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Zuldaer W Zeitung

Vochenbetta-e: „Ivuftriette§omttag5zettllng^ Monatrbettage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

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Betatton,6tn<f w. Vertag her 5ntvaer Ar« tlenht icferei tn Hulda. Zerrsprecher Nr 9.

33, Jasirqaag.

Fulda, Mittwoch den 19. Dezember 1906.

M 291.

Zweites Wlatt.

)•( vie ausschlaggebende Partei im Reichstage war bisher das Zentrum, weil es sowohl mit der rechte» Seite des Hauses (Kon­servative, Reichspartei re.), al- auch mit der lin­ken Seite (Sozialdemokraten, Demokraten, Polen re.) eine Mehrheit bilden konnte und so in allen Fäl­len der Ausschlag für oder gegen eine Vorlage in der Hand des Zentrums lag. Das wird auch so bleiben, wenn auch bei den bevor­stehenden Neuwahlen vielleicht das Zentrum einige wenige Mandate verlieren sollte, was übrigens noch lange nicht sicher ist. Keine andere Partei kann den kommenden Dingen mit einer solchen Ruhe und Gelassenheit entgegensehen, wie gerade die Zentrumspartei. Eine Partei, die bei den letzten Wahlen von ihren 105 Mandaten 88 gleich im ersten Wahlgange glatt erobert hat und außer­dem fast in allen übrigen von Anfang an die relative Mehrheit hatte, braucht vor Neuwahlen keine große Angst zu haben, auch wenn alle an­deren Parteien nebst der Regierung ihr feindlich gegenüberstehen.

Die Stärke und Macht des Zentrum» liegt nicht bloß in der Zahl seiner Mandate, sondern in seiner unabhängigen Stellung zu den verschie­denen Fragen des öffentlichen Lebens. Das Zentrum gehört weder zu den unbedingten Jasagern, die alles, was von oben kommt, unbesehen gutheißen, noch auch zu den unbedingten Neinsagern, die ebenso alles verwerfen, was von oben kommt. Das Zentrum prüft jede Vorlage und jeden An­trag in all' ihren Einzelheiten genau nach bestem Wissen und Gewissen und trifft danach seine Ent­scheidung, die dann entweder mit dem Ja der einen Seite oder mit dem Nein der andern Seite den Ausschlag gibt. Wie das durch das Ergeb­nis der Neuwahlen anders werden könnte, ist uns ein Rätsel. Die Rechte wird immer das Zentrum nötig haben, um eine Mehrheit zustande zu bringen, und die Sozialdemokraten können mit Den Polen und Elsässern allein keine Abwehr- Mehrheit bitt'»», selbst wenn fte in Zukunft em- uiai noch mehr Mandate erreichen sollten als das Zentrum. Die stärkste Partei ist keineswegs immer Die ausschlaggebende, dazu gehört die Möglichkeit, sich für rechts oder links entscheiden zu können.

Die Regierung glaubt aber, das Zentrum aus seiner ausschlaggebenden Stellung verdrängen zu können. Sie denkt wirklich, es könne ge­lingen, das Zentrum und zugleich auch die Sozialdemokratie so zu schwächen und den Libe­ralismus so zu stärken, daß sie eine konser­vativ • li berat - sreisinnige Mehrheit im Reichstage erhalten werde. Wenn man sich diese Zusammensetzung der angestrebten Regie­rungsmehrheit etwas näher ansieht, dann kann man es wirklich verstehen, daß eines der betei­ligten Blätter schon am ersten Tage nach der Auflösung deS Reichstages das Geständnis nicht unterdrücken konnte: „Die Not bringt eben zu sonderbare Schlafgenossen?"

In der größten Verlegenheit sind die Konservativen. Aus ihren Reihen stammt ja das recht deutliche und ehrliche, wenn auch ziemlich unvorsichtige Wort von der „gräß­lichen Flotte". Im allgemeinen ist ihnen die Kolonialpolitik ebenso „gräßlich", aber sie machen das Hurrahschreien mit, weil sie von einigen unerantiv örtlichen Stellen kolonialwütigein»

gedrillt worden sind und nun nicht mehr zurück­können. Die Hetze gegen da» Zentrum hat in den letzten Tagen so entschieden eingesetzt, daß sie wohl oder übel ihr ganzes Begeisterung«, vermögen für die Kolonialpolitik in die Wag­schale werfen mußten. Eines der Blätter dieser Richtung, die.Tägliche Rundschau' hat sich in ihrem evangelisch • bündlerischen Gemüt« dahin geäußert, selbst wenn die Regierung eine Schlappe erleide, sei doch der Kampf gegen da» Zen- trum an sich schon al» ein Gewinn zu ver­zeichnen. Sehr bald aber dürfte auf di« Begeisterung die Ernüchterung folge». Wenn einmal volkswirtschaftliche. Fragen zur Beratung und Entscheidung stehen, wenn einmal ein neuer Handelsvertrag mit England, mit Spanien oder mit den Vereinigten Staaten in Frage steht. Dann werden die Konservativen sich mit ihren neuen „Schlafgenoffen" recht schlecht vertrage» und sich nach den schönen Tagen zurücksehnen, wo das Zentrum mit ihnen Hand in Hand ging. Auf den Kampf um die höchsten Güter der Menschheit, um die Religion, haben die konservativen Junker au« Ostelbien ja niemals großen Wert gelegt, soweit e» sich beim de ver- weg eueren Teile aus ihren Reihen nicht um einen srischfröhliche» Kulturkampf handelte. Es kann aber trotz der Verabschiedung de» preußischen Bolksschulgesehes einmal — und vielleicht schon recht bald — der Tag kommen, wo ihre neuen Schlafkollegen sich derartig ungeberdig betragen, daß sie in ihrem konservativen Gemüt« erschrocken auffahren.

Der andere Teil diese- „Blocks" gegen das Zentrum, der Liberalismus und der Frei­sinn, befindet sich ebenfalls in einer recht un­gemütlichen Lage: Die freisinnigen „Mannen", die Stützen der Unabhängigkeit, die kräftigen Kämpfer gegen jede Beschneidung der Rechte des Reichstages, sollen Hand in Hand mit den Konservativen eine Regierungsmehrheit bil­den! Wen» für sie der Tag des Erwachens kommt, dann werden sie wahrscheinlich ein sehr dumme- Gesicht machen und den 13. Dezember samt seinem freisinnigen Kuhhandel mit der Re­gierung aus tiefster Seel« verwünschen al» einen Unglückstag schlimmster Art. Was mögen die kleinen Leute, die dort gegenwärtig als Führer „funktionieren", sich eigentlich für eine Vor­stellung von der Volksmeinung machen? Glauben sie etwa, da» Volk werde mitlaufen, wenn sie es jetzt auf einmal zur Unterstützung eines konser­vativen Schlafkollegen aufrütteln wollen? Der Tod Eugen Richters war ein Unglück für die freisinnige Partei, dieser Kuhhandel, den Richters Rachsölgerlein mit der Regierung anbandeln, ist ihr Verderben. Di» Sozialdemokratie steht grinsend dabei; sie wird die Früchte dieser Schlau­heit schon einheimsen.

Ob die Regierung sich diese sonderbare Ge­sellschaft, die hinsüro ihr eine willfährige Mehrheit bieten soll, wohl bei Lichte betrachtet hat, ehe sie sich darauf einließ, auf deren schwachen Schul­tern ihre Position aufzubauen? Es ist wahr­haftig schwer zu glauben. Fürst Bülow weiß sonst die realen Machtfaktoren gut und sicher ab- zutaxieren. Sollte ihm diese Fähigkeit auf ein­mal abhanden gekommen sein? Nun, bann möge er recht bald auf irgend einem Gute, da» er sich recht bald kaufen möge, eine Stube he'zen und ein Automobil zur Abfahrt bereit stellen kaffen. Lange kann dann seine Herrlichkeit nicht mehr dauern; da» Zentrum wird es aber nicht sein, wer den Sturz herbeisührt, wohl aber wird

kiu furchtbares Keheims.

Dem amerikanischen Originale der Mrs. May Agnes Fleming nacherzählt von Lina Freifrau von Berlepsch.

37] «Nachdruck verboten.)

Er streckte die Hand aus. Edith sprang er­rötend auf.

„Ich werde Dir die Brosche nicht geben und will sie behalten, so lange ich lebe; wie kannst Du so etwas verlangen?"

Er war aufgestanden, hatte sie in die Arme genommen und blickte fest in die braunen Augen.

„Laß' mich, o laß' mich!" bat sie, „wenn je­mand käme, die Dienerschaft oder — Sir Victor."

Er lachte verächtlich.

„Ja, wenn Sir Victor käme und sähe seine Braut in meinem Arm! Wie, wenn ich ihm die Wahrheit sagte, ihm erklärte, daß Du mein bist durch die Gewalt der Liebe, daß ihm nur seine Titel und Geldrollen Dich erkauft!"

War das Rudolf Stuart? Sie hielt den Atem an; ihr Stolz wich, sie mar das Mädchen tm Arme des geliebten Mannes. Hätte er es ge­wollt, sie hätte sich ihm jetzt gegeben und er wußte es.

„Wenn ich Dich so betrachte, Edith, in Deiner Schönheit und Selbstsucht, weiß ich nicht, ob ich Dich nicht mehr liebe, oder verachte. Weißt Du, daß ich Dich zwingen könnte, mich zu heiraten, aber Du bist es nicht wert. Geh'!"

Er öffnete verächtlich die Arme.

„Du wirst in einer Hinsicht für Victor kein übles Weib sein, eine Zierde für die Gesellschaft, eine verheiratete Kokette, die aber nie mit seinem besten Freunde durchgehen wird. Vor einer Woche beneidete ich Sir Victor, jetzt bemitleide ick ihn."

Er tvaudtc sich; zum erstenmale hatten Liebe und Zorn sich zum Kampfe bei ihm erhoben.

Edith war auf ein Sopha zurückgesunken, ge= demütigt, wie noch nie im Leben. Ihn rührte ihr Schweigen. Er hörte unterdrücktes Schluch­zen und fein Zorn schwand.

„O vergib mir, Edith, ich war grausam, aber ich mußte sprechen. Es war das erste, es soll das letztemal sein; es seien die letzten Tränen, die ich Dir erpresse."

Die Worte, welche besänftigen sollten, verletz­ten noch mehr.

„Es seien die letzten Tränen, die ich Dir er­presse", — in den Worten lag ein einiges Lebe­wohl.

Sie hörte die Türe öffnen, sie schließen und wußte, daß der Geliebte sie aus immer verlassen hatte.

17. Die Prophezeihung.

Sir Victor ging an dem marinen Junitag über die Felder nach Catheron Royals. Er batte Frie­den mit sich und der Welt und sah zufrieden und glücklich aus, wenn auch manch' bitterer Tropfen in seinem Kelch sich befand Edith liebte ihn nicht, würde ihn vielleicht nie lieben, er wußte nun, daß fein Vater noch lebte, daß Irrsinn in der Familie herrschte. Und ivns mochte die Zukunft bringen?

Allmählig schnviften feine Gedanken auf ange­nehmeres Gebiet. Am ersten September sollte die Trauung stattfinden; schon waren die Arbeitsleute bemüht, das alte, stolze Schloß schöner denn je erscheinen zu kaffen, und nach einem Ausflug auf den Kontinent wollte er die junge Frau zur Christ­freude in die neue Heimat bringen. Jeder ihrer Wünsche sollte erfüllt werden, er wollte früh oder spät bemüht sein, seines Weibes Herz zu gewinnen, wollte Liebe und Treue ihr entgegenbringen und glücklich leben, lange, lange —

das Zentrum auch dann noch immer bi« ausschlaggebende Partei im Reichstage sein, daran kann kein Bülow und noch weniger ein Dernburg etwa» ändern.

[:] Das Ergebnis der Mschnot- Merpellation.

Die bereits vor längerer Zeit von mehreren Parteien eingebrachte Interpellation betreffend die Fleischteuerung hat erst vor einigen Tagen im Reichstage ihre Erledigung gesunden. Es war dies die zweite während der l^jährigen Fleisch­teuerungszeit. Mit vollstem Recht wurde von den Rednern der verschiedenen Parteien der Regie­rung der Vorwurf gemacht, daß sie einer für die weitesten Volkskreise s o hochwichtigen Frage lange Zeit hindurch nicht die notigc Beachtung geschenkt habe. Diese Politik des Aufschiebens und Zauderns hat den innerpoliti- schen Verhältnissen keinen guten Dienst geleistet, vielmehr hat sie dazu beigetragen, die wirtschaft­lichen und Klassengegensätze gegen einander auf­zuspielen und zu verschärfen.

Den weitgehenden Forderungen nach Oefsnung der Grenze seitens der Sozialdemokraten und der Freisinnigen hat auch diesmal die Negierung nicht nachgegeben. Und das mit vollem Recht! Jedes weitere Beschneiden der heutigen Einfuhrbeschränkungen vergrößert immerhin die Gefahr einer Seucheneinschleppung und gefährdet dadurch die Gesundheit des Viehbestandes des deutschen Reiches. Wird diese aber untergraben, so könnte die Fleischteuerung weit schärfer werden als die zur Zeit bestehende. So lange die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, 95 % des Fleisch­bedarfs durch eigene Produktion zu decken, muß dieser ein dauernd genügender Schutz gewährt werden. Daß aber auch die deutsche Landwirt­schaft in der Lage ist, Fleisch zu billigen Preisen zu liefern, wenn nicht störende Mißernten und Teuerungsjahre eintreten, haben die früheren Jahre zur Genüge bewiesen. Und wenn jetzt von verschiedener Seite behauptet wird, die deutsche Landwirtschaft sei nicht imstande, den eigenen Be­darf zu auskömmlichen Preisen zu decken, so kann demgegenüber nur immer wieder betont werden, daß in den Jahren mit niedrigen Preisen, z. V. in den Jahren 1903—04, wohl keiner diese Fähig­keit der Fleischversorgung durch die Jnlandspro- duktion bezweifelt hat.

Von einer Aushebung der Einfuhrbeschränkun­gen oder einer Erleichterung derselben kann nur die Rede sein, wenn das in Frage kommende Aus­land hinsichtlich der Einschleppung von Seuchen nicht gefahrbringend ist. Die vorhandenen Sperr­vorrichtungen dürfen niemals den Zweck verfolgen, eine Verteuerung oder einen besseren Preisstand des Fleisches herbeizuführen. Um einen Preis­sturz des Fleisches und eine Lahmlegung der Vieh­produktion zu verhindern, dafür sind die Zölle eingeführt. In dem Momente, wo das Ausland oder einzelne Staaten hinreichende Garantien bieten, daß eine Seucheneinschleppung aus den­selben in unser Inland nicht mehr stattfinden kann, ist es Pflicht der Regierung, die Viehsperre dort aufz« heben, weil sie zum Schutze nicht mehr nötig ist. Diesen Standpunkt hat auch die Regierung bei der letzten Fleischnot-Jnterpellation eingenommen.

Gegenüber der Interpellation im vorigen Jahre, die zwecklos verlief, hat die Regierung jetzt einige klein eKonzsssioneii gemacht. Hin­sichtlich der Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Dänemark, Schweden und Norwegen liegen die bisherigen veterinärpolizeilichen Bedenken zur Zeit nicht mehr vor. Die Aushebung des Verbotes dieser Einfuhr soll alsbald erfolgen. Wegen der Einfuhr von Rindvieh aus Schweden schweben

In demselben Moment, wo er leichten Herzens dahinschritt, lag Edith in ihrem Zimmer und ver­goß die bittersten Tränen.

„Bitte, Sir Victor, die Großmutter braucht Sie", sprach eine Heute Stimme neben ihm, und ein neunjähriges Büßcheir zog fein Mützchen. Sie standen neben dem Eingangstor und der Junge zeigte aus die Torwohnung.

„Wer bist Du, Kind?"

„Ich bin Johnh Miller, Sir Victor, und die Großmutter braucht Sie."

„Wer ist die Großmutter?"

„Sie ist die Großmutter und Maminy's Mut­ter. Sie käme heraus zu Ihnen, Sir Victor, aber sie ist krüppelhaft und kann nicht gehen."

„Gut, kleiner Mann, zeige mir den Weg."

Der Junge lief voraus und öffnete die Tür.

Sir Victor betrat das kleine Zimmer, an dessen Fenster Rosen und Geranien standen.

In einem großen Armstuhl faß eine klein« seltsame Alte und strickte.

„Das ist Großmutter, Sir Victor, Sie müssen aber laut sprechen, weil sie nicht hört. Hier ist Sir Victor, Großmutter", brüllte Johny ihr ins Ohr.

„Ah! sagte sie und betrachtete mit den matten Augen des Barons schlanke Gestalt, „ja es ist Sir Victor. Ich bin ein altes Weib, neunundachtzig Jahre alt auf Michaeli, aber ich kenne seine» Vaters Sohu. Es ist eine seltsame Welt, sehr seltsam!"

Sie wiegte daS greise Haupt und wies auf einen Stuhl.

„Wollen Sie sich gefälligst zwei Minuten setzen, Sir Victor, und Du, Jony, lauf’ fort und schließe die Türe. Ich bedauere, wenn ich Sie störe, aber ich bin ein altes Weib und ich habe viel erlebt in meiner Zeit. Ich bin neunundachtzig Jahre alt und solche Leute sehen und hören sonderbare Dinge."

noch Verhandlungen, die zur Zett noch nicht abge­schlossen sind. Die Verbündeten Regierungen ha­ben ferner eine Revision des Gebührentarifs für die sog. Auslands-Fleischbeschau in Aussicht ge­nommen, Die zu einer wesentlichen Herabsetzung der Untersuchungsgebühren und damit zu einer Erleichterung der Einfuhr von Fleisch führen wird. Neben diesen Maßnahmen gegenüber dem Ausland soll durch Ermäßigung der Frachttarife für den Versand frischen Fleisches im Inland zu­nächst innerhalb der preußisch-hessischen Eisenbahn­gesellschaft der Versuch gemacht werden, einen Ausgleich der örtlich sehr verschiedenen Preis« innerhalb Deutschlands zu ermöglichen. Diese Maßnahme ist besonders freudig zu begrüßen; denn die Preisunterschiede innerhalb des deutschen Reiches sind weit größer als die deutscher und aus­ländischer Märkte. Nach der amtlichen Statistik betrug z. B. der Preis für ein Kg. Rindfleisch im September 1906 in Berlin 1,75 <M-, in den öst­lichen Kleinstädten 1,40 Jl, für Schweinefleisch in Berlin 1,70 in den östlichen Kleinstädten 1,40 Jt. Im Jahresdurchschnitt 1905 stellte sich bei 165 deutschen Städten der Preis für 1 Kg. Rindfleisch in der teuersten Stadt auf 1,80 M, in der billigsten Stadt auf 1,18 JC, für Schweinefleisch auf 1,99 bezw. 1,34 di. Das ist ein Unterschied von ca. 62 bezw. 65 Pfg. pro Kilo. Die höchste Fracht für die weitesten Entfernungen in Deutschland be­trägt kaum 10 Pfg. für 1 Kg. Diese Zahlen wider­legen die immer wieder aufgestellte Behauptung, daß der Landwirt unnütz das Fleisch Oerteure. Man vergißt aber, daß die dauernd steigenden Bodenpreise in den Städten, die hohen Wohnungs­und Ladenmieten, die dauernd steigenden Löhn« und sonstigen Betriebskosten die Fleischpreise stack erhöhen. Man kann aber unmöglich verlangen, daß für solche Verteuerungsgründe der Bauer und Viehzüchter verantwortlich gemacht werden und für diese, den Fleischpreis beeinflussenden Mo­mente die Verantwortung tragen soll. Das wär« ein ungerechtes Verlangen!

Die von der Regierung in Aussicht gestellten Maßnahmen werden einen Ausgleich in den Fleischpreisen und auch eine etwaige Verringerung derselben herbeiführen können. Wenn nun auch die städtischen Verwaltungen ähnliches tun wür­den, so würde sich im Interesse der Fleischkonsu­menten doch manche Erleichterung schaffen lassen. An erster Stelle ist eine Aufhebung der noch bestehenden Schlacht steuern unbedingt zu fordern. Die den Fleischkonsumenten durch die Schlachtsteuer auferlegten Abgaben betragen heute ca. 12 Millionen Mark. In vielen Städten ist die Schlachtsteuer fast noch höher als unsere Vieh­zölle. Sie beträgt z. B. im Durchschnitt gerechnet pro Kg. Fleisch in Potsdam 12,6 Pfg., in Koblenz 12,5 Pfg., in Aachen 8,8 Pfg. Ein ähnliches gilt von den öffentlichen Schlachthäusern. Diese sind für viele Stadtverwaltungen eine ergiebige Steuerguelle, die infolge der ungewöhnlich hohen Gebühren sehr reichlich fließt. So gab z. B. in Berlin der städtische Zentral-Viehhof im Jahre 1904 einen Gewiimüberschuß von 24,4 Prozent deS Anlagekapitals. In 62 preußischen Städten schlvanken diese Gewinnüberschüffe zwischen 8 bis 37,5 Proz. Diese öffentlichen Schlachthäuser und Viehhöfe sollten in erster Linie nur sanitäre Ver­anstaltungen-sein, aber nicht gewinnbringende Steuerquellcn. Es muß deshalb sehr befremdlich erscheinen, wenn solche zum Teil gut situierte Städte von der Regierung Aufhebung des Zolles und fonstige Erleichterungen fordern, aber selbst nicht an eine Aufhebung der verteuernden Maß­nahmen denken.

Werden alle diese Maßnahmen sowohl seitens der Regierung als auch der städtischen Verwaltun­gen verwirklicht, so ist gerade von diesen eine ruhigere Gestaltung der Fleischpreise zu erwarten. Aber auch die landwirtschaftlichen Kör­perschaften werden immer mehr darauf be-

„Aber gute Frau, wenn Sie mir etivas zu sagen haben, bitte ich, es sofort zu tun, ich bin auf dem Wege nach Powys Place und habe Eile."

Powy's Place, o ich erinnere mich dessen wohl," nickte die Alte, „er war in Powy's Place in der Nacht, wo die schöne Frau ermordet wurde. O es ist eine böse Welt, eine böse, böse Welt!"

„Sprechen Sie von meiner Mutter?"__

„Ja, Sie toaren damals noch ein Säugling, war Ihre Mutter doch selbst noch beinahe eilt Kind, als man sie im Schlafe ermordet und ihr Mann den Verstand verlor. Jetzt liegt der arme Herr im fremden Lande begraben, aber Euer Gnaden gleichen ihm so sehr, daß ich ihn wieder- zufchen glaube. Man sagt, Sie hätten eine Brant von über dem Ozean."

Sie blickte ihn fragend au. Der Baron uiiite zustimmend.

„So wird wohl wieder Hochzeit sein in Ca­theron Royals mit Freudengeläute und Festge­pränge. Vielleicht erlebe ich's nicht mehr; ich bin ein altes Weib und habe Sondcrsbares erfahren. Ja, ja, die Alten müssen sterben und die Jungen heiraten! Doch ob ich's erlebe oder nicht, ich will'? Ihnen jetzt sagen; aber vielleicht wissen Sie es schon."

„Was beim?" fragte Sir Victor ungeduldig, „ich verstehe kein Wort von ihrem Gerede."

Die alten wässerigen Augen blickten ernst auf ihn.

„Die Prophezeihung."

„Welche?"

„Die Prophezeihung der Catherotzs. Dacht ich's doch, daß Sie's nicht wüßten, daß Lady He­lena es Ihnen nicht gesagt habe."

„Eine Prophezeihung? das wrrd mtereffant, lachte Victor, „wir haben unser Familiengespenst, warum nicht auch eine Prophezeihung I Lasten Sie hören, gute Frau; betrifft sie mich?"

(Fortsetzung folgt.)