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Fulda, Dienstag den 4. Dezember 1906.
Erstes Wlalt.
Sm jchirfn Klm-idt im Deichslazr ist in der Verhandlung vom Montag zwischen dem Kolonialdirrktor Dernburg und einem Mitglieds der Zentrumsfraktion, nämlich dem Abg. Roeren erfolgt. Als seinerzeit die Berufung des Herrn Dernburg zum Kolonialdirektor bekannt wurde, verbreitete sich gleichzeitig das Gerücht, daß Herr Dernburg eine etwas rücksichtslose Natur fei und was man inzwischen im privaten Verkehr erfahren hat, war nur geeignet, jenes Gerücht zu bestätigen. Man hat in der Sitzung vom Montag unwillkürlich den Eindruck gewonnen, als ob das nicht unglückliche Auftreten des Herrn Dernburg am ersten Tage der Kolonialdebatten ihn übermütig gemacA habe und er sich auf dem politischen Parkett in diesen wenigen Tagen schon so heimisch gefunden habe, daß er es für unbedenklich hält, der einen Partei nach der anderen vor den Kopf zu stoßen. Der Abg. Roeren brachte die Verhältnisse in Togo am Montage im Reichstage zur Sprache. Während der zwei Stunden, die er redete, hatte er nicht nur die volle Aufmerksamkeit des Hauses für sich, sondern er konnte auch aus dem Verhalten des Hauses die Ueberzeugung schöpfen, daß seine Mitteilungen auf dasselbe ihren Eindruck nicht verfehlten, denn sie beleuchteten mit grellem Lichte die Vorkommnisse in unseren Kolonien. Als Herr Roeren geendet, erhob sich sofort Herr Kolonialdirektor Dernburg, und man mutzte gespannt sein, Wa8 er zur Widerlegung des Vorgebrachten anführen werde. Herr Roeren hatte den Kolonialdirektor selbstverständlich für die Vorkommnisse nicht verantwortlich gemacht, da sie vor seinem Amtsantritt liegen.
Umsomehr mußte es auffallen, daß Herr Dernburg in einer äußerst erregten Weise dem Abg. Roeren erwiderte. Die Ur- fache seiner Erregung kann man nur darin erblicken, daß er sich außer Stande fühlte, die Behauptungen des Abg. Roeren zu widerlegen, denn auf eine Widerlegung ließ er es nicht ankommen. Statt dessen suchte er ein Bombengeschütz gegen den Abg. Roeren aufzufahren, das diesen in der öffentlichen Meinung zerschmettern sollte. Herr Dernburg erklärte nämlich, daß Herr Roeren nach seiner zeugeneidlichen Vernehmung die Bemerkung gemacht habe, wenn ihr den Wistuba nicht wieder rehabilitiert, so werden wir für die Kolonien nichts mehr bewilligen.
Ein jeder Politiker, der den objektiven Sinn auch seinem Gegner gegenüber bewahrt, mutzte von vornherein der UebeiMugung sein, daß dec Abg. Roeren eine derartige Bemerkung nicht gemacht haben konnte. Aber es wurde von den gegnerischen Parteien im Reichstage die Vemerkrurg des Kolonioldirektors gern als ein offenkundiger Beweis für die Kuhhandelpolitik des Zentrums aufgegrisfen. Schon bald hatte Herr Roeren Gelegenheit, die Sache richtig zu stellen. Ta aber bei seiner nur zu natürlichen Erregung gegenüber dem Vorgehen des Kolonialdirektors Dernburg seine Ausführungen nicht mit der Klarheit in der Öffentlichkeit drangen, die für die Aufklärung der Angelegenheit erforderlich ist, verlohnt es sich, die Ausführungen des Herrn Roeren hier zu skizzieren.
Rach der Darstellung des Herrn Kolonialdirektors muß es so scheinen, als ob Herr Roeren jene Bemerkung über Wistuba bei der Zeugenvernehmung gemacht habe. Das ist durchaus unzutreffend. In dem Zeugenprotokoll, welches der Abg. Roeren unterschrieben hat, steht davon kein Wort. Ferner ist es unzutreffend
daß Herr Roeren irgendwie aus Wistuba Bezug genommen hat, sondern Herr Roeren hat, soweit wir unterrichtet find, außerhalb der Zeugender- nehmung einem der beiden Richter eine Bemerkung gemacht, daß die Togo-Angelegen- h e i t die Stimmung in seiner Fraktion ungünstig beeinflusse. Es ist dann dem Kolonialdirektor eine Zuschrift zugegangen, in welcher es heißt, daß Herr Roeren „gelegentlich" seiner Vernehmung die Bemerkung über Wistuba gemacht habe. Das Wort „gelegentlich" ist hier irreführend, denn die Mitglieder des Reichstag? mutzten dies so auffassen, als wenn Herr Roeren die Bemerkung betreffend Wistuba in der Zeugen- Vernehmung gemacht und mit seiner Unterschrift bestätigt habe. Herr Roeren hat aber die Bemerkung überhaupt nicht gemacht und er konnte mit Fug und Recht seine Fraktionskollegen als Eideshelfer aufrufen, daß die Angelegenheit Wistuba in der Fraktion nie besprochen worden ist, daß es also dem Zentrum niemals in den Sinn gekommen ist, wegen des Herrn Wistuba irgendwie seine Stellungnahme zum Kolonialetat beeinflussen zu lasten.
Ebenso ist es unzutreffend, wenn Herr von Loebell im Laufe der weiteren Verhandlung zwischen den Zeilen dem Abg. Roeren den Vorwurf machte, als habe er ein vertrauliches Schreiben des Herrn von Loebell in die „Germania" lanziert. Der Publikation in der „Germania" steht der Abg. Roeren vollständig fern, und er hat sich auch nicht, wie wir aus kompetenter Quelle wissen, einer Mittelsperson bedient, sondern dem vertraulichen Charakter des Briefes nach jeder Richtung hin Rechnung getragen.
Obwohl der Verlauf der Verhandlungen vom Montag für viele Leute der Anlaß sein wird, das Zentrum zu verdächtigen, möchten wir doch die Erwartung aussprechen, daß die anständige politische Presse von dem wahren Sachverhalt der Angelegenheit Kenntnis nimmt und sich danach richtet.
Deutsches Reich.
Berlin, den 3. Dezember 1906.
* Der Zentrumsabgeordnete Joseph Adolf Breuer ist am Freitag nachmittag nach längerem Leiden auf feinem Gute Groß-MönchShof bei Niederaußem in der Rbeinprovinz gestorben. Dem Abgeordnetenhause gehörte Breuer seit 1897 an und zwar als Vertreter des Wahlkreises Köln (Land)-Bergheim.Euskirchen. Ebenfalls seit 1897 war er Mitglied des Reichstages, in welchem er den Wahlkreis Bergheim- EuSkirchen vertrat. Breuer war der,Köln. Volksztg/ zufolge auch Mitglied des ProvinziallandtageS und des KreiS- ausschuffeS des Kreises Bergheim. Er stand im 76. Lebensjahre. Breuer war eine« der pünktlichsten Mitglieder der parlamentarischen Körperschaften, denen er angehörte; erst schwere Krankheit hat ihn von der Erfüllung seiner Pflicht abgehalten. Nach außen hin trat er wenig hervor, aber wegen seines jovialen Wesen- war er bei den Kollegen wohl gelitten.
* Prinz Karl von Baden, der Bruder des Großderzogs, ist Henle morgen 7'/r Uhr im Aller von 75 Jahren in Karlsruhe gestorben. Prinz Karl war preußischer General der Kavallerie und Präsident der ersten Kammer; mit Rosalie Gräfin v. Rhena, geborene Freii« v. Blust war er morganatisch vermählt.
Bon einer Erledigung der Börsengesetz- novelle ohne Kommissionsberatung will da» Berliner Bündlerorgan nichts wissen. Sie glaubt, daß eine solche Beratung schon deshalb kommen
müsse, weil sie von der rechten Seite beantragt werden wird. Wir haben bereit- darauf hin- fieroiefen, daß die Vorlage sich eng an die rüheren Kommissionsbefchlüfse anschließt, so daß e- einer unnötigen Verschleppung gleichkäme, wenn jetzt abermals eine Kommissionsberatung plahgreisen würde.
r. „Neber den Hauptmann von Köpenick" wird nun auch im Reichstage eine Interpellation eingebracht werden. Sie geht von den Natronalliberalen anS und richtet sich gegen die Ausweisungspraxis der Polizeibehörde, wie sie im Verlaufe des Protestes gegen den falschen Hauptmann geübt wurde. Die Interpellation soll bald nach den Weihnachtsferien verhandelt werden. Im übrigen ist die gesamte Berliner Presse der einstimmigen Ansicht, daß der Fall Voigt eine schwere Anklage gegen Polizei und Justiz in sich schließe. ES werden Maßnahmen verlangt, damit einer Widerkehr solcher Vorkommnisse für die Zukunft vorgebeugt wird.
* Nm eine Aendernng des Portotarifs für Drucksachen petitionierte der deutsche Handelstaq. Die vorgeschlagene Aenderung ist aber vom Staatssekretär deS Rrichspostamt- abs chlägiq beschicken worden, weil sie für die Postkaste einen Einnahmeausfall von mehreren Millionen Mark zur Folge haben würde. Abgelehnt wurde auch das Ersuchen, da- Meistgewicht der Drucksachen auf 2 Kilogramm zu erhöben. Die Postverwaltung befürchtet nämlich eine Beeinträchtigung in der Erledigung der Br efpost, wenn diesem Ersuchen stallgegeben würde. Weiter will bet Staatssekretär des Reichspostamts nichts davon wissen, daß die Postanstalten am Geburtstag des Kaisers auch während zwei Nachmittags- stunden geöffnet sein sollen. Die Klagen der Geschäftswelt bleiben also in dieser Hinsicht bestehen.
* Stuttgart, 3. Dez. 1906. Herr Joseph Eckard, der langjährige Redakteur de- .Deutschen Dolksblattt ist gestern im Aster von 42 Jahren gestorben. Nach seiner Priesterweihe (1888» war er zwei Jahre in der Pasioralion tätig und wurde im August 1890 an daS »Deutsche Volks« blattt berufen. 1895—19i>0 gehörte er alS Vertreter deS Bezirks Oberndorf a. N. der Kammer der Abgeordneten an. Eine unermüdliche Tätigkeit entwickel e er auf dem Gebiete oeS Arbeitervereins wesen-; seit mehreren Jahren war er DiözesanpräseS der katholischen Arbeitervereine der Diözest Rottenburg. Auch auf literarischem Geknete war er sehr fruchtbar. So schrieb et über die Tätigkeit der württembergischen Zentrumsfraktion 1R95—1900, und erst einige Tage vor seinem Tode wurde die Fortsetzung (190l—19 '6) vollendet. Schon feit drei Jahren war er herz, leidend. R. L P.
Mommpdild uns dm Deichst,zc.
Die Montagssitzunq wurde vor fast leeren Bänken eröffnet. Trotzdem gerade für dreie Sitzung ein interessanter Verlauf in Rücksicht auf die am Samstag von Bebel erhobenen An- fchuldigungen zu erwarten war, hatte e- ein großer Teil der Abgeordneten vorgezogen, den fünften Tag der Kolonialdebatten vorübergehen zu lassen, ohne selbst der Sitzung anzuwohnen. Die vom Abg. Arendt gegen Bebel angekündigte Abwehr folgte nicht gleich zu Beginn. Dafür trug aber die Sitzung von allem Anfang an einen sehr lebhaften Charakter. Zunächst
M siiMares Weiwnis.
Den» amerikanischen Originär der Airs. May Agnes Fleming uacherzätüt von Lina Freifrau mm Berlepsch.
23] t Nachdruck verboten.)
7. Kurz und sentimenta!.
Zwei Tage später zeigte sich am fernen Horizonte Irlands felsige Küste.
Mittags sollten sie in Queenstown landen.
Rudolph summt ein Liedchen vor sich hin; so lange Edith nicht Lady Ehateron ist, verbannt er Verzweiflung und Selbstmord. Sie selbst sprang aus mit einem Schrei des Entzückens.
„O sieh, Trixy, endlich ein Land meiner Träume. endlich grün Erin!"
..Ick sehe", entgegnete Beatrice schläfrig „nd schlüpfte Lus der Hängematte, „ick halte noch nickt viel davon. Ein Hc.usen zerklüfteter Felsen und auch nicht grüner, als die Heimatb."
Seit drei Tagen war die Seekrankheit überstanden, sie konnte bei Tische erscheinen und an Sir Victors Arni auf dem Verdeck wandeln. Als hätte sie ein Recht, fing sie da wieder an, wo sie oufgtiiört Seit der Mondnacht, von der glück» lickertveise Tritt» nicbts wußte, waren zwischen dem Baron und Miß Tareks mir glcichgistige Worte gewechselt worden. Beatrice Stuart absorbierte ihn vollkommen und ohne zu wissen wie, befand sich der pmge Enqländ'r immer an ihrer Seite, unfähig, von ihr lokzuksmnkerr. Edith sah es und lächelte.
„Honte mir, morgen Dir", dachte sie,, „Trixy manöveriert wirklich so gut, daß es schade wäre, sich einzmmschen."
In den letzten Tagen '.wir Rudolph ihr Kavalier. Beide nahmen das Gute, das ihnen die Götter öottzn, und sorgten nicht für den Morgen.
Sie landeten und brachten eine Stunde in Queenstown zu, begaben sich dann nach Cork, wo sie zwei Tage weilten, Blarney Castle besuchten und sich noch Killamey aufmachten. Und immer noch war Sir Victor Tripps Gefangener, immer noch hielten Rudolph unb Edith ihre heilige Allianz.
Lady Helena beobachtete ihren Neffen und die amerikanische Erbin und ihr feines Gefühl sagte ihr, daß ihm von dort keine Gefahr drohe.
„Wäre es die Andere", dachte sie, „aber eS ist klar, tote die Sachen zwischen ihr und Cousin Rudolph stehen."
Durch ganz andere Brillen betrachtete der alte Mr. Stuart die Sachlage. Es seines Lebens Tramn, seine Kinder mit der britischen Aristokra- tie zu vermäblen.
„Reichtum haben sie genug", sagte er sich stolz. ^Jedes soll eine Million haben und ihre Abkunst ist der besten würdig, denn das Blut der Stuart fließt in ihren Adern."
lieber die Fortschritte seiner Tochter lächelte der alte Herr vergnügt, des Sohnes Benehmen erzürnte ihn.
„Bedenk', woran Du bist, junger Manu", sagte er eines Tages, „ich habe ein wachsames Ange auf Dich. Ich habe nichts oimirwonden gegen gewöhn- licke Aufmerkfmnkeiten für Fred Darrekl's Tochter, aber hüte Dich vor Thorbeiten, verstehst Du? Wenn Du nickt beiratest, wie ich will, gebe ich Dir keinen Schilling."
Rudolph sah feilten Vater mit eigentümlicher Miene an.
„Beruhige Dich, Vater, ich heirate Fred Darrell s Tockter nicht, wenn Tu das eine Torheit nennst. Darüber sind wir längst einig."
Unterwegs gesellte sich ein Reisender im Eilwagen zu ihnen, ein großer junger Mann von militärischem Aussehen:
„Hammond, beim Zeus, wo kommst Du her, 1 alter JungeI" rief Sir Victor, „freut mich. Dich
zu sehen. Hauptmann Hammond, mein Freund, Herr Stuart aus New-Aork."
Der Offizier verbeugte fick, Rudolph lüftete den Hut.
„Fürwahr", sprach Ersterer heiter, „toer hätte Dich hier zu treffen geglaubt, cs hieß, Du erforschtest Kanada."
„Einsteigen, meine Herren!"
Sir Victor hatte beschlossen, sich neben Edith zu setzen; waS aber ist des Mannes Wille gegen der Frau Entschlüsse?"
„Bitte, helfen Sie mir hinauf, „Sir Victor", rief Trixy, „es ist so hoch, und bitte, setzen Sie sich zu mir unb zeigen Sie mir die Schönheiten der Natur, man genießt sie viel bester, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird."
„Was konnte Sir Victor tun?"
Und fort giug's über Stock und Stein und die ganze Dorfgejugend hinterher.
„Was sagst Tu zu Trixy's diplomatischem Talent?" flüsterte Rudolph Edith zu, „armes Kind, fie sucht nur des Vaters Gebote zu erfüllen."
„Ehre den Vater, auf baß Du lange lebest und so t veiler. Schade, daß sie keine Aussicht hat."
„Meinst Du?"
„Sir Victor, wer ist Ihr ernster Freund?" flüsterte Beatrice.
„Er ist der ehrenwerte .Hammond, zweiter Sohn des Lord Glengary und Hauptmann eines schottischen Regiments."
Mit neuer Ehrfurcht betrachtete Miß Stuart den großen schweigsamen Krieger, den Sohn eines Lords.
Es war ein herrlicher Tag; die Scenerie prachtvoll, Sir Victor aber benahm sich einsilbig und zerstreut und gab vor, etwas verstimint zu sein.
Hell und kaut scholl Edith'S Lachen herüber.
„Auf der andern Seite wenigstens scheint gute Laune zu herrschen", bemerkte Lcchy Helena kä-
fet noch erwähnt, daß der Tod abermals eine Lücke in den Reihen der Abgeordneten gerissen hat. Der Abg. Breuer ist, wie schon gemeldet, gestorben; daS HauS ehrte fein Andenken in bet üblichen Weife. Unb nun nahm Kolonialbirektor Dernburg baS Wort zu einer Erklärung über den Fall Pöplau, wobei er von ben Sozialdemokraten durch fortwährenden Lärm gestört wurde. Der Präsident mußte dieses Verhalten rügen und bat, eS künftig zu Unterlasten.
Nun folgte die Red« des Zentrumsabg. Roeren. Hatten wir geglaubt, daß der Höhepunkt der Kolonialdebatten schon längst vorüber sei, so wurden wir jetzt eine- anderen belehrt. Es war eine Sitzung, wie sie entschieden zu ben Seltenheiten gehört. Die Debatte nahm eine Wenbunq, welche bie verflossenen vier Tage weit in ben Schatten stellt. Im Vordergründe standen bie Ausführungen beS Abg. Roeren, welcher verschiedene Vorgänge in Togo, unserer Musterkolonie, zur Sprache brachte. Als Herr Roeren u. a. erwähnte, daß der Untersuchungsrichter mit Polizisten in den Reichstag eingedrungen wär» und daS Pult deS Abg. Erzberger durchstöbert habe, unterbrach Präsident Graf Ballestrem ben Rebner unb bezeichnete feine Mitteilungen für nicht richtig; der Untersuchungsrichter sei nicht eingedrungen, er sei vielmehr al- Gast int Reichstage gewesen. Allgemeines Lachen folgte dieser Feststellung. Abg. Roeren spann den Faden weiter; der Untersuchungsrichter könne sich gratulieren, daß der Präsident nicht zur Stelle war. Gleichzeitig ließ Graf Ballefirem ein Aktenstück herbeibringen, au- welchem er ben tatsächlichen Sachverhalt nach Schluß der Rede de- Abg. Roeren mitteilte. Weiler hat Präsident Graf Ballestrem bestimmt, daß eine gerichtliche Haussuchung im Reichstage ohne seine Erlaubnis auf feinen Fall zulässig ist. Diese Erklärung brachte dem Präsidenten überaus reiche Zustimmigkeit-- erklärungen.
WaS nun die Rede de- Abg. Roeren betrifft, so übte er eine geradezu vernichtend« Kritik an b«r Rechtspflege und btr Verwaltung in Togo, indem er bie jetzt schon überaus lange Liste bet Kolonialskandale burch einige neue Beiträge noch vergrößerte. Herr Roeren sprach burchaus leibenfchastslo-, wodurch feine zum Teil geradezu furchtbaren Enthüllungen mit großer Anteilnahme entgegengenommen wurden. Während der ganzen Rede wiederholten sich die „Hörti Hört!"« Ru,e unausgesetzt, bie sich in ben Reihen der Sozialdemokraten zu lärmenden Kundgebungen verdichteten, als die grausame Vollziehung der Prügelstrafe zur Erörterung kam. Der Redner hat einen der etwa 3 Zentimeter dicken Knüppel mitgebracht, mit denen die Eingeborenen geprügelt wurden; er zeigte ihn dem Haute vor, worauf die Sozialdemokraten in laute Psui-Rufe ausbrachen. Aber auch auf ben anderen Seiten deS Hause- machten sich zahlreiche Entrüstung-- rufe gellend. Die Feststellungen de- Herrn Roeren übten auf das ganze Hau- eine kaum glaubliche Wirku"g au«. UeberaU erhoben sich neue Zurufe. Zum Schluß beschäftigte sich bet Zentrumsredner noch mit den Angriffen, welch» m der kolonialschwärmerischen Presse gegen di» Missionen gerichtet wurden.
Jetzt nahm die Beratung einen Charakter an, welcher zahlreicheLärmszeneu hervorrief. Die Peranlyffung dazu gab der Kolo niald irektor, welcher die von dem Abg. Roeren erhobenen Beschuldigungen in wenig parlamentarischer Weise
chelnd, „Edith Darrell ist wirklich ein reizende- Mädchen."
Beatrice warf einen Seitenblick auf ben Baron.
„Es ist eine bekannte Geschichte", sagte sie. daß Rudolph und Edith nur glücklich sind, wenn fie beisammen sind. Ich glaube, mein Bruder wäre ohnehin nicht mit, wenn Edith nicht dabet gewesen wäre."
„Es ist also eine alte Neigung?" fragte Ladtz Helena.
„Ja, sehr alt und Edith wird für mich rin« reizende Schwägerin abgeben, glauben Sie nicht, Sir Victor?"
Sie sieht ihn ungekünstelt an, während sie beit Dolch in sein verwundbare» Herz bohrt.
Er versucht zu lächeln und etwas Verbindliche- zu sagen, aber beides mißlingt. Mürrisch sitzt er da unb horcht auf die luftigen Stimmen drüben, überzeugt, daß auch er Edith Darrell liebe.
Im Zwielicht erreichten sie Glangariff und fuhren beim Mondschein nach einer Insel. Ein glücklicher Zufall führt Edith an Sir Dictor'- Seite und Hauptmann Hammond huldigt Beatrice.
Die Eltern, für welche Mondlicht auf der See längst seinen Zauber verloren, Tau und Nacht aber ihre Schrecken behalten, bleiben am Lunde. Die irischen Bootsleute spannen die Segel.
Sir Victor hält sich dicht an Editb's Seit«, Wie schön sie ist im Silberlicht des Mondes.
„Komm' ich zu spät?" fragte er sich, »liebt si« ihren Vetter?"
Edith beobachtete alles. Hätte sie je ihre Macht über ihn bezweifelt, jetzt war sie derselben gewiß. Sie lächelte und hatte nur Aufmerksamkeit und freundliche Worte für den Baron.
„Denn wir England erreicht haben werden, spreche ich", dachte dieser erleichtert, „Edith Darrell soll mein Weib werden."
(Fortsetzung folgt.) <