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Fulda, Montaa den 31. Dezember 1W6

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Erstes Wlcrlk.

Wegen des Neujahrsfestes wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Mittwoch ansgegeben.

V Alt wahre Bedeutung des Zentrumsantrags.

Nachdem die Untcrtvcrfung der Hottentotten .ch vollzogen hat, nachdem also der Aufstand in allen seinen Teilen erstickt ist, tritt erst reckt der Kern deS Zentrumsantragcs hervor. Jetzt kann man nicht mehr mit der „nationalen Ebre" kom­men; ganz Deutschland — und leider noch mehr daS Ausland — lachen hierüber! Jetzt must nian den Zentrumsautrag objektiv prüfen und jetzt tunst auch die N e g i e r u ng - i n e k l a r e Antwort geben; seither hat sie sich stets um den Antrag herumgcdrückt.

Tas Zentrum hat eine bestimmte For­derung ausgestellt, die es wie jede Partei er­heben darf und es hat diese mit allein Nachdruck vertreten. Diese Forderung gliedert sich in drei Teile: 1. Unterwerfung des Aufstandes; 2. Er­satz der teueren Cchuhtruppen durch Polizeitruv- pen; 3. die Sckutztruppen dürfen nickt mehr als 2500 Mann betragen. Auf dieses höchst loyale Programm hat die Regierung mit der Auflösung geantwortet, ohne nur zu sagen, was sie will.

Die Unterwerfung deS Aufstandes ist voll­zogen; ja die Regierung erklärt bereits, dah ihr diese Nachrickt nickt unerwartet gekommen sei. Tie ganze Rede des Reichskanzlers am 13. Dezember war dann also nur Pbrascnwerk die schönen Sätze von der „nationalen Ehre" sind ver­flogen. Man must eigentlich beute nochiuals die Rede des NeichskanzlerS durchlesen, um einige Augenblicke ungetrübter Heiterkeit zu erhalten! Wenn sonst der Reichskanzler vor der Auflösung eine Wahlrede hielt, so konnten seine Anhänger diese auch für die ganze Wahlbcwcgung benützen; mit der Vülowschen Rede war eS schon atis, ehe die Wahlbeweaung recht ansing. Für die Unter­werfung deS Aufstandes hat aber das Zentrum a t l e » b c w i l! i g e n w 0 l l e n; es hat keinen Mann biS 1. April 1907 mehr zurückziehen wollen, als die Negierung selbst vorscklug! So war die Phrase von der „nationalen Ehre" von Anfang au unwahr und beute ist sie spurlos ver­schwunden! So mutzte cs kommen!

Ter Zentrumsantrag aber forderte zwei­tens den Ersatz der teuren Schutztruppe durch eine billigere Polizeitruppe! Die Soldaten haben jetzt eine Menge von Arbeiten zu verrichten, die auch von Polizisten geschehen kann; wir rechnen hierzu die Wegebauten, Ueberwackung der Trans­porte, der Stationen usw. Damit jedoch er- spa rt das Reich ungeheure Summe». Ein Polizcisoldat kostet im Jabre 4000 dl, ein Sckutztruppensoldat 10000 dt. Selbst, wenn man 8000 Mann noch im Jahr dort lasten wollte, wür­de man über 2500 Mann Schutztruppe und 5 500 Monn Polneisoldaten rechnen, so würde das Zen­trum in einem Jabre 6000X 5500 ----- 33 Mill, dt ersparen! So der Zentrumsantrag, der unse­ren schlechten Finanzen zugute kommt ttnb immer demReicheallesgibt, wasrsbrauchtl Auf diesen Teil des Antrages hat die Oeffentlich- krit noch keine Antwort erhalten! Wollen Konser­vative, Nationallibcrale und Freisinnige cs ver­antworten. dah für den militärischen Sport gleich 33 Mill. Mark verschwendet werden? Danach müssen alle Kandidaten gefragt werden! Tie Regierung selbst gibt keine Ant­wort, d. h. sie lehnt diese Ersvarnis ab! Aber die Parteien müssen eine klare Stellung einnehmen.

Run der Haupttril deS Zentruinsanträ­ges; er wollte die Regierung veranlasten, bis 31. März 1907 alle Vorbereitungen so zu treffen, dah nur noch 2500 Mann Schubtruppen brausten bleiben sollten. Der Zentrumsantrag bestimmte nicht den Tag, an welchem dies ein- treten soll; er wollte nur dem Einwenden Vor­beugen. datz die Regierung erklären konnte: „Wir sind nicht vorbereitet; wir rechneten mit 7000 Mann und können jetzt nicht so rasch alles nm- frempeln, die Kapitulation usw.!" Dieser noch­maligen Verzögerung für den Fall des vollen Friedens wollte und sollte der Zentrums­antrag v or b c u g c n! Aber gerade hierauf liest sich die Regierung nicht ein! Sie wollte aber be­deutend inehr Truppen brausten lasten und da kam ihr der Zentrumsantrag in die Quere. Wie viele Truppen aber gedenkt die Regierung in der Kolonie zu lasten? In welchem Tempo sollen die Soldaten zurück? Die Beantwortung dieser Frage ist umso dringlicher, als die Regierung iceber im Reichstag, noch in der Budgetkomwis- sion darauf eine flippe und klare Antwort gegeben hat. Nur soviel hat die Negierung durch die Rcichstagsauflösung bewiesen, dast sie keine Her­absetzung der Trnvpenzahl auf 2500 Mann wollte! Tenn sonst wäre die Reichstagsauflösung noch viel unsinniger gewesen, als sie eS ohnehin ist. Am II. Dezember, zwei Tag: vor der Auslösung, »r» klarte noch Oberstleutnant Ouack in der Budget- kommistion, baß 5000 Mann dauernd in Sudwest- ofrifa bleiben müssen! Gouverneur Leutwenr sprach selbst auch stets von 5000 Soldaten. Dern- o»rg zog es vor, überhaupt keine klare Auskunft zu erteilen; aber die von ihm vertretene Eiseu- bahnvorlage sprach gar noch von'5000 Mann, wenn die Eisenbahn bis Kectmanshoop gebaut sei, was Wohl in 20 Monaten cintritl! Und dann sollten bOUO Man» aller» mb Süden sein!

Will man nun 8200 oder 7000 oder „nur" 5000 Mann 1907 und später dort lassen? 5000 Mann würden uns vorläufig noch immer 50 Mill, pro Iabr kosten; 7000 oder gar 8200 dagegen einige 60—80 Mill, im Wahres Und welche Stel­lung gedenken die Parteien im neuen Reichstag zu dieser Frage einzunehmen? Wollen die Natio­nalliberalen und der Freisinn auch jetzt noch der Negierung völlig freie Hand lassen?

Tie Frage ist gestellt, mögen die Be­fragten, Negierung wie Parteien, nun unitm- wunden Antwort geben! Ein Versteckspie- len wird ihnen nickt helfen — denn die Wächter erwarten Antwort auf die Frage, wie viel Mil­lionen auch jetzt, nach Befriedigung der „nationa­len Ehre", noch für Südwestasrika zum Fenster hinausgeworfen werden sollen! Tas ist der wahr? Kern des Z e n t r u m s a n t r a- gesl Er wollte für die Zeiten der Ruhe und Ordnung festseden, wie viele Soldaten dort blei­ben sollten! Ta kam man mit der Einrede der Kmnmanöogcroalt, roährcuD es sich doch um d e Rechte des Reichstages handelt, im Etat zu bestimmen, wie viele Soldaten dort zu verwenden sind. Seit­her hat fick die Negierung um eine klare Stellung­nahme gedrückt; sie schützte die spanische Wand der „nationalen Ehre" vor; nun haben die Hot­tentotten selbst diese Konlisten weggetragen! Jetzt mutz die Regienmg eine Antwort geben.

Aber auch bie Parteien müssen eine klare Stellung einnehmen! Cie können sich doch nicht mehr hinter die Autorität des Generalsta­bes flüchten! Tann mögen sie lieber zu Haufe bleiben! Denn der Generalstab schon allein die Höhe der Schutztruppe zu bestimmen bat, dann kann er schließlich auch noch die Ausgabe der Gelder allein festsetzen, weil deren Höhe ja ganz wesentlich von der Schut-triippenstärkr abhängt! Da braucht man überhaupt keinen Reichstag mehr! Bisher hat die Minderheit den Kern des Zentrumsantrages stets zu ver­dunkeln gesucht; fetzt geht es nickt mehr; das Spiel ist aus! Wir freuen uns, datz die Fraktion so ausgezeichuet operiert hat! Denn mit dieser Partei werden und wüsten wir siegen! Nun erst reckt scharf peaen die unverantwortlichen Par­teien vor, welche das Budgetreckt deS Reichstages aufgeben wollten!

Deutsches Reich.

Berlin, den 2?. Dezember 1608.

r. Die Eröffnung des preußische» Land­tags ist auf den 8. Januar m tiags 12 Uhr augrietzt worden. Sie erfolgt im Weise des Königlichen Schlosses zu Berlin. Zuvor roirD Got esdienst in der HedwigSkirch« abgehakten.

r. Eine Verfügung des preußischen Ministers deS Innern wendet sich an die Be> amten und f01 bett sie auf, sich zu veraewiffern, ob sie in die Wählerlisten eingetragen sind. Die vorgesetzten Behörden sind angewiesen worden, binfür Dieusterleichterungen eintreten zu lasten. Neber die Dien stet leichterungen am Wahltage selbst wird noch eine besonder« Lersüguuz er­gehen.

* Einen Umschwung unserer Wirtschafts­politik hoffen die Freihändler von den bevor­stehenden Wahlen und rechnen hierbei folgender' maßen: Am 16. Juni 1903 habe« die Zoll- Parteien folgende Stimmenzohl erhalten:

Zentrum . 1.876,092

Konservative „ • . . . „ 914.269

Reichspattei . . - e $ 371 235

Rauonalttberale. . . « * 1.321.855

Bund der Landwirt« » e « 232.384

Antisemiten » . . - 244.543

4.963.388

Dagegen wurden von den Freihandel-Parteien abgegeben:

Freisinnige BereiuigtML , « 234.189

Nationalsoziale . . . , $ 30.323

Freisinnige Volkspartei « t 638.?39

Süddeutsche Volksparkn 4 , 91.217

Sozialdemokraten » « » » 3.‘>10.77 t

3.904.739

Den Hauptgewinn hatten die Sozialdemo­kraten, sie wuchsen von 56 auf 81 Mandate. Dafür büßte Die freisinnig« Bereinigung 4, die freisinnige Volkspartei 2 Mandate ei«. Ins­gesamt verloren dte Zoll Parteien 11 Mandate, dre der Opposition zustelen. Sie hatten aber immer noch 235 Mandate gegen 117 Mandate der sozialdemokrairich - freisinnigen Opposition, lind nun rechnet ein frethändlertsches Blatt aus, baß die Freihändler trotzdem dte Mehrheit er­langen löunten! Solche Phantasien erheitern mir, aber sie bewettert, daß nicht die Kolonial- fragen die entichetdende« sind, fouderu andere Dtnge!

B. Diese verfl—ixten Schwarzen! Natürlich die in Südwestasrika meine ich, oder hast Du, werter Leser, an andere gedacht? Diem, Vie Bondelzwarts meine ich, und wer den obigen Stoßieuszer ausßößt, das sind dre jetzt hoffähig gewordenen Negierungsparteien, die den „Nattonalismus" mit ememmale in Erbpacht ge­nommen haben und die nationale „Waffenehre", Untergang des deutschen Hol fee und derglr ichen als Schteckgeipenst an die Wand zu malen suchten, ^a, wer hätte das auch ahnen können, so boten wir sie im Stillen jammern, daß diese Wilden uns io zur Unte;t in die Parade fuhren würden? Hätten sie damtt sticht wenigstens noch ein paar

Wochen oder Monate warten können, bt8 wir untere Wahlen unter Dach und Fach gehabt hätten? Aber, ich habe es ja immer gesagt, den „Schwarzen" tst nickt zu trauen, mögen sie kommen, woher sie wollen, rind Art läßt nickt von Art. Tie „Schwarten" sind noch einmal der Ruin des deutschen Volkes. Str stehen ja doch alle miteinander in Verbindung. Werweiß, ob die Unterwerfung der Bondelzwarts nicht wieder so ein Jesuiten kniss ist — der Zweck heiligt ja das Mittel! — und ob nicht gar, bntl der Johannes Christian — der Name itt schor- verdächtig — ein leib hastiger Jesuit ist!! 9lcin so em Pech! Ater, man sieht dock wieder, diese „Schwarzen" müssen unbedingt mit einem im Bunde sieben, den mein nicht gern an die Wand mall. Wre hätten sie sonst am 13. Terember schon so verkauen«twU von der Be­endigung des Feldzuoes sprechen und so hart­näckig an der allmählichen mit 1 April 19< '7 beginnenden Zurückziehung der Truppen setthalten können! Es ist das nur noch ein Grund mehr für uns, diele „Schwarzen" uns ja recht weit vom Leibe zu halten, denn ihre Kenntnis tst ae- radezu unheimlich. Doch „lein Unglück ist so ar oft, es birgt ein Glück im Schoß." Und dieses Glück liegt darin, daß man, wenn die „Schwarzen" wieder in derselben Stärke in den Reichsiag einziehen, nicht mehr in die Verlegen­heit koniinl, noch einmal „die Probe aussTempel" zu machen. Tas ist doch etwas wert, denn die letzten Dtnge wären vielleicht noch schlimmer ge­worden als die ersten. So haben die Schwarzen in Südwestasrika doch auch uns gerettet und wenn einmal Gras gewachsen ist über unteren Geniestreich, sind wir wieder — die Allen. Das deutsche Volk vergißt ja so leicht.

.. Gegen „gefährliche Sonderkandidaturen" wendet sich die vtsiziöse ,Nordd. AUg. Ztg.' heute an allererster Stelle. 8)lit „besonderer Be­friedigung" registriert sie die aus verschiedenen Wahlkreisen kommenden Nachrichten über gemein­sames Vorgehen zwischen Konservativen und Liberalen. „Gefährlich in ihrem Sinne sind alle Sonderkandidaluren, welche das iliefultat haben könnten, daß „Sozialdemokratie und Zentrum gegeneinander in dre S-ickwahl kommen, während bei r»ästiger Taktik ein Mitglied der Parteien, die am 13. Dezember zusammengehalte« lxrben, gegen Zentrum oder Sozialdemokratie in die Stichwahl gebracht werde« könnte". Deshalb richtet das Regte,ungsorqan an alle, die es an- geht, die Mahnung: „Seine gefährlichen Sonder- kandidaluren!" Es ist in der Tat interessant, täglich von neuem feststellen zu können, welch' große Arbeit und wie viel Zett von feiten der Regierung darauf verwendet wird, um die Wahlgeschäste deS Lrberalismus be,argen und in die von ibe gewünschten Bahnen bringen zu können. Roch deutlicher kommt Diei zum Aus­bruch wenn z. B. die ,Nordv. Aüg. Ztg/ für Westhavelland ein günstiges Wahlresultat er­wartet, „wenn der Führer der RationaUiberalen, Baffermann, sich zur llebetnabme der ihm von den bürgerlichen Pariere« angebatene« Kandida­tur entschließt". Auf dies« Weis« wird also Baffermann direkt von der Regier«»« als Kandidat der bürgerlichen Parieren in Best- haveUand nominiert. Herr Bafferwaun wird diesen Wink verstehen und ei wäre überraschend, wenn wir in den nächsten Taae« leien müßten, daß er trotzdem die Kandidatur nicht annebmen wird. Over hat Herr Baffermann vielleicht gar nur auf einen solchen Wink gemattet, weit et bisher über die deftnitive Annahme ngend einer Kanvrdatur sich noch nicht scklüifiq gemacht dal?

* Für eine große liberale Partei rührt beute das Oigan des Reichskanzlers, bie ,Nordd. Aitq. Ztg/, die Werbetrommel. Mit rührende« Bitte» wendet sie sich au bie bürgerlich« Linke, doch da­für zu sorgen, daß die Zersplitterung des Partei- lebens in so viele kleine Parkteiche« in Zukunst oafhört, namentlich ober im jetzigen Wahlkampf. Dai Mittel dazu glaubt sie in der „Partei der Nichtwähler." gesunden zu habe«, mit welcher sie sich jetzt nochmals eingehend detchättigt. Sie be­hauptet, daß ihre erste Notiz darüber in weiten Kreisen awrüttelnd gewirkt hat; alles Weitere, was hierzu nun zu geicheben habe, fei und Weibe aber eine der wichtigsten Ausgabe« der Minder» hertsparteien in dem gegenwärtigen Wähltet kizug. Als zweites Mittet führt sie d«r Minderheils« Parteien die große und einmütige Begeisterung vor Augen, in der die Austösung des Reichstags in allen Steifen außerhalb des Zentrums und der Eozialdemolratie begrüßt worben wäre. An dritter Stelle spekuliert das offiziöse Orhan auf den Reroenkitzet, indem es ans die Hedeatungs» losigkeit der kleinen Parteien hm weilt, Dafür aber eine eminente Anziehungskraft der großen und einflußreichen Parteien an die Wand malt. Schließlich mutz auch noch das Ausland Kerhalten; was wir in England, in Frankreich und anderen Ländern bewundern, soll schließlich auch in Deutschland zu leisten sein. 98enn das nicht hilft, bann ist auch dem deutschen Michel mcht zu Hel'en.

* Tie Beseitigung des allgemeinen Wohl» rechts? DieMiehairplung Profestor Delbrücks, Bismarck habe turz vor seiner Enilaffung die Beseitigung des allgemeinen Wahlrechts durch einen Staatsstreich geplant, glaubt der ehemalige

nationalliberale Abg. Landrichter cr. D .Sullmann bestätigen zu können. Er teilt mit: Aus Grund seiner Tätigkeit in der Kommi'sion zur Beiaiung des Sozialistengesetzes, dmch die ft in den Mittelpunkt der parlamentarischen ‘Her- hanbhmaen gestellt gewesen iei, und bei denen er in vertraulichen Besprechungen mit Abgeordneten und Ministern manches ei fahren habe, was der Oeffentlichkeit vorentkalien geblieben iei, habe sich ihm die Uederzeiigung autgedräntt, daß Bismarck den festen Willen gehabt habe, den ungesetzlichen Weg zu betteten, um zum Staatsstreich zu schreiten. Bismarck habe nicht nureineWahlrecktsänderung aus patlamtntai l'chenr Wege erstrebt, sondern direkt aus die Tteriaffiinas» Verletzung, den Staatsstieich im buchstäblichen Si"ve des Wortes, hingearbeitet. Auch im Jahre 1*97 bestanden bei der Regierung Pläne auf bie Beseiiigung des Re chslagswahlrechls >md heule? Wir glauben allen Kbönen Worten nicht!

.-. Ter Borstand und Ausschuß der frei* finnigen Bolkspartei im Königreich Sachsen haben zur Frage der Stichwahl solgende Reto- liition angenommenr „Es sind von bürgerlichen Kandidaten nur solche in der Stichwahl tu unter­stützen, welche sich ausdrücklich verpflichten, an dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht ohne jeden Vorbehalt unbedingt fest« zuhalten, die jeder weiieren Beeinträchligung der Lebenshaltung der breiten Schichten der Bevöl­kerung entciegenltcten und ihre Mitwirkung zur Belämpsung der Fleischteuerunq unter voller Wahrung der im Interesse dec hemm dien Buh- befiänbe notwendigen veterinarpolizeilicken Sckutz» maf:regeln zusaaen und für den wetteren Ausbau der sozialpolitischen (tze etzaebung eintreten." Da werden also sofort die Konservativen nicht mehr iiitterstützl, sondern die WationaUibetakn.

* Ten Duellfaxen toll es alio nicht an den Kraaen gehen! Im Reichstag hatte der Zentrums« abgeordnete de Witt vorgeicklagen, daß die Wahl der Reserveossiziere künslighin durch das aktive Otfizierskorps zu erfolgen habe, bann sei es aus« aerchloffen, baß ein Mann desha'b nicht zum Reierveossiuer betördert werde, weil er sich nicht Duelliere. D e Truppenteile und Bezir kskommandoS haben dem Kriegsinrnlsterrunr zu dieser Frage eingehende Berichte ringereicht, auf gründ deren DaS KriegSminrsterium vor kurzem entschieden bat, daß in den bisher gütigen Bestimmungen nichts zu ändern sei. In seiner Bersügung an di«. Truppenteile, in der die Beibehaltung des jetzt bestehenden Wahlversahrens bestimmt wird, er­innert aber der Kriegsmintster an eine Aller- höchtte Willensmeinung, bie schon ein Reihe von Jahren alt ist, durch' die es für unzulässig er» Härt wird, einen Reserve-Oifiziers-Aipiranien vor seiner Wahl nach feiner Slelliing zum Duell zu betragen. Auch sollen die Anträgen über die pertönUchen Berhällniffe nicht darauf ausgedehnt werden, ob der Aspirant während seiner ev. Studienjahre emer jchtagenden oder nichttchlagen» den Verbindung angebött habe. Nur unter ganz besonderen Verhältnissen wirdeS »relleichi notwendig iei 1, auf die aka­demische Studienzeit zu rück zu greisen. Dau« sollen aber auch Fragen nach her Zuge­hörigkeit zu schlagens« oder nichtichtageuder Ver­künd ung unterbleiben. DaS liest sich sehr gut, aber man weiß auch, wie solche Verordnungen gehandhrbt werden. Es war schon seither ver­boten, nach der Zugehörrgkeit zu emet katholi chen Studentenverbindung zu fragen; aber es ist doch geschehen! Daraus, datz man aus den berechtigten Wunsch des Zentrums, der in der Marrne schon längst 6h chgesühtt ist, nicht ematng, wir» man schließen dürfen, daß der „neueste Kurs" ehe» den „Duellsaren" nicht an den Kragen will!

* Tie Wahlpirole der Polen. Die Pole» sollen folgende Wahlparole ausaegeben haben: „1) keine polni che Stimme einem Deutsche«, gleich­viel welcher Partei, 2) keine polnische Stimme einem Polen, der mit dem Zentrum hält, 3) feine polnische Stimme einem Polen, der sich zur Sozial­demokratie betont. Wie die anderen Deutsei en möchten auch Zentrum rind Sozialdemokratie die Poto aermanisieren. Die polnisch« Fahne ist nicht schwarz-we'ß-rot, sondern weiß-rot für alle Zeilen." Wir glaube« vorerst nicht an diese Wahlparole! Daß die Polen keinen Hakatisten wählen, ist ganz selbstverständlich Aber mit dem Zentrum können sie gerade diesmal sich sehr leicht verständigen. Kann man sich über die großen Wahlkr eile mit polnischer Bevölkerung nicht einigen, so bleiben immer noch die gemischten Kreise in Pwtn und Westpreußen rind in Weftsalen-Rhein« land für eine Verständigung übrig. Die Radikal- polen wollen freilich eine solche nicht; aber es gibt gemäßigie Polen, die ans eine solche hin- arbeiten. Mögen sie Erfolg haben, denn auch im Zenirurn anerkennt man die ^totwendigkert einer Ein'gnng.

• Ter Per iner Anarchist Schawe ist «ach Verbüßung einer zwöltjährigen S.rase vor Monatsfrist aus dem Zuchthause entlaßen worden. Anarchisten und Sozialisten haben im letzten Herbst eine Sammlung veranstaltet, auf Grund welcher ihm der Benag von 11 000 Mk. zur Ver­süßung gestellt werben konnte. Sckäwe konnte sich dseser Fürsoige nicht mehr lange erneuen. Er ist am Freitag in einer Nervenheilanstalt gestorben.