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In Frankreich tobt der „Kulturkampf" mit aller Macht, und die Regierung geht mit besonder« Schärfe gegen den KlernS vor. Namentlich werden die Amtswohnungen her Geistlichen von der Regierung wird« mit Beschlag belegt und die Geistlich«, zum Verlassen d« Wohnungen gezwungen. Dieser Schicksal teilte auch das erz- bischöflich« Palais in Pari«, da« nunmehr in den Besitz de« Staates überaegangen ist. Da Kardinal Richard 87 Jahre alt und schw« leidend ist, hat man wenigstens von einer
%rt»eietti«H*, *M Rnsnab»« 661 S*B* nno.seie.iage Viertel« Jab«» Bezugspreis ohne Bringer lohn und Ber.c6gd» in Selbe wrt auswärts; Ml so Pfg.
Die Nachprüfung war leicht. Er griff nach einer umfangreichen Ausgabe der hl. Schrift, welche gründliches wissenschaftliches Studium mit ausgiebigen Bemerkungen versehen hatte. An ihnen matz er die Darstellung des populären Erbauungsbuches, und er mutzte gestehen, daß die Auffassung die gleiche war:, nichts anderes für die Gelehrsamkeit wie für das gemeine Volk. Von Phantasterei und Märchenerzählung keine Spur, überall ein tiefer sittlicher Ernst, gerüstet und ent- schlossen zum Kampf mit einer ganzen Welt von Gegnerfchaft.
Die Stunden verflossen und Junger merkte es nicht. Die Bucher lagen vor ihm, er war in tiefes Sinne» verloren.
Ja, wenn diese Botschaft Wahrheit war — sie war wohl imstande eine Seele zu heilen, die an Heimweh krankte. Wenn der Mensch nicht für sich allein, ein Spiel des blinden Zufalls, auf der Welt einherwandelte; wenn eine allmächtige und allweise Vorsehung Schritt um Schritt sein Geschick leitete, wenn jedes gute Wort und jede nützliche Tat einer ewigen Entlohnung entgegensah; wenn die durch alle Erdteile , und alle Jahrhun-, dcrte zerstreuten Millionen Geister verbunden waren durch ein einziges Band der Liebe und eines einzigen hohen Zweckes, das weit über die Tage dieser Pilgerfahrt binüberreichte; o dann war er ja nicht einsam und verlassen und brauchte nicht heimwehkrank zu sein; daun hatte er sein Mütterchen gar nicht verloren. . .
@rregt sprang Junger auf und ging mit großen Schritte« durch das Zimmer.
Da tönte ein feiner, Heller Klang durch die Luft: bim bam, bim bam.
Junger sah auf die Uhr. Das Glöcklein rief in dem benachbarten Krankenhaus die barmherzigen Schwesteru zur Mitternachtsmesse. Nasch entschlossen warf er den Mantel um und trat hinunter aus die Straße. Einigen frommen Betern, die eben durch die Pforte des Klösterchens traten, schloß er sich stillschweigend an. Die kleine Kapelle, wie eine Oase des Lichts mitten in der nächtlichen Großstadt gelegen, war schon dichtgedrängt voll Menschen. Mit einiger Mühe fand Junger ein verborgenes Plätzchen neben einem leeren Beichtstuhl. Mitten in dem Gedränge war er hier allein — allein mit seinem Gott, dessen Friede im Gloria allen guten Menschen jubelnd verkündet
Eigentlich mtr um nicht einseitig zu werden, be. hielt er eine mäßige ärztliche Praxi« bei. Zum erstenmal fest Jahren konnte er sich zu Weihnachten freimachen und das Fest bei seinem lieben, alten Mütterchen begehen, das ihn in dem Heimatdörfchen mit Freudenschmerzen erwartete. Seit Monate« halte er alles für daS Wiedersehen vor- 6ercitct: ganz besondere Ueberraschungeu sollte die gute Seele erleben, die sich so manchen Wunsch vertagt hatte, um den strebsamen Sohn nichts ent- behren zu lassen. Diesmal sollte die fröhliche Jugendzeit wieder aufleben; an der Mutter Brust wollte er wieder zum Kinde werden. Tenn all die rauschenden Zerstreuungen im Kreise fremder Leute hatte« das Herz nur erkältet, das Gemüt überdrüssig gemacht.
Da — vor vierzehn Tagen lud man ihn zur Bahre des guten, unersetzlichen Mütterchens. Ein Schlaganfall hatte sie toeggerafft; der berühmte Arzt hatte ihr nicht einmal die Augen zudrucken können. Fremde Leute hatten ihm ihre letzten Grüße bestellt. Weihnachten mußte er nun doch allein begehen. Die frische Trauer verhinderte ihn sogar, die alten Freunde auszusuchen.
Nun hatte er Zerstreuung gesucht und seine Krankenbesuche heute möglichst aus den Abend verlegt. Er hatte manche arme Familie unter seiner Obhut, und es war gelungen, aus mehr als einem bleichen Gesicht ein Sädjeln der Freude und Dank- barkeit hervorzuzaubern. Die Erinnerung der guten Tat tröpfelte wie Balsam in fein heimwehkrankes Herz.
Aber es war nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Die Krankenbesuche waren vorbei und Weihnachten dauerte noch lange. Junger versuchte sich in ein gelehrtes Werk zu bertiefen. 86er es tptit ihm nicht möglich, feine Gedanken darauf zu konzentrieren. Sein Geist flog immer wieder nach den trauten Räumen, wo er feine kindlichen Freu- den erlebt hatte. Dic Mutter rief ihn wieder zum Christbaum und er begrüßte ihn mit lautem Jubel; mit kindlichem Heißhunger fiel er über die süßen Bissen her, welche die Mutter gebacken hatte; dann baute er Häuser und Schlösser mit dem neuen Baukasten. Er träumte und träumte.
Plötzlich fuhr er empor und ein bittersüßes Lächeln hu sä ' über seine Züge. Was war das alles für ihn? Nach dem kindlichen Spielzeug konnte der reife Mann doch unmöglich Verlangen tragen.
Was hatte er denn gehabt, was der Heimat de« eigentümlichen Reiz gab? — Es war das Mütterchen selbst — seine Sorge« und Mühen, fein Fühlen und Denken hatte ja ausschließlich ihm, dem einzigen Sohn gehört. Ja, was hatte das alte Weiblein gedacht? Konnte das ihn, den gefeierten Gelehrten noch interessieren und fesseln? Seine Blicke fielen aus einige abgegriffene Bücher, welche sich unter den modernen Bänden seiner Bibliothek altmodisch genug ausnahmen.
Er griff nach einem Band und schlug ihn aus «Zum heiligen Weihnachtsfeft" las er. Es war ein populäres Erbauungsbuch, das er oft genug in der Hand seiner Mutter gesehen, und in dem er mehr als einmal geblättert hatte.
Wieder glitt das bittersüße Lächeln über fein Gesicht Himmelweit hatten sich ferne- Anschauungen von denen feines Mütterchens und feiner eigenen Jugend entfernt. Es reizte ihn doch, einen kleinen Rückblick darüber anzustellen. Er las — und staunte.
Das Weihnachts-Evangelium von der Geburt eines ewigen Gottes, der in eine Krippe gelegt wurde, klang so klar und bestimmt, so jeden Zweifel und jede Ungewißheit ausschließerrd, als habe ein Notar einen Gerichtsakt ausgenommen. War daS die Schrift, die seine Wissenschaft als das Märchenbuch eines Volkes in Kinderschuhen abtat? Der Zusammenhang von Tatsachen, die um Jahrtaufende auseinander lagen, war da« doch vielleicht nicht die naMräglich« Verbindung, einem Wutiafitbcffen Kopfe entsprungen? Er mutzte gestchen, daß er dieser Sache selbst noch nicht nachgeforscht, sondern sich auf die Darstellung verlassen hatte, die ihm auf allen Gassen seiner Wisseir- schast begegnet war. ......
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wurde; der in der Wandlung seine Wiederkehr auf Erden feierte; der bei der Kommunion in so viele Herzen einkehrte. — Sollte Er nur bei ihm vorübergehen?---
„Bitte, ich bin bereit", ertönte da eine milde, ernste Stimme.
Erstaunt sah Junger auf. Die Messe war vorüber. Der alte Franziskanerpater, welcher sie gehalten, meinte, der Fremde, welcher so weltverloren an dem Beichtstuhl leljne, heische seine Dienste, und er hatte sich sofort zur Verfügung gestellt.
„Beichten wollte ich eigentlich nicht", sagte Dr. Junger etwas verwirrt.
„Aber warum nicht — hellte, wo das Christkind der ganzen Welt den Frieden bringen will?" Der Pater schien einen Einblick in seinen Gemütszustand zu haben.
„Ich glaube, ich bin nicht genügend vorbereitet." __
„Das Christkind hilft nach", sagte der Pater und ließ sich in dem Beichtstuhl nieder.
„Es sind schon so viele Jahre her, daß ich nicht mehr
„Um so fester wollen wir die Hand der Gnade! ergreifen."
Junger folgte einem unwiderstehlichen inneren Drange, als er im Richterstuhl der Buße die Knie bog und fein Herz ausschllttete. Es war ihm selbst wunderbar, daß es fo gut und leicht von statten ging.
Nach einer Viertelstunde trat er wieder heraus — wie er meinte, als neuer Mensch, jedenfalls mit einem Frieden im Herzen, den er feit seiner Kindheit Tagen nicht mehr genossen hatte.
In der zweiten, der Hirtenmesse, hielt das Cbristkind auch bei ihm feinen Einzug. Und als er am Morgen des Festtages seine armen Kranken wieder besuchte, da war es ihm, als habe er fein Mütterchen zur Seite. Jedes Wort aber des Trostes, das er sprach, fing es auf und hinterlegte es an sicherer Stelle, wo es einftenS mit Zins und Zinseszins erhoben werden sollte.
Er hatte sich heimgefunden und, das schwur et sich, feine Macht der Welt sollte ihn mehr dem sicheren Port entreißen.
Zu der Samstag den 22. Dezbr. 1»OÄ, nachmittags 4'/t Uhr stattfindend«
Christ-Bescherung
der städt. Ktettrkinder-Bewahr-Anstalt im Mutterhause der barmherzigen Schwestern, werde« alle Freunde, Gönner und Wohltäter der Kleinen höflichst eingeladen.
Durch dir reiche Gaden-Speuduug der edlen Wohltäter ist ei uni möglich, auch in diesem Jahre wieder über 100 Kinder vollständig zu kleiden.
Zur Verteilung kommen: 52 Kleider, 45 Anzüge, 62 Paatz Schuhe, 60 Schürzen, 100 Hemden, 45 Unterröcke.
Im Namen der Eltern der Kinder sagen wir den Wohl* tätern herzlichen Dank. Um ein ferneres Wohlwollen der edlen Wohltäter zu unseren arme« Kindern bittet
Fulda, den 17. Dezember 1906.
HK Smitee her M. MiMttttVeMr'Wüll.
Mjglich WMt Witterte.
Är »eitGMihes M. Lüttem W 8s«ze«, HM-, Settel» iml WH-hfe ;n habes rnrd M ich rechlMe VeMmg.
A. Grossenbach, Mißlicher 8sükrie-Aach«k.
)*( heimgejuvden.
Weihnmhts-Skizze von Paul ö»i Wildbach.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Dr. Junger stand am Fenster und preßte die heiße Stic« wider die kalten Scheren. Unten in der belebten Großstadtstraße strebten Hunderte von Menschen einem trauten Heim zu. und ihm war, als müsse er jedem einzelnen Schritt um Schritt nachgehen, ob er vielleicht irgendwo einen barm^rzigen Unterschlupf fände für fein Herz, das an unsäglichem Heimweh krankte..
Da rollte unhörbar auf Gummiradern der Wagen des Kommerzienrates, der rechtzeitig zu dem großen Kinderball in feinem Palast« eintreffen toofite. Den stillen Beobachter mit dem müden Herze« ekelte diese moderne Erfindung an. Kann .man das kindliche Gemüt ärger zu Grunde richten, als daß man es mit den Genüsse» füttert, welche die Großen blasiert macht t
Dort schlüpfte eine bleiche Näherin aus der Konditorei, und «eben ihr stapfte mit großen Schritte« ein Arbeiter mit Puppenwagen und Hampelmann unter hem Arm. Wen zu Hause ein geliebtes Mütterlein oder eine fröhliche Kinderschar erwartet, -er braucht am Weihnachtsabmd über He'mweh nicht zu Hagen. — Ader er, der gelehrte und vornehme Mcmn hatte niemand, der ihn ermanete.
Dr. Junger wandte sich vom Fenster «b and schritt nach dem anliegende» Ar^itszimmer. Auf dem Tisch stand ein niedliches Christhäumchen, darunter ein Teller mit Konfett, einige Flaschen mit glanzvoller Etikette, sogar ein Paar warme Pantoffeln, welch; feine Hauswirtin eigenhändig gestickt »nd jetzt heimlich aufgepflanzt hatte.
Ei» leifer Schimmer flog über feine Züge, halb Freude, halb Wchmut. Es gab doch noch Menschen, die an ihn dachten. Freilich die Wirtin wurde von ihm bezahlt, und ihr Schaden toar’S nicht, wev« sie einmal ein übriges für ihren Einmieter tert.
Junger warf sich in feinen Sessel und ließ feine Gedanken rückwärts schweifen. Wie manchmal und wie verschiedenartig schon hatte er Weihnachten gefeiert, ohne daß ihn solche Traurigkeit bedrückte.
Wie fröhlich war die Kinderzeit gewesen, toenn ine Stimme der Mutter — den Vater hatte et zu früh verloren, um noch eine Erinnerung an ihn zu haben — zu dem strahlenden Baum rief, um dessen Stamm sich die Erfüllung aller Nützlichen Wünsche gruppierte.
Aber das war lang, lange her. Den Jmig- ling hatte das Leben weggerufen aus den Armen der sorgenden Mutter. Er sah sich im Kreise der studierenden Freunde. Man hatte einen Baum mit unzähligen Lichtern anfgepslanzt und sang das Lied: „ O Tannenbamn, e Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter 1" Die kleinen Geschenke begleitete die Freundschaft mit niedlichen Versen unh dabei kreiste der schäumend« Becher, tote an andern Tagen auch, — als könne das die innere Leere ausfüllen.
Auch auf weiter Fahrt war er gewesen. Nach gläiMnd bestandenem Examen hatte bet junge Siegt die Welt sehen und feine Studien vollende« in offen. Er hatte sich einer wissenschaftlichen Expedition angeschlossen. Die Feiertag« lag das Schiss im sicheren Hafen, «nd Offiziere und Mannschaft boten ihre Kräfte auf, um dem Feste Rechnung zu fragen. I« eine magisch beleuchtete Grotte hatte man einen Schiffsjunge« als fthtefen- des Schneewittchen gebettet, umgeben von den sieben Zwergen. Die Wirkung des bengalischen Lichtes war gelungen und Wein und Sett bei beut folgenden Liebesmahl vortrefflich. Aber war das eine Feier für Geist und Herz?
Endlich war er wieder heimgekehrt. Ausgezeichnete Publikationen über seine Forschungen hatten ihm eine Dozentenstelle an der Universität gebracht, eine glänzende Laufbahn stand ihm offen.
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Halte auch mein Lager in sämtliche» Artikel« zur Kraukeupsiege beste»- empföhle«; ebenso bringe meine Hand- schrch-Wischerei nub Färberei in empfehlend« Erinnerung.
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ÖeMeae MedetUe. __ Telephon Mr. WO. — SMeree MeOeBe.
zwangsweisen Ausweisung abgesehen und dem Kmhenfürsten gestattet, bei einem feine« politischen Freund«, dem konservativen Abgeordneten DevyS Cochin Wohnung zu nehmen. DaS zweite Bild bezieht sich auf btt Ausweisung des päpstlichen Gesandten Montagniui, eS schildert, wie letzterer von Geheimpolizisten nach dem Bahnhof geleitet wird. Aber selbst hier hörte die polizeilich« SontroOe nicht auf. Vielmehr wurde Montagnini bis an die Landesgrenze eskortierk und hier erst sich selbst überlassen.
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