlobu und Be«ellgeidin5«Idaun» auswärts l HU 50 Pffl.
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M 13.
Fulda, Mittwoch den 16. Januar 1907.
34. Jahrgang.
Zweites MLcttt.
Auf zur Wahl.
Der Abg. Spahn hielt in Bonn vor Lausenden eine große Rede über die bevorstehende Wahl; am Schluß sagte er:
Im Wahlkampf haben wir Feinde ringsum; wir fechten allein. Gegen uns sind nicht nur alle Parteien, Aufrufe haben gegen uns erlasten der Evangelische Bund, die Altdeutschen, die Kriegec- vereinr, der Flottenverrin, die deutschen Studentenvereine. Haben wir Anlaß, furchtsam zu sein ’ Vom Dom des heiligen Adalbert in Frauenburg bis zu Aachens Kaiserdom, von den Marschen der Nordsee bis zur Zugspitze, von der Wesermündung bis zum Oberlaufe des Rheins und vom Rheine bis zur Donau hat die Zentrumspartei über das ganze Deutsche Reich verstreut ihre Wahlkreise; sie ist die Vertreterin aller Stämme und Stände des deutschen Vaterlandes. Sie hat in üppigem Grün Kraft und Frische noch in den jüngsten Tagen gezeigt, indem sie in Württemberg bei den Wahlen zwei neue Sitze gewann und die stä rk st e Partei im Landtag wurde. Soll dieser gewaltige Stamm von dem neuen Ansturm zerbersten, zerrinnen wie ein nebeliges Luftgebilde! O nein Den losen Funken wirbelt die Windsbraut zur Feuersbrunst auf. Das sollen die sich merken, die in die Asche blasen. Zwar versichert die „Nordd. Allgem. Ztg", daß niemand an einen Kulturkampf und an eine Aenderung des Wahlgesetzes denke. Aber niemand beherrscht die Geister, die in diesem Wahlkampf tvachgerufen werden. Sie zurückzurufen, fehlt das Zauberwort, wenn sie das Reich überfluten. Noch besteht ber Kanzel- paragravh, noch gilt der 8 1 des Jesuitengesetzes, noch muffen unsere Kinder in den Auslandsunter, richt zu den Sacrr Coeur-Schwastern geschickt werden, weil der Bundesrat antiquierte Bekanntmachungen nicht aufhebt. Und das Beispiel Frank- reichs erscheint vielen von denen, die gegen uns zum Wahlkampfe aufgetreten sind, geradezu verlockend.
Der Gegner gemeinsamer Angriffe hämmerte uns zusammen und stählt unseren Mut. Und der Mut wird den Sieg gebären. Die von unseren Gegnern anaeblasene Flamme des Kulturkampfes wird in allen unseren Parteimitgliedern das Feuer der Begeisterung für unser Programm und unsere Sache auflohen. In allen unseren Wahl- kreisen wollen wir siegen. Und wenn unsere Stammsitze behauptet sind, dann muß unsere Standarte in neuen Wahlkreisen aufgepflanzt werden.
Brausend wie der Sturm und der schwellende Strom in der Frsihlingsnachkeit muß unsere Woblbewegung über das Deutsche Reich dabin- zieben und das Ende des Kampfes muß den Gegnern zeigen, daß die Mauern unseres Turmes lückenlos dastehen.
Das Wort gebt in der Runde, klingt wider nah und weit,
Deutschland beißt die Parole, die Losung: Zentrum gedeiht.
Das ist die große Parade im hannoverschen Feld, Die in der zwölften Stunde der tote Windthorst hält!
Wir geben einem für das Deutsche Reich ernsten, entscheidungsvollen Jahr entgegen. Möge jedes Zentrumsmitglied seine Pflicht tun!
In Munster fand eine gewaltige Versammlung statt, in der die Begeisternng einen Givfel erreichte, den der bedächtige Sohn der roten Erde nicht gar zu häufig besteigt.
Freiherr von Hertling protestierte unter lautem Beifall gegen die Behauptung „nationaler" Gegner, das Zentrum marschiere unter schwarz
roter Flagge. Wenn aber zwischen schwarz und rot ein weißer Streifen gelegt werde, so stimme es.
Auch er sieht am Horizont einen neuen Kul- turkampf aufsteigen. Der Haß gegen den Katholizismus beherrsche den ganzen Wahlkampf.
„Haben wir es nicht gleich nach der Auflösung des Reichstages erleben müssen, wie nun mi einem Male überall der Ruf erscholl: Nun ist die Herrschaft der Römlinge zu Ende, nun hört es auf, daß auf dem deutschen Reichstage die „schwarze" Fahne weht?"
Aber, m. H.l Wer weiß, was kommt, wenn die Regierung in Zukunst sich auf den Liberalis- mus stützen will und muß — weil sie sich angeblich nicht mehr auf das „unbequeme" Zentrum stützen kann — dann wird der Liberalismus, tote er schon dargetan hat, seine Gegenrechnung stellen. Dann wird er wünschen, daß gewisse Interessen, die ihm sehr am Herzen liegen, von der Regierung ausgeführt, befriedigt werden.
Die ganze jungliberale Gesellschaft hat gar keinen Zweifel darüber gekästen, daß ihr der Kulturkampf sehr am Herren liegt, daß sie nicht nur die „Herrschafts"Partei — von einer Herrschaft des Zentrums im eigentlichen Sinne kann gar nicht die Rede fein — die ausschlaggebende Stellung des Zentrums im Reichstag beseitigt sehen möchte, sondern ihr am liebsten wäre, wenn alles Kirchliche, — um nicht zu sagen alle Religion und Christentum — beseitigt würden.
Die Liberalen sehen sich noch einem Block um, für den der französische Block ein Vorbild ist; ein Block, in dem sich rechts und links stehende Liberale alle zuletzt vereinigen — in der Abneigung gegen das positive Christentum. Wenn ein solcher Block zustande käme, so können wir uns denken, waS die Folge wäre: Dann würde es für die Maßvollen unendlich schwierig fein. Wider- stand zu leisten; die Herren beständen auf ihrem Schein und würden als Gegenleistung für die be der Regierung dargebotenen Dienste einen neuen Kulturkampf verlangen, einen Kulturkamvf, das können Sie mir glauben, ganz anderer Art als der frühere; einen Kulturkampf, der zeigen würde, in wie bedenklicher, geradezu entsetzlicher Weise in den letzten dreißig Jahren in unserem deutschen Volle die Abwendung vom Christentum Fortschritte gemacht hat. Wir brauchen uns nur diese Gefahren ernsthaft vor Augen zu führen, um der ganzen Wichtigkeit der Situation uns bewuft zu werden. Es ist schon einmal der Kulturkampf an der Entschlostenheft des katholischen Volkes gescheitert, ich zweifle nicht daran, daß es auch bas nächstemal geschehen würde; aber bauen wir rechtzeitig vor, seien wir rechtzeitig da, zeigen wir, daß wir uns nicht einschüchtern lassen, daß wir dir Vorwürfe von der antinationalen, kulturfeindlichen Partei auf ihren Grund hinein durchschauen, stehen wir nach wie vor zu unserem bewährten Programm, halten wir das alte Banner des Zentrums hoch und ich zweifle nicht: auch dieser Kampf wird vorübergeben, auch diese Katastrophe,wird siegreich bestanden werden. Denn nur der ist verloren, der sich selbst verloren gibt, und daß das katholische Volk in Deutschland sich noch lange nicht verloren gibt, das werden wir am 35. Januar, so Gott will, erleben!
In Köln war der Andrang zu einer großen Versammlung so groß, daß eine Paralellver- sammlung abgehalten werden mußte.
Abg. Grober trat auf und kennzeichnete die ernste Lage. Zum Schluß besprach er kurz die Frage, was seht kommen werde. Das Programm der Regierung werde sein: Reue Steuern, neue Schulden, soviel der Bundesrat will. Itnb dazu komme das Programm der Blockparteien, das nicht ohne Einfluß auf die Regierung bleiben kann, und der Erfolg wird fein: Eine maßlose Kolonialvolitik, Aenderung der Verfassung, vor
allem des Wahlrechts und ein neuer Kulturkampf Vor 25 Jahren, als der Kulturkampf kam, war die Lage nicht viel anders als heute. Wie man jetzt im Abgeordnetenhause gegen eine Franziskanrrniederlassung in Schlesien vorging, so begann es auch 1871 mit dem Angriff auf ein Kloster in Moabit. Gröber schloß seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede: „Wir wollen eine Kolonialpolitik und Weltpolitik auf christ- kicher Grundlage, sonst machen wir sie nicht mit, eine Heimatpolitik gegründet auf soziale Gerechtigkeit, gegründet auf bürgerliche, soziale und religiöse Freiheft. Wir wollen eine Volksvertretung und keine Bedientenstube im Reichstag."
Unsere Leser sehen aus diesen Auslassungen unserer Führer, wie ernst die Lage und wie wichtig und entscheidend die bevorstehende Wahl ist. Darum tue jeder seine Pflicht, nicht nur, indem er wählt, sondern auch schon in der Agitation für die alte Parole: Für Wahrheit, Freiheit und Recht."
Die Sojialreform steht aus dem Spiele.
Für die Sache der sozialen Reform ist die Auflösung des Reichstages ein harter Schlag gewesen. Was alles in den Kommissionen in sozialpolitischer Hinsicht geschaffen worden ist, der weitere Ausbau bezw. die Vereinheitlichung der Ar- beiterversicherungS-Gesetzgebung, die Regelung der Heimarbeit, die Frage der Arbeitskammer, Maßnahmen zum Schuhe des gewerblichen Mfttelstan- des re., alles ist ins Wtffer gefallen.
Der hauptsächlichste parlamentarische Trager der sozialen Reform ist bisher die Zentrnmspartei gewesen. Freund und Feind haben das wiederholt anerkannt! Mit großem Geschick hat sie auch in anderen Parte,en Jnter- effe für die soziale Reform zu wecken gewußt und Mitarbeiter an derselben hier gewonnen. Vor allem hat sie aber die Regierung Schritt vor Schritt auf der Bahn sozialpolitischer Arbeit für alle Stünde vorwärtSgeschoben und die Regierung hat manchen Wünschen des Zentrums Rechnung tragen müssen. DaS alles kann sich aber ändern, wenn daS Zentrum nicht in der alten Stärke in den Reichstag zurückkehrt. Bei den anderen Parteien, den Nationalliberalen z. B., vor allem aber bet den Konservativen und den Freisinnigen, ist das sozialpolttische Feuer recht schwach, wenn nicht ganz erloschen. Nur die Rückkehr deS Zentrums in der alten Stärke kann eine gewiffe Gewähr dafür bieten, daß der sozialpolitische Karren doch nicht ganz zum Stillstand kommt. Die Wähler sollen das nicht vergessen!
Den sozialpolitischen Forlschritt kann aber auch ein sozialpolitischer Rüchchritt ablösen! Vor allem für den
Mittelstand.
Freisinn und Nationalliberalismus akS Vertreter der Industrie und des BörseutumS, sind niemals Freunde einer intensiven Mittelstands- Politik gewesen. Ihrer ganzen Statur nach waren sie dafür nicht geschaffen. So ruhte denn auch hier die Hauptsorge auf den Schultern der Zen- trumSpattei. Gewinnen die liberalen Parteien im Parlamente die Oberhand, dann ist es mit einer gesunden Mittelstandspolitik für alle Zeit dahin, und die Wünsche, die unter der Mithilfe )eS Zentrums zu erfüllen wären, bleiben eben fromme Wünsche. Den Scharfmachern ist jegliche Sozialreform ein Dorn im Auge. Um io
Von E. Lidwin.
4] (Nachdruck verboten.)
„Aber den Schutzengel sehe ich nicht," antwortete Taknostoi, „ich möchte einen sichtbaren Schutzengel zur Seite haben, der mein recht wildes Gemüt beschwichtigt, meinen o»geerbte« Jähzorn fänftigt. Werde ich je solchen finden?"
Er blickte tief in Helma's goldbraune Augen, bann ergriff er ihre Hand und küßte sie.
Helma und Taknostoi schwiegen bann und die Gräfin führte die Unterhaltung gewandt und geistreich eine Weile allein.
2)ie eigentümlich gespannte und veränderte Miene des Mgnnes glättete sich und bald blitzte dre sonstige Kühnheit und Lebenslust in seinen Blicken. Auf Fran von Trrrnow's Bitte ging er an den Flügel und fang mit kräftiger, wenn auch wenig geschulter Stimme. Die schwermütigen russischen, die leidenschastlük>en italienischen, schwermütigen deutschen und leichten französischen Weisen, er kannte sie alle und trug sie ausgezeichnet vor.
So floß den beiden junge» Menschen das Leben hin, wie ein glücklicher, sonniger Traum.
Immer sehnsüchtiger erwartete Helma Tak- nostoi's Kommen, immer heftiger schlug chr Herz, wenn sie ihn sah, und länger und fester hielt er tbre $anb in der seinen. So verflogen Wochen. , ?™to war wieder gesund und wuchs ho', und rraftbou auf. ^Rührende Anhänglichkeit empfand er für feinen Kettet. Er erwartete sein Kommen und empfing ihn mit den toll- Fertn. '^fenbenfbrungen. Er verstand, wenn Helma
."Taknostoi kommt.» Aus der behaglichsten Z"be konnte sie ihn durch die Worte erwecken. SÄS b‘e Ohren di« Augen glänzten und er toGr bom Fenster nicht »fortzubringen.
Die Damen verabredeten mit Taknostoi eine Fahrt nach Fastat, dieser Dorstadt Kairo's, in der sich die sieben großen viereckigen Türme befinden, in denen, wir die Bibel erzählt, Joseph von Aegypten daS Korn aufbrwabrte tn den „sieben fetten Jahren", denen die „sieben mageren» folgen sollten. Auch bot dort der Lustort Schüben und daS herrliche Schloß viel Sehenswertes.
Glücklich fuhr bie Gesellschaft in leichtem, offenem Wagen dahin. Stephan lenkte selbst die Pferde, und Helma saß neben ihm. — Wie schien ihnen die Welt so voll von Glück und sonniger Freude.
Die Kornspeicher Joseph's waren besichtigt und >ie beiden jungen Leute durchwandelten die Silagen des Lustgartens. Frau von Turnow war, >a sie sich ermüdet fühlte, im Hotel zurückgeblieben. Helma zeigte sich froh wie ein Kind, die herrliche Umgebung entzückte sie. Stephan sprach wenig, aber sein glückliches Gesicht verriet, daß dies Alleinsein mft der Geliebten ihn beseligte.
Um zum Schloß zu gelangen, schlug er vor, einen kürzeren, ihm bekannten Fußpfad zu nehmen. Aber er täuscht sich in der Richtung, denn nach einer Weile endet der Weg am Ufer eines Grabens, der mit Wasser gefüllt ist. Für ihn wäre es leicht, hinüber zu springen, doch er schlägt vor:
„Sollen wir umkehren, oder — darf ich Sie hinüberttagen?"
„Nichts von Beiden," entgegnet sie heiter, und im selben Moment toagt sie selbst den Sprung.
Aber o weh! Sie sprang zu kurz und liegt nun da, mit dem Oberkörper auf dem jenseitigen Ifer, mit den Füßen im Bache.
Direkt ist er an ihrer Seite, hebt sie auf und ragt sie auf den angrenzenden Rasen.
Er sicht belustigt in ihr bestürztes Gesichtchen, >as halb weint, halb lacht. — Doch ohne zu spot- en, väterlich besorgt streicht er über ihr wirres Saar und sagt:
«Nun heißt es aber: schnell zum Gasthaus gehen und sich umkleiden, damit Sie sich nicht erkälten, Sie urrbefonneneS Fräulein.»
„Ach ja, schnell gehen", klagt sie, „könnte ich das! Doch mein Fuß schmerzt so sehr, daß ich kaum stehen kann."
Da, ohne zu fragen und zu bitten, hebt et die leichte Mädchengestalt auf feine Arme und tritt den Heimweg an Helma fügt sich, ohne ein Wort zu reden. Als er nun ganz energisch befehlt: „Legen Sie den Arm um meinen Hals, ich trage Sie dann leichter", folgt sie gehorsam.
Seine Augen leuchten vor Glück und Mutwil- en. Plötzlich lacht er auf und spricht:
„So geht es unvernünftigen Kindern, sie fallen und man trägt sie, was sie vordem nicht er« auben wollten."
Sie antwortet nichts. Ihr Herz schlägt zu ehr.
Nach einer Weile beginnt er:
„Da schreitet nun Paul mit Dirginie, nur mit dem Unterschiede, daß diese malerisch gefiel- >et waren und wir nach der neuesten Mode, und raß wir — —"
Er stockt, als er sie nun anschaut, denn ihre Augen schwimmen in Tränen und ihr Mund bebt.
„Leiden Sie Schmerzen?" fragt er betroffen, „oder ärgern Sie meine Scherze?"
Sie gibt keine Antwort. Und als er nun ieht, daß Helle Träne» über ihre Wangen rinnen, >a verläßt ihn jede Selbstbeherrschung. Die Liebe zu dem schönen Mädchen, die er schon lange in ich trägt, bricht jubelnd hervor. Er drückt sie an )ie Brust und ruft:
„O weine nicht, weine rlicht, mein Lieb, mein alles! Ich liebe Dich namenlos, unsäglich. — Werde mein, mein geliebtes, vergöttertes Weib. Sieh, so wie jetzt will ich Dich durchs Leben tragen. Du Herzlieb. Antworte mir — hast Du mich lieb — lieb —? O, sag es — schnell!"
Da schlingt sie die Arme eng um seinen Hals, schmiegt ihre Wange an seine und flüstert etwas
ungenierter würbe bann auf Kosten vornehmlich deS kleinen Mannes dafür die
Steuerschraube
angezogen werden, während das Zentrum stets aus sozialpolitischen Gründen bestrebt gewesen ist und es auch, soweit fein Einfluß reichte, durchgejetzt hat, daß für die notwendigen Ausgaben in erster Linie die leistungsfähigen Schultem herangezogen wurden.
Die Frage, ob die Sozialreform in Zukunft weiter fortgesühtt werden soll oder nicht, hat aber auch nach einer ganz anderen Richtung hin eine besondere Bedeutung. Die innere Ruhe im Reich und die Geschlossenheit des Vaterlandes nach außen hin beruht vor allem auf der durch eine vernünftige Sozialreform betriebenen
ansgleichenden Berföhnnngsarbeit und ber badurch günstig beeinflußen erträglichen sozialen Lage ber einzelnen Stände.
Mögen diejenigen sich namentlich das merken, welche glauben, durch eine Wahlrechtsver- schlechterung ungestraft ein gefährliches Spiel treiben zu können. Die unbedingte
Wahrung der Bolksrechte
und eine zielbewußte, auf die Zufrievenheft aller Stände hin arbeitende Sozialresorm sind für des Baterlandes Ruhe und Wohlfahrt das beste Unterpfand.
Mit der Parole: Für Fortführung der Sozialresorm führt die Zentrumspartei den Wahlkampf, und alle Angehörige deS Mittelstandes fallen darum nur
dem Zentrum
ihre Stimme geben.
von großem Interesse
und sehr lehrreich für jeden ReichstaaSwähler, besonders der Angehörigen des Mittelstandes, ist die Anerkennung, welche die soziale Tätigkeit des Zentrums bet Gegnern gefunden hat. Auf dem 16. evangelisch-sozialen Kongreß, der im Juni 1905 in Hannover tagte, stellte Professor Dr. Sievek ing-Marburg dem Zentrum folgendes schöne und intereffante Zeugnis auS:
„Beschämend ist es, zugestehen zu müffeu, daß der stärkste Hort der sozialen Be- strebungen bas Zentrum ist. Daburch hat bas Zentrum seine Stärke unb Ausbreitung erhalten. Evangelische Männer stehen zögernb abseits. Männer wie Stöcker unb v. Bobelschwingh haben nur mehr geringen Einfluß im Parlament. Die Konservativen haben im Abgeorbnetenhaufe und noch mehr im BundeSrate eine geradezu klägliche Stellung gegenüber dem Berg« abeitergesetz eingenommen. Auch die nationalliberale Partei hat sich al« arbeiterfeindlich erwiesen."
Diese Ausführungen sanden viel Beifall, ebenso die Erklärung bei Professor» Adoli Wagner in Berlin:
„Er könne sich dem Bedauern nur anschtjeßen» daß die herrschenden Kreise die sozialen Auf- gaben unserer Zett nicht verstehen, und daß die evangelische Kirche und ihre Vertreter der großen sozialen Bewegung gegenüber im allgemeinen vornehm ablehnend gegenübersteheil. Anders da» Verhalten der weisen katholischen Kirche. Katholische Geistliche werden auf
in sein Ohr.--Doch nicht dieses versteht es,
aber das Herz. Jauchzend hebt er Helma's Ge- statt tn die Höhe, schließt sie dann Wieder eng an st« und küßt ihre roten Lippen, ohne, daß sie ti Wehren kann.
®o Wandern sie hin durch die herrliche Natur, die Warme, Würzige Luft, zwei glückselige, hoffnungsvolle Menschenkinder.
Bei der Mutter angelangt, machen sie diese zur Vertrauten ihrer jungen Liebe. „Gott segne Euch, meine lieben, lieben Kinder!" spricht sie. „Taknostoi, sie ist mein einziges Kind, mein alle», machen Sie sie glücklich." — „Mein Schwur darauf!" sagte er feierlich und küßt ihre Hand.
Die folgenden Tage waren voll von Wonne, obschon Helma das Ruhebett nicht verlaßen durfte. Stundenlang saß Stephan neben ihr. Er laS ihr vor, erzählte oder fang. Da lehrte er sie auch das russische Lied:
Wozu mein langes Haar mir dann.
Wenn ich kein Band drin flechten kann?
Und nichts entzückte ihn mehr, als wenn sie ihm den Schlußvers vorsang:
„Wozu sind mir die Gedanken mein?--
Zu denken, Geliebter, allimmerda dein I —" Nie mehr lag auf seinem schönen, stolzen Ge- fcht der gespannte, düstere Alisdruck von früher, übermütig, ja verwegen war seine Laune.
Frau von Turnow hatte die Werbung Takno- toi's um Helma's Hand ihrem Gatten mitgeteilt. Er antwortete bald darauf, daß die Erkundignn- gen, die er über den Grafen beim deutschen Kon- ul in Petersburg eingezogen, äußerst zufrieden- tellend ausgefallen wären. Aber er schien wenig Freude über die Mitteilung seiner Gattin zu empfinden und sein Brief in gedrückter, ernster Stimmung geschrieben zu sein.
Das trübte das Glück Frau von Turnow'», aber fie verschwieg ihre Sorge dem jungen Paare.