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Xmtfoen: Die tf» fpaltlne Petitzeile oder deren Bannt 15 Pfj. Rttiamen He petttztile 25 Pfg.; bei wieder» holuneen wird tnlspr.

Kabah ctroäbrt

Botationsbend tu Verlag der f ulbaer Ae» iitner tntrti in .Suite, fiert Iprt tzet Ne 9.

M 4. Fulda, Samsta« bett 5. Januar 1907. 34. Jahraana.

Zweites Wt'crtt.

Wachen-Nundjchau.

X Fulda, 5. Januar 1907.

(Nachdruck nicht gestatt«.)

Lre Wahlkampf ist auf der ganzen P.inie entbrannt. Aber er bat sich sofort sch' zu ungnn- sten der Regierung gewendet, insofern die frohe Nachricht von der Unterwerfung bei Bondel- zwarts aus Südwestafrika dem Zentrum recht gab! Es sind nur etwas mehr als hundert jämmerliche Schwarze, die sich den Deutschen gestellt haben, aber für «eue unwirtlichen und zulänglichen Ge- biete, in denen der Guerillcnkrieg im Süden ge» führt werden mutzte, waren diese schlvarzcn Kerle nicht zu verachtende Gegner. Jetzt darf man hoffen, datz auch die letzten Reste der aufständischen Bevölkerung sich rasch unterwerfen werden, soö-iß wir auf einen schnellen Abschluß des Kampfes gegen di? Aufständischen in Deutsch-Südwestafrika rechnen dürfen. So angenehm an sich diese Mel­dung war, so wurde man in liberalen Kreisen doch sas Gefühl nicht völlig los, daß sie etwas die Zirkel der Regierung gestört habe. Es schien nun auf einmal, als sei der Frage, welche Truppen­macht wir in Südwestafrika zurücklassen sollen, eine zu große Wichtigkeit beigelegt worden. Und jetzt war erst recht aller Welt klar, datz man diese Frage nur vorgeschützl hatte. Man wollte eben ge­gen das Zentrum Vorgehen! Aber damit hat es noch seine gute Weile. In den Kreisen der Zen- trumswäblerschast herrscht eine Begeisterung wie nie zuvorI Wir könnten Hunderte von Beispielen anführen, wo die ärmsten Leute 20 4 bis 1 «M, für den Wahlfonds opferten und stolz hinznjügten: ,Mehr können wir nicht geben! Aber die Regie­rung soll sehen, mit wem sie es zu tun hat!" Recht so! Noch nie stand die Stimmung so gut wie heute. Das Zentrum läßt sich nicht an die Wand drücken! Und wir wissen auch, daß ein neuer Kulturkampf sicher ist, wenn der Liberalismus regt!

Eine ganze Anzahl von Eisenbahn- u n g l ü ck s f ä 11 c n hat sich in der letzten Zeit ereignet; da man man wahrhaftig auch fragen, ob nicht das Personal zu sehr angestrengt ist, ob dw Bezahlung für diese Leute ausreicht! Das Zentrum hat immer auf eine Besserstellung ■" tnaearbcitet.

Wird so der Kampf um die Kolonien erst im reuen Jahre ausgetragen ttx-rben, so müssen wir auch das marokkanische Problem mit in das neue Jahr hinübernehmen. Es hat nun schon zwei Jahre auf dem deutschen Volke gelastet und drohte besonders am Anfänge vorigen Jahres zu einem herben Zusammenstoß zu führen. Die schlimmste Eventualität ist glücklicherweise ver­mieden worden. Ter Weltfriede ist im verflosse- uen Jahre nicht gestört worden. Besonders über Marokko wurde in den Konferenzen von Alge­ciras ein modus vivendi gefunden, mit dem wir wobl oder übel zufrieden sein mußten. Das Jahr ist denn auch nicht zu Ende gegangen, ohne datz die Algeciras-Akte von den beteiligten Mächten ratifiziert worden ist. Aber es ist noch lange nicht gesagt, daß nun auch das marokkanische Problem zur Ruhe kommen wird. Bisher ist allerdings noch alles gut gegangen. Die französischen und spanischen Kriegsschiffe vor Tanger haben noch nicht nötig gehabt, einzugreifen.

Die Konstellationen der Mächte haben sich mannigfach verschoben. Besonders von England aus fehlte eS nicht an Versuchen, sich neue Freunde zu gewinnen. Auch mit Rußland hat man nach einem Abkommen gesucht, um die Eifer­süchteleien zwischen England und Rußland in Asien aus der Welt zu schaffen. Es hat wenig­stens so iveit genützt, als beide Teile an den be­stehenden Verhältnissen nicht rütteln wollen. So herrschte auch in Asien Ruhe. Doch scheint es, als ob Japan bereits anfängt, sich aus einen zweiten Schlag vorzubereiten. Ob er auf Rußland, ob auf Amerika gemünzt ist, das mag noch nicht zu entscheiden sein, doch wird man gut tun, den fernen Osten auch im neuen Jahre mir Mißtrauen zu be- obachten.

Wieweit der Dreibund, dessen formeller Fortbestand ja sicher zu sein scheint, noch seinen ursprünglichen Schrecken entspricht, das könnte nur eine Probe zeigen, die uns hoffentlich erspart bleibt. So viel ist aber sicher, daß er eine Bürg­schaft des Friedens auch heute noch bildet. Inso­fern hat die Rede des Ministers Tittoni eine erhöhte Bedeutung.

Rußland bat verschiedene Sorgen. Der Terror konnte noch immer nicht niedergeschlagen werden, wie erst neuerdings die Ermordung des Grasen Jgnaticw und des Gouverneurs von Omsk, Litwinow, bewiesen hat. Ebensowenig aber gelang es bisher den Vorwärtstreibenden Kräften des Volkes, den Absolutismus zu über- winden. Noch steht die russische Konstitution in den Kinderschuhen. Viel wird für ihr ferneres Gedeihen davon abhängen, wie diesmal die Wah­len zur Duma ausfallen. Immerhin darf man hoffen, datz ans allen Kämpfen, aus allem Schre­cken sich schließlich ein neues Rußland gestaltet, das sich den Kulturstaaten anschließt.

,. Die Wahlkampagne für die nächste Prä- I identenwahl in den Bereinigten Staaten ist bereits eröffnet worden. Brtzon kündigte seine Kandidatur an. Die sogenannten konservativen Republikaner intrigieren mächtig gegen den Präsidenten Roosevelt unter Führung einflußreicher Senatoren, wie Foracker und Scott: sie wollen die Möglichkeit beseitigen, datz Roose­velt einen eigenen Nachfolger designiert. ES sind infolgedessen große Umtriebe im Kongresse zu er­warten. Einstweilen ailt Kriegssekretär Tast als voraussichtlicher Kandidat der Rooleveltianer

In Persien ist der Schah, der Herrscher des Landes, schwer erkrankt, sodatz fein Ableben jederzeit erfolgen kann. Vor kurzem hat er dem Lande noch eine Verfassung gegeben, welche es in die Reihe der konstitutionellen Staaten einreihte. Als nun seine Krankheit immer bedrohlicher wurde, setzte er den Kronprinzen zum Regenten ein. In politischen Kreisen trat aber die Befürch­tung auf, datz der neue Herrscher den eben erst geschaffenen Zustand wieder abschaffen konnte. Diese Besorgnisie hat nun der Schah selbst hinfäl- lig gemacht. Er unterzeichnete am letzten Samstag die Verfassung und auch der Kronprinz leistete die Unterschrist. Gleichzeitig unterzeichnete er noch eine andere Urkunde, auf Grund deren er sich verpflichtete, das jetzt gewählte Parlament nicht vor zwei Jahren aufzulösen. Die gesetzgebenden Körperschaften bestehen au8 dem Unterhaus und dem Senat, deren Mitglieder größtenteils ans all­gemeinen Wahlen bervorgegangen sind. Persien sieht sich also im Genuß einer sehr freiheitlichen Verfassung.

In China herrscht in weiten Gebietsteilen eine große Hungersnot. Sie ist durch übermäßige Regenfälle herbeigeführt und zeitigte eine Not­lage, wie sie in den letzten vierzig Jahren nicht anfgetreten war. Vier Millionen Menschen sind dem Verschmachten nahe, Zehntausende befinden sich auf der Wanderung. Die Gefahr wird ver­mehrt durch die Tätigkeit der geheimen Gesell­schaften, denen das hungernde Volk sich willig an­schließt. Angesichts des großen Umfanges der Notlage sind die Behörden außer Stande, dem Elend wirksam abzubelfen. Die chinesische Regie­rung bat sich deshalb schon veranlaßt gesehen,, ausländische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Unpolitische Zeitlaufe.

(r.) Berlin, 3. Januar 1907.

(Nachdruck verboten.)

Ein kluger Mann wollte die aufgeblasenen Wetterpropheten verspotten und stellte seinerseits folgende einfache Wetterprognose auf: Morgen ist das Wetter gerade io, wie heute! Und schlietz- lich ergab sich, datz diese „Prophezeiung" noch nicht die schlechteste ist: denn in etwas mehr als die Hälfte der Fälle traf sie zu. Darum darf man eigentlich nickt sagen, das Wetter seiwetterwen­disch. Das Wetter zeigt oft ein grobes Behar­rungsvermögen. Auch das schöne Schnee- und Frostwetter der Weihnachtszeit war ziemlich aus­dauernd. Natürlich mußte eines Tages ein Um­schlag kommen, und diesmal wurde uns der Um­schlag recht fühlbar, weil er so schnell nach dem Jahreswechsel und so gründlich mit warmem Re­ge» und nachfolgendem Sownenschein einsetzts. Vielleicht wird er in einigen Gegenden durch Hoch­wasser noch besonders fühlbar werden.

Den Wind- und Wetterumschlag, der zufällig auf den 2. Januar fiel, wollen wir nun auf ein be­sonderes Blatt schreiben. In allem übrigen aber werden die Leser eine große Gleichmäßigkeit und Beharrlichkeit der Entwicklung bemerkt haben. Gehts denn nicht im neuen Jahre gerade so zu, wie im alten? Darüber darf man sich auch nicht wundern: denn erstens sind die Naturgesetze un­verändert geblieben und zweitens auch die Men­schen.

Die Menschen? Aber die haben doch am Weih- nachtsbaum und vor der Krippe so schön ge­schwärmt und haben am Silvesterabend eine Mas- senproduktion von guten Vorsätzen und herrlichen Wünschen borgeitommen. Sollte das alles nichts geholfen haben?

„Nichts" ist ein hartes Wort. Hier und da mag es schon etwas geholfen haben, und an man­chen Stellen mag wenigstens ein guter Kern ge­legt worden fein, der sich mit der Zeit und mit Gottes Hilfe noch auszuwachsen verspricht. Aber im großen und ganzen bleibt die Menschheit die alte. Es ist nicht so leicht, aus seiner Haut zu fahren. In unseren schlechten Manieren und Ge­wohnheiten stecken wir so tief darin, wie ein ver­schütteter Bergmann in einer zusammengebroche- nen Grube. Es gehört eine lange, mühselige Ar­beit dazu, herauszukommen in die Freiheit und den Sonnenschein. Warum sollten die Zeiten des- ser werden, wenn die Menschen in ihrer großen Masse nicht besser geworden sind?

Also im allgemeinen bleibt es beim alten. Ist das nicht ein Reif in der FrühlingSnacht vieler Hoffnungsseliger? Ach. die Erfahrung macht un­bescheiden. Wir danken schon dem Himmel, wenn es nicht noch schlechter wird auf Erden. Schon die Bewahrung vor größerer Not und grö­ßerem Leid ist ein Glück.

In diesem Sinne sehe ich auch dem Wahltage vom 25. Januar in Gemütsruhe entgegen. Von den Illusionen, mit denen manche Leute in dieses Abenteuer hineingehen, wird nichts übrig bleiben. Das Beste, was man sich nach Lage der Verhält- niffe von den bevorstehenden Hotteiitottenwahlen versprechen darf, ist die Wiederkehr des alten Reichstages ohne wesentliche Aenderung. Und wenn das eintrifft, so wird daS deutsche Volk all- mählich einsehen, daß der vielgeschmähte „alte“ Reichstag doch auch sein GuteS hat und wohl mit ihm auszukommen ist. Man mutz nur den red- liche» Willen haben, sich mit den gegebenen Ver­hältnissen abzufinden. —

Die Tage nehmen jetzt wieder zu. Merkst Du es schon? Bisher geht die Verlängerung so im Schneckenschritt, daß man die Messung bc8 Zu­wachses der Astronomie überläßt. Aber wir freuen uns doch, daß die Verkürzung nicht noch fort­schreitet, und wir warten mit Ruhe ab, bis sich uns halbe und ganze Minuten, halbe und ganze Stun­den Zuwachs an Sonnenschein ergeben. Bis zum 21. März wird langsam aber sicher die Tagesdauer um vier Stunden zunehmen. Um 2. März brau­

chen wir vor 6 Uhr abends kein Licht anzuzünden. Wer aber heute schon sich darauf steifen wollte, datz erst um 8 Uhr die Lichter angesteckt werden sollten, wäre ein Narr. Das geduldige Abwarten des rechten Zeitpunkts gehört zur wahren Lebens­weisheit. Auch zur Staatsweisheit. Wer einen warmen Ueberzieher hat, der soll ihn nicht eher „auflösen", als bis Ostern vorbei ist. Und wenn der Ueberrock auch nicht mehr ganz modern sei oder am Aermel etwas drücken sollte, ich würde ihn doch halten und tragen, bis der Frühling wirk- lich da ist.

Wer langsam geht, kommt auch zum Ziel. Manchmal kommt der bedürftige Fußgänger eher zum Ziel, als ein rasendes Automobil, das wegen seiner Uebereitung stolpert und liegen bleiben mutz.

Darum predige ich zum Anfang des JahreS gern Geduld und Bescheidenheit. Wer ausharret, der wird gekrönt. Genieße froh, was Dir be* schieden: entbehre gern, was Du nicht hast. Man soll den Tag nidjt vor dem Abend loben; aber man soll auch den Tag nicht vor dem Abend der- urteilen. Tas Glück kommt oft erst in spä­ter Stunde. In dem Evangelium vom Wein­berg heißt es ja, daß der Hausvater noch um die elfte Stunde ausging, um Leute zu werben, die bis dahin vergebens auf Gelegenheit zum Broter­werb gelauert hatten, und daß er diese Spätlinge noch in der letzten Stunde einen ganzen Tages­verdienst gewinnen liefe.

Beharrlichkeit und Geduld haben auch bei un­serer jungen Kirchengemeinde in Zehlendorf sich bewährt. Tausende von verehrten Lesern der Un- politlschen Zeitläufe sind dabei als Wohltäter be­teiligt, und deshalb bin ich ihnen zum Jahres- wechsel einen kleinen Bericht schuldig. Unser Kirchenbau ist jetzt ausgeschrieben; wenn nickt ge­rade die Welt wieder znsriert, wird in diesem

n anzen de -Deutschen Reiche -gehabt haben.

Die Gesamtausgaben für Kolonien (Schuh- gebiete) und Expeditionen, die infolge de- Kolonialbesitzes nötig wurden, stellten sich in tun« den Zahlen in den Jahre!

1893 auf 3 000000 Mk.

1894 , 4.500.000 ,

1895 „ 6.000000 „

1896 , 7 500.000 „

1897 , 8.500.000 „

1898 . . . 18.000.000 „ 1899 . . . 42.000.000 „

1900 . . 130.000.000 „

- H901 auf 126 000.000 „ 1902 „ 74.000.000 „ 1903 „ 48 000.000 „ 1904 „ 154 000 000 „ 1905 „ 164.000.000 „ 1906 „ 207.000.000 „ einschließlich der Nachtragsetats und bereits ange­kündigten Etatsüberschreitungen, welche durch ein besonderes Kreditgesctz noch angefordert werden sollen, und einstweilen nach Angabe des Herrn Schatzsekretärs aus „den bereitesten Mitteln deS Reiches", d. h. durch Ausgabe von Schatzanwei­sungen (schwebenden Schulden!) gedeckt worden sind.

Die „Weltpolitik" bat allo in den neun letzten Jahren bereits 963 000000 M (neunlnindertdrei- undsechzig Millionen) verschlungen, während sie in den fünf Jahren vorher, als das Auswärtige Amt noch unter der Leitung des Frlnm. v. Mar­schall stand, insgesamt nur 29500 000 dl erfor­derte.

Aera von Marschall Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

) Aera v. Bulow, ? Staatssekretär des J Auswärtigen Amtes.

1 Graf Bülow, Reichs« } k nzler u. Leiter der ) auswärtigen Politik,

Fürst Bülow, Reich-« kanzler

Monat noch das grofee Werk beginnen.

In einer zweijährigen Sammelei, die Herr Pfarrer Deitmer in Steglitz nicht blofe mit un­ermüdlichem Betteleifer, sondern auch mit wah­rem Bettelgenie betrieben hatte, war der größte Teil der Kosten gesichert worden, aber es blieb doch zum Jahrsschlusse noch eine Lücke. Ta wurde nun im Advent noch einmal das Netz ausgewor­fen. Jnfolgedesien wurde der „unpolitische Onkel" brieflich auf die Folter gespannt. Z. B. durch folgende Zuschrift: „Ich erhalte da von Ihrem Pfarrer Deitmer ein Büchlein zugeschickt: „Tie sieben Werke der Barmherzigkeit". Das Büchlein ist sehr nett mit seinen buntfarbigen Bildern nach den Wartburg-Gemälden von der hl. Elisabeth und mit seinem frischen Text, namenttich mit den Schilderungen aus dem religiösen Leben von Grofe-Berlin. Aber wie reimt sich das mit Dir, Unpolitischer? Solltest Du etwa gestreikt haben, daß der Pfarrer selbst und ganz allein den Bettel- sack tragen mufe? Oder hast Du Deine Finger auch in dieser Schrift? Sollte das letztere der Fall sein, dann verstehe ich nicht, warum Du Dich in Verborgenheit hüllest wie ein Veilchen, dem Du doch sonst nicht übermäßig ähnlich bist!" Usw.

Die Sache ist einfach die: Das ettvähnte Buch von den sieben Werken der Barmherzigkeit ist mit vereinten Kräften hergestellt worden: der un­politische Onkel hat auch etwas Senf dazu gege­ben, aber nicht soviel, daß er sich als Mitverfasser aufspielen könnte. Das Schriftchen ist wirklich hübsch und interessant (wobei ich natürlich von meinen beigesteuerten Brocken ganz absehe). Die Bilder sind sehr gut geraten, und die Behänd- lung der Sache ist eigenartig, Packend, fesselnd, wie das zahlreiche Zuschriften und Nachbestellun­gen bezeugen. Wir hoffen mit dem Ertrage dieser Schrift den Baufonds auf die ausreichende Höhe zu bringen, wenn die Teilnahme des Volkes noch etwas anhält. Ist der Leser neugierig geworden, so kann er sich das auch sehr leicht verschaften: eine Postkarte genügt ; dann wird ihm die Schrift sofort zugesendet.

Inzwischen sei allen Lesern herzlich Dank ge­sagt, die unS soweit geholfen haben, dafe wir fetzt in Zehlendorf mit dem Bau einer katholischen Kirche beginnen können. Das ist unsere Neu- jahrsfrende.

• Vie Höfte« der weltpoM und der Kolonien.

Als im Herbst des JahreS 1898 die .Weltpolitik' als die Aufgabe des Deutschen Reiche» proklamiert wurde, haben sich gewiß nur wenige gedacht, in welcher Weise diese „Weltpolitik" in noch nie da- gewesene Ausgaben und in eine grenzenlose Schuldenwirtschaft hineinsühren würde. Zwar waren auch bis dahin schon die Ausgaben für Heer und Marine und den damtt verbundenen Pensionsetat sehr groß und stetig steigend ge­wesen, vom Jahre 1898 aber ging es mit Rie­senschritten in neue Ausgaben und ins Schuldeumachen hinein. DaS Tempo steigerte sich noch mehr, als v. Bülow (1901) Nachfolger Hohenlohes in der Reichskanzlerschaft wurde. leigt folgende genaue Zusammenstellung: Die <3efamtan8gaben für K o l oni e n (Schutzgebiete) und Expeditionen, die infolge des Kolo- malbesitzeS nötig wurden, stellten sich in runden Zahlen in den Jahren:

Die letzteren 2914 Millionen Mark wurden ans den laufenden Reichsein nahmen bat bezahlt, während die neue Periode der Weltvolftik nur rund 250 Mill. Mark in bar ans den Reichs­einnahmen deckte, für die übrigen 713 Millionen Mark dagegen Schulden machte, teils mittels Schatzanweisungen, teils mittels drei- und drei­emhalbprozentiger Reicksanleihen. Da diese zum guten Teil erheblich unter pari begeben werden mußten, ist die Schuldenlast des Deutschen Reiches in den letzten neun Jahren allein für Zwecke der Weltpolitik (Kolonien und Expeditionen) um nahezu 8 000 000 Mk. gestiegen

Tie Gesanftzunahme der Reichsschuld feit der neuen Aera Bülow ist aber noch weit großer, sie beträgt einschließlich der Mehrausgabe von Schatzanweisungen in der genannten Frist von neun Jahren (1898—1906) nicht weni­ger als 1700 Millionen Mark, oder fast 200 Mill. Mark jährlich.

In den vorangegangenen fünf Jahren (bet Aera v. Marschall) betrug die Gesamtschuldenzn- nähme nur 480 Mill. Mark oder durchschnittlich etwa 96 Mill. Mk. jährlich, hauptsächlich für Hee» reszwecke. In einzelnen Jabren wurden fast gar feine Schulden gemacht, teilweise auch Schulden getilgt auf Grund der Leees Lieber.

Wie die Schulden gewachsen sind, so sind in der Aera der Weltpolitik auch die Schulden­zinsen gewachsen, sie betrugen:

1893 rund 65.200.000

1894 „ 69.000.000

1895 „ 71.700.000

1896 „ 72.300.000

1897 „ 72.400.000

1898 „ 73.800.000 1899 , 75.600.000 1900 , 77.400.000

1901 „ 89.000.000

1902 , 96.000.000

1903 „ 100.000 000 1904 „ 104.700.000 1905 „ 113.600.000 1906 „ 127.500.000

In diesen Kosten der Welfpolitik und der Kv- fonien, sind noch nicht enthaften die Kosten der M a r i n e b e r to a 11 u n g, von denen ein guter Teil auch auf die Weltpolitik entfällt, ebensowenig die Zuschüsse der Reichspostverwal- t u n g für die Kolonien und überseeischen Kabel, für welche feder genaue Nachweis fehlt, welche aber, wie einzelnen besonders gut informierten Personen bekannt ist, auch recht bedeutend sind. Ebensowenig sind darin enthalten die Kosten der Dampfersubventionen, welche gleichfalls viele Dutzende von Millionen verschlungen haben. Die MnrineauSgaben insbesondere haben sich wie felgt gesteigert:

'893 rund 79.800.000 Mk-

74.000.000 „ 82.800.000 „ 86.000.000 „ 114.600.000 „ 123.000.000 „ 133.800.000 „ 142 000.000 „ 195.000.000 „ 215 000.000 „ 212 000000 „ 216000.000 „ 233.000.000 „ 251.000 000 „

Mk.

Aera v. Marschall; Steigerung in fünf Jahren 8600000 Mark.

Aera Fürst Bülow — Weltpolitik Stei gernng in 9 Jahr« 55000000 Mk.

Aera Marschall;

Steigerung in fünf Jahre,» um 34800000 Mk.

Aera Fürst Bülow — Weltpolitik in neun Jahren um 136400000 Mk.

1895

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

Schon früher ist durch unseren Arttket vom 13. August 1905, „Trockene aber lehrreiche Zahlen" darauf hingewiesen worden: der jetzige Augen­blick aber, wo, angeblich wegen verweigerter neun Millionen Mark, der Reichstag aufgelöst und eine Krisis heranfbeschworen worden ist, erscheint o recht geeignet, nochmals eine Uebersicht zu geben, welche Wirkung Weltpolitik und Kolonialwirtschaft auf die Fi-

Auch von diesen Ausgaben ist ein guter Teil auf Schulden gemacht worden; die Ma- rinefchulden routben vermehrt in den Jahren

1893 um rmrd 10.600.000 Mk.

1894 „ „ 4.200.000 „

1895 „ „ 5.900.000 „

1896 „ „ 5.900 000 „

1897 ,. .. 28.300.000 „

Steigerung in 5 Jahren zusammen um 5490k900

M..rk