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Katatton,druck n. Verlag der Zuldaer Le» tiendruckerei in $ulb* *> zernfprecher Nr. 9.

4'f. lUb

Fnlda, Mittwoch den 24. Oktober 1906.

83, Jahrgang.

Erstes Wlcrlt.

o, neueste Hgitationstrit der Sozial, -emokratie.

Zum Mannheimer Parteitag lag in diesem Jahre erstmals eine Statistik vor, in welcher nähere Mitteilungen über die Stärke der politi­schen Partei der Genossen gemacht wurden. Etwa 330 000 eingeschriebene Mitglieder zählt danach die deutsche Sozialdemokratie, während der den letzten Reichstagswahlen fast zehnmal so viele Stinnnzettel abgegeben wurden. Diesem Mißver­hältnis soll nun abgeholfen werden, man bedient sich dazu der „Fülle wertvoller Anregungen", wel- che die Mannheimer Woche gegeben haben soll.

„O r g a n i s a t i o n s p f l i ch t e n" nennt daS sozialdemokratische Zentralorgan die neue Arbeit, ;u deren Einleitung es seinen Lesern in einem längeren Artikel ein Bild der jetzigen Organi- solion vorhält, woraus es den Schluß zieht, daß für die Organisation der Arbeiterschaft zu ein­heitlichen politischen und wirtschaftlichen Verbau- den noch unendlich wenig geschehen sei. Jetzt soll es anders werden. Das Mittel dazu bieten W a h l v e r e i n e und Gewerkschaften. Es muß anerkannt werden, daß in letzter Zeit eine ganz rührige Organisation im roten Lager ent­faltet wird. Nach dem „Vorwärts" gift es nun, statistisches Material über die Wahlvereine zu er- halten, festzustellen, aus welchen Berufen sich die Partei zusammensetze, inwieweit die Genossen der Organisation ihren gewerkschaftlichen Verpflich­tungen nachkommen.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat man das System der „Zahlabende" eingeführt, wie wir es seit einigen Tagen im Berliner Zentral­organ angekündigt sehen. Sie ersetzen die Disku­tierabende und werden gleichzeittg an einem Abend in über 300 Lokalen der Reichshauptstadt abgehalten. Ein Extrazahlabend ist nun auf heute (Dienstag) abend anberaumt, zu wel­chem alle Genossen' anzutreten haben. Da- bei müssen sie sich einer peinlichen Gewissenser­forschung unterziehen. Denn es soll ermittelt Wertteil: 1. wieviele Mitglieder die Wahlvereine zählen, 2. aus welchen Berufen sich die Mitglied­schaften zusammensetzen, 3. zu welchem Verbände, welcher Gewerkschaft die Genossen, für deren Be­ruf eine Organisation besteht, angehören, 4. ob alle die Parteipresse lesen. Zwei weitere Fragen beziehen sich auf das Alter der Mitglieder und die Zeit ihrer Zugehörigkeit zur Parteiorgani­sation.

Dieser Zahlabend bildet also eine Heerschau, bei welcher die Häupter der Getreuen gezählt und geordnet werden. Abrechnungsbuch und Abonnementsquittung sind Beweis dafür, ob, der Genosse sich bei einer Organisation hat einschreiben lassen nnd ob er Abonnent des „Vorwärts" ist. Selbstverständlich wird damit den Genossen eine Erweiterung des Besitzstandes der sozialdemokra­tischen Presse aufgezwungen und gleichzeittg fest- gestellt, wie groß die Zahl derer ist, auf die man sich verlassen zu können glaubt. Die Wichtigkeit eines solchen Verhörs, durch welches die Partei- oberen das Mittel in der Hand haben, die Lauen und Neutralen der Gewerkschaften mit oder ohne Zwang der politischen Organisation einzuverlei­ben, braucht keiner Erläuterung. lieber den wer­teren Zweck, welcher mit der Parteistatistik ver­folgt wird, gibt der „Vorwärts" die beste Aus­kunft: „Sind Feststellungen darüber vorhanden, in welchen Berufen wir noch nicht genügend ge­worben haben, so werden wir planmäßig an die Arbeit gehen können, wir werden ermitteln, wie groß unsere Anhängerschaft in den freien Berufen ist, wie weit dieser Klasse Zugehörige den Mut

meine Last war schwer.

Erzählung von F. Broock».

^5] (Nachdruck verboten.)

„Diese Kaltherzigkeit gegen Dein einziges Kind vergesse ich Dir nie — nie —"

„Nun, so werde ich suchen, das zu tragen," ant­wortete er ironisch und zuckte die Achseln. In dem Moment trat Frau Bernheim ein und schnitt dadurch vielleicht noch schärfere Worte ab. Hertha teilte ihr mit, daß Emmi leidender sei, und Roland ihr nicht erlaube, bei dem Kinde zu bleiben. Ro­land war unterdessen zu ihm hingegangen. Frau Bernheim, die ja in ihrer Ehe so viel Nachgie­bigkeit geübt, redete ihrer Tochter zu, dem Willen des Gatten nicht zu trotzen. Sie bleibe mit Freu­den bei der Kleinen zurück, und Marie sollte ihr öfter Bescheid bringen. Hertha beruhigte sich und horchte auf die Worte, die ihr Mann und Emmi wechselten. Er sprach energisch aber nicht un- fteundlich.

„Wenn Du der Mama ohne zu weinen Adieu sagst, so bekommst Du morgen ein ebenso hüb­sches Dampfschiffchen, das von selbst vorwärts lauft, wie der kleine Edi es besitzt. Also wirst Du---"

Emmis Stimmchen unterbrach ihn: „Lasse die Mama hier bleiben und gib mir da« Schiffchen." Frau Bernheim mußte lächeln.

„Nein Kleine, Du hast zu wählen: nicht wei­nen — oder das Schiff." Nach kurzer Pause horte man Emmi seufzen, dann sagte sie: „Das Schiffchen."

„Gehe nicht zu ihr hinein, ehe ihr foxtgeht," riet Herthas Mutter. „Es regt sie nur auf. — Ich werde sie schon erheitern."

„Gute fvrach Hertha und legte den

Krm um Frau Bernheims Hals — sie kämpfte

gefunden haben, sich offen zur Partei zu bekennen, wir werden eine Reihe für die fernere Agitatton äußerst wertvoller Momente ermitteln." Damit wird der Ertrazahlabend das neueste AgstationS- mittel des sozialdemokratischen GeneralstabeS.

Wir werden also in nächster Zeit einer noch Viel eifrigeren Werbetätigkeit der Genossen unS gegenüber sehen. Denn die Zentralisation wird sich nicht allein auf Groß- Berlin, sondern gleichzeitig auch auf das ganze Reich erstrecken. Aber auch nach einer anderen Seite scheint das neue Agitattonsmittel als Trik zu gelten. Auf dem sozialdemokratischen Partei- tag waren die Gewerkschaften „Lieb Kind", sie erfreuten sich dort der besonderen Verhätschelung durch die Parteioberen. Wie nun, wenn dieses Verhältnis den Schlüssel geben sollte, welcher ge­eignet ist, der politischen Partei den Weg zur Herrschaft in den Gewerkschaften zu öffnen? Mit Besttmmtheit ist ja jetzt darauf zu rechnen, daß die politisch Organisierten, das heißt die Genossen, welche offen zur politischen Partei gehören, in den Gewerkschaften eine bedeutende Vermehrung er­fahren werden. Dafür sorgt die angekündigte planmäßige Arbett. Damit wächst aber, auch der Einfluß der sozialdemokratischen Partei in den Gewerkschaften, und die Parteiführer sehen sich ihrem Ziele, die Gewerkschaften ihren Jntensionen dienstbar zu machen, näher gerückt. Es dürste sich deshalb empfehlen, die weitere Entwickelung im Auge zu behalten.

Deutscher Reich.

Berlin, den 23. Oftober 1906.

* Der Reichstag wird am 13. November seine Verhandlungen wieder aufaehmen. Auf der Tagesordnung stehen 43 Petitionsberichte, von denen folgende das Interesse weiter Kreise berühren: Arbeitsverhältnisse der Angestellten im Gastwirtsgewerbe, Einführung einer staffel- förmigen Umsatzsteuer für Großmühlen (hierbei wird auch die betr. Resolution der Steuerkom­mission beraten werden), Befähigungsnachweis für das Handwerk, Befreiung der Schwach, sinnigen vom Militärdienst, Ausbau eines Mittel­europäischen Wasserstraßennetzes. Ganz beson­deres Interesse dürfen die Erörterungen über eine Umsatzsteuer für Getreidemühlen beanspruchen. Es wird noch erinnerlich sein, daß der Reichstag bei der Verabschiedung der neuen Steuergesetze eine Resolution angenomme i hat, worin eine Umsatzsteuer für Getreidemühlen gefordert wurde; das Reichsschatzamt soll sich mit dieser Forderung bisher jedoch noch nicht befaßt haben.

* Auf die neuen Militärforderungen wird in der Presse nochmals zurückgegriffen. Die freisinnige Zeitung' stellt fest, daß man sich auf sehr kostspielige Mehrforderungen unter allen Umständen wird gefaßt machen müffen. Sie schließt dies aus den Konferenzen, welche auch jetzt noch der Reichskanzler mit dem Reichsschatz­sekretär und dem Finanzminister abhält. Da also die Finanziemng der Neuforderungen den leitenden Staatsmännern ungemein viel Schwierigkeiten mache, glaubt das'Blatt, sogar annehmen zu dürfen, daß wir selbst vor neuen Steuern nicht gesichert sind. Offenbar dentt die .Freisinnige Zeitung' aber weniger an neue als vielmehr an Ersatzsteuern, da sie mit der Möglichkeit rechnet daß mehrere der schon bestehenden neuen Steuern für das Reich nur von geringer Ertragsfähigkeit sein würden. Bis zur Wiedereröffnung des Reichstages trennen unS nur noch drei Wochen. So lange können wir uns noch in Geduld üben,

mit den Tränen — „sage Roland, ich erwartete ihn auf der Terrasse."

Als er in den Salon zurückkehrte, teilte ihm die Schwiegermutter Herthas Worte und daß sie bei dem Kinde bleibe, mit.

„Wie Sie wünschen, Mama," entgegnete er.

*

Die Stimmung der Geburtstagsgesellschaft war eine äußerst fröhliche, das Menu des Diners ganz auserlesen, die Weine die allerfeinsten. Die Gastgeber strahlten vor Heiterkeit und Lebenslust und überboten sich in Witzen und Erzählungen komischer Erlebniffe.

Herr von Wulff schonte sich bei solchen Gelegen­heiten selbst nie und trug soeben auf die drolligste Art vor, daß er von seiner Gattin zweimal einen Korb, erst bei der dritten Anfrage um ihre Hand das beglückende „Ja" bekommen. „Wenigstens das mich so beglückende Jal" sprach er. „Elfriede verhielt sich dabei sehr ruhig und kühl. — Aber jetzt ist sie dafür desto entzückter von ihrem Ge- mahl, beseelt von einer fast unheimlichen Ver­götterung meiner bescheidenen Person." Frau Elfriede nickte dazu und nippte wieder aus ihrem Glase. Aber nippte sie auch immer nur, so war es doch oft geleert und ihre Wangen glühten.

Roland saß zu ihrer Linken. Er befand sich in luftiger, übersprudelnder Laune. Er brachte sogar aus seine deutschen Freunde, speziell auf Herrn von Wulff, den Gastgeber, den Geburts­tagfeiernden, einen Toast aus. Er redete in so amüsantem, schlechten Deutsch, daß er fortwährend durch Lachen und Ausrufe unterbrochen wurde. Elterlein, vom Rate zu Tische geführt, sprach we- nig; jedoch schien sie stillvergnügt zu sein. Sie be- obachtete unausgesetzt — aber so geschickt, daß die Betreffenden nichts merkten — ihren Sohn und Leonie. Sie war so stolz auf diesen guten und hübschen Sohn! Seine- heiteren, hellen Augen blitzten, zwischen den roten, frischen Lippen zeia-

um dann zu sehen, welch« „Ueberraschungen" uns der neu« Etat bringt.

Ein« neue Bilanz der Kolonialpolitik will Herr Dernburg aufstellen. Bisher erfor­derten unser« Kolonien mit Ausnahme einer ein­zigen gam enorme Zuschüsse von Reichswegen. Wir arbeiteten also fortgesetzt mit einem horren­den Defizit. Nun sollen wir aber ganz plötzlich vor daS Gegenteil gestellt werden, indem der neue Kolonialdirektor seinen Kritikern eine Bilanz nach kaufmännischen Grundsätzen aufmachen will. Hierzu wird einem sächfischen Blatte berichtet: „Herr Dernburg ist damit beschäftigt, eine ge­naue Aufstellung der in den Kolonien engagierten Jntereflen zu machen, um den bündigen Nach­weis zu führen, daß der wirtschaftliche Gewinn aus den Kolonien die dafür zu leistenden fort­laufenden Ausgaben übersteigt, daß es also daS schlechteste Geschäft wäre, daS wir machen könnten, wenn wir dem Rate der oppositionellen Parteien folgten und die Kolonien aus der Hand gäben ober auf ihre intensive Entwickelung verzichten." ES soll unS freuen,- wenn Herr Dernburg daS Mittel besitzt, uns von der bis­herigen Wirtschaft in der Kolonialverwaltung zu befreie«. Einstweilen wird er unS aber ge­stalten, daß wir nicht zu den Optimisten ge­hören, welche von vornherein an die Verwirk­lichung der an und für sich sehr schönen Absicht glauben. Die Notiz deS genannten Blattes spricht ja auch nur von den fortlaufenden Aus­gaben, welche von dem Gewinn übertroffen werden sollten. Wer deckt aber die außerordent­lichen Kosten, mit denen man unS bisher fast regelmäßig in Nachtragsetats aufgewartet hat? Für etwas neues halten wir es dagegen nicht, wenn weiter angekündigt wird, daß Dernburgs Programm in erster Linie ein wirtschaftliches sein soll. Jedes andere Programm würde nicht den Intentionen entsprechen, welche mit zu seiner Berufung in die leitende Stelle unserer Kolonial­verwaltung geführt haben. Wenn er zur Durch­führung seines Vorhabens den planmäßigen Ausbau deS Verkehrs in den Kolonien für not­wendig erachtet, so bleibt nur abzuwarten, was unter dieser Planmäßigkeit verstanden sein soll. Näheres darüber wird er uns wohl mitteilen in einer Uebersicht über den Bau von Eisenbahnen, die in den nächsten Jahren in den Kolonien her- gestellt werden sollen. Wie nämlich verlautet, wird jetzt in der Kolonialabteilung eine Denk­schrift darüber ausgearbeitet. Sie soll dem Reichstage bald zugehen, so daß er dann zu den wichttgsten wirtschaftlichen Fragen Stellung nehmen könnte. Von der Aufstellung einer solchen Denkschrift erhofft man eine Klärung in der Frage der Eisenbahnbauten.

* Die Hohenloheschen Denkwürdigkeiten sollen keine Kürzung erfahren. Ein Stuttgarter Blatt meldet, daß die noch folgenden Neudrucke der Denkwürdigkeiten in keinem Buchstaben von der ersten Ausgabe abweichen. Es wäre auch zwecklos gewesen, nachträglich noch Aenderungen vorzunehmen, nachdem das Werk in vielen Tausenden von Exemplaren die Runde durch die Welt schon gemacht hat.

* Nur bedingten Wert mißt die ,Deuische Tageszeitung' der in unserem gestrigen Leitartikel erwähnten Erklärung der ,Nordd. Allg. Ztg.' bei, wonach deren Ausführungen über die Berg­arbeiterbewegung nur redaktionellen Ursprungs wären. Das Blatt stützt seine Behauptung auf folgende Bemerkungen: „Man geht wohl nicht ten sich in vergnügtem Lächeln immer wieder die festen, weißen Zähne, und die lange, feine Hand strich gern die üppigen, blonden Kraushaare von der offenen Stirne. Er sowohl wie Hallern tru­gen heute, zum erstenmale seit ihrem Aufenthalte im Bade, Uniform. Es geschah, um das Geburts­tagsfest deS Herrn von Wulff würdig zu feiern.

Leonie» Benehmen war heute sanft und beschei­den. Schüchtern senkte sie den Blick, wenn Egon sie so feurig anschaute. — Sie sprach nur wenig und hörte gespannt ans Egons Worte. , Hertha hatte zu ihrer Linken einen flotten Regierungs­rat, dessen interessantes Gesicht viele häßliche Schmisse bedeckten. Er gab sich die größte Mühe, seine schöne Nachbarin zu unterhalten, sie heiter zu stimmen. Doch es gelang ihm nicht. Wie einsam fühlte sie sich unter diesen schwätzenden, fröhlichen Menschen!--Wenn sie auf ihren

Mann blickte, durchzuckte es sie jedesmal bitter. --Er trank ihr oft zu, als fei nichts ge­schehen.

Und Hallern? Obschon er durch die Unerhal- tung Marien, die neben ihm ganz gefesselt schien, viel lachte, mehr und lauter wie sonst redete, so sagte ihr doch sein Auge, das sich zuweilen ent- schlossen, fast drohend auf sie richtete, daß sie sich nicht lange mehr einer Aussprache — unter vier Augen mit ihm entziehen könne, daß er die Ge­legenheit dazu energisch herbeiführen würde. Seit der Szene am Strande vor wenigen Tagen hatte er diese — und einige Male sogar in auffallender Weise — zu erzwingen gesucht. Dennoch ver- hinderte sie es. Aber daß es nicht ferner durch­zuführen fei, sah sie klar ein. Jetzt in ihrer düste­ren Stimmung grübelte sie: so möge er denn sprechen — wenigstens zu sprechen beginnen — je eher desto besser! Aber die Forffetzung werde ich verhindern---doch wie verhindern?--

Uno bei dem Toast ihre» Gatten, zwischen dem Gelächter und Zurufen der Anderen, saß das junge Weib da und grübelte darüber nach: mit welchen

fehl in der Annahme, daß die ,Nordd. Alla Ztg.' dies« Ausführungen nicht veröffentlicht hätte, wenn sie nicht der Ueberzeugung gewesen wär«, daß sie der Anschauung mindestens einig« ob« einer amtlichen Stelle entsprachen."

* Die Einnahmen der preußischen Eisen- bahnverwaltung weisen im September d. IS. gegenüb« dem gleichen Monat des Vorjahres ' eine so geringe Steigerung auf, wie sie noch kein Monat deS laufenden Jahres gehabt hat. Die Zunahme betrug nur 7,2 Millionen Mark, das sind 4,9 v. H. während sie sich im August auf 7,4 v. H., im Juli auf 9,6 v. H. und im Juni auf 10,0 v. H, belaufen hatte. Die Einnahmen aus dem Personen- und GepSckverkehr beliefen sich auf 45027000 Mark. (Gegen Septemb« 1905 4- 2665000 Mk.) Die Einnahmen aus dem Güterverkehr betrugen 102 697 000 Mark. (+ 3798000 Mk.) In der ersten Hälfte des laufenden Etatsjahrs sind vereinnahmt aus dem Personenverkehr 293 339 000 Mk. (+ 21068 000 Mk.), auS dem Güterverkehr 591297 000 M. (+ 50895000 Mark).

* Die Fleischteurungsinterpellation der Sozialdemokraten soll sofort bei Wiederzu« sammentritt des Reichstages eingebracht werden. Wie die ,Deutsche Tageszeitung' meldet, wird voraussichtlich der preußische Landwirtschafts­minister im Namen des Reichskanzlers die Inter­pellation beantworten, falls es sein Gesundheits- zustand erlaubt. Der Nachsatz des agrarischen Blattes ist um so bemerkenswerter, als es vor einigen Tagen Meldungen über eine Krankheit deS Ministers bementierte.

* Die Milchpreiserhöhung ist seit dem letzten Montag in Berlin allgemein durchgeführt. Nachdem die beiden Hauptmilchlieferanten Berlins einen PreiSauffchlag von 2 Pf. haben eintreten lassen, haben sich die Molkereibefitzer und Milch« Händler ohne vorhergegangenen Beschluß diesem Vorgehen angeschlossen. Auch in den Vororten ist der Preisaufschlag durchgeführt.

* Die Lohnkämpfe scheinen in Berlin jetzt eine schärfere Form anzunehmen. Namentlich in der Holz-Industrie ist die Lage fchlimmer geworden. Die Verschärfung ist eingetreten durch die Beschlüsse einer Versammlung der Schreiner« meist« und Holzindustriellen Groß-Berlins, die am Montag abend bei einer Beteiligung von mehr als 2000 Personen stattfand. Die Vorstände sämtlicher Arbeitgeber-Verbände d« Berliner Holz- Industrie waren vertreten. Die Referate gipfelten in der Parole: „Scheitern die Verhandlungen, so wird ausgesperrt, ohne Vertrag keine Arbeit!" Zur einstimmigen Annahme gelangte eine Reso­lution; in derselben wird eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit abgelehnt, ebenso eine Lohnerhöhung mit Entschiedenheit zurückgewiesen. Auch die son­stigen Forderungen der Holzarbeiter bleiben un­berücksichtigt, dagegen beauftragt die Resolution den Vorstand der Verbände, auf Grundlage der von den Arbeitgebern vor dem Gewerbegerichte am 18. Oktober bekannt gegebenen Bedingungen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmer-Orga­nisationen fortzusctzen. Die Arbeiter wollen je­doch von diesen Bedingungen nichts wissen, sodaß also ein schwerer Kampf unvermeidlich erscheint. Auch in den Schuh - Fabriken hat sich der Lohnstreit sehr verschärft. Eine V«sammlung der ausgesperrten Fabrik • Schuhmacher hat beschlossen, die Aussperrung mit einem Streik in den mechanischen Schuhfabriken zu beantworten. Die Vertrauensleute der einzelnen

Worten es die Aussprache, die vielleicht versuchte Rechtfertigung des Mannes dort unten an der Tafel, mit dem großen leuchtenden Blick, der tiefen, bis zu ihr hinklingenden Stimme, zurückweifen solle. Plötzlich hob sie den Kopf. — Ja, das war das Richtige. So wollte sie reden.--Und

leise murmelten die weichen, toten Lippen einen Satz vor sich hin.

Da trat respektvoll der Oberkellner an sie heran und flüsterte: „Madame, Ihre Dienerin wünscht sie zu sprechen."

Hastig erhob sie sich und sagte zu ihrem Nachbar:

„Mein Töchterchen ist krank. Die Wärterin bringt mir Nachricht," und verließ den Saal.

Jetzt erklärte sich der Herr die Schweigsam­keit der lieblichen Frau. Marie berichtete freudig: „Emmi fühle sich Wohler, wäre vergnügter,, habe etwas gegessen und schlafe jetzt. Der Arzt fei sehr zufrieden, da der Hals sich weit weniger entzündet zeige. Das erhöhte Fieber scheine durch Erregung hervorgerufen zu fein und fei jetzt ganz geschwun­den."

Hertha atmete freudig auf und kehrte zur Ge- sellschast zurück. Von jetzt ab unterhielt sie sich angeregt mit dem Regierungsrat und nahm schein­bar an der allgemeinen Fröhlichkeit teil. Leonie und Egon waren nun ganz der Gegenwart ent­rückt. Sie redeten nun mehr miteinander und leise Sie sagte: — mit Egon mußte sie ja immer die deutsche Sprache gebrauchen und das wurde ihr schwer - „Ihre krause, helle Haar fein ganz la m6me cbose, tote bet meine kleine Pudel. Wulff hatte die Worte erhorcht, stand auf, steckt« fein edbauffierteS Gesicht zwischen das Paar und lispelte, nur diesem verständlich: „So streichel« Sie es mal, wie bei Ihre kleine Pudel." Glühend« Röte ergoß sich über Leonies Züge und Egon lachte ganz entzückt: „Stehe zu Diensten, gnädiges Fräulein."