en»et»t t agil*.
»n,navmr »er Sona« vad.',t>rUagt Ditrttl» jdiju V«,ug5prei« et;nt Bringtriohn und 6t>i«Bgtl6inSul6a und auswärts! Mk 50 P|».
Deranlroertli*tt Sdiriflitittr: 3- San« für Mt «nztivtn 3. pqrjeUer in Hulda
monatsbtnage: „zuldaer EeschlchKblätltt
3m tieewt Wt et» fpaltigt Pttttjri 1« oder deren Bau« 15 pf§. Rtflemti Jit peMzeilt 25 Pf9.; btt lvitber» harnnne» wir» tHtjpr. Rabatt oewähN.
BetaUeis»rwd B. Verlag der f nldaer Be» ttendr idtrei in Hulda 8«rr.|prech«r Ur 9.
33, Jatirstanss
Fulda, Samstaa den 22. Dezember 1306,
M 291
(Srffes *93fcrft
Deutsches Reich.
Berlin, den 21. Dezember 1906.
• Gegen die Mehrheitsparteien wird von offiziöser Seite immer mehr im Wahlkamps pe» arbeitet. Jetzt hat sogar die,Nordd. AUg. Zig-' eine Sonderausgabe zusammen gestellt, welche eine Sammlung der auf den Wahlkampf bezüglichen Mitteilungen de- Regierungsblattes wiebetaibt. Tieie Sonderausgabe soll sogar als Massenflug» >lait Perwendung finden. Andererseits zeigen ich auf „nationaler“ Seite Bestrebungen, welche auf die Herausgabe einer besonderen Broschüre über untere Kolonialangelegenheiten gerichtet sind. Tie Schrift hat den Zweck, das ge- amte Kalonialgeschäft im rost asten Lichte er- cheinen zu lassen. Auf diese Weise hofft man, die Wäblermaffen für die „gute und gerechte Sache“ begeistern zu können. Einstweilen hat ich aber noch niemand gemeldet, welcher die Nittel für die Drucklegung befdiafft Denn auch )ieran fehlt es, rote aus den Veröffentlichungen hervorgeht.
r. lieber einen BermittelungSversuch des Abg. Spahn beim Reichskanzler hat die liberale Pieffe tn letzter Zeit allerlei Nachrichten verbreitet. Die ,Köln. Volkszlg/ hat bereits die Meldung zurückgewiefen, wonach der Abg. Spahn vor der Reichslagssitzung am 13. Dezember sich in die Dienstwohnung des Reichskanzlers begeben haben sollte, um feine Vermittelung anzubieten. Dieses Dementi wird jetzt auch offiziös von der ,Nordd. Allq. Ztg/ bestätigt nnd dazu erklärt, daß der Abg. Spahn einen derartigen Schritt im Reichskanzlerpalais nicht unternommen hat. Weiter wird noch hinzugesügt, „daß auch der Chef der Reichskanzlei keinen Auftrag zu 33er» Handlungen hatte und daß auch von ihm keine Schritte dazu ausaegangen sind.“ Auffallend ist aber, daß das Organ deS Reichskanzlers mehr als eine Woche gebraucht hat, um die unwahre Meldung aus der Welt zu schaffen. Selbst in wertlosen Kleinigkeiten arbeitet sonst der amtliche Dementierungsapparat viel schneller.
.*. Bon freisinniger Seite ist aus dem Osten deS Reiches vor einigen Tagen in einem Telegramm an den Reichskanzler bittere Klage geführt worden, daß ihrer „nationalen“ Partei veifchiedentlich die Säle zu Versammlungszwecken verweigert worden seien. In dem Telegramm stellten sie weiter als Folge solcher Maßnahmen ein große Schädigung der „nationalen“ Sache in Aussicht. Nun beeilt sich der Reichskanzler, den liberalen Herren liebevolle Dienste zu leisten, indem er an der Spitze der ,Noidd. Allg. Ztg/ heute folgende Erklärung veröffentlichen läßt: „Wir betrachten es al« unsere Pflicht, immer wieder darauf hinzuweiken, daß der Wahlkampf zwischen Kandidaten von Parteien, die am 13. Dezember gemeinsam für di» kolonialen For» derunaen gestimmt haben, unter strenger Vermeidung aller Gehässigkeiten geführt werden muß. Durch illoyale KampfeSweise würde zwischen diesen Parteien eine Verbitterung hervorgerufen
Franzosen vormachen. So hat man gewissenhaft auch die Revolution nachgemacht, und der Trager dieser Richtung ist der deutsche liberale Philister. Er hat sich auch nicht erwehren können gegen den Einfluß der französischen Kultur- kampfspolitik. Da» hat die Leute nervo» gemacht: das müffen wir auch haben, sagen sie. Tiefer Geist ist in immer weitere Kreise des Liberalismus gedrungen. Dieser Geist des Kulturkampfes wird seine Rolle pielen im kommenden Wahlkampf.
Es ist ein alter Bekannter von uns (Große Heiterkeit), den Teufel kennen wir gründlich (Stürmische Zurufe), mit diesem Gesellen haben wir 15 bis 20 Jahre gerungen, und wenn er wieder frech wird, lehren wir ihn noch einmal MoreSl (Stürmischer Beifall und Händcklatfchenl)
Sollte es dem Reichskanzler — er ist der allein verantwortliche erste Beamte des Reiches und Der- treter des Kaisers — gelingen, einen Reichstag $u- ämmenzudringen, der ein kolonialer Kartell- eichstag genannt werden könnte, dann können Sie ich auf eins verlassen, dann geht die alte Pumpwirtschaft weiter (Sehr richtigl). und Millionen und aber Millionen werden aus gewandt für Zwecke, die man kulturelle Zwecke nicht nennen kann. (Lebhafter Beifall.)
Gegen eine maßvolle und deshalb vernünftige KolonialpolitikJhat von uns kein Mensch etwas einzuwenden. Wir sind nicht prinzipielle Gegner der Kolonien, aber wir verlangen, daß die Kolonien sich unterordnen den Bedürfnissen und Verhältnissen des Mutterlandes. (Sehr richtigl) Diese Kinder sollen bei uns nicht regieren 1
Wenn diese neue Mehrheit zustande käme, würde sie auch dazu verwendet werden, um die Finanzreform zu „ergänzen"! (Sehr richtig!) Wir haben im § 6 des Flottengesetzes den Grundsatz, daß für die Zwecke des Heeres und der Marine die großen Massen nicht belastet werden dürfen, unter den größten Schwierigkeiten, aber mit Erfolg hochgehalten. (Bravo!) Wenn das Zentrum ausgeschaltet werden sollte, dann werden die Massen schon mit den indirekten Steuern versehen werden._ Das ist einer der Hauptzielpunkte, die die Regierung hat.
Es ist ferner gar nicht ausgeschlossen, daß es in den höheren Regionen Leute gibt, die diesen Erfolg eventuell auch auf Grund eines Staatsstreiches erzielen möchten. (Ledh. Zustimmung.)
In diesem Wahlkampf, das ist meine feste lleberzeugung, gilt es auch das Reichstagswahlrecht hochzuhalten, das, zweifellos ein gewaltiger Hebel geworden ist, die unteren Klassen auf ein höheres Niveau der Kultur und des geistigen Lebens zu erheben. Der beste Schutz des Reichstagswahlrechtes ist die Stärkung der alten, treuen, ungebrochenen Verfasfungspartci, des Zentrums! (Stürmischer Beifall.)
Gerade der jetzige Wahlkampf ist geeignet, mit eisernen Klammern den Turm von neuem zusani- menzufLgeu. Man kann ja einen Wahlkampf führen, wo die Regierung als Beteiligte daneben steht, wo mehr ober weniger die Sonne der Regie» reungshuld scheint — uns hat eine solche kaum jemals geschienen — man kann aber auch einen ahlkampf fuhren in der Luft der f cha r f e n O p- pofition! (Stürinischer Beifall.) Daß wir das können, werden wir den Herren dort oben schon zeigen. (Erneuter großer Beifall.) Zahlreiche Zuschriften an mich geben den Eindruck wieder, daß in unseren Reihen eine große Erbitterung herrscht über die Behandlung, die man uns hat angebeiben lassen. (Lebhafte Zu- Zimmung.) Wir haben als Partei auch eine Ehre, und diese werden wir gu verteidigen wißen, und wir werden der Erbitterung, in die man uns versetzt hat, schon geeigneten Ausdruck geben, und die Taten sollen folgen (Ledh. Zustimmung und Händeklatschen)
Im übrigen bin ich überzeugt, wenn die Wall er wieder ruhig geworden sind, so etwa Mitte Marz, da wird in deutschen Landen manches kotzen jämmerliche Gesicht gesehen werden. (Sehr ^richtig!)
Wir aber werden rubig und vergnügt fern, >enn der Turm wird noch dastehen, und wahr- cheinlich wird man zur Einsicht kommen, ohne ) ie Schwarzen gebt e» halt doch nicht. (Stürmischer Beifall.)
):(ptt Ad-mimik Trimdoni über die Rkichslipmhl.
In einer Versammlung zu Köln hat der Vorsitzende der rheinischen Zentrumspartei, der Abg. Justizrat T r i m b o r n, sich über die Auflösung des Reichstages und die bevorstebenden Nenwah- len ausgesprochen. Wir entnehmen dem ausführlichen Berichte der „Köln. Volksztg." folgende Stellen: ,
Die Auflösung des Reichstages kam ja über- raschend. Aber glauben Sie nicht, daß die Sache von langer Hand vorbereitet gewesen ist? Ich kann Sie versichern, daß das die einstimmige Meinung der gesamten Fraktion vom ersten bis zum letzten Mitglied ist. Tie Verbündeten Regierungen und insbesondere der Reichskanzler haben diese Aktion von langer Hand borbereitet. Hinter der Aktion stehen weitreichende Plane. (Sehr richtig!) Tiefe Pläne zeigen auch den ganzen Ernst der Situation! Es handelt sich hier nicht darum, ob für die Kolonien ein paar Millionen mehr oder w e i n g e r zu bewilligen seien, sondern darum, obdasBewilligungsrechtdesReichs- t a g e S aufrecht erhalten und seine Bedeutung behalten soll, oder ob es genügt, daß jemand mit dem Säbel auf den Boden stampft und sagt: Die Kommandogewalt hat geredet, der Reichstag hat zu schweigen. (Stürmischer Beifall.) Vor" dem Kommandosäbel weichen wir nicht zurück! (Händeklatschen und langanhaltender Beifall.) Das, was wir zu bewilligen haben oder nicht, babenttür nach pflichtmäßigem freien Ermessen zu Prüfen und zu erwägen, und dann haben wir darüber abzustimmen. Da lasten wir uns nicht kommandieren! (Stürmischer Beifall.) Wenn wir uns auf den Standpunkt stellen wollten, daß die Berufung auf die Kommandogewalt für uns genügt, um jede beliebige Forderung zu bewilligen, dann könnten wir ruhig den Reichstag zumachen, dem absoluten Regiment und dem ZäfariS» mus den Weg freigeben! Dazu werden wir uns niemals fiergeben! (Lebhafter Beifall.)
Auf der andern Seite steht eine Partei, die von vielen Seiten beschuldigt wird, daß sie die Gesellschaftsordnung gewaltsam umstürzen wolle. Auch auf diesen Boden werden wir niemals treten. (Stürmische Bravorufe.) W i r wollen keinen Zäsarismus, fein absolutes Rr- giment, aber auch feine Revolution, mir find eine Verfassungspartei! (Stürm. Beifall.) Als die große starke Verfassungspartei, als die Säule der O rd n u n g stehen wir da im gegenwärtigen Moment. (Dröhnender Beifall.) Wer will uns da nicht helfen, leer will nicht mit Stolz unter unsere Fahne eilen!
Noch ein zweites Moment ist es, baS in den Wahlkampf hineinspielt und die Auflösung charakterisiert. Wir gefallen den Herrschaften nicht mehr. (Stürmische Heiterkeit.) Man hat den Geschmack verloren. Warum? Weil wir ihnen zu schwarz waren! (Erneute große Heiterkeit.) Das führt mich zum zweiten Punkt hin, der mit der Auflösung zusammenhängt! Es ist die antireligiöse Stimmung und Strömung und die antikatfiolische Stimmung in gewissen Kreisen, die inan bisher für fest und sicher in dieser Beziehung gehalten hat. (Sehr richtig!) Der Blockliberalisnills hat feinen Einfluß auch nach oben geltend gemacht: bis wie tuet: nach oben, wird sich später zeigen, jedenfalls hat diese geistige Strömung, ein gut Teil mitgearbeitet an der Auflösung. (Sehr richtig!)
Unsere liberalen deutschen Philister haben die merkwürdige Eigenschaft, auf kulturellem und geistigem Gebiete alles nachzuahmen, was die
werden, bie sich unter Umständen bei den Stichwahlen schwer rächen könnte. Zu den gehä siqea Kampfmitteln gehört auch dte Saaloerweigerung. ES ist seldstoerständlich, daß derartige Ungehörig- ’etten bei den zu strenger '.Neutralität verpflichteten amtlichen Stellen in keiner Weite auf Billigung zu rechnen haben würden." Auf frei- inniger Seite wird nun große Freude einietzen, daß ihre Bitten ein so willsähtiges Opfer finden. „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft", agt ein Sprichwort, aber im Verlangen von „Konzessionen" und „Garantien" sind die Frei- innigen in letzter Zett abiolut nicht bescheinen gewesen. DaS Entgegenkommen deS Reichskanzlers wird gewiß nicht zur Folge haben, daß ie ihre Bisten nunmehr vermindern. Die Regierung läßt aber verkünden, daß die Saalverweigerungen an amtlicher Stelle „in keiner Weise aut Billigung zu rechnen haben würden". Wir wollen uns dies merken und erwarten, daß die „strenge Neutralität" auch dem Zentrum gegenüber Platz behält. Oder gilt sie nur für die Minderhestsparteien, wie eingangs der offiziösen Erklärung ausdrücklich heroorgehoben ist?
* Erholungsurlaub von Eisenbahnarbcitern. Nach einem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vorn Ist. Dezember d I kann Arbeitern der Staatseiienbahnverwaltung bei guter Führung jährlich em Erholungsurlaub erteilt werden, der bei Arbeitern, die mindestens 5 Jahre im Staats- kifenbahndienst beschäftigt und in Hilfsunterbe- am'enfieUungen tätig sind, je nach ihrer Verwendung bis zu 6 und 8 Tagen, bei allen übrigen Arbeitern des Betriebs- und WerkstättendiensteS, sofern sie mindestens 7 Jahre beschäftigt find, 4 Tage, sofern sie mindestens 10 Jahre beschönigt sind, 6 Tage betragen darf. Wie die Erklärungen der Regierung bei Gelegenheit der Beratung des Eisenbahnetats im Abgeordneten» Hause im Monat März d. I. ergeben, war die Maßregel schon feit längerer Zeit geplant. Sie entspricht, so bemerkt die ,Nork>d. Allg. Ztg/, den besonderen Anforderungen des Betriebs- und Werkstättendienstes, sowie dem Vorgang anderer öffentlicher und privater Betriebe ähnlicher Art und wird von den Eisenbahnarbeilern freudt- begrüßt werden.
* Tie Auszahlung der Beamtengehälter. Vom preußischen Finanzminister ist eine Verfügung an die Regierungshauptkaffen, die KreiS- kaffen und die Postkasten ergangen, nach der die Auszahlungder Beamtengehälter vorzugsweise in ReichSkassenfcheinen erwünscht ist. Diese Verfügung ist dem,Posener Tageblatt zufolge darauf zurückzuführen, daß an den Gehaltszahltagen bei der Reichshauptkaffe regelmäßig ein empfindlicher Mangel an Goldgsld einiritt, der erst im Laufe des Vierteljahrs durch das Zurückfluktuieren deS Goldes wieder gehoben wird.
* G« en den früheren Betriebsleiter Geo A. S chmi d t aus Togo hat Herr Abg. R o e r e n Strafantrag gestellt. Er ist auf einen offenen Brief zurückzuführen, welchen Schmidt in Berliner Blättern gegen Herrn Roeren veröffentlichte. In demselben bestreitet er die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen und richtete gegen Roeren die gröbsten Beleidigungen, welche nunmehr den Strafantrag veranlaßt haben. Auf diese Weise kann öffentlich festgestellt roeren, was dem früheren Bezirks lecker aus feinet Tätigkeit in Togo zur Last fällt.
[:] Des Märchen vom Glück!
WeihnachtLidylle von August Salsmon-Trier.
(Nachdruck verboten.)
Draußen i» der eisigen, klaren Winternacht wiÄieln lustig die Schneeflocken in fröhlichem Reigen. Im wilden Durcheinander tummeln sie sich hastig in ihren kecken Weifen und der pfeifende Wind kreischt feine Melodie dazu. Heftig braust er durch die kahlen Täler und wie ein geheimnisvolles Flüstern nebelt es im nahen Waldeshain. Als wenn es Frühling sei, so fröhlich scheinen sich die wuchtigen Bäume in trautem Geflüster zuzunicken. Eine gar sonderliche Melodie ist's, die da durch da8 dürre Laub der Eschen säuselt und eben neckisch um das ftiedliche Heim deS Oberförsters Wirroth spielt.
T«S Oberförsters Liesel, ein frisches Mädel voll jugendlichem Liebreiz und der alten Waldleutr Helle Freude, sie kennt schon lange den trauten Märchenklang, sie weiß, da» ist das Märchen vom Glück, daS da heule wieder leise durch die Lüste murmelt und traulich an ihre Scheiben pochte, da es gen Weihnachten angeht, wo eS bann die Menschen freudig bezaubern will. »
Run nahte j« bei» wieder der heilige Abeud, ihr seligster Trimm eui froher Kinderzeit, er war dem nun schon iw zarte« Jungfrauenalter stehenden Mädch«» «mH nicht entwichen. In süßem Erinnern gedachte Liesel jener frohen Tage der Kindheit, da daS liebe Christkind im Hause deS Oberförster» feinen Einzug hielt unter dem freudigen Jubel der überglücklichen Kinderherzrn. TaS waren noch Tage deS seligen Glückes und der Wonne.
Wenn dann aber erst daS gute Christkind alle die herrlichen 6aber. unter die beiden Kleinen ausgeteilt hast-, da wollte der Jubel all kein Ende mehr nehmen xnb die «beralücklichtzn Kinder
drängten sich dann zu Vater und Mutter hin, die all das Schöne sehen mußten, waS ihnen zuteil geworden war. In den Herzen der beglückten Eltern wogte es dann vor Wonne, Ivenn Liesel sich innig an die gute Mutter anschmiegte und der nun zwei Jahr» ältere Kurt, daS kleine Herzchen so voll Freude, sein Kermchen zärtlich um des Vaters Hals schlang. In dem fiemen Kreise der Glücklichen unter dem strahlenden Christ bäum tönten dann jene innigen Weisen, es rauschte „DaS Märchen vom Gluck".
Seit jenen sorgenlosen Kindheitstagen war eine Spanne Zeit dahin geeilt, sie schien so kurz: aber überaus inhaltsreich war sie gewesen, denn auch Frau Sorge war dem stillen WaldeShain nicht fern geblieben und früh schon hatte Liesel deS Lebens Bitterkeit kosten müssen. Auch über diesen KreiS der Glücklichen waren deS Leben» harte Prüfungen gekommen.
Das erste Leid Ivar dem Rädchenherze» wiederfahren, als ihr lieber Bruder nach Vollendung feiner Studienzeit vom Slternhaufe Abschied nahm, da der abenteuerliche Sohn de» Walde» Soldat werden Wollte und die Offizier-Laufbahn zu ergreifen beschloß. Sein Tatendurst hatte ihm bald den Weg geebnet und schnell war Shirt zum Offizier avanciert. Al» dann bald darauf deS Kaisers Ruf zu den Waffen erscholl, da war er freudig, als jüngster Leutnant, die junge Brust voll kühner Hoffnungen, mit »usgezogen zum Kampfe inS ferne Kolonialgebiet in Südwestafrika. Die gute Mutter bangte sehr nm ihre« Sohn und auch der Vater schien nicht ganz unbesorgt zu sein um das junge Leben feines KindeS. Tie guten Eltern, sie hatten wohl nicht geahnt, daß sie Kurt, den Sohn, nicht mehr Wiedersehen sollten: Der unselige Krieg im fernen Westen hatte auch fein junges Leben gefordert; als wackerer Streiter war der junge Held in dem heißen Kampfe am Wateberge gefallen. Ein überaus großes Leid brach über die Familie herein, als
die traurige Kunde hiervon hinauf zum Ober- försterheime drang. Und Liefe!? —--nur
schwer konnte sie sich in das herbe Schicksal fügen, einsam war sie geworden, in tiefer Trauer um den geliebten Bruder.
In jenen Tagen, al» denn da» Leid ds» junge Mädchenherz so hart getroffen, da war ihr in Jngelborg auS der benachbarten Gutsbesitzer Throffet'schen Familie rin« traute Freundin ge- worden.
Hatte sie mit Kurt doch s« manche frohen Augenblicke in glückliche« Kindertagen mit den fröhlichen Gefpielen der Jngeborg und deren beiden älteren Bruder durchlebt, jetzt schlangen sich dis alten Bande nur noch fester um die beiden jungen Mädchenherzen. Jetzt trugen sie gemein» sam ihr Leid, den« auch Jngrborg war nicht unberührt geblieben von be$ Leben» herbe» Fügungen; auch über die Elter» Jngeborg'» tvar et» schwere» Leid gekommen, e» war die bange Sorgt um den ältesten Sohn der Tbroffet'sche» Familie, de» ein tückisches Lungenleide» heimgesucht batte. Sehr nahe war der Todcsengel au dem jungen Manne vorüber gegangen, mm Allerdings schien die größte Sorge überwunden zu sein, und die bangenden Eltern erfüllte neue» Hoffe», als Heinrich Throsjet'S gefährliches Leide» wieder besser wurde und seine Gesundheits-Nachrichten i au» dem Süden, wo der Kranke zur Genesung weilte, immer Erfreulicheres meldeten. Zur großen Freude der Eltern fehrte Heinrich Thronet denn auch bald darauf völlig gesund wieder AU den Seinen zurück, und zlvar gerade da Weihnachten nicht mehr fern war.
Die frohen Angehörigen priesen f« Dankbarkeit den Himmel, der ihnen Heinrich gesund wieder gegeben hatte. Aber mehr noch ein Herze birgt ein stilles Glück in sich, es ist Liesel Wirroth, die so sehr um das junge Leben des Jugendfreundes gebangt hatte. Nun, da Heinrich Throsset
wieder gekehrt, trug sie ein inniges Verlangen, ihn zu sehen.
Der folgende Tag war hell erwacht, über Nacht hatte eine ziemlich hohe Schneedecke die Erde ein» gehüllt und die reine weiße Hülle blinkte lieblich in dem hellen Wintermorgen. Neckisch lugte der klare Morgensstahl in Liesel's trauliches Gemach, sie war so glücklich geworden und sehnenden Herzen» harrte sie des Augenblickes, da sie wieder in der alten trauten Weise mit Heinrich Throsset plauder« durste. Sicherlich würde er doch heute schon mal herüberkommen, um die Eltern zu begrüßen, oder ob er wohl warten wollte bis zmn Weihnachtsfeste? diese drei Tage bi» dahin dünk- ten ihr eine Ewigkeit.
Mehr als sonst hatte Liesel am Morgen Ausschau gehalten nach dem langen Gartemveg hin, und jedeSmal erschrak sie heimlich, wenn die tiefe Glocke deS großen Hoftores ertönte, da» sie heute immer .selbst mit klopfendem Herzen behend« öffnete.
De» forschenden Blicken des Vaters war Liesel» unruhiges Wesen nicht entgangen und doch schien sie so überaus glücklich zu sein. Die Ursache ihre» Glückes sollte Liesel's Vater dann am Mittage erfahren, denn als der Oberförster bon seinem Gange zuruckgekehrt, den Seinen die Kunde der frohen Wiederkehr Heinrich Throsset mitgeteilt und deffen Besuch für den Nachmittag versicherte, da war Liesel tief errötet und freudig leuchteten ihre Augen, als sie Heinrichs Kommen vernahnr.
Am Nachmittage kam denn auch Heinrich Throsset zum Besuche zu Oberförsters herüber. Jngeborg war mit dem Bruder gekommen und freudig eilte Liesel den beiden entgegen, indem sie Heinrich beide Hände zum Willkommgruße bot, die der junge Mann herzlich preßte. In den strahlenden Augen der jungen Freundin hatte er ihr Glück gelesen, ihr inniger Gruß war ihm durch die Seele geaanaen und lieblicher als je