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33. Aaornanq.

^ulda, Donnerstaa den 13. Dezeniber 1‘JOti.

Nene Steuern?

Der deutsche Steuerzahler, der sich von dem Schrecken, den die Rcichssinanzresorm zu Anfang dieses Jahres verbreitete, noch kaum erholt hat. ist nicht wenig überrascht worden durch die Mit­teilung, daß die Reichsregierung sich schon wieder mit neuen Steuer Plänen trage. Und diele Absicht der Negierung gilt nicht einer fernen Zu­kunft. sondern soll schonbaldindie Wirklichkeit Übertragen werden.

Näheres darüber erfährt man letzt auS dem Entwurf des Etatsgesetzcs, der dem Reichstage am Mittwoch zugegangcn ist. Die Matrikularbeiträge für 1907 sind angesctzt auf 259 411 Oll JL Dieser Ansatz beruht auf einer Wahrscheinlichkeitsrech- ,tuna. Man hat den etatsmäßigen Ansatz für 1906 ui Höhe von 287 744 848 <M zu Grunde gelegt und hiervon denjenigen Betrag in Abzug gebrockt, um den der Etat für 1907 angesetzte Mehrertrag der Eiünahineif in Höbe von 171 478576 <M den Mehr- oedarf der Ausgaben in Höhe von 143 144 739 <M übersteigt. Tie Ueberweisnngen an die Bundes­staaten sind in dem neuen Etat mit 202 361 170 «U angcseh:. Somit ergibt sich eine Spannung von 57049 841 M, die als ungedeckte Matrikularbei- träge von den Bundesstaaten aufzubringen wären. Die Regierimg bat nun zwar die Matrikularbei- trage und die Ueberweisnngen in der erwähnten Höhe in den Etat eingestellt, sie legt aber Ver­wahrung gegen die Schlußfolgerung ein, als ob die Bundesstaaten i n SS i rklichkeit auch iene 57 Millionen zahlen würden

Es heißt darüber in der dem Etat beigefügten Denkschrift: „Wenn nun auch nach § 3 Abs. 2 bei Reformgesehes vom 3. Juni 1906 die den Betrag von 24 242 073 «M nach der Rechnung übersteigen- den Matrikularbeiträge den Bundesstaaten einst­weilen zu stunden sind, so würden ihre Haushalte hierdurch doch mit einer Zukunftsbelastung be­droht werden, welcke in solcher Höhe für sie umso­weniger erträglich Ware, als der großen Mehrzahl derselben schon die seinerzeitige Aufbringung der aus dem laufenden Rechnungsjahre im veran­schlagten Betrage von 57578 775 einstweilen gestundeten Matrikularbeiträge unbeschadet der Erfüllung ihrer eigenen von Jahr zu Jahr wach- ienden Kulturaufgaben möglich sein wird. Die Verbündeten Regierungen haben daher mit der Feststellung des Etats nicht zum Ausdruck bringen wollen, daß sie zur dauernden Uebernahme der gesamten ungedeckten über 24 242 073 <M, hinauS- gehcnden Matrikularbeiträge einverstanden seien. Sie müssen sich sonach eine entsprechende Ent­lastung durch nachträgliche Ergänzung der jüngst verabschiedeten Steuergesehe Vorbehalten und glauben hierbei auf das Entgegenkommen des Reichstags um so sicherer rechnen zu dürfen, als er bei Beratung über dis Finanzreformvorlage auch seinerseits anerkannt hat, daß die bewilligten neuen Steuern zur Wiederherstellung des Gleich­gewichts im Reichshaushalte nicht genügen."

Diese Darstellung könnte den Anschein er­wecken, als ob der Reichstag erklärt habe, daß die Regierung im Falle des Bedarfs nur munter mit neuen Steuern kommen sollte. Bon einem solchen Beschluß ist uns nichts bekannt. Wenn bei der Beratung der Finanzre­form sich vielleicht in diesem Sinne ein einzelnes Mitglied des Reichstags geäußert hat, so ist daS noch lange nickt „der Reichstag". Die Dinge haben vielmehr so gelegen, daß der Reichstag statt der 200 Millionen, auf welche man die Forderung der Negierung von vornherein einfchränkte, nur 176 Millionen bewilligte, indem er von der Vor- auSfttznng ausging, daß nicht neue Steuern auf Ueberschnß bewilligt werden könnten, vielmehr die Notwendigkeit der Steuern erst nach gewiesen werden müsse. Rechnet man von den ungedeckten Matrikularbeiträgen in

kw smWareS Geheimnis.

Dem amerikanischen Originale der Mrs. May Agnes Fleming nacherzähtt von Lina Freifrau von Berlepsch.

82] (Nachdruck verboten.)

Trixy weinte beinahe.

„Ich ließ ihn nicht gleiten, ich hatte ihn ja nie in der Hand. Zudem ist Edith schöner als ich. Ich tat mein Bestes und halte es nicht für recht, oben­drein noch gezankt zu werden."

„Weine nicht, es gibt noch andere gute Partien. Hauptmann Hammond ist der Sohn eines reichen Lords und der wäre mir schließlich lieber als ein Baron. Komm', zieh' Dich an, geh' in den Salon und mache Dich dem Offizier mteressant."

Trixy befolgte den väterlichen Rat und er­reichte mit Hülse ihres Bruders und einer Krücke das Speisezimmer, wo sie Lady Helena bleich und zerstreut fand.

Bei Tische ruhte auf allen sichtlicher Zwang.

„Der Tante ists nicht recht," kicherte der alte Stuart, „nun, kann mir's denken, wäre mir auch so, wenn Rudolf käme. Uebrigens will ich diesen nach Tisch auf Lady Arabella aufmerksam machen. Lady Arabella Stuart würde sehr vornehm Hingen."

lknd so brachte er bei nächster Gelegenheit auch -die Sprache darauf.

„Nimm Dir ein Beispiel an Edith, Junge," begann er, „steh, was sie ohne einen Heller für eine Partie macht. Du bist reich und hübsch, wa- rum sollst Du nicht auch in die englische Aristo­kratie heiraten? Lady Arabella zum Beispiel ist -zwar unbegütert, aber sie ist eines Grafen Tochter. Was hindert Dich, Dich ihr zu nahen?"

Rudolf blickte auf. t .

„In allen Heiratsangelegenheiten betrachte "'ich Znich nicht existierend und tue vollkommen nach

Höbe von 57 Millionen die 24 Millionen Matri- kularbeiträge ab, die die Bundesstaaten ohne wei­terer zu tragen haben, so ergibt sich, daß die Re- gierung neue Steuern haben will, um den Ab­strich, den der Reichstag im Betrage von 24 Mil­lionen bei der Keichsfinanzreform vorgenommen bat. wieder ouszugleicken, daß sie sich damit aber nickt zufrieden gibt, sondern gleich noch 9 Millio­nen weiter fordert.

Bei dieser Summe würde etz aber noch nicht einmal bleiben, denn wir sind jedes Jahr mit NachtragSetatS gesegnet und deren Summe würde zu der obigen noch hinzutreten. Auffallend ist. daß über die Einbringung der neuen Steuer- Vorlage nicktS gesagt wird, denn der Reichstag kann die Etatsberatung jo gar nickt vornehmen, bevor er über diese Steuervorlage unterrichtet ist. weil ja die verbleibenden 33 Millionen ungedeckter Matrikularbeiträge durck die neuen Steuern auf- gebrockt werden sollen. Wir glauben, daß die Re­gierung sich einem starken Optimi s m u S hin­gibt, wenn sie annimmt, daß der Reichstag für neue Steuern so leicht zu haben wäre. Unb daS umsoweniger, als bie Bestreitung der Ausgaben durch A n l e i h e n, wie sie jetzt neu vorgesehen ist, bas Orbinarium zugunsten ber Bundesstaaten entlastet. Hier wirb in ber Budgetkommis- sion eine scharfe Kritik einzusetzen haben. ES geht baS alte Spiel weiter. Die Bundesstaaten erheben keinen Widerspruch im Bundesrat gegen bie rapid wachsenden Ausgaben, aber die Konse- guenzen wollen sie am eigenen Leibe nicht fühlen. Dafür ist eben ber beulsche Steuerzahler dal

Deutscher Reich.

Berlin, de« 12. Dezember 1906.

r. Für den Zusammentritt deS preußischen Landtags ist einer halbamtlichen Meldung zufolge seinerzeit der 8. Januar in Aussicht genommen worden. Später hieß e8, daß der Wieder- zujammentritt erst am 10. Januar erfolgen würde, Nunmehr nimmt auch bie .Norddeutsche Allgemeine Ztg.' hierzu daS Wort und läßt füi die Beantwortung dieser Frage die nachstehenden Erwägungen in'» Gewicht fallen: „DaS Oster­fest fällt im nächsten Jahre auf den 31. März, die Charwoche kommt für die Verhandlungen de« Landtag» nicht in Betracht. Der Etat müßte daher spätestens bis zum 23. März da» Herrenhaus pafftet! haben. Für die Etatsver­handlungen im Herrenhaus sind 14 Tage er­forderlich. Folglich müßte der Etat, wenn er bi» zum 23. März im Herrenhause fertiggestellt ein soll, spätesten» am 8. März vom Abgeord- netenhause an da» Herrenhau» gelangen. Würde nun ber Lanbtag nicht schon am 8., sondern erst am 10. Januar eröffnet, so müßte dies nicht blo8 einen Verlust von zwei Tagen, sondern die Einbuße der ganzen Woche vom 1. bi» 12. für die Etatsverhandlungen zur Folge haben. Hierdurch würde die Einberufung auf den 10. Januar gleichbedeutend fein mit ber Unmög­lichkeit einer rechtzeitigen Fertigstellung des @tat»/ Nach dieser offiziösen Motivierung scheint also am 8. Januar für den Wieder­zusammentritt des Landtag» festgehalten zu werden. Für so weittragend können wir aber eine zweitägige Hinausschiebung nicht halten.

Die Tabaksteuer hat bie Befürchtungen nicht wahr gemacht, welche an sie für die Reichs­hauptstadt geknüpft wurden. Damals wurde als erste Folge eine Maffenentlaffung von deutschen Arbeitern hingestellt. Diese Befürchtung ist nicht nut nicht eingetreten, vielmehr ist durch

Deinem Willen. Gefällt es Dir, so will ich sie heiraten, aber den Hof werde ich ihr nicht machen unb verlange eine Werbung durch. Deputation. Mache Du der Dame die betreffenden Vorschläge, mich kannst Du wie ein Lamm leiten."

„Und würdest Du sie wirklich heiraten?" fragte Beatrice.

„Warum denn nicht? wenn ich überhaupt bet­raten muß, kann es Lady Arabella so gut fein tote eine andere."

„Aber Du hast sie nicht gesehen?"

„Was liegt daran? nach Hammonds Beschrei­bung muß sie ein prächtiges Mädchen sein, er spricht von ihr, als bestände sie aus Metall unb Edelgestein. Sie hat goldenes Haar, eine Ala­basterstirne, Saphyraugen, Perlenzähne und tnei- netwegen auch eine Rubinnase."

Mit eigentümlichem Lächeln trat der junge Mann an den Whisttisch.

Mit Edith zu reden, hatte er noch keine Ge­legenheit gehabt, sie vermied ihn absichtlich. Haupt­mann Hammond postierte sich an Trixy's Seite und Papa Stuart sandte manch väterlichen Blick ber Anerkennung vom Spieltische hinüber auf bas junge Paar.

Am Piano saß Edith und spielte träumerische Melodien. Victor toeilte in stillem Entzücken neben ihr.

Gegen 11 Uhr erhob sich Lady Helena und be- gab sich in ihr Zimmer. Sie sah müde und krank aus unb ihr Anblick weckte den Neffen aus seinem Glücksrausch. Er begleitete sie hinaus, Frau Stuart folgte dem Beispiel.

Edith war allein am Klavier und betrachtete des DiamanteS Blitzen.

„Du warst den ganzen Abend in Anspruch ge­nommen", sprach plötzlich eine bekannte Stimme neben ihr, „daß ich noch nicht Gelegenheit fand, Dir zu nahen. Trixy sagte mir die Neuigkeit, erlaube mir, Edith, Dir von Herzen Glück zu wünschen."

eint Verkürzung ber Arbeil-zeit für Weiler- befchäsligung gesorgt worben. Diele Fabrilen haben nur halbe Tage gearbeitet. Wa» nun die Zigarettensteuer im beionderen beiriffl. so bat sie, wie in einer öffentlichen Versammlung ber Tabakarbeiler milgeteilt wurde, nicht in dem Maße gewirkt, al» man vorausgesetzt hatte; ber Konsum ber Zigaretten habe anlcheinend nicht nachgelaffen. Anberseil» würben 300 russische Zigarettenarbeiter ausgewieien. Tie» i't ober keineswegs btt Folge ber Steuer, sie scheint viel­mehr auf Maßnahmen ber politischen Polizei zurückzuführen zu (ein.

• Die Budgetkommission be» Reichstag» begann am Mittwoch b»e Beratung be» zweiten Nachtragsetat» für Eüdwestafrtka, ber al- erste Rate für be« (Eifenbabnbau fiubub- KeetmanShoop 890o0<>ü Mark fordert. Be- kanntlich bat ber Reichstag im vorigen Jahr ben Bau dieser Bahn abgelehnt. Nicht zum ge­ringsten Teile ist diese Ablehnung erfolgt, weil die Regierung die Notwendigkeit bet Bahn nicht genügend begründen konnte. DaS unglückliche Auftreten be» Oberft Deimling im Reichstag iit ja noch in frischer Erinnerung. Ebenso das Be­mühen be» Abg. Semler, den Reichstag »u einer Zustimmung zu bet Bahn mit bem Hinweis daraus zu veranlaffen, daß die Regierung im Falle der Zustimmung eine bestimmte Erklärung Aber bie Zurückziehung der Truppen geben werbe. Die Regierung scheint e» daher für geraten ge- halten zu haben, durch Sachverständige mit praktischer Erfahrung bie Reuforderunq der Bahn begründen zu lasten. Unb so haben denn in der Kommission Professor Dr. Hahn unb Farmer Schnettwein ein Bild Über bie wirtschaftliche Entwickelungssähigkeit unserer Kolonie gegeben. Die Ausführungen der beiden Herren haben ihren Eindruck auf bie Kommission nicht verfehlt und insolgedesten haben sich bie Aussichten der er­mähnten Bahn wesentlich gebessert. Die Mit­teilungen biefet Herren, bie durch Gouverneur v. Ltndequist ergänzt wurden, ergaben, daß bie Kleinwirtschaft weit bessere Aussichten bietet, als allgemein bisher angenommen wurde. Kolonial­birektor Dernburg fügt „al» Kaufmann" hinzu, baß die Entwickelung be» Lande» langsam, aber sicher vor sich gehen werde. Sodann geht er zur Befürwortung deS Bahnprojektes über. Die Ent­wickelung fei nur möglich bei Schaffung von Verkehrswegen. Die Firma Lenz u. Co. sei be­reit, für zehn Jahre ben Betrieb zu übernehmen. Abg. Dr. Spahn (Zentrum) beim.”"e, bis jetzt habe jebe zuverlässige Darlegung über bie roitt- .schriftliche Bedeutung ber Kolonie gefehlt. Die heutige Sitzung habe aber dahin klärend gewirkt, daß tatsächlich ein höherer wirtschaft!! r Wert konstatiert fei. Hinzu komme das vorliegende Anerbieten ber Firma Lenz unb vor allem bte bedeutende Verbilligung unb Beschleunigung ber Verlegung bet auf bie Dauer nötigen Schutz­truppen. Je beweglicher die Truppe fei, um so billiger fei bet Schutz ber Kolonie. Redner er­klärte feine und feiner Freunde Sympathie für die Vorlage. Abg. Dr. Paasche spricht ebenfalls ben anwesenden Gästen feinen Dank aus unb bittet um Bewilligung der Vorlage. Die Kom­mission vertagte sich bann auf Donnerstag 11 Uhr.

* Die Petitions-Kommission des Reichstages befaßte sich am Mittwoch mit einer Petition des Jnnungs - Verbandes brandenburgischer Bauge- werksmeister, welche Untersagung oder Einschrän­kung der gewerbsmäßigen Nebenbeschäftigung der

Sein ganzes Wesen bekundete die Wahrheit. Er sah ihr mit brüderlicher Offenheit in’S Auge.

Sie errötete unb zürnte.

„Es ist unnötig, Kusin, ich bin so glücklich, daß ich keiner weiteren Glückwünsche bedarf."

„Es ist aber hergebrachte Sitte, und so muß ich sie Dir dennoch in aller Demut barbringen. Ich gratuliere Sir Victor ob feines guten Ge­schmackes. Du bist eine Braut, aus die ein Baron stolz sein kann, ich wünsche Euch Beiden Glück."

War das Sarkasmus, oder nicht? Sie wußte es nicht. Sein ruhiges Antlitz bürgte für die Wahrheit seiner Worte und doch hatte er ihr erst kürzlich gesagt, daß er sie liebe.

Eben kehrte Sir Victor zurück. Er war heim­lich eifersüchtig auf Rudolf, er ahnte, daß Edith die Liebe, die sie ihm nicht geben konnte, längst ihm geschenkt.

„Bin ich zu vorschnell, wenn ich gratuliere, Sir Victor," sprach Rudolf herzlich, „wenn ja, so möge mich die Tatsache entschuldigen, daß Edith mir wie eine Schwester ist. Herr Baron, Sie sind ein glücklicher, beneidenswerter Mann."

Sir Victors Miene klärte sich ans und er bot Rudolf freundlich die Hand.

Edith wandte sich erbittert ab. Wie wagte ct c3, sie mit einem Lächeln, mit seinen Glückwün­schen zu reizen, wenn er wußte, daß ihr ganzes Herz ihm gehörte? Von nun an vermied sie Rudolf umsomehr und beschäftigte sich so ausschließlich mit dem Bräutigam, daß dieser wonnetrunken war.

Nachdem alle sich zurückgezogen, vermochte Sir Victor allein nicht zu ruhen. Er begab sich in den Garten und schritt im Halbdunkel auf und nieder.

Es war beinahe Mitternacht und noch waren der Tante Fenster beleuchtet. Was bedeutete das? Welches Gebeimnis bewahrte sie? War die schwarz

Daubeamten fordert. Da feiten» ber Reich» regie« rang erklärt wurde, baß bei Reichsbeamten keine gewecbsmäßige Tätigkeit in biefet Rich'ung vor­komme, und ba die Verhältnisse in den Einiel­staaten nicht vor bas Forum des Reichstaae» ge« hüten, beichloß bie Kommission llebeigang zur Tagesordnung. Der Verband der Musikdirettoren (Sitz Leipiig) petitioniert um die Einführung be» BetLlugungs-Nachweste- für Musikdirektoren, ber Krankenversicherung und des Fvickilbunasickul« zwange» für Musiker und Gehilfen. Die Kom­mission beschließt, ben ersten Punkt sBefähigungs- Nachweis) auf ben Antrag Marcour (Zeuir.j als Material zu Überwerfen, bte übrigen Punkte zur Berücksichtigung.

Tc« grössten Schweineauftrieb batte der Berliner Viehmartl am Mittwoch bie’er Woche aufzuweifen. Jnsgeamt wurden 16 143 Tiere zugeführt, eine Zahl, rote sie im ganzen Jahre 1906 noch mchl erreicht routbe. Ter Markt routbe trotzdem fast vollständig aeräumt. Es ist em eigentümlich.» Zn'ammenlreffen, daß diese große Zufuhr gerade i btm Tage statt» sinbet; an welchem tm Renyslage die Fleuch- ieuerung erörtert wirb- Die ,Allgem. leit eher- Leitung* ist flugs mit ber Behauptung bei der Hand, daß bie Landwirte angesichts der Vieh- noidebatte besonders eifrig töt die Beschickung des Marktes gesorgt zu haben scheinen. Eine solche Meinung klingt doch gar zu naiv, um sich weiter mit ihr zu beschäftigen.

Ans dem Reichstage.

139. Sitzung vom 12. Dezember 1906,

Eröffnung iy4 Uhr:

Tie Beratung der Interpellationen betr. di»

F l e i f d) n o t wird fortgesetzt.

Abg. Pansche (ul.) machte der Regierung Vor­würfe, daß sie so lange zu den Fleischnotklagen geschwiegen habe. Dem Abg. Gerstenberger stimmte er darin bei, daß die kleinen Landwirte das Hauptintereffe an angemessenen Vichvreisen haben. Pflicht der Städte sei es gewesen, bei der - eintretenden Teuerung die Fleischabgaben sofort aufzuheben; leider sei dies nicht geschehen, eben­sowenig wie die Städte ihre Schiachthausgebüh­ren herabgesetzt hätten.

Abg. v. Schwerin-Löwitz (k). rief durch feine Erklärung, ein preußischer Landwirtschaftsmini» fier könne sich nie und nimmer zu einer Oeffnung der Grenzen bereitfinden, lauten Beifall und Widerspruch hervor.

Abg. Korfanty (Pole) verlangte für Ober­schlesien, wo ganz außergewöhnliche Verhältnisse herrschten, daß in der Beobachtung bet nötigen Kautelen eine unbegrenzte Anzahl von Schwei­nen nach dem oberschlesischen Jndustriebezirk in- geführt werden darf.

Abg. Gnmp (Rp.) weist demgegenüber ixx- rauf hin, daß das für Oberschlesien zngelasse. e Kontingent der Einfuhr nicht einmal voll ausgv» nutzt werde. An die linke Seite deS Hauses richtet, er den Appell: Lassen Sie doch auch der deutscher Arbeit, lassen Sie auch der Arbeit des deutschen Bauern einige Anerkennung zuteil werden, der e» durch Fleiß und Ausdauer dahin gebracht hat, daß er schon heute den gesteigerten Fleischbedarf Deutschlands zu 95 Prozent decken kann.

Abg. Gothcin (fr. Vgg.) sprach zwei Stunden lang über die Notwendigkeit, die Grenzen für bie Vieheinfuhr zu öffnen. Er bemühte sich um den Nachweis, daß die Zentrale für Viehverwertung in Berlin gemeinsam mit einer Reihe von Land- wirtschaftskammern in der Zeit der größten

gekleidete Dame noch bei ihr? Was sollte er mor­gen hören?

Noch um 1 Uhr brannten die Lichter. Länger wollte er nicht warten. Er winkte Edith's Fen­stern ein herzliches „Gute Nacht" zu und begab sich zur Ruhe.

Und keine warnende Stimme sagte ihm, daß es seines Lebens letzte wahrhaft glückliche Nacht sein sollte.

14. 's

Morgen.

Trübe brach der Morgen an. Miß Darrell erschien wegen Kopfschmerzen nicht beim Früh­stück und in Abwesenheit seines Ideals blickte Sir Victor traurig zum Fenster hinaus, an dessen Scheiben der Regen schwer und langsam schlug.

Es war ihm eine Erleichterung, als er zu feiner Tante berufen wurde.

Lady Helena war bleich, die Augen vom Wei­nen gerötet ,aber aller Zorn, alle Erregung war aus ihren Zügen gewichen.

„Guten Morgen, liebe Tante, Du hast doch nicht geweint?"

„Setze Dich, Victor, ja, ich habe geweint und habe aud) guten Grund dazu. Ich sandte nach Dir, um Dir alles mitzuteilen, was jetzt Dir zu sagen rätlich ist. Zunächst aber bitte ich Tick, e» zu entschnldgen, wenn ich gestern über Teilte Verlobung irgend etwas sagte, was Dich verletzt.

„Sprich nickt davon, liebe Tante, Du hattest ein Neckt zu widersprechen, wenn Du Gründe da­für zu haben glaubtest, Edith's Armuth und nie­dere Abkunst mußten natürlich bei Dir in'S Ge- wicht fallen. Mir selbst liegt daran nichts und ich weiß, daß Dir mein Glück teuer ist, ohne Edith aber wäre ich der Unglücklichste der Sterb- lichen, und deshalb hoffe ich, Du werdest sie al» Tochter begrüßen."

(Fortsetzung folgt.)