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Sitzung den «au eines städtischen Schlachthofes beschlossen. Mit dem Bau soll, sobald die Platzsrage gelöst ist, im nächsten Frühjahr begonnen werden.

B. o. (Einer Mutter Lohn.

Bon HanS Gisbert.

(Nachdruck verboten.)

Im Stübchen der verwitweten sstcau Kataster- «onkolleur Schulze funkelte und bll^e es vor Sauberkeit; lächelnd fptegefie Frau^onne chr Snaeückt in der runden Glasglocke, die düs ielbstaefertigte rosenfarbene Wachsblumenbukett Wie auf der blanken Mahaaoniplatte der Komod'e, auf der alle Prunkstücke des Haushalts h, blendender Reinlichkeit aufgestellt waren. Blütenweißer als sonst leuchteten die schneeigen Mullvorhänge, die kunstvoll gehäkelten Schutz­deckchen, der blendend weiß gescheuerte Fußboven. — Frau Kataster-Kontrolleur Schulze erwartete Besuch, erwartete Erich, ihren Einzigen, zum Besuch.

Lange war er burd) eine böse Krankheit zu­rückgehalten worden, bte ihn so angriff, daß er noch zu Ostern der Schonung bedurfte. Aber jetzt war er wieder gesund und frisch und fröhlich, wie jeder seiner Briefe meldete, die immer von Arbeiten und Streben und Schaffen

sprachen, und dabei doch von der Sehnsucht nach ihr, der guten Mutter, der er alles verdankte, was er erreicht hatte.

Ja, ihr Junge verdankte ihr viel! Mit Stolz sagte sie sich das. Wie hatte sie sich ein­gerichtet, wie hatte sie gespart und gearbeitet» um ihn eine höhere Lehranstalt besuchen lassen

,zu können!

Jetzt war er wohlbestellter Bauführer, und in ihrer Hand hielt sie seinen letzten Bries, worin er ihr initteilte, daß er im Wettbewerb für den Rathausbau einer süddeutschen Residenzstadt mit dem ersten Preis herausgekommen sei. Eine Träne perlte in ihrem Auge. Welche Freude ihr der Junge von jeher gemacht hatte, nur Freude, nur Freude!

Frau Kontrolleur Schulze späht nach der Uhr. Der Wagen könnte wohl jetzt auch kommen. Jawohl, sie hat sich einen Wagen bestellt, ihren Erich abzuholen. Die Nachbarn werden staunen und denken, sie sei hochmütig geworden. Aber nein! es ist nur, weil sie mit dem rechten Fuß nicht mehr so recht fortkann.

Der Wagen! Den Kapotthut mit den schwarzen Spitzen hat sie schon aufgesetzt; er dient schon lange Jahre; dem Jungen zu Ehren hat sie ein paar Veilchen anstecken lassen, das sieht siennd- licher ans. Jetzt schnell noch die neue Mantille; sie will neben ihrem Sohne bestehen können. Der Bahnhof liegt jetzt weit draußen; daran ist die Stadterweiternng schuld. Was Erich sich wundern wird über alle die Veränderungen und Verbesserungen, die das Gesicht der Kleinstadt ganz verändert haben!

Der Wagen rasselt weiter über holpriges Straßenpflaster und weichen Chausseegrund durch die neuangelegte Vorstadt. Pfeifen und Ran­gieren kündet den Bahnhof an.

Schon da! Ganz enttäuscht erhebt sich Fran Schulze; sie wäre recht gern noch ein Stückchen gefahren. Gott, wenn etwas so selten an einen kommt, bat man doppelten Genuß davon! Und wenn sie nachher mit ihrem Jungen nach Hause fährt; wie sie sich schon darauf freut . . . Müh­sam humpelt sie die Treppen hinauf. Oben trifft sie den Bahnhofsverwalter, einen alten Freund ihres verstorbenen Mannes: „Grüß Gott! Frau Kontrolleur, sieht man sie auch ein­mal? Wollen den Erich abholen, kann's mir schon denken; das werden mal fröhliche Fest­tage werden! Aber Geduld müssen Sie haben, der Zug hat eine halbe Stunde Verspätung." Eine halbe Stunde! Eine lange Zeit für das sehnsüchtige Mutterherz, und dann der Gedanke, was der Kutscher für die lange Wartezeit for­dern wird! Aber schließlich, man kann es nicht ändern; sie kann doch nun einmal nicht gehen, und sie will doch ihren Einzigen nicht allein an­kommen lassen. Die Hauptsache ist, daß er kommt, ihr lieber, lieber Junge! Nach langer Zeit das erste Wiedersehen!

Langgezogene, grelle Lokomotivpfiffe, Aus- and Einfahren überfüllter Züge, Kommen und Gehen von Fremden und Bekannten; Hitze, Staub, rauchige Luft! Sie wird so müde, und der Zug kommt immer noch nicht. Endlich wird ein Platz auf einer Bank frei; schwer läßt sie sich darauf fallen. Ja sie ist alt geworden, älter als sie gedacht hat; aber ihr Erich kommt ja, der Sonnenschein wird ihr gut tun.

Der Herr Verwalter kommt wieder: „Jetzt muß der Zug da fein, höchstens noch eine halbe Minute, ist von der letzten Station schon ab ge­meldet; da sehen Sie ihn um die Ecke kommen. Wollen mal sehen, ob Erich schon zum Fenster hmaussieht!"

„Ja, er schaut hinaus, aber nach der falschen Seite"; lächelnd bemerkte es die Mutter; „er denkt noch an den alten Bahnhof, da waren die Bahnsteige links." Der Zug hält weit oben: „Es tst wegen des nachkommenden Expreßzuges, der fährt auf dem Nebengleise vor."

Ach Gott! sie ist zu müde, sie kann sich nicht mehr durch das Gedränge bis obenhin wagen.

machten sie sich ruytg an ihre „Arbeit". Deutlich hörte der Wächter, wie die Diebe einbrachen. Ver­geblich versuchte er, sich zu befreien. Schließlich gelang es ihm, mit Hilfe eines Spatens die Tür aufzubrechen. Als er die Straße wieder betrat, konnte er gerade noch sehen, wie die Einbrecher mit ihrer Beute im Dunkel der Nacht verschwan- den.

Marktberichte.

* Frankfurt, 22. Okt. 1906. Am heutigen Wochen­markt gestaltete sich das Angebot von einheimischen Brotsruchten etwas ausaiebiaer und bei guter Nach­frage für effektive Ware konnten die Preise weiter etwas anztehen. Ausländische Brotfrüchte mangels neuer Zu- acen infolge niedngen Wasserstandes äußerst knapp fest. Gerste unverändert preishaltend. Hafer bei kleinem Angebot in fester Tendenz. Mais behauptet. — Es notieren je nach Qualität und Herkunft: Weizen, hiesiger und Wetterauer 17.85 bis 18.15 Mk., kurbesflscher je nach Qualität 18.15—18.25 Mark, norddeutscher 00.00 biS 00.00 Mk., russ. 19.75—21.00 M., Redwinter 00.00—00.00 Mk., Kansas 00.00—00.00 Mk., La Plata 20.00—21.00 M., rumänischer alter

18,50 bis 19.50 Mark, neuer 18.75 bis 19.75 Mark. Roggen, hiesiger 16.75—16.90 Mk., bauer. 00.00—00.00 Mk., russischer 17.00—17.50 Mk. Gerste hiesige 18.00—18.75, Pfälzer 18.50—19.25, fränkische 19.00 biS 19.25, Riedgerste 18.75—19.25, ungarische 20.25 bis 21.25 Mk. Hafer, hiesiger, 17.00 bis 18.00 Mk., bayerischer 17.00—18.25 Mk., russischer alter 00.00 bis 00.00 M., rumän. 00.00—00.00 Mk., amerika­nischer 00.00-00.00 M., Mais (Mixed) 00.00-00.00 M„ Donaumais 13.50—18.80 M , La Plata 13.50—13.75 Mark, russischer 00.00-00.00 M. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. — Mehl unverändert, aber fest. Es notiert je nach Qual.: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 27.00 bis 28.00 M.^feinere Marken 28.25-29.25 M., Nr. 1 25.00—26.00 M., feinere Marken 26.00—27.00 Mark Str. 2 24.50-25.00 M., feinere Marken 25.25—26.00 Mark, Nr. 3 23.00-23.50 Mk., feinere Marken 23.75 bis 24.50 M., Nr. 4 21.00—21.50 M., feinere Marken 21.75-22.25 M. Roggenmehl, hiesiges, Nr. 0 25.00 bis 25.50 M., Nr. 1 23.00—23.50 M„ Nr. 2 18.50 bis 19.50 M. Alles per 100 Kilo inkl. Sack. — Futter­artikel fest. Weizenschalen 4.90—5.00 M., Weizen­kleie 5.00-5.15 M., Roggenkleie 5.50-5.65 M., Futter­mehl 7.00—8.00 M., Biertreber, getrockitet, 5.40—5.70 Mk. je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loco hier.

* Frankfurt a. M., 22. Okt. 1906. Amtliche No­tierung der Viehmarkt-Preise. Zum Verkauf standen 389 Ochsen, 71 Bullen, 991 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 320 Kälber, 417 Schafe und Hämmel und 1438 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlacht­wertes bis zu 6 Jahren 87—90 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 76—80 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 69—72 M., d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. voll fleischige höchsten Schlachtwertes 76—78 Mark, K mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere, 70—72 M., c. gering genährte 00.00 M. Kühe und Färsen (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausge- mästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlacht­wertes 80—82 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 76—78 M., c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 64 bis 68 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M , e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast (Bollmast) u. beste Saugkälber (Hannov.) 100—106 Pfg, b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 90—95 Pfg., c. geringe Saugkälber 73—75 Pfg., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pfg. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 81—86 Pfg., b. ältere Masthämmel 72—74 Pfg., c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschaje)OO—OOVfg. Schweine: a. vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreu­zungen im Alter bis zu P/« Jahren 76 —77 Pfg., b. fleischige 74—75 Pfg., o. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 68—70 Pfg., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herktmft) 00—00 Pfg. Bezahlt wurde für 1 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: a. 60—63 Pfg., b. 54 bis 57 Pfg. Schweine: a. 60-00 Pfg., b. fleischige 00—59 Pfg. Geschäftsgang in Großmeh gut, Ueber- stand unbedeutend, in Kleinvieh gut, Markt geräumt. Aus Oesterreich standen 108 Ochsen zum Verkauf.

Wenn Herr Verwalter fo freundlich fein will, Erich in Empfang zu nehmen, sie will ihn hier auf der Bank erwarten; verfehlen kann sie ihn ja nicht. Aufmerksam fpäht sie nach oben. Was ist das? Eine Tür öffnet sich auf der linken Seite. Erich ist es, wahrscheinlich noch immer in der Meinung, daß der Bahnsteig auf dieser Seite fei. Sie winkt ihm zurück, er muß doch die Gleise sehen. Aber nein, leichtfüßig ist er schon hinansgesprungen; er stolpert — o Gott! er fällt, fällt langewegs auf die Schienen. Auf­geregte Zurufe von allen Seiten: „Zurück, zurück, der Expreßzug!"

Welcher Zug? sie sieht nichts, hört nur ein nahes dumpfes Dröhnen: dann erfaßt sie eine wahnsinnige Angst; ihr ist, als ob sie durch einen Schleier sähe, wie Erich sich mühsam aufzurichten sucht, wie er nach dem Fuße greift, als ob er sich verletzt habe — ein entsetzlicher Augenblick — lautes, aufgeregtes Schreien, Zusammenlaufen der Menschen, bleicher Schreck auf allen Gesichtern — und dann biegt er um die Kurve mit rotglühenden Augen dampfschnaubend — mein Gott! ihr Kind, ihr Kind! Wo ist ihr Kind? — Ein greller Aufschrei aus hundert Kehlen — und dann fährt der Expreßzug dröhnend ein, einer Mutter Glück unter sich begrabend.

Sie bringen ihn in den harrenden Wagen, und dann ist seine Mutter allein mit ihm, ihrem Einzigen, der Freude und dem Trost ihres Alters ....

vermischtes.

* Bisert«, 21. Okt. 1906. Die Arbeiten zur Hebung des Unterseebootes „L u t i n" nehmen ungestört ihren Fortgang. Der Versuch, vorerst die Lerchen zu bergen, ist wegen der Unmöglichkeit der Aus­führung aufgegeben worden. Die Arbeiten, die darauf abzielten, eine quer unter dem gesunkenen Unterseeboot „Lutin" wegführende Vertiefung aus dem Meeres­boden auszuhöhlen, sind heute, zumeist dank der Be­mühungen der zugezogenen dänischen Taucher, erfolg­reich beendet worden. Es wurde eine starke Kette, mit der das Vorderteil des Bootes gehoben werden soll, unter dem Schiffskörper hindurchgezogen.

* Konstanz, 21. Okt. 1906. Graf Z e p p c- Iin wird in dieser Woche erneute Flugver­suche mit seinem Luftschiff unternehmen, haupt­sächlich zu dem Zwecke, den Abstieg auf dem Lande zu vollziehen.

* Der Nagolder Hotel-Einsturz vor Gericht. Das Gericht in Tübingen verurteilte den Ange­klagten Rückgauer wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Vergehens gegen die anerkannten Regeln der Baukunst zn sechs Mouaken Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten. Oberstaatsanwalt Dr. Cleß hatte nur vier Monat beantragt.

* Beim Malen verunglückt. Der Maler A. Krüger ivar im Kirchenpauerhasen (Hamburg) damit be­schäftigt, von einem Boot aus den Bug des Dampfers Caridat Padilla zu malen. Plötzlich rauschte der in der Klüse hängende Buganker herab und drückte im Fallen mit seinem Stock das Boot unter Wasser. Der Maler wurde mit in die Tiefe gezogen und konnte nicht mehr gerettet werden.

* Särge ohne Leichen!" Der Direktor des Hamburg-Eppendorfer Krankenhauses, Professor Henhartz, strengte gegen den Geschäftsführer Schönberg vorn Verband der Hamburger Staats­arbeiter einen Beleidigungsprozetz an, der seinen Anfang genommen. Schönberg hat in einer Ver- sanunlung behauptet, daß im Eppendorf er Kran­kenhause die Leichen nicht in Särge gebettet, son­dern von der Anatomieleitung des Instituts zer­schnitten und zurückbehalten würden. Die Särge selbst würden mit Schutt oder Stangen ausge­stillt. In der Verhandlung gab der Oberwärter der Anatomie auf Vorhalten des Verteidigers nach langem Zögern zu, daß er ohne Wissen seiner Vor­gesetzten einen privaten Handel mit den abge­schnittenen Köpfen von Leichen getrieben hat.

* Leute, die mit den Augen stehlen. Aus Lon- don wird berichtet: Von den fashionablen Schnei- derfirmen wird lebhafte Klage über eine neue Art von Ladendieben geführt, die keine körperlich greifbare Beute machen, sondern sich mit dem Raube von Toilettenideen begnügen. Eine An­zahl solcher Diebe macht jetzt die führenden Mode- und Putzwarenhäuser zum Schauplatz ihrer Tätig­keit. Der „Jdeenräuber" erscheint als Abgesand­ter einer fremden Dame von Rang im Salon eines vornehmen Schneiders und bestellt die neuesten Modelle, die sofort an eine angegebene Adresse nach Wien, Petersburg oder Rom versendet wer­den sollen. Er selbst gibt an, von der Sache nichts zu verstehen, sodaß es unnütz fei, ihm die Modelle zu zeigen. Doch läßt er die ganze Zeit die Augen wie ein Luchs Herumschweifen und prägt die ver­schiedenen Formen und Farben begierig feinem Gedächtnis ein. Die Dame von Rang aber ent­puppt sich gewöhnlich als kleiner Schneidermei­ster, wenn die Adresse nicht überhaupt fingiert ist. Dadurch wird es den strebsamsten Bekleidungs- künstlern unmöglich gemacht, durchaus original zu fein. Auch die Frauen beteiligen sich lebhaft an diesem Kampf gegen die „Urheberrechte" der Schneider und suchen die vornehmsten Etabliffe- nients ab, um die vollendetsten Schöpfungen der Mode nachzuahmen. Häufig lassen sie sich von einem kleinen Schneider oder von Putzmacherin­nen begleiten, die sich die schönsten Stücke merken und dann, soweit ihr Können reicht, die Modelle nachahmen.

* Der Nachtwächter in der Falle. Ein nied­liches Diebesstückchen vollbrachten nachts zwei Ein­brecher in Berlin auf dem Grundstück Emserstrahe 73=74. Sie wollten dort einbrecheri, sahen aber, daß in der Nähe ein Wächter aufpaßte. Sie war­teten nun, bis sich der Wächter in eine nahe Bau­bude begeben hatte, riegelten die Tür hinter ihm ab und setzten ihn auf diese Weise gefangen. Dann

Uurzer Getreide-Wochenbericht der preirbenchtsftelle der deutschen Landwirtschastrratr vom 16.—22. Gkiober 1906.

Der in dem preußischen Saatenstandsbericht von Mitte Oktober erwähnte Rückstand in der Be­stellung der Aecker bietet wenig Aussicht auf eine Aendernng der durch mangelndes Angebot ge­schaffenen Marktlage. Inzwischen hat sich aus der andauernden Unzulänglichkeit des heimischen An- ;ebots keine Anregung zur Festigkeit ableiten lat­en, weil allgemein mit demnächst zu erwartenden tärkeren Leistungen und damit günstigeren An- chaffungsbedingungen gerechnet wird. Dagegen ann den durch die Streikbewegung der Elb-Schif- er wie durch den niedrigen Wasserstau!» des Rheins hervorgerufenen Verkehrsschwierigkeiten eine befestigende Wirkung infofern nicht abge­brochen werden, als der erschwerte Bezug von Auslandsware die sonst bescheidene Kauflust für das inländische Erzeugnis zu heben und kleine Preisbefserungen dafür zu veranlassen vermochte. Im übrigen hält die durch umfangreiche Weltver­schiffungen und günstige argentinifdje Berichte verursachte schwächere Haltung des Auslandes die Unternehmungslust in engen Grenzen, sodaß die in Weizen und Roggen zu etwas besseren Preisen vorgenommenen Anschaffungen auf den notwendi­gen Bedarf beschränkt blieben. Die etwas willige­ren nordrussischen Haferforderungen blieben auf die Haltung inländischer Warenbesitzer ohne Ein­fluß, weil die geringen Zufuhren des Inlandes eine Ergänzung der schwachen Handelbestände nur zu erhöhten Preisen ermöglichen. Die durch den hohen Preisstand der Braugerste bedingte Zurück­haltung der Käufer kann die feste Tendenz für diesen Artikel umsoweniger erschüttern, als auch das Ausland an seinen hohen Forderungen fest- hält. Der gute Abzug von Futtergerste und Mais hat in der Berichtswoche keine Unterbrechung er­fahren. Im Mehlhandel gestatteten etwas bessere Absatzverhälknisse eine kleine Preiserhöhung für

Roggenmehl, während Weizenmehl eher etwas G liger erlassen werden mußte.

Es fteHten sich die Getreidepreife am letzteste Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qua.' lität, wobei das Mehr (-ft) bezw. Weniger (—$ gegenüber der Vorwoche in () beigefügt ist, tote folgt:

Weizen Roggen Hafer 161 (+ 8 1 171 (

Magdeburg 178 ( ) 163

Halle 173 ( ) 168

Hamburg 176 ( ) 161

Düffeldorf 185 (-4- 2 ) 170

Köln 180 (— 2 ) 170

Frankfurt 184 (+ 2*/i) 170 (— 2*/i) 175 (4- 2Vit

Mannheim 191'/.(-j- '/,) 171 (4- 1 ) 174 (4- 2 )

München 206 (-ft 2 ) 190 (-ft 2 ) 170 (-ft 2 ]

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Dezember 177.2k

Ö- 1.25),Budapest Oktober 121.20 (+ 3.60),Paris Oktobei, 9.05 (4- 2.45), Liverpool Dezember 144.05 (-j- 2.65h New-York Dezember 125.95 (-ft 1.85), Roggen: Berlin Dezember 160.50 (+ 0.25), Hafer: Berlin Oktober 158.79 (+ 0.50). ?

Neueste Nachrichten und Telegramme.

W. Berlin, 22. Okt. 1906. Die Spur des falschen Köpenicker Hauptmanns ist auch in Nauen verfolgt worden, wo er mit einer Anzahl von Generalstabsoffizicren die Funkenstationen besucht haben soll. Tatsächlich ist der Hauptmann zwei Tage vor dem Kasfen- raub in Nauen gewesen und hat dort in einem Gasthofe erzählt, er komme aus Wuhlgarten, wo er den Wärtern ein Schnippchen geschlagen habe. Mit Papieren aus der dortigen Epileptiker- anstatt habe er sich auch ausgewiesen. Der Mann habe außer hochdeutsch auch plattdeutsch gesprochen, einen Band Reuter bei sich gehabt und daraus vortragen wollen. — Dem Bürger­meister Langerhans wurde gestern nachmittag in einer großen Volksversammlung zu Köpenick eine Vertrauenskundgebung ausgesprochen. Auch ein F a ck e l z u g soll ihm dargebracht werden.

W. Berlin, 22. Okt. 1906. Nach Blätter- Meldungen sind am hiesigen Vieh- und Schlacht- Hose neue Fälle von Maul- und Klauen­seuche entdeckt worden. Die Sperre bleibt weiter bestehen. Die Desinfektions-Arbeiten werden int weitsten Umfange fortgeführt, sodaß eine weitere Ausdehnung der Seuche nicht zu befürchten ist.

W. Berlin, 22. Okt. 1906. Heute abend wurde das offizielle Resultat der BallonWett­fahrt vom 14. Oktober bekanntgegeben. Den Ehrenpreis des Kaisers erhielt Ballon „Ernst", (Führer Dr. Brökelmann), den Ehrenpreis des Berliner Vereins für Luftschiff­fahrt Ballon „Schuke" (Führer Dr. Worben), Ferner wurden 5 weitete Preise erteilt, die den Ballons „Helios" (Führer Dr. Schleim), „Helm­holtz" (Führer Dr. Klise), „Koblenz" (Führer Leutnant Zimmermann), „Graubenz" (Führer^ Hauptmann Wehrle) und „Bosold" (Führer Haupt­mann der Reserve v. Kohler) zugesprochen wurden.

W. Grenoble, 22. Ott. 19u6. In der Wohnung des Deputierten Chionducollet explo­dierte in der letzten Nacht eine Bombe. In der Wohnung befanden sich ein Neffe und eine Nichte von Chionducollet, die keinerlei Ver­letzungen erlitten. Chionducollet selbst war ab* wesend.

W. Collegno, 22. Okt. 1906. Der um 8 Uhr 45 Min. fällige Eisenbahnzug von Mor» batte traf mit Verspätung ein und fuhr in einen rangierenden Güterzug. Ein Arbeiter kam dabei ums Leben, 15 Personen wurden ver­letzt, davon vier schwer. Ein Personenwagen« der Post- und der Paketwagen wurden stark beschädigt.

W. Derbent (Transkaukasien), 22. Okt. 190t, Gestern abend um 10 Uhr wurde hier ein Erd­beben in der Richtung von Süd-Ost nach Nord- West verspürt.

W. New-Aork, 22. Okt. 1906. Nachrichtet, aus Ceatepec (Mexiko) zufolge sind bert bei bent Orkan, ber vor einigen Tagen Zentral- Amerika unb Westinbien heimgesucht hat, über 100 Menschen ertrunken. Der Vulkan Chul« warf große Mengen schwefelhaltigen Waffers aus, baS die Stadt Panchinalca überflutete und die meisten Einwohner tötete. Auch an anderen Orten soll großer Schaden angerichtet worden fein. Wie eS heißt, sollen andere Slädt- von den Fluten hinweggeriffen worben fein. ff.ujj..».—j,.,..- 1.1 » ............ ..„.UL, ...i

voraussichtliche Witterung

Weilburger Wetterdienst

(Dienststelle Weilburg, LandwtrtschaftSschul«) für die Zeit vom Abend des 23. Oktober bis zum nächsten Abend:

Schwache, östliche Winde, tri« heiter, teils nebelig, trocken, etwas kühler.

. ■ LJ ■■ —i i. ■ J.WW

Reklamen- und Anzeigenteil.

Danzig 177 (+ 4 ) 155 (- 1

Berlin 177'/,( '/,) 161 (4- 1

1

— 2

161 (

165 (

175 (+ 1

172 (+ 6

170 (— 8

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