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>s 258.
Fulda, Freitag den 9. November 1906.
33. Jahrqanq.
Arveites MLcltt.
Heber einen Lehrlingsmangel im Handwerk,
der geradezu erschreckend sei, klagt der eben erschienene Jahresbericht der Handwerkskammer Düsseldorf (1905-06). Die Zahl der Lehrlinge überhaupt werde etwa 20 000 im Kammerbezirk betragen, die Zahl der selbständigen Handwerksbetriebe wird hier dagegen auf 44 000 geschätzt. Somit käme noch nicht auf die Hälfte der Handwerksbetriebe ein Lehrling. Die Klagen über den Lehrlingsmangel kämen, abgesehen vielleicht von den Schlossern, aus allen Handwerksbetrieben. Um hier eine Abhilfe zu schaffen, hat die Kammer zur Lehrstellenvermittelung angeregt. Ihre Bemühungen wären aber nicht von dem gewünschten Erfolge begleitet gewesen. Zwar hätten mehrere Innungen und Jnnungsausschüsle eine Lehrstellenvermittelung angelegt, andere hätten sich aber nicht an derselben beteiligt, sodaß der Nachweis mangelhaft geblieben sei. — Soweit in Kürze der Kammerbericht 1 Das mangelnde Interesse mancher Innungen für die Frage der Lehrstellenvermittelung ist sehr zu bedauern. Die Lehrlingsfrage wird in der Tat für manche Handwerkszweige geradezu eine Lebensfrage! Je größer die Ansprüche werden, die mit der Zeit an die Handwerker gestellt werden, je mehr müssen sie auf die Heranziehung eines Nachwuchses bedacht sein, der die körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu einem leistungsfähigen Handwerker mrt sich bringt. Zu diesem Zwecke sollte kein Mittel unversucht bleiben, das geeignet ist. brauchbares Lehrlingsmaterial den aussichtsvol- len Handwerks,weigen zuzufiihren. Am besten wird wohl die Stellenvermittelung der Jnnnngs- ausschnß übernehmen, dem ja die einzelnen Hand- werksinnungen angeschlossen sind. Dieser muß möglichst früh sich mit der Schule in Verbindung setzen, damit hier die zur Entlastung kommenden Schüler auf die Vorteile, welche die Erlernung eines gediegenen Handwerks auch in der heutigen Zeit noch mit sich bringt, aufmerksam gemacht werden. Auch die Mithilfe der Presse kann hier nicht entbehrt werden, welche in gleicher Richtung wie die Schule auf Eltern, Vormünder und Kinder anfklärend zu wirken hat. Endlich ist es auch Pflicht der Jnnungsausschüsle, für die Unterbringung bei geeigneten leistungsfähigen Lehr- meistern zu sorgen. Ein Handwerker, der für eine gründliche Ausbildung eines Lehrlings keine Gewähr bietet, müßte unberücksichtigt bleiben. Dabei sollte vor allem der Appell an die bester situierten Handwerker nicht fehlen, sich wieder wehr, als dies bisher geschehen ist, der Lehrlingsausbildung anmnehmen. Ist es doch eine bedauerliche Tatsache, daß viele Lehrlinge gerade bei solchen Handwerkern ihre „Ausbildung" erfahren, die in dem Lehrling mehr eine billige Arbeitskraft als ein während der Lehrzeit nicht genug zu pflegendes späteres Mitglied ihres Standes erblicken. In dieser Beziehung müssen gerade die Belfer gestellten Meister im Interesse des oanzon Standes ein Opfer bringen. Die Düsseldorfer Kammer, teilt in ihrem Bericht mit, oaß sie selbst eine Lehrlinasrolle in Zukunft führen wird, neben den Abteilungsrollen. Dadurch wird e? obne Zweifel erleichtert werden, einen UeberBIirf über die Besetzung der einzelnen Handwerkszweige mit Lehrlingen, über den Zudrang 2C. zu gewinnen und auf Angebot und Nachfrage regulierend einzuwirken. Durch regelmäßige Berichterstattung über den Arbeitsmarkt seitens der Kammer an die Jnnnngsandfchüste und umgekehrt können diese in der Lehrlingsfrage bezw. Vermittelung sich gegenseitig recht wertvolle Die-fw leisten
Die Laubfrösche.
Skizze von L. <3ert
(Nachdruck verboten.^
ES geht nichts über einen guten Onkel, und doch kann der beste Onkel Unheil anrichten, während er denkt, etwas gutes getan zu haben.
Bei feinem letzten Besuch hat Onkel Zwickauer unserem Jungen und seinem Schwesterchen versprochen, bald wieder zu kommen und, was für die beiden weit wesentlicher ist, ihnen ein paar Laubfrösche mitzubrrngen.
Seit jenem Tage warten die Kinder mit bewundernswerter Geduld und bei jedem Klingelzeichen der Korridortüre heben sie an begeistert M schreien: „Onkel Zwickauer kommt jetzt!" Aber der liebe Onkel hat es nicht so eilig, und uns bleibt das Geduld erfordernde Amt, die Kinder zu vertrösten. Abends, bevor sie zu Bett ^bracht werden, ist die letzte Frage: „Kommt Onkel Zwickauer morgen?" und wenn ich mittags heimkomme, bestürmt mich unsere kleine Mia »»erst mit der Bitte um Auskunft darüber, ob benn der Onkel Wickau — das Z und r hat sie noch nicht „gelernt", „nicht bald käme und die Frösche mitbringe".
©eftern endlich hat sich der gute Mann blicken lasten und tatsächlich ein großes, mit Moos gefülltes Glas mitgebrachi, in dem zwei niedliche Laubfrösche sitzen und sich zuweilen recht verdutzt ansehen.
Karl und Mia sind natürlich außer sich vor Freude. Während der Knabe zuweilen indianische Freudentänze vor dem Glase aufführt, wärtet das Mädchen, bis die Frösche „mal schreien". .Daß die Tierchen ihr dm Gefallen noch nicht1
getan und hörbar geschrien haben, hat sie schon ganz mißmutig und zweifelnd gemacht.
„Das sind ja gar keine Frösche!" meinte sie zu ihrem Brüderchen, und fuhr dann fort, die säßen ja bei dem schönen Wetter unten und die Mutter hat doch gesagt, bei schönem Wetter setzen sie sich oben hin.
Der Junge blickt auf und ist für den ersten Augenblick von der Beweisführung seines Schwesterchens überrascht, schließlich aber erklärt er ihr, daß die Frösche nicht oben sitzen könnten, weil sie keine Leiter hätten. Also muß eine Leiter geschafft werden.
„Onkel Zwickauer, mach' uns eine Leiter!" flehen beide.
„Onkel Zwickauer, Du mußt uns eine Leiter machen!" erklären sie ihm, als er zögert.
Der gute Onkel hat wohl schon manchen „Leiter" geschrieben, aber eine Froschleiter zu bauen, fehlte ihm doch das Geschick und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu versprechen, bestimmt morgen eine Froschleiter mitzubringen.
Neffe und Nichtchen beruhigen sich vorläufig, bis ihnen einfällt, daß die Frösche offenbar nicht von der Luft leben können.
Der Junge schleicht sich verstohlen zur Mutter und raunt ihr etwas ins Ohr.
„Es heißt, die Frösche fressen, nicht essen," antwortet ihm meine Frau.
Darauf geht er siegesgewiß zu Mia, die immer wieder einmal lauschtz ob die Frösche nicht schreien und sagt ihr lächelnd: „Siehst Du, Mia, ich hall Recht. Die Frösche fressen. Wir Jungens wissen doch mehr, als ihr Mädchens."
Mia gibt ihm zurück: „Essen klingt aber viel bester als fressen."
Damit ist diese Angelegenheit erledigt. —
Onkel Zwickauer zieht es vor, sich zu verabschieden und während ihm die Kinder die Hände reichen, meint er: „Nun müßt ihr aber auch Fliegen für die Frösche fangen. Für jeden Frosch täglich zwei Fliegen."
Wir, d. h. meine Frau unb ich, begleiten den Onkel durch den Garten bis zur Porte.
„Mia, jetzt sangen wir Fliegen. Ich nehme die Fliegenklappe und Du nimmst Mutters Staubwedel."
„Ich sehe aber keine Fliege", protestiert die Kleine.
„O ja, paß nur auf. Siehst Du, hier auf dem Sahnentopf sitzt eilte.“
Klatich, die Ftiegenklappe saust nieder, der Topf gebt in Scherben und der Vorderteil der Fliegenklappe hängt voll Sahne.
Enttäuschung!
„Komm, Mia, wir könnten sonst noch was zerbrechen."
Mia folgt dem Bruder in'S Wohnzimmer, wo sie auf Mutters Sommerhut, den sie eben neu hergerichtet hat, eine Fliege sitzen sehen.
„Die krieg ich“, jubelt Mia und schon deckt der Wedel den Hut. Die Fliege ist nicht zu finden, aber die Blumen auf dem Hut haben eine sehr veränderte Faston erhalten.
Inzwischen hat der Junge auf der Scheibe am Glasschrank ein Fliegentier entdeckt. Diesmal schlägt er nicht zu, sondern drückt den „besahnten" Vorderteil seines „Fliegentöters" an die Scheibe. Doch die Fliege ist schneller als er und vor Aerger will er das Handwerk ausgeben. Mia spornt ihn aber zu einer neuen Heldentat an, denn auf dem Tintenfaß des Schreibtisches hat sich eine Fliege häuslich niedergelassen.
„Die fang ich mit der Hand", meint Kärtchen imb richtig, er hat sie. Aber das Tintenfaß ist umgefallen und während die Kinder ihre Beute zum Froschglase tragen, riefelt langsam aber sicher das schwarze Naß über den Schreibtisch.
Als meine Fran die Küche und ich das Wohnzimmer betraten, waren wir nicht sehr angenehm überrascht durch die neuen „Entdeckungen" am Sahnentops, an Mutters Hut unb am Schrank. Doch immer noch nicht alles ahnend, lege ich ein wertvolles Aktenstück, bas ich bei Onkels Abgang vom Boden erhalten hatte, auf den Schreibtisch, um mir den Fleck am Glasschrank doch einmal genauer zu betrachten. Als ich zurückkehre, ist dies Aktenstück von Tinte gesättigt. Die gesteigerte Ueberraschung machte sich alsbald in einer „gefühlvollen" Aeußerung meinet väterlichen Rechten Lust, in dir sich Kärtchen und Mm teilen mußten.
Heute morgen habe ich die Laubfrösche wieder zu Onkel Zwickauer getragen. Karlchen und Mia schwärmen jetzt weder für diesen, noch für die Frösche und wenn sie eine Fliege sehen, gehen sie ihr aus dem Wege.
vermischtes.
* Part?, 9. Nov. 1906. Heber die Ursache der Katastrophe des Unterseebootes „Lutin" wird, Blättermelbuugen zufolge, aus Bisertcr telegraphiert, daß der befehlende O'sisier doch nicht ganz schuldlos zu sein scheine. Es heißt, der Komandant sei bei der Mannschaft nicht beliebt gewesen und habe diese auch gefürchtet: er habe immer ein Revolver bet sich getragen. Auch wird behauptet, daß ein Mann der Beiatzung am Tage der Katastrophe erklärt haben soll, der Komauvcmt versuche, die gesamte Mannschaft ins Unglück zu stürzen; wen»
aber etwas passieren sollte, würde der Kommandant mit in die Tiese gerissen werden. Hervorzuheben ist, daß der betreffende Matrose den Kommandanten fest umschlungen hielt, al8 die Leichen gefunden rourben. Es entsteht nunmehr die Frage, ob sich nicht ein gräßliches Drama in der Tiefe des Meeres abgespielt bat
* Seltsame Braten. Wer die hergebrachten Genüße der europäischen Küche müde ist unb sich nach Abwechslung sehnt, dem kann folgende Zusammenstellung ungewöhnlicher Leckerbisten, die der ,®auloi§' mitteilt, einige Anhaltspunkte geben. Das Fleisch des Elefanten ist hart unb schme ft in wenig anziehender Weise nach Leder. Ein Rhinozerosbraten erinnert ebenso an Schweinebraten wie an Rindfleisch. Affen find richtig zubereitet von Hasen kaum zu unterscheiden. Auch Robben lassen sich ganz gut essen, während Löwen und insbesondere Tiger ein Fleisch haben, das zähe wie Leder ist und durch einen unangenehmen scharfen Geruch anwidert. Es ist also jedermann, der des Wildbrets halber auf die Löwen« unb Tigerjagd geht, bringend davon abzuraten. In manchen Gegenden, wo Wild nur spärlich vorkommt, wie im mittleren Frankreich, erlegen eifrige Jaadbcflissene in Ermanglung edlen Wildes alle möglichen Arten von Tieren, die ihnen in den Schuß laufen, unb fühlen sich dann berufen, ihre Beute auch auf ihren Eßwert zu prüfen. Co haben sie herausgesunden, daß der Fuchs zäh ist unb unangenehm riecht, dagegen ein Dachs einen ausgezeichneten Braten liefert. Die Feldmaus schmeckt ähnlich wie ein Kaninchen, ein gut geschmortes Eichhörnchen ist nicht ohne Reiz, die Eule und der Sperber sind zäh und fade, wogegen Schwalben von Kennern als hervorragende Leckerbissen gepriesen werden.
Literarisches.
Tie Jesuiten und ihre Gegner. Von Dr. Franz Heiner, Universitätsprofessor in Freiburg i. Br. (10. Heft der Sammlung „Glaube und Wissen".) Münchener Volksschriftenverlag. Preis 50 Pfennig.
Wenn auch den Jesuiten der Aufenthalt in Deutschland nicht mehr untersagt ist, so ist ihnen doch noch jede Ordenstätigkeit in Deutschland verboten. Während es Atheisten und Monisten, So- zialdemokraen und Anarchisten in Deutschland erlaubt ist, sich zusammen zu tun und überall ihre Lehrtätigkeit auszuüben, besteht für die Jesuiten allein noch die gehässige Maßregel eines Ausnahmegesetzes — dank den Vorureilen, welche namentlich auf protestantischer Seite gegen den Jesuitenorden bestehen. Obige Broschüre sucht -f- klärend zu wirken dadurch, daß sie die landläufigsten Vorwürfe gegen den Jesuitenorden auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüft. Sie weift vor allem nach, daß der Orden keineswegs aegen den Protestantismus gegründet worden ist und daß die Einwürfe gegen seine Moral hinfällig sind, daß es vielmehr Zeiten gegeben hat, wo auch protestantische Staatsmänner der Tätigkeit des Jesuitenordens hohes Lob gespendet haben. Ob die Broschüre ihr Ziel erreichen wird? Wir wagen es kaum zu hoffen, denn die. Vorurteile gegen die katholische Kirche und besonders gegen die Jesuiten find bei den Nichtkatholiken nahezu unausrottbar. Möge die Schrift wenigstens in kcttholi- schen Kreisen gute Aufnahme finden.
Die Sammlung „Münchener Jngendschrifteu", welche im Münchener Volksschriftenverlage in München zu dem beispiellos billigen Preise von 15 Pfg. erscheint, nimmt einen raschen Fortgang. Eben sind Heft 16—20 erschienen. In Heft IG: „Kamerads Wanderungen" schildert I. Colomb die seltene Treue eines Hundes; in Heft 17 bringt Angelika Harten einige ihrer schönsten Märchen. Tas Doppelheft 18 und 19 enthält O. W. b. Horns Geschichte „Son den zwei Savoyardcn-Büblei n", die es in Paris durch ihren Fleiß und ihre Redlichkeit vom Schuhputzer zu angesehenen Kaufleuten gebracht haben. Heft 20 endlich bringt eine der ergreifendsten Erzählungen von Amicis: „Herz", „V o n den Apenninnen zu den Anden", eine Verherrlichung der Kindesliebe, die auf kein Sin- desgemnt ihren Eindruck verfehlen wird. Für Schulbibliotheken wüßten wir feine geeignetere« Schriften, da diese Bändchen wegen ihrer Billigkeit leicht in mehreren Exemplaren angefebofft werden können, aber trotzdem allen Anforderungen an guten, sauberen Druck und neue Rechtschreibung genügen und textlich ganz vorzüglich ausgewählt sind. Sie eignen sich wegen ihrer hübschen Ausstattung auch sehr gut zu Geschenken an Kinder, besonders in der Bandausgabe, welche alle fünf Nummern in Leinenband mit Titeldruck um 1,35 bietet.
Reklame- »mb Anzeigenteil.
Diese Schutzmarke befindet sich auf einem jeden Packet Quaker Oats und bürgt für die Echtheit der Waare.
Quaker Oats unterscheidet sich von allen anderen Marken durch hervorragende Qualität, delikaten Geschmack und Sparsamkeit im gebrauch.
Quaker Oats ist eine ideale Nahrung, leicht zuzubereiten und sollte in keinem Haushalte fehlen.
Quaker Oats
Zu bett Wirren in Marokko.
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I
Die passive Haltung der nach Marokko entlaubten französischen unb spanischen Kriegsschiffe hat auf die Anhänger Nasiulis offenbar ermutigend gewirkt. Ein Telegramm weiß sogar von einem Angriff der Eingeborenen ans französische Marinesoldalen zu berichten. Marokkanische Bootsleute zwangen eine Dampsbarkaffe des Kreuzers Galilec-m, derart ein er Landungsdrücke vor Arzila lag, durch Drohungen sich zu entkernen, wobei der Steuermann der Dampsbarkaffe mit einem Ruder einen Schlag auf die Hand und einen Steimvurf gegen das Bein erhielt. Der Verirrter des Sultans, welchem der Zwischenfall
berichtet wurde, ordnete sofort eine Untersuchung an, an welcher der Steuermann der Dampfbarkaffe und Vertreter der französischen Gesandtschaft 'eilnahmen. Die Bootsleute, die an dem Angriff beteiligt wäret?, wurden ins Gefängnis gebracht, der vierte wird unverzüglich verhaftet werden. Ueberdies wurden Maßnahmen getroffen, um die Wiederholung derartiger Vorkommnisse zu verhindern. Wir bringen aus diesem Anlaß unseren Lesern ein Bild der Stabt Arzila sowie einige Typen der Truppen beS Häuptlings Naisuli.