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33. Jalrraang.
Fulda, Samstag den 15. Dezember 1906,
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Gastes Wlcrtt.
noch unbekannt. Zur Beleuchtung diente das
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zusammentrrten können.
r. Für die Neuwahlen zum Reichstag ist der Termin noch nicht -festgesetzt. Da fie nach der Verfassung innerhalb eine? Zeitraumes von 60 Tagen nach der Auflösung erfolgen müffen, ist der Kombination bis jetzt noch der weiteste Spielraum gegeben. Der letzte Termin für die Neuwahlen wäre der 11. Februar. Deshalb wurde von einigen Blättern behauptet, daß man als Wahltag den 6. Februar in- Auge gefaßt habe. Aber auch dieser Termin wird als fatsch bezeichnet, weil die Regierung bis zum Wahl- termin nicht mehr Zeit verstreichen zu lasten gedenke, als für die Vorbereitung erfahrungsgemäß notwendig sei. Nach dieser Meldung würden die Neuwahlen noch im Januar vor sich gehen, und zwar in den letzten Januartagen. In diesem Falle müßte die Ausschreibung des Wahltermins im Dezember erfolgen, damit die vierwöchentliche Auflegungsfnst der Wahllisten innegehasten werden könnte. Für den Zusammentritt deS neuen Reichstages rechnet man jetzt schon mit dem 20. Februar, weil vor Ostern noch ein Etatsnotgesetz
Airche und Schule.
* Würzburg, 14. Dez. 1900. Der älteste Priester der Diözese der Weihe nach, der zweitälteste dem Lebensalter nach, H. H- emeritierter Dechantpfarrer AloiS Weigand ist am Dienstag nachmittag nach langem Leiden tm Alter von 86 Jahren verstorben. Derselbe war geboren am 20. Oktober 1820 zu Königshofen r.Grbf. und wurde am 24. August 1844 zum Priester geweiht.
Sozialdemokratie plaidirt
,Post'. Sie richtet ihren Appell an alle Gruppen, „die diesmal unter gemeinsamer nationaler Flagge techten von der äußersten Rechten bi8 zur Deutschen Volkspartei". Sie schließt mit der Aus- forderung zur Bildung eines „Wahlblocks zur Verteidigung der Ehre und de» Ansehen» de« deutschen Reiche- gegen Sozialdemokratie und Zentrum". Da- ist ein Zeichen mehr, daß bie»- mal der Wahlkamps mit aller Schärfe und Erbitterung durchgeführt werden wird.
im besonderen.
* Gegen den ungarischen Abgeordneten Udvary, der sich al- Direktor einer Sparkasse verschiedener unerlaubter Handlungen schuldig gemacht haben soll, ist Anklage wegen Betrüge» erhoben worden. Zwei andere Per- sonen, der Banksekretär Horvath und eia Student I namens Szevera sind, al» der Mitschuld verdächtig, verhaftet worden.
* Bom Kulturkampf in Frankreich. Wie der ,Agenee Stesani' au» Pari- telegraphiert wird, ist dorthin au» Rom gemeldet wvrden. daß der heilige Stuhl an alle Mächte eine Note richten wird, in der er gegen da- eigenmächtig« Eindringen in da- Archiv der früheren päpstlichen Nuntiatur, besten Hut dem Mgr. Mon- tagnint oblag, von selten der französischen Regie- i rung Einspruch erhebt und gleichzeitig jede Verantwortung bezüglich solcher, in dem Archiv | niedergelegten Schriftstücke ablehnt, welche fremde l Mächte betreffen.
* Zum englischen Schulgesetz hat daS Unterhaus am Mittwoch die Resolution der Regierung, nach welcher die vom Oberhause an der UnterrichtSoorlage vorgenommrnen Abänderungen en bloc abgelehnt werden, mit 416 gegen 107 Stimmen angenommen. Diese außerordentlich große ministerielle Mehrheit wurde mit langanhaltendem Beifall begrüßt. Die Vorlage geht nunmehr mit allen abgelehnten Abänderungs- anträgen an da» Oberhaus zurück.
* Das amerikanische Bundesgericht verurteilte wegen Eisenbahn-Frachthinterziehungen die Amrrikan-Sugar-Rafining-Company zu 80,000 und die Brooklyner Böttcherei - Gesellschaft zu 70,600 Dollars Geldstrafe.
hieß „Gulicht" (gutes Licht). Viele Landleute brannten noch Spane aus Buchenholz, die an ein besonders hierfür bestimmtes Gestell (einige Eremplare sind im städtischen Museum noch erhalten) gesteckt waren und gewöhnlich von einem Kind durch Abstoßen der Kohle rc. im Brand erhalten und reguliert wurden. Kolonialwaren und Jndustrieprodukte waren früher besonders durch dir Fracht und Zollverhälmiffe wesentlich teurer wie heute. Das Pfund Kaffee kostete in den 50er und 60er Jahren noch je nach Qualität 70 Pfg. bis 1,50 Mk., das Pfund Zucker 60 bi» 70 Pfg. Gewürze waren sehr teuer. Leinen und baumwollene Waren kosteten da»
*) Im Jahre 1847 ging der Eilwagen vo» - ■ • i g Uhr abend» und kam in Fuld«
wirtschaftlichen, gewerblichen und Vertehrsverhaltnisie in Hulda seit de« §egi«« des srrßsffrnr« Z-hrhMrris.
(6. Fortsetzung.)
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„ZvnstrlerteSoimtagrzeltung"
taiuiMt d« nie xtitiieeit viertel- fttzr» »<,N-»peei» ohne vrw-erlotzU veMeI-e>»i«gUlb«Nnd emroärts 1 IM 50 pfß.
am 9. Dezember tm Lazarett Keetmanthoop an I frequentint warennoch der .halbe Mond", bat BauchfelleMzündmig nach Typhus. Rädchen, der Engel, der Adler, das Roß und der
_ u , ,,, . . . m, (A.x .pase. Besonders lebhaft war auch der Verkehr
(Wett«, politisch. Rachrichte« im vierten Blatte.) I £.! war manch-
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verabschiedet werden soll. Von verschiedenen! Fraktionen ist die Vorbereitung der Wahlagitation »ereits eiageleitet worden. Was die Diäiensrag« betrifft, so erhielten die Abgeordneten infolge der Auflösung für jeden Sitzungstag im Dezemder I 20 Mk. «nwesenheitsgelder. Da zehn Sitzungen abgehalte« wurde«, treffen auf jede« Abgeord- neten 200 Mk. Wenn die Auflösung nicht er- olgt wäre, hätten sie 300 Mk. erhalten.
• Die Zentrumsfraktion des Reichstags wählte am Donnerstag abend eine Kommission ür die Ferttgstellung de» Wahlaufruf». Sie be- teht au» den Herren Spahn, Herold, Fritzen, Bachem, Schädler, Gröber, Fehrenbach, Porsch und Vonderscheer. Die Kommission tagte am Freitag vor- und nachmittag».
Zentrum und reikoniervative
Post das klebrige besorgte.
Die Zahl der Postbeamten aller Rangstufen beträgt heute in Fulda 90—100. Die Zahl der Eisenbahnbeamten fast 200. Die Eisenbahn- Werkstätte beschäftigt 450 Arbeiter. .
Die Bautätigkeit ruhte zu jener Zeit in Fulda fast ganz. Es ivar ein Ereignis, weint ein neues Haus gebaut wurde. Dementspre< . r «... ,cbend waren die finanziellen Verhältnisse der
Hätten zu damaliger Zeit viele Burger mdjt Paubandwerker. Zur damaligen Zeit hatte«
-------s. --- a— sehr «ringen Wert. tenS die angenehm»,
doppelte und dreifache wie heute, ebenso Wall- waren.
Läden mit großen Schaufenstern waren un* bekannt. Einige Häuser hatten unschöne Kasten' mit Glasfenstern anhängen, in welchen gewöhnlich einige Päckchen Tabak, Cichorie und Lichter ausgestellt waren oder es hingen Stränge Garn, Kopftücher u. bergt, an einer Stange vor deut Haus.
Einige größere Spezereigeschäfte, welch» besonders auch die kleinen Landkrämer in weitem Umkreis mit Waren versorgten, bestanden damals in Fulda. Die beschwerlichen Verkehrs verhältniste machten es den auswärtigen Engrosgeschäften unmöglich, so wie heute die kleine ften Orte aufzusuchen. Die Kundschaft wurde damals durch Handlungsreisende zu Pferd besucht.
Die Zahl dieser Handlungsreisenden und der kauftnännischen Angestellten war sehr gering, kaum ein Dutzend. Heute beträgt die Zahl der jungen Kaufleute in Fulda mehrere Hundert, Der geschäftliche Klein-Verkehr mit größeren Orten der Umgebung wie nach Hünfeld, Neuhofs Geisa, ja bis nach Fritzlar rc. wurde zum Teil ! durch Bötinen, welche die Wege in tagelangen । Märschen zu Fuß zurücklegten, vermittelt. Sollt» ! ein Brief schnell nach einem Ort gelangen, so i wurde er der Botin mitgegeben. Diese Briefe dursten nicht versiegelt fern, rote damals üblich, weshalb solche gewöhnlich zugenäht wurden. Brief- kouverts hatte man damals noch nicht.
Wie gering der Postverkehr war, geht ba* Iraus hervor, daß ein Briefträger die gesamte Brief- und Paketbestellung bequem erledigt» und ein Beamter der Thum- unb Taxis'schst
Dieses offene Zugeständnis erfolgt zwar nur, um für die geplante Erweiterung de» Kanals Stimmung zu machen, aber die Tatsache selbst wird dadurch nicht minder bedeutungsvoll. Frei- ich war es schon längst bekannt, daß trotz aller chöner Rechnungen, die von der Negierung auf- gemacht wurden, die Rentabilität des Nordostsee- Kanals vollständig ungenügend ist, und der Kanal überhaupt seinen Zweck völlig verfehlt jat. — lieber einen Teil der projektierten Neue-1 rungen schreibt die .Kölnische Zeitung':
„Die Erweiterung wird g a n) e Arbeit machen. Die Drehbrücken, die den strategischen Wert des Kanals sehr benachteiligen, sollen samt und sonder» verschwinden. An ihre Stelle treten hochgespannte feste Brücken. Im ganzen hat der Kanal jetzt zwei Hoch- und vier Drehbrücken, bei Holtenau, westlich und östlich von Rendsburg und bei Taterphal. Eine Bahnverbindung Kiel—Kanalmündung hat der Landtag genehmigt. Diese Anlage macht den Bau einer festen Brücke bei Holtenau notwendig, zumal der Verkehr zwischen Kiel und dem Gebiet nördlich vom Kanal stetig wächst. Es ist vorgekommen, daß eine Beschädigung die Drehbrücke aus Monate unbrauchbar gemacht und den Bahnvcrkehr sehr erschwert hat. Heber Drehbrücken gehen die wichtigsten Eisenbahnlinien unserer Provinz, bei Rendsburg die Hauptbahn Hamburg—Flensburg—Vamvrup, bei Saterpbal die Marschbahn (Hamburg—) Elmshorn—Husum—Haidding. Aus strategischen Gründen ist der Bau einer Bahn Holtenau—Brunsbüttel geplant Jetzt zieht der Kanal nur einen sehr bescheidenen Teil deS Schiffsverkehrs zwffchen der Nord- und Ostsee an sich."
Empfehlend wird hinzugefügt:
„Die Verbreiterung schafft eine Wasserstraße, die einen großen Aufschwung bringt, schweren Verlusten an Menschenleben und Schiffen vorbeugt und unsere Schlagfettigkeit zur See wesentlich erhöht.'-
So ähnlich las man es auch schon, als der Bau des Kanals überhaupt in Frage stand.
Töne angeschlagen werden. Ein Teil der Preffe I versucht ober fortdauernd, wieder Oel in» Feuer zu gieße«, und macht au» jeder Mücke einen Elefanten. Sa wurde eine Rede, die Mar- coni in Venedig hielt und in der angeblich auch Stellen enthalte« waren, die sich gegen Oesterreich richtete«, zu einer Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht, trotzdem Marconi — der übrigen» bie Aeußerung leugnet — keinerlei offizielle Stellung einnimmt 1 Sonderbarerweise beschäftigte
sich auch der Minister Baron Aehrenthal, der darüber interpelliert wurde, mit der Marconischen Rede, unb zwar auf Grund der Zeitung»-1 £”7. “ soäter dementiert leute spannen unv webten sich fast aue igrc Mia»
b P15. ' h.n ftoftia^iaer dunqsstücke selbst. Das gesponnene Garn brach.
Ed-n. Man rottb gut wn, künftig weniger I „Mange' zum Färben,
nervös zu fern. $*“*.“* rtn.u traaiieb Kaffee und Zucker waren vielfach noch LuruS- unverantwortlicher Personen n cht allzu,^ra-tsch n Lande. Petroleum war
mmmt.kann tue ansche.nmdeBesierung der gegen unbekannt. Zur Beleuchtung diente da, ,«ttge« Beziehungen eineaus Blech hergestellte „Oelelicht" ohne Zylinder, da» liegt tm Interesse de» kine ilnschlittkerze, die selbst hergestellt wurde
im allgemeinen, und dem der Dreibundstaaten „Gulickt" lautes Lickt). Viele Landleut»
Deutscher Reich.
Berlin, den 14. Dezember 1906.
Bon einem Telegramm deS Kaisers an jtu Grafen Ballestrrm war in den letzten Tagen in der Preffe verschiedentlich die Rede. In demselben sollte der Kaiser seinem Mißfallen über die Ablehnung der Kolonialforderungen feiten» der Budgetkommission lebhaften Ausdruck verl ehen haben. Offiziös ist diese Meldung al»- bald dementiert, in den Blättern aber daran fest- gehalten worden, daß die dem Grafen Balle« fitem zugegangene Depesche vom Kaiser herrühri und dessen Mißfallen au-gedrückt habe. Au» diesem Grunde nimmt die,Nordd. Allg. Ztg/ nochmals das Wott und erklärt, daß die dem Grasen Ballestrem zugegangene Depesche weder von Sr. Majestät herrührte, noch sich ihrem Inhalte nach auf die schwebende Politik bezog. Dagegen will die »Post' da- offiziöse Dementi dahin ergänzen können, daß da» Telegramm vom Kronprinzen ausgegangen wäre, der darin dem Reichstagspräsidenten den Wunsch auSsprach, gelegentlich einmal auch einer Sitzung der Budgetkommission des Reichstage- aÜ Zuhörer beiwohnen zu dürfen. Graf Ballestrem hat daran geantwortet, daß die Geschäftsordnung des Reichstages es ihm zu seinem Bedauern nicht ermögliche, dem Wunsche des Thronfolger- zu willfahren. DaS zweckmäßigste wäre e- ge« wesen, wenn der offiziöse Dement ierung-apparat von vornherein den wirklichen Sachverhalt festgestellt hätte.
* Ueber die Verbreiterung deS Kaiser» Wilhelm-Kanals sollte dem Reichstag noch in der nun vorzeitig abgeschlossenen Session eine Vorlage zugehen. Wie jetzt verlautet, soll ober die Summe, welche dafür gefordert wird, bedeutend höher sein, al- man ursprünglich annahm. Einer Blättermeldung zufolge handelt eS sich um 240 Millionen Mark.
♦ Die an den Bau deS Nordostsee »Kanals geknüpften Erwartungen Haden sich in keiner Wette gered)t|ertigt Im Gegenteil find alle Besürch- tungen. die seinerzeit gegen den Bau geltend gemacht worden sind, eingetroffen. DaS muß jetzt selbst die ,Köln. Ztg/ zugeben. Sie schreibt, daß trotz aller Verbeff.rungen, welche die Verwaltung an dem Kanal vorgenommen habe, dieser weder seine Aufgabe in strategischer noch in kommerzieller Beziehung erfüllt habe.
Es gittgen immer mehr Schiffe um Stagen, well ihnen der Kanalweg zu eng und zu gefährlich erschien. Es ist Regel, daß Schiffe lange m den Ausweichen warten müffen, wenn Schleppzüge euer große Seedampfer den Kanal durchfahren. Für den Personenverkehr ist bet Kanal saft wertlos; nur zwischen Holtenau und Rendsburg benutzen ihn einige Reisende. Auf dieser Strecke ist aber keine Aus- wärisbewegung bemerkbar, vielmehr eine Betrieb»- Verminderung auf der regelmäßigen Linie eingetreten. Als Touristenstraße kommt der Kanal kaum in Be- tracht, obwohl seine Ufer manche landschaftliche Schönheiten aufweifen.
*» Zur Auflösung deS Reichstages. Die staatsrechtlichen Voraussetzungen und Wirkungen der Reichslagsauflösung sind in den Artikeln 24 und 25 bet Reichsverfassung zu finden. Nach Artikel 24 ist zur Auflösung em Beschluß des Bundesrats erforderlich, dem der Kaiser seine Zustimmung geben muß. Die Auflösung ist also nicht etwa wie die Vertagung oder Schließung des Reichstags ein Recht des Kaisers, sondern ist den verbündeten Regie- rungen vorbehalten, gegen deren Willen sie nicht vorgenommen werden kann. Die Neuwahlen gelten nicht nur für den Rest der unterbrochenen Legislaturperiode, in diesem Falle also bis zum 3. Dez. 1008, sondern sie leiten eine ganz neue Legislaturperiode von 5 Jahren ein. Eine weitere Folge der Auflösung ist, daß auf Grund deS Prinzips der Diskontinuität alle Reichstagsge- schäfte, die nicht zum Abschluß gekommen sind, unb wenn sie schon vor der Schlußabsümmung standen, von dem neuen Reichstag nicht fortge« setzt werden dürfen, sondern von vorne wieder angefangen werden müffen. Es sind deshalb alle Gesetze, alle Vorlagen neu einzubringen, alle Kommissions- und Plenarsitzungen von vorne zu beginnen. Dieser Gedanke greift sogar bei einer Schließung des Reichstags Platz, da die neue Sitzung nicht als eine Fortsetzung der vorhergehenden betraget wird. Der neue Reichstag wird also fast bie ganze vollbesetzte Tafel des eben verflogenen vorsinden und damit keinen Anlaß haben, über Beschäftigungslosigkeit zu klagen. — Der Minister des Innern hat angeordnet, daß mit der Aufftellung der Wählerlisten für die bevorstehenden Reichstagswahlen sofort zu beginnen ist. Die öffentliche Auslegung der Wählerlisten hat nach der Anweisung des Herrn Ministers spätestens Ende dieses Monates zu erfolgen. Da die Wähler- listen 4 Wochen ausliegen müffen, kann der Wahltermin frühestens Ende Januar sein; festgesetzt ist er noch nicht. Jedenfalls aber würde bet neue Reichstag Mitte Februar
Jetzt sollen wieder mehr als 200 Millionen ! Mark für den Umbau aufgewendet werden. I Kein Wunder, daß die Regierung jetzt abermals die schönsten Zukunftsbilder. an die Wand malt! Aber ob sie sich auch nur zu einem bescheidenen Teil erfüllen werden, das ist nach den bisherigen Erfahrungen mehr als zweifelhaft.
* Verluste in Südwestafrika. Ein Tele- gramm aus Windhuk meldet: An Krankheiten sind gestorben: Reiter Mar Dittrich, geboren am 29. 5. 89 zu Berent, früher im In- fanterieregiment Nr. 59, am 9. Dezember in der Krankensammelstelle Uhabis an Typhus. Reiter Katt Selig, geboten am 9. 11. 81 zu Thal- Heim, früher int Landwehrbezirk Annaberg, am 11. Dezember im Lazarett Keetmanshoop an Milzabszeß. Reiter Heinrich Wend Hans, geboren am 20. 5. 84 zu Eixleben, früher im Dragonerregiment Nr. 12, am 12. Dezember in Warmbackies an Nierenentzündung. Retter Karl Brennecke, geboren am 24. 3. 84 zu Braunschweig, früher im Infanterieregiment Nr. 92,
nebenher etwas Feldbau und Viehzucht bctrie-1 Wohnhäuser einen sehr geringen Wert, ben, würden sie mit ihrem Gewerbe kaum ihr hatte dies wenigstens die angenehm», Auskommen gefunden haben. So trieb denn gcIge/ haß fast jeder Bürger sein eigene», wen«
auch in jenen Tagen der städtische Kuhhirt und I kleines Haus besah. Mietwohnungen
Schweinehirt die Tiere der Bürger hinaus aus I wenig gesucht. Die wenigen Bearnteck
die Weide. Die Schweine durch die Florengasse unb Offiziere sanden leicht Unterkommen und
nach dem sogen. Schindanger und dreKuhe durch mc^cn ihrem bescheidenen Einkommen amtz die Löhersgaffe, Kuhgafle nach der Weide neben ^scheidens Ansprüche an ihre Hauswrrt«. der Bleiche. . Eine Wohnung, in welcher früher ein Gen«
Ein Glück war es für Fulda, datz eS an der raI entspricht heute kaum den Anfov- Landstraße lag. Nicht nur Potentaten kamen I s)erungen eine3 kleinen Beamten.
durch und stiegen in der „Post bei Posthalter Industrie war kaum vorhanden. Jrtmgi Oswald oder im Hotel zum Kurfürsten ab, smr- Leinenwarenhändler betrieben einen da« dern auch viele andere Reisende, von denen bte mctiae Verhältnisse schwunghaften Handel, be* Kaufleute meistens im „Stern" (Karlstratze), -----------
in der „Sonne". am Friedrichsmarkt oder in! *) Jahre 1847 ging der Eilwagen vm» der „Krone" wohnten. Gastwirtschaften mit Frankfurt ab um 9 Uhr abenb» unb kam m Fuld« großem Gelaß für Fuhrleute waren der an um 6 Uhr morgens, die Drlrgenee ging um । Hirsch" in der Löhersgaffe und das Gasthaus 1 Ubr 55 nachts von Fulda ab unb tarn um 1 Uhr I Sum „goldenen Löwen" am Buttermarkt. Viel 40 Minuten mittags tn Frankfurt an.
Aurland. ^Dcn°Gütnverkehr hat heute die Bahn übe«.
e <y.u eutUfcwnw* nrfterrei(68 x« Italien nommen und in riesigen Güterzügen rollen die scheine« fich i« beraten Zeit freundlicher zu Waggons an Fulda vorüber. Während früh« mie »milden W i e« und einige „Eilwagen" den geringen Personenver- unb 4 Ä-h. 'V Mich 50 P.»
M«, onoeicklaaen werden. Ein Teil bet Preffe | fonenxüge Don $uIba ab.
Auch bte Kramer der damaligen Zeit hatte« meistens geringen Umsatz. Ein Anzug mußte sehr lange halten unb der Kopu ierrock wurde Jahrzehnte getragen. Bei Begräbniffen und Kirckgängen deckle ein großer, blauer Mantel gewöhnlich alle Defekte zu. Frauen und Mädchen betrachteten ein baumwollenes Kleid all Festgewand und legten ein solches nach dem Kirchgang wieder ab. Mrgersfrauen trugen einen glatten Kattunmantel, den jogen. Bürgersmantel, und als Kopfbedeckung das „Ko- modchen" mit schwarzen Bändern. Die Landleute spannen und webten sich fast alle ihre Klei-