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Botationsbrud u. Verlag der Sulbaer Ac» flenbr iderei in Hulda, zensprecher Br. 9.

Fulda, Mittwoch den 2. Januar 1907.

M 1.

34. Jahrgang.

Zweites WLatt.

Mit jedem Tuge

kann der Postbezug der »Fuldaer Zeitung^ begonnen weiden. Preis bei allen Post» ämietn für das Vierteljahr 1,50 Mark ohne Bestellgeld und Bringerlohn.

Der Zug des Todes ihm Jahre 1906.

Reich ist die Ernte, welche der AüvezwMge: tob im sechsten Jahre des 20. Jahrhunderts ge- l-alten hat. Ucberall ist er eingekehrt; er ver­schonte weder die Paläste der Reichen und Mäch­tigen dieser Erde, noch ging er spurlos an der Hütte der Armen vorüber. Hier riß er den ein­zigen Ernährer der Familie aus dem Kreise der ©einigen, dort führte er ein gekröntes Haupt in das Reich der Väter. Unter den kirchlichen Wür­denträgern ritz er manche Lücke, dem Parlamen­tarismus raubte er viele seiner Mitglieder. Kunst und Wissenschaft stehen an der Bahre zahlreicher Schöpfer, Technik und Industrie beklagen den Heimgang großer Erfinder und schaffensfreudiger Meister, Handel und Gewerbe vermissen manche ihrer hervorragendsten Vertreter. So beklagt die gesamte Menschheit den Heimgang vieler und tüchtiger Männer, die im Vordergründe des Schaffens des öffentlichen und allgemeinen Lebens standen.

Das preußische Königshaus ist durch das Ableben desPrinzen Albr echt von Preu­ßen in Trauer versetzt worden. Er starb, 70 Jahre alt, am 13. September. Mit seinem Ab­leben ist die braunschweigische Thronfolge von neuem üufgerollt worden. I in Lippeschen Hause hat der Tod dreimal Einkehr gehalten. Anfangs April starben am selben Tage die 3t Jahre alte dänische Prinzessin Luise, Ge­mahlin deS Prinzen Friedrich von Schaumburg. Lippe, während fünf Stunden später ihr Schwie­gervater, der 72 Jahre alte Pinz Wilhelm durch einen Schlaganfall aus diesem Leben schied. Im August folgte ihnen dann Prinzessin Pauline zu Lippe-Detmold im Tode. Am 29. Januar wurde König Christian von Dänemark seinem Volke entrissen; er ist der Monarch, dem infolge seiner vielen und weither- zweigten Familienbeziehungen zu den europä­ischen Höfen scherzweise der Name eines Schwie­gervaters von Europa beigelegt wurde. Im Juni starb in Madrid der Herzog von A l m odo - dar, in welchem Svanien seinen Minister des Aeußeren verlor; besser bekannt ist er als Vor­sitzender der Marokkokonferenz von Algeciras. Die greife Ex-Kaiserin Eugenia von Frankreich über­lebt alle ihre Zeitgenoffen; im Mai folgte sie der Vabre ihres Vertrauensmannes, des Duc Na­poleon d e Bassano, mit welchem der letzte seines Stammes ins Grab stieg. Der bayerische hohe Adel wurde im selben Monat durch das Ab­leben des Fürsten Fugger, des Seniors des gesamten Fuggerschen HauseS, in Trauer versetzt; aus armen Webern sind seine Vorfahren die mäch­tigen Handelsherren geworden, welche bis zur beginnenden Neuzeit di« Welt beherrschten Der preußische Adel verlor am 5. Januar den K ra- f e it Ferdinand Galen auf Burg Dinklage. Graf Galen war der Vorsitzende der tvestfälischen

Zentrumspartei und 30 Jahre lang Reichstagsab­geordneter. Er ist besonders bekannt durch den nach ihm benannten ersten sozialpolitischen An­trag des Zentrums vom Jahre 1877.

Auch in der Reihe der Mitiister und Staatssekretäre find manche Lücken ent­standen. Am 10. Januar starb der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten von Thie­len, nachdem er schon einige Jahre vorher von seinem Amte zurückgetreten war. Die im Jahre 1895 in Kraft getretene Umgestaltung der preu­ßischen Staatsbahnverwaltung ist in der Haupt­sache sein Werk, auch die schwierige Aufgabe der Angliederung der hessischen Bahnen hat er gelöst; nach außen machte er sich namentlich durch die Einführung der V-Züge und der Bahnsteigsperre bekannt. Nur sieben Tage nach seinem Ableben folgte ihm Herr v o n R ich t h o fe n, der Staats- sekretär der deutschen auswärtigen Angelegen­heiten im Tode. Er erlag in wahrem Sinne des sSöTkS den Arbeiten seines Amtes und im letzten Jahre seines Lebens Ist die -vtr.FvlfS'

bürde seinen Schultern zu schwer geworden. Auch der erste Nachfolger des Herrn von Thielen ge­hört zu den Toten des abgelaufenen Jahres. Herr von Budde ist es, der am 28. April starb. Als Minister fiel ihm das Verdienst zu, die Ka­nalvorlage in den Hafen zu bugsieren; im Ver­kehrswesen enthielt sein Etat jedes Jahr neue Reformen, und seine sozialpolitische Tätigkeit für die Wohlfahrt der Eisenbahnarbeiter und unteren Beamten stand auf einer hohen Stufe. Am 2. Juli starb in Berlin Otto Gaebel, der ver­dienstvolle Präsident des Reichsversicherungsam- teS; er erreichte ein Alter von 69 Jahren. Von den Einzelstaaten verlor Hessen im Januar den Staatsminister Dr. Rothe, Elsaß-Lothringen den Unterstaatssekretär von Schraut, den Re- formater des reichsländischen Steuerwesens, der als hervorragender Staatsmann es verstand, die Finanzverhältniffe seines Landes vor Anleihe und Defizit zu bewahren. Im August verlor Bayern seinen ehemaligen Finanzministec Freiherr v ou Riedel, nachdem im Februar der frühere Kriegsminister Freiherr von Asch ebenfalls gestorben war.

Die Reihen der Politiker und Parla­mentarier wurden im abgelaufenen Jahre ebenfalls stark gelichtet. Am 10. März starb einer der bekanntesten Berufspolitiker: Eugen Rich­ter. Niemand hat die Budgetzahlen so genau im Kopf und konnte sie so klar entwickeln, wie er; die politischen Geschäfte waren feine Lebensarbeit. Am 26. Mai folgte ihm seine Gattin im Tode. Der Reichstag verlor am 17. März seinen ver­dienten Bureaudirektor Geheimrat Knack. Wei­ter starben die Abgeordneten Lenzmann, Graf von Reventlow, von Behr, Kro- patschek, Dr. Sattler, von Gerlach, von Eyne m, Dreesbach, Breuer usw. In Spanien starb anfangs März der bekannte Poli­tiker Römers Robledo. Nordamerika ver­lor am 14. März in Karl Schurz einen be­deutenden Staatsmann, welcher in der revolutio­nären Bewegung 1849 im badischen Lande eine große Nolle spielte. Einen Monat früher starb in Cincinati der berüchtigte Anarchist Johann M o st, welcher, in Augsburg geboren, in den 70er Jahren auch Mitglied des Reichstags war. infolge des Sozialistengesetzes aber später aus Deutschland ausgewiesen wurde.

Reiche Ernte hielt der Tod auch unter dem Episkopat und unter den Würdenträgern der katholischen Kirche überhaupt. Im Juli folgten die Diözesanen des Bistums F u k d a der Bahre ihres unvergeßlichen Oberhirten, des Bischofs Adal­bert Ender t; der Regensburger Bifchofsstuhl wurde am 16. August durch das Ableben des grei­fen Bischoses Ignatius von Senestreyl

verwaist und vor knapp Monatsfrist rief der All­mächtige den Erzbischof von Stablewski von Posen zu sich in die Ewigkeit. Das Kar­dinalskollegium betrauert den Heimgang von fünf feiner Mitglieder in Italien, Frank­reich, Belgien und Spanien. Am 18. April starb in Rom der „schwarze Papst", der Jesuiten­general P. Ludwig Martin. Mitte März raffte der Tod den Bischof Augustin Eggert von St. Gallen dahin; neben seinem kirchlichen Amte war er hervorragend tätig für die Einführung der Unfall- und Krankenversiche­rung in der Schweiz und nahm lebhaften Anteil an der Abstinenzbewegung. Noch ein zweiter schweizerischer Bischof wurde im verflossenen Jahre in die Ewigkeit abberufen. In Solothurn starb am 14. Mai Bischof Leonhard Haas von Basel, dessen große Friedensliebe ihn weithin bekannt und beliebt machte. Schließlich sei an dieser Stelle noch des erst kürzlich erfolgten Ab­lebens des päpstlichen Leibarztes Dr. Lapponi «£i)(idit. de? um die kostbare Gesundheit Leos XIII. und Pius X. fö W vctSibI Tllp.

Unter den Medizinern wurde der Nestor der deutschen Psychater am 18. Juli seinem Wir­kungskreis entrissen; es war Dr. Meyer, wel­cher, 87 Jahre alt, in Osnabrück starb. Die Fran­zosen beklagen den Heimgang Dr. Brouar - be IS, eines ihrer hervorragendsten Mediziner. Das internationale Physikertum erlitt einen un­ersetzlichen Verlust in Pierre Curie ; der große Gelehrte hat im Verein mit den Arbeiten seiner Gattin das Radium entdeckt. Ein Unglücksfall auf der Straße macht? feinem Leben frühzeitig in Paris ein Ende. Die Jngenieurwiffenschaft verlor durch den Tod des bayerischen Maschinen­direktors Ad. Karl Lautensch lä g e r im Juni den Erfinder der Drehbühne. Die deutfche Industrie betrauerte das Ableben Karl Sie­mens, des Srniorchefs des Welthauses Siemens & Halske, welcher im März verstorben ist. Eine Autorität auf dem Gebiete der Taubstummener­ziehung war Wilhelm Hubert Ciippers. Als Direktor der Taubstummenanstalt in Trier hat er eine langjährige, reichgesegnete Wirksamkeit entfaltet; er war fast 80 Jahre alt, als er im .Juli starb. Die Bienenzüchter haben im Oktober ihren Altmeister, den ehemaligen Pfarrer Dr. Johann Dzierzon in Lowkowiz in Schlesien verloren, welcher das hohe Alter von 95 Jahren erreichte. Auch im deutschen Verlagsbuchhandel ist manche Lücke entstanden; wir erinnern nur an die Namen Weber- Leipzig, Karl Broscha 3- k a, Tefchen, Albert Benz heim er- Mann­heim u. a.

Unter den Dichter» und Schriftstel- lern fei vor allem des Heimganges des nordi­schen Dichters Henrik Ibsens gedacht, wel­cher am 23. Mai in Christiania im 79. Lebens­jahre starb; mit ihm ist der Dichter dahinge­schieden, der auf die dramatische Kunstentwicke- lung in Deutschland seit den 70er Jahren den weitaus größten Einfluß ausgeübt hat. Eben­falls dem nordischen Reiche entstammte der Schriftsteller Alfred af Hedenstjerna; er starb in Stockholm am 12. Oktober. Die ge­samte Musik und Gesang liebende Welt wurde am 26. August in tiefe Trauer versetzt, als sie das Ableben des unübertrefflichen und viel ge­feierten Balladenkönigs Eugen Gura erfuhr, dessen Kunst so viele gefesselt hat. Er starb in Leoni am Starnberger See im Alter von 64 Jahren. Auch der Professor der Gesangskunst Julius Stockhausen in Frankfurt a. M. wurde in das Reich der Toten abberufen. Schließ­lich fei noch des Gesanglehrers und Erfinders ManuelGarcia gedacht, welcher sich als Er­finder des Kehlkopfspiegels einen Namen ge­

macht hat. Er erreichte ein Alter von 101 Jahren und starb im verflossenen Juni in London.

Zum Schluß seien noch zwei Namen erwähnt, welche mit der Geschichte des japanischen Volkes für alle Zeiten verknüpft sind. Am 6. Juli starb zu Grotzlichterfelde der preußische Ge­neralmajor z. D. Jakob Meckel. Er war der Organisator der japanischen Armee, welche den Krieg gegen die Russen so siegreich durchgefochten bat. Sein Name steht daher in Japan im besten Klange. Drei Wochen später, am 23. Juli folgte ihm in Tokio der Ebes des japanischen General­stabes, VicomteGentaroKodama, dessen Tüchtigkeit im letzten Kriege ebenfalls erprobt wurde. Er erreichte ein Alter von 54 Jahren. In Berlin starb noch ein Mann, welcher sich um fein Volk große Verdienste erworben hat. Es ist der deutsch-japanische Schriftsteller Kisak T a- m a i, welcher als erster Japaner auf dem euro- väischen Kontinent eine Monatsschrift für die Vertretung der ostasiatischen Interessen schuf.

Damit sei die Liste über die Ernte des TodeS im Jahre 1906 geschlossen. Sie erbebt bei weitem -Anspruch der Vollständigkeit, führt aber doch den Lesern fo mäiiHen Gedächt-

niis zurück, deren Träger im öffentlichen Seueit eine mehr oder minder wichtige Rolle gespielt haben

vermischtes.

* Der Winter am Rhein vor hundert Jahren. Die Wetterverhältnisse im Dezember 1806 und zu Anfang des Januar 1807 waren in Wesldeutich» land ganz außergewöhnlich. Es herrschte eine Milde wie im Sommer. Dorothea von Schlegel, die in dieser Zeit in Köln wohnte, schrieb am 11. Januar 1807 an ihren Sohn Philipp nach Berlin: ,DaS Wetter war fo außerordentlich gelinde bi« zum 7. ds. Mts., daß auf dem Felde alles voller Blumen war, das Korn hatte schon Halme, einige Bäume blühten, und wo bei der vorigen Ernte Bohnen, Erbsen usw. liegen geblieben waren, da blühten sie, und mehr als alles das: wir haben am Melchiorstage, 6. Januar lDreikönigen), Maitrank getrunken von den Kräutern, die in BoissereeS Garten häufig hervorwuchsen. Die Landleute fürch­teten gewaltig, wegen dieses unfertigen Wetters die ganze künftige Ernte zu verlieren; vielleicht bringt der plötzlich (am 7. Januar) eingetretene Frost wieder neue Hoffnungen."

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Reichsbank-Diskonto: Lombard-ZmSjuß:

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104^ 104, ae 135^5 :fc5,4» 146--

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37- 36- I8I30 1813* 140 1413«

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22,10---

363» 37—

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47,80 47—

146 144,46 344- 348 —

7*1. 7°,'.

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