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Fulda, DtenStaci den 11. Dezeuiver 1306
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Äinaahmt »er Son*, und seit, lagt viertel- japr. veiuarpreir ohne Bringerloh* und veueBgeldin.'ittlda und auswärts! Ml 50 Pfg.
Erstes Zätatt.
):( Vie perlonentariftejorm für die deutschen Eisenbahnen
soll zum 1. Mai des konimenden Jahres allgemein zur Einführung gelangen. Anitlich "t diese Wahrscheinlichkeit vor einigen Tagen angekündigt Worben. Gleichzeitig n urbcn auch btc dafür ausgestellten Grundzüge veröffentlicht. Sie betreffen sowohl die Personen- als die Gepäcktarife, bringen aber, namentlich in letzterer Hinsicht, mancherlcr Neuerungen, auf die wir gerne verzichtet hätten. Im großen ganzen entsprechen die Grund- züge den bisher schon ausgesprochenen Erwartungen.
Für den Personenverkehr gilt die erste biS vierte Klasse, für welche der Fahrpreis von 7 in der eisten auf 4ch L, 3 und 2 4 pro Kilometer in den folgenden Klassen fällt. Diese Satze entsprechen der Hälfte der bisher in Preußen gel- tenden Nückfahrkartenprcise, bringen also für den einfachen Verkehr in Pcrsonenzügen eine weseirl- liche Verbilligung. Dafür fallen die Rückfahrkarten in der bisherigen Form fort; d. h. in Zukunft mutz sowohl für die Hin- als auch für die Rückfahrt je ein: besondere Fahrkarte gelöst Werden, die insgesamt aber nur soviel kosten als die bisherigen Rückfahrkarten. Für die Benützung der Personenzüge bringt also die Reform nur für einfache Karten eine Verbilligung, während für Hin- und Rückfahrt zusammen die bisherigen Preise bestehen bleiben.
Der Schnellzugsverkehr erfährt nach der Reform zum Teil eine Verteuerung. Aus den preubisch-hessischen Eisenbahnen berechtigte bisher > eine Rückfahrkarte zur Benützung der Schnellzüge, in Süddeutsckland dagegen mußte noch für jede Fahrt eine Zuschlagskarte gelöst Werden. Diese Zuschläge sollen jetzt allgemein zur Einführung gelangen, jedoch die jetzt dafür geltenden Sätze Wesentlich herabgesetzt werden. Sie werden in drei Abstufungen mit 25 und 50 L sowie 1 JC für die dritte Klasse erhoben und entsprecken einer Entfernung bis 75, bis 150 und mehr Kilometern. Für die erste und zweite Klaffe werden die Sätze verdoppelt. Diese Zuschläge bewegen stch also in mäßigen Grenzen und treten, da auch für die Weiteste Strecke nur 1 Jt erhoben wird, umsoweniger in die Erscheinung, als gleichzeitig die letzt für v-Ziige einoeführten Platzkarten gänzlich in Wegfall kommen. Da die künftigen Zuschläge die bisherige Platzkartengebübr im Höchstbetrage nicht übersteigen, dafür aber für alle Schnellzüge zur Erhebung gelangen, sind sie eigentlich nur eine Erweiterung des bisherigen Systems.
Anders verhält es sich mit dem neuen G e- p ä ck t a r i f. Er bringt für den Bereich der Preu- ßisch-befsischen Eifenbahngemeinschaft eine merkliche Verteuerung des Reiseverkehrs. Bisher waren für jede Fahrkarte 25 Kgr. Freigepäck eilige- räumt, welches jetzt gänzlich in Wegfall kommen soll. Dafür Werben für je 25 Kgr. und 100 Kilometer 50 erhoben. Bei einer Entfernung von 800 Kilometern kosten also je 25 Kgr. 5 M. Für Gepäck aber, welches das Gewicht von 200 Kgr. übersteigt, wird sogar das Doppelte dieses Einheitstarifes erhoben. Weiter findet der Tarif nur Anwendung bei gleichzeitiger Lösung einer Fahrkarte. Von dieser letzteren Bestimmung wird namentlich Süddeuttchland betroffen. Tort wurde zwar bisher fein Freigepäck gewährt, man konnte aber Gepäckstücke als Passagiergut aufgeben, ohne daß deren Versendung an die gleichzeitige Lösung einer Fahrkarte gebunden war. Der neue Gepäcktarif bringt also sowohl für den Süden als auch für den Norden eine Beeinträchtigung und Verteuerung des Verkehrs gegenüber dem bisheri- gen Zustand.
Wenn wir nun die Reform als Ganzes betrachten, so ergibt sich, daß die wenigen Vorteile, die sie bietet, vor den Nachteilen erheblich zu- rücktreten müssen. Bereits vor einiger Zeit ist ausgerechnet worden, daß die Fahrpreise bei einer Strecke von 000 Kilometer nach dem neuen Tarif für die dritte Klaffe um 4,40 für die zweite Klasse um 6,20 J( und für die erste Klasse um 16,40 oU höher sein Werben als jetzt; bei einer Reise von insgesamt 1700 Kilometer sollen die Preissteigerungen für die dritte Klasse sogar 16 Mark, für die zweite 22 und für die erste 47 <M betragen. Eine solch starke Preissteigerung wird beim reifenden Publikum schwerlich eine besondere Freude über die Tarifreform aufkommen lassen.
Aber noch andere Nachteile werden von der Neuerung befürchtet. In der Vermehrung der Reifekosten, die der Gepäcktarif bringt, will man eine Schädigung des östlichen Teiles der Preußischen Monarchie erblicken. Dieser Befürchtung gibt ein konservatives Blatt Ausdruck, indem es schreibt: „$?cr z. B. von Berlin aus mit einer Familie von sechs Köpfen ein ost- ober WestpreußischeS Seebad besuchen will, hat für Ge- vätk 21 m mehr zu bezahlen als bisher. Gerade nn Interesse des -Ostens ist diese Verteuerung des NeisenS mit der Familie sehr zu bedauern: den Bewohnern unserer östlichen Provinzen ist der Verkehr mit den übrigen Teilen der Monarchie dadurch sehr erschwert, und die so wünschenswerten Reisen der mit dem Osten allzu wenig bekannten Mcstelbier nach preußischen Seebädern, Städten und Gütern werden ebenfalls seltener Werben." Ob soweit gehende Befürchtunaen berechtigt sind, wollen Wir dabin gestellt fein lasten; daß sie über- Haupt anftauchen, besagt schon genug. Anderer- s.-its müßte man ähnliche Befürchtungen auch für andere Teile des Reiches gelten lasten.
Dasselbe Blatt hätte es aber auch gern ge- sehen, daß wenigstens für W e i t e E n t s e r n u n- g e n eine E r m ä ß ia u ng des G e p ä ck t a r, fes vorgesehen worden Wäre. Es führt dafür folgende Gründe an: „Jeder Geschäftsmann gibt dem Großabnehmer billigere Preise, die Staatsbavn aber erhebt für je 25 Kgr. ihre 50 L für 100 Kilometer, auch Wenn man die weiteste Entfernung fährt, ja, sie verdoppelt sogar diesen Satz für das Gewicht über 200 Kgr l Das mag nach Schema F richtig sein, gefckästsklug ist das nicht." Daß gern be für weite Strecken eine Ermäßigung eintre- ten soll, können wir ohne weiteres nicht als ge- rechtfertigt anerkennen, da sonst der minder bemittelte Volks teil, welcher nicht in der Lage ist, größere Reisen zu unternehmen, durch den neuen Tarif besonders belastet wurde. Was nun die Verdoppelung der Gebühren für das Gewicht über 200 Kgr. anbetrisft, so glauben offenbar die Bahuverwaltungen, dadurch die Schnellzüge von schweren Gepäcklasten befreien zu können, wie sie namentlich unsere französischen Nachbarn mit sich zu führen pflegen. Wenn diese nun dafür zahlen müssen, so haben wir dagegen nichts einzuwenden. Anderseits Wird auch das Heer der Geschäftsreisenden mit ihren zahlreichen Muster- kofsern schwer dadurch betroffen. Ihre zahlreichen Eingaben sind aber, wie man sieht, ergebnislos geblieben. So Wird man im allgemeinen der Einführung der Reformen nur mit gemischten Gefühlen entgegensehen. _________________________
Deutscher Reich.
Berlin, den 10. Dezember <906.
Das deutsch-spanische Handelsprovisorium foU Blättermeldungen zufolge abermals verlängert werden. Bekanntlich sind seinerzeit die Handels- verlragsverbandl ungen wegen der von spanischer Seile gestellten Forderungen unterbrochen worden. Jetzt will eine Korrespondenz wissen, daß Spanien der deutschen Regierung den Antrag unterbreitet rat, das Handelsprovisorium zu verlängern. Der Bundesrat würde sich mit diesem Anträge sofort besafien und nach Zustimmung dem Reichstage noch in dieser Woche eine Vorlage zugehen lasten, die vor dem 1. Januar erledigt werden muffe. Wir können an die Richtigkeit dieser Meldung nicht glauben und erinnern nur an die scharfen Worte, welche sei'ens der Regierung bei der letzten Verlängerung im Reichstage gegen em abermaliges Provisorium gejühtt wurden Jedenfalls würde die oben angedeulete Absicht deS BundeSrats auch im Reichstag auf entschiedenen Widerstand stoßen. WaS aber zum 1. Januar werden soll, fleht noch dahin.
. . Kolonialdirektor Ternburg will einen Urlaub an treten, sobald die Kolonialelals erledigt sind. Tieie Meldung besagt im allgemeinen nichts renes, da die Nachricht von einem Urlaub bereits bei feiner E« nennung verbreitet wurde. Dernburg will sich nach St. Moritz begeben.
• Die Beratungen der Landgefellschaft im Reichstage haben am Montag ihren Abschluß gefunden. Das Ergebnis der Verhandlungen ist solaender vom Avg. v. Savigny (Zentr.) ein- gebrachte und von der Kommission einstimmig angenommene Antrag: „Das Angebot der Siehe- lungs-Gesellschaft für SuDroeftatrifa wird mit der Maßgabe angenommen 1s daß der SiedelungS- Gesellschaft die beiden Farmen „Hoffnung« und „Unverzagt" nebst lebendem und totem Inventar, sowie den bisher im Zusammenhänge damit be- wirtschafteten Rebensarmen sowie ihr Häu'er- und Kaptalbesitz und ihre Folgerungsrechte belasten werden, 2) daß der FiSkuS des Schutzgebietes Südwestasrika alles der SiedelungS - Gesellschaft in der Konzession vom 3. März 1x06 und der Ergänzung dazu vom 19. April 1H9B zur Ver- lügiing gestellte Land, soweit es nicht bereits verlauft ist, mit Ausnahme des unter Rr. 1 kostenlos als Kronland zurückbebält, 3) daß der genannte FiStuS es übernimmt, die lediglich für die Ansiedelung tätigen Beamten her Siedelungs- Gesellschaft, soweit dieselben nicht in den Reich«, dienst übernommen oder in anderen Privatsiel- ,ungen unter gebracht werden können, gemäß ihren geltenden AnsiedelungS-Perträgen zu entschädigen, 4) daß mit diesem Abkommen die Konzession in allen übrigen Teilen für erloschen erklärt wird und die SiedelungS - Gesellschaft sich damit für abgefunden erklärt und sich dem Fisku« gegenüber jeder weiteren Forderung au« dem Konzes- sions-Berhätinis begibt."
r. Neber eine Versumpfung der siidwest- afrikanischen Bahnvorlage beklagt sich die »Rationalzta/. In der Budgetkommission sei eine volle Woche über die Beratung des Nach, tragsetal« verloren »erben und die Mehrheil«- parteien würden dem ZenlrumSantrag folgen, wonach die Truppenzahl in Südwesters nka au 2500 Manu schon zum 1. März 19u7 reduziert werden soll. Die Bahnvorlage aber drohe zu versumpfen. Also gebt e« noch über eine halbe Spalte weiler. Zunächst ist es nicht richtig, daß die Truppenzahl schon zum 1. März herabge- mindert werden soll. Der betreffende Antrag siebt vielmehr eine Reduzierung der militärischen Kräfte erst zum 1. April vor. Aber auch für da« Übrige Lamento kann da« nalionrUiberale Blatt keinen stichhaltigen Grund abgeben. Zunächst trägt an der langen Dauer der Beratungen
roentaet die Kommission al« die Regierung die Schuld, indem die Darlegungen über die militärischen und sonstigen Verhältnisse in Südwest- afrita seitens der Regierungsvertreter eine gtaume Zeit in Anspruch nahmen. Jin übrigen siebt aber jetzt schon fest, daß die Budielkommiision >ereit« morgen, Dienstag, ihre Beratungen über die RachtragsetatS zu Ende führen wird, sodaß die zweite Lesung im Plenum schon am Donnerstag, also noch vor den Weihnachtsferien, erledigt werden kann. Damit ist also das Klageschrei der,Nationalzeitung' hinfällig. Interessant ist auch die Aufnabme, welche der Zentrumsantrag her die Verminderung her Truppenstärke gründen Hat. Die ,Nationatztg.' möchte Dieter- jalb dem Zentrum am liebsten eines an treiben, während die sozialdemokratische Preffe aus dem Zentrumsantrag schon einen „Umfall“ der Fraktion zu Gunsten der Regierung gefunden haben will. Auch hier beftätiat sich wieder einmal ba« »ekannte Sprichwort. Das Zentrum bedarf aber derartiger Lehrmeister nicht, es weiß am besten, wa« es zu tun und zu lasten bat.
.. Die preußische Klaffenlotterie ist fortan auch im Fürstentum Reuß j L. ausschließlich zugelaffen. Wie der ,Reichsan zeiget meldet, sind die Geschäfte der Generasiotteriedirektion für das genannte Staatsgebiet der Direktion in Darnr- labt übertragen.
Parlamentarische Nachrichten.
Die Budgetkommission deS Reichstages hofft bie Beratung bet beiden Nachltagselais ür Südwestasrika am Dienstag zu beenden. L« würde bann bie zweite Lesung im Plenum am Donnerstag beainnen.
... Ter Zentralvorstand der national» NberalenPartei bat sich aml'lontag neu konstituiert. Zum ersten Vorsitzenden wurde Abg. Baffer- mann, zu seinen ©leUoertretern Abg. Dr. Fried- berg und Prof. Dt. Geier - Erlanaen gewählt.
.. Die französisch-spanische Note bett, die Landung von Truvpen in Tanger, welche neulich Gegenstand der Eiörterung im Reichstag war, ist dem Reichstage nunmehr zuoeaanaen.
Aus -em Reichstage.
137. Sitzung vom 10, Dezember 1906.
Anfang: 3 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung des Gesetzes zur Ausführung der Generalakte der Internationalen Konferenz von Algceiras.
Abg. v. Ctrnmbeck (Zlr.) macht auf die Gefahren aufmerksam, die dem deutschen Handel durch willkürliche Erteilung der in den General.^kten mehrfach vorgesehenen Erlaubnisscheine erwachsen könnten.
Damit schließt die Generaldebatte.
Auf Antrag v. Normamr (konf.) wird das Gesetz en bloc angenommen.
Nach Erledigung einiger Nechnunasfachen trif: das Haus in die dritte Lesung des Gesetzes betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie ein.
Der Gesetzentwurf ist in zweiter Lesung unber- ändert nach den Kommissionsbeschlüssen angenom- men worden. Nur im § 23, der bestimmt, daß für Zwecke der Rechtspflege und der öffentlichen Sicherheit von den Behörden Bildnisse ohne Ein- williguna dcS Berechtigten sowie des Abgeb-lde- ten oder seiner Angehörigen vervielfältigt, verbrei- tet oder öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen, ist in der 2. Lesung die Einschränkung gestrichen Worten, daß dies nur auf richterliche Anordnung geschehen dürfe. Die Sozialdemokraten (Albrecht und Geu.) beantragen Wiederherstessung der KommissionSbeschlüsse. Zugleich soll der Richter die Anordnung nur auf Grund reichsgesetzlr- cher Bestimnumgen treffen dürfen.
Der Antrag wird abaeiehnt, § 22 angenommen, ebenso die §§ 23—53 dcbattclos.
Zu § 54 liegt ein Antrag Dr. Müller-Meinin- gen (fr. Vp.) vor, wonach das Gesetz nicht am 1. Januar 1907, sondern erst am 1. Juli 1907 in Kraft treten soll.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp.) weist darauf hin, daß es unmöglich sein würde die Sach- verstäudigcn Kommissionen bis zum 1. Januar 1907 zweckmäßig zusammen zu setzen. Auch der Regierung müsse ein späterer Termin des Jn- krasttretcuS angenehmer sein.
Unterstaatssekretär Wrrmuth: Die Regierung ist mit dem Antrag Dr. Müller-Meiningen durchaus einverstanden. Sie glaubt nicht die Vorarbeiten für die Inkraftsetzung des Gesetzes bis zum 1. Januar 1907 erledigen zu können.
Damit schließt die Diskussion.
Der Antrag Müller-Meiningen Wird einstim- mig angenommen.
Präsident Gras Bellestrem: Die hierdurch am Gesetz vorgenommene Aenderung ist nicht so bedeutend, daß wir nicht auch am heutigen Tage noch die Schlußabstimmung über das Gesetz im ganzen vor- nehmen könnten, allerdings nur für den Fall, daß niemand im Saufe widerspricht.
Das geschieht nicht. Das Gesetz wird in der Schliißabftimmung einstimmig angenommen.
Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes betreffend die Einführung des kleinen Befähigungsnachweises Im Baugewerbe.
Nach längerer Beratung wurde das Gesetz nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenouimen.
Dienstag 1 Uhr. (Interpellationen, Ablaß (fr. Vp.) und Albrecht (Soz.) Über die Fleisch- teuerimg.)
Schluß 6y4 Uhr.
Ausland.
* Der englische Handelsminister hielt am Samstag in Liverpool eine Rede, in der er nach unserem gestrigen Telegramme aussühile, England habe von der deusichen Schiffahrt nichts ttt befürchten, wenigstens solange nicht etwa Deutschland bte englischen Jrsieln annektiere. England habe in « Jahren seine Handelsmarine um mthrSchiffe vergrößert, als der ganze Wettbewerb Deutschlands mit all' seinem Großtun auSmache. Auf offener See fei eng- lifche Geich,cklichke.t und engtischerWagemut aller Welt überlegen. Wenn die Aeußeinngen des Mmtsttrs mit flieh fo gelautet haben, wie sie ,in« das „Wolff'iche Bureau« übermittelt, io müssen wir doch protestieren gegen den Hohn, der in dem Worte „Großiun« liegt. Die deutsche Handelsmarine „tut sich nicht groß«, wie Her, Livyd- George anzunebmen beliebt. Cie verfolgt still und unverdrossen ihre Ziele auf dem Weltmeere >m friedlichen Wettbewerb bet Rationen, sie bemüht sich, tortgefetzt bie Einrichtungen ihrer Schiffe den modernsten Anforderungen entsprechend zu verbessern und hat hier und da bie Genugtuung, auch von vorurteilslosen Engländern Aneikennung zu ernten. Richt wenige englische Reitende z. B. ziehen Die Beförderung auf deusichen Dampfern der auf englischen vor, weil Komfort, Verpflegung und Sauberkeit besser und größer sind. „Groß getan« hat man sich, soweit wir wissen, nirgends in der deutschen Handelsmarke, da« „Großtun" ist viel eher eine Eigenschaft John Bulls, und d e Rede des HandelSmrnisters spricht auch für unsere Auffai'ung. — In dem von den Londoner Blättern verössenllichten vollen Text der vom Handetsminister Lloyd-George gehaltenen liebe fehlt übrigen« an der Stelle, da bei Redner von demWettbewerbDeutschlands sprach, der Ausdruck „mit all' seinem Großtu,-«.
* Regulierung von Schadenersatzansprüchen auS dem russisch-japanischen Krieg. Die rus- sinhe Regierung hat eine Kommission eingesetzt, die alle Aniprüche, die infolge von Vermögensverlusten während des ruisifch-japamschen Krieges an sie gestellt werden könnten, prüfen und darüber ent'cheiden soll.
• Amerika und Japan. Der au« Yokohama zurückgetehrte Geiieraltonfuk Miller hat an die Siildenten der SkaatSnmversität eine Ansprache gehalten, darin er betonte, daß Japan mcht an einen Krieg denke. Amenka müsse aber auf den Gebieten, wo es noch hinter Japan zurückstehe, große Fortschritte machen, wenn e« nicht haben wolle, daß einst Japan den Handel im Stillen Ozean beherrsche.
* Venezuela stehen schlimme Zeiten bevor. Gin in New York emgetroffene« Telegramm von zuver läisiger venezol Mischer Seite aus Martinique bestätig', daß der Gesundheitszustand be« Prä!identen Castro lehr schlecht sei. Man glaube allgemein, daß seine Kranklwsi tödlich verlau'en werde. Nach derselben Meldung bereitet General Parade« eine Revolution vor und erklärt, daß er bald mit 15000 Gewebien in« Feld rücken werde.
• Die heillose Wirtschaft in Persien erhellt au« folgenden Telegrammen:
Teheran, 8. De». 11*06. (Meldung be« Reuter'.chen Bureaus 1 Seit gestern mittag ist im Befinden de« Schah« eine leichte Besserung finget,eien, doch fühlt sich der Schah noch sehr »chwach. Bi« heute nachmittag 4 Uhr war fern Befinden unverändert. Gestern wurde ein außerordentlicher Nttmstena' abgehallen, um die Lag« im allgemrinen und die Errichtung einer 9ta- nonalbant zu beraten, die vom Parlament beseh offen ist. Man entschied sich Dahm, mit der Auszahlung des rückständigen Solde» an bi« Truppen jetzt zu beginnen.
Teheran, 9. Dez. 1906. Im Befinde« ves SchahS ist heute kerne Perichlimmernng ein- getrelen. Zur Zahlung des rückständigen Solde« der Truppen werden zurzeit täglich 10- 0 Pfund Sterling verwendet, die durch öffentliche Zerch- nungen ausgemacht werden.
London, 10. Dez. 1906. »Daily Matt' meldet aus Karachi, daß Nachrichten au» Persien zufolge in der Provinz Schtra« große Unruhe und Erregung herrsche, hervor- gerufen durch die Mißregierung de« Prinzen Schoasultaneh. Auch im Distnkl Koweit seien Unruhen au-gebrochen, ba« Ein- schmuggeln bet Massen nehme zu, in bet Nähe von Kathat sei es ?u Gefechten zwischen vetschiebenen Stämmen gekommen. Auch aus Kerman werben ernste Unruhen ge» melbet. Banden von Slraßentäubeni durchzöge« die Gegend. Im Distritt Yezd fei eine europäische Reisegesellschaft, bestehend au« einet Missionar-gatsin und einer jungen Dame, überfallen, alle« Eigenliims beraubt und dann fiel- gelassen worden, ohne daß ihnen ein Leid zu» gefügt worden wäre. Der Gouverneur von Kerman habe alle seine Diener und bie hervor» ragenden Bürger der Stadt bewaffnet, im Hinblick auf eine etwa einttetenbe schwierige Lage»