Einzelbild herunterladen
 

eitung

moiafsbdiage: „Zuldaer Geschichttblätief

33, Janrqanq.

Fulda, Samstaq den 22. Dezember 1906,

JA 294.

Arveites Wkcrlt

Verlag Mr > ulfraer Ar» tiener «terei m fiiifcu Sen ipreHer Ur *».

Ver«Ht»»rtUfcet $»ri|Ueitec J.

ffir Mt »meiate Z Parze»« hr fielt«

Uweefnen: Vie ehr« spaMae Petitzeile oder beten Kaum 15 psg. Reuamen >e Vetiljeiie 25 Pfg.; »et wieder» beiunnen mir» enlfpe.

Babaii ceroaurL

<R«cU»r»ck verböte«.)

20. - h.

In Oesterreich wird die Entscheidung über die Wahlreform noch in dieser Woche definitiv er­wartet. Noch hat da» Herrenhaus darüber zu be­finden, ob die Reform endgiltig in der Gestalt, welche da» Abgeordnetenhaus ihr gegeben hat, Ge­setz werden soll. Die Kommission deS Herren- hauseS hat über die Mehrzahlstimmen und über die Zahl der ernannten Herrenhausmitgliedcr ab- geänderte Beschlüsse gefaßt, von denen eS noch da­hin steht, ob auch daS Plenum des Herren-Hauses ihnen zustimmt. Damit droht, jedoch der Reform keine ernstliche Gefahr. Somit ist anznnehmen, daß da» Gesetz den Völkern Oesterreichs als Ge- schenk auf den Weihnachtstisch gelegt werden kann.

wochemRundschau.

X Fulda, 22. Dezember 1S0S.

Der deutsche Reichstag ist am letzten Donnerstag aufgelöst worden. Den indirekten Anlaß dazu gab die Ablehnung der von dec Ne­gierung für die südwestafrikanische Sandwüste ge- stellte Forderung oder, besser gesagt, der Abstrich von rund 9 Millionen Mark an dieser Forderung. In Wahrheit ist der Grund derWluflösung ein an­derer; angesichts der jüngsten Vorgänge, welche mit der aufgeregten Sitzung vom 3. Dezember ihren Anfang nahmen, trat immer klarer und deutlicher hervor, daß es fich bei der Auflösung um eine von langer Hand vorbereitete Aktion der Re- gierung handelte, mit welcher dem Zentrum unter allen Umständen der Krieg erklärt werden sollte. Bereits zwei Stunden nach der Auflösung hat das offiziöse Organ des Reichskanzlers dies selbst be- stätigr, indem es die Kriegserklärung verbreitete und seither Tag für Tag in immer schärferer Form wiederholt. In den Kriegsruf stimmten sofort die Organe der verschiedensten Parteirichtun­gen ein, von der äußersten Rechten bis zur äußer­sten Linken. Sie alle wollen die Regierung bet der Vernichtung des Zentrums unterstützen, ver­gessen aber, daß eine solche Lage, wie sie jetzt gege- den ist, für das Zentrum weder neu noch beängsti­gend ist. Tas Zentrum ist schon mehr als ein­mal aus einem solchen Kampfe siegreich hervor­gegangen, es hat auch jetzt nichts zu befürchten.

Die Neuwahlen zum Reichstag sind auf den 25. Januar anberaumt worden, während die Stichwahlen am 5. Februar stattfinden. Wenige Tage darauf soll der neue Reichstag ferne erste Session schon beginnen, da die Regierung auf die rechtzeitige Fertigstellung eines Notetats- gefetzes großen Wert legt. Wie der neue Reichs­tag zusammengesetzt fein wird, steht noch dahin; eine Mehrheit im Sinne der Regierung wrrd er aber sicherlich nicht haben. Avar hat der Rerchs- kanzler die Wahlparole für die Kolonien und für eine grobe Weltmachtpolitik ausgegeben. Gerade im jetzigen Moment wird aber ein solcher Ruf nur die geringste Werbekrast zeigen, deshalb ist man auch heute noch um eine zugkräftige Parole sehr verlegen. Inzwischen hat der Wahlkampf überall seinen Anfang genommen, sämtliche Parteien sind mit ihrem Aufruf schon erschienen. Von national- liberaler Seite wurde die Bildung eines Blocks aller „nationalen" Parteien gegen Zentrum und Sozialdemokratie angeregt; der Freisinn, der zur Zeit der größte Kolonialschwärmer ist, will aber davon nichts wisien, weil er zu sehr für seinen eigenen Mandotsbesitz besorgt ist. Da» Zentrum hat einen scharfen Kampf zu bestehen; von allen Seiten ist die Mobilmachung schon begonnen wor- den Deshalb wird jeder katholische Mann aus

„Ihr Entsetzen scheint aber nicht seines- oder ihretwegen, sondern meinetwegen da zu sein," fuhr der Baron fort, „erklären kann sie nichts, sie hat alle Geistesgegenwart verloren. Uebrigens ist keine Zeit zu verlieren, wir müssen noch diese Nacht abreisen und ich weiß nicht, wann wir wiederkehren. Mir aber ist der Gedanke, daß des Todes Schatten unsere Ehe umdüstern soll, »nee* träglich, ich fürchte eine zweite Verschiebung, fürchte. Dich hier allein zu lasten."

„Denke nicht an mich; ich werde mich mit Mn- stkalien und Büchern unterhalten, und Lady Ara­bella wird mich gelegentlich besuchen. Selbstver­ständlich muß der Grund dieser schnellen Abreise Geheimnis bleiben."

„Versteht sich, e- würde sonst endloses Gerede bringen. Ich freilich sehe nicht ein, weshalb man die Sachlage von Anfang an geheim hielt. Wenn ein Motiv vorhanden war, wird die Tante e» mir wohl unterwegs sagen, und mir graut eigentlich, noch me^r zu hören, als ich bereit» vernommen."

Düster blickte er in die Sternennacht, die Ahnung kommenden Unheil» lastete schwer auf ihm.

Die Vorberestungen zur Krise wurden schnell getroffen.

Lady Helena schien Edith ganz bergeffen zu haben und reichte ihr nur mechanisch die Hand, als diese vortrat.

„Glaubst Du an Ahnungen?" fragte der Ba­ron srlffam bewegt seine Braut, „mir ist, als träfen wir uns nicht wieder, wie wir nun scheiden, als hätte sich bis dahin etwa» zwischen un» ge­drängt."

„Ich glaube nicht an Ahnungen,, plötzliche Reisen aber bedingen unheimliche Gefühle, über die Du morgen bei Sonnenlicht lachen wirst. Zwi­schen uns wird sich nichts drängen."

Er umarmte und küßte sie.

„Nein, nichts, ich schwöre es, selbst dec Tod soll unsere Ehe nicht verzögern."

Er eilte hinab und bestieg den Wagen.

KtAtüungtn auf die ,Fuldaer Muns* für da» 1. Quartal 1907 nehmen schon jetzt alle Postanstalten, Landbriefträger, Zeitung»- träger und die Expedition (Harmonie) zum Preise von 1,50 Mark (ohne Bestellgeld und »ringer- lohn) entgegen.

Ren hinzutreteude Abouneuteu erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung ab bis Ende Dezember umsonst.

brennen wieder die bitteren Schmerzen. Eine einzige Weivenacht und sechs Schock Wehenächte.

Wo es so steht, da ist ja die ganze häusliche Weihnachtsfeier nur ein Komödie, die man sich sparen könnte. Die Lichter machen es nicht und auch nicht die Gesichter: da» Herz muß dabei fein, und zwar da» ganze Herz. iDe Geschenke bleiben totes und schnell ergänzliches Zeug, wenn nicht der Geist der Liebe, der wahren Liebe sie lebendig macht. Es lohnt sich nicht, Weihnachten zu feiern, wenn man nicht entschlossen ist, sich und das Hau» für das ganze Jahr zu weihen.

Wenn du deine Gabe zum Hansaltar de» Christbaumes bringst und erinnerst dich, daß dem Bruder oder dein Vater etwas wider dich habe, so versöhne dich erst mit ihm und dann komme und opfere deine Gabel Also vor Weihnachten ein Versöhnungssest. Wie stellt man denn die Ver­söhnung an? Sind Erklärungen, Abbitten ober sonstiger Meinungsaustausch dazu nötig? Nicht immer. Unter Umständen können schwere Ser- , fehlungen eine ausdrückliche Sühne, Mißverständ­nisse eine Aufklärung notwendig machen. Unter andern Umständen kann aber ein Wortwechsel we­gen einer Mißhell,gkeit die vernarbenden Wnnden neu aufreißen. Wer es wirklich gut meint, der findet schon den richtigen Weg, denn die, Liebe tft, wie Paulus sagt, erfinderisch. Es gibt eine Diplo­matie der Liebe, die ohne Worte viel zu sagen weiß und ohne Feder und Tinte die schönsten Friedensverträge abzuschließen versteht. ,

Aber die „anderen"? Das ist bekanntlich bte Ausrede aller derjenigen, die erst halb zum Frie­den und zur Liebe bekehrt find. Ter „andere" Teil soll die Hauptschuld haben, der „andere" Teil soll anfangen mit der Versöhnung, der „andere" Teil soll überhaupt den Vortritt haben. Em Akt von Höflichkeit, die dem Teufel Freude macht. Es ist ein pharisäisches Erbteil, diese Sucht, „andere' Leute richten und bekehren zu wollen, statt an bte eigene Brust zu schlagen und sich selbst zu bessern, I ohne erst auf die anderen zu achten oder gar zu warten. Tu du das Deinige und laß den lieben Gott für das übrige sorgen.

Also nehmen wir an, in eurem Hause gehe^ eS nicht immer friedlich und gemütlich zu. Du möch­test es gern bester haben. Was kannst du dazu tun? Sehr einfach. Deine Launen, deinen Eigensinn, deine Begehrlichkeit, deine An- maßung, deine Heftigkeit, deine Verdroßen» beit — die jage auf Nimmerwiedersehen zum Tem­pel hinaus. Und dann sorge dafür, daß dein« Freundlichkeit, deine Nachgibigkeit, deine I Dienstwilligkeit, deine Ordentlichkeit, dein Fleth und deine Munterkeit zum häuslichen Behagen betragen. Dabei bedenke immer, daß du nach wie vor deine Schwächen und Fehler hast und von dei­nen Angehörigen Nachsicht und Opfer verlangen mußt. Sei deshalb auch nachsichtig und geduldig I gegen die anderen, wenn die mal etwa» tun oder I sagen, was dir nicht recht gefällt. Willst du die andern bestem, so tue es durch dein Beispiel, durch

I da» stille beharrliche Vormachen, das viel mehr Zugkraft bat, als alle Schulmeisterei.

I DoS zähe Ausharren ist die Hauptsache. Aber — sagst du — ich habe Nerven, ich unterliege ntet-

I neu Stimmungen, da kann ich beim besten Willen [ nicht immer freundlich und gemütlich fein. Nun I ja, die Stimmungen und Uebereilungen bilden I eine Gefahr sowohl für bett Hausfrieden wie für Iben Staatsfrieden. Es kann dem Besten mal passieren, daß er da» Bier umschüttet. Dann muß (man kein großes Halloh machen, sondern einfach I aufwischen und wieder aufstellen. „Uebergang zur Tagesordnung!" Die kleinen Zwischenfälle, die infolge der menschlichen Schwäche gelegentlich den behaglichen Gang der Dinge stören, werden erst I bann schlimm, wenn man viel Lärm darum macht, rechthaberisch darüber debattiert oder nachträge- I risch sie zu rächen sitcht. Schwamm drüber l Laßt

In Poplar Lodge.

Etne halbe Stunde verging und Sir Victor kehrte nicht zurück. Edith spielte düstere Melodien. Endlich erhob sie sich und trat an's Fenster.

Wa» mochte das Telegramm enthalten haben? Sie blickte hinaus. Der Wind heulte durch die Bäume und trieb die gelben Blätter wirbelnd vor sich her, der Mond schien nicht, aber zahllose Strrur funkelten am Horizont.

Endlich ertönte ein Schritt; sie wandte sich la- chelnd um und blickte in Sir Victor'» bleiche», ernste» Antlitz.

„Brachte da» Telegramm schlimme Sunde? be- trifft e» die Stuart'S?"

„Nein. eS ist au» London tiub meldet, daß mein Vater im Sterben liegt."

Schweigend sah sie ihn an.

„Es ist sonderbar, wenn mae nicht weiß, soll man die Kunde von bei Batet» nahem Tode al» gute oder schlechte Botschaft bezeichnen? In An- betracht bei Leben», da» er feit dreiundzwanzig Jahren geführt, kann man fein Scheiden nur al» Erlösung erklären, seltsam ist aber, wie Tante Helena die Sache aufnimmt Man sollte sie doch wohl für borbereitet halten, faßte glauben, sie würde sich freuen, ihn endlich von all' dem Jam­mer befreit zu sehen, aber ich füge' Dir, sie ist Deutlich entfett."

Edith schwieg; sie schien betäubt, gelähmt vor Schrecken.

Und hier hatte sich Ine, Catheron zweiund- zwanzig Jahre lang mit einem Irren und zwei alten Dienstleuten begraben.

Mehrere Minuten vergingen, bi» ein schlürfen­der Tritt sich näherte und die Türe geöffnet ward.

Ein weißhaariger Mann stand vor den Kom­menden. ' , , <

„Kommen wir recht, Hooper?" fragte ihn Lady Helena atemlo», „ist Dein Herr noch--"

„Am Leben? ja, Mylady."

Der alte Diener heftete fein trübe» Auge auf Sir Victor.

„Wie fein Vater", flüsterte er, da» greife Haupt schüttelnd.

Eine andere Tür öffnete sich; Jnr» erschien auf der Schwelle! Ihr bleiches Gesicht schien durch nicht» bläsier werden zu können, aber ihr dunkles Auge heftete sich voll unendlichen Mitleids aus den jung:» Mann.

„Ist er bei Verstand?" fragte Tante Helena i wieder.

Schluchzend bedeckte Lady Helena da, Gesicht Ine,' Züge Hielten die marmorne Ruhe „Wartet einen Augenblick, ich muß ihm mA den, daß Ihr gekommen seid."

Grabesruhe schien über dem ganzen Hause |it liegen. ™

Schweigend schritten sie bte Treppe hinauf. Man hörte nicht», al» da» Rauschen der Säume, da» Fallen des Regen». Unzerstörbar heftete sich da» Bild in de» jungen Manne» Seele. De» ZtmmerS düstere Beleuchtung, da» große weiße Lager, das Totenantlitz de» MannrS, dec in den Kisten lag und ibn mit hohlen Blicken ansah. Sern Vater — endlich! Wie bezaubert nahte er sich ihm. Fest heftete sich daS gespenstige blaue Auge auf ihn uui die bleichen Lippen flüsterten:

„Wie ich — tote ich war — MetaS Sohn!"

Er ließ sich entsetzt auf die Knie nieder. Zum erstenmale war er in Gegenwart de» Tode», und der Sterbende war sein Vater, den er noch nie

l gesehen.

<tf»tlet Mit

aemepme oet Sen*« un» seit, lagt viertel» |abc« Be>*g«*rtis ebne Brinaerleb* #nl Be»tUgtl6mS*l6«u"» ,ur»ärt, ! Ml 50 Pi».

seinem Platze erscheinen und seinen Posten voll ausfüllen. Drohte man doch setzt schon mit einer abermaligen Auslösung des Reichstages und aller- lei Staatsstreichsgelüsten. Mit Recht betont daher daS Zentrum in seinem Aufruf die Wahrung des Budgetrechtes. Bei der ganzen „nationalen Gesellschaft herrschte großer Jubel über bte Auf­lösung, welche als eine Befreiung vom „Alb­druck" des Zentrums gepriesen wurde. Kaum sind aber acht Tage verflossen, so ist auch schon das Freudengeschrei verstummt und machte allerlei Be- sorgnisien Platz, welche für den Anfang schon ziem­lich viel Wermut in den Freudenbecher gegossen haben. DaS schließt aber nicht aus, daß wir uns auf mancherlei Ueberraschungen noch gefaßt hal­ten wüsten.

In Braunschweig ist der Stteit um die Thronfolge in ein neues Stadium getreten. Der Herzog von Cumberland hat auf die ihm vom braunschweigischen Landtag gestellten Bedingun­gen, ob alle Agnaten des herzoglichen Hauses auf । Hannover verzichten wollen oder nicht, nunmehr geantwortet. Er bleibt auf seinem bisherigen Standpunkt stehen, hält die Ansprüche auf Hanno­ver aufrecht, erklärt sie aber mit dec rückhaltlosen Anerkennung der deutschen Reichsverfassung durch­aus für vereinbar. Schließlich gibt er anheim, den Stteit der Entscheidung deS Reichsgerichts als Schiedsgericht zu unterbreiten. Bei der bekannten Stellungnahme deS Kaisers und der preußischen Regierung ist zu befürchten, daß der neue herzog­liche Vorschlag eine Ablehnung erfährt. Eme offi­ziöse Stimme betrachtet auch schon mit dieser Ant­wort die Ansprüche des Hauses Cumberland auf die braunschweigische Krone für erledigt. Einst- I weilen sind nun noch die Schritte abzuwarten, welche von Braunschweig unternommen werden.

In Frankreich nimmt der Kulturkampf seinen Fortgang. Die Bischöfe werden aus ihren Palästen vertrieben, die Seminare der Theologen zwangsweise geräumt. AuS über hundert der katholischen Kirche dienenden Instituten sind die Insassen auf diese Weise an einem Tage verbannt worden. Die Regierung ergreift sofort Besitz von bett Gebäuden und bringt alsbald naalltche lerntet in denselben unter. Auf diese Weise geht Frank­reich auf Jahre hinaus den stärksten Erschütterun- gen entgegen. Was will die Regierung nach Ern- ziehung deS gesamten Kirchenvermögens weiter hm? Will sie die 70 000 Geistlichen inS Gefängnis | stecken? Jedenfalls treten schwere innere Kämpfe jetzt erst recht in den Vordergrund. Ob es gelingt, den Bürgerkrieg hintanzuhalten, ist noch sebr die Frage. Die Gewaltpolitik der radikalen Macht­haber wird noch einen ungeheuren Sturm hervor» rufen.

In Italien hat sich di« Regierung zetzt ebenfalls über die auswärtige Politik geäußert. Damit ist da» dritte Glied des Dreibundes in die­ser Frage vor die Oeffentlichkeit getreten. Den | Erklärungen des Fürsten Bülow im deutschen Reichstag und des Freiherrn von Aehrenthal in I ben österreichisch-ungarischen Delegationen ist der i italienische Minister Tittoui in der Deputier- I tenkammer zu Rom mit einer ausführlichen Dar- I stellung der auswärtigen Beziehungen Italien» I gefolgt. Auch hier bot eine Interpellation den Anlaß dazu. Tittoui» Rede, welch« einen großen | Optimismus zur Schau trägt, stellt in erster Linie I eine fortdauernd« Ueberemftimmung der Drei- I bunbftaaten fest. Weiter nahm der italienische Mi- I nister die guten Beziehungen zu den anderen 1 Staaten und die Beharrlichkeit in der auswär­tigen Politik als Grundgedanken in feine Rede I auf. Das meiste ist aber au» den Darlegungen I der leitenden Staatsmänner Deutschland» und I Oesterreichs schon bekannt. Insofern ist also die I Neugierde, welche man den Ausführungen | Italien» entgegrnbrachte, nur wenig befriedigt I worden.

8i« fllrWttß Eehtimis.

Dem «m'.eritanifchen Original« der Mr». May Atzn«» gl<i#ius nachrrzähtt wa Lina Freifrau von Berlepsch.

Die Pferde zogen an und fort ging'» in die I dunkle Nacht. I

Edith stand noch am Fenster, al» daS Gerassel der Räder längst verklungen wat.

Selffames Schweigen schien daS Haus befallen zu haben. Sie fetzte sich gedankenvoll. Unfehlbar war ein Geheimnis, da» dir ermordete Lady Ca­theron betraf, im Spiel«. Der Schmerz mochte ihren Gatten wahnfinnU gemacht haben; warum aber dies Geheimhalte«? warum ihn für tot ausgebeu? warum Juan Catheron schützen wie ein Ideal und den Mord ungerächt lassen? wes­halb Lady Helena'» Abneigung gegen jede Heirat ihre» Neffen, wer wußte, ob nicht schon Wahnsinn im Gehirn des Mannes lauerte, dem sie ihr gan­ze» Leben widmen sollte? konnten Titel und Reich-, tum dafür entschädigen? Sie erbebtr. Di« Pro- phezeihung. über die sie erst gelacht, widerhallte in ihrer Erinnerung. In vollster Jugendkraft und Schönheit hatte ihre Vorgängerin der Tod erfaßt: wa» mmbte ihr bevorstehen?

Da» Hau» war grabcSstill und erst, al» die Turmuhr die MitternachtSstund« betfüttbefc, er­hob sie sich und gtttfl zur Ruhe.

Unterdessen trug der Bahnzug Victor dem Wendepunkt feine» Dasein» entgegen. Still und bleich lehnte Lady Helena in der Ecke und wenn er mit ihr sprach, antwortete sie einsilbig mit voll­ständig veränderter Stimme. Morgen» erreichten sie die Metropole. Schwer und trübe hing die Lust über dem Themse-Babylon. Stegen drohte und begann während der Fahrt langsam zu faffen.

Sir Victor ham es unglaublich vor, daß er jetzt den Vater sehen sollte, den Vater, der wie au» dem Grabe erstanden war.

Sie besiegen einen Wagen und bald kamen die Bäume von RegentsH>ark in Sicht. Lady Helena gab dem Kutscher ein Zeichen und sie hielten vor dem Tore der einsamen Villa Poplar Lodge. ,

ES Dar ein ödes, gefängni5artige» Hau»; bte e» umgebende Mauer war hoch, dichte Bäume ver­hinderten jeden Einblick durch da» Gitter.

Unpolitische Seitlause.

<5) Berlin, 20. Dezember 1906.

(Nachdruck verboten.)

Ob ein Schatten auf die Weihnachtsfeier fällt? Wegen der politischen Plötzlichkeitswolke? Ach, was! „Der wackere Wähler forcht sich nit, ging seines Weges Schritt für Schritt." Nur fern bis­chen Verstand zusammennehmen und seine Pslicht und Schuldigkeit tun! Dann kommt alles ins Lot.

Mögen lärmend die Schranzen Um den Goßlerhut tanzen;

- U Bald endet ihr Traum. , I

d' Wir sitzen gemütlich

Inzwischen und friedlich Am Weihnachtsbaum.

Bi» morgen, Frau Politik; heute gilt'S dem Familienglück.

Wohl dem, der es hat. Wahre t» dir, wenn es auch Schweiß und Selbstverleugnung kostet. Laß es nicht zu einer Krisis kommen, wenn dir auch mal etwas über die Leber läuft. Die schönsten Krisen taugen nicht». Wenn das Porzellan plötz­lich kaput geschlagen ist, dann sitzt man ärgerlich zwischen den Scherben.

Einen Rippenstoß dem, der fein Kamtltengliick hat! Aber ich will nicht die alte Predigt über bte rechtzeitige Gründung des häuslichen Herdes heute wiederholen, sondern nur kurz den Alleinstehenden raten: Sucht Anschluß au einen warmen Faun- lienherd! Und denen, die int Fcimilienverbande leben, aber den Frieden und die Gemütlichkeit ver- miffen, möchte ich zurufen: Bcffert euch, damit e» bei euch zu Haufe besser wird. Traget mit beiden Händen Kohlen der Liebe hinzu, damit der Herd wieder warm wird.

Weihnachten vergeht schnell. Ein Bescherung»- abend, $to»i Feiertage; bann steht der Baum noch bis Neujahr, höchstens bi» Dreikönigen in der Ecke und läßt allmählich fein« Nadeln fallen. Dann wird da» «uflösungsdekret verkündet. Vorbei!

Alles vorbei? Do» wäre sehr traurig. Denn nun kommen zwölf lange Monate, prosaisch« Mo­nate voll Enttäuschungen und Versuchungen. Und nate voll Entäuschungen und Versuchungen. Und diese» ganze Jahr hindurch kein Cbristbaumduft mehr im Hause, nichts mehr vom Weihnachtsgeist, nichts mehr vom verklärenden Kerzenschein?

Leider gibt eS solch« Familien, in denen da» „Friede den Menschen" nur einmal im Jahre ge­sungen wird, und dann auch noch in falschen Tö­nen. Die Feststimmung bildet nur eine einzige Oase in der Wüste der Lieblosigkeit. Auf den kurzen Genuß folgt wieder ein langet Verdruß. Heute beschert man sich gegenseitig .morgen be­schwert man sich gegenseitig. Heute beglückt, mor­gen wieder bedrückt. Jetzt schmatzen si« sich und bald kratzen sie sich. Erst zärtlich umgefaßt und dann wieder innig gehaßt. Auf die Käste folgen Schmisse; hinter bet Theaterliebe lauern scharfe Hiebe. Bald verlöschen die bunten Kerzen und e»

Maer

rood)enbdio6«:„3IIu|ltkrtt$onntag$3eitiing“