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Zerrsprecher Hr 1.
34. Jahrgang.
Fulda, Freitag den 11. Januar 1907.
M 9.
Erstes Wlcrtt.
:u Vie „Vernichtung" der Zentrum.
Dieses Mal sollen die Wahlen die Vernichtung des Zentrums sicher bringen. Die »Partei der Nichtwähler" steht vollständig auf Seiten der Regierung, der Wurf muß also unter allen Umständen gelingen Der bisher von der Regierung so unglücklich geführte Wahlfeldzug zeigt, daß sie auS der Vergangenheit nichts gelernt und die „nationalen" Parteien nichts vergessen ha- ben. Der deutlichste Beweis dafür sind die Vorgänge, welche den Reichstagswahlen im Jahre 1898 vowufgingen; sie haben eine täuschende Aehnlichkeit mit der jetzigen Lage.
Damals erfand man das Schlagwort „Politik der Sammlung". Dor den Reichstagswahlen im Jahre 1898 erging von nationallibera- ler und konservativer Seite unter der Führung des Herrn von Miguel ein Aufruf „an alle staatS- erhaltenden und nationalen Parteien" zur Einigung im Kampfe „gegen die Parteien des Umsturzes" usw. Dieses Bestreben war darauf gerichtet, eine „nationale Mehrheit" im Reichstag zustande zu bringen. Also dieselbe Geschichte wie heute, ohne jeden Unterschied, derselbe Kampf gegen das Zentrum! Nur anscheinend richtete sich der „Ausruf zur Sammlung" gegen die Sozialdemokratie; in der Tat bezweckte die ganze Sammlungspolitik die Herstellung der ehemaligen Kartellparteien — Konservative, Reichspartei und Nationalliberale; sie sollten im Reichstag eine Mehrheit ohne daSZentrum bilden, das Zentrttm also auS seiner ausschlaggebenden Stellung verdrängen.
Für diese Behauptung stehen uns die mannigfaltigsten Beweise zur Seite. Zttnächst ist eS Tatsache, daß der offizielle Sammlungsausruf dem Zentrum gar nicht zur Unterschrift vorgelegt wurde. Daraus spricht eine klare Tendenz gegen das Zentrum. Dazu kommt, daß einige Preßorgane des Sammlungsbreies so unvorsichtig waren, es offen auszusprechen. So schrieb der kon- servative „Rcichsbote", der auch im fetzigen Kampf sich besonders vordrängt: „Die Nationalliberalen möchten ihren Anschluß an die Sammlung auch auf die religiösen und kirchlichen Fragen erstrecken, um dem Zentrum den Trumpf aus der Hand zu nehmen." Viel deutlicher sprach sich die nationalliberale „Bonner Zeitung" auS, welche gerade heraus sagte: „Für uns hat die Sammlungspolitik den Hauptzweck: den Bann des Ultramontauismus, die Vorherrschaft des Zentrums zu sprenge n." Aehnlich äußerte sich die liberale „Deutsche Wochenzeitung": sie schrieb ganz offen: „Ein wesentlicher Zweck der Sammlung muß darin bestehen, dem übermächtigen Einfluß des Zentrums ein Ende zu bereiten. Es darf nicht mehr dabei bleiben, daß das Deutsche Reich in allen für seine Entwickelung wichtigen Fragen von der Gnade des Zentrums abhängig ist ... . Itnh deshalb sei es frei herausgesagt: Jawohl, die Politik der Sammlung bezweckt die Beendigung der Vorherrschaft des Zentrums in der deutschen Volksvertretung."
Offener konnte man wohl nicht mehr sein. Das Zentrum hvr daher bei den Reichstagswahlen im Jabre 1898 auf der Hut, und es wußte den vereinten Ansturm der Gegner glänzend a b- z u s ch l a g e n. Es eroberte bei den Wahlen eine stärkere Position, als es vorher innegebabt hatte. Und nach den Wahlen klagten die „Hamburger Nachrichten", das derzeitige Organ des Fürsten Bismarck: „Es ist nicht gelungen, eine nationale Mehrheit herzustellen, welche die Mitwir-
M smWares Teheimis.
Dem ameritanischen Originale der Mrs. May Ag-tes Flemmg nacherzählt von Lina Freifrau von
B erlepsch.
57] Machdruck verboten.)
(Schluß aus dem zweiten Blatt.)
Dem Priester war eine Heirat auf dem Todes- bette nichts neues. Die zehnte Abendstunde wird bestimmt und Beatrice und Julie treffen die wenigen Vorbereitungen. Sie zieren das Zimmer und das Lager mit Blumen, hüllen Edith in ein Weißes Nachtgewaud und richten sie in den Kissen auf.
In ihrem Gesicht und Blicke glüht daS Fieber. Und doch ist sie unendlich glücklich.
Ernst und bleich tritt der Bräutigam ein. Weinend umstehen die andern das Krankenlager.
Welch' seltsame traurige Trauung!
Der Priester beginnt die Zeremonie. Sie reichen sich die Hande. Edith verwendet kein Auge von Rudolf. Sie antwortet schwach, er unsagbar traurig. Der Ring ist an ihrem Finger, sie ist endlich, was sie längst hätte fein sollen — Rudolfs Weib.
Er beugte sich über sie; mit aller Kraft erhebt sie sich z„ einer Umarmung, aber schwer sinkt ihr Haupt zurück und kalt und leblos legt er seine Braut in die Kissen, ob tot. oder in totähnlicher Ohnmacht — wer wußte es?
11.
Der Abend.
Mit Tagesanbruch erwachte Edith aus der tot- tzleichen Erstarrung und blieb tagelang am Rand v§ Grabes. Tie Reaktion war gekommen. Bleick. umm und regungslos lag sie. Selbst die geliebte ^Äiiiime hörte sie nicht, ihr Sfuge starrte ins Leere.
kung des Zentrums entbehrlich machen würde .... Die Zukunft unserer nationalen Politik ist von neuem ins Unsichere gestellt." Was ehedem der Dismarckschen Gewaltpolitik nicht gelungen war, hatte die Miquelsche Kunstpolitik erst recht nicht erreichen können. DaS Zentrum war der feste Turm in der Schlacht geblieben.
Und heute? Heute gilt der gesamte Kampf einmütig item Sentrum! DaS „nationale Moment" steht in der allerersten Reihe wie damals, und die Regierung schürt den Kampf nach besten Kräften, sodaß daS offiziöse Telegraphenbureau in der Weiterverbreitung der unendlich vielen Kundgebungen kaum zu Ende kommen kann. Ihr Ziel ist eine doppelte „nationale" Mehrheit, einmal nach links, ein andermal nach rechts, wie man sie eben braucht. Der „entschiedene" Liberalismus möchte diese Bocksprünge mitmachen. Und waS ist der seitherige Erfolg? Die „nationalen Parteien" find von einer „Sammlung" weiter entfernt als je; nur noch vierzehn Tage trennen uns von der Entscheidung, und der Gesamteindruck, den der Aufmarsch der „geeinigten" Parteien macht, ist ein W i r r w a r r sondergleichen. Und mit diesem bunten Durcheinander will die Regierung den Zentrumsturm einreißen?! In der Tat, sie hat auS der Geschichte der Vergangenheit nichts gelernt und der „nationale" Brei hat nichts vergesienl
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Januar 1907.
r. Für die verstorbene Königin Marie von Hannover hat die offiziöse ,'Jtorob. Allg. Ztgck außer wenigen Daten über daS Leben der Verstorbenen und Berichten auS Hannover keinen Nachruf übrig. Lakonisch schrerbt sie lediglich: „Außer dem Hause Braunschweig»Lüneburg trauern auch die nahe verwandten deutschen Herrscherfamilien von Sachsen-Altenburg, Baden und Mecklenburg-Schwerin um die hochbetagte Fürstin. Auch unser Kaiserhaus nimmt an dem Ableben der hohen Frau, die die Fügungen des Geschicks mit Ehrfurcht gebietender Würde getragen hat, innigen Anteil." Weniger konnte nicht leicht gesagt werden. Der Grund deS Schweigens ist unschwer zu erraten.
* Bon den Reden deS Fürste« Bülow.ist jetzt der zweite Band erschienen. Er enthält die Reden vom 10. Dezember 1903 bis zum 13. Dezember 1906, also bi» zur Auflösung des Reichstags. Die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg? widmet dem neuen Bande m ihrer litterarischen Rubrik eine Besprechung, in welche ein flemer Seitenhieb auf das Zentrum eingeschoben ist. Da die Reden über die Fragen der auswärtigen Politik den größten Raum einnehmen, behauptet das Organ des Reichskanzlers, „daß sich der Reichstag über einen Mangel an Informationen über die auswärtigen Angelegenheiten nicht beklagen kann." Fürst Bülow sei in der Erörterung dieser Fragen vor dem Parlament weniger sparsam, als irgend ein anderer lebender Staatsmann. Diese seltsame Behauptung richtet sich gegen den Antrag Hompesch, welcher forderte, daß dem Reichstag das urkundlrche Material über unsere auswärtige Politik zugänglich gemacht werden sollte. Daß der Reichskanzler in seinen Reden viel und vielerlei mitgeteilt hat, wollen wir durchaus nicht bestreiten. Fest steht aber, daß er nur soviel und nur das der Volksvertretung unterbreitete, was er für gut fand, gleichviel, ob das Parlament damit befriedigt wurde oder weitergehende Wünsche stellen mußte.
Ein Erwachen aus dieser Lethargie war zweifelhaft. Tod und Leben rangen um die Oberhand. Es war eine trostlose Zeit, die Rudolf nie vergaß. Er verließ sie kaum je, tränenlos saß er an ihrer Seite, beinahe ebenso bleich und hohläugig wie die Sterbende, und hielt gelegentlich einen Spiegel an ihre Lippen, um sich des Atems zu vergewissern.
Düster standen die Aerzte dabei.
„Die Aufregung der Trauung hat ihr den Rest gegeben," brummte der Eine, „ich habe es ja gleich gesagt."
Ein schwarzgeränderter Brief aus England lief ein und meldete Lady Helenas Tod.
„Sanft und friedlich ist sie eingegangen zur etotaen Ruhe," schrieb Inez, „und hat ihr großes Vermögen testamentarisch zwischen Dir und mir geteilt. Es wäre gut, wenn Tu bald nach England kämest, denn ich beabsichtige, in ein Kloster in London zu treten und den Rest meines Lebens den Kranken und Hilflosen zu widmen. Mein Bruder gebietet nun in Cathe- ron Royals, er ist in jeder Hinsicht zu feinem Vorteile verändert und wird fein unwürdiger Nachfolger des Geschiedenen sein. Sein Weib und seine Kinder lassen nichts zu wünschen übrig. Also komme bald, liebe Edith, zu Deiner Dich liebenden Jncz."
Wieder hatte Edith ein Vermögen geerbt, war nun unermeßlich reich — alles Gold der Erde ab-r vermachte ihrem Leben keine Sekunde zuzusetzen. Welch bittere Ironie.
Tie siebente Nacht brachte die Krisis.
„Morgen werden wir wissen, ob sie stirbt oder nicht," bemerkte ein Arzt.
„Also noch Hoffnung?" fragte Trixy.
„Es wäre ein Wunder, wenn fie's überstünde, und die Zeiten der Wunder sind wohl vorbei. Uebrigens sollten Sie Herrn Stuart heute nicht wachen lasten, er ist von den beiden letzten Nächten zu anaeariffen."
Insofern ist also der Antrag Hompesch vollauf begründet, und daS offiziöse Organ täuscht feine Leser, wenn es sie glauben machen will, daß weitere Aufklärungen über unsere auswärtige Politik, als sie Fürst Bülow in seinen Reden gibt und gegeben hat, überhaupt nicht notwendig seien. Da der neu erschienene Band auch die Auseinandersetzungen mit der Sozialdemokratie enthält, stempelt ihn die ,Nordd. Allg. Ztg.' zu einem vortrefflichen Hilfsmittel im Wahlkampfe. In einem besonderen Anhang ist auch der SÜ- vesterdnef des Reichskanzlers veröffentlicht.
* Der Meichsanzck veröffentlicht das Gesetz tetr. dieAenderung der Gewerbeordnung Es ist diejenige Novelle, welche den sogen, kleinen Befähigungs-Nachweis im Baugewerbe betrifft. DaS Gesetz wurde als eine der ersten Vorlagen in der vergangenen Tagung des Reichstages erledigt. — Weiter veröffentlicht der,Reichscmz/ die Verordnung betr. Abänderungen der Ausführungs-Bestimmungen zu dem Gesetze über die KriegSleistungen. ES handelt sich hier um die Erhöhung der Vergütung für die Naturalverpflegung fürOsfiziere und Mann- schäften. Nach der Verordnung wird die Vergütung für die volle Tageskost auf 1 Mark 20 Pfg. mit Brot und 1 Mark 5 Pfg. ohne Brot festgesetzt. Für die Mittagskost solle« 60 Pfg. bezw. 55 Pfg., für die Abendkost 50 bezw. 45 Pfg. und für die Morgenkost 25 bezw. 20 Pfg. vergütet werden. Bei einer außergewöhnliche« Höhe der Preise der Lebensmittel können DieBer- gütungSfätze durch Den Bundesrat angemessen erhöht werden.
* Abg. Aigner f- Der bisherige Reichstags- abgeordnete unv bayerische Landkagsabgeordnete Joseph Aigner in Passau ist der,Donau-Ztg/ zufolge gestern gestorben. Aigner vertrat seit 1898 im Reichstage ben Wahlkreis Kelheim, den vorher während einer Legislaturperiode der ,Vaterlands'-Herausgeder Dr. Sigl vertreten hatte.
* In „nationalen" Kreisen hat man noch immer Die Hoffnung nicht aufgegeben, daß Fürst Bülow auch vom Regierungstische des Adge- orduetenh aufes aus feine Parole zum Reichstagswahlkampf e verteidigen wird. Die Thronrede und d« Eröffnungssitzung haben die „nationalen" Hoffnungen getäuscht. Jetzt läßt man das Gerücht verbreiten, daß Fürst Bülow morgen, Freitag, doch noch das Wort ergreifen könnte, um über die Auflösung des Reichstags zu sprechen. Eine parlamentarische Korre'pvudenz oereitrit aber auch diese Hoffnung und bezeichnet gleichzeitig eine solche Rede für einen Fehler, indem sie noch aniügt, daß der Reichstag gegen den Landtag nicht ausgespielt werden könne. Daß das aber doch mögl.ch ist, zeigt uns die Thronrede, mit welcher der Landtag eröffnet wurde. Dort wurde in deutlicher Anspielung auf den Reichstag dem Landtag ein Wohlverhaltenszeugnis ausgestellt. Unmöglich ist es also nicht, daß Fürst Bülow feine Stimmungsmache auch in Den Landtag überträgt.
♦ Ter Bund der Landwirte formuliert feine Wahlparole wieder aufs neue, tue Konservativen will er unterstützen, bei Den Nationalliberalen schaut er sich Die einzelnen Kandidaten ganz genau an: „Bon der Förderung einer Kandidatur der freisinnigen Vereinigung unsererseits kann nicht die Rede fein. Die freisinnige Bereinigung ist uns auf volkswirtschaftlichem Gebiete beinahe schärfer entgegengetreten als Die Sozialdemokratie. Wirtschaftspolitische Fragen dürfen auch diesmal
„Wenn er weiß, daß die Krisis Eintritt, wird ec nicht gehen wollen.",
„Geben Sie mir einen Schlaftrunk für ihn, und wenn es zum Aergsten kommt, kann man ihn ja wecken."
Der Doktor willfahrte.
»Ich komme mit TageZgrauen wieder," sagte er.
Sie kehrte anS Krankenlager zurück, weinen konnte sie nicht mehr. Wie stumpfsinnig saß er neben dem Bette.
„Ruhen Sir jetzt ein wenig, Rudolf," bat ''“feilte Nacht," fragte er schmerzlich, „die letzte Nacht? nein, ich verlasse sie nicht."
„Nur eine Stunde sollen Sie sich nie berieten, Rudolf, tun Sie'» mit zu Liebe. Ich verspreche Sie bei der geringsten Veränderung zu wecken."
Nach längerem Drängen gab er endlich nach.
„Trinken Sie noch dieses Glas Wein," bat Julie.
Er trank es und ging.
„Gott sei Dank," rief Trixy, „ich hätte ihn heute hier nicht sehen können. Wenn sie stirbt, wird es ibn töten."
Juliens Lippen bebten. DaS Rudolf ihr gewesen, wie iür ganzes Herz ihm gehört, wußte selbst Trixy nicht. Ihres Lebens schönster Traum war vorüber. Ob Edith lebte ober starb, in seinem Herzen hatte kein anderes Weib mehr Raum.
Die Stunden verstrichen. Schwach flimmerte das Licht. Alles ist still. Im Nebenzimmer liegt Rudolf angekleidet auf einem Bette. Als er erwachte, war es bereits Tag. Alles fiel ihm ein. Der Morgen war da, er hatte gefchlasen, während sie dem Tode nabe war. Dem Tadel Wer sollte ihm sagen, daß Edith nicht tot war? Wie trunken erhob er sich und ging auf die Türe zu. Ueberall herrschte tiefste Stille. Durchs Fenster drangen der erwachenden Sonne erste Strahlen. Unfähig, weiter zu gehen, blieb er stehen; sollte er Leben
nicht auSgeschaüet werben, weil ihre AuSschaltun im nationalem Sinne ungemein bedeuklich fein würde. Deshalb kann man unS ernstlich nicht zumute«, der Unterstützung einer Äanbibatur des weiblichen Freisinns daS Wort zu reden. Auch die freisinnige Volkspartei kann nur ganz ausnahmsweise dort unterstützt werben, wo sie unzweifelhaft das Heinere Hebel ist und wo eine wirtschaftspolitisch uns nahestehende Kandidatur ausgeschlossen erscheint. Ob in solchen Fällen die Förderung einer freisinnigen Kandidatur ober die Aufstellung einer agrarischen Zählungskcmbi- batur vorzuziehen sei, wird von Fall zu Fall beurteilt werben müssen. Die Sozialdemokratie werden wir mit allen Mittel« und mit aller Enlschiedenhest überall bekämpfen. Um ben Sieg eines Sozialdemokraten zu verhindern, wird gegebenenfalls in der Stichwahl ein Opfer der Ueberzeugung zu bringen fein. Was unsere Haltung gegenüber dem Zentrum anlangt, so haben wir uns genügend darüber geäußert, so daß wir darauf nicht zurückzukommen brauchen. Kulturkampfpaukerei machen wir nicht mit. Wir bedauern zwar, daß das Zentrum in der Frage, die zur Auflöfung de Reichstages führte, versagt hat, vergessen aber nicht, daß es früher bei der Erfüllung nationaler Aufgaben mitgerohtt hat und daß eS wirtschaftspolitisch, wenn auch nicht ganz zuverlässig, so doch oft zuverlässiger war al» der Lmlsliberalismus." Wir meinen, der Bund der Landwirte sollte schon noch einen Schritt weiter gehen und anerkennen, daß daS Zenttum alle großen volkswirtschaftlichen Gesetze zuzunste« der Landwirtschaft mit geschaffen hat.
r. Für ben „Kriegsschatz" der Zentrums- Partei ist der «Köln. Volksztgck ein namhafter Beittag auS England zugegangen. Die «Nordd. Allg. Zig/ veröffentlicht diese „ausländische Wahlhilfe" ohne weiteren Zusatz an erster Stelle der der Wahlbewegung gewidmeten Rubrik. Lediglich den Schlußsatz, in welchem die FAnifche Volksztg.' die Hoffnung ausge- sprachen lKit, daß dieses Beispiel bei «»deren Freunden des Zentrums im Auslande Nachahmung fmben möchte, gibt sie im Sperrdruck wieder. Möchte das osftftöse Organ vielleicht gar auch hieraus dem Zentrum einen Strick drehen? DaS berliner Sägeblatt' leistet sich ein übriges, wenn es schreibt, „daß das «ltramon» tone Blatt sich auf diese von einem Ausländer herrührende Wahlfpende nicht jo viel zu gute tun sollte." Ei, ei, wie zart besaitet der „entschiedene" Liberalismus »ach der Fasson de» »Berliner Tageblattes' jetzt ist!
* DaS Herrenhaus hat zur Zeit 313 Mitglieder, während 43 Stimmen ruhe«. Nach Provinzen geordnet stammen die Mitglieder: Aus Ost- und Westpreußen 30 (ruhende Stimmen 3), Brandenburg 64 (4), Pommern 29 (1), Posen 16 (3), Schlesien 46 (15), Sachsen 29 (4), Schleswig-Holstein tl (1), Hannover 12 (—), Westfalen 22 (3), Hessen-Nassau 14 (2), Rheinprovinz 30 (5), Hohenzolleru 1 (2).
* Eine Niederträchtigkeit hat der Vertrieb patriotischer Zeitschriften in Berlin sich zu schulden kommen lassen, indem er ein Flugblatt verbreitet mit dem Titel: Tie Heuchelei. Auf der Borderfeite des Flugblattes steht ein Bild, das Singer, Roeren, Bebel und Erzberger darstellt, wie sie Arm in Arm den Reichstag verlassen; auf der Rückseite der deutsche Michel, von der zweiköpfigen Hydra Sozial-Zen- trum umklammert. Aus dem Text gibt die „K. V." folgende Proben: Die Heuchelei, auch die finden oder Tod? Geräuschlos öffnete sich die Tür. Julie kam bleich näher. Boll Angst schonte er auf sie.
„Gottlob, der Arzt sagt, wir dürfen hoffen." Das Schlimmste zu hören, war er vorbereitet, nicht darauf.
Er machte einen Schritt vorwärts und sank ohnmächtig zu Boden.
12.
Der Morgen.
Sie erwachte von einem erfrifchenden Schlirm- mer und lächelte Tritt» schwach zu.
Tie Krisis war vorüber. ,
Sie ließen Rudolf nur zu ihr, wenn ft: fc<ef, doch das war leicht zu tragen — Edith sollte ja nicht sterben.
„ES gibt Heilmittel, die entweder toten oder retten," sprach der Arzt zu Rudolf, „Ihre Heirat war ein solches. Ich glaubte,, sie brächte den Tod, und sie hat Heilung gebracht." ,
Viele Tage kehrte Edith das Gedächtnis nicht zurück, sie aß und tranf begierig und fiel dann wieder in erynickenden Schlaf.
Endlich vermochte sie sich wieder zu erinnern, und Trixy bemerkte, baß ihr immer wieder eine Frage auf den Lippen schwebte.
„Was möchtest Tn denn eigentlich wissen?" „Wie lange war ich krank?"
„Nahe an fünf Wochen; siehst Du, an mit sind nur mehr noch Haut und Knochen, was wird Rudolf sagen, wenn er kömmt."
„Ich war zeitweise wohl im Delirium?" „Freilich; aber deshalb brauchst Du nicht so betrübt auszusehen. Jetzt ist alles gut."
„Ja", seufzte sie, „Ihr wäret alle sehr liebevoll mit mir. Es war wohl doch nur ein Phan» tasiegebilde?" #
„Was?"
„Ich — o Trixy, ich glaubte, Rudolf fei bei mir gewesen."