Heimen katholisch. (Gelächter). Weiter beschwerte er sich über die unfreundliche Behandlung, die den sozialdemokratischen Agitatoren allenthalben auf dem Lande zuteil werde. Nach dieser Rede verließen sehr Viele den Saal. Noch mehr war dies der Fall während den nochlol- genden Ausführungen deS Kandidaten Göller anS Frankfurt. Er sprach über die vom Zentrum herausgegebenen Flugblätter, was er dagegen voibrachte, war aber äußerst schwach und nicht durchschlagend, sodaß er mehrmals Widerspruch erfuhr. Im klebrigen waren die Ausführungen gespickt mit Ausfällen gegen unseren Reichs- lagsabgeordneten Müller, die Geistlichkeit und di« .Fuldaer Zeitung".
△ Die gestern zu Künzell abgehaltenr Versammlung der Zenlrumswähler wurde em 7*5 Uhr eröffnet und war von zirka 300 Personen de- sucht. Herr Pfarrer Wrder-Florenderg gab em- leitend eine Ueberficht über die durch die Reichs, taqsauflöiung geschaffene Lage und schloß im Hinweis aus den demnächstigen Geburtstag des Kaisers mit einem Hoch auf den Landesherrn. Herr Stadtverordneter Reith-Fulda behandelte das Thema: Kolonialpolitik und Kolonialskandal«. Der folgende Redner H«rr Hosenfeld-Fulda sprach über die Tätigkeit d«S Zentrums in Wahrung der Interessen der verschiedenen Berufsstände aus dem Boden der ausglrichendrn Gerechtigkeit. Er empfahl die Wiederwahl des Herrn Richard Müller als eines hervorragenden Parlamentariers und ließ ferne Worte in einem Hoch auf das Zentrum und Herrn Müller autklmgen. Herr Leitsch-Fulba rote« die Beschuldigungen zurück, welche die Gegner des Zentrums und besonders dis Sozialdemokraten gegen dasselbe vorbringen. In feinem Schlußwort sprach Herr Reith über die im Reiche auf den verschiedenen Gebieten herrschende Imparität. Herr Pfarrer Weber rekapituliert« noch kurz dos Vorqebracht« unb schloß gegen 7 Uhr di« Versammlung, welche einen begeisterten Verlauf nahm.
0 Wahlkreis Fulda -SerSfelb - Schlüchtern. In Großenlüder fand gestern nackm. 1 *4 Uhr eine von über 400 Wählern besuchte Wahlversammlung der Zentrumspartei statt, welche einen glänzenden Verlauf nahm und zeigte, welche grobe Begeistenmg diesmal in allen Volkskrrisen herrscht. Herr Richard Müller sprach über die Rcichstagsauf- lösung, die politische Lage, die Kartetlparleien und die Pflichte» der Zentrumswähler, weitere Ansprache« hielten Herr Pfarrer MalkmuS, Herr Dechant Zimmer und Herr Eattlermeister Atzerk aus Fuwa. Herr Karl Arn d aus Fulda sprach über die Notivendigleit, die katholische Presse bester zu unterstützen und alle glaubenslosen kulturkämpferischen Zeitungen zu verbannen. Die Versammlung schloß mit einem Hoch auf das Zentrum und der Gewißheit, daß alle kathotischen Wähler von Großenlüder. Ober- und Untfrdimbach, Müs, Eia,rnau am 25. Januar ohne Ausna hme Mann für Mann dem Zentnimskanv,baten ihre Stimme geben. — Abends 7 Uhr fand im kath. Männerverein zu Salzschlirf «in Vereinsabend statt, für welchen Herr Richard Müller seinen Besuch in Aussicht gestellt hatte. Der Vereinssaal war dis auf den letzten Platz gefüllt. Die Herren Piarrer K»el, Lehrer Thielemann fvrachen über die Pflichten des katholischen ManneS, Herr Richard Müller hielt einen Vortrag über di« wirtschaftliche Laue in den Kolonien, Herr Karl Arnd über die katholische Presse. — Die Zrntrums. w ä h l e r v e r i a m m l u n g für Salzichtirr findet Donnerstag den 17. Januar abends */v8 Uhr statt.
* Aus den» Wahlkreis Hanau-Gelnhaufen-Ord wird der „K. SB." geschrieben: „Das letzte Mal (1903) erhielt der Kandidat der vereinigten Konservativen, Nationalliberalcn und des Bundes der Landwirte, Herr Amtsrichter Dr. Lucas, 9762, der Zentrumskandidat 4814 Stimmen. Das Zen- trum hat^e lange Jahre keine eigenen Kandidaten ausgestellt, seine Organisation 1903 erst neu ge- schaffei' und sich als di« nach den Sozialdemokraten stärkste Partei erwiesen. Es gab 1903 in der Stichwahl seine 4814 Stimmen vollzählig für Dr. Lucas ab, der dadurch dos Mandat erlangte, fein Komitee ließ eine öffentliche Dankeserklärung an das Zentrum ergeben. Kurz darauf hielt Herr Dr. Lucas eine Rede gegen den „UltramontaniS» mus"k Für die bevorstehende Neuwahl stellten die drei vereinigten Parteien ihren Kandidaten auf, obne das Zentrum überhaupt zu fragen, ob ihm solcher genehm scr, und ersuchten nachträglich um Wahlhülfe wie 1903, zunächst durch Aufstellung eines eigenen Kandidaten, nm auf diese Weise Herrn Dr. Lucas in die Stichwahl zu Helsen und ihn dann später in derselben zu unterstützen. Tie Parteileitung überließ die Entscheidung den 80 Obmännern des Zentrumswahlvereins, die jedoch erklärten, weder Zeit, noch Geld an die Wahl des Herrn Dr. Lucas hängen zu wollen und deshalb Woblcnthaltnng beschlossen. Wenn der Nordd. Allg. Ztg. so viel an der Wahl des Natio- nalliberalen gelegen ist, so mag sie sich an die 7535 Wähler wenden, welche 1903 bereits Enthal-
Er lüstet den Hut und verbeugt sich. Darauf springt er vom Pferde und schlingt dessen Zügel um einen Pfosten. — Die kleineren Kinder stößt er zurück und Ergreift den großen Burschen am Rockkragen. Er hebt ihn hoch von, Boden, schüttelt ihn wie eine junge Kade und stößt ihn dann wieder auf die Füße, läßt die Reitpeitsche mehrmals durch die Luft sausen und spricht zu den Kindern so drohend, verächtlich und laut, daß sie ihn angstvoll anstarren und dann davonstürmen.
Nun beugt er sich zu dem wie tot daliegenden Hunde und streichelt ihn. Dieser ist wie gelahmt, nur das zeitweise Oeffnen der Augen zeigt, daß ft noch lebt.
Jetzt steht Helma neben dem Fremden. Sie kniet an Karo's Seite nieder und richtete seinen Kopf auf. „Me,n armes, armes Zierl" schluchzt sie- —
„Ach, mein Herr, wird er sterben? Ach, retten Sie ihn!" fährt sie vertranenSvoll fort.
Ein freundliches Lächeln geht über daS dunkle, schöne Gesicht des jungen Mannes, und er antwortet: „Ich hoffe, daS Opfer kindlicher Bosheit wird mit dem Leben davonkommrn.--Ich
werde ihn untersuchen. Wohin soll ich ihn tragen?"
Er befreit Karo von den Seilen, hebt ibn aus und folgt Helma zu ihrem Huose. — Dort lagert er ihn im Flur aus eine Bank und beginnt die Untersuchung. Helma legt selbstvergessen die Hand auf feinen Arm und forscht: „Wie steht es? Ist er verletzt? Muh er sterben?"
(Fortsetzuna folflij
hrtfl geübt haben; diese sind jedensalls kein« Zen- trumSwähler, weil die letzleren damals nahem vollzählig gewählt haben, in manchen Ortschaften bis zu 99 Prozent. Anscheinend hat das offiziöse Organ nur das Bedürfnis gehabt, sich om Zentrum zu reiben." Keine Stimme einem Na- tionalliberalen, das muß die Parole sein; die Liberalen haben dem Zentrum den Untergang geschworen, sie auch noch unterstützen, ihnen zum Siege verhelfen, das wäre die größte Torheit, die wir begeben könnten. Nur dir allergrößten Kälber wählen bekanntlich ihre Metzger selber. Ist jemand wohl io dumm, demjenigen, der ihn erschießen will, die Pistole dazu in die Hand zu geben?
O Hanau - Gelnhausen - Orb - vockenheim. Seitens der sog. „nationalen" Parteien sind mehrfach Verständigungsversuch« mit der Zen- trumsleitung gemacht worden. Diele konnten und können jedoch zu keinem Resultat führen, weil die „Rationalen" in allen Kreisen daraus auSgehen das Zentrum zu vernichten, anderseits aber Wahl hilf« von ihm verlangen. Es muß deshalb bei der Wahlenthaltung sein Bewenden haben.
— Eine nichtswürdige Verleumdung enthält das ,Rotendurger KreisdlatL in der politischen Rundschau, worin zu lesen ist:
„DaS ist umsomehr der Fall, als di« Zen- „trumsleitung die Wahlparole ausgegeben „bat, ihre Anhänger müßten bei Stich- „wählen zwischen Liberalen und Sozial- „demotraten für di« letzteren ihre Stimmen „avgeden.
Mit solchen unwahren Behauptungen wird nicht- gebessert, wohl aber jede später« Verständigung unmöglich gemacht.
• In dem benachbarten bayerischen Wahlkreis Neustadt-Bischofsheim hat das Zentrum den Gr- »rralmajor z. D. Häusler ausgestellt. Es ist ein braver Katholik und überzeugungstreuer Zentrumsmann. Als er Regimentskommandeur war, ließ er für sein Regiment eine hl. Mission halten und gab selber dabei bas beste Beispiel. Respekt vor einem solchen Mann. Die liberalen Zeitungen sind über diese Kandidatur natürlich nicht sehr erbaut; sie ärgern sich darüber, daß ein General, dem man „nationale" Gesinnung doch nicht absprechen kann, sich offen als Zentrumsmann bekennt; sie wollen Mir nicht „den Militärs ihr« politische Gesinnung vorschreiben, sind aber allerdings der Anschauung, baß das Reich, der Kaiser und die Bundesfürsten, wenn sie einmal in einem besonderen Falle an den Patriotismus der Nation appellieren, in allererster Linie von ihren Ossi- zier-n verlangen können, daß sie nicht als Führer an die Spitze der gegnerischen Gchlachtreihen sich stellen." Es wird wirklich immer schöner, also die Offiziere sollen blind mit der Regierung durch Dick und Dünn marschieren. Tas nennen die Liberalen dann „Freiheit der Wahl". Man verlangt den Maulkorb für alle, die nicht ins liberale Horn blasen. Ta möchten wir unS doch eine Frage erlauben: wo waren denn diese patentierten StaatSretter und Bauchkriecher vor der Regi». runfl, als in Baden bei der letzten Landtagswahl Beamte und pensionierte Offiziere zu Dutzenden und Hunderten offen für die Sozialdemokratie eintraten, die mit dem Liberalismus in der Stich, wohl sich verbündet hatte? Ach ja, wenn es sich um den Vorteil des Liberalismus handelt, dann ist alles, alles erlaubt, den Offizieren wie den Beamten. Wenn ober Beamte und Offiziere es wagen, daS Programm des Zentrums für richtig zu halten, dann schreit die ganze liberale Prelle na chder Knute und dem Polizeiknüppell Presse nach der Knute und dem Polizeiknüppell fpekt haben?"
* Im Wahlkreis« Fritzlar-Homberg-Ziegen- Hain kandidiert wieder der frühere Vertreter, der Deutsch-So,iale (Antisemit) Liebermann von Sonnenberg. Der Bund der Landwirte und die Konservativen unterstützen rhn. Die Liberalen haben den Lehrer Freudenstein alS Kandidaten ausgestellt, her jedoch nicht die aeringste Aussicht bat, gewählt zu werden. Die Sozialdemokraten stellen einen Zäklk mdidaten auf. Den ZentrnmSwählern (in Fritzlar undlln- qedanken) wird vom Wahlausschuß empfohlen, ihre ca. 4<)0 Stimmen auf Herrn Richard Müller-Fulda zu vereiniaen.
* Aus dem Wahlkreise Kassel wird der .Köln. Volksssg/ geschrieben: Die Wahlbeweaunq bleiet hier, soweit die logen, nationalen Parteien in Frage kommen, do- typische Bild ver Verwirrung. Dem bisherigen MandatSinhaber, AmlegerlchtSrat Lattmann-Schmalkalden (Antts.) stehen gegenüber LandeSrat Schröder (Raffel) als nationalliberaler, Hauptmann a D. SimonS (Rnfiel) alS Kandidat der deutschen Relormpartei, sowie der sich zur sreisinnigen Partei zählende, aber mcht von dieser aufaeftellte Schriftsteller Louis Wolff (Kciffel) und der Soztalist, Stadt- verordneter Hüttmann (Frankfurt). Letzterer erhielt 1903 14 532 Stimmen gegenüber Lüttmann, auf den 7772 Stimmen in der Haupt- wahl fielen, der Nationalliberale erhielt 7629 Stimmen: in der Stichwahl siegte Lattmann mit H'lfe der 783 Zent: umSftimmen: Lattmann 16 6-<6, Hüttmann (Soz.) 15 815 Stimmen. Wie man hört, hat das Zentrum für die Hauptwahl Stimmenthaltung beschlossen.
Deutscher «eich.
Berlin, 12. Januar 1907.
r. Im Hause der Abgeordneten bat sich di« Budgelkommission konstitmert. Vorsitzender ist der konservative Abg. Dr. Freiherr v. Erssa. seine Stellvertretung nimmt der Frei konservative Vrü t t wahr. Dom Zentrum gehören der Kommission an die Adgemdneten v. Hagen, Gras Praschma, Dr. v. Savigny und Wallenborn. Die Polen find durch den Abgeordneten ». JazdzewSki vertreten. Die Budgetkom- Mission hält vom 14. dis 19. Januar und vom 28. Januar dis 1. Februar Sitzungen ad.
r. Ten Rang abzulaufen sucht di« Reichs- regierunq den im preußischen Etat angekündigten GehaltSausdesserungensür dieBeamlen- schasl. In der Thronrede hat die preußische Regierung protzig damit getan, daß die finanzielle Lag« bei Fiskus außerordentlich günstig wäre und kündigte daraus einem Bruch
teil der Beamtenschaft eine Aufbesserung in den Gehaltsbezügen an. Die Reichsregierung beeilt sich nun, den in dieser Ankündigung liegenden Hinweis auf die Lage der Reichsfinanzen zu berichtigen, indem an leitender Stelle der ,9iorbb. Allg. Ztg/ verschiedene Versprechungen für die Zulunst den ReickSbeowlen nun eben» soll« gewacht werten. Den Wortlaut dieser Besserstellungen hat doS offiziöse Bureau schon bekannt gegeben. Die Anspielung auf die Aus- löiung des Reichstags läßt zu deutlich erkennen, daß man in der Eile, welche die Regierung nun einmal in Sachen der gehaltlichen Besserstellung der Reichsbeamten an den Tag legt, lediglich ein lei chl durchsichtiges Agitationsmanöver im gegen- wärligen Wahlkampfe zu erblicken hat. Damit sollen unzweifelhaft die zahlreichen Reichsbeamten, welche bisher von einer Aufbesserung in der gegenwärtigen Zeit der allgemeinen Verteuerung nicht» zu verspüren bekommen haben, aus die ©eite der nationalen Parteien herangezogen werden. Wir freuen un» mit den Beamten, wenn die offiziöse Ankündigung ihre Erfüllung findet, nur vermögen wir auch diesem Köder irgendwelche Anziehungskraft im Sinne der Regierung nicht zuzusprecden.
Der preußische Fiskus hat in feinem neuen Etat «ine glänzende Lage seiner finanziellen Berhältniffe erkennen lassen. Daneben ist aber auch die Staatsschuld de» Königreich» Preußen sehr ansehnlich. Sie stellt sich für da» Jahr 1907 auf 7 Milliarden 764 Millionen Mark. Die Verzinsung nimmt eine Summe von 264 Millionen jährlich in Anspruch, während die Geiarnttilgung einen Aufwand von 46V» Millionen erfordert. Daneben ist noch eine halbe Million zur Tilgung d«S Kaufpreises der Hib-rnia-Aklien nnd des Kalibergwerkes „Her- eynia" erforderlich.
* von „Erzbergers ZukunttStriiumen" faselt das berliner Tageblatt'. ES läßt fich melden, daß noch angeblichen Aenßerungen Erz- bergerS Herr R o e r e n Präsident und Erzberger selbst Vizepräsident des Reichstages werden soll, anderseits aber die„betdenBernhardS"verichwinden müßten. SS ist schon herrlich weit gekommen, wenn man mit derartigen Ammenmärchen bei seinen Lesern „Effekt" z» erzielen sucht. DaS heißt, die politisch« Naivität auf die höchste Potenz treiben.
.v Den „nationalen Katholizismus" hat di« ,Nordd. Allg. Ztg/ in ihr Hrrz geschlossen. 6ie geht auch in ihren „Rückblicken" damit hausieren, nachdem sie schon in den vorausgegangenen Nummern auS den Doppelkandida- luren in verschiedenen Wahlkreisen eine Spaltung in den Reihen des Zentrum« konstruiert hatte. Derartige Srtcheinungen find offenbar ein ganz besonderer Leckerbissen für das offiziöse Organ, geben ihm aber noch lange kein Recht zu der Behauptung, daß „die Riffe" im ZentrumSlurm sich immer sichtbarer zeigen. Es legt sich sogar die Behauptung bei, „daß «ine latente Opposition in der Partei schon lang« vorhanden war". AuS all' dielen Aeußerungen spricht z« deutlich die Verlegenheit, in welcher fich die Regierung anqefichtS der Verhältnisse im gegenwärtigen Wahlkampfe befindet. Es ist nicht daS erstemal, daß von gegnerischer Seite versucht wurde, durch Ausstellung sogenannter nationaler Kandidaturen Verwirrung in die Reihen der Zentrumswähler hineinzutragen. Dieses Beginnen hat fich aber in den meisten Fällen sofort gerächt und fo werden auch die hochgeschraubten Erwartungen der,Nordd. Allg. Ztg/, mit welcher sie ihr verlegener Gesicht zu verbergen sucht, nur da- bleiben, was fir sind: Seifenblasen und Eintagsfliegen.
r. von einer Beraubung des Wahlrechts on einem merklichen Teile der Reichstag-Wähler ist vor kurzem gemeldet worden. ES wurde nämlich berichtet, daß die preußische Militär- behörde eine größere Anzahl Reservisten, welche auS Berlin undOberschlesien stammen, zu einer Uebung einberufen hätte, welche erst nach dem Tage der Hauptwahlen ihren Schluß erreichen würde, sodaß also diese Leute ihre» Wahlrechtes verlustig gingen. Nunmehr wird offiziös darauf hingewiefen, daß für den Bereich der preußischen Militärverwaltung bereits vor einiger Zeit allgemein angemeldet worden ist, die Uebungen deS Beurlaubtenstandes so zu regeln, daß die UebungSpflichtigen sich an der bevorstehenden ReichstagSwahl unb etwa gen Stichwahlen beteiligen können." Ob diese allgemeine Anordnung der eigenen Jniliaiive der Militärbehörde ent« sprunaen ist, oder ob sie erst der Festnagelung durch die Presse ihre Entstehung verdankt, mag dahingestellt bleiben.
r. Die „bösen" Jesuiten haben doch überall ihre Hände im Spiele. Auch im jetzigen Wihl- kämpfe spielen sie eine Hauptrolle, sie find nicht mehr und nicht weniger als jene „obskure Elemente", aut deren Reichtümern das Zentrum fich feinen Kriegsschah holt. Feststehende Tatsache ist es, daß der Wahlbeilrag, welcher der .Köln. VolkSztg/ aus England zuging, von den Jesuiten stammt, weit „die Insel Wight nun seit der Wandlung der Dinge in Frankreich daß Hauptquartier der französischen Jesuiten geworden i|L* Also läßt sich da- .Berliner Tageblattt von einem Korrespondenten aus London „telegraphieren" und brühwarm lischt sie dies« N chricht einem leichtgläubigen Leserpublikum auf. Run muß es ja unter allen Umständen auch wahr seins
* Zu den Stichwahlen nimmt di« »Nordd. Allg. Ztg/ abermals Stellung. Eie macht die krampf Hai testen Anstrengungen, um di« Zentrums- Wählerschaft -der einmal auSgegebenen Parole abtrünnig zu machen, wenn diese Parole darauf hinauSläust, Wahlenthaltung zu Oben. DaS offiziöse Organ „möchte" gern bezweiseln, daß ein« derartig« Proklamation bet der Wählerschaft deS Zentrum- durchweg Ersolg finden würde. ES befleißigt sich aber auch, auS jeder Wahtent- Haltung daS Zentrum zum „Schleppenträger der Sozialdemokratie" zu stempeln. Dar ist nun einmal ein tägliches Vergnügen der .Nordd. Allg. Ztg.' geworden, in dem wir st« tum nicht mehr
stören wollen. BekehrungSversnche find ckhnehW erfolglos. Daß die Liberalen überall, m» dat Zentrum mit den Sozialdemokraten in Stichwahl kommt, fich als „Schleppenträgc - der Sozialdemokratie" freiwillig anbieten, schiel t der ,Nordd. Allg. Zta/ recht zu sein.
Ans dem La«dtage.
AbgurbmttNheM.
9. und 8. Sitzung »om 11. mtd II Qm. tw.
In bet Freitagssitzung werbe zunächst Wl frühere Präsidium wiedergewäklt and io#» wkt btt Beratung bei Etats begonnen.
Nachdem bet Fmanzmunfter «tne «rZssthettch» Begründung bet eingelne« Positionen bet •tat* gegeben hatte, vertagt fich das Hans ans Samstag
In der SamStagsitzunL Welcher bet Kultusminister von Etudt, der Flnanzruiulfter Frech« von Rheinbaden, bet Minister des Jnnmn Dr. von Bethmaun-Hollweg, b«r Minister Mr Handel unb Gewerbe Delbrück, der Justipnuuft« Dr. Beseler und der Minister der iffeulllchen Arbeiten Breitendach beiwohnten, wurde die allgemeine «•» sprechung bei Staatshaushalts«^ti fortgesetzt.
Aus der Rednerliste stauben »och siebe« ftamah
ES kam aber nicht so schlnum, wie es anssah. Das HauS nahm, nachdem zwei Abgeordnete nnd zwei Minister gesprochen, eine« Schluß««trag an und verwiei den Etat an bie Bndgetkonnnissto«. Der kommende Wahlkampf hat das Interesse ae dem preußischen Etat schnell erlahmen lasse« und ei waren nur noch neckst wenig« AbarorbnM zur Et«U«, bie fich -nm messt«» mit vr«fchreiben und mit anderen privaten Dingen beschäftigt«.
Abg. Winner (fr. VolkSp.) mußte bostzalb seine schöne Wahlrede nur für bie Tribünenbefnchee Hamen. Die Wahldiikussion bet »«cougegonaeue» Zage hatte übrigens den Redner ziemlich heißer «e««M, sodaß et zur allgemeinen Erleichterung scho« «ach einer Stunde Schluß machte. Inhaltlich bet ferne Rede eine Zusammenstellung bet freisinnigen Wünsche, wie sie hinreichend bekannt fhtb.
Der Ainan-mimster »erttibiat« fich geschickt wie immer gegen den Vorwurf, Thesamwrnngspolitik zu treiben unb suchte bie Verpflichtung bat Mwt« gebet zur Auikuustierteilung über bie Lobnoerhält- nisse bet Arbeiter baburch schmackhafter -« machen, baß et von ihr eine gerechtere «mb glachmamgere Heranziehung bet Arbeiter in Stabt unb Land zu b«r Besteuerung in Aussicht stellte. Vielleicht ist da« möglich, jedenfalls bringt bie neue »eftimmnna aber in daS Verhältnis -wischen Arveügeber und Arbeitnehmer ein aufrei-endei Moment, das beut sozialen Ausgleich durchaus nicht förderlich sein wirb.
Der Eistnbahnminifter machte noch einige tatsächlich« Angaben und -um Schluß kam noch b« Abg. Broemel -um Wort«, der aber überhaupt nicht mehr das Ohr des Hauses hatte.
G.gen 1'«Uhr vertagte sich bas Hans 818 zum 7. Februar.
Ausland.
♦ Mil ihren Unterseebooten hat die fron* zöstsche Marine ein gan» ungewöhnliche« Pech- Arn Freitag ist, wie schon gemeldet, em Anter- seeboot im Dock von Cderbomg g-sunken, mtb an demselben Zage gab eS em zweites Malhenr. Freitag nachmittag, fo berichtet „Wolffs Vmcean" wurde bei der Rückkehr des «etchwaders ean einer Uebung daS Unterfeeboot „I* »ermißt. Die Nachricht tief groß« Aufregung hervor und der Seepräfekt sandte sofort ein Torpedoboot und ein Schleppboot nach dem verfchwunbenen Unterseeboot auS. Dieses mnrde nach mehrstündigem buchen auf »sf«»«r See entdeckt und dann in den Hasen gebracht, e* war, weil ein Seil sich i» der Schraube versangen hatte, von den Welle« a»? daS ofsene Meer hinauSgetrieden werbe«.
* Wegen der Finanzierung de» fronzösischen Budgets, daS deshalb noch nicht festgestellt werben konnte, bestehen erhebliche MeinnngS»ev°. schiedenheiten zwischen Senat «nb Deputiertenkammer. Am Freitag begann der Senat mit der Etatsberatung. Em Fachmann, der frühere Finanzminister Psinearö «4» wickelte zunächst feine Ansichten über die Gestattung des Budgets.
♦ Tie englische Armeereform wob dem» nächst um einen großen Schritt weiter lamme«, Kriegsminister Haldane hielt am Freitag eine Rede in Glasgow, in der er »uSfllhrt«, die Verfügung, d.e eine neue Arme« schaffe, habe in diese, Woche di« Sanktion de» König« erhalten und werbe sofort vetöffentticht werben. Der Plan sei weitreichend. Anstelle ew8 Armeekorps mit einer Anzahl keiner Divifion«« werde das LandeShee, in Zukunft «»• sechs großen Divisionen, jede »« dr« Brigaden, unb au« vier Brigade» Kavallerie bestehen. Auch Artillerie werde diesen Divisionen zugewiesen werden; außerdem Batterien, die alS Schulen sür reguläre «alter», dienen solle«. Haldane gab zum Schuß seinem Zweisel an der Einführung »er allgemeinen Wehrpflicht nachdrücklich AuSdrn^
♦ Tie japanische Flotte kommt nicht »ach Amerika. Wie d,e .TnneS' auS Ottawa meldet, berichtet ein Telegramm d«S jcqnmifchen MmiftmS deS Auswärtigen, Hayashi, an den bärtig« Generalkonsul, daß der Besuch M japanisch« Schulgeschwaders auf unbestimmte Z-ck m* schoben ist. Der Grund hierfür W r» »« gegenwärtig in den Vereinigten Staat« bestehenden Lage der Dinge zu suchen Der iw* nisch-amn ikanisch« Konflikt hat sich als» friedlichen Bemühungen RooseveNS pem verschärft.
»tu »Nrch« nn» Schilt.
D Fulda, 14. Jan. 1907. Herr rich Lösfetholz zu Rommer» bet N* sich der König!. Regierung zu Kassel yr«*»* verpflicht«!, drei Jahr« taug
1. April d. I. dahier neu zu mkstmndenMNt- tSr-P,äpa,»nd«nkurs»s »W «tz« M wirken.