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Bot a 11 on s druck n. Verlag ter tulbaer He« tienbr iderei m Xuiba. $enfpreJ)er Nr ».
4.
Fulda, Samstaq den 5. Januar 1907.
34. Jahrgang.
Erstes Wtcrtt
)*?( PrtWmvrrn über Wem Silntjltrlirirf.
Fürst Bülow hat Pech. Seine neueste Wahl- Ziindgebung, deren Wortlaut wir gestern mitge« teilt haben und in der er die Liberalen in so beweglichen Worten eiuladt, gefälligst ins Regie- rungslogcr Hcreinzuspazieren, Hal die eigciifiunt- gen Herren wenig befriedigt, namentlich jene nicht, welche vom Reichskanzler in dicfcm Wahlkampf eine Parole erwarteten, die sich ohne jede Umschreibung gegen das Z? n- t r u m richtet und an ihm kein gutes Haar laßt, dafür anderseits den „entschiedenen Liberalismus" in aller Form zur Hof- und Regierungspartei proklamiert
Der Reichskanzler wird wenig davon erbau t f c t n, was die Zeitungen zu seinem Schreiben sagen; am günstigsten wird dasselbe in der Zentrumspresse — welch grausige IronieI — behandelt. So sagt z. B. die „Germani a":
„Wir gestehen von vornherein: dieser Sil- bester-Vrief gefällt uns gar nicht so übel; das Zentrum kann „in Anbetracht der Umstände" sehr damit zufrieden sein. Wird ihm doch von autoritativer Seite bezeugt: 1. daß staatliche Hoheitsrechtc ihm zu Liebe nicht preisgegcben und irgendwie bedenkliche Zugeständnisse in religiösen und kulturellen Fragen ihm nicht gemacht worden sind, 2. daß cs die wichtigsten nationalen Aufgaben, die an den Reichstag herantraten, hat lösen helfen. Damit verpufft die Wahlparole: „(Kegen die ultramontane Herrschaft und das unnationale Zentrum" in die Luft.", Nach einer eingehenden Würdigung des Schreibens schließt daun das Berliner Zentrumsblatt: „Alles in allem: die Kundgebung des Reichskanzlers wird uns die Wablen nicht verderben. Sie ist ein a u- tes Zeugnis für das Zentrum, aber wenig geeignet, di? „Regierungsparteien" zu begeistern und zu geschlossenem Vorgehen zu reizne."
Der „K ö l n. Volkszt g." entnehmen wir folgende Sätze über die Kundgebung des Reichskanzlers: „Soviel ist sicher: die liberalen Blockparteien werden sich mit diesen Er- klärungen der Regierung des Fürsten Bülow ganz gewiß nicht zufrieden geben, und wer uns und auch den Konservativen, den llchristlichso-ialeu ufto. zumutet, nach diesen Er- klärunaen Säufer darauf zu bauen, daß an aar keine Zugeständnisse der Reaieruna an den Liberalismus innerhalb der nächsten fünf Jahre zu denken wäre, der schätzt unsere und wohl auch der Konservativen politische Harmlosigkeit doch etwas zu hoch ein.
Wir sind daher Lberzeuat, daß diese Kund- mstmna der Reaierung auffeiner Seite b e- friedigen wird, weder auf der rechten noch auf der linken. Sie ist eiaentich nichts anderes al? eine herahlasten-e Einladung an die bürgerliche Link.?, ins naiianaMberal-aauvernementale Fahr- Nasser ein^uschwenken. „Ihr dürft die Reaie- IVNO st sitzen", das ist das große Zugeständnis, das Fürst Bülow den Linksliberaleu macht. Aus dem eauzen Schriftstück leuchtet überhaupt die Auffassung hervor, daß die Parteien nur dazu d a feien, der Regierung alles zu bewilligen, was sie fordert. Solange das Zentrum feine Mitarbeit lieb, war es brav, national und staatserhaltend. Als es aber ein Paar koloniale Forderungen ablehnte, da „mißbrauchte" es seine Macht, da stärkte es die So- zioldemokratie, da wurde es reichsfeindlich." — „Das Schreiben des Reichskanzler? ist ein Schlag ins Wasser; seine Parole: „Für E^r und Gut der Ration geaen Sozialdemokraten,
6m Mchmres Geheimnis.
Dem amerikanischen Originale der Mrs May AgueS Fleming nacherzählt von Lina Freifrau von Berlepsch.
51] (Nachdruck verboten^
(Fortsetzung aus dem dritten Blatt.)
5. Des Geheimnisses Enthüllung.
Edith begab sich in ihr Arbeitszimmer in der Oxfordstraße zurück zu dem alten Einerlei, und eine seltsame Ruhe kam über sie. Ihr war es, als feien die Ereignisse der verflossenen Nacht ein böser Traum gewesen. Immer wieder schwebte sein bleiches Antlitz ihr vor, tönte sein verzweifelter Aufschrei ihr im Ohre. All ihr Haß, ihre Rochegedanken waren verschwunden, sie verstand die Sachlage nicht mehr als früher, aber sie bedauerte ibn von Herzensgrund.
Man störte sie weder durch Briefe, noch durch Besuche. Nur bemerkte sie im Laufe der Zeit, daß jeden Abend eine Gestalt ihr folgte. Sir wußte, wer es war und gewöhnte sich daran. Sie verstand fein Motiv, wußte, daß er kam, sie zu schützen vor jedweder Gefahr. Er glaubte sich unbemerkt, und nur zweimal sah sie vorübergehend sein Gesicht. Wie totenähnlich es war!
„Armer Mensch", dachte Edith, und ihr Herz wurde weich, „wie treu er ist und wie er mich hebt."
®ie Tage vergingen und es war Mitte Sep- temeer- geworden. Nie fehlte ihr Schatten auf fernem Posten. Wie man sich an alles gewöhnt, so gewohnte sie sich an ihn. daß sie nach ihm aus- fab. Endlich fehlte er. Abend um Abend verstrich und sie kehrte allein nach Haufe. EtwaS war vorgefallen. Die ganze Zeit über war es fein erster Gedanke beim Erwachen, feine einzige
Polen, Welsen und Zentrum" ist durch die Er- kignisfe 1 ä n g ft überholt und mehr oder minder von allen Blockparteien preis-gegeben; feine Adresse, der famose Rei-bsver band mit seinem glorreichen General-Präsidenten, wirkt in dieser Situation geradezu ironisch. Auch dies zeigt, wie weltenfern die Männer in der Re- gicrung dem Polksempfinden stehen. Der 2a. Januar wird es auch ihnen beweisen.
In der liberalen Presse werden dem Reichskanzler so viele Vorhaltungen gemacht, daß von seinem langen Sendschreiben überhaupt nur e i n guter Kern übrig bleibt, der aber durchaus nicht erwartet wurde, noch viel wenigewbeabsichtial sein konnte. Es ist die Anerkennung, die her Reichskanzler dem verhaßten Zentrumfür feine gesetzgeberischen Arbeiten machen mußte. Vielleicht zwingt ihn diese Tatsache und die ITit- zufriedenheit, die seine Parole auf allen Seiten wachrief, zu dem Eingeständnis: Ohne d a S Zentrum wird es nun in Zukunft er ft recht nicht gehen!
Die agrarische „Deutsche Tcige? zt g." ist ganz sprachlos darüber, daß Fürst Bülow im liberalen Bürgertum einen „Wandel in den doktrinären Anschauungen" gefunden haben will; sic hat „höllisch wenig davon verspii rt." Sie hält dem Reichskanzler auch vor, daß eS eine einheitliche liberale Partei nicht geben wird, mögen die Wahlen ausfallen tote sie wollen. Sympathisch ist sie dagegen von den energischen Worten berührt, mit denen sich der Kanzler gegen die Sozialdemokraten wendet. Sie setzt ihn aber verdientermaßen ins Unrecht, daß et „diese revolutionäre Partei mit anderen, die denn doch mit ihr nicht in einen Topf aetoorien werden dürfen, nebeneinander stellte." Das ist ein Vorwurf, der dem Reichskanzler nicht erspart bleiben kann. Schließlich spricht das Blatt der neuen Parole Entschiedenheit und Begeisterung ab. versagt ihr auch jegliche Zugkraft und bleibt deshalb auf der händlerischen Parole stehen.
Besonders kleinlaut äußert sich das Organ der Nationalliberal en, nur wagt eS die „Nationalzeitung" nicht, die Unzufriedenheit mit der Bülowfcben Kundgebung so offen zur Schau zu tragen. Deshalb schreibt sie am Schlüsse ihres Artikels: „Wir meinen, die liberalen Parteien sollten sich damit zufrieden geben, daß Fürst Bülow daran festhält, den Liberalismus in eine neue Negierungskombination aufzunehmen, und daß er ihm im Wahlkampf freie Bahn offen halten will. Wie weit er sich über den Bereich neuer Möglichkeiten Geltung verschaffen kann, das ist Sache des Liberalismus selbst. Was er nicht aus eigener Kraft zu erobern vermag, hat wenig Wert . Damit ioll nicht gesagt sein, daß die Kundgebung des Reichskanzlers bei verständiger Anwendung den liberalen Parteien im Wahlkampfe nicht vortreffliche Dienste leisten könnte."
Im Gegenfatz zu der Auffassung der freisinnigen Presse laßt die freikonservative „P o st" den Reichskanzler dem Liberalismus angenehme Schmeicheleien sagen, hält es aber keineswegs für opportun, wenn Fürst Bülow ans dem Freisinn eine Regierungspartei machen will. Nach wie vor tritt sie für die „nationale" Einigung ein, indem sie schreibt: „Mögen alle trennenden Punkte zwischen den Parteien, die am 13. Dezem- ber zur Regierung standen, zurücktreten hinter daS wichtigste und größte Ziel: die Ehre der Nation vor dem Auslände zu wahren und den nationalen Gedanken leuchten zu lasten."
Die traurigste Rolle spielt jetzt der „entschiedene" Liberalismus, wie er durch die Spalten des „Berliner Tagebl." zum Wort kommt: „Das Manifest des Fürsten Bülow bat den Liberalen mit schätzbarer Deutlichkeit gezeigt, daß sie von dieser Regierung und diesem Reichs- kanzler wenig, sehr wenig z u erwarten haben." Mit dieser Beurteilung der Sage siebt Freude gewesen, daß er abends seiner Frau folgen und ihre schlanke Gestalt sehen durfte.
Vor ihrem Hause zu wachen, die erleuchteten Fenster zu beobachten und endlich, als es kälter wurde, heimzukehren und sich auf das nächste Wiedersehen zu freuen. Bei jeder Witterung war er gegangen und oft durchnäßt und erkältet heim- gekehrt. Schlaflose, fieberische Nächte und körperliche und geistige Niedergeschlagenheit waren die Folge. Doch so lange er stehen konnte, erschien er auf feinem Posten. Endlich aber forderte die Natur gebieterisch ihre Rechte; es kam der Morgen, wo Sir Victor nicht mehr aufstehen und fein fester Dille den schwachen Körper nicht mehr beherrschen konnte.
Doll Angst holte der treue Diener Lady Helena, die sofort noch dem berühmten deutschen Arzt, den sie längst zu konsultieren gewünscht batte, sandte. Dieser hatte mit dem Kranken eine lange Unterredung, und als er endlich ihn verließ, trugen seine Züge einen Ausdruck von Schmerz und Mitleid. Sir Victor sandte nach feiner Tante. Er lag auf einem Divan neben dem Fenster; die Abendröte strahlte verklärend auf fein Gesicht. Träumerisch blickte sein Auge auf die sinkende Sonne, schwaches Lächeln um- fvielte seine Lippen. Es war ein seltsames, über- irdisches Bild, welches der Tante Herz erstarren ließ.
„Was wünschest Du?" fragte sie leife.
"Hast Du von zum Tode Verurteilten gehört, Tante, die in letzter Stunde begnadigt worden? ick glaube, mir ist jetzt so zu Mute. Meine Befreiung nabt."
„Sagte Doktor Weither, daß Du Dich erholen würdest, Victor?"
„Er sagte, ich leide an Atrophie des Herzens und würde keine drei Wochen mehr leben."
Sie waren in Catheron RoyalS; auf seinen Wunsch hatte man ihn dorthin gebracht, so lonae es noch ging.
also der Freisinn wieder auf dem alten Fleck. Fürst Bülow ist ihm nicht zu willen, wie man es wünschte, — alsowcg mit ihm!
Tas sozialdemokratische Zentralorgan, der „Vorwär 1 s", verhöhnt die Bülow sei* Kundgebung al» Cilvcstcrschcrz, „wie i(m so toll und so blutig die Phantasie des boshaftesten Sa- tyrikcrs nickt hätte ersinnen können". Tic Ursache dazu findet es namentlich in dem Umstand, daß das Schreiben an den Ncichsverband geaen die Sozialdemokratie gerichtet ist. gegen den her „Vorwärts" fcht das größte Geschütz ovffäbrt. Dabei überschüttet er den Freisinn mit h Ö tz- vif che m Spott. Nachdem er auf die Sehnsucht des Liberalismus nach einem neuen Kultur- kämpf hingewiefeu, schreibt er: „Si'gfcich desavouiert die Regierung in der fchärfften Weise Tag für Tag die Kultiirkampfaelüste des Liberalismus! Und zu allem Unglück muß die Regierung auch noch vierzehn Tage nach der Reicks- tagsauflösung gestehen, daß der Hottentottenkrieg zu Ende ist, daß sie ihre liberalen Bundesaenos- fen durch ihre hurrapatriotilcken Phrasen schmählich aenasführt hat. Der Freisinn isoliert, verhöhnt, verraten! Er brickwört, heute drohend, morgen wimmernd, die Regierung, doch endlich mit einer rettenden Wahlparole bervorzutrcten, damit der Liberalismus seinen Wählern wenigstens den leisen Schimmer des Frührots einer künftigen liberalen Acra verspiegeln könne. Und Fürst Bülow, der vermeintliche Künder liberaler Hoffnungen, wendet fick mit feiner Wahlparole an die verrufenste Scharfmachersipve, an den Reicksverband!" Kein Wunder, wenn jetzt dem Freisinn die Freude am „luftigen Tanz" unbehaglich wird! Zum fürstlichen „Zaubermort" selbst sagt der „Vorwärts" noch: „Wir nehmen den Kampf, den uns der Kanzler entbietet, mit Freuden auf! Wir begrüßen von Herzen die offizielle Verbrüderung der Regierung mit dem Reicksverband. Mit herzerquickender Offenheit ist die Parole gegeben!"
Das ist bi? Wirkung der Bnlowfcken Bot- sckaft m her Oeffentlichkeit? Ob dieses Erfolges ist her Reichskanzler gewiß nickt zu beneiden. Vreisgegehen von allen „Block"-Parteien, sieht er in feiner Hoffnung auf eine „croße liberale Partei" nichts anderes al? was sie von Anfang «n war: Tranm und Phgntafie. Der 25. Fanuar toirb ihm noch eine besondere Bestäfimma dafür erbringen. Für das Zentrum aber ift die Parole des Kanzlers ein ante? Zeugnis, das sick an hie gfäniende Rechtfertigung dw Zen- trnmsvolitik durch die Wendung tn der füdwest- afrikanischen Kriegsecke vorzüglich anschlietzt.
Deutsches Reich.
Berlin, den 4. Januar 1907.
r. Der Geburtstag des Kaisers füllt in diesem Jahre auf einen Sonntag. Nunmehr ist avgeordnel worden, daß der Schulunterricht am Tage vorher ausfältt und an seine Steve eine Kailer-Geburtstagsseier zu treten hat. Aehnlich wurde es auch in früheren Jahren schon gehandhabt.
* Das preußische Staatsministerium trat am Donnerstag zu einer Sitzung zusammen. Wie verlautet, wurde in der Sitzung der Text der bei der Eröffnung des preußischen Landtags, welcher bekanntlich am 8. Januar wieder zusammentritt, zu verlesenden Thronrede festgestellt.
r. Aus Südwestafrika meldet Oberst von Deimlin g, daß die Rücksendung von weiteren 600 Mann in die Wege geleitet ist. Sie soll noch vor dem 1. Avril erfolgen. Die offiziöse,Ncrdd. Allg. Ztg/ hat uns aber gestern schon verkündet, daß die Regierung an einer
Noch immer war das Schloß herrlich geschmückt für die Braut, dir nie gekommen war.
Der September nahte seinem Ende. Seit des Arztes Besuch hatte Sir Victors Befinden sich verschlimmert und eine Lähmung der unteren Extremitäten stellte sich ein.
Am letzten September erschien Doktor Dorther zum letztenmale.
„Ich kann nichts tun", sagte er zu Lady Helena, „menschliche Hilfe ist hier machtlos, Sir Victor überlebt die Woche nicht."
Der Baron hatte die Worte gehört und heftete mit jener. Sterbenden oft eigenen Heiterkeit den Blick auf den Arzt.
„Sind Sie dessen gewiß, Doktor?"
„Ja, Sir Victor, ich sage meinen Patienten stets die Wahrheit."
Lächelnd wandte er sich zur Tante.
„Endlich, endlich darf Edith zu mir komuien und ich ihr alles sagen. Danke Gott dafür und lasse sie sofort holen."
Mit dem Nachtzug fuhr Inez Catheron nach Loudon und als Madame Mirabeaus Arbeiterinnen kamen, wartete sie auf Miß Stuart, dir alsbald mit ihr das Geschäft verließ, um nicht wiederzukehren.
Es war der 2. Oktober, der Jahrestag deS Hochzeitsvorabends. Und so kam die Braut endlich beim.
Welch schreckliches Jahr war es für sie ge- wesen, wie ein böser Traum. Endlich aber sollte sie alles hören und der Tod alles sühnen. Sie sprach auf dem ganzen Wege kein Wort. Ihr Herz war voll Leid und Furcht
Als sie die Säulenhalle von Catheron Royals betrat, dunkelte es.
„Sir Victor befindet sich febr schlecht", meldete Jamison „nnd sehnt sich nach Myladys Ankunft."
Lady Helena empfing sie auf der Treppe und geleitete sie, nachdem sie sich erfrischt, ins Kranken-' »immer.
Stärke der Schuhlrnppe von 8000 Mann fest« hält. Daran ändert also die jetzt angekündigte $erminbetung nichts, weil ja so wie so noch etwa 11000 Mann in Südwestafrika stehen.
* Ter bisherige italienische Botschafter am Berliner Hofe Graf Lanza wurde am Donners« tag nachmittag vom Küfer in Abichiedsaubie' z empfangen. Der Nachfolger des Grafen Lanza ift bekanntlich Botschafter Pansa.
.*. Für die Errichtung eines Wastcrbau« ministeriums in Preußen ist. wie früher schon, io auch jetzt wieder in ber Presse Stimmung gemacht worben. Nach einer Melbung sollen ber neuen Einrichtung keine Schwierigkeiten entgegen« stehen. Hierzu bemerkt aber bie.Deuticke Tageszeitung*, daß der Landtag feine Zustimmung zu einem solchen Projekte kaum geben dürfte. Sie will auch erfahren haben, daß man an die Er» richlung eines beionbeien Wasserbauminislerium- zunächst nicht denke, da die Meinung über d.e Zweckmäßigkeit in den zuständigen Krefteu noch auseinandergingen.
* Von der Gefahr eines neuen Kulturkampfes. Es ist geradezu unbegreiflich, rote der Reich-kanzler in feiner letzten Kundgebung gegen den Wahlaufruf der rheinischen Zentrums Partei den Vorwurf der llnwahrbasligkett erbeben kann, indem er darauf hinweist, daß dieser Ausruf im Widerspruch mit der Devise des Zentrums: „Für Wahrheit, Freiheit und Recht!" aui di« Möglichkeit eines neuen Kulturkampfes aufmerk- fam macht. Es mag dem Reichskanzler gelingen, mit fckönen Worten die Rationalttberalen und den Freisinn vor den Wahlkarren der Regierung zu spannen, nicht aber wird es ihm gelingen, das katholische Volk über die Gefahren, welche ihm bei der Ausschaltung des Zentrums ans der Reichspolitik bevor stehen, hinwegzutäuschen. Und da mag fein offiziöses Leidorgan, die »Nordd Allg. Ztg/, noch so häufig Beschroichli» gungsphrasen in das Volk wer fen. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ ist kein Blatt von selbständiger Auffassung; sie macht die Musik, welche von oben angeschlagen wird. Und wenn bie ,Nordd. Allg. Ztg/ heute so tut, als wenn ihr ein neuer Kulturkampf in der Seele verhaßt wäre, so rufen wir ihr das Wort in bit Erinnerung, das sie vor einem Menschenalter geschrieben hat und welches lautet: „Und wenn endlich nach langer mühevoller Arbeit alle religiösen Fanatiker,alt« vaterlandslosen und vaterlandsfeind« licken Römlinge verdrängl sind, dann werden unsere Kinder und Enkel ihren evangelischen Brüdern die Hand zum Bruderbünde, zur deutschen Kirche, ohne Dogmenzwang und ohne Formel kram reichen." Tiefes Wort rufen wir aber gleichzeitig allen unseren km höfischen Gesinnungsgenossen in die Erinnerung, auf daß nur als Kinder jener Männer, welche in den Zeiten des Kulturkampfes für unsere idealen In ereffen gestritten und gelitten haben, am 25. Januar uns besten bewußt bleiben, daß es in unserer Hand liegt, ob der französische Kulturkampf auf Deutschland übertragen werden soll.
" Also doch ein neuer Kulturkampf. Die .Kreuzztg/ schreibt in ihrer Abendnummer vom 3. Januar folgendes: „Für bie paritätfiche Haltung bet verbündeten Regierungen tarnt der Reichskanzler sich verbürgen, nicht aber dafür, daß eine stärkere liberale Partei int Reichstage alsbald den Kulturkampf neu zu inszenieren versuchen würde.
Bebend trat sie ein, Tante Helena schloß bie Türe und sie war allein mit dem Sterbenden.
Beim schwachen Schein von zwei Wachskerzen sah sie das bleiche Gesicht, aus dessen Augen selbst der Tod die Siebe nicht verbannen konnte. Edith kniete neben dem Lager nieder.
„O, es tut mir so leid," begann sie und vermochte nicht weiter zu sprechen. Angesichts des Todes vergaß sie alles und wußte nur, daß der Mann starb, der sie liebte, tote niemand sie wieder lieben sollte.
„Es ist bester so," flüsterte et, „viel bester. Das Leben war eine Qual und das hätte nie anders 1 uerben können. Wie oft dachte ich an Selbstmord, der Himmel aber hat gnädig mich davor bewahrt. Der Tod kommt von selbst und hat Dich nun auch mir gebracht."
„Du hast gelitten," sprach er zart, „ich wollte Dich vor jedem Leide schützen. Dein Dasein M einem Traum des Glückes machen, und steh', tote ich es tat. Du hastest mich mit Recht, kannst mir vielleicht nicht einmal vergeben, wenn Du alles weißt, und doch handelte ich, tote ich handeln mußte, und könnte nicht anders, wenn alles wieder käme. Für Dich aber ist es hart"
Selbst im Tode also galten seine Gedanken nur ihr. Und als sie ihn an blickte und bedachte, was er noch vor einem Jahre gewesen, schien es ihr zu viel zum Ertragen.
„O stille, stille, Victor," schluchzte sie, „Du brickst mir das Herz."
Ein seliges Lächeln verklarte seine Züge.
„Ich will Dich nicht betrüben, Edith, und ich fühle mich glücklich, als hätte ich keinen Wunsch mehr, als wäre ich Deiner Vergebung gewiß. Es ift Glück genug. Tick hier zu sehen. Deine Hand in der meinen zu kühlen, zu wissen, daß ich Dir alles sagen darf. Mit unendlicher Sehnsucht et- wartete ich diese Stunde, nur Vergebung und Tod, mehr wollte ich nicht. Was wäre das Sieben «ßm«