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Zuldaer W Zeitung
BUHkrttMiage: „gulöa« Seschichtrblätter"
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Fulda, Dienstag den 18. Dezember 1906.
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wirb. Such auS Lothringen werden seit einige» Jahren Karpfen auf den Berliner Markt ge- »rächt. Ann und Reich hat also vollauf Ge- egenheit, sich das schmackhafte Gericht für die Festtage zu sichern.
Noch ein anderes „Handwerk" hat in Berlin vor Weihnachten „Hochsaison". Es ist die Zunft der Ladendiebe. deren Geschäft im ganzen Jahre nicht so flott geht wie an den Tagen vor Weihnachten. Die Warenhäuser sind ihre Haupt- bomainen und in den Abendstunden blüht ihr Weizen. Sie haben es nicht nur auf die Waren abgesehen, ihre langen Finger spielen auch in remden Taschen. Ein echter Spitzbube feiert eben die Feste, wie sie fallen. Zu den gewerbsmäßigen Dieben, von denen der größte Teil feminini genetis ist, gesellt sich noch eine ganze Schar von Geiegenheitsdieben, die nicht selten in Kreisen zu suchen sind, in denen man sie am wenigsten vermutet. Selbstverständllch gehen die mit Vorsicht und Raffiniertheit zu Werke, ue nur zu oft auch das wachsame und geschärfte Auge der Poltzei und deS Aus sichtsperfoualS räufcht. Das ist auch ein Stück „Berlin vor Weihnachten".
benutzen. Dieselbe erscheint täglich in einer Auflage von über 6000 Exemplare« und ist die gelesenste Tageszeitung in der Stadt Fulda und den umliegenden Kreisen.
.. Berlin vor Weihnachten.
„Weiße Weihnachten, grüne Ostern", heißt ein altes Sprichivort. In den letzten Jahren hat eS aber feinem Inhalt wenig Ehre gemacht. Gewöhnlich konnte man die beiden Feste mit- einander vertauschen: „Grüne Weihnachten, weiße Ostern". Diesmal scheint sich aber Weihe nachten wieder im altgewohnten weißen Kleidpräsentieren zu wollen. Wenigstens hat sich der Winter jetzt schon in ziemlicher Strenge eingestellt. Für den Berliner ist dar winterliche Kleid, das sich vor Weihnachten noch auf die Reichshauptstadt und ihre Umgebung auSqe- brestet hat, seit vielen Jahren ein seltener Anblick, während man dies in früheren Jahrzehnten für selbstverständlich angesehen hat. Tatsache ist, daß der Berliner seit 1890 keine „weißen Weihnachten" mehr gesehen hat; diese Erscheinung hat aber auch für die ganze Zei vor Weihnachten Geltung. Zwanzig Jahre sind er sogar schon her, daß unmittelbar vor Weihnachten sich schon ein starker Schneefall in ganz Mitteldeutschland einstellte. Die strenge Kälte und die überreichen Schneefälle der siebziger und achtziger Jahre kommen unS dagegen heute legendenhaft vor. Bringt unS nun dieses Jahr echt winterliche Weihnachten? Fast hat es den
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• Dir nächste Sonnenfinsternis. Am 14-, Januar 1907findet eine totale Sonnenfinsternis statt, zu deren Studium eine wisienschaftliche Kommission, bestehend aus deutschen, russischen und französischen Gelehrten .bereits Ende nächster Woche nach Samarkand als dem dazu geeigneten Punkte ^"^^Englijcher Sport. Red: „Verlor der Kapitän während des Fuhball-Wettipiels auch den Kopf?" — Green: Rein, nnr ein Ohr i"
liegt ba tiefsteSchaden unserer Kolonien. ES handelt sich auch hier um Deutschland» Ehre, aber diese Dinge treiben einem Deutschen die Schamröte in» Gesicht. Es ist notwendig, daß die öffenlliche Meinung Deutschlands auf- gerufen werde, daß sie dieses Treiben verurteilt, auch in Deutschland selber, denn eS steht auch in Deutschland traurig. Soll denn das deutsche Volk u Grunde gehen, wie das römische Kaiserreich an seiner Unsitllichkeit zu Grunde gegangen ist?"
Nun hat Herr Paffarge gesagt, die Missionare ollen ih« Anklagen auch nach oben richten, lber weiß er denn, waS die Missionare in der Stille tun, und wie sie sich auch schon höheren Beamten gegenüber ausgesprochen haben, und wa» noch höheren Orts deponiert ist? „Aber mit Namennennuug einen Mann öffentlich bloßstellen, will ich nicht, das verbietet mir mein christliches Sewiffen. Man soll das Böse an- derer nicht an die Oeffentlichkeit ziehen, wenn man nicht muß."
Ganz richtig! Wenn aber alle Bemühungen um Besserung der skandalösen Zustände scheitern, und die Zu- sicherungen der Kolonialverwaltung auf de« Papiere stehen bleiben, bann bleibt al» letzte Instanz der Reichstag und die öffentliche Meinung.
Der Herr Kolonialdirektor hat schöne Worte gesprochen über die Bedeutung der Missionen für Kultur und Vaterland. Wir erwarten dem- entsprechende Taten. Die Mission verdient Schutz und Förderung und wird sich dankbar erwersen. Bisher wurde sie auch in Beamtenkreisen viel verkannt. Auf dem Kolonialkongreß {tagte Pastor Julium Richter (Schwanebeck): „E» tut bitter weh, als Feind des Vaterlandes verschrien zu werden, während man Gut und Blut daran setzt, um dem Vaterlande in aller Stille zu dienen, auf einem Gebiete, wo spätere Geschlechter den Kulturwert der geleisteten Arbeit werden zu schätzen wissen."
Es ist
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’ lnschein, doch kann in den acht Tagen, die uns noch von betn Feste trennen, noch vieles zu Wasser werden.
Mit schöne« Frostwetter rechnet auch die Geschäftswelt, für welche die jetzige Zeit >te beste Saison ist. Al- in der letzten Woche nach dem unerfreulichen regnerischen Wetter ein toter Wintertag sich einmischte, war die Kaufust sofort gestiegen, und die Vorortzüge führten aufende willkommener Gäste den Geschäfts- vierteln zu. Andererseits sind aber viele Ge- schäslsinhaber mit der Polizei unzufrieden. In früheren Jahren wurde hinter den großen Spiegelscheiben die moderne Technik im Dienste de» Kinderspielzeuge» vor Augen geführt. Eisenbahnzüge durcheilten Tunnels und stürmten über gefährliche Viadukte, Dampfmaschinen und Hammerwerke waren in Betrieb. Auf der anderen Seite tanzten zierliche Puppen zur Freude von jung und alt. Diese» Jahr hat die Polizei diesen „Schaustellern" da» Geschäft verdorben. Sie äußerte ben Wunsch, von solchen Schau- sensterdekorationen Abstand zu nehmen, da die davor sich ansammelnden Menschenmengen ein Verkehrshindernis bilden.
Dafür haben sich aber die fliegenden Straßenhändler mit ihren „lebenden" Spiel- waren pünktlich eingestellt. An allen Straßenecken und Plätzen ' bieten sie ihre Zehnpsennig- artikel mit allen möglichen Demonstrationen an. Am Potsdamerplatz steht ein Knirps, welcher für feine „laufende" Maus folgenden Reim zum heften gibt: Rur ’n Groschen kost't bet fteene Aas, dafür macht es sehr viel Spaß. Loosen kann bet fteene Luder besser als mein äll'ster Bruder". Dafür findet er aber auch viele bant- bare Abnehmer. Das beste Zugstück muß aber der „Hauptmann von Köpenick" abgeben. So gebt es durch die ganze Reihe der fliegenden Händler, welche jetzt überall zu treffen sind. Die wenigsten der zahlreichen Passanten denken aber daran, daß hinter den kleinen Straßenhändlern ein sehr großes Stück Großstadtelend sich verborgen hält.
Eine Abart de» Weihnachtsgeschäfte» ist bet Ehristbaumhandel, welcher mit jedem Jahre an Umfang zuzunehmen scheint. Aus dem Harz und dem nördlichen Bayern wurden schon vor vier Wochen viele Waggontodungen der Reichs- Hauptstadt zugesührt. Vor dem Bahnhof in der Görschenstraße ist der Hauptmarkt. Seit anfangs dieser Woche ist das Geschäft aber auf alle Stadtteile und Vororte verteilt. Namentlich in den letzteren ist der Christbaumhandel jetzt sehr groß. In allen Wirtschaftsgärten und auf den Bürgersteigen hat sich eine Unmasse solcher Händler niedergelassen, wenngleich auch ihr Geschäft erst in den allerletzten Tagen zur Blüte kommt.
Eine gute Zeit hat jetzt auch die Berliner Fischer-Innung. Sie liefert den fo viel be- gehrten WeihnachtSkarpfen. Die Zufuhr hat schon vor einigen Tagen begonnen und draußen an der Straße Reu-Kölln am Wasser, wo die Fischer ihre Fischkästen und Kähne auf der Spree liegen haben, sind die Vorräte aufbewahrt. Täg- lich treffen noch große Mengen deS schmackhaften Fisches ein. Der Weihnachtskarpfen kommt vor- zugsweise au» Böhmen, Galizien, Schlesien und au« der Lausitz, wo die Karpfenzucht von alters her in Teichen in großem Maßstab betrieben
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die
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V Uolonial'veschwerden
will Herr Dernburg von privater Seite nicht mehr vorgebrachl haben, wer da» tut, etabliert eine „Rebenregierung". Es wirb nun geflissentlich in der Regierung und zentrumsfeindlichen Presse die Sache so bargestellt, al» ob bloß von ben katholischen Missionen Beschwerden er» hoben worden seien, ba» ist aber durchaus mchi der Fall. Mit dieser Entrüstung haben im vorigen Jahre auf dem letzten Kolonial-Kongrefle gerade evangelische Missionäre aus bas wüste Treiben vieler Europäer in ben Kolonien aufmerksam gemacht und Abhilfe verlangt. Al» in der ersten Plenar-Versammlung der Wunsch anSge- sprachen wurde, strebsame junge Leute auszumun- tern, sich den Kolonien zu widmen, erhob sich der evangelische Missions-Inspektor Dr. Oehler und erklärte mit großer Entschiedenheit, daß man mit gutem Gewissen keinem anständigen jungen Manne raten könne, in bieKolonien zu gehen, solange bort bie sittlichen Zustände so seien, wie sie tatsächlich sind. — Profesior Mein - h o f (Berlin) wie» daraus hin, wie sehr der Unterschieb zwischen ben Lehren der Missionäre und dem Leben vieler Deutschen bie Arbest der Missionäre störe. — Missionär Spieth aus Tübingen, welcher viele Jahre in Togo zubrachte, erzählte, daß eine heidnische Frau im Hinblick auf das Leben mancher Europäer erklärte, „daß sie Missionäre deS Teufels seien". — Pro- fessor Passarge (Breslau) sagte: „Sehr er- sreulich fei es, daß die Mission auf ein sittlicheres Leben der Weißen in den tropischen Kolonien hinarbeite, aber bann solle sie auch rücksichtslos ben Lebenswandel der Weißen ohne Rangunterschiebe kontrollieren. Wäre das ber Fall, so wäre es unmöglich, daß der erste Beamte einer Kolonie, nämlich Kamerun, sich so benehmen könnte, wie er e- getan habe. Hätte die Mission wie in anderen, gar nicht so seltenen Fällen über andere Beamte, an maßgebender Stelle auch über den Gouverneur jener Kolonie B.ichwerde geführt, so wäre es unmöglich, daß ßujer Beamte immer noch ungestraft im Amte fei. Ans diesen Vorwurf hin erneuerte Missions- Inspektor Oehler nochmals seine schwere Anklage und führte aus: „Es ist mir lieb, daß mir die Kritik des Herrn Paffarge an unseren Missionären Anlaß gibt, das Wort zu ergreifen und auf meine gestrigen Aeußerungen im Plenum zurückzukommen. Es ist mir gesagt worden, daß sie verstimmt haben und daß ich in einer andern Sektion angegriffen worden sei. Das wundert mid nicht. ... ich bleibe bei beut, was ich gesagt habe. Wenn man mich angteift, so bin ich bereit, Material vorznlegen, und ich denke, mein Mitarbeiter von anderen Missionen sind aud dazu bereit. Man hat gestern gesagt, daß man die Jugend für die Kolonien interessieren solle. Darum wies ich batauf hin, daß man sittlich tüchtige junge Leute nicht dazu ermuntern kann, solange die sittlichen Zustände find, wie sie sind. Es sind schon junge Leute zu den Missionären gekommen und haben Zuflucht gesucht, weil es einfac i nicht mehr auszuhalten war in der uu- fittlidfen Umgebung. Es kommen Dinge vor, beten sich ein Sieger schämen würde, und hter
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