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33, Jalrrüaag.

Fulda, Samstaq den 15. Dezember 1306.

M 288.

(Nachdruck verboten.)

„Sie wird mich lieben, sie hat c-3 mir ver­sprochen, und Edith hält Wort."

„Also hat sie Dir gestanden, daß sie Dich jetzt nicht liebt? Vergib mir, Victor, aber Dein Glück liegt mir am Herzen."

„Sie gestand es mit edlem Freimuts. Liebe, wie ich sie fühle, erzwingt Gegenliebe."

„Nicht immer, Victor, wie glücklich wäre ich sonst gewesen. Liebt sie keinen andern?"

„Nein," entgegnete er, im tiefsten Herzen aber regte sich die Eifersucht auf Rudolf Stuart.

„Wenn Miß Darrell ist, wie Du sie beschreibst," fuhr Inez fort, „wird kein Verlust von Titel und Erbe sie Dir untreu machen. Uebrigens verlierst Du Beides nicht und brauchst ihr nicht einmal da­von zu sagen."

„Ich will vor meiner Verlobten keine Geheim- nisse haben. Edith muß alles wissen, bei ihr wird das Geheimnis so sicher sein, als bei mir."

„Gut", sprach Inez ruhig. „Du weißt, was geschieht, wenn zufällig entdeckt wird, daß Frau Black und Inez Catheron ein und dieselbe Person find. Doch tue, wie Du willst. Dein Vater ist Dir und der Welt tot, als läge er in der Gruft neben Deiner Mutter."

„Meine ermordete, ungerächte Mutter I Sie sind edel und mutig, Kusine, tvar es recht, Ihrem Bruder zur Flucht zu verhelfen? recht, den Mör­der unbestraft zu lassen, auf daß Name und Ehre der Catheron's unbefleckt bleibe?"

Was malte sich in ihren Zügen? unendliches Mitleid, unendliches Weh.

„Mein Bruder!" flüsterte sie, wie zu sich selbst, „der arme Juan war von jeher der Sündenbock der Familie. Ja, Victor, es war ein grausamer Mord," fuhr sie nach einer kurzen Pause mit er­hobener Stimme fort, „und doch glaube ich, daß wir recht taten, den Mörder zu schützen. Laß' das in der Hand des Allmächtigen."

„Ich werde mit Ihnen nach London zuriick- fehren und meinen Vater besuchen."

„Nein, das ist unmöglich. Es ist Deines Vaters eigener Wunsch, daß Du nicht zu ihn» kommst."

„Meines Vaters Wunsch? aber--"

„Er kann keinen solchen aussprechen, willst Du sagen? In den letzten Jahren hat er lichte Perio­den zu eigener Qual."

„Glauben Sie also, es sei beessr für ihn, irre zu sein?"

„Viel, viel besser, er denkt und leidet dann nicht, Erinnerung ist ihm Oual. Mit dem Ge­dächtnis kehrt stets die Angst und Verzweiflung jener entsetzlichen Zeit zurück. Hättest Du ihn ge­sehen, wie ich, Du würdest mit mir wünschen, daß seni Verstand ewig umnachtet bleibe."

„Das ist schrecklich."

„Wenn er bei sich ist, spricht er von Dir und bei solcher Gelegenheit befahl er, daß Du ihn nicht besuchen sollst bis —"

Sie schwieg.

„Bis?"

„Bis er auf dem Todesbette liege. Der Tag kömmt bald, Victor. Die kurzen Vernunftzwischen- räume verkürzen fein Leben .denn ich kann Dir nicht sagen, was er in denselben leidet. Auf dem Todesbette sollst Du ihn sehen und die Geschichte von Deiner Mutter Mord erfahren. Ich felbst kehre mit dem Mittagszug zurück, vorher aber möchte ich Deine Braut sehen. Ich bleibe hier am Fenster, gedeckt vom Vorhang, kannst Du sie nicht unter irgend einem Vorwand hierherführen, auf daß ich sie sehe und selbst urteile?"

„Ich Will e3 versuchen. Darf ich ihr sagen, daß mein Vater lebt, mehr braucht sie nicht zu wissen."

„Meinetwegen; wenn ich sie gesehen habe, sollst Du Dich erst von mir verabschieden."

„Ich darf Sie zum Bahnhof begleiten, nicht wahr, Kusine Inez? Edith soll hier vorüberkom- men, loenn sie überhaupt fähig ist, das Haus zu verlassen. Sie erschien, Kopfschmerzen halber, nicht beim frühstück."

Voll Mitleid und Bewunderung lauschte der junge Mann ihren Worten. Nicht unglücklich! Gebrandmarkt, verbannt, alleinige Gesellschafte­rin eines Irren! kein Wunder, daß sie mit vierzig Jahren ergraut, daß jede Spur von aFrbe aus ihrem Gesicht geschwunden war. Vielleicht verriet fein Blick ihr seine Gedanken.

„Nein, Victor, ich bin nicht unglücklich," lächelte sie, „Dein Vater ging mir von jeher über die ganze Welt, und so ist es noch. Es ist nur noch die Ruine von dem Victor, den ich geliebt, und doch bin ich lieber bei ihm, als sonstwo. Und ich war nicht ganz verlassen. Tante Helena kam oft und brachte Dich. Mir ist's, als hätte ich Dich erst gestern auf meinen Armen eingeschläfert und jetzt >— jetzt sagte man mir, Du wolltest heiraten."

Er errötete.

. ,'Scfi wollte es, aber ich wußte nicht, daß mein Vater lebt, daß Titel und Erbe sein sind. Was wird Edith nun sagen?"

„Liebt Dich Miß Darrell?" fragte Inez ernst, »ob Du sie liebst, brauche ich kaum zu fragen."

„Ich liebe sie so sehr, daß, wenn ich sie verliere

' er wandte si chab, „o daß ich die Sachlage vom Anfänge gewußt hätte. Wer weiß, wie alles jetzt endet?"

„Glaubst Du, Du müßtest mit Titel und Erbe Luch Miß Darrell verlieren?"

„Das nicht; Edith ist edel und wahr, aber es lst, als hätte mau sie getäuscht, und Verlust von Titel und Erbe ist schließlich keinem Weibe gleich­gültig."

r „Einem liebenden Weibe wohl."

Sir Victor begab sich in den Salon, Edith war nicht dort.

„Sie geistert irgendwo im Regen umher," sagte Trixy," „wahrscheinlich sind nasse Füße ein Haupt- mittel gegen Kopfweh."

Er eilte hinaus und sah bald zwischen den Bäu- men Edith's rotes Kleid. Ohne Regenschirm wan­delte sie im Regen umher.

„Edith, Sie werden sich erkälten."

„Ich erkälte mich nie. Schon als Kind lief ich gern im Regen umher und die kühle Luft soll meinen Kopfschmerz lindern."

Er zog sie langsam in der Richtung des Fen­sters, wo die Beobachterin stand.

„Ich habe Ihnen etwas zu sagen, Edith, das ich eben erfuhr, das ich keine schlimme Kunde nen­nen darf und die mich doch beinahe niederschmet­terte. Mein Vater lebt."

„Sir Victor!"

„Lebt, Edith, ist aber hoffnungslos irrsinnig. .Heute erst sagte mir's die Tante.

Sie war stumm vor Staunen.

Sein Vater war am Leben. Wahnsinn in der Familie. Das mochte schwerlich jemand gute Kunde nennen.

Sie war unter dem Fenster.

Er blickte hinauf und bemerkte ein bleiches Antlitz.

„Wenn Ihr Vater lebt, sind Sie nicht Sir Victor," lauteten Edith's erste kaltgesprochene Worte.

Das jungen Mannes Herz krampfte sich zu­sammen.

„Er wird in meine Rechte nie eingreifen, tu Wirklichkeit lebend, ist er der Welt tot. Edith, würde es bei Ihnen einen Unterschied machen, wenn ich Rang und Besitz verlöre, würde ich dann auch Sie verlieren?"

Der flehende, liebevolle Blick hätte sie rühret» sollen, ihr aber war's, als hätte sie einen Stein im Busen.

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iin iulchlbms Geheimnis.

Dem amerikanischen Originale der Mrs. May AgneS Fleming nacherzählt von Lina Freifrau von Berlepsch.

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Drittes Httatt.

[:] Vie französische Regierung auf dem Rrlegspsade.

Ein Füllhorn von Kampfmatzregeln schüttet jetzt das Ministerium Clemenceau über die katho­lische Kirche aus. Der offiziöse Telegraph hat mit Kriegsberichten so viel zu tun, als ob ein neuer Gambetta eine wirkliche Mobilmachung anorbnete.

Bezeichnend für Clemenceau, der immer schon mit dem Gedanken des Schisma, der Absplitte­rung von Rom geliebäugelt hat, ist die erste Maß­regel, nämlich die rücksichtslose Verfolgung des Mkqr. Montagnitti, der nach Abbruch der

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förmlichen diplomatischen Beziehungen als halb- amtlicher Vertreter des hl. Stuhles in Paris weilte. Haussuchung, Ausweisungsdekret und sofortiger Schub an die Grenze, mehr kann man von einer „demokratischen" Regierung mit einem Male nicht gut verlangen.

Auf dem Gebiet der persönlichen Schikanen liegt auch die Drohung des Kriegsministers, 5500 Seminaristen zum Militärdienst heranzu­ziehen.

Dann hat der Ministerrat über folgende Punkte verhandelt:

1. Abschaffung der Pensionen und Unterstütz­ungen der Geistlichen unter gewissen Bedingun- gen;

2. Sofortige Liquidierung der Güter der öf­fentlichen Anstalten des katholischen Kultus;

3. Verfügung über dir Pfarreien, die bischöf­lichen Paläste und die Seminargebäude;

4. Die int Interesse der nationalen Sicherheit zu treffenden Anordnungen.

Das Ministerium scheint sich in diesen Hinsich­ten nicht auf die Anwendung der bestehenden Ge­setze beschränken, sondern neue Verfol­gungsgesetze beantragen zu wollen.

Neben diesem allem läuft noch die Verfügung des Kultusministers, daß die Geistlichen wegen Verletzung des Versammlungsgesetzes verfolgt werden sollen, wenn sie ohne vorherige Anmel­dung den Gottesdienst abhalten.

Diese letztere Verfügung ist eigentlich nicht Überraschend; sie war zu erwarten als Antwort auf die kirchliche Entscheidung, daß der katholische Gottesdienst nicht wie jede gewöhnliche Versamm­lung den polizeilichen Formalitäten unterworfen werden dürfe.

k Aber die a n d e r n Maßregeln — warum müs­sen die jetzt Hals über Kopf in hellem Zorn über das Land verhängt werden, wegen der bloßen An-

kündigung, daß die polizeiliche Anmeldung unter­lassen wird und was die Gerichte auf Grund des gemeinen Rechtes dazu sagen. Umsomehr war Ab­warten am Platze, als sich gewisse Abgeordnete ernstlich bemühten, ein Auskunftsmittel zu schaf­fen, indem einzelne Laien der Formalität der An­meldung genügen sollten. Clemenceau wollte nicht warten; er benutzte vielmehr die erste Gelegenheit, schon die bloße Ankündigung der Nichtanmeldung seitens der Pfarrer, um die allerletzte Brücke der Verständigung in die Luft zu sprengen und seinen Ausspruch: „Den Krieg sollen sie haben!" so schnell und so scharf als möglich wahrzumachen. Der Kultusminister Briand hat es persönlich mit seiner Politik des Hinziehens und der vorläufigen Mäßigung allem Anschein nach ernst gemeint; aber der kriegssüchtige Clemenceau war schlauer und stärker als er. Hinter den „milden" Kulissen, die er vorläufig Herrn Briand schieben ließ, hatte er schon den ganzen kriegerischen Apparat fertig gestellt, und die zu erwartende Ablehnung der poli­zeilichen Anmeldung des Gottesdienstes war ihm das erwünschte Signal zuni Szenenwechsel.

Nun sagt die kulturkämpferische Presse: „Rom" habe alles verschuldet; bei Erstattung der polizei­lichen Anmeldung wäre alles gut gegangen rc. Demgegenüber ist festzuhalten: Was Briand an­geboten hatte, war nichts weiter, als die Dor- läufigeDuldungdesGottesdienstes aushöchstenseinJahr. Eine Galgenfrist, die nach dem Belieben der Regierung auch vor Ablauf des Jahres jeden Augenblick beendet wer­den konnte. Eine Galgenfrist für die fernere Be­nutzung der Kirchengebäude allein, welche die Re­gierung und die Gesetzgebung nicht gehindert hätte, all' die Verfolgungsmaßregeln, die jetzt ge­plant werden, auch sofort schon in Gang zu setzen, sobald es ihr beliebte. Spätestens am Aus­gang des Jahres 1907 hätte die Sache doch zum Klappen kommen müssen, da alsdann alle Weiter- Freiheit der Kirche abhängig geworden wäre von der Bildung von Kultusgenossenschaften, die be­kanntlich grundsätzlich von dem heiligen Stuhle verworfen worden sind. Alle Anzeichen deuten da- rauf hin, daß der heilige Stuhl bei seiner jüngsten Entscheidung sich hat leiten lassen von der Erwä­gung: Beugt sich die Geistlichkeit unter das kan- dinische Joch' der polizeilichen Anmeldung, so wird man folgern, daß anerkanntermaßen der katholische Gottesdienst in die Klaffe der gewöhnlichen Ver­sammlungen gehöre, und wenn dann nach Ablauf des Jahres der offene Konflikt ausbricht, so wird die. Kirche weniger Widerstandsfähigkeit haben, als jetzt.

Es brechen s chw e r e Tage an, aber man darf hoffen, daß der unvermeidliche Läuterungsprozeß um so schneller zum guten Ende kommt, je offener und brutaler die Kirchenfeinde vorgehen. Wir machen noch besonders auf den Punkt 4 der oben erwähnten Liste der ministeriellen Kampfmaßre­geln aufmerksam. Mau will, allein Anscheine nach, den Bischöfen und vielleicht auch manchen Prie­stern das Staatsbürgerrecht absprechen wegen angeblicher Abhängigkeit vom „Auslande", d. h. vom hl. Stuhle. Also ein Expatriie­rungsgesetz, wie es bei uns zu Lande schon einmal Schiffbruch gelitten!

Römischer Wochenbrief.

v Rom, den 10. Dezember 1906.

Im geheimen Konsistorium vom letzten Don- nerstag verkündete der heilige Vater die (Er­nennungen oder Versetzuugen von 92 K i r- chenfürsten, von denen jedoch 68 bereits durch Breve erfolgt waren. Unter den unbesetzten Kir­chen befinden sich eine patriarchalische (Jerusalem), 10 erzbischöfliche, 45 bischöfliche, 9 titularerzbischöf-

liche und 27 titularbischöfliche. Unter den neuen Diözesanerzbischöfen, einschließlich des Patriar­chen, sind 4 Italiener sowie je ein Nordamerikaner, Brasilianer, Kanadese, Spanier, Bolivier, Fran­zose und Indier (Bombay), unter den Diözesan­bischöfen 15 Italiener, 11 Franzosen, 4 Groß- britannier, 4 Spanier, 3 Deutsche (Regensburg, Passau, Hildesheim), sowie je ein Ungar, Portu­giese, Mexikaner, Kanadese, Nordamerikaner und endlich 2 Schweizer (Basel, St. Gallen). Titular- erzbischöfe wurden 5 Italiener (darunter 3 päpst­liche Diplomaten), 2 Brasilianer, sowie je ein Großbritannier und Franzose; Titularbischofe 9 Italiener, 4 Franzosen, 3 Deutsche (die apostoli­schen Vikare von Sachsen, Dar-es-Salaam und Zentralzanzibar, 3 Oesterreicher (die Weihbischöfe von Spalato, Olmütz und Lemberg), 3 Ungarn sowie je ein Nordamerikaner, Spanier, Russe, Großbritannier und Brasilianer. Die Uebergabe des Kardinalshutes an den Erzbischof Samassa von Erlau fand in privater Form vor dem gehei­men Konsistorium statt. Derselbe erhielt den Kirchentitel des heiligen Markus.

Die deutsche Gesellschaft des göttli- chen Heilandes (Salvatorianer) beging vor­gestern ihr 25jähriges Jubiläum. Sie war am 8. Dezember 1881 im hiesigen Sterbezim­mer der schwedischen h. Brigitta, im Hause der Karmeliterinnen auf dem Farneseplatze vom P. Jordan gegründet worden, welcher an diesem Tage als erstes Mitglied den hochw. Priester Lüthen aus der Diözese Paderborn, vormals Redakteur des „Ambrosius" von Auer in Donauwörth, auf­nahm. Die Gesellschaft, welche auf eine außer­ordentlich solide Entwickelung zurückblicken kann, zählt heute über 400 Angehörige, von denen etwa 200 Priester sind. Sie unterhält 27 Kollegien, 7 Haupt- und 36 Nebenstationen in Europa, Ame­rika und Asien, darunter die ihr von Leo XIII. übertragene apostolische Praesektur von Assam in Indien. Höhere Studienanstalten bestehen in Rom und in Fribourg, niedere in Tivoli bei Rom, Lochau (Bregenz), Hamberg (Paffau), Meran und Hamont (Belgien). Die Jubiläumsfeier wurde durch dreitägige liturgische Funktionen in der er­wähnten Brigittakapelle eingeleitet. Pius X. spendete aus diesem Anlaß nicht nur der Gesell­schaft, sondern auch deren Förderern und Wohl­tätern den apostolischen Segen. Am Jubiläums- tage fand feierliches Hochamt, Gelübdeerneuerung und Tedeum statt und gestern ein Festaktus im festlich geschmückten Refektorium, welchem seitens der römischen Curie der Erzbischof Lazareschi bei­wohnte. Am 17. d. Mts. wird ein feierliches Requiem für die verstorbenen Mitglieder der Ge­sellschaft stattfinden. Erfreulich ist es, daß die Salvatorianer auch in Rom und Italien ihren deutschen Charakter bewahrt haben und gerade dadurch, sowie durch ihren Studienfleiß besonders von den Italienern geschätzt werden.

Anläßlich der Genueser «Streitigkeiten zwischen Rhedern und Schiffsbesatznngeri bringen die dor­tigen Blätter eine interessante Uebersicht über die Einnahmen der großen Dampfschiff­fahrtsgesellschaften. So führte der „Lombardia", welche von Genua nach Amerika gehen wollte, 1906 Einwanderer an Bord, von denen ein jeder 190 Franken gezahlt hatte, also eine Gesamtsumme von 208 240 Fr. Außerdem hatten 60 Passagiere 1. Klaffe (ä 850) 51 000 und 32 Passagiere 2. Klasse (ä. 650) 20 800 Franken gezahlt. Die Frachtgebühren beliefen sich auf 87 000 Franken. Dies alles ergab eine Einnahme von 367 040 Franken. Die Ausgaben der „Lom­bardia" während dieser Reise wurden folgender­maßen berechnet: Kohlenverbrauch 44 250 Fr., Maschine 5 000, Beköstigungen der Passagiere und der Besatzung 33 000, Gehälter 12 000, Verladun­gen 14000, Amortisierung zu 5%, 10 000, Ver­sicherung 12 000, Gebühren 10 000, Instandhal­

tung 12 000, allgemeine Ausgaben 10 000 Franken. Summe der Ausgaben 162250 Franken. Somit hätte die „Lombardia" also während dieser ein­zigen Fahrt einen Reingewinn von 204 750 Fran­ken erzielt. Die Rechnung hat natürlicher Weis« zur Folge gehabt, daß in arger Weise gegen bl# Schiffsgesellschaften geschrien wird.

In Palermo starb der Senator Fürst Domenico Trigona di Sant' Elia, Her­zog von Gela und Vatticani, Baron von Cotur- nino, einer der größten Grandseigneurs von Si­zilien. Er war 1828 in Palermo geboren und hatte immer gegen die Bourbonen konspiriert. Eine zeitlang vertrat er den Wahlkreis Monreal« im Nationalparlament; 1896 wurde er zum Se­nator des Königreichs ernannt. Er war mit einer Tochter des bekannten Staatsmanns, Diplomaten und Generals Menabrea verheiratet.

Der berühmte Springbrunnen der „Schildkröten" auf der Piazza Mattes, am Eingang zum alten römischen Jndenviertel, dem Ghetto, wurde eines feiner Wahrzeichen, nämlich einer Schildkröte beraubt. Der Brunnen bilde • eine der Hauptsehenswürdigkeiten; er wurde, wahrscheinlich nach Zeichnungen Raphaels 1585 von Thaddäus Landini ausgeführt. Vier nackte Jünglinge aus Bronze stehen mit einem Fuße auf einem Delphin und halten in der Hand je ein« Schildkröte, die aus einer Schale trinkt. Die Po­lizei hat sofort bei den hiesigen Antiquaren Nach­forschungen angeordnet, da man glaubt, daß cs sich um einen „Kunstraub" handelt.

Der ehemalige Leibarzt Leo's XIII. Dr. Lap- Poni wurde unter Beteiligung der vatikanischen Beamten sowie vielen seiner hiesigen Kollegen zv Grabe getragen.

- '■ ■ ——■B-M-BUL'g'a

vermischtes.

* Peary über die Möglichkeit, den Nordpol z« erreichen. Aus New-Jork wird berichtet: Cam- mander Peary ist auf der Heimreise von seiner Polarexpedition am Mittwoch in New-Jork ange­kommen. Während der Heimfahrt wurden ihm verschiedene Ehrungen dargebracht. Bei diesen Gelegenheiten besprach Peary auch die verschiede- ueii Methoden, wie man den Nordpol zu erreichen hoffen konnte. „Ich möchte nicht die Pläne ande­rer kritisieren", äußerte Peary, „aber ich habe kein Vertrauen zur Luftschiffahrt oder zu ähnlichen Mitteln. Wenn wir im Stande wären, ein Luft­schiff zu dem Grad der Vollkommenheit zu brin­gen, daß es so zuverlässig sein würde, wie ein Ozeandampfer, derart lenkbar, daß es allen plötz­lichen und starken Strömungen der Polarwände widerstehen und auch gegen diese Winde angehen könnte, wenn alle die heute noch unerfüllten Be­dingungen erfüllt sein würden, dann könnten wir ernsthaft von Ballone oder Aeroplanen sprechen. Die Ideen von elektrischen Schlitten und Luft- schifsahrt im Dienste der Polarforschung beruhen auf einem Mangel an Kenntnissen der dortigen Verhältnisse. Ein Luftschiff würde auf unüber, windliche Schwierigkeiten stoßen, auch durch die Temperaturschwankungen, die so heftig und wech­selnd sind, wie die Winde. Schwere Schneefälle verändern das Gewicht des Ballons, es erwachsen Schwierigkeiten in der Steuerung, indem die win­zigen Schneepartikelcheii, stechend wie Nadeln, die Widerstandsfähigkeit des Luftschiffes beeinflussen. Meine Anschauungen über den Weg zum Pol habe ich nicht geändert. Mein Vertrauen auf die Smith- sund-, die amerikanische Route ist unerschüttert. Die Methode, den Pol treibend zu erreichen, habe ich stets gelten lassen, wenn es gelänge, ein Schiff am rechten Platz einfrieren zu lassen und loenn mau das Fahrzeug mit Leuten von außerordent­lich geduldigem Temperament bemannte. Auf diesem Wege mag es sechs oder zehn Jahre er-