Erstes Matt.
gellen.
^Fortsetzung folgt.)
nalen" Block gegen das Zentrum nichts wissen will. Es ist aber erfreulich zu kehen. wie die Besorgnisse um den eigenen Besitzstand immer wrr- tere Kreise in den liberalen Reihen ziehen. Wenn nun das „Berliner Tagebl." glaubt, „daß mit dem ja gesicherten Beistände der liberalen Gruppen dem Zentrum einige Wahlkreise in Süddeutschland abgenommen werden könnten" so ist in_ derselben Nummer des Demokratenblattes ein länge» rer Artikel zu finden, welcher die Reichstagswahlen in Süddeutschland behandelt. Dieser Artikel klingt aber keineswegs so zuversichtlich, er ist stellenweise sogar sehr kleinlaut gehalten und befürchtet vor allem, „im Wahlkampf durch eine leidenschaftliche Betonung der Kolonienfrage die Sozialdemokratie in das schwarze Lager hinein- zutreiben". Deshalb wäre ein rotschwarzes Kartell im Süden für die bürgerliche Linke geradezu verhängnisvoll." Deutlich geht aus dem Artikel auch hervor, wie ungemütlich sich der Liberalismus setzt schon in feinem Kampfe gegen das Zentrum fühlt. Dies gilt namentlich für Suddeutschland, allwo man zugkräftigere Parolen als „Für die Kolonien" und „Gegen das Zentrum" sucht.
>. Liberale Beklemmungen.
Der Wahlkampf hat schon einen merklichen Umschlag der „nationalen" Gesinnung lm» und rechts herbeigeführt. Das Jubel- und Sir- gesgeschrei ist verstummt, eine überraschende Er» Nüchterung ist an feine Stelle getreten. Ter Gedanke eines „nationalen" Blocks wird _ bereits entschieden zurückgewiesen. Nun wird auf natro» nalliberaler Seite mit einem anderen Mittel der Krebsfang versucht. Man eröffnet „ei ne te p t- tzeiche Wahlftatiftik", welche nun berufen sein soll, der „größten" der liberale» Parteien die Mandate scharenweise in die Arme fallen zu lasten.
Bei den letzten Wahlen im Jahre 1903 vereinigte das Zentrum 1876092 Stimmen auf seine Kandidaten. Ms „Anhang des Zentrums" wer- den hierzu noch die Elsässer und Welfen sowie „teilweise auch die Polen" mit zusammen 543 957 Stimmen gerechnet, sodaß also daS Zentrum mm» bestens 2 420 049 Stimmen repräsentiert. Zu den RehrheitSparteien vom 13. Dezember gehören auch die Sozialdemokraten, auf welche letztmals 3 010 771 Stimmen fielen. In jammernden Tönen Nagt nun die liberale Statsttik ganz wehmütig darüber, daß diesen rund 5 440 000 Stimmen „das gesamte Bürgertum von der äußersten Rechten bis zur demokratischen Linken" nur runb 3 760000 Stimmen gegenüberstellen kann. Dabei find die Nationalliberalen mit 1 324 855 Stimmen. die Konservativen mit 914 269, die freisinnige Dolksvartei mit 538239, die Reichspartri mit 371235, di« freisinnige Bereinigung mit 234189, die süddeutsche Bolkspartei mit 91217 Stimmen in Rechnung gestellt. Weiter wurden 26 881 „andere zersplitterte Stimmen" für den Freisinn in Bettücht gezogen und schließlich noch die 244 543 Stimmen der Antisemiten, sowie die 14 843 der Dänen dem Blocke zugeschlagen, während man von 240000 „partiknlaristischen" Stimmen gnä digst abgesehen hat, sie aber doch gern zu den se'migen rechnen möchte. Aus Grund dieser Wahlstatistik vom Jahre 1903 stehen sich also 5440000 und 3760000 Stimmen einander gegenüber.
Die „größte" liberale Partei gkautt nun, den Geist ihrer Reihen beseelen zu können, wenn sie ihm eitel trügerische Hoffnungen vorspielt. In erster Linie stutzt man sich auf das Mitläufer' tum der Sozialdemokratie, indem man dem sehn- lichsten Wunsche nachhängt, daß „bet diesen Mitläufern vielleicht diesmal das nationale Gewissen erwacht." Ein solcher vertrauensseliger Optimismus ist beinahe beneidenswert. In einet Zeit, welche di« Zahl der „Unzufriedenen" fast inS Unermeßliche steigen läßt, glaubt der national- liberale Gernegroß durch lautes „nationales" Geschrei die Massen an sich heranziehen zu können; er wird lange darauf warten dürfen, bis ihm die „Mitläufer" willige Heeresfolge leisten, ihm, der es an hochmögenden Worten niemals, am allerwenigsten jetzt, umsomehr aber an Taten fehlen läßt. Gerne glauben wir ihm aber, daß er diese Massen gut brauchen könnte, um die ihm drohenden Lücken auszufüllen.
Deshalb läßt dieselbe Stimme die hier angegebenen Zahlenverhältniste eine eindriugliche Sprache reden »nd seht ihre letzte .Hoffnung auf die 3 Millionen, welche sich letztmals von der Wahlurne ferngeha lten haben. „Die Lästigen, Gleichgrlttgen gilt es heranzuziehen und für di« nationale Ehre Deutschlands, für die Verteidigung unseres Vaterlandes zur Abwehr gegen Klerikalisnms und die revolutionären Elemente- des staatSzerstörenden Klassenkampfes und -haste? zir entflammen. Kein Mann darf diesmal an der Wahlurne fehlens" ES würde »ns sehr freuen, wenn es dem „nationalen" Mannesmut gelänge.
Stellungnahme ist wohl mit ein Grund gewesen, weShcckb der gesamte Freisinn von einem „natto- ,en das Zentrum nichts toifien
W surchlbattS Kcheiimis.
Deut amerikanischen Original« der MrS. May AaueS Flennng nacherzähtt von Lina Freifrau von Berlepsch.
88J ^Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung auS fcem zweiten Blatt.)
„Sie und Ihre Braut, sonst ist ja niemand Hießt da. Sie werden di« Prophezeihung nicht glauben, aber sie wird sich doch bis zum Schluss« erfüllen."
„Wollen Sie fit endlich mittoilrn?"
Aber der Alten eilte es nicht.
„Ich denke der Nacht, wo wir bei Ihrem Vater wachten, John Hooper und ich, der ist jetzt auch tot, soviel ich weiß Es regnete und stürmte, die Dame lag unten mit dem Dolchstich im Herzen, ihr Gemahl tobte im Gehirnfieber, Miß Inez wat im Gefängnis. Der erste Teil der Prophezeihung hatte sich also erfüllt und ich sagte zu John: „Du wirst scheu, daß das Uebrige auch eintrifst. Er ist jetzt ein Kind, aber die Zeit wird kommen, in der er freien und heiraten wird, am Tramtugs- tage aber erfüllt sich die Bothersagung."
„Ich muß gehen", unterbrach Sir Victor bi« Alte, „wollen Sie mir die Prophezeihung sagen oder nicht?"
„Ich erinnere mich derselben loobl," flüsterte sie, unetschüttert daS Haupt wiegend, „die erste Strophe bezog sich auf den Mord."
„Wenn einst ein Catheron gemeinen Mord vollbracht,
Sa sinkt der Stamm dahin in Nebel ünd in Nacht."
von dem alten Offizier herbeigesehnt wird, schon beim ersten Versuch zu ersticken. Wir registriere« liefe Parole de- alten Offizier* aber auch, um damit zu zeigen, zu welchen Maßnahmen man in „nationalen" Kreisen für den jetzigen Wahl« lampf seine Zuflucht nehmen zu können glaubt. Der Aufruf liefert weiter einen Beweis dafür, wie stark die koafessionelle Verhetzung dieses Mal getrieben werden wird.
* Die Sozialdemokraten bieten alle ihr zur Verfügung stehenden Elemente zur Hilfeleistung im Wahlkampfe auf. Nachdem der preußische Parteitag dieserhalb schon vertagt wurde, ist jetzt auch die sozialdemokratische Kriegsschule während der Zeit der ReichStagSwadlen geschlossen wordm, ,ba eS Lehrer und Schüler danach verlangt, für den Wahlkampf m ihren Wahlkreisen zu arbeiten". Zur Aussetzung deS Unterrichts wird wohl weniger diese- Verlangen, als vielmehr der Wunsch deS ParteivorstandeS, möglichst viele Agitatoren zur Seite zu haben, maßgebend gewesen fein. In der Tat sind auch „viele der Schüler als Funktionäre ihrer Wahlkreise nötig!" Die Partei« schule eröffnet ihren Unterricht erst wieder nach den Stichwahlen. Wir empfehlen eine solche Heranziehung aller Kräfte auch auf unserer Seite bestens zur Nachahmung.
* Für den sofortigen Bau der Bah« Kubub-KeetmanShoop erklärt sich jetzt auch die .Nationalzeitung'. Sie schreibt: „Eine verfaffungS« mäßige Erledigung der Vorlage ist zurzeit nicht möglich, und der neue Reichstag wird zweifellos Indemnität erteilen, zumal ja bereits in der Vudgetkommission die Vorlage mit großer Ma« jorrtät angenommen worden ist." Wenn nur di« .Nationalzeitung' mit der Bewilligungslust bei neuen Reichstages nicht zu früh gejubelt hat!
* Stuttgart, 18. Dez. 1906. Die Bezirks« wählen zur zweiten Kammer haben heute im zweiten Wahlgange ihren Abschluß gefunden. Im ganzen waren 75 Mandate zu besetzen, von denen bei der Hauptwahl am 5. Dezember 27 in der Schwebe blieben. Bei dem heutigen zweiten Wahlgang« hat daS Zentrum zwei Mandate erobert: Oberndorf und Geislingen; erstereS war bisher im Besitze der Volkspartei und letzteres der Deutschen Partei. Die 75 Mandate verteilen sich jetzt wie folgtr Zentrum 21, Volks« partei 20, Deutsche Partei, Bauernbund und Sozialdemokraten 11, parteilos 1. Die.Franks. Ztg.', der wir diese Angaben entnehmen, jammert Über das Ergebnis in den Worten: „Das Zentrum ist somit die stärkste Fraktion geworden dank der Politik der Rache, welche die Deutsche Partei in bett Wahlkreisen Oberndorf und Neuenburg befolgte. Diese Politik der Hieber und Genofien wird ttt diesen Tagen in ganz Deutschland wie ei« Faustschlag empfunden werden." (WaS ver« steht man in Frankfurt unter „ganz Deutschland"?)
diese 8 Millionen aufzurütteln. Wir fürchten aber, daß ihm dabei, früher alS ihm lieb ist, die Augen über daS politische Bekenntnis dieser Elemente gzSffnet werden. Deshalb ist eS wenig bescheiden, alle Lästigen und Gleichgiltigen nur sich selbst verschreiben zu wollen zum Sturmlauf „für die nationale Ehre", gegen den „KlerikalismuS". Soweit find wir auch am 25. Januar 1907 noch nicht, daß alle, welche der Urne fern bleiben, den „nationalen" Parteien zuzuschlagsn find.
Alle diese Beklemmungen laffen eS wohl erklärlich erscheinen, daß die „Nationalztg." von neuem die Werbetrommel für den nationalen Block zu rühren beginnt. Nach ihrem Dafürhalten läßt sich eine wesentliche Verschiebung nur erzielen, „wenn alle bürgerlichen Parteien geschlossen unter sich einig ihre Vorbereitungen zur Wahl treffen." Mit dieser Geschlossenheit und Einigkeit ist eS aber schon dahin. Während die „Nationalztg." sich die Mühe gab, „die eindringliche Sprache" ihrer Zahlen zu konstruieren, konnte sie schon die größten Bedenken gegen ihren Herzenswunsch in der „Deutschen Tageszeitung" lesen. Dieses Blatt hält den Gedanken eines nationalen Blockes, abgesehen von allen anderen Erwägungen, die da- gegen sprechen, für „schlechthin u n du r ch - f ü h r b a r". Eine noch deutlichere 9Tbfay erfährt die Blockbildung im „Berliner Tageblatt" und in der „Freisinnigen Zeitung". Diese „warnt auf das brtngenbfte davor, unklaren Blockideen zu Siebe Wahlverabredungen zu treffen, die in der Praxis leicht das Gegenteil des Erstrebten erzielen können, wie sie überhaupt die Blockparolen „für durchaus unrichtig und unglücklich" hält. Das „Berl. Tagebl." spricht von wider- natürlichenBündnissen", bei denen man sich fragen muffe, „wersoll über'sOhrge- bauen werden?" Deshalb betont eS „auf daS allerentschiedenste, daß eS ein Unding ist, den Liberalismus mit der agrarischen und antisemiti- schen Reaktion zusammenkoppeln zu lassen".
Damit werden unsere letzten Ausführungen über den „nationalen" Block nur bestätigt. Die Zentrumswähler werden und müssen sich aber sagen: im ersten Wahlgang keinemZen- trumsgegner auch nur eine einzige Stimmei
Deutscher Neich.
Berlin, den 18 Dezember 1906.
r. „Gegen dir gesamte Reaktion" ruft der Liberalismus seine Mannen auf die Zinnen, um auf diese Weise seine B e f ü r ch t» n g e n vor manchen Verlusten im kommenden Wahlkampf zu verbergen zu suchen. Das „Berliner Tagebl." erinnert an die Verluste, welche durch den Ausfall der Zentrumsstimmen in manchen Wahlkreisen für den Freisinn enfftehe» könne». Nach einer nochmaligen Feststellung, daß die Regierung „ziemlich davon durchdrungen sei. daß das Zentrum in dem bevorstehenden Wahlkampf nicht zerschmettert werden wird", schreibt das genannte Blatt: „Bei einer Prüfung der Wahlsituation in den Zentrumskreisen ergibt sich, daß mit dem ja gesicherten Beistände der liberalen Gruppen dem Zentrum einige Wahlkreise in Sübdeutfchland abgenommen werden fimnten, aber es ergibt sich auch, daß diese Wahlkreise nicht den Liberalen, sondern den Nationalliberale» oder den Konservativen zufallen würden. Dagegen muß der Frei- sinn in bau Augenblicke, wo er gegen das Zentrum Stellung nimmt, natürlich mit dem Verluste derjenigen Sitze rechnen, die er in früheren SBabl- kämpfen mit Unterstützung der Zentrumswähler gchxninen hat." In dieser Hinsicht werden in erster Linie die freisinnigen Sitze in Kaiserslautern, Straßburg, Altena-Iserlohn und Hagen als bedroht angesehen. Um nun die hier geschilderten Verluste wieder wett zu machen, wird die Parole: „Gegen die gesamte Reaktion!" ausgegeben. Diese
„Jedermann weiß, daß es Juan getan hat, ein böser Junge mit dem Teufel in ben schwarzen Augen und bösen Gedanken im Herzen."
„Weiter, weiter."
„Wenn ein Catheron an Mörders Stelle Geschmachtet in Ehesholms Gefängniszelle."
„Das bedeutet Miß Inez, Sie wissen ja, daß sie schuldlos ins Gefängnis kam. Der Reff muß erst eintreffen, der Rest ist für Sie."
„Weiter."
Die blöden Augen richteten sich auf ihn und die alten Lipen sprachen langsam:
„Der Bräutigam am Hochzeitstag verwitwet: Erlischt der Stamm — der Name selbst vergeht."
Es folgte eine Pause. Sir Victor war zum Mindesten überrascht. Er hatte Neigung zum Aberglauben und der Vers machte ihn stutzen.
„Ist das alles, gute Seele?" fragte er endlich lachend.
„Alles und gewiß genug, es wird sich erfüllen, tote das Uebrige, bedenken Sie das."
Sir Victor legte ein Goldstück in die runzelig« Hand.
„Sie meinen cs gut, aber wiederhole» Sie den Utifinn gegen niemanden, ich verbiete es Ihnen."
„Gut, ich habe dreiund^vanziq Jahre geschwie- gen und kann schweigen bis a»9 Ende. Aber es war meine Pflicht, Sie zu warnen. Sie mögen es Unsinn nennen, es wird sich doch erfüllen, wie das Uebrige."
Er eilte fort. Natürlich war es Unfinn und Aberglaube, aber es war dock, unangenehm und daS Wort der Alten: „eS wird sich erfüllen wie daS Uebrige," klang ihm immer im Ohre wieder.
„Der Bräutigam am HoötzeitStag verwitwet steht," das hieße, daß Edith stürbe
Er schauderte-
Ausland.
* Di« Durchführung deS französischen Trennungsgesetzes wird mit der den Kirchen« feinden eigenen Energie betrieben. Von Bischofs« und Erzbischofssitzen, großen und »einen Seminaren, die Staatseigentum sind oder nicht megt destehendenKultuscmstalten gehören, find vorgestern 15 Bischofs- und Erzbischofssitze, 18 große und 10 kleine Seminare, im ganzen also 43 Grundstücke geräumt worden. Zur Räumung diese? Grundstücke war in fünf Fällen ba8 E.nfchreUrn der öffentlichen Macht erforderlich. In Ren ne- wurden die Zögling« deS Seminars SamStag morgen aus dem Seminar auSgewiefen, nachdem willst, ich meine, man sollte ihr'S sagen, weil el sie hauptsächlich angeht. m . ...
„Aber, liebe Tante, die dumme Reimerei ist absolut lächerlich." ..
„Dann könnt Ihr berde darüber lachen unb Du hast Deine Pflicht getan."
Es erfolgte eine unangenehme Paus«.
„Glaubst Du, daß es sie erschrecken und zu« Umkehr veranlassen könnte?" fragte Sir Victor endlich ängstlich. r
„Nein, Edith Darrell rst ein Mädchen von un- gewöhnlicher Charakterstärke und praktischer Vernunft. Ich glaube nicht, daß so etwas sie bqä einslußt." , , , <_
Lady Helena hatte Recht: als einige Stunden später Sir Victor der Verlobten zaudernd bi« Prophezeihung mitteilte, lachte sie ihm ins Gesicht rind fragte: ,
..Sind Sie wirflich so abergläubisch?" „Ich fürchte ja, ich glaube an Träume und —" „An die grausige Prophezeihung?" t
Er schwieg.
„Gut," fuhr Edith fort, „ich bin durch dieselbe hauptsächlich berührt, und wenn Sie e» riskieren, tue ich es auch. Ich fürchte mich nicht. Wenn ich den Kops aus's Kiffen lege, träume ich nicht, meine Ruhe bleibt ungestört und wenn mir bi« weiße Frau selbst begegnete, mich würde daS nicht genieren. JH habe kein Herzleiden, der MuSkel hier — auf das Herz deutend — arbeitet regel- mäßig und so wollen wir'S mit der Prophezechung aufnehmen und am Tage nach der Hochzeit weidlich darüber lachen!" .. . „ . ,
Sie bot ihm die Hand, er küßte dieselbe innig, Freude, Hoffnung und Liebe hatten seine Schwermut verscheucht.
An dem Tage wurde die Prophezechung ver-
r. Die Kriegervereine werden von „nationaler" Seite als Hilfstruppen im Wahlkamps« requiriert Ein alter O'sizier ruft in einer Berliner Korrespondenz die Offizier« a. D. und bie Kriegervereine „gegen Zentrum unb Sozialbemo- fratie, bas heißt gegen bie Knebelung deS nationalen Geistes großer Mafien durch dumpfen Parteizwang und wüste, verhetzende Agitation" auf und hofft sogar, „baß viele national gesinnte Katholiken sich ulttamontaner Vormundschaft entliehen.'' Er gibt nun seinem Aufruf an die ehemaligen Offiziere einen Kommentar mit auf den Weg, in welchem er den Offiz er a. D. „als einen wichtigen Faktor ber kommenden Wahl- bewegung" bezeichnet, der sich nicht scheuen soll, „in loyaler, aber offener und rücksichtsloser Weise in sie einzutreten." Wer daS nicht könne, von dem erwarte er finanzielle Unterstützung der Wahlbewegung. Mehr intereifiert uns bie Parole, welche der alte Offiziere für die Kriegervereine zurecht gelegt hat. Er schreibt nach dem Bericht der Host': „Anderseits scheue man fich nicht, unsere Kriegervereine mobil zu machen! Die Sozialdemokratie hat fich niemals gescheut, unter Anwendung niedrigster Mittel zu versuchen, sich Einttitt und Einfluß in diesen Vereinen zu verschaffen, deren Statuten jedem ehrenhaften Sozialdemokraten den Eintritt verbieten müßten. Der militärische Hintergrund dieser Reichstags- auflöjung gibt zudem ein volles Recht, auch an das soldatische Pflichtgefühl eine» jeden zu appellieren, der deS Königs Rock getragen hat." An Protesten gegen ein derartige Mobilmachung der Kriegervereine wird eS nicht fehlen. Die Kriegervereine find keine politischen Vereine und haben fich laut Statut jeglicher Politik zu enthalten. Und nun macht ein alter Offizier erneut den Versuch, die Politik in dieselben hm- einzutragen. Er will auch die Mitglieder gegen daS Zentrum mobil gemacht sehen. Ein solcher Versuch würde im Kriegervereinsleben die unheilvollsten Folgen nach sich ziehen. Wie viele Kriegervereine gibt e-, deren Mitgliederzahl, wenn nicht überwiegend, so doch zu einem großen Teil aus Männern bestehen, welche im politischen Leben sich zum Zentrum bekennen! Wir müssen eS geradezu als eine Frivolität bezeichnen, in diese Reihen nun einen Kampf hineintragen zu wollen, welcher sich gegen den eigenen Bestand richtet. Deshalb werden auch die Zentrumswähler, welche Mitglieder von Är; a - meinen find, alles aufbieten, um einen Ka pf, wie er
göbaiTer Powys Place erreichte, suchte, er die Tante auf und teilte ihr seine Erlebnisse mit.
„Die alte Martha? ja, die war während Deiner Kindheit in Catheron Royals, und was sagt« sie Dir?"
„Etwas, das Dein Blut erstarren ließe, eine schauderhafte Prophezeihung. Oder hast Du schon davon gehört?"
Lächelnd wiederholte er den Vers. Lady Helma lauscht« schweigend.
„Nun, ist Dir das bekannt?"
„Ja, ich hörte und las es oft Die Prophe- zeihung steht in einem alten Codex der Bibliothek in Catheron Royals, Du magst Dich selbst davon überzeugen. "
„Aber Du glaubst doch nicht daran?"
„Ich weiß nicht, was ich denken soll! Es gibt mehr Dinge unter dem Himmel, als unser« Schul- ioeisheit sich träumen läßt. Die Prophezeihung wurde t>ot dreihundert Jahren gegeben, der erst« Test hat sich erfüllt."
„Zufall, weiter nichts."
„Mag fein; wenn sich aber der Schluß erfüllt, wird das auch wieder Zufall sein?"
„Um Hinnnelswillen, Tante, toaS redest Du da?"
„Ich will Dich nicht erschrecken, ich hab« DirS ja auch nicht gesagt, da Du nun aber davon gehört, gestehe ich, daß —"
„Daß Du an die Erfüllung glaubst und diese Erfüllung schließt Edith'S Tob am TrauungStag« in sich."
„Ich Weiß es nicht, jedenfalls wirb eS am Platze fein, mit ihr davon zu reden."
„Warum?"
„Damit sie der Gefahr, wenn eine solche vorliegt, auS dem Wege gchen könne. Tue, was Dn
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33. Jahrgang.
Fulda, Mittwoch den 19. Dezember 1906.
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