er sich in ärztliche Behandlung begeben mußt», aber innerhalb 24 Stunden trat der Tod ein. Die Sektion der Leiche ergab als Todesursache Milzbrand. Die Ansteckung dürfte beim DeS- injizieren von Tierhaaren in der städtischen Desinfektionsanstalt erfolgt sein.
* Trauriges Ende eines „blinden" Passagiers. Unwett der Station Hämerten auf der Strecke Berlin—Stendal routbe unlängst ein un- bekannter Reifender tot ausgesunben. Die Todesursache konnte jedoch erst jetzt aufgeklärt werden. Der Tote ist nach den bei ihm Vorgefundenen Papieren als ein Arbeiter oder Glaser namens Friedrich Rodig rekognosziert worden. Da er keine Fahrkarte bei sich hatte, ist anzunehmm, daß er als „blinder" Pastagier nach Berlin fahren wollte. Er ist während der Fahrt auf unaufgeklärte Weise von der Psattform des Wagen- abgestürzt und mit dem Kopse gegen einen Telegraphenpsahl geschlagen, wobei er einen Schädelbruch erlitt.
* Neber eine drollige Warnung znr Vorsicht wird der .Tägl. Rundsch/ au- Flensburg geschrieben: Am Eingänge deS Standesamtes wird mittels Schrift an der Mauer auf dasselbe hingerviesen; an dieser selben Wand befindet sich nun ein Aufzug. Um die Vorübergehenden auf diesen Aufzug aufmerksam zu machen, steht, wie vor geschrieben, an dieser selben Wand Vorsicht! und da- zweimal. 9lun sieht die Sache folgendermaßen auk:
Vorsicht! Vorsicht!
Zum Standesamt. ■—>
* WaS zahlt der Bürger für sein Staatsoberhaupt? In dem französischen Blatt.Figaro' unternimmt es ein Fanatiker der Statistik, diese wunderliche Frage zu beantworten. Der Franzose bezahlt für seine Präsidenten jährlich die niedrige Summe von 9 Centimes. Erheblich höher ist schon der Betrag, der in Deutschland aus den einzelnen Untertan entfällt: 34 Centimes pro Kopf und Jahr; aber immerhin ist die- Verhältnis im Vergleich zu den übrigen Staaten noch ein günstiges, denn in Rußland entfallen
tung" eine eingehende Schilderung, der wir fol- gt'ndek entnehmen: Geikpolsheim ist ein von tra° gisrben Vorfällen schwer beimgesnchter Ort. Vor st Jahren brannte das halbe Torf nieder. Vor 2 Iabren erregte eine dort vorgekommene Wilderer- Affäre, die 3 Tötungen und schwere Verletzungen brachte, im ganzen Lande großes Aufsehen. Heute war es'die denkbar schrecklichste Nachricht, die uns wieder nach Geispolsheim brachte. Der Feuertod von 21 jungen Menschen, die kaum den ersten Schritt in das arbeit- und gefahren- reiche Fabriklebrn hineingetan haben, waren Opfer eines bis jetzt unaufgeklärten Unglücks- falles.
Von -er Schwere des Unglücks scheinbar ganz apathisch gewordene Menschen, standen auf ter Straße umher, als wir durch kalten Regenschauer in das Dorf einführend Bleiern scheint ihnen die Wucht der Katastrophe in den Gliedern zu liegen. Vor einem rauchenden Parterregebände^ insgesamt nur 150 Quadratmeter groß, standen Männergrupveri, Pompiers und Feuerspritzen. In erneinFab ri kge b ä u d e, nicht viel grö» ßer als das Tramway-Häuschen auf dem Kleberplatz. waren 21 Menschen in wenigen Minuten vom Leben zum Tode gegangen. Tie Fabrik besorgte das Imprägnieren und Lackieren von Schuhöten. Die bekannten schwarzen Hakeln für S ch n ü r st i e f e I wurden hier zu vielen Millionen mittels 'Stanzmaschinen mit einer Celloloidmasse umgeben, abgezählt und gebrauchsfertig in die Welt gesandt. Die Fabrik war Eigentum der Firma Hubert u. Co. in London. Als Lciter fungierte Herr Humbrecht. ein Geis- Polkkcimer, der früher im Hanse der betreffenden Firma in London angestellt war. Die Fabrik l-eschästigte zwei Aufseher, Dürr und -Schab! mit Namen, sotvie annähernd 40 jugendliche Arbeiter,, meist Mädchen im Akter von 15—20 Jäh - r e n Die Einwohnerschaft war mit -er Fabrik, als Erwerbsauelle sehr zufrieden. Junge Akkoed.
«Stanz raum heraus. Die Flammen hatten kick, so'ort auch des gegenüberliegenden Pack- und Zäblranmes ben ächtigt- Von der Krununstraße aus schlugen dir 'Anwohner mk Siebten die Fenster und Kreuzstocke ein und hosten mehrere Mädchen gewaltsam durch die Gitteröffnung hervor. Tie Mädchen erlitten hierbei Verletzungen, Abschürfungen und Quetschungen. Aeltere Mädchen waren wohl nickt dnrck diese Gittertür hindurchzuzwängen gewesen. Tatsache ist, daß in diesem Pack- und Zählraunt, wo leider die kleinste Zahl der Arbeiter beschäftigt war, niemand umkam. Im Stanzraum verstummten die Hilferiife nach zwc> bis drei Minur-n. Das Feuer'fraß gierig die Zelluloidbestände auf und verbreitete neben dem unernöplicken Kampfergeruch, der die Qv'r ick)?inbar betäubt hat eine unheimliche Hitze. "> 'e Feüerwebr, die mit N'öglichster Schnelligkeit herankam, richtete nichts aus. DaS Parterregebäude, ans Backsteinen gebaut, brannte völlig aus. Als der Tag bleichte und cs möglich war, die Ding? im inneren Raum zu erkennen — das Betreten war infolge der Eiusturzgefahr bedenklich und im übrigen zwecklos — erkannte man. in der Mitte des Stanzraumes 4 bis 5 Klumpen, die menschliches Gerippe darstellen konnten. In der äußersten Ecke des Saales, wo die Flucht durch die Steinmanern aufgehalten worden war, lagen die jungen Menschen aufaetürnit. Der Sensemann hotte ordmmgsweise seine Ovfer in geschlossenen Reiben den grausamen Weg schreiten lassen. Ans der Masse find nur eine Zahl ausgeglübter Schädel. lange Schenkelknochen und Wirbelsäulen zu sehen. ■ ,
Die Szenen, die sich unter den Angehörigen der Verunglückten abspielten, waren herzzerreißend. Ein Vater tobte in furchtbarer Weise, allen Beruhigungsversnchen seiner Nachbarn unzugänglich Die Gasahr einer geistigen Umnachtung konnte sich nicht schreckhafter ankündigen, -vis es hier der- Fall war.
vermischter.
* Nürnberg, TL Jan. 1907. Hier ist der städtische Dchmfekteur Georg Lämmermann. Baier von sechs unmündigen Kindern, nach kurzem Kranksein gestorben. Er hatte am Haste ein kleines Geichwür, das derart schmerzte,-daß
»3.3» rooi
arbeiter verdienten bis zu 4 Mark pro Tag,.allerdings bei einer mörderischen Arbeitszeit von morgens 0 bis abends 7 Uhr, mit insgesamt nur Inständiger Pause. . -.n>;?
Ein kleines schwarzes Kerlcken, dessenFreude über die eigene Rettung die Teilnahme an der Tragik des Schicksals der Arbeitsgenosken und Genosst n,i en überwog, erzählte, daß man, wie ac- wohnh um 6 Uhr morgens unter Frohsinn und Scherz zur Arbeit gegangen war. Zum Teil entledigten sie sich im -Hausflur ihrer Kleider ober waren noch in den Pack- oder Zählraum enifletrelen, der, durch einen Hausgang gc° t> ennt, gegenübr-- dem Stranzranm sich be- findet. Der Stanzraum. mit einer Anzahl wertvoller und moderner. Maschinen bildete im nächsten Augenblick eine furchtbare Unalücksstätt« Leider besaß der Raum nur eine einzige E i n 3 a n g s t i- t vier große F r n ste r sind stark v c r-t4il e»rt; Durch die Gitteröfsnunaen kann i-shst etn jugendlicher Körper nur unter An- str» ngui gen hindurchgezwängt werden. In der 'Nähe der Einoangstür stand ein Ofen, der bereits angebraniit war. Leider befand sich in unmitlst- barer -Mbo- des Ofens, ein Abfallkorb, :n dem die E e ll u l o i d r e st e hinemgetan wiir- fciji. Das Eelluloid wird in Platten Don Pj Millimeter Dicke als. Material geliefert, ist bekanntlich eine mit Baumwolle und Kampfer durchsetzte Maste und Von einer Feuergefährlichkeit: die dem ärgsun Brennstoff gleichkommt. In diesen Korb muß irgendwie ein Funke geraten sein. Die Entstehung einer mächtig großen Ft " m m e, die sich direkt vor die Türe logtej war das i erklärliche Werk eines Augenblicke» Eine entH)id,e Verwirrung entsta.id unter dm j-iaendlickr1. Arbeitiern und, Arbeiterinnen. Todesangst gellte.durch die Rufe: Hole mich! Hole mich, Au die Öeffnung der Vergiti-ru^g, bi? seitlich möglich sein soll, dachte fein Mansch. Nack der Katostrw he und .--achdem das Est"« dn- Gliit überstandei hatte, war eine Oeffmmg nickt mehr möglich. Durch die Flamme vor der Tür wagte sich ein Mädchen heraus, Justine Speiser mit Rainen. Ihre Kleider t fingen Feuer unb braanen im Hose der Fabrik ihr die tödlichen Brairdwunden bei. Sonst kam von der jugendlichen Arheiterfckar niemand aus dem
Waren bislang die Franzosen als bahnbrechend auf dem Gebiete der llnterseebootkunde anzuseben, so hat jetzt England durch Ausnahme von Versuchen großen Stil- sich bemüht, den Vorsprung Frankreichs durch die Beschasiung besserer Unterseeboote wettsumachen. DaS größte bislang jemals gebaute Unterseeboot ift soeben in England vom Stapel gelasien worden. Es handelt sich um einen ganz neuen Typ und bevor weitere Aufträge erteilt werden, fallen mit dem neuen Boot eist eingehende Versuche angr-
stellt werden. Die Einzelheiten der Konstruktion sind noch nicht bekannt. ES war dem Photographen nur möglich, ein Bildnis der Außenaw sicht festzuhallen. Das Merkwürdige ist die gewaltige Vergrößerung des TurmausbaueS und die Anbringung „zweier Augen" statt wie bisher eins. ES bleibt äbzüwarten, ob sich daS neue Boot bewähren wird. Ist das der Fall, dann werden wir wohl bald auf Schlachtschiffe unter See u. s. w. rechnen können.
95, in Italien 44, in Oesterreich-Ungarn gar 45 Centimes. Am teuer sten ober kommen die Griechen und Belgier bei diesem Vergleich weg, denn ein jeder Belgier oder Grieche trägt 50 Centimes bei, um in seinem Vaterlande die Würde deS Königtums standesgemäß zu erholten.
* Ehemalige Fremdenlegionäre in Berlin. Ein neuer origineller Verein ist in Berlin im Entstehen begriffen, ein Verein, der zwar nicht gerade „einem tiefgefühlten Bedürfnis" abhelfen soll, immerhin aber auf Beteiligung rechnen fana. Ein ehemaliger Korporal der Fremdenlegion will für Berlin und Vororte einen Verein ehemaliger französischer Fremdenlegionäre zustande bringen. In den Sitzungen sollen Erinnerungen aus der Legion auSgetauicht und die Zustände in Algier, Tonkin x. mit ih.em Grauen jedem zur Warnung geschildert werden. Noch dienenden Seibeni* genoffen wird Rak und Tat gespendet werden.
* Wurst wider Wurst. „Mein Fräulein, Sie haben mir als Erwiderung für daS Gedicht, das. ich auf Sie gemacht habe, »ine Haarlocke geschickt. Wie ich jetzt seh», ist sie aber nicht von Ihrent Kdpst!" — „DaS ist ganz in der Ordnung daS Gedicht war ja auch nicht auS Ihrem Stopf!*
♦ Sein Bedauern. 9t.: „Wie, diese miserable Schauspielerin wird die „Maria Stuart" spielen?" B.: „Ja!" — A.: „Da ist »s nur schade, daß bi« Äiaria nicht gleich im ersten Akt geköpft wird."
Neueste Nachrichten un- Telegramme
W. Kapellen bei Koblenz, 11. Ian. 1907. Ein in der Nähe von hier in einer Höh« von über 150 Meter über dem Bahndamm hängender FelSblock droht zu jeder Zeit adzustürzen. Der Block umfaßt etwa 100 — 120 Kubikmeter und ist wahrscheinlich infolge des RegenS der letzten Zeit unterwaschen worden, sodaß er droht, nunmehr auf den Bahndamm zu stürzen, wodurch der ganze Bahnverkehr gestört würde, Man hat in letzter Zeit Tag und Nacht Wach« zur Stelle und auch die Wachmannschaft in der letzten Nacht, da die Gefahr immer dringender a'iSiah, verdoppelt. Die elektrische Bahn zwischen Koblenz und Kapellen fährt nicht mehr an der Stelle vorbei, wo der Felsen an dem Abhang hängt und hüll etwa 100 Meter davon. Die Sprengung ist unter Umstünden sehr gefährlich, da zu befürchten steht, daß infolgedessen noch weitere Bergrutsche eintreten werde«.
W. $rjan8f, 11. Ian. 1907. Mn von hier abgelaflener Personenzug ist beute-nacht von einem hohen Bahndamm herabgestürzt. Die Zahl der Opfer ist noch nicht ermittelt, ist aber jedenfalls nicht gering.
IV. Haag, 11. Jan. 1907. Nach einer amtlichen Meldung aus Atschin trat an der Siiv- kufte der Insel Simeuln eine sehr große lieber» ichmemyinug sini 40 Personen haben hier und auf der Insel Tapa 300 Personen ihrL«b«« ei nge!> ü ß!.
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