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SabaK ctroaiitL
Deutsches Reich.
Bertin. den 7. Dezember 1906.
die Interessen unserer Industrie tu wahren bestrebt ist und sie praktisch wahrt. Der Dank bofilr ist denn auch dem Abfl. Speck vonseiten der Industrie und deS Handels im Reichstag nicht vor- tnthalten worden.
begrüßt würbe. Aehnllchet erstrebt man jetzt auch in Berlin.
• Die deutsch-spanischen Handelsvertrags- Verhandlungen sind, wie wir damals auS ührlen. seinerzeit wegen der von Spanien erhobenen Forderung inbezug auf den Weinzoll unterbrochen worden. In der Zwischenzeit ist nicht« bekannt geworden, daß in der Fortsührunq der Verhandlungen eine giinstige Wendung eingetreten wäre. Wie jetzt die Berliner »Post' meldet, steht bie Entscheidung von der kompetenten Stelle bezüglich der weiteren Gestaltung der deutsch-spanischen I Handelsbeziehungen unmittelbar benot. Bekanntlich läuft das gegenwärtige Abkommen mit Spanien Ende I9o6 ab.
einzuschreiten. .
Abg. Spahn (Ztr.) svrach sein Mitzsallen aus. datz die Nefliernnfl nickt auS eiflner Initiative die Note mitaeteilt habe, sondern sich erst baut habe dränflen lasten. ES sei überhaupt crwmrHit, daß dem Reickstaq mehr als bisher von Vorgängen der auswärtigen Politik amtlich Mittet» 1 lung aemackt werde. ,,,
Abg. Vlumenthrl (südd. Vp.) schloß sich dieser Anregung an, während von der Neckten daaegen geltend gemacht wurde, die Veröffentlichung amtlicher Aktenstücke über noch schwebende Aktionen der auswärtigen Politik sei untunlich, nach ihrem Abschluß aber habe sie eigentlich gar feinen Wert mC$'ie Vorlage wurde schlietzlich in erster und I zweiter Lesung erledigt.
Zweiter Gegenstand der Tagesordnung war eine Interpellation Speck (Ztr.) tetr. Ein- schränkuna der Ausfuhr von Ersen- erzen auS Schweden.
Es bandelt sich bet brfer Interpellation darum, datz Schweden, das im Handelsvertrag nut | Deutschland keinen Zoll ans die Ausfuhr von Erz nach Deutschland gelegt bat, nun durch hoher? Eifenbahntarife für Erze die Ausfuhr nach Deutschland erschweren will. Dadurch werden o«e ! Vorteile, die Deutschland durch den schwedischen I Vertrag hat und wofür es Schweden andere gewährt hat. illusorisch gemacht.
Ab«. Speck (Ztr.) legte diesen Sachverhalt auS- siihrlich dar und betont, datz dies Verhalten der I schwedischen Regierung gegen den Handelsvertrag verstotze und datz man auf eine loyale Handhabung unserer Verträge bestehen mäste, da sonst das Ausland mit immer mehr Forderungen bei Hon- delsvertragsverhandlungen uns komme. Man 'ei nachgerade weit genug gegangen in der Nachgiebigkeit gegen dos Ausland. .
Graf Posndowskp gab dem Abg. Speck darin 1 Reckst, datz man bei dem demsch-schwedischcn Han-
IRaatftrct ersuchen, „mit bet Stadtverordneten- Versammlung in gemischter Deputation zu beraten. wie bet Empfang fremder Staatsoberhäupter in einer der Würde der S.adl ent- spiechenben Weise zu gestalten fei." Der Empfung fremder Souveräne fettens bet Stabt Berlm er« ;olflle bisher unter freiem Himmel vor bem Branbenburfler Tot, während beispielsweise bet beutlche Raiter bei seiner Anwesenheit >d München vom dortigen Bürgermeister auf dem Rathaus
Oetonomiebanbroerfet handelte.
• Die deutsch-amerikanischen Tarifverhandlungen werden bekanntlich zur Zert in Berlin zwrfchen den von beiden Regierungen einge'etzten Kommissionen gesührt. Wie ein Berliner Blatt, das Aster« m,t halbamtlichen Verlautbarungen bedient wirb, nunmehr meldet, sollen bie Ber- hanbtiingen einen sehr zusriebenstellenden Verlaus nehmen. Unter den Wünschen, welche bie in Deuischlaud ansässigen Firmen vordrachien, de- finden sich auch solche, welche eine Aenbeninq bet Emsuhrdestimmungen von amerrlanischem
delSvertrag den Hauvtwcrt darauf gelegt habe, datz die Erzausfuhr nach De«tschland durch keruct- lei Zollmotznahmen gehindert werde. Die schwedischen Erzbcrgwerkgcscllscliaften seien auch fmon bei ihrer Negierung vorstellig geworden, bie Aus- ubr nicht zu erschweren. Es liege jetzt an dem chwedisck^n Parlament und der Regieruno. dw llusfuhr wieder freier zu gestalten. Er hoffe, datz auch eventuell durch eine Vorstellung unserer Regierung die Angelegenheit p"t geregelt werde.
Auf Antrag deS Abg. Hompesch (Ztr.) findet eine Besprechung der Interpellation statt.
Aba. Killmrr (nl.) tritt den Ausführungen de« Abg. Speck bei. die Negierung habe allen Anlaß. Schweden an feine Verpslicktunaen zn erinnern.
Abg Kaempf (fr. Vv.) führt au«, die Drohung mit den Ausfuhrzöllen fei ein zweischneidige» Schwert: Deutschland werde durch die Ausführung i)cr Drohung am meisten leiden.
Abg. Graf Kanitz,(kauf.): Die Erfahrungen mit Schweden zeigen, datz eS bester ist, überhaupt ! eine lauofristioen Verträge obrufckließen.
Abg. Dove (fr. Vag.) erblickt die einzige Hilfe in der Einführung der Politik des Freihandels.
Abg. Hue (So;.) pflichtet den Ausführungen des Abg. Speck bei,
Geheimrat Korner weist den Vorwurf, bie fchwedische Regierung Habe illoyal gehandelt, al« unberechtigt zurück.
Abg. Sveck (Ztr.) ist von der Erklärung bet Grafen Posadowsky sehr befriedigt und hofft, datz feine Bemühungen von Erfolg gekrönt feien.
Präsident Gras Ballestrem macht dem Hause die Mitteilung, datz der Staatssekretär des Innern von Dienstag der kommenden Wocke an bereit fei die Fleifchnotinterpellation zu beantworten.
Da» Haus vertagte sich hierauf auf Montag 3 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die dritte Lesung der Alaecirasakte, der Vorlage über da« Urheberrecht an Werken der bildenden Kunst und die Novelle zur Gewerbeordnung.
kommen.
* Neber bie Schaffung eines großen eitfl* lisch-westafrikanifche« Kolonialreichs Sickerte sich bet Unterftaal«fettetär be« Kolonial- amt« Winston Churchill in einer Rede zu Manchester am Donnerstag, da« Kolonialamt wünsche bem Baumwollbau innerhalb be« bttti- schen Reiches jebe mögliche Förderung angedeihen zu lasten. Der Tag fei nicht fern, an dem das britische Publikum für den Gebauten bet Vet- wrrkl.chung besten, was ein wei‘taftitonif*ei Reich bar stellen würbe, erwachen werbe; früher ober später mützlen bie britischen Besitzungen in Westasnka »u einem Ganzen oeridwiolyn werben.
* Militarifckles auS Ungarn In bem Heeresausichuß ber ungaritchen Deleoation et- । Hätte Kriegs Minister v. Schönaich, die Beobachtungen unb Folgerungen au« bem rutsijch-japanischen Kriege würben auf da« iorgtälügite von bet Ki,eg-verwalltmg be- rücksichiigt. Sie bezögen sich in erster Lm e auf bie Artillerie. Be, bet Intanterie bleibe die Hauptsache bie Individualisierung bet Mann- schastSauSbilbunq. Das gegenwärtige Infanteriegeweht sei vorzüglich unb entspreche allen An-
frl»et*ttl|ll».
In,Minne «er sonn» imo Adtttage Dienet« |uhc« betugspteii ohne Bringtrio be unb Besaget« iw Swtba nnb ausroätts t Nt 50 pf«.
11 Vie schwedische Lrzaurfuhr cam am Freitag im Reichstag aus Anlatz der ?llr-1 terpellation des Abg. Speck zu eingehender Erörterung. In den letzten Monaten hat sich em auffallender Rückgang in unferm Port schwedischer Erze bcmerkkmr gemacht. Die Ursackie dieser Erscheinung ist darin zu erblicken, datz die schwedische Negierung ben @nibengeleU- schäften im nördlichen Schweden die Erzaussuhr durch verschiedene Matznahmen erschwert hat.
Diesen Gesellschaften hat die Regierung b,e Be- förderung von 1M> Millionen Tonnen pro .jahr I vertraulich zugesichert und zwar zu dem Tarif von I 2,64 Kronen. In der Praxis aber hatte die fchwe» bische Regierung den Gesellschaften ern größere« I Kontingent gewährt. Infolge der gesteigerten Nachfrage hatten nun die Gruben an die Regle- ruug die Forderung gestellt, es möge ihnen für 1906 ein Transport von 400000 Tonnen über da« vertrauliche Kontingent hinaus bewilligt werden und für 1907 600 000 Tonnen. Die Forderung für 1907 hat die schwedische Negierung glatt ab- gelehnt; für 1906 Hot sie die Tonnenzabl auf 300 000 Tonnen herabgesetzt, gleichzeitig aber den Frachtsatz von 2,64 Kronen auf 3,30 erhöht. Hierin liegt unbedingt eine erhebliche Beeinträchtigung der Ausfuhr. Offenbar ist die schwedische Neat^ rung zu dieser Maßnahme veranlaßt worden durch einen Chauvinismus, der das Erz in Schweden behalten will, weil er von der Auffassung ausgebh datz Schweden infolge dieser Bodenschätze künstlich eine protze Eisenindustrie schaffen könne. Diese Auffastung scheint uns unbegründet zu fern. Denn erstens verfügt Schweden nickt über eigene Kohlen, sondern ist auf englische Kohlen angewiesen. Weiter hat Schweden nicht eine solch starke Bevölkerung, datz es die nötigen Arbeiter selbst st-l- len könnte und auswärtige Arbeiter amunatifie-
• Ausland.
• Im englischen Oberhaus« wurde am Donnerstag bte dritteLeimig des Unterricht-- gesetzt« mit 105 gegen 28 Summen angenommen. Die Minderheit setzte sich au« der römisch-katholischen und den der äntzersten anglikanischen Richtung anaehörigen Mitgliedern zu- lammen. Man hat Grund *ut Annahme, daß eine Einigung bet beiben Häuser erzielt werden bürste. Da« Gesetz wirb in ferner abaeönöeiten Form am 10. d. im Unterhause zur Beratung
Aus -cm Reichstage.
136. S'tzung vom 7. Dezember 1906.
Eröffnung 12% Uhr.
Erste Beratung der Algeciras-Akte. , Staatssekretär Frhr. v. Tschirschkv: Tre Al- gecirasakte haben nur Bestimmungen getroffen, I die geignet sind, eine friedliche Entwickelung der Tinge zu aewährleisten. Mit der Ausführung der Akte ist schon begonnen worden. Die Ratisckntwn soll nach Art. 21 noch vor Schluß des Jahres st ttt- finden. Da auch Geaenstände berührt sind, die 'N den Bereich der Gesetzgebung sallen, ist die Ge- nehmigung deS Neichstaoes notwendig
Abg. Basttrmanu (ntl.) forderte auch eine Aufklärung über d«e franrösisck-spanische Agitation in den marokkanischen Gewässern.
Staatssekretär Frhr. v. Tschirschkv erklärte, daß Frankreich und Spanien wohl Kriege-schissr zur Aukreckterhaltting der Ordnung nach Tauner ge- schickt hätten, datz die beiden Staaten jedoch in einer Note ausdrücklich erklärt hätten, nur nn , Geiste" der Algecirasakte zu verfahren, wodiirch i Deutschland der Notwendigkeit enthoben worden wäre, gegen die französisch-spanischen Matziiahmen
ren sich schwer. 11
In besten dies nur nebenbei: unS inter niert L hier nur die vertragsrecktlicke Seite tn ( Hinsickt auf unsere handelspolitische Beziehung zu Schweden. Nach dem Schlutzprotokoll zu Artikel 10 unseres Handelsvertrages mit Schweden dar, dies keinen Ausfuhrzoll auf Erz Deutschland gegenüber erheben, und nach Artikel 7 darf em I Ausfuhrverbot nur erlassen werden zu Krieaszer-1 ten oder aus gesundheitlichen, und ähnlichen l Sicherheitsgründen. Mit diesem klaren Wortlaut unseres Vertrages steht das jetzige Gebähten der schwedischen Regierung i n s Ä r o ff em 981- derlvruck. beim ihre Tar,fpol't,k kommt prak- tisch einem Ausfuhrzoll gleich. Deutschland hat Schweden beim Zustandekommen de« Handclswr- trages gerade mit Rücksicht auf das schwedische Erz wichtige Zugeständnisse aemackt. Während Schweden letztere ungestört genießt, sucht es Deutschland um die ihm zugestandenen Vorteile auf dem Umweg über die Tarifpolitik zu bringen. I
Diese« Gebühren vor dem deutschen Volke zu I belei-chten Ivar der Gegenstand und Zweck der I n t e r p e l l a t i o ir S p e ck. Und der Erfolg ist nicht ausgeblichen, denn Staatssekretär Graf Posadowsky ließ durch die Zeilen erkennen datz das Verhalten Schwedens von Deutschland nickt ruhig hingenommen werden könne. Vorläu-1 fjg versckan-t sich die schwedische Regierung hinter der Ausfluckt, daß sie an den schwedischen Reichstag gebunden sei. Tas mag schon richtig sein; I dann mutz sie aber den schwedischen Reichstag da- von überzeiiflen, datz die beobachtete Praxis ge^en den Handelsvertrag mit Deutschland verstöm. Tut sie das nickt so mutz Deutschland tm Intereste seines Ansehens und seiner Eisenindustrie mit Revrestivmaßnahmen antworten. Das geht doch nicht an, daß wir anderen Vorteile in den Schog i fuhren und selbst genasfübrt werden.
Die Regierung bat unseres Erachtens die Pflicht, hier ein ernstes Wort mit Schweden zu sprechen, und, soweit wir unterrichtet sind, wird sie im gegebenen Falle ihre Folaerungen ziehen. Eine energische Haltung der deutscken Regierung in diesem Falle würde auch das Gute haben, datz Amerika unb Spanien zur Einsicht oelongen würden, daß auch für den deut- schen Mickel daS Wort besteht: ES gibt ein Matz in allen Dingen! Uebrigens hat sich der Abfl. Speck, der so gern als Zentrumsaararier vcr- schrien wird mit seiner Interpellation ein unleugbares Verdienst um d i e deut» scheEisenindustrie erwoben und damit erneut den Beweis erbracht, datz das Zentrum auch
r. Neber den Empfang fremder Staatsoberhäupter Ist dem Be.lmrr Stadtverordneten- *o Hem um ein Antrag au« den Reihen feiner Dlitgliebet unterbreitet worben. Dieser will ben
jotbetungen.
* In Rußland nehmen die Unruhen rein Ende. Der Matrosen streik in Odessa freilich scheint beendet zu sein. Die Dampier- geiellschafien fahren mit ber Anwerbung von Manmchasien |ott unb bet Dampserverkebr wird allmählich wieder hergeftellt Die üblichen Dawp'er sinb am Donnerstag abgegangen. Sla unnicbea ben Ausständigen Zwiespalt entstanden ist, kaffe« sich viele für Schiffe anwerben. Aber in Lodz, der größten Fabrik stabt Russilch-Potens, hat es neue Arbeiterunruhen gegeben. Die Et» wordungen von Arbeitern bauern fort. Am Donnerstag würbe auf bet Straße ein Arbeitet schwer verwundet, ein anberer Arbeitet würbe tm ! Wirl-hau« durch Revolverschüffe getötet. Die Fabrik PoSnansti ist auf unb.stimmte Zeit geschloffen unb7152 Arbeiter entlassen worben. Die Wieberei Öffnung bet Fabrik hängt von ben Entschließungen des Verbände« bet Fabrikanten ab, die ben Arbeitern Bedingungen stellen werben. — In Wilna hat bie Polizei zwei Waffen- lager ber örtlichen Kamp, Organisation entdeckt. 150 Revolver sind beschlagnahmt worben.
" Revolution in Ecuador, ben Bezirken von Cuenca unb AzogueS wirb bet llut* I Iruch einer revolutionären Bewegung gemelbet, an beten Spitze bie Obersten Bega, Gon-ala und Cordova stehen. Präsident Atsaro hatte bem- nach vergeben« gehofft, ben AuSbtuch bet Resolut wn burch eine Umdi'bung be« MtniNertuiu«, bte er vor kurzem vorgenommen hat, vethtnbern zu können.
* Tie Zahl bet Hungetleidtndtn tm mittleren China behögi 10 Mtllwutn. Dir nächst« 1 Ernte ist tm Juli zu erwarten.
Maer
w°ch°ndui-g«!„ZlItis<rietteSonntagrzeItung"
Fleisch bezwecken. Jetzt flehen die Forderungen der deutschen Exporteure zur Verhandlung. ES ■ steht aber eine wiche Unmasse von lUa'.ettaf zur Verfügung, baß bie Verhandlungen noch mehrere Wochen in Anipruch nehmen werben. In biefer Zeit können sich noch sehr viele Gelegenheiten bieten, welche ben jetzt al« zufrieden stellend be- zeichneten Verlaus in ver'chiebtner Hinsicht ge- fäbrben können. Es wäre beShalb verfrüht, nach bem jetzigen Stande ber Dinge schon auf ein günstige« Ergehni« schließen zu wollen.
a. Wie man in überwitgrob pra'.estantischen Släbtra katholische Minoritäten respektiert, Hal bte Stabt« Verordnetenwahl in Kreuznach, das neben ca. 12000 Protestanten 7000 Katholiken zählt, dieer
i Tape bewiesen. Bei den Stablverordnetenwahleu war eS dem Zentrum gelungen, einen seiner Kandidaten in die Stichwahl ;u bringen. Dieser Kandidat, Herr Redakteur Capallo, hatte Aussicht gewählt zu werden, ba ferne Oualrsikalion zum Siavtverord- neten auch von den toeanern des Zentrums anerkannt wurde. Um bte Wahl de« Zentrumskandidaten
I zu vereiteln, wurde eine schamlose konfessionelle IHetze betrieben. Zunächst erschienen Eingesandts tn den Blättern, die diese Hetze emleitcten. tt« folgten Fluablätter der natimiattiberalen Partei — bie fetz', al« sie ein Mandat bedroht sah. auf dem Plan erschien — welche Verdächtigungen unb Be
I teibigungen gegen da« Zentrum enthielten. Sogar I die evangelischen Frauen wurden einberufen, um gegen bie „maftloien* Ansprüche deS Zentrums Front zu machen b i», auf bie Ehemänner emzu-
I wirken. Der evanaeUsche Verein versandte cm ätrfular mit folgendem Wortlaut: „Evangelische laubenSgenoffen! Die Stichwahl für ben Stobt-
I tat steht vor ber Tür. Aus katholischer Seite ist man aufs äußerste bemüht, einen Zentrumskandidaten durchzubringen, indem man ihn jetzt al« den Vertreter der Bürger, bet Arbeiter hin-eüt. Freunde! Wir müffen ultramontane Einstüffe mit allen Kräften von der Stadtverwaltung fenthalten larum ist eS Pflickt aller Evangelischen, Monta< vollzählig zur Wahl zu erscheinen und nur ;roe: Männern die Stimme zu geben, welch« unser volle« Vertrauen verdienen und rechttertiren werben. Wähler einmütig: Postdireklor Lullmann unb Georg ' I Rothaar! Viele evangelische Wählet ber btitten i Klaffe, welche ihre Stadt und ihren Glauben lieb haben." Derartige Mittel hatten den von den Hetzern erhofften Erfolg, bei bet Stichwahl unter- lag der Kandidat des Zentrums. Eo etwa« sollte einmal in einet kaiholitchen Staat vorkommen, den Spektakel übet „römische Unduldsamkeit" wollten
... Die beide« Nachtragsetats für Süd- ' westasrika würben am Fieilag in brr Budget-1 fomnttflion be« Reichstage« weiter beraten. I Die 91alionaUtbetakn waren natürlich nut bet I dtachsorberung ber Regierung durchaus einver- standen unb ihr Wortführer Semler machte bem Reichstag noch sogar Vorwürfe, daß er br«. her nicht genügend Gelb bewilligt habe. In- tereffante Mitteilungen wachte Oberstleutnant Rubt, ber ben Stanbvuntt be« Chef« be« Generalstabe« barfegte. Man sei in ben letzten Monaten auf bem Kriegsschauplatz wemg wettet gekommen. Die Hottentotten seien weit aetühr- lichere Gegner, al« bie Herero«. Da« Gelände in den Oranjebergen biete außerordentliche Schwierigkeiten, unb bie Kriegsweise be« Feinde« erfordere besondere Maßnahmen. Er lebe von I bem, waS et ben Deuischen raube unb seinen Raub tausche er auf englischem flohen gegen I Munition ein. Indessen werde doch die Summe bet kleinen Ersolge zum glücklichen Ende führen und beit Feinb mürbe machen. Sehr verheißenb klingt da« nicht. Darüber kann noch lange Zeit hingehen. Im Einklänge bamit steht, daß Herr Oberstleutnant Kuhl die flelaffung von 8000 Mann in Sübwestasrika gegenwärtig für durchaus notwendig hält unb daß nach feiner Ansicht erst weitere 1"00 Mann ent- lasten werben können, wenn die Bahn nach KeetmanShoop fertiggestellt fei. Im Frühjahr btesk« Jahres, al« Herr Deimlmg tm Reichs- tage auftrat und Herr Dr. Semlet von bet Regierung eine Erklärung provozieren wollte,, baß, wenn ber Reichstag bte «ahn bewillige, 1 die Truppen recht bald in stattlicher Anzahl zurückgezogen würben, hat es ganz anbetS geheißen als jetzt. Man wirb allerbmgs bem Oberstleutnant Kuhl bann Recht geben müffen. baß et bedenklich ist, die Truppenstärke zu I einem bestimmten Kalendertag auf eine geringe
Zahl he,abzutetzen. wie eS der Zentrumsantrag will. Das könnte eventuell zum Bertutt des Feldzuges unb wahrscheinlich ben Verlust be« Süben« ter Kolonie mit sich bringen. Au«
• diesem Gesichtspunkte sprachen tn bet Kommission die Abgeorbnelen Freiherr v. Richtkvsen unb Dr. Aienbt gegen bte Zentrumsresoltttion. Letzterer brachte eine Retoluticn ein, welche eine allmähliche Zurückziehung btt Schutz- huppen vorsieht unb weiter verlangt, daß zur Verminderung ber Ausgaben ber Ersatz für bte zurücktehrenben Kapitulanten in ber Heimat anstatt in bet Kolonie auegebtlbei werde. Gegenüber ber Rechten, welche einzig die Militär- bebörbe a'S maßgebenb für die Beurteilung bet Fiage gelten läßt, welche Truppen in Sübwest- afttla notwendig seien, wies bet Abgeorbnete I Erzberger fZentrum) mit Recht darauf hin, I baß an den Worten be« Fürsten Bülow fest- ! gehalten werben müsse, e« fei ber Wiberslanb I bes Segnet« bereit« gebrochen. In unverbinb« I licher Weise versicherte Kolonialbitek ot Dernburg. et werbe alle« getan, um ben Krieg zu verbilligen, ihn schnell zu beenbigen unb bie Truppen zurückzuziehen. Mit der scknelleu Zurückziehung im Sinne be« ZentrumSantrage« war auch er nicht einverstanden. Gegenüber diesen Aus-
I ffibrungen legte Abg Dr. Spahn dar, daß der ZentrumSantrag nicht bezwecke, daß mit einem I Schlage am 1. Apiil nur noch 2500 Mann in den Koloniens ein sollten, fonbetn baß er vielmehr ben Zwick habe, bte Vorbereitungen bi« zum 1. April zu treffen, welche für die Reduzierung bet Truppen aut 2500 notwenbiq feien. Da von Seiten der Regierung auch darauf hingewieien wurde, daß eine schnelle Zurückziehung der Truppen au# verkehrstecknischen Gründen un. möglich fei, wurde der Zentrumsantrag dahin ergSn-t, daß bi« zum 31. Mär» 1907 neben bei He.mienbung weiterer 4000 Mann die Borbe-
I rerlang getroffen werde, die Gescmtstärke der j Schutztruppe aut 2500 Mann heiadzu,etzen.
Ganz analog hat das Zentrum seinerzeit gehandelt, al« es sich um die Zurückziehung bet
verlaß «et He» klendr tdtrei tn Sul6«.
m«it«ts6tnose: „Sulbact Geschlchtrblättn"