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Rotationsdruck u. Verlag der Huldaer Le» tiendr ickerei in Hulda. Hernfprecher Nr 9.
M 6.
Fulda, Dienstag den 8. Januar 1907.
34. Jahrgang.
k Der veränderte Wahlaufmarsch.
Seit dem 13. Dezember sind erst drei Wochen verflossen; aber wie viel hat sich seither geändert! 9Zut eine Partei blieb ihrer von Anfang an eingenommenen Haltung treu, das Zentrum! Sonst aber kann man sagen: „Linker Hand, rechter Hand, alles vertauscht!" Am Tage der Auflösung da lagen sich in den Armen: Graf Kanitz und Gothein, Liebermann von Sonnenberg und Blumenthal, Stöcker und von Ger- lach! Wie grimmige Löwen sahen sie zum Zentrum hinüber und suchten dieses zu verschlingen. Und ach! wie viel hat sich seither geändert? Damals wollte man mit vereinten Kräften die ganze Menschheit in die Schranken fordern! Man jubelte und triumphierte, man klatschte im Reichstage! Das Zentrum aber stand in ruhiger Gelassenheit da; es hatte seine Pflicht erfüllt und konnte diesen „Siegesrausch" der eben Unterlegenen ruhig an sich vorbeiziehen lassen! Es wußte schon damals, daß diese Verbrüderung keine 3 Wochen hält und hat es sich getäuscht?
Zuerst kam der Vorschlag, es sei eine „Ov^ ganisation des Sieges" zu schaffen; die Minder- heitsparteicn hätten sich gegenseitig das Wort zu geben, daß sie den heutigen Besitzstand achten würden! Was heute jede Partei habe, müsse sie unbedingt behalten! Alle Kraft aber sei auf den Ansturm gegen Zentrum und Sozialdemo- kratte zu verwenden! Es las sich wunderschön und der große Jllusionspolitiker Neumann hatte bereits ausgerechnet, wie man uns allein 24 Mandate abknöpfen könnte! Freilich beachtete er hierbei gar nicht, daß die meisten derselben, nach seiner eigenen Rechnung den Sozialdemokraten zufallen würden und somit der Minderheit nicht zustatten gekommen wären. Jnzlvischen haben aber selbst Blätter der Minderheit erklärt, daß diese Rechnung ein Loch hat. und daß sie sich nicht verwirklichen werde. Zuerst setzte der Widerspruch gegen die Wahrung des Besitzstandes bei den Nationalliberalen ein; sie hatten ja auf die Reichstagsauflösung ge- drängt, weil sie auf eine Vermehrung der Mandate rechneten! Jedoch damit nicht genug; sie stellten sowohl in konservativen wie in freisinnigen Kreisen eigene Kandidaten auf. Freilich fand sich hierbei nicht ein einziger geeigneter Sih für Basiermann, der wie ein politischer „Ahas- verus" vom Süden nach der Mitte, nach dem Osten und dem Westen wandern muß, bis er schließlich doch noch durchfällt!
Dieses Verhalten der Nationalliberalen machte nun Konservative und Freisinnige stutzig; sie durchschauten den Plan. Sie sollten gegen Zentrum und dazu dwekt den Nationalliberalen zum Siege verhelfen! Immer aber sollten die Nationalliberalen das Mandat einstecken! Das beantwortete man von diesen Parteien m's mit Gegenmaßnahmen! Die Konservativen erklären sich zwar heute noch mit unbegreiflicher Lammesgeduld bereit, den Nationalliberalen in sehr vielen Kreisen zu helfen, gleichzeitig aber stellten auch sie eigene Kandidaten gegenüber den Nationalliberalen auf.
Damit war der Block des 13. Dezember 1906 bereits gesprengt! Doch die Risse erweiterten sich täglich! Da schrie alles nach einer neuen Wahlparole, welche die Parteien wieder einigen sollte! Von der Regierung erwartete die Minderheit das Heil, nicht aus ihrer eigenen Kraft iind nicht ans der Wählerschaft. Aber die Regierung war in einer heillosen Situation.
Sie hatte nur eine Bettdecke, mit der sie 8 Parteien decken sollte, die sich nicht vertrugen! Ein- mal war es dem einen links, dann dem anderen rechts zu wenig und jeder schrie nach mehr Negierungsgunst. Bülow mußte um das Lager der Parteien nur so herumspringen und zur Ruhe mahnen; dabei gab er bald diesen, bald jenen etwas mehr von der Negierungsdecke, was natürlich stets neue Unzufriedenheit erregte!
Nun sollte der Silvesterbrief sie alle wieder decken! Aber statt dessen allgemeine Unzusrieden- heft! Nur ganz wenige Blätter sind es, die mit dem Fürsten Bülow einverstanden sind! Jetzt ist die Verwirrung erst recht groß! Man hat ungefähr ein Bild von dem, wie es erst in der Zukunft werden würde, wenn diese Minderheit zur Mehrheit wird! Einige Blätter haben es überhaupt satt, noch mit der Regierung zu gehen! Die Androhung des Reichskanzlers mit dem Säbel hat bei ihnen völlige Bestürzung hervorgerufen und sie sehen hierin Züge des Absolutismus! Sir erinnern sich jetzt auch der Worte des Reichskanzlers, daß die Parteien keine Verantwortung tragen!
Wie ruhig, stolz und siegesbewußt steht demgegenüber die Zentrumspartei da! Sie geht ihres Weges Schritt für Schritt und schaut nicht nach rechts und links! Im Regierungslaqer herrscht Heller Unfriede und große Zerfahrenheit, just so wie im preußischen Heere vor der Schlacht von Jena! Bei uns aber frohe Siegeszuversicht, bei uns große Begeisterung. Da kann der Sieg nicht zweifelhaft sein! Die Minderheit hat bereits jede Stoßkraft eingebüßt und richtet sich schon auf erhebliche Verluste ein. Es liegt jetzt nur an uns, wie groß diefe werden! Die Zentrumswähler werden alles tun, um die Niederlage vernichtend zu gestalten! Gegenüber den ^Nationalliberalen halten wir uns an das bekannte: „Pardon wird nicht gegeben!" Unter keinen Umständen! Jeder Verlust an liberalen Mandaten ist ein doppelter Verlust für die Regierung und schmerzt diese erst sehr! Je länger die Wahlbewegung dauert, desto größer wird die Unordnung in jenen Reihen, desto mehr wächst bei uns die Begeisterung. Hat schon der veränderte Wahlaufmarsch uns recht gegeben, so wird erst der 25. Januar der ReichStägS- mehrheit vollauf recht geben.
Deutsches Reich.
Berlin, den 7. Januar 1907.
Die Eröffnung des preußischen Landtages vollzieht sich am Dienstag in feierlicher Form. Anfangs hieß eS, daß infolge des Jubiläum- deS Breslauer Kardinals die Eröffnung erst am 10. Januar vor sich gehen werde, und schon ereiferten sich pflichtgemäß Alldeutsche und Evangelischer Bund! Ob die Reichstagsauflösung wohl zu dieser Aenderung deS Termine- geführt hat? Jedenfalls steht soviel fest, daß sofort in den ersten Tagen die Auflösung des Reichstages allseitig besprochen werden wtrd, daß alle Parteien den Anlaß benützen werden, um eine Aussprache herbeizusühren. Viel neues wirb nicht heranskommen. Wir rechnen höchstens damit, daß die Situation des Zentrums durch diese Debatte noch günstiger sich gestaltet. Der Landtag hat sich zunächst mit der EtatS- beratung zu befassen, und wenn der Etat noch vor Ostern an das Herrenhaus gegeben
6hi furchtbares Geheimnis.
Dem amerikanischen Originale der MrS. Atay Agnes Fleming nacherzätztt von tiiua Freifrau von
Berlepsch.
53j (Nachdruck verboten.)
Unfähig zu sprechen vor innerer Erregung setzte sie sich schweigend an seine Seite.
Er bat sie, ihm alles mitzuteilen, was sie erlebt seit dem verhängnisvollen Tag, da er sie verlassen. Sie entsprach dem Wunsche, erzählte ihm, tote es ihr ergangen von der Flucht nach Potoys Place bis zur Rückkehr nach Catheron Royals. Die Schattenseiten ließ sie ziemlich unberührt, aber er verstand sie und wußte, tote ihr Stolz gelitten und geblutet hatte.
„Ich dachte nicht, daß Du so handeln würdest, flüsterte er, „aber ich hätte Dich bester kennen sollen. Meiner Absicht entsprechend, wärst Du bei Tante Helena geblieben und hättest genommen, was Dir gebührte; als ich von Deiner Flucht hörte, war ich wie betäubt und suchte Dich überall. Weißt Du, daß ich in Amerika war?"
„Inez sagte es mir."
„Ich konnte aber weder Deinen Vater, noch die Familie Stuart ausfindig machen. Dich selbst sah ich zufällig in Madame Mirabeau's Laden und es war meine letzte Hoffnung, als ich Inez zu Dir sandte. Sie litt Schiffbruch und das schien am schwersten zu erttagen."
,,O, daß ich'S gewußt hättet"
„Ja, da» war der Fehler; mit Deinem Stolze konntest Tu nicht anders handeln, und doch gefällt mir Dein Wesen. Ich sehe Dich int Geiste al? eines edlen Mannes glückliche Gattin: laß' daun aber nicht den Stolz zwischen Dich und Deine Zukunst treten, Edith, ich werde friedlicher im Grabe prchen, wenn ich auf Erden Dich glücklich weiß."
„O Viktor, Deine Güte bricht mir das Herz." „Um eins aber muß ich Dich bitten, Edith, willst Du mir's gewähren?"
„Könnte ich Dir's versagen?"
„Versprich mir, daß Du nach meinem Tode nimmst, was Dir gebührt. Kein falscher Stolz soll Sir Victor Catheron's Witwe beeinflussen. Juan Catheron ist mit einer Creolin verheiratet und lebt auf der Insel Martinique. Er erbt gesetzlich den Titel, Catheron RoyalS und dessen Reveimen. Das Uebrige gehört Dir. Meiner Großmutter bedeutendes Vermögen ist Dir testa- met.tarisch gesichert und es ist mein letzter Wunsch und Befehl, daß Du alles ohne Zögern annimmst, auf daß ich Dich ruhig verlasten kann. Versprich es mir, Edith."
„Ich verspreche es," flüsterte sie.
Er sammelte glühende Kohlen auf ihr Haupt.
Langes Schweigen folgte. Er lag mit geschlof- senen Augen erschöpft, aber glückselig. Des Todes Bitterkeit war vorübergegangen, er hatte heiligen Frieden. An der Seite des geliebten Weibes mochte er ruhig sterben, denn er wußte, daß in ihrem Herzen nur Liebe wohnte und Vergebung, daß sie einst glücklich sein würde.
Edith verließ den wiedergefundenen und jetzt sterbenden Gatten keinen Moment. Tante Helena und Inez teilten gelegentlich ihre Wache, sie alle sahen, daß das Ende nahte.
„Lies mir vor," sprach er zu Edith während des Tages.
Si» las über des Lebens Leiden und Versuchungen:
„Aber das Ende wird kommen und alle Tränen sollen getrocknet werden, und es soll nicht mehr sein weder Trauer, noch Klage, noch Schmerz. Danket dem Herrn für die Auflösung."
Er sah sie begeistert an, ihre Stimme brach und sie legte das Buch weg.
Als der Sonnenunteraana das Fenster vergol-
werden soll, muß dies am 12. März geschehen, da spätestens am 23. März die Osterferien beginnen werden. Wenn man also jetzt wieder die Verhandlungen kontingentiert, so muß der Rahmen noch enger als früher gestellt werden, und schließlich könnten die Verhandlungen darunter doch Slot leiden. Neben dem Etat werden vor Ostern kaum größere Gesetze zur Beratung stehen, es ist überhaupt kein größeres Werk in Aussicht genommen. Sehr umfangreich ist dagegen die Zahl der Wünsche, die bei der Etatsberatung vorgebracht werden, und zwar stehen Be- amtenwünsche diesmal viel mehr im Vordergrund, wie sonst. Für die Beamten muß sofort etwas geschehen. Sie leiden unter den heutigen Verhältniffen am allermeisten! Der Arbeiter hat in den letzten zehn Jahren Lohnerhöhungen gehabt' daS Gewerbe erfreut sich hohen Umsatzes, der Landwirtschaft geht es bester als vor zehn Jahren, nur der Beamte kam nicht vorwärts! Er erhält trotz aller höheren Lebensmittelpreise noch die alten Gehaltssätze. Die Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses wird es sich zur Ehre anrechnen, für die Wünsche der Beamtenschaft einzutreten; namentlich die vielen Eisenbahnbeamten dürfen unbedingt damit rechnen. Die Nalionalliberalen haben bekanntlich bereits eine Anzahl von Anträgen angekündigt, darunter auch eine über die Wahlrechtsreform. Es fällt ihnen gar nicht ein, das allgemeine Reichstagswahlrecht zu fordern, sondern sie verlangen nur eine kleine Aenderung des Dreiklastenwahlrechts. Das Zentrum kann diese Gelegenheit benützen, um auf seinen Antrag aus dem Jahre 1873 auf Einführung des Reichstagswahlrechtes zurückzugreisen und so zu beweisen, wie es ein Hort dieses Wahlrechts ist. Wenn einmal für die preußische Volksvertretung das allgemeine Wahlrecht besteht, dann ist es auch sür das Reich gesichert. Die Nationalliberalen aber, die hier ver- sagt haben, beweisen damit, daß ihnen die pupillarische Sicherheft auf diesem Gebiete fehlt.
* „Hebel beraten" war der Reichskanzler, als er feinen Silvesterbrief erließ. Diese Schmeichelei sagt ihm heute die „Voss. Ztg." ganz deutlich in's Ohr. Das ist eine vortreffliche Illustrierung zu der offiziösen Behauptung vom letzten Samstag, bah das Wahlmanifest des Fürsten Bülow „von den Minderheitsparteien nahezu vorbehaltlos akzeptiert worden ist". Und wenige Zeilen später schreibt dieselbe „Voss. Ztg.", daß „es bester gewesen wäre, wenn er jede Aeußerung unterlassen hätte", falls er nichts anderes zu sagen hatte als in seinem Schreiben an den Reichsverband. Schmeichelhaft klingt dies zwar nicht, aber wahr ist es.
* Antelegraphiert wurde der Kolonial- direktor Dernburg aus dem Wahlkreise des Abg. Erzberger. Die „reichstreuen Wäh- ler" des Wahlkreises Bibrach in Württemberg hielten dort eine Versammlung ab, aus welcher dann daS Sympathie- und Danktelegramm an Dernburg hervorgegangen ist. Aus dieser Tat- jache macht die „nationale" Presse ein gewaltiges Aufheben. Im Berliner „Lokalanz." ist das Tele- gramm „eine besonders beachtenswerte Vertrauenskundgebung für den Leiter der Kolonial- abteilung" und die freikonservative „Post" schwingt sich zu folgenden Begleitversen auf: „Es ist besonders interessant, daß aus dem Wahlkreise des verbissensten Kolonialgegners im Zentrum ein fo von nationalem Geist getragenes Huldigungstelegramm an Dernburg eingeht. Leider ist aber Erzbergers Mehrheit so groß, daß sie kaum zu erschüttern ist. Immerhin wird dieser moralische Denkzettel Herrn Erzberger unangenehm sein." Ein „Denkzettel" also für Herrn Erzberger ist das detc, erwachte er und blickte hinaus in die pur- prirne Gegend.
„Oefsne daS Fenster, Edith, ich möchte noch einmal deS Tagesgestirnes Sinken sehen."
Purpurnes Licht durchstrahlte das Zimmer, tote des Paradieses Pforten leuchtete der Horizont.
„Herrlich! o wenn die Erbe so schön, tote göttlich muß der Himmel sein."
Und leise wiederholte er die Worte, die sie gelesen:
„Und es soll nimmer sein weder Trauer, noch Klage, noch Pein!"
Er atmete tief auf.
„Du bist bleich, Edith, geh ein Weilchen ins Freie, Du magst mich ruhig verlasten."
Sie küßte ihn und ging. Ihr ganzes Leben laug war sie froh, daß sie mit einem Küste von ihm geschieden. Sie ging hinab in den Garten und blieb etwa fünfzehn Minuten. Allmählich er- blich im Westen die Abendröte, bleich blickte der Mond auf die ruhende Erde.
Sie kehrte zurück. Noch lag er, wie sie ihn ver- asten, und sie glaubte ihn schlafend. Sie beugte ich über ihn, tiefer und tiefer.
„Und das Ende wird kommen und eS soll nimmer sein weder Trauer, noch Klage, noch Pein."
Ein Schrei durchzitterte die Lust, gequälter Witwenbrust entrungen. Auf die Knie sank sie neben dem Lager des Dahingeschiedenen.
Eine Stunde später erklang vom Turme in Cbesbolm dumpf die Totenglocke, sie klagte um Sir Victor Catheron, der zu früh zu den Vätern geschieden. 6
7.
Zwei Jahre später.
Ein schönes Schiss dampfte an einem August- nachmittage hinaus in die offene See. Alle Saluten waren gefüllt, alle Länder schienen vertre-
Telegramm an Herrn Dernburg! Wie groß ist denn die Zahl der reichstreuen Männeken, welche diese Antelegraphierung verbrochen haben? Im Jahre 1903 fielen 664 Stimmen im Wahlkreise Erzbergers auf den süddeutfchen Volksparteiler und ganze 448 auf den nationalliberalen Kandidaten, während für Erzberger 16 884 gezählt wurden. Der „moralische Denkzettel" wird also Herrn Erzberger und auch seiner Wählerschaft höchstens ein herzliches Lachen über die Naivität der politischen Kinder im nationalen Block entlocken. Die „Post" hat recht, der Wahlkreis Erzbergers ist „kaum zu erschüttern"!
* Das Reichstagswahlrecht in Gefahr! Auch das Organ des Evan g el ischen B nnd es, die .Tägliche Rundschau', droht mit der Möglichkeit und „Notwendigkeit" einer Abänderung des Wahlrechts. Es schreibt:
„Ein Anwachsen der sozialdemokrarischen Mandate wäre teufe nicht mehr eine Stabilisterung des Zenrumseinflusses, sondern auch die Heraufbeschwörung schwerer, innerer Gefahren. Wenn ein Volk sich in noch gröberer Anzahl als bei den letzten Wahlen für eine Partei der offenen Zerstörung ausspräche, wenn es das schamlose Verhalten der Sozialdemokratie tn allen nationalen Fragen billigte, so würde es eine Unfähigkeit der politischen Selbstbestimmung an den Tag legen, welche die Regierung auS Selbsterhaltungstrieb um unserer inneren Entwickelung rote noch vielmehr um unserer Stellung im Völkerkonzert willen zu schweren Folgerungen nötigen würde."
Das ist deutlich! Noch deutlicher freilich werden die ,Hamburger Nachrichten', in denen eS heißt:
„Wir werden immer »vieder darauf hürweisett, daß schließlich doch nichts anderes übrig bleiben wird, als zur Abänderung deS Wahlrechts zu schreiten, wenn nicht Reich und Volk an der Herrschaft von Sozialdemokratie zu Grunde gehen sollen'. . . Was in Hamburg möglich war, sollte doch auch im Deutschen Reiche ausführbar sein und zur Anwendung gelangen, wenn die Not es gebietet. Natürlich muß es der Reichsregierung überlaffen bleiben, darüber zu entscheiden, wann der gegebene Moment zum Handeln in dieser Richtung gegeben sein wird. Daß er kommen wird und kommen muß, ist unS zweifeltos."
Herr v. Oldenburg-Januschau, der Führer des Bundes der Landwirte, richtete in einer Versammlung des Bundes der Landwirte zu Könitz die heftigsten Angriffe gegen das allgemeine Wahlrecht und führte dabei aus: ,Hirr gibt es kein anderes Mittel, als die rohe Gewalt, während uns durch Bismarck eine Menge Mittel zur Verfügung standen, die zerronnen sind. Und das ist es, was das Deutsche Reick zur Dittatur treibt."
Darum Reichstagswähler, die Augen auf!
* Was die Genoffen feiern, ersieht man andern neuen historischen Kalender des,Vonvärts', der u. a. folgende Gedenktage aufzählt: „Wilhelm IL Rottenrede, Straßenkämpfe in Moskau, Polizeirat Rumpff erdolcht, Joh. v. Leyden gestorben, Verschwörung der Strelitzer gegen Peter den Großen, Admiral Tschuchuim gestorben, Se- bastopol geattentätert, Giordano Bruno verbrannt, Heinr. Heine gestorben, Wallenstein ermordet, Graf Effer geköpft, ruff. Leutnant Schmitt zum Tode verurteltt, Danton gründet das Revolutions- Tribunal, Bomben-Attentat auf Zar Alexander II., Most in Cincinnati gestorben, Danton guilloti- ntett, Ulrich v. Hutten, Kalthoff, Bremen (fretf. Theol.) gestorben, Hödels Attentat, Tilly zerstört Magdeburg, Erschießung der Geiseln tn Paris, Ende der Pariser Kommune, Nobiiings Attentatz Giuseppi Garibaldi gestorben, Jumschlacht in Parts, Kullmanus Alternat, Bastillensturm, Robespierre geköpft, Malrojen-Reoolte auf der Festung Kronstadt, Attentat auf Stolypin in Petersburg, Bomben-Attentat auf den General - Gouverneur tn Riga, Gouverneur v. Simberski geaitenlärert.
ten. Man lernte sich kennen. Eine dunkle schöne Dame in Witwentracht erregte allgenteittes Interesse. In der Paffagierliste stand sie als Lady (Satteren, war seit zwei Jahren Witwe des Sir Victor Catheron, der im ersten Jahre des ehelichen Lebens starb und ihr unendlichen Reichtum hinterließ. Mehr wußte Sarah Betty nicht, sie war erst in London engagiert worden, um mit Lady Catheron nach dem Kouttnent zu reifen. Nun btgebe sich diese nach Amerika, weshalb, wiffe sie nicht.
Allüberall wurde die Dame bewundert, aber sie schien kalt wie Marmor, stolz und gleichgültig gegen alles. Die Gesellschaft besuchte sie nicht, der Verlust ihres Gatten habe ihr das Herz gebrochen.
DaS war Bettys Geschichte; der Bediente war ein würdiger, schweigsamer Mann, den man unmöglich fragen konnte. Er machte keine Mittei- i ungest, man mußte mit der Zofe Nachrichten 1 ich begnügen. So wurde Lady Catheron an Bord die Heldin des Tages. Sie machte keine Bekanntschaften. Ihr Schweiaen konnte man kaum auf Rechnung des Stolzes setzen. Noch vor Ende der Reife war sie oft bei den Zwifchendeckspassagieren, spendete reiche Gaben und wurde von Segens- wünschen begleitet.
Gewiß nicht stolz — die tiefen unergründlichen kugen waren so wunderbar weich, und doch hatte te etwa- so Unnahbares, daß niemand ihr nahe z» treten wagte. Von Anfang an war Lady (Satteren interessant und geheimnisvoll un dblieb ei bi- zum Ende.
„Ja, es war Edith — Edith, die nach .Hause ging Ihr Vater sehnte sich nach feinem Kinde. Hofft: sie noch andere Freunde zu sehen? Je röter sic Amerika kamen, desto heftiger schlug ihr Herz; sie kurbe ruhelos.
Sie erreichten New-Aork und schon am folgen« den Tage reifte Lady Catheron ohne alle Begleitung nach Sandypoint.