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Iwieteee: We Hu» frei«»* Petitzeile teer »ereil Raum 15 pfg. Reiiumew >le leiilzeile 25 Pfg.; bei Wieder* telnnten wirs eulipr. Babai < ceniaget.

Beten euiömd w. Verlag *er < uldaer Re» tieuer werd in Xfttba. .SerHprepet Hr v.

tiulDa, Montaq den 81. Dezember WOtt.

JW z‘J9.

33. JaHr-tliniz.

Zweites Wkalt.

(Es ist die höchste Zeit

die rückständige« Bestellungen für da- erste Vierteljahr «mgeheitd

bei de« Postaustalte« zu be­wirken, damit da» pünkt» 1 liche Eintreffen der Zei­

tung vom 1. Januar

1907 ab gesichert _______________________________ist- _________________________

1906—1907.

Die Jahre folgen einander, aber fie gleichen sich nicht. Da- erfahren nicht nur die Völker in »hier Gesamtheit, sondern auch der einzelne Mensch in seinen penönlichm Verhäitniffen. Diese Verichiedenheit in den Begebniffen ist es, die dem Meuchen bei Beginn eine- neuen Jahres die Frage aufvrängt: »Wa- wird es mir bringen?"

Und ro-il e- im Sprichwort beißt: „Ende gut, alle- gut!" so mag das Wünichen heute ganz betender- herzlich klingen. Man erhofft und wünscht sich gegenseitig ei« glückliches und glückieligeS Jahr; da- ist fo im menchlichen Le 'en begründet. Aber gar mancher, dem da- Leben arg mitqetpielt hat, dem da- verstossene Jahr nur Unglück und Schicksat-ichlüge jeder Art gebracht hat, gibt nach und nach die Hoff» nung aut, und sein innere- Gefüht ist nicht da­bei, wenn sein Mund den Neujahr-wunsch aus» spricht.

Wir Menschenkinder sind eiqenartige Ge« schöpfe, und mehr oder weniger Leichtsinn ist un- angeboren; fast möchte man sagen, eine kleine Selbsttäuschung gehört zu unseren glücklichen Stunden. Wenn in der Silvester­nacht vom hoben Turme die ehernen Glocken­zungen in langsamen Schläge« feierlich da- Gradl,ed de- alten Jahre- singen, dann gibt e- drunten, wo dir „Ritter der Gemütlichkeit" bei» fammensitzen, ein Helle- Giäserklingen, ein laute- Jubilieren und Gratuliere«, als ob mit dem alte« Jahre auch da- alte Leid beendet und die neue Zeit nur heitere Lose bringen würde.

Wohin un- am Tag« die Füße führe«, da gibt es ein herzliche- Händeschütteln und ein vielstimmiae» „'Profit R ujabri" So will e- nun einmal der Brauch der Wclt.

Wenn man diese Stimmung der Leute über« schaut, so sollte ma glauben, e- türme sich zwischen dem ölten und dem neuen Jahre eine hohe Mauer out, welche ma« nur auf einer bequemen Stiege zu überstrtgen braucht, um hinter un- da- Stoppel« seid de- menschlichen Elende- und Jammer- zu la en und mit leichtem Schritte dann in den ge­segneten Gefilden d'S neuen Lande- herumspazieren zu könne«. Und doch bleibt alle- beim alten!

Nu smchttm; Geheimnis.

Dem ameritauischen Originale der Mrs. May Agnes Fleming nacherzählt von Lina Freifrau von Berlepsch.

Wj (Nachdruck verboten.)

Drittes Buch.

L

Bei Maoame Mirabeau in der Os* ford st ratze.

An einem schönen Nachmittage saßen zwei ele- gante junge Damen an einem spitzenverhüllten Fenster der Maysairstratze. ES war eines jener großen düsteren Westendhäuser, deren Lutzere ab- stotzende Schwärze stark kontrastiert mit dem Glanz und LuxuS innen. Ich sage junge Damen, denn, wenn unverheiratet, nennen sich Damen immer jung. Eine davon hat de« dreißigsten Sommer gesehen, eS ist Lady Drexel, und ihr- Gefährtin Lady Mary Howard ist eben dem Back- fifchteiche entangelt.

Laura gähnt über ihrem Buche und sieht alle Minute auf die Uhr.

.Wo mag Arabella so lange bleiben", ruft sie ärgerlich, „wir könnte« schon eine Stunde fort sein."

„Zügle Deine Ungeduld", lächelte Mary, „da kommt sie."

Ein Livreediener wirft die Türe weit auf und Lady Arabella rauscht herein.

„Wen meinst Du, daß ich getroffen habe, Laura?" fragte sie mit blitzenden Augen.

„Die Herrscherin aller Reußen, den Kaiser von Marokko?" entgegnete Laura lachend.

„Nein, jemand viel Geheimnisvolleren. Du wirst es nie erraten." .

„Ich versuche es gar nicht; sag' es und laß «ns gehen."

. »Sir Victor Catheron."

Ein bekannter Schriftsteller sagt mit Recht: „WaS im alten Jahre Essig war, wird im neuen kein Rüdesheimer; der Arme darbt und der Kranke fiebert weiter, da- alte Lied und die alte Rot dauern fort, und die Rechnungen und der Steuer« zettel und «och viele andere unliebsame Dinge, alles, alles kehrt wieder, nur Mt oft noch in schlimmerer Gestalt als vorher.* Wir wollen aber nicht den „Schwarz eher" an einem so schönen Tage machen, der seiner ganzen Natur nach zu froh.« Wünschen und schönen Hoffnungen ge» schaffen ist; deshalb wende« wir uns ab von solch' trüben Gedanken.

Ern glückliches soll das neueJabr werden Dieser Wunsch regt aber auch zum Rachdenken darüber an, worin eigentlich das wahre Glück der Menschen besteht, das jeder fich selbst schmieden kann. Dte Antwort darauf ist einfach, Richt in Ehre«, Reichtum und be­haglichem Wohlleben ist e- zu suchen. Das wahre Glück besteht in der Zufriedenheit. Glücklich ist der Mensch, Der zufrieden ist mit Den Verhältnissen, in die er hineingeletzt tft, zu­frieden mit dem, was die Vorsehung ihm schickt. De-Halb sollte Der letzte Tag des alten und Der erste des neuen Jahres zu einer Einkehr de- Menschen bei sich selbst bienen. Dann wird ei ihm auch ein Leichtes 'ein; Wünsche und Hoff­nungen für das neue Jahr zu saften.

Aber auch im öisenllichen Leben ist in vieler Hinsicht eine Einkehr sehr von Röten. Die Christenheit muß sich wieder auf da- besinnen, wovon sie ihren Warnen hat. Christus muß wieder in seine alle« Rechte eingesetzt und seinen ewigen Lehren Türen und Tore geöffnet werden bei Hoch und niedrig, in Den Königspalästen unD in den Hütten der Armen. Unser ganzes Leben und Treiben muß durchwebt fein von Dem Geiste wahren und edlen Christentums. Dann wird wieder mehr Ruhe und Ordnung einkehren in unsere Häuser, in unser öffentliches uno ge­werbliches Leben, in unsere Poliltk und in Dai ganze Getriebe unserer Staaten.

Ja diesem Sinne wünschen auch wir allen ein glückliches neues Jahr und Gottes Gnade« auf allen Lebenswegen für und für.

)*(gh» jtta NkiihstWwWcr Mm ms!

Wer kann zum Reichstag wählen? Jeder Deutsche männlichen Geschlechts, welcher das 25. Lebensjahr am Wahltage zurückgelegt bat, also spätestens am 25. Januar 1882 geboren ist. Auch wer keine Steuern zahlt, ist wahlberechtigt.

Nichtwählen kann der, welcher öffentliche Armenuntrrstutzung erhält oder im lebten Jahr vor der Wahl erhalten hat, wer unter Vormund­schaft oder im Konkurs siebt, ober wer fich nicht im Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte be­findet.

.Von der Wahlberechtigung über­zeuge sich jeder durch einen Einblick in die Wähler­listen, die vom 28. Dezember ab mindestens 8 Tage lang, also bi- zum 4. Januar 1907, öffent­lich zu jedermanns Einsicht ausliegen. Einsprachen gegen die Listen sind binnen 8 Tagen nach Begin» der Auslegung, also bis am 4. Januar, bei der Behörde, welche die Auslegung bekannt gemacht hat, anzubringen.

Wo wird gewählt? Jeder kann nur dort wählen, wo er in die Wählerliste eingetragen ist.

„Arabellas"

„Ich wußte, daß es Dich intercffieren würde. Ja, ja, meine Liebe, Sir Vietor lebendig, aber, auf mein Wort, ich hielt ihn anfangs für ein Ge- venst. Ich fuhr die Jamesstraße hinauf und sah ihn auf den Stufen von Fenton'S Hotel. Erst wollte ich meinen Augen nicht trauen, denn sei» Haar ist grau meliert; seine Augen eingesunken, eine Wangen hohl und bleich. Denn je eines Menschen Herz brach, widerfuhr es ihm an seinem Hochzeitstage."

„Aber, wer ist Sir Victor Catheron und was ist'- mit ihm?" unterbrach fie Mary neugierig.

„Ja, ja, Du warst damals im Institute und weißt die romantische Geschichte nicht, da muß ich sie Dir erzählen."

Und sie teilte ihr all' die Ereigniffe, so weit üeselben bekannt geworden, mit. und schloß mit Iler Erwähnung, daß, nachdem Edith spurlos nach PownS Place verschwunden und Lady Helena sich auf Reisen begeben, niemand mehr von Sir Vic­tor gehört habe.

„DaS ist die kurze Geschichte des intereffanten Gespenstes, an das Arabella und ich einst beinahe unsere Herzen verloren hatten."

„Bitte, sprich für Dich selbst", zürnte Arabella.

„Lassen wir Vergangenes vergangen sein und etzt nun die Hüte auf, ich möchte Madame Mira- lernt in der Oxfordstraße besuchen und mein Ball­leid besichtigen."

Jebn Minuten später rollte die elegante Ka­raffe die Straße entlang. Eben hatte sie in die Oxfordstraße eingeboren, als sie unter der Meu- chenmenge einen schlanken jungen Mann ge­wahrten.

„Arabella," rief Laura, „ist dies nicht Sir Victor?"

„Ja, er ist'- und er sieht unS. Laß' halten, auf daß Maria einen lebendigen Romanheld sehe."

„Guten Tag, lieber Sir Victor, ich freue mich. Sie wieder einmal zu treffen, bitte, steigen Sie ein, wir nehmen keinen Korb."

Sie waren hart an den Randstein gefahren

Besonders in der Stadt muß also jeder sich vor­her genau erkundigen, in welchen Bezirk er ge­hört. und wo sein Wahllokal ist.

Wie wird gewählt? Vor allem ver­schaffe man sich einen richtigen Stimmzettel. Derselbe muß von weißem, mittelstarkem Papier (9 mal 12 Zentimeter grofp fein, und es darf nichts weiter darauf stehen, wie Name, Stand und Wohnort desjenigen, den man wählen will, also der Name des Kandidaten der Zentrumspartei.

Im Wahllokal erhält man einen amtlich abgestempelten Umschlag. Damit tritt man in einen Nebenranm (Wahlzelle) ober an einen verdeckten Nebentisch und kann dort feinen Stimmzettel in aller Gemütsruhe unbe­obachtet in den Umschlag stecken. Man sehe aber vorher noch einmal genau zu, daß es der richtige Stimmzettel ist.

Andere Zettel, die einem von den Zettelverteilern gegnettfrfter Par­teien aufgedrängt wurden, steckt man hier unbemerkt in Die Tasche und holt den richtigen Zettel her­vor. Demgemäß kann jetzt niemand mehr wissen, oder behaupten, wie ein Wähler gestimmt hat Die Wahl ist also tatsächlich eine geheime und freie. (In dem Raum, wo ge­wählt wird, dürfen Stimmzettel den Wählern nicht mehr gegeben und auch sonst kein Einfluß ausgeübt werden.)

Nachdem man seinen Stimmzettel (nur einen!) in den amtlichen Umschlag gesteckt hat (andere Umschläge oder offen abgegebene Zettel sind ungiftig), geht man an den Wahltisch. nennt feinen Namen und gibt den Umschlag ab. Damit ist Wahl geschehe».

Welche Stimmen sind ungiltig? 1. Stimmzettel, welche nickt in einem amtlich ab­gestempelten Umschlag (Kuvert) oder welche in einem mit einem mit ein-"« Kennzeichen Perfebe- nen Umschlag übergeben worden sind: 2. Stimm- zettel, welche nicht von weißem, mittelstarkem Pa­pier und nicht von der Dotgcfcbrubpnen Größe (9mal 12 Zentimeter) sind; 3. Stimmzettel, welche mit einem Kennzeichen versehen sind; 4. Stimmzettel, welche keinen ober keinen lesbaren Namen (gedruckt oder geschrieben) enthalten; 5. Stimmzettel, aus welchen die Person des Ge­wählten (wegen ungenügender Bezeichnung des Namens ober Stanbes) nicht unzweifelhaft zu erkennen ist, oder welche sonstige Bemerkungen außer dem Namen, Stand und Wohnort enthal­ten; 6. Stimmzettel, welche auf eine nicht wähl­bare Perlon lauten; 7. Stimmzettel, welche eine Verwahrung ober einen Vorbehalt gegenüber dem Gewählten enthalten. Mehrere in einem Um­schlag (Kuvert) enthaltene gleichlautende Stimm- zettel gelten als eine Stimme; in einem Umschlag enthaltene, auf verschiedene Personen lautende Stimmzettel find alle ungiltig.

Was ist in der Wahlagitation erlaubt? Vom Tage der amtlichen Bekannt­machung des Wahltages bis zum Ende der Wah­len bat jeder ohne weiteres dos Neckt, überall in Häusern, auf Wegen. Straßen, Plätzen rc. Zeitungen, Flugblätter, Stimmzettel ?c. zu b?r- breiten und zu verteilen. Plakate dürfen indes in Preußen nur bann angeschlagen werden, wenn sie bloß die Einladung zu einer Versammlung enthalten.

Wahlversammlungen und Wablvereine müssen bei der Polizeibehörde anaemelbct werden in jenen Bundesstaaten, in welchen dieses auch außer­halb der Wahlzeit vorgeschrieben ist.

G e l d s a m m l u n g e n. Wer ohne die er­forderliche polizeiliche Bewilligung eins Geld- fammlung (Tellersammlung) veranstaltet, wird bestraft.

und, in solch' summarischer Weise erobert, stieg der Baron ein und wurde Lady Howard vor- gestellt.

Unter dem rofenfarbigen Sonnenschirm be­obachtete Lady Laura den alten Freund. Ihre Schwester hatte nicht übertrieben. Sir Victor war zum Schatten geworden. Man sollte es kaum für möglich halten, daß zehn Monate eine solche Ver­änderung bewerkstelligen konnten.

Er sprach wenig und antwortete einsilbig. Im- mer wieder sah et auf die Passanten, als suche er jemand schmerzlich. Zufällig ergab es fick, daß er i)te letzten Monate in Amerika verlebt hatte, Tie Schwestern wechselten Blicke. Zweifelsohne wat er dort mit seiner Frau zusammengetroffen.

Der Wagen hielt vor einem eleganten Mode- aden.

„Kommen Sie einen Augenblick mit herein, Sir Victor," bat Lady Arabella, „wir werden Sie nicht lange aufhalten."

Die drei Damen besorgten ihre Kommissionen. Schleppe behagtr ibt nicht. Eines der jungen Mädchen, das die Tarnen bediente, schrieb etwas Lady Arabella's Kleid wurde vorgezeigt, di: auf ein Papier, ging mit dem Kleide den Saal hinab und rief: „Miß Stuart".

Eine Stimme antwortete nur mit dem Worte „Ja", aber Sir Victor sprang von dem S.ffel, in den er sich nachlässig geworfen, auf. Ter lange Laden war noch nickt erleuchtet, eS herrfckte eine Art Halbdunkel. Eine hohe Gestalt nahte sich und nahm das Kleid und Papier in Empfang. Einen Moment fiel daS Licht auf sie, und sie verschwand. Sir Victor war wie ans langem Schlaf erwackt. DaS Gesicht hatte er nicht ge­sehen, nur die Figur und das Hinterhaupt, hatte nur daS Wörtchen „Ja" sprechen gehört, aber träumte oder wachte er? war es nur Täuschung, nur eingebildete Aehnlickkeit. oder doch — end­lich doch — er stand einem Schlafwandelnden gleich.

„Nun, Sir Victor, Ihr Martertum ist zu Ende," sprach Lady Arabella, „wir wollen gehen."

Erlaubt find Sammlungen zu erlaubte« Zwecken, welche bei Gelegenheit einer gesellige« Zusammenkunft unter Freunden und Bekannten, oder unter Vereinsmitgliedern veranstaltet wer­den. In öffentlichen Lokalen, Wirtschaften, ist eine Sammlung unzulässig, in geschlossener Mitglie­derversammlung, auf Arbeitsstellen. Werkilätte« rc. erlaubt. Dem Verkauf von Ansichtskarten, Parteikarten, Parteimarken rc. dürfte wohl nicht» cntgegenstehen.

Wahlrecht - Wahlpflicht. Sehe ei« jeder die Wahl nicht als fein Recht an, sonder« als feine Pflicht! Sehe es jeder aber auch al» eine solche an, wenigstens einen Gleickgiltigen oder Schwankenden für die Partei zu erwärmen und zum Wahllokal mitzimehmen und ihn zur Stimmabgabe zu veranlassen.

Vermtfctytes.

* Kleine Nachrichten. $8 Uten. Der bei der Roburitkatastrophe schwer verletzte Feuerwehrmann W. Hautkappe ist, nachdem ihm in voriger Woche ein Bein amputiert worden war, feinen gräßlichen Wunden dennoch erlegen. Er ist das 40. Opfer der Katastrophe. — Mainz. Ein Küferbursche aus Eisenach wurde in dem Felde bei Heidesheim leblos aufgefunden und in das Hospital verbracht, wobei der Tod eintrat. Tie Untersuchimg ergab Ableben durch Erfrie­ren. — Ludwigshafen. Der Eisenbahn- assistent Riffel hat zur Beseitigung seines Magen« Wehs anstatt Opiumtinktur eine zu photographi­schen Zwecken verwandte Säure eingenom­men. Er verstarb unter den gräßlichsten Schmer­zen. — Regensburg. Weit ihn die „Eiser- sucht" stark plagte, entfernte sich Der Soldat Max Kammer! vom 11. Infanterieregiment im Herbst eigenmächtig von seiner Truppe und ging zu feiner Geliebten. Nach einiger Zeit wurde ec aufgegriffen und jetzt vom Kriegsgericht wegen unerlaubter Entfernung zu 45 Tagen Gefängnis verurteilt. — Rheinhausen. Auf Der Friedrich Alfred Hütte stürzte ein italienischer Arbeiter in einen Säurebehälter. Er verbrannte sich derart, daß er bald darauf starb. — Ruhrort. Vom Rheinbrücken­bau stürzte ein achtzehnjähriger Hilfsarbeiter ab; er brach das Genick. — Essen. Im Dorfe Beeman in Westfalen erschossen Diebe, die bei dem Wirt Stratmann einen Einbruch ver­übten, den Wirt, als dieser infolge des Geräusches erwachte. — Siegen. In Freudenberg tour De ein Kroate von einem Gendarmen, der von ihm angegriffen worden war, erschossen. — Kre­feld. Die hiesige Kravattenfabrik Wit­we F. Hertz, die mehr als 1200 Arbeiter und An­gestellte befebäftigt, hat ihren Angestellten mitge­teilt, daß sie für ihren künftigen Sommer-E r • h o l ung s u r la u b auch eine größere, nach dem Tienstaltcr abgestufte Beihilfe erhalten wer­den. — Hannover. Arn Weihnachtsabend ist die evangelische Kirche in Soltau bis auf Die Um­fassungsmauern niedergebrannt. Datz Feuer ist wahrscheinlich durch die Heizungsanlage entstanden. — Breslau. Beim Spielen mit einem Revolver erschoß auf Schloß Rothkirch der 18jährige Majoratsherr Severin Frhr. v. Rothkirch feinen Jagdgast und früheren Mitschüler an der Rittcrakademie Viktor v. Heinz aus Liegnitz. worauf er Selbstmord verübte. — Hillesheim (Eifel). Hier wurde seit dem Jahre 1888 der e r st e W o l f gesehen. Es wurde Jagd auf ihn gemacht. — Nürnberg. Bei einem großen Brand der Ledertreibriemenfab-. rik Raum, wobei das Fabrikgebäude gänzlich auS- brannte, verunglückten drei Feuerwehr­leute der hinterlassenen Wache schwer, zwei davon infolge nachträglichen EinstürzenS einer Mauer.

Er geleitete sie an den Wagen und half den Damen einsteigen. Wie er sich entschuldigte, welch' iinzusammenhängende Worte er stammelte, er wußte es nicht, nur soviel, daß der Wage« forteilte und er, den Hut in der Hand, vor Ma­dame Mirabeau'S Laden stand.

„Er ist verrückt", bemerkte Lady Arabella achselzuckend, „vollkommen verrückt".

„Nein, daS glaube ick nickt," sagte Lady Mary weich, „nicht berr"tft, aber sehr, sehr unglücklich."

Er setzte den Hut auf und ging auf die Laden- tür zu. Ta kehrte das Gedächtnis wieder. Wes­halb ging er hinein? was sollte er sagen? Er hatte eine Stimme gehört, ein Haupt gesehen, ge­krönt mit dunklen Flechten, das war alles. Solche- hatte er seit dem verhängnisvollen Hochzeitsabend hundert Mal gesehen, und wenn er nackspürte, schwand die Illusion. Lebte seine Edith noch, seine Braut, sein Weib, daS er geliebt und ver­lassen, das er all' die öden Monate vergeblich ge­sucht? war sie in London? Er wußte es nicht, niemand wußte es. Seit dem kalten Herbstmoc- gen, wo sie Powys Place berlaffen, batte man gar nichts mehr von ihr erfahren. Sie hatte ihr Wort gehalten, keinen Heller, batte sie von tbm genommen: wie aber war e? ihr ergangen? viel­leicht war sie am Verhungern."

Er ballte die Fanft und knirschte mit den Zähnen bei dem Gedanken.

JD, daß ich sie fände, fie rettete und dann stürbe," rief er verzweifelt.

Tag und Nackt hatte Victor Edith gesucht — umsonst. Er war nach New-Pork gegangen, der- mochte aber weder von ihr, noch von der Familie Stuart zu hören. Mr. Stuart war tot, von den übrigen wußte niemand, die Firma batte falliert und die Familie war ans der Gesellschaft ber- schwimdcn. Er begab sich nach Sandypoint, um Edith's Vater auszusucken. Dieser war mit seiner. Familie zu längerem Aufenthalt nach dem Westen- gegangen, und so erfuhr Sir Victor auch hierH nichts. Endlich kehrte er nach England zurück. - (Fortsetzung folgt.)