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34. Jalirqanq.

Fulda, Dienstag den 15. Januar 1907.

M 12.

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Reklamen- und Anzeigenteil

Zur Wahlbewegung.

An die Frauen.

)•( „Zauberkünstler Dernburg".

Die „Posener Neuesten Nachrichten", ein frei- sinniges Blatt, schreiben:

„Meine Herren? Ich erlaube mir, mich Ihnen als moderner Zauberkünstler vorzu­stellen. Ich werde vor Ihren Augen Sand in Gold verwandeln und werde auf dem Hin- tergrunde dieser Bühne eine Fata Morgan« er­scheinen lassen. Ein bißchen Geduld (Sie brau­chen nicht alles zu glauben, was Sie sehen und hö­ren) aber — Geschwindigkeit ist keine Hexerei! Nach meinem Auftreten halte ich mich den geehr­ten Herrschaften auf das beste rekommandiert."

So ungefähr konnten die nngesprochenen Ein­gangsworte der Rede lauten, welche der stellver­tretende Kolonialdirektor Dernburg in Berlin vor der von Prof. Schmoller veranstal­teten Versammlung von Künstlern und Gelehrten hielt. Was er dort den „Hütern der Kultur un­serer Nation" erzählte, zeugt von einer P h a n- tasie,dieeinenJulesVerneinSchat- ten stellt und an Mark Twain erinnern würde, wenn das Groteske der Dernburgschen Be­hauptungen einen bewußt komischen Eindruck hätte machen sollen.

Aber Dernburg wahrte den Ernst, und ohne mit der Wimper zu zucken, schilderte er Südwest­afrika als ein Dorado, das nur „die Kanoniere der Kolonialskandale" in Grund und Boden schös­sen. „Schon jetzt (so erzählt er) ist eine Anzahl von zweiten Söhnen besser gestellter Landwirte teils unterwegs, teils bereit, nach Südwestafrika und in andere unserer Kolonien auszuwandern." Glückliche Jugend, die der beflügelte Kiel des Dampfschiffes in bessere Welten trägt, wenn — diese zweite Garnitur sich die nötige Zeit zur Reise läßt.

Es ist das beneidenswerte Los großer Männer, ihrer Zeit einige Jahrtausende voraus zu sein. Auch der Scheinwerfer der Dernburgschen Vor­stellungskraft wirft auf Jahrhunderte seine erhellende Strahlen vorauf. Dann ist Südwestafrika ein Paradies:

Es verschwanden die wilden und gefährlichen Tiere: es verschwanden die nicht zähmbaren Nutz- tiere, die ihres Elfenbeins, ihres Felles usw. we­gen erlegt wurden, und es traten an ihre Stelle andere Nutztirre, die importiert werden. Tic Flora hat sich geändert. Der Urwald ist teils aus- gerodet, teils forstmäßig verwaltet, die Dschun­geln sind durch Bahnen und Straßen durchbro­chen. Aus Gründen der Schiffahrt und der Hy­giene sind Masierläufe korrigiert. Dann kommen neue und bis dahin unbekannte Pflanzen, wie der Kaffee, die Baumwolle, der Sisalhanf und der Gummibaum.

Herr Dernburg rechnet seinen Zuhörern vor, wie hoch das deutsche Nationalvermögen in den 22 Jahren unserer Kolonialpolitik gestiegen ist. und wie gering im Verhältnis hierzu die kolonia- len Ausgaben gewesen sind. Auch die jährlichen Spareinlagen des deutschen Volkes stehen zu die­sen Ausgaben in keinem Verhältnis. Nur 80 pro Jahr bei einem Einkommen von 1000 Jt, und die Ausgaben sind gedeckt. Wer sollte nicht „gern und freudig dieses kleine Opfer bringen? Herr Dernburg vergißt, daß es neben Deutsch- Südweftafrika eine große Anzahl ande­rer Altäre gibt, auf denen der Deut- sche seine Scherflein niederlegen muß, und daß wir nicht sparen, um ein paar Herero „konsumfähig" zu machen, sondern um für die Tage des eigenen Alters Subsistenzmittel zu erübrigen. Der stellvertretende Kolonialdirektor hält freilich Südwestafrika für die sicherste sämt­licher Kolonien in materieller und klimatischer Beziehung, die wir Deutschen besitzen, ungeachtet der wirklich hohen Meinung, die er auch von dem Rest unseres kolonialen Besitzes hat. Warum? Weil der Renommierfarmer dort unten ein reicher Mann geworden ist. Wir möchten hier im Stile der „Nordd. Allg. Ztg." fragen: Und die vielen anderen, die um Hab und Leben kamen, zählen die nicht mit? Eine Frage, die wirkungslos vor dem Ohre Dern- burgS verhallen würde, denn sein o p t i m i st i - scher Frohsinn stellt auch die kühnsten Er­wartungen in den Schatten. Er greift wieder zu dem Pinsel eines Watteau, wenn er nach Auf­zählung der Millionen von Rindern, Wollschafen und Angoraziegen, die — „auf ähnlich großen Terrttorien ähnlicher Gestaltung" vorhanden sind, den ehrfurchtsvoll lauschenden Zuhörern erzählt:

Fortwährend werden neue Gewächse entdeckt in der ganzen Welt und erfolgreiche Versuche für ihre Anpflanzung in Südwestafrika gemacht, um diesen anscheinend so unertragsfähigen Boden mit hochwertige Produkte liefernden Pflanzen zu besetzen. Eine vor mehreren Jahren verloren ge­gangene Kiste getrockneter Datteln, die auf den Weg gefallen war, zeigt dem erstaunten Wanderer jetzt drei Meter hohe Dattelbäume, die schon an- fangen, Früchte zu tragen.

Arbeit müde nach Hause kommen, dann sollen die Frauen ihm da» Neueste erzählen und mit ihm besprechen und am Wahltag sollen sie dafür sorgen, daß kein Mann aus Trägheit oder Be­quemlichkeit zu Hause bleibt. Da hat der alte Windthorst immer den Frauen ans Herz gelegt, die Frau müsse den Mann, die Schwester den Br uber, die Braut den Bräutigam zur Ausübung des Wahlrechts energisch anireiben. Diesmal, wo so viel für uns aus dem Spiel stehl, ist die Beherzigung dieser Mahnung ganz besonders nölig. Von den Frauen unierer Vorfahren, den alten Germanen,erzählt man, sie hasten sich besonders dann, wenn das Sch lachten glück zweifelhaft gewesen, mit ihren Kindern ihren Männern entgegengeworsen, um sie mit neuem Mut und neuer Ausdauer zu erfüllen. Eine Wahl ist auch ein Kampf, man spricht ja von Wahlkampf, von der Wahlichlacht. Möchten alle unsere Frauen ihren tapferen germanischen Vor- fahren gleichen und die Männer antreiben, mit dem Zentrumswahlzettel in derHand ihrer katholischen Uebrrzeugung Ausdruck zu geben. Das Zentrum ist in Gefahr, von aller Seiten berennen die Feinde den festen Turm und wollen ihn zum Fall bringen, da wüsten auch die Frauen ihre Schuldigkeit tun. Kathol. Frauen und Jungfrauen! denkt daran am 25. Januar, drückt den Männern den Wahlzettel des Zentrums in die Hand, ihr erweist damit der Kirche und dem Vaterland den größten Dienst.

* Helf, was helfen mag. Wahrend sich in den Armeekorps, mit denen der Kampf gegen „Schwarze" und „Rote" geführt werden sollte, die bedenklichsten Anzeichen von Mangel an Dis­ziplin zeigen — eines nach dem anderen macht Miene, auf die Verbündeten loszuschlagen — sammeln sich um daS von Exzellenz Dernburg vorangetragene Reichsbanner kleine Fähnlein. Da ist z. B. der Flottenverein, der zwar kein politischer Verein ist, aber durch fein Präsidium „mit Vorsicht anzubringende Anlei- tun gen " gibt, bezw.Wahlipeck auslegt. Auch fein- zelne Kriegervereine haben ihre Statuten die jede Politik verbieten, vergessen und rühren die „nationale" Trommel für das von andert­halb hundert Holtentotten angebliche bedrohte Vaterland. — Dann kommt der Evangelische Bund, der felbstredend die Reichslagswähler nur zu frommen evangelischen Christen macken will, deren erste Verpflichtung ist: Liebe den National- liberalen und 2. wähle ihn. Und schließlich fehlen sogar die Kinder nicht in dem „heiligen Krieg" gegen das Zentrum. Es liegt nämlich eine An spräche an die Jugend" vom Großherzog von Baden vor, die am 18. Januar in den Volks­schulen des Großherzogtums Baden neriefen wer­den soll. Darin heißt es u. a.: .'.li>ir müssen für die Erhaltung und Befestigung der Mackt des Deutsä-en Reiches besorgt und stets bereit sein, dafür jedes Opfer zu bringen." Diese Auslastung des Großherzogs wird auch in „nationalen" Blättern als eine Kundgebung füe- die Wahlen angesehen. Unter diesem Gesichts­winkel wird sie kaum ohne entschiedenen Wider­spruch hingenommen werden. Heu e wünschen die Liberalen auch ihren Babies das Wahlrecht.

* Wie man im Ausland über Deutschlands' Kolonialpolittk dentl. Der italiennche Diplo­mat Vico Mantegazza schreibt im Mailänder ,Sortiere della Sera': „Die deutsche Regierung, vom Fürsten Bülow angefangen, muß überzeugt fein, daß die Verwaltung der Kolonien vollständig geändert werden muß, und daß diese Aende« rungen sich aber nicht darauf beschränken dürfen, ein neues Amt zu schaffen, oder dem Kolonial­restort ein anderes Gesicht zu geben, sondern eine ganz andere Richtung einzu­schlagen. In diesem Augenblick kann niemand darüber im Zweifel sein." Das Zentrum ist schon lange derselben Ansicht.

halten es mit dem alten Dichterworte: „Politisch Lied ein garstig Lied"; sie sagen, die Frau ae- höre ins Haus, dort wüste sie bleiben, dort habe sie genug zu tun. Die Anderen sagen: Die Frau „muß heraus ins feindliche geben", sie sei dem Manne in allen Punkten gleichgestellt und habe im öffentlichen Leben dieselben Ausgaben zu lösen und durchzufübten wie der Mann.

Die Wahrheit liegt wie immer in her Mitte. Es ist grundfalsch und führt zur Auflösung aller Familienbande, der Frau dieselbe Stellirng an­zuweisen wie dem Manne, es soll ihr aber auch nicht alle Wirksamkeit, die sich in die Oeffentlich- keit hinein erstreckt, benommen sein. Der Frauen Einfluß ist sogar recht bedeutungsvoll, und wenn er sich auch nicht tn dec Oeffentlichkeit voll- zieht, so doch für das öffentlich« Leben. Der Frauen Aufgabe besteht vor allem darin, den Kindern eine Mutter und Erzieherin, dem Manne eine ratende Gefährtin zu fein. In dem großen Rahmen dieser Tätigkeit liegt demgemäß der Frauen Arbeit und Wirksamkeit für das öffentliche Leben. Damit ist die Frage, ob die Frau auch bezüglich

der Reichrtagrwahl

eine bestimmte Stellung einzunehmen habe, eigentlich schon beantwortet und zwar in zu­stimmendem Sinne. Die Frau kann nicht mit dem Wahlzettel in der Hand zur Wahlurne eilen, aber sie muß sich orientieren und sich soviel Kenntniffe bezüglich der Wahl verschaffen, daß sie sich selbst ein Urteil bilden kann, darum soll sie jetzt besonders nicht nur in der Zeitung oder im Sonntagsblatt die „Erzählung" und das Vermischte lesen, sondern auch die Wahlartikel. Und wenn da Männer und Söhne von der

Man braucht also nur eine alte Kiste mit noch älteren ausgetrockneten Früchten irgendwo auf den Weg zu legen und findet nach ein paar Jahren eine stattliche Obstplantage wieder.

Es werden Versuche gemacht mit einem mexi­kanischen Gummistrauch, der Guayoule, und mit einem stachellosen Kaktus, der nahezu überall in den Kolonien gedeihen würde. Die Tabakanpflan- zungen gedeihen ganz ausgezeichneten den Fluß- täleru. Mais und Bohnen, Weizen, Gerbstoffe, Baumwolle und Wein können in großen Mengen angesetzt werden.

Wer bisher noch im Zweifel lag, wo der ©or­ten Eden eigentlich lag, wird jetzt hoffentlich eines besseren belehrt sein.

Sogar der K u n st werden sich in den Kolonien ganz neue Gebiete erschließen. Und kommen sehen wir angesichts solcher Prophetie den Tag, da die Puppenallee in Berlin hinsinkt und in verbessecter und vermehrter Auflage die Eisenbahn von Lü- deritzbucht nach Keetmanshoop als stummer Etap- penposten bewacht. In jedem Wigwam ein Eber- lein, in den Hütten der Häuptlinge je ein Lieber­mann.

Lieber Mann, so könnte man angesickts seiner Rede Herrn Dernburg fragen, wollen wir nicht ein wenig ernster werden in „er nft er 8e i t"? Was Herr Dernbnrg er- zählt, ist ein Gemisch von Realität und Phantas­men, die bei einem Laien pastieren mögen, in dem Munde des Verantwortlichen Leiters unserer Ko- lonie aber bestenfalls als Ironie Wert besitzen. Daß die Ausführungen Dernburgs nicht scherz­haft-ironisch gemeint waren, das ist das Betrübende an seiner Rede.

„Die Freisinnigen", so bemerken die „Posener Reuest. Nachrichten" zum Schluß, „haben die letz­ten kolonialen Forderungen der Regierung unter­stützt als Forderungen der praktischen, auf die nächsten Ziele gerichteten Politik. Sie werden ihrer Anschauung treu bleiben, und sollte Herr Dernburg auch vor dem Deutschen Handelstage und in anderen Versammlungen seine I l l u s i on der unbegrenzten Möglichkeiten in Südwestafrika vorführen. Wir lehnen es aber ab, Herrn Dernburg auf die schwankende Brücke seiner Zukunftswechsel zu fol­gen und bedauern, daß das sicherlich klare Urteil des ehemaligen Bankdirektors sich in der neuen Exzellenz zu verschwommenen Begrif- f e n gewandelt hat. Früher hatte die Sozialdemo, hatte, jetzt hat das Zentrum ein Schweine- glück, denn eine bessere Waffe int Kampfe für ihre Anschauungen konnte der Heerbann des Herrn Spahn nicht finden, als die Vorführung des Zauberkünstlers Dernburg.

Sollen sich auch die Frauen öffentlichen Leben beteiligen? Die Einen

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[j .Lkchl iinu Einigkeit nnd Freiheit fite hü deutsche Merlund."

, Wo ist Recht, wo Einigkeit und wo die gol­dene Freiheit? So kann man angesichts des gegen­wärtigen politifchen Kampfes, der unser liebes deutsches Vaterland durchzieht, fragem Seit jenem Tage, an dem der Reichskanzler Bürst Bü­low das mehr als gefährliche Experiment der Reichstagsauflösung wagte, ist Recht und Frei­heit in den deutfchen Landen vogelfrei erklärt. Feindlicher denn je steht man sich heute gegen­über. Und wem gilt diese leidenschaftliche Feind- K Etwa den Umstürzlern, Feinden von und Altar? O nein, nur allein dem Zen­trum, der politischen Vertretung des katho­lischen Volksteiles, der katholischen Volks­vertretung, der katholischen Kirche gilt der gange Hatz. Anfangs zwar suchte man das zu leugnen und zu vertuschen, heute aber ist dieser „Kampf gegen die Römlinge" in der ganzen geg­nerischen Preste zum offenen Geheimnis gewor­den. „Wie Rußland schütteln auch wir alle Ketten ab. Wie Frankreich jagen auch wir die Pfaffenherr­schaft aus den warmen Nestern." — „Schon glüht im Osten das Morgenrot eines neuen Tages." — So erklingen überall die Jubelhymnen jene» Parteien, die sich in überhebendem Gefühle allein al- „k ö n i g s t r e u" und „n a t i o n a l" bezeich­nen. Dabei sind es biefeiben traurigen Gestalten, die im gleichen Atemzug mit der Königstreue auch die Parole ausgeben: „Lieber rot, als schi. r rz". O diese Heuchler und Vaterlandsverräter, hie in threm blinden Hasse gegen die katholische Kirche kein Mittel unversucht lasten, den ZentrumZturin Fi! sprengen, um dann —, das wird der zweite Akt des Trauerspieles sein — das Volk zu cnr- rechten und der katholischen Kirche die Freiheit tu rauben. „Warum?" so fragt aus dein „na- ionalen" Lager heraus Maximilian Harden suet- tisch: „Warum muhtet ihr Euch den ganzen Heer- bann der katholischen Kirche auf den Hals hetzen.? Um das Zentrum zu vernichten? Könnt ihr feine Schwäckmlg auch nur wünschen? Und wenn die geschlagene Katholikenpartei in schroffe Opposition gedrnägt wird, was bleibt euch dann? Wer be­willigt euch dann die notwendigen Gesetze? Habt ihr bedacht, wie ihr in eurem Kanossa stundet? Dieses ganze Wintermärchen dünkt mir zum Heulen komisch, die Auflösung politischer Ver­nunft." „Nie", so fährt Harden fort, zog mich Neigung zum Zentrum. Oft habe ich Schmäle- rung seiner Macht gewünscht. Niemals freilich auch geglaubt, der Papst herrsche in Deutschland. DaS Zentrum ist lang st eine Solls- Partei. . . . Hier geht's umS Reich. Fast ohne Ausnahme halten alle ernsthaften Politiker die Auflösung des Reichstags für die Tat blinder von Privatwünschen geblendeter Ha st, auch unter den Regie­renden die e r n st h a f t e st e n." Ja, Harden hat Recht: „Das Zentrum stt längst eine Volks- Partei geworden" und getrost konnte es den in blinder Wut hingeschleuderten Fehdehandschuh tapfer und unerschrocken aufgreifen. Die Flam­men der Begeisterung in den Reihen des Zen­trums schlagen hoch auf und mutig ist es in den aufgedrungenen Kampf gezogen, für die heilig- sten Güter deS Volkes: Wahrheit, Freiheit, Recht! Katholisches Volk, wache auf! Dir allein gilt der Kampf. Rechtlos und mundtot will man dich machen. Deine Einigkeit sucht man zu sprengen, indem man dir Königstreue und nationale Gesinnung abspricht. Wo aber soll Kaiser und Reich noch einen Rückhalt gegen die der Monarchie seindselig gesinnte, stettg an­wachsende Sozialdemokratte von unten und gegen die Ausbeuter des Reiches und die Volks­rechte unterdrückenden, des Reiches Herrlichkeit untergrabenden „Nationalen" von oben fin­den, wenn nicht im Zentrum, der feste- sten Säule unter allen staatstreuen Parteien. Zentrum wählen ist gleichbedeu­tend mit königstreu sein bis auf die Knochen! — Die Freiheit wollen sie dir, katholisches Volk, verkümmern durch Täuschungen und Wohlbeein- flussungen aller Art. Auch in unserem Wahlkreise fehlt es an solchen Beeinflussungen, besonders in Beamtenkresten, nicht. Lasten wir uns nicht be­irren. Noch haben wir daS allgemeine, geheime, direfte Wahlrecht, sorgen wir dafür, datz es uns erhalten bleibt. Unser Reichstagsabgeordneter Herr Richckrd Müller wird stets für dieses Wahlrecht eintreten. Tuen aber auch wir unsere Schuldigkett. Treten wir bis auf den letzten Mann zur Wahlurne und geben wir unsere Stimme dem Kandidaten des Zentrums, Herrn Richard Müller. Dann können wir guten Mutes in die Zukunft schauen und zur vollen Wahrheit wird sich dann entfalten:

„Recht und Einigkeit und Freiheit, Für das deutsche Vaterland!"

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