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33. Iatirstanq.

Fulda, Samstaq den 1. Dezember iwti.

276.

Zweites Wtatt

Für den Monat Dezember

ionte)

entgegen.

■

I

AÄegsminister Pedolti genannt. Die betreffenden

ihres xtoriräflsaDcnos nmcrc %ycir- urw . «... tnftmih noUhf —,

schauung vertretende Dichterin ehren. Stets hat Berglttaßen werden bereits instand gesetzt.

Sn?« hem Wt eh fpaltigt pe' ttjelle oder deren Rai m 15 Plg. Reklamen rie petitzeite 25 Pf*.; bei wird«. holnnae« wird «ntlpt.

Rabat i gewährt.

heute schon angenommen werben, bah die Mehr­heit der Herrenhausmitglieder es vermeiden wird, es auf einen offenen Kampf mit der Krone und dem Abgeordnetenhaus zugleich ankommen »u las­sen. Infolgedessen scheinen die neuen Schwierig­keiten für die Wahlvorlage von nur geringerer Bedeutung zu sein. .. __

In Frankreich wurde die Politik des Mi­nisteriums Clemenceau zum Gegenstand einer Interpellation gemacht, welche von der konserva­tiven Partei im Senat eingebracht wurde. Die Debatte schloß, wie nicht anders zu erwarten war, mit einem großen Sieg des Kabinetts. Clemen­ceau selbst zeigte sich als gerissener Diplomat, dem es beliebte, über das Verhältnis Frankreichs zu England gerade nur soviel mitzuteilen, al- er wollte. Da« Wichtigste darüber behielt er für sich: namentlich auf die Frage nach dem Bestehen einer englisch-französischen Militärkonvention gab er eine Antwort, welche als Musterbeispiel diploma­tischer Derstellungskunst angesehen werden kann. Der Senat war jedoch sehr damit zufrieden. Wenig Beifall finden aber die von Clemenceau auf vielen Gebieten der Verwaltung geplanten Reformen. I Verwunderung erregt es, daß der neue Justiz­minister an Radikalismus feinen .Chef" noch zu übertreffen sucht. Er beginnt mit einer Abänder­ung der Eidesformel und bereitet einen Gesetz­entwurf vor, nach dem jede Bezugnahme auf reli­giöse Dinge im Wortlaut des Eides entfernt wird. Bisher konnte man in Frankreich noch „vor Gott" schwören, in Zukunft soll das nicht mehr möglich sein. In der Sprache der großen Staatsaktionen war ja das Wort Gott schon feit mehreren Jahr­zehnten verschwunden, nunmehr wird es auch vor Gericht unterdrückt. Es ist nur schade, daß die Herausgeber des amtlichen Wörterbuches nicht ge­zwungen werden können, das verhaßte Wort auch aus diesem Werk zu streicheln

tttotht tigii®, *# Ausnahme der Son» enb Miet tagt viertel» ähr», vezu-rpreir ohne vringrrlohn und BtneUgtlbin $ulba und auswärts i Btt. M psg.

für Kunst und Wissenschaft kein genügendes Inter- esse hätten. Möae jeder Katholik unserer Stadt diesen Vorwurf Lügen strafen und durch Besuch ihres Vortragsabends unsere Welt- und Lebensan-

Therese Hefter (M. Herbert).

Wie bereits mitgeteilt, hat Frau Therese Keiter (M Herbert! dem hiesigen kath. kauf, männischen Verein für den 4. Dezember einen Vortragsabend in Aussicht gestellt. ,

Von den Dichterinnen, die der hessischen Hei­mat entstammen, steht keine den Lesern der „Ful­daer Zeitung" näher als Therese Keiter, die unter dem Schriftstellernamen M. Herbert seit über 25 Jahren eine außerordentlich fruchtbare literarische Tätigkeit entfaltet. Es ist das Verdienst des katb. kaufmännischen Vereins, weiteren Kreisen die per­sönliche Bekanntschaft mit der Dichterin zu ver­mitteln.

Eine kurze Skizze über den Lebensgang der Dichterin dürfte deshalb erwünscht sein.

Zu Melsungen in der Diözese Fulda nm 20. Juni 1859 als Tochter eines Forstbeamten geboren, verlebte M. Herbert dort auf der Rosen- höhe, „ihrem Köniareichc", tote sie im Liede singt, eine sorglose, glückliche Jugend, umgeben von der Liebe der noch lebenden Mutter und gehütet von den schon lange erloschenen Augen ihres Vaters, dem sie die tiefempfundenen Worte nachrief: . „Ach, dir treuen Vaterhände, die behutsam mich geführt.

Daß ich keine Furch' im Wege, leinen Stein und Dorn gespürt.

Ach, dir große, tiefe Liebe! Wird mir jetzt der Weg zu fchwer, Möcht' ich jetzt dir Augen schließen, keiner fü rk mich so wie er!"

Ihre erste heilige Kommunion empfing Therese int Kloster der Ursulinerinnen in Fritzlar und besuchte spater kurze Zeit das Lehrerinneitseminar zu Kassel, um in den fremden Sprachen das

wocheN'Run-Ichau.

X Fulda, 1. Dezember 1906.

Der Reichstag hat von der verflossenen Woche allein toter Tage auf die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Verleihung der Rechtsfähigkeit au die Berufsvereine verwendet Die Generaldebatte darüber hätte sich aber noch weiter hingezogen, wenn nicht ein Schlußantrag den Redestrom zum Stillstand gebracht hätte. Wohl selten hat ein Gesetzentwurf eine derartige Ablehnung erfahren wie gerade dieser. Von allen Seiten des Hauses wurde er für unbrauchbar er- klärt, während allenthalben die schärfsten An­griffe, namentlich von dem Freisinn und der So- jialdemokratie, gegen die Urheber des Entwurfs gerichtet wurden. Zahlreiche Wünsche und tief­gehende Bedenken äußerten auch die Redner de» Zentrums. Für die Regierung verteidigte Graf Posadowskh die Vorlage nach Möglichkeit, betonte aber auch, für welche Anregungen die Regierung nicht zu haben wäre. Nun ist eS Aufgabe der Kommission, den Entwurf so umzugestalten und zu verbeffern, daß er vor dem Plenum bestehen kann. Inwiefern ihr dies gelingt, bleibt noch ab- zuwarten. Deshalb läßt sich auch jetzt noch nicht sagen, wie das endgiltige Schicksal der Vorlage sich gestalten wird, da es weiterhin auf die Hal­tung der Regierung ankommt, die gegenüber der Kommissionsarbeit einnehmen wird. Jedenfalls wird man auf gewisser Seite auch kein Mittel un­versucht lassen, um die Regierung abermals scharf

Römischer Wochenbrief.

V Rom, den 26. November 1.906.

Mit großer Neugierde aber nur wenig Be­geisterung haben die Römer den König von Griechenland empfangen. Die Bemühungen der italienischen Ueberpatrioten in Sachen einer Art von Bundesgenossrnichaft mit Griechenland haben bei der Bevöllerung nur geringen Ankla.iz gesunden. Der großen Masse de« Volke« ist i< ziemlich gleichgiltig, ob Macedonien oder Albame»' — einstmals unter griechische, slavische odei österreichische Herrschaft kommen werden. Die Italiener haben im eigenen Hause vor der Hand noch genug ui tun. — Der,Osservatore IHomano' dementiert die Nachricht, daß der hl. Stuhl btt neue Diözesanvereinigung des Kardinal» Le'cot in Bordeaux approbiert habe. Papst Pius X. würdigt zwar vollkommen bie Absichten des Kardinals» seinem Klerus ausreichenden Lebensunterhalt zu sichern, will indessen alles vermieden wissen, was auch nur einem Schein von Anerkennung des französischen (Separation»« gesetzes gleichkommen könnte. — Der Propst von St. Ambrosius in Mailand, Prälat Comi. stiftete 15<'000 Franken zum Bau eines Alters- vertorgungshaufes. — Der Priester-Ag i- tator Romulus Murri verbreitet sich in längerer Weise in dem liberalen ,Corrie.e della Sera' von Mailand über die Begriffe „Katholilch" und „Klerikal". Seiner Ansicht nach sind zum Beispiel der Ministerpräsident ©iolitti sowie fein Vorgänger Forus Klerikale» der bekannte Bischof Bonomelll von Cremona dagegen nicht. Was Murri felbst ist, sagt er leider nicht; mar kann es sich allerdings denken!

Wegen der beim Bau des Panzersch i f f e 8 „fBittor io Emanuele" und der „Coll iope" vorgekommenen „Unregelmäßigkeiten" wurde I eine ganze Reihe von Schiffsbaumelstern, Tech­nikern und Beamten disziplinarisch bestraft. — Die ganze Republik San Manno war kürzlich einem Schwindler in । e Hände gefallen, welcher tm Rainen des bekannten Milliardärs Morgan dem Staate zwei Millionen anbot unter der Bedingung, daß sein Auftraggeber zum san- marinesiichen — Patrizier ernannt werde, lieber diesen Handel herrschte in der gesamten Republik die größte Freude, denn sie leidet an größter Geldnot, sodaß der große Nachbar Italien schon wiederholt ausheden mußte. Zum allgemeinen Entsetzen stellte sich die ganze Angelegenheit aU Schwindel heraus. — Hier ist nunmehr die dritte „Bombe" geplatzt und zwar vor dem Standbilde Spedalieri'S neben der Kirche Sankt' Andrea della Valle auf dem Corio Vittorio Emanuele. Die Römer, nach den Erfahrungen der letzten Tage gewitzigt, lachten über diesen — schlechten Witz. — Der Graf von Turin geht mit dem Plane um, eine längere Reise nach Afrika zu unternehmen und hatte aus diesem Anlaß bereits eine lange Unterredung mit dem Gouverneur der italienischen Kolonie der (irutbräa.

Die Mailänder Blätter kündigen große italienische Manöver in dem weiten Ge- biigsterritorium zwischen dem Gotthard und dem Siinplon an, wozu bann auch noch bie gesamten Gegenden um bie italienischen Seen herum kommen. An bieten Manöver« sollen sich zwei 1 hjg drei Armeekorps beteiligen. Als mutmaß- ; siche Leiter bieter großartigen Hebung werden bereits bie Generäle Mainoni unb ber ehemalige

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lasten: Mehr als 20 Bücher Novellen, bret Ro-1 mane („Ta» Kind feine» Herzen»", „Jagd nach dem Glück", „Ohne Steuer") unb brei Banken Lyrik (Geistliche unb weltliche Gedichte", «Ein- kehr" und die schon genannten „Einsamkeiten ) sind seitdem au» ihrer Feder erschienen. M. Her- bert steht zur Seit auf der Höhe ihres Schaffen»; sie hat sich m der katholischen Literatur einen bet vornehmsten und geachtetsten Namen gemacht. Unbestritten und viel gerühmt sind ber Dichterin glänzende« Sprachtalent, ihr geistvollerStil, ben sie sich in ihrer Eigenart selbst geschaffen hat, ihre feine Beobachtungsgabe, bie Tiefe ber Gestal­tungskraft, die Unerschöpflichkeit ihrer Phantasie: alle» Vorzüge, bie M. Herbert einen bauernben, ehrenvollen Platz in ber deutschen Literatur über­haupt sichern.

Ein starker, poettscher Reiz geht insonderh-'it von ihrer Lyrik ans, ihre Gedichte sind ebenso anziehend in ber Form wie stimmungsvoll im Inhalt, fast alle aber durchziehtein ernster, manch- mal herber, wenn auch nicht pessimistischer Grund- ton; daS Leben hat eben die Dichterin ernst ge- macht. Heimat, Religion und Liebe sind bie bret Themen, welche bie Dichterin hauptsächlich besingt.

M. Herbert ist eine tiefreligiöse Natur; auf ;ie treffen bie Worte zu, bie Johanna Waescher in ihrem trefflichen Essay über bie Dichterin im ver­gangenen Sommer schrieb: „Therese Keiter ist eine von den Persönlichkeiten, bie Religion leben unb burch all ihr Tun unb Denken ihren höheren Standpunkt, ber sie über die Gesamtheit erhebt, beweisen"; ihre religiöse Poesie nennt W. Roth in der Christlichen Frau 4. Jahrgang 1905 S. 338 mit Recht „ein ©ottfneben in Schmerzen, ein Wandern auf dem steilen Pfade ber Entsagung, ein geheimes Weinen und ein Ringen um den Frieden derer, die auten Willens sind".

Frauen-Leid und Franen-Schicksal sind ber Dichterin natürlich nicht unbekannt und das hohe Lied ber Liebe sinnt sie des öfteren in rührend- schönen, keuschen Tönen; ihre Sammlung „In memoriam" ist gleichsam eine Apotheose der Liebe. Aber nicht verherrlicht sie in ber Liebe, bem krank­haften Zug, ber Moderne folgend, das sinnliche Triebleben des Menschen, sondern höher gilt ihr bie spirituelle, geistige Liebe, bas In- unb Mit- einanderleben zweier gleichgestimmter Seelen, ohne habet in die Abstnisitäten des als Dichter sonst schätzenswerten Tolstoi zu verfallen oder den süß-sentimentalen Ansichten einer Ellen Key zu huldigen. ,

3JI. Herberts Stärke liegt auf dem Gebiet ber Novelle, für bie sie eine ausgesprochene Begabung

Einen gleichfalls tiefen Blick in bas Kindes- leben hat M. Herbert in ber Skizze „Kain unb

4 i

„Ach daß mich Gott nicht allzu strenge richte. Wenn meine Seele nach dem Menschen schreit, Den ich verlor, der innig für mich lebte. An dessen «ruft, an dessen Herzensschlag, Mein eig'nes Herz verständnisvoll erbebte.* Seitdem hat bie Dichterin in unermüdlichem Fleiß rasch aufeinander Werk auf Werk folgen

Abel in der Hunnengasse" getan.

Eine Perle unter Herberts Novellen ist endlich die Geschichte von der armen Nesei. An einem späten, sonnenhellen Herbst nachmittag sitzt die Alte auf der Kniebank unter ber Kreuzesgruppe des Stationsweas. Dort fiiblt sie sich sicher von der spähenden Polizei, vor der sie manchesmal ohne Grund Anast bat und sie spricht: „Omeil Omeill . . . . Achtzig Jahr soan fein lang. Zwölf le­bendige Kinder hob' ich a'habt und einen fünfen Ma'. Ter Ma' seit 40 Jahren unter der Erden, die Kinder gestorben ober verzogen. 70 Jahre lang I getagwerkt.... Sell is fei hart. Mir gefallt s längst nimmer. Aber ba heißt's fei aushalten." Unb sie faltet die Hände und betet ein Gesetze! des schmerzhaften Rosenkranzes „der für uns Blut ge- schwitzt hat" unb bem fügt sie bann bie Bitte bei: „Ach liebes Herraöttle, ich töt recht schön bitten: laß es in diesem Jahre nicht Winter werden. Ein­mal könntest mir wohl das ganze Jahr Sommer bergunnen, just ein oanzigesmal, lieber Himmels- batcrl" Und dec Herr erhörte ihre Bitte; er kommt, ber Bote GotteS, alt wie bie Menschheit, alt wie die Sünde, aber er ging leise unb behüt- sani, denn Gott batte ihm verboten, bie alte Resei zu erschrecken. Und er tritt behutsam an sie her­an, der Tob, neigte sich an ihr Ohr unb flüsterte: „Gott schenkt Dir ben ewigen Sommer". Dann trat eine große Stille ein, tote die Erfüllung ewi­gen Willens. In ihrem langen, schwarzen Mantel Farn feierlich die Rackst herauf unb nahm Besitz von ihrem Königreich, das Schweigen heißt. . .

Wie jeder echte Dichter, so will auch M. Herbert | bie Menschen lehren, nicht nur erbeben, sondern auch bessern und zu ihrem Teil an bem Fortschritt der Menschheit beitragen. „Vermehrung der Güte" bat sie selbst als Ziel ihres Strebens be­zeichnet; Mehrung ber Güte aber bebeutet Aus­breitung der allgemeinen M"rfchen- unb christ, lieben Nächstenliebe, Vcbtmg katholischer Charitas im befonberen, so verstanden, arbeitet die Dichte­rin dm-ch ihre Werke durch ihre oft tief ergreifen­den Schilderungen sozialer, geistiger wie leiblicher Not in allen Klasien an deren Beseitigung in ver­dienstvoller Weise mit.

Seit vorigem Jahre ist die Dichterin auf Dran­gen ihrer Frenke mit bem Vortrag ihrer Werke erftmalig in Kösii öffentlich aufaetrHen. Dort, wo sie anläßlich der letzten Blurnenfviele mit bem Preis des Königs von Spanien für bie besten Liebessieber, bet goldenen Lilie, ausgezeichnet worben ist, bat sie reichen Beifall geerntet unb zum Ruhm der Dichterin den der VortragSkunst- lerin hinzugefügt.

Gleiche unb noch steiaenbe Anerkennung er­zielte Frau K. bei ihren Vorträgen in M-mster, Essen, Wien usw., wo wieber bie Presse überein- ftimmcnb bes Lobes ihrer gleich rühmenswerten Dicht- unb Vortraasknnst voll ist.

Lanae genug lastet auf uns Katholiken der Vorwurf der Rückständigkeit, daß wir angeblich

nehmen alle Postanstalten, Landbriefträger, Zeitungsträger und die Expedition (T * 1

Bestellungen aus die ,F ul darr 1 zum Preffe von 50 Pfennig (ohne S

Examen abzulegen.

Durch ihre schon frühe einsetzende literarische Tätigkeit lernte sie ihren späteren Gatten, den feinfühligen Literarkritiker Heinrich Keiter kennen unb lieben; ihm wurde sie am 3. November 1888 in der Pfarrkirche am Friedrichsplatz zu Kassel (Melsungen besaß damals noch keine kath. Seel­sorgstation) als Gattin angetrant unb folgte ihm nach Regensburg, wo er als Nebakteur bes „Deut­schen Hausschatzes" wirkte. Nur zehn Jahre sollte das Glück dieser auf wahrer Zuneigung beruhen­den Ehe der beiden gleichgesinnten unb gleich» ftrebenben Gatten währen, nur zu halb sollte sich bie bange Ahnung erfüllen, bie Heinrich Keiter eitrige Jahre barauf einer Jugenbfreunbin ber Dichterin gegenüber ausgesprochen hat: bas Glück, bas er erlangt, könne, weil es zu groß für bicie unvollkommene Welt, nicht lange dauern. Aber nicht die Dichterin, für die der Gemahl damals mit Rücksicht auf die bevorstehende Geburt ihres Sohnes gebangt, sondern ihn selbst, den lieben Vater und guten Menschen, raffte wenige Jahre spater ber unerbittliche Tob hinweg: Heinrich Keiter erlag im Jahre 1898 einem tückischen Lun­genleiben, von ber Gattin Monate lang auf­opferungsvoll gepflegt.

Es schien, als habe ber Schlag, ber sie burch ben Tob ihres Gemahl» getroffen, ihre Lebens- unb Schaffenskraft vernichtet. Doch zum Glück schien es nur so: ihr starker Wille unb bie Pflicht, bie Sorge für ihr Kinb, sowie für eine Tochter erster Ehe bes Gemahls unb bie alternbe Mutter allein zu übernehmen, ließ sie zum Leben zurück- kehren, gab sie sich selbst, ben Ihren unb der Dichtkunst wieber. Die Gcbichtsammlimg „Ein­samkeiten" ist bie Frucht ihres Trauerjahres; er- grcifenb lauten barin bie Verse, bie ber Klage um ben toten Gemahl gewibmet finb:

zu machen.

Der Reichshaushaltsetat wirb erst am 10. ober 12. Dezember bem Reichstag vorgelegt werben. Tas war zwar schon länger bekannt, bie I Regierung hat es aber jetzt ebenfalls bestätigt. I Die Ursache ber verspäteten Vorlegung ist in ber Notlage zu finben, in welcher sich bie Regierung befinbet. weil bie kurze Dauer ber Geltung bes Zolltarifs unb der neuen Steuergesetze bie Ein­schätzung ber Einnahmen sehr erschwert hat. I»- foIgebePcn werden die Etatsberatungen erst nach den Weihnachtsferien ihren Anfang nehmen. Die Ferien selbst werden diesmal am 14. Dezember beginnen und am 10. Januar schließen. Tie weni­gen Sitzunaen. welche tm alten Jahre noch statt- finden, werden arößtenteils durch Kolonialdebat­ten unb bie verschiedenen Interpellationen aus- gefüllt. Auch mit dem Marokko-Abkommen hat sich der Reichstag noch vor Weihnachten zu beschäf- tigcn, da die Ratifikation der Algecirasakte bis znm 1. Januar 1907 ausgetauscht werden soll.

Tie Ha n b elsv e rt r a g s-Ve r h a n d - l u ii g e it zwischen Spanien unb Demschlanb sinb unerwartet abaebrochcn worben. Als Ursache bie-1 ses unerfreulichen Ergebnisses gilt bie Festsetzung ber Weinzölle. Wie schon wiederholt in den letz­ten Jahrzehnten, zeigen sieh die Vertreter Sva- niens jedem Entgegenkommen abgeneigt. Für bie tieferen Gründe dieser Sachlage fehlt e3 an genügender Erklärung. Allem Anschein nach glaubte die spanische Regierung, daß das von ihr gegenüber der Schweiz dnrchgesehte Verhalten sich auch Dontsck'land gegenüber bewähren könnte. Auf nur acht Franken ist im schtoei-erischen Vertrag der Zoll auf spanische Weine sestgesetzt wordm. mit' Rocht siebt sich aber Deutschland veranlaßt, unter dem für italienische Verschnittweine ge­währten Satz nicht lierunterzugeheu. Was nun geschehen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Jedenfalls wird Spanien gut tun, nicht hart­näckig auf seinen For^orunaen bestehen zu bleiben.

Erzbischof von Stablewski ist unerwar­tet schnell in die Ewigkeit abberufen worben. Ter Tod ereilte ihn inmitten eines hartnäckigen Kamp- feg, den seine polnischen Diözesanen zur Zeit gegen die Reaieruug ansfechten. Der Emknschof von Posen war ein vornehmer Kirchen fürst, dessen Tob eine aroße Lücke im beutschen Eviskopat hin­terläßt. Die hohe Würbe bes bischöflichen Amte» war ihm aber eine schwere Bürde. Deshalb kann man nur mit Besorgnissen ait die Schwierigkeiten | denken, welche sich an die Wioberbesetzung des Stuhles bes hl. Abalbert knüpfen können. Es wirkt aber keineswegs erbaulich, wenn in ber nicht- katholischen Prelle schon alle möglichen Kombi­nationen über einen eventuellen Nachfolger zu­sammengetragen wurben, bevor mir bie Gruft über ber Seiche bes verstorbenen Erzbischofs sich geschlosien hatte.

In Oesterreich breht sich noch alles um bie Wahlreform. Im Abaeorbnetenhans wirb sie wahrscheinlich noch vor Schluß biosos Monats er- lebigt sein, unb man beschäftigt sich bcsholb jetzi schon eifrig mit ber Frage, wie sich bo8 Herren­haus bazu stellen wirb. Hier scheinen bem Re­formwerk neue Schwierigkeiten zu brohen. Tas Herrenhaus hat zwar schon eine Kommission zur Vorberatung ber Vorlage eingesetzt. Ans ben Vorgänoen bei ber Wahl deren Mitglieder kann aber geschlossen werden, daß man nicht allgemein mit ben Gründbestimmungen des Gesetzes einver­standen ist. Taß das allgemeine Wahlrecht zur Annahme gelangen wird, steht fest;, nur fragt es sich, wie sich das Herrenhaus zu dem Prinzip des Mehrsiimmensystems stellen wird. Doch kann

Fremde» Land erkennt un8 nicht, Fremdes Land hak fremde Lieder, Fremde» Land beraubt nns wo t, Ach, und gibt uns gar nicht» wieder.

Kindessehnsucht wacht in unS auf,

Lieber, ferner Heimatsbvben, Sei du Und und sei du leicht Meiner Jugend heit'gen Toten." .. .

Und an anderer Stelle wendet sie sich an die Heimat mit der Bitte:

„O zieh von dem Antlitz den hüllenden Flor

Und lasse mich in dein selig Vertrauen

Und laß mich noch einmal, wie da ich noch Kind, Dir ruhen am Herzen, dich fassen und schauen!"

M. Herbert ist eine anmutige, graziöse Er­scheinung. Metz an ihr ist Leben unb Geist, sie ist so ganz bas, was sie, nach ihren Schriften zu urteilen, sein muß. Ihre Stimme ist einschmei- chelnb melobiös und dabei doch so natürlich und ohne jeden Zwang. Ihre Vortragsweise ist fes­selnd und dazu angetan, über das Alltagsleben zu erbeben unb ben Blick zu erweitern.

Möge ber Herbert-Abenb am nächsten Dienstag sich eines recht zahlreichen Besuches aller Literatur- freunbe, insonderheit der katholischen Frauenwelt zn erfreuen haben.

M. Herbert treu zu ihren Glaubensgenossen ge­standen unb ben Lockungen Mberstanb geleistet, die ihr, der nicht mit Glücksgütern Gesegneten, tm andern Lager ein sorglose» Dasein boten. Nie hat sie insbesondere der Heffen und der heffischen Hei­mat vergessen, vielmehr Hessen» Ruhm unb Schön­heit burch ihre selbst in fremben Erbteilen ver­breiteten Werke oft verkündet. Wir können e» un» nicht versagen, jene sehnsuchtsvollen Stro­phen hier mitzuteilen, die sie an die Heimat richtet: —

verantwortlicher

Schrilltet»«: 3. Ban*

3.^*». wodwbtuege: „ZllustrierteSonntagszeitung"

Rotatconsbrud n. vertag bet .Sulbaet Se» _ . „ . , , „ ttenbr tderei in Sulba.

monakdeNage: „zuldaer Geschichttblatter" zerr.spreper Nr. 9.