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Momtsdeiiage: „gulöaet Geschichtsblätter

wochc»d-i,age:„3lll!strier1eSonntagszeltung"

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M 9.

Fulda, Freitag den 11. Januar 1907.

34. Jahrgang.

Zweites Wt'att.

k. Zentrum und Kaufmannsstand.

Da das Zentrum eine christliche Volkspartei ist, sv ergibt sich schon hieraus ganz von selbst, daß es fiat auch des Kaufmannsstandes annimmt, um die Devise „Ehrlich im Handel" zu schützen. Ein Freund des Großkapitals ist das Zentrum nicht; daher auch seine ablehnende Stellung gegen die Warenhäuser und Syndikate. Dagegen will das Zentrum den kaufmännischen Mittelstand stärken und schützen, weil ein solcher unabhängiger und selbständiger Mittelstand für das Wohl des Vater­landes von höchster Bedeutung ist. Nicht wenige Prinzipale und diel Angestellte ist unser Ideal; wir wünschen tunlichst viel freie Existenzen, bie ihr Auskommen finden können. Aber wie viele und lange Jahre hindurch mußte das Zentrum vergebens kämpfen, bis das Eis brach. Regie­rung und Liberalismus meinten, in der schranken­losen Freiheit liege das Heil für unsere Kauf­mannschaft! Gewiß ist Freiiheit erforderlich, damit das einzelne Individuum sich entwickeln funn; aber die schrankenlose Freiheit führt zur Aufzehrung des Kleinen und Schwachen, zur Un­terdrückung des Ehrlichen!

Der erste hervorragende Erfolg des Zentrums ist das Gesetz über die Abzahlungsge­schäfte (1894), gegen das Freisinn und Sozial­demokratie stimmten. 1892 forderte das Zentrum ein Gesetz, das gegen das unreelle Treiben dieser Geschäfte vorgeht. Nicht alle Abzahlungsgeschäfte sinb unsolid; sie erleichtern den ärmeren Leuten die Anschaffung von Bedarfsartikeln; aber in sehr vielen Geschäften bestand der Brauch, daß die Ware wieder an das Geschäft ohne sede Entschädi­gung zurückfiel, wenn auch nur eine Rate nicht zur Zeit bezahlt wurde. Erkrankte der Vater oder wurde er arbeitslos, so konnte das Abzahlungs­geschäft den Hausrat, von dem vielleicht 90 Proz. abbezahlt war, ohne jede Entschädigung wegneh- men; der Käufer war geschädigt, aber auch der solide Kaufmann, weil dann diese Artikel zu Schleuderpreisen verkauft wurden. Dieses Gesetz nun verhindert einen solchen Unfug.

Eine Einschränkung des Dewilreisens und des Hausierhandels ist im Jahre 1896 gegen die Stimmen der Konservativen und Sozialdemo­kraten erreicht worden. Gewisse Waren hat man ganz vom Hausierhandel ausgeschlossen, ferner be­stimmt, daß der Wandergewerbeschein nicht an Leute unter 20 Jahren erteilt werden darf; auch ist das Aufsuchen von Nichtkaufleuten durch Rei­sende ohne vo-^erige Aufforderung verboten. Lei- der siebt die Polizei gar nicht darnach, ob dieses Gesetz auch eingehalten wird und es würde doch so seaensreich für den ortsansässigen Kaufmann wirken.

Der fce'r * ndste Erfolg aber ist zweifelsohne oas Gesetz über den unlauteren Wettbe­werb von 1896, vom Zeistrnm seit 1892 immer wieder gefordert. Diese« bat die schwindelhaften Ankündigungen und aufschneiderischen Reklamen ganz erheblich eingeschränkt. Erst vor 4 Wochen hat mir einer der größten Kaufleute von ganz Der tscksand versichert, daß dieses Gesetz große Vorteile oebrncbt habe und die Ehrlichkeit im Han­del fördere! Nachdem aber leider das Reichs­gericht entschieden hat, daß bei Ausverkäufen der Nachschub von Waren gestattet fei, erhob sofort da? Zentrum fmue Stimme zur Reaelimg des Ans- verkaufsw''fens und bereits sind Erhebungen hier­über im Ganae!

Die neue Kvuknrsordnung und das neue Han- delsaesetzbuch enthalten eine ganze Menge von Vorteilen, die unsere Kaufmannschaft hoch anrech­net. Das Sonntaasrnbeaesetz bat anfanas einiges

böses Blut gemacht; es soll auch gar nicht geleug­net werden, daß mancher Kaufmann etwas Scha­den erlitten hat. Aber das Gebot der Sonntags­heiligung gilt auch für die Kaufmannschaft. Heute würden die verständigen Kaufleute die ersten sein, die protestieren würden, wenn man die Sonn­tagsruhe beseitigen wollte! Noch größere Vor­teile brachte das Gesetz vom 30. Juni 1900 mi:: der Einführung des Neunuhrladenschlusses. An­gestellten und Prinzipalen nützt es auf dieselbe Weise! Gerade die gleichmäßige Regelung ist der große Vorzug! Hatte früher der Konkurrent bis 10 Uhr geöffnet, dann ließ man nachher bis y2ll Uhr offen und so fort. Gesundheit und Fa­milienleben litten unter diesem Zustande, der dank dem Zentrum beseitigt ist. Die Warenhaussteuer in den Einzelstaaten ist überall auf Antrag des Zentrums geschaffen worden; ebenso tritt dieses dagegen auf, daß Beamte sich an den Konsumver­einen und Warenhäusern beteiligen.

Aber auch die Handlungsgehilfen hot das Zentrum nicht vergessen, zumal ihre Zahl sehr gewachsen ist. Sonntagsruhe und 9 Uhr-Laden­schluß kommen auch ihnen zugute. Die Novelle zur Gewerbeordnung von 1899 und das neue Han­delsgesetzbuch von 1897 — beide vom Zentrum ge­fordert und gefördert — brachten erhebliche Ver­besserungen. Der Schutz gegen gesundheitliche sittliche Gefährdung der Lehrlinge und Anaestell- ten ist erhöht worden; in größeren Geschäften muß eine Arbeitsordnung ertasten werden. Das Zentrum fordert Handelsinfpektoren zur Ueber- wachung der Vorschriften. Die Arbeitszeit ist in­sofern geregelt, als täglich mindestens eine zehn­stündige ununterbrochene Ruhezeit zu geben ist, ebenso angeme>stene Mittagspause! Der Lehr­lingszüchterei kann mit Erfolg entgegengetreten werden. Die Kündigungsfristen sind für beide Teile gleich zu bemeffen; die Konkurrenzklausel darf nicht so weit gehen, um das Fortkommen des Handlungsgehilfen zu erschweren. Die Kranken­versicherungspflicht besteht für alle Handlungs­gehilfen bis zu einem Einkommen von 2000 Mark. Die Errichtung von Kaufmannsgerichten hat das Zentrum schon 1897 gefordert und 1904 erreicht; Freisinn und Sozialdemokratie stimmten gegen das Gesetz! Diese Gerichte haben sich bisher, wie die Gewerbegerichte ebenso bewährt.

Auf dem Gebiete des kaufmännischen Mittel­standes ist die Zentrumsfraktion führend voran gegangen; sie hat zuerst und am erfolgreichsten hier gearbeitet und alle anderen Parteien folgten erst später ihren Spuren. Das wissen die Kauf­leute und stehen deshalb fest zum Zentrum, das ihre Interessen vertritt.

3m Namen öe$ Gesetzes.

Im Namen des Gesetzes begehen seit Jahren die kirchenfeindlichen Regierungsmänner von Frankreich himmelschreiende Ungerechtigkeiten.

Im Namen des Gesetzes haben sie die Kongre­gationen aus dem Lande vertrieben.

Im Namen des Gesetzes haben sie denselben ihre rechtmäßigen Besitzungen geraubt.

Im Namen des Gesetzes wollen sie über den Gebrauch der Kirchen und ihrer Güter bestimmen.

In. Namen des Gesetzes werden sie vielleicht Bischöfe, Priester und treue Katholiken ins Ge­fängnis schlcppen . . . die Guillotine aufstellen . . ., denn das wird nicht ausbleiben so wenig als in der großen Revolution, wenn sie in der Verfolgung verharren. Anfangs wollte man auch lwinals keine Märtyrer machen, wie der Pbilosovh Eondorcet sagte, aber der Haß gegen die Re- igion führte di? Revolutionäre zu den abscheu- icksteu Grausamkeiten.

Im Namen des Gesetzes; das ist der Anfang vesallen Liedes, das die Feinde der katholischen

Bin imWlllkS Geheimnis.

Dem ameiuanif<f)en Originale der Mrs. May Agne» Fleming nacherzählt von Lina Freifrau von

Berlepsch.

56] (Nachdruck verboten.)

10.

Zum zweiten Male vermählt.

Ain nächsten Morgen kam Julie Seton, um Rudolf Lebewohl zu sagen. Bleich nimmt er von ihr Abschied. Edith's stumm flehendes Auge halte ihn die ganze Nacht verfolgt, folgte ihm nach, als der Zug westwärts dampfte. Edith liebte ihn. Er hatte es nie bezweifelt, nun aber brauchte er nur ein Wort zu sagen, und sie würde ihm die Hand reichen und Arbeit und Trennung wären vorbei auf ewig; dieses Wort aber wollte er nie aussprechen; was Edith Darrell ihm einst ver­weigert, sollte Lady Catheron mit all' ihrem Reich­tum nicht erlangen.

In Saint Louis fand er keine Zeit, fentimen- teilen Gedanken nachzuhängen, im Herzen des Amerikaners erstickten Geschäftsangelegenheiten der Liebe zarte Saat.

Ein Brief von Trixy meldete, daß Edith im Lauf? der folgenden Woche nach Europa zurück- kehren werde.

„O Rudolf, warum muß sie überhaupt gehen? wenn Edith Darrell Dich lieb hatte, ist das bei . ‘tfr . atberon um so mehr der Fall; sie erzählte nur die Geschichte ihrer Ehe und niemand kann sie tadeln.

Ernst und gedankenvoll lieft er den Brief, ober rr erschüttert nicht seinen Vorsatz. Die Tage ver­gingen; eines abends erhielt er ein Telegramm:

„New-Aork, 28. Oktober 1870. Edith gefährlich erkrankt, ist sterbend. Komme sofort. , Beatrice."

Er liest es wieder und wieder. Edith am Ster­ben. Da fühlt er, daß all' seine Härte und Gleich­gültigkeit nur erkünstelt waren, eine Mauer von Hochmut, welche die leiseste Berührung einstürzen ließ, daß die alte Liebe fein Herz noch entflammte.

Er reifte, nachdem er seine Anordnungen ge­troffen,~ Tag und Nacht und stand endlich bleich und müde an der Mutter Haus. Eine Ewigkeit hatte ihm die Fahrt geschienen.

„Komme ich zu spät?" fragte er heiser.

"Nein, sie lebt noch," entgegnete Trixy weinend.

„Was fehlt ihr?"

„Der Arzt erklärt es für GehirntyphuS und gibt sie auf."

»Ist keine Hoffnung?"

„So lange sie lebt, ist Hoffnung! Da? Schlimmste ist, daß ihr am Leben nichts liegt, )aß sie nichts zu haben scheint, wofür zu leben md ihr der Liebe wert dächte. „Mein ganzes Le­ben ist ein Mißgriff," sagte sie zu mir, „Stolz und Selbstsucht führten mich auf falsche Wege, und es ist besser, wenn ich sterbe." In den ersten Tagen ihrer Krankheit machte sie ihr Testament und vererbte Dir beinahe alles, worüber sie frei­willig verfügen kann. „Bei Lebzeiten hätte ich mir nie erlaubt, ihm etwas anntbieten," meinte ie, „der Toten Wünsche sind heilig. Mein ganzes Leben lang habe ich ihm nur Kummer und Ent- tmtfdmng bereitet, mein letztes Gebet soll ihm Glück erflehen." Wenn sie phantasiert, ruft sie immer nach Dir, bittet Dick, wiederzukehren, ihr zu veraeben, und deshalb telegraphierte ich."

„Weiß sie das?"

„Nein, sie wollte, daß ihre Leiche in Sandy- Point neben ihrer Mutter beerdigt und nickt nach England geschickt würde. Du solltest erst nach ihrem Tode die Geschichte ihrer Heirat erfahren; soll ich sie jetzt erzählen?"

Rudolf nickte.

Kirche und ihres göttlichen Stifters zu allen Zei­ten gesungen haben.

8(L Christus vor dem römischen Richter Pi­latus stand und dieser aussprach: Ich finde keine Schuld an ihm, da schrieen die Juden aus vollem Halse: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz soll er sterben."

Das war stets der Ruf der Feinde der Kirche: Wir haben ein Gesetz.

Im Namen des Gesetzes forderten in der gro­ßen Märtyrerzeit die römischen Kaiser und ihre Statthalter die Christen auf, Christus zu ver­leugnen und den Götzen zu opfern .

Im Namen des Gesetzes ließ der grausame Tyrann Diokletian am 24. Februar 303 durch ein kaiserliches Dekret die gottesdienstlichen Versamm­lungen der Christen verbieten, die heiligen Bü­cher der Christen verbrennen, die Kirchengüter in Beschlag nehmen, Bischöfe und Priester einker­kern, foltern und martern, um sie zum Abfall vom Christentum zu zwingen, in der Hoffnung, dadurch die Gläubigen abzuschrecken und sie zur Verleugnung des christlichen Glaubens zu führen.

Verfolgungsgesetze aller Arten sind im Laufe der Jahrhunderte gegen die Kirche geschmiedet worden.

Wir erinnern noch an die Gesetze der franzö­sischen Revolution.

Im Namen des Gesetzes vom 7. November 1793 hob der Nationalkonvent den kath. Kultus auf und führte den Götzendienst der Vernunft ein, deren Priesterinnen und Göt­tinnen feile Dirnen waren. Und wie viele andere Gesetze folgten, die den Untergang und die Aus­rottung der katholischen Religion bezweckten. Der- geffen wir nicht die Maigesetze von 1873, 1874 und 1875, aus der Zeit des sog. deutschen Kulturkampfes.

Im Namen des Gesetzes trat an die Stelle der päpstlichen und bischöflichen Obergewalt über den Klerus „der königliche Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten".

Im Namen deS Gesetzes wurden nacheinander 7 Bischöfe ins Gefängnis geführt und „a b g e • setzt".

Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz soll die Kirche sterben; das haben ihre Feinde schon hundert und hundertmal in die Welt hinein- geschrien.

Aber die Katholiken haben immer entgegen­gerufen: Wir haben einen Papst. Und was der erste Papst, der hl. Petrus, zu den Machthabern seiner Zeit gesprochen: Man muß Gott mehr als den Menschen gehorchen, das antwortet auch fein 260. Nachfolger, Papst Pius X., den ungerechten Gesetzgebern unserer Zeit.

Die Träger der geistlichen Gewalt mit ihren Gläubigen lehnen sich nicht unwillkürlich auf gegen die Repräsentanten der weltlichen Macht; allein wenn von dieser Seite Gesetze ansgehen, die das natürliche und das göttliche Recht ver­letzen, so wird die Gewissensfreiheit ver­gewaltigt, und dann wird jedesmal gegen das un­gereckte Gesetz das entschiedene Wort des Ober­hauptes der Kirche fallen: non possumus, wir können nickt, wir dürfen nicht, Gottes Gesetz und das Gewissen verbieten es uns.

Ob die Feinde der Kirche es anerkennen oder nicht, die Kirche ist eine von Gott gegründete und wohlgeordnete Gesellschaft. Es ist das eine histo­rische Tatsache, mit der man rechnen muß.

Tie Kirche kann nickt im Namen des Gesetzes wegdekretiert werden. Sie kann verfolgt werden, ie kann in einem Lande unterdrückt werden, aber das „Gesetz" so wenig als das „Schwert" wird sie von der Erde vertilgen.

Das Gesetz gegen die Kirche endigt gewöhnlich mit deren Verfolgung durch Beraubung ihrer Güter, durch Gefängnis, oder gar mit Blutver­gießen.

Die gegenwärtige Verfolgung der Kirche in Frankreich steht neck im ersten Stadium. Zum Teil hat man ihr schon die Güter geraubt, und man ist daran, sie alle zu verschlingen. L’app^tit vient en mangeant, (bet Appetit kommt beim Essen, sagt der Franzose. Wird auf die Berau­bung der Güter das Gefängnis, das Blutvergie­ßen der Märtyrer folgen? Tas wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls dürfen wir hoffen, nach den geschichtlichen Vorgängen zu beurteilen, die in Deutschland und England feit dem 16. Jahrhun­dert sich abgespielt hoben, daß auch in Frankreich, wenn auch für eine Zeit lahm gelegt, die katho­lische Kirche wieder aufleben wird. In England wie in Deutschland konnte man die Kirche vor noch nicht so langer Zeit für besiegt glauben, und neues katholisches Leben pulsiert nun in diesen Ländern; auch Frankreich wird nickt immer für die katholische Kirche verloren sein. (Der Elsässer.)

vermischtes.

* Paris, 8. Jan. 1907. Der bekannte Luft- schiffer Graf Waulx unternahm gestern nach­mittag mit seinem non ihm erbauten lenkbaren Luftschiffe in Satronville die erste Versuchs­fahrt, die vollständig gelang.

* Tie teuersten und billigsten Orte des Reiches. Die Teuerung an den verschiedenen Orten des Reiches wird am genauesten dargestellt durch das Beköstigungsgeld für Gemeine ,wie es jedes Halbjahr vom Kriegsministerium fest­gesetzt wird. Nicht die großen und größten Städte sind die teuersten Plätze, sondern die abgelegensten Orte, wo der Markt wenig entwickelt ist. Die teuerste Garnison im Bereich der preußischen Armee ist die Burg Hohenzollern. Dort beträgt das Beköstigungsgeld für Gemeine 43 Nur die Marinestation Helgoland weist noch mehr auf, 44 L. Verschiedene kleinere Orte haben nur zwei Pfennig weniger, darunter Kofel, Koburg, Forbach und Mörchingen. Dieser Satz gilt von größeren Städten nur für Metz. Wie die Preise der Lebensmittel mit der Größe der Stadt im allgemeinen abnehmen, zeigen am deutlichsten die Standorte des Gardekorps. Am billigsten ist B e r I i n mit 38 Pfennigen. Es folgen Char- lottenburg mit 39 Pfennigen und bann Potsdam mit 41 Pfennigen. Dasselbe Beköstigungsgeld wie Berlin haben unter anderen Orte wie Allen- stein, Lyck, Treptow a. R., Beeskow, Lübben, Neu- ruppin, Kalau, Burg, Wittenberg, Glatz, Hildes- heim, Wolfenbüttel usw. Der billigste Ort ist nach den Feststellungen des Kriegsministeriiims S ch r i m m in Posen, wo das niedrigste Bekösti­gungsgeld für Gemeine 34 Pfennig beträgt. Im allgemeinen haben sich die Sätze in steigender Richtung ausgeglichen. Die Unterschiede sind bet weitem nicht mehr so groß wie früher.

* Zm Amtszimmer des Bürgermeisters in Hallstadt wurde ein Einbruch verübt, wobei 4000 Mk. aus der Gemeindekaffe gestohlen wurden. Die Dreistig­keit der Diebe wird dadurch beleuchtet, daß die Frau des Bürgermeisters während der Ausführung des Diebstahls neben dem Amtszimmer beschäftigt war.

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Leise erzählte Trixy alles, es war bereits vunkel, als sie endigte. Regungslos hörte er ihr zu.

„Wann darf ich sie sehen?" fragte er endlich.

„Wann Du willst; der Arzt glaubt, Deine Anwesenheit könnte gut tun. Gegenwärtig ist die Mutter bei ihr. Julie pflegte sie aufopfernd und ch denke, sie meint, Du seist mit Julie verlobt."

Eine halbe Stunde später betraten die ®e- chwister das Krankenzimmer.

Die Patientin befindet sich sehr schlimm, und mit besorgten Blicken betrachtet sie der Arzt.

„Ihre Gleichgiltigkeit gegen den Tod ist das Aergste," sprach er, „wenn sie sich zum Leben zwänge, wäre sie vielleicht zu retten."

Langsam und widerstrebend trat Rudolf näher.

„Großer Gott, ist das Edith?" ruft er und inkt in einen Stuhl neben ihr Bett.

Sie erwacht, die Lider heben sich, das dunkle Auge trifft Rudolf.

„Rudolf!" flüsterte sie kaum hörbar und ein Strahl ruhiger Freude fliegt über das bleiche Gesicht.

„Dachte ick'S doch, daß eS nicht fchaden würde," nickte der Arzt zufrieden, „lassen wir die Beiden eine Zeitlang allein, meine Damen, es dürfte von günstiger Wirkung fein. Ich bitte Sie jedoch, Herr Stuart, die Kranke nicht durch Reden auf­zuhalten."

Die Mahnung schien überflüssig; er war nickt zum Sprechen geneigt. Er hält ihre Hand fest, legt fein Gesicht in ihr Kissen und schweigt. So verstricken mehrere Minuten.

„Wann kamst Du, Rudolf?" fragte Edith end­lich schwach.

„Vor einer Stunde."

„Wer sandte noch Dir?"

„Trixy. Ader Du sollst nicht sprechen, Edith." Wieder legte er fein Haupt in ihr Kissen. „Ich glaube, Tu weinst, Rudolf, hassest Du mich also dock nicht?"

„Dich hassen?" war seine einzige Antwort.

„Einst sagtest Du's und ich verdiene es. Wenn ich tot sein werde und sie Dein glückliches Weib ist--"

Ihre Stimme brach; selbst im Tode war, ihn zu verlieren, bitterer, als der Tod.

„Wer?"

„Julie; sie ist Deiner wert und ich war es nie. Sie liebt Dich und —"

„Du irrst; Julie liebt mich, wie Trixy auch, sie ist meine zweite Schwester. Was ich auf dem See von Killarney gesagt, werde ich halten mein Leben lang. Wenn Du mein Weib nickt fein kannst, will ich nie heiraten. Kein Wesen der Welt könnte mir sein, was Du mir warst und bist."

Endlich, endlich, wenn es zu spät ist!

„O Rudolf, wie ganz anders würde alles sich gestalten, könnte ich die Vergangenheit zurück» rufen. Ich glaube aber, ich würde glücklicher im Grabe ruhen, stünde Edith Stuart auf meinem Leichensteine."

Er beugte sich über sie.

„Also würde es Dich lebend und tot glücklicher machen, mein Weib zu fein?"

„Es ist zu spät," flüsterte sie.

„Es ist nie zu spät; wir lassen uns noch heut» Nacht trauen."

„Rudolf!"

„Tu darfst nicht mehr sprechen; ich werde alles besorgen und einem mir bekannten Priester die Sachlage erklären. O Geliebte, Du solltest längst mein Weib fein, und selbst dem Tode trotzend, mußt Tn es noch werden."

Er eilte fort; Edith bat das Gefühl,,daß sie fo glücklich gewesen, im Tode endlich würde sie Rudolfs Weid fein.

Ruhig und entschieden teilte er den Uebrigen die Sachlage mit.

„Die Ausreaung tötet sie," bemerkte der Arzt, „ich werde solch' dramatische Affekte mcht am geben,"

Aber er läßt sich doch bereden.

(Schluß folgt)