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33, Jahrgang.

Fulda, Montag den 1. Ottober 1906.

JV» 225.

Kustes W^crtt

Ausländische Arbeiter in Deutschland

verautwonlicher Zchristleiter: I. vaua, für dir an$eigtn j. patien« in 8«lda.

Die östlichen Provinzen sind infolgedessen ge­nötigt, diesen Ausfall auf andere Weise wieder zu decken. Im Vordergrund steht die o b e r s ch l e- sische Industrie und die Landwirt- schäft. Beide nehmen zu dem Aushilfsmittel der ausländischen Arbeiter ihre Zuflucht., Die oberschlesische Industrie bezeichnet es jedoch in den weiften Fällen für unwirksam. Die Landwirtschaft macht jetzt Versuche mit Rußland. Der Zentral­stelle für Vermittelung von Feldarbeitern ist die Genehmigung zur Anwerbung von Feldarbeitern in Russisch-Polen erteilt worden. In den gegen- wärtigen Zeiten halten wir aber große Vorsicht sehr für geboten, obgleich wohl jene nicht zu den aufrührerischen Elementen gehören dürften, welche das heutige Rußland fliehen, um anderswo ihrem

beraumen. Der Reichstag wird bei seiueuen Zu« ammentritt noch eine Menge alten Beratungs­toffes vorfinden. Unter dm neuen, dem Reichstage chon lange zugesagten Vorlagen, befinden sich t. a. der Gesetzentwurf betreffend die Sicherung der Bausorderungen, die Novelle zum Börsen- irsetze und der Gesetzentwurf betr. die Rechts- ähigkeit der Berufsvereine. Alle diese Entwürfe werdm dem Reichstag wahrscheinlich im Ro-

Hotationsbrud a. Verlag der Fuldaer 2k» rttflbntdtrei in Fulda, zernsprecher Nr. 9.

Mit Wonne aber atmete seine Tochter Hertha die balsamische Luft ein. Sie stützte die schmalen Hände auf die Brüstung des Fensters im Speise­zimmer, sie reckte die schlanke schöngebaute Gestalt und sog in tiefen Atemzügen die feuchte Kühle ein. Was für eine Wonne war das nach der Tem- perarur der letzten heißen, schwülen Tage! — Herthas große, rehbraune Augen schauten nicht auf die dicht unter ihrem Fenster Vorübergehenden — das Zimmer lag im Hochparterre —, sondern sie hob die Blicke zum Himmel. Siegreich sandte die Sonne ihre Strahlen auf die Erde hinab. Die schwarze Wollenmasse des abziehenden Unwetters, deren zackiger Rand wie mit einem Goldsaume eingefaßt war, bedeckte kaum noch den dritten Teil des Firmamentes. Von ihrer dunklen Fläche ho­ben sich die Farben des Regenbogens leuchtend ab. Jetzt verblaßten sie — strahlten wieder auf —, um dann ganz zu verschwindeil.

Hertha zählte erst 17 Jahre, und doch lag um ihren kleinen, roten Mund ein so schmerzlicher Zug, als habe sie schon viel Bitteres erlebt.--

Sie schloß den einen Fensterflügel, setzte sich nieder und begann emsig an einer Stickerei zu arbeiten. Deshalb bemerkte sie nicht, wie nach kurzer Zeit eine Gruppe der Vorübergehenden, zwei Damen, von einem Jägeroffizier begleitet, dicht unter be tt Fenster anhielt. Eine der Damen, Frau Haupt- mann Zeiler, eine hochgewachsene, kühn ausschau- eitde Brünette, legte, dem jungen Manne und der Begleiterin, ihrer Schwester Ella, einen schelmi- scheu Blick zuwerfend, den Finger auf, die Lippen. Und so verharrten die drei eine Weile, schauten zu Herthas lieblichem, von Eifer iinb Fleiß ge­rötetem Gesicht empor. Nun hob sich.Frau Anna Zeiler auf die Fußspitzen, streckte den Arm empor und klopfte mit dem Stocke des zusammengeroll­ten Regenschirmes so heftig an die Fensterscheibe, daß diese klirrte. Erschrocken fuhr Hertha auf.,— Die beiden Damen lachten laut und das Gesicht des Leutnants strahlte in Mutwillen und Heiter­keit. Er wagte jedoch nicht in die laute Lustigkeit einzustjmmen.

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Erschein rag lick, mit Ausnahme bet Sornt« und Feiertage, viertel» Mn.vtzugrpteir »Hut Stingttlohn und veiieLgeib in Fulda und auswärts lint. 50 Pfg.

roodwM!«*: „ZllnftrierteSoimtagrzeitung"

Bei der Beratung der Zolltarife behebte das Freihändlertum es so hinzustellen, als ob nach An- nähme der Handelsverträge em großer Lett un- die Industrie nicht nur bte deutschen Arbeiter legen und damit gleichzeitig eine Abwande- deutschen Arbeiterschaft

Hertha erhielt vom Vater die gewünschte Er- laubnis und trat um 8 Uhr fröhlich in das Zeiler- sche Haus. Schon im Flure eilten ihr Ella und Marie EUttttin entgegen. Marie war ein hage­res junges Mädchen mit farblosem Teint und dunklen Haaren. Aber das nicht hübsche Ge- sicht wurde durch ein Paar lebhafter Augen rnter- essant. , , .

„Hertha", flüsterte sie, „wir machen heute abend die Bekanntschaft zweier junger Herren, bte dir Bälle im Kasino besuchen wollen. Seren wir recht bezaubernd und anziehend heute", — sie lächelte und ordnete bie Stirnlöckchen, — damit sie unsere festen Tänzer werden."

Bald war bie heitere Gesellschaft beim Abend, essen. Fröhlich und zwanglos unterhielt man sich, i Ter liebenswürdige Hausherr, Hauptmann Zeiler, eine kraftvolle, lebensfrische Gestalt mit gütigem Gesicht, blondem Backeiibart und freundlichen, blauen Augen, hatte für jeden Gast einen Scherz, eine launige Bemerkung. Als das Souper been­det, rief er;

„Also wir haben nun den Anforderungen un­seres leiblichen Menschen gehuldigt, — nun, holde Musik, hehre Poesie, jetzt huldigen ivir bitt" — Assessor Beer, ein überschlanker Mann wit ver­geistigtem, schwärmerischen Gesichtsausdruck,schien mir auf d.ese Worte gewartet zu haben. Er zog ein Buch aus der Tasche und begann:

„Ich möchte den Herrschaften einige Gedichte von Annette von Droste vorlesen. Besonders ol- genbe sind sehr eigenartig und stimmungsvoll. Marie und Ella machten gelangweilte Gesichter und zogen sich in eine Ecke des Zimmers zurück. Hertba'blieb dicht neben dem Vorleser. Und er las mit monotoner halblauter Stimme:

Wie der arme Knabe über das Moor ym- stiegt. — Wie es zischt aus dessen Spalten — der Wind saust — der Nebel zieht. — Das Moor birst --und aus dem Riß klingt die Stimme einer verdammten Seele."

„Guten Tag! Guten Abend! — Aber Hertha — dieser Ernst — dieser Fleiß! Bei dem herrlichen Wetter sitzest Du im dumpfen Zimmer! Konmi schnell heraus zu einem Spaziergang." — So riesen bie Schwestern ihr zu. Hertha lehnte sich über die Fensterbrüstung und entgegnete: „ Ich ginge ja gerne mit. Doch, es ist unmöglich. Morgen ist Großpapas Geburtstag und diese Stickerei muß bis dahin beendet sein. Mindestens zwei Sftinden Arbeit erfordern bie Pantoffeln noch."

„O Sticken! Handarbeit! Dieses Grausen!" sagte Ella, eine helle, rosige Blondine, die mit ihrem Knabenhut und der Kravatte sehr eman­zipiert ausiah.

„Wie schade", meinte Frau Hauptmann Zei- Icr, dann rasch hinzusetzenb: „Ach ich vergaß. Dir unsern Kavalier, Leutnant von Hallern vorzustel- len, den intimen Freund meines Mannes, der uns bie grausige Garnison E. ertragen half. — Mein Gatte freut sich riesig, daß er jetzt nach hier versetzt ist."

Der Offizier verbeugte sich tief, und als er den Kopf erhob, schaute Hertha in zwei schöne, große, mutige Augen.

„So, bann arbeite Deine Riesenpantoffeln fer­tig und komme zum Abendbrot", hob Ella an. „Es wird gemütlich. Mein Schwager hat bie Assessoren Rolf und Beer eingelaben. O, letzterer wird uns mit dem Vorlesen schauriger Gedichte — er lieft leider ja nur schaurige — Grausen ein- jagen. Marie Ellerlein wollen wir auch bitten, zu kommen." Man sah in Herthas Zügen, wie gern sie der Eiiiladimg folgen würde, trotzdem ent­gegnete sie zögernd:

„Es wird nicht angehen. Mit Freuden käme ich ja. — Doch Papa--". .

„Ach, der Griesgram!" unterbrach respektlos Frau Zeiler, — Hertha schaute ganz bestürzt zu Hallern hinunter — „warum sollte er es verbie­ten? --Ade, ade bis zum Abendbrot- Wir

rechnen fest auf Dich!"

Meine Last war schwer.

Erzählung von F. Broocks.

(Nachdruck verboten.)

Die Stadt D. hatte sich in den letzten zehn Jahren sehr vergrößert und verschönert. Wett über ihre früheren Grenzen hinaus, dort, wo man sonst Gärten, Wiesen und Felder erblickte, sah man nun stolze Häuser und moderne Villen.

Das stattliche Wohnhaus des Kommerziell- rotes Bernheim stand an bet äußersten Grenze einer Vorstanbt D's. Seine Front lag unmittel­bar am Bürgersteige ber langen, geraden, mit einer Baumallee durchzogenen Wallstraße. Bon der Rückseite des Gebäudes aus erstteckte sich ein weitausgedehnter, parkartig angelegter Garten südwärts, bis zu einem schmalen, sandigen Land­wege.

Nach dem eben niebergegangenen, heftigen Ge­witter, das von Sturm und Hagelschlag begleitet war, trat Herr Bernheim aus feinem Schreib­zimmer auf die Veranda. Seine hohe, kräftige Gestalt bewegte sich stolz und sicher. Dunkles, kurzes Haupthaar und ein dichter Backenbart um­gaben fein Gesicht. Er ging in den Garten.

Zornig musterten seine braunen Augen die Zerstörung auf den Blumenbeeten, die herabge- fchlagenen Baumäste, die zerbrochenen Scheiben des Gewächshauses. Dann flog ein finsterer Blick zu den Schornsteinen seiner Baumwollspinnerei hin, bie einige hundert Schritte hinter dem Gar­ten lag.

„Aerger, nichts als Aergerl" murmelten die schmalen Livpen. Auf den unmutigen Mann machte die erfrischte, herrliche Natur, der sich auf- klärende Himmel, mit dem leuchtenden Regenbo­gen, der Wohlgeruch, der dem nassen Erdboden, den Blumen und Blättern entströmte, keinen Mrdruck»

vember zugeteilt werden.

„Anlatz zur Erregung politischen Aerger- niffes" gibt das Wort „Anarchist^. Em Unternehmer taufte einen Anstrichzerstörer mit liefern Namen und meldete das Wort als Schutzmarke beim Patentamte an. Es wurde jedoch als Anlaß zur Erregung politischen Aergernisies zurückgewiesen. Auch eme Be- chwerde hatte keinen Erfolg, und die Emtra» ;ung des Wortes wurde definitiv versagt. In )er Begründung heißt es, daß es in weitesten I Greifen mißbilligendes Erstaunen und Anstoß erregen würde, wenn jemand gesetzlichen Rechts­schutz für ein Wort erlangen würde, welches grundsätzlich Gegensatz zu Recht und Ordnung bedeutet. Das Patentamt nimmt Anstand, seine Hand dazu zu bieten, daß das Wort als ein» wandsfrei gesichert und gewiffermaßen behördlich gutgeheißen erscheint.

* Das Ende der roten Komodie. Eine Komödie im wahren Sinne des Wortes war der I sozialdemokratische Patteitag in Mannheim. Den höchsten Triumph feierte die Schauftnelerei der Genossen in der Behandlung der Maffen- streike und Gewerkschaftsfrage. Dann flaute aber das Jntereffe ab, der Schluß war sehr matt, die Bänke größtenteils leer. Bor den Kulissen war alles gut eingeübt, was hinter den Kulissen vorging, bleibt der Oeffentlichkeit vor­enthalten. Das Ergebnis der langen Tagung ist gering: Lange, zum Teil blutrünstige Reden voll von Heuchelei, aber keine posittve Arbeit, kein Resultat. Die große Rede Bebels hatte es nur mit der Frage zu tun, wann der große Massenstreik einzutreten habe. Und das war das Hauptstück der Tagung! Jede andere Partei würde sich fürchten, mit solchen Phrasen vor ihre Anhängerschaft zu treten; ein Maffenabsall wäre die unausbleibliche Folge Nach sozial­demokratischer Auffassung wird aber die Mann­heimer Tagung als „Markstein der Parteient- Wickelung" betrachtet, wie der .Vorwärts' voller Freude verkündet. Eine schöne Parteientwicke- lung, in welcher die Massen mit Heuchelei, Zänkerei und Utopien gespeist werden! Empfinden die Arbeiter über die neu verkleistette „Ein­trächtigkeit" dieselbe Freude, wie das rote Zentralorgan, dann beweisen sie, daß man politischen Kindern auch mit Richtigkeiten eine Freude machen kann. Wohl deshalb erzählte ihnen der „Obergenosse« Singer in seinem Schluß- wott das Märchen, daß die Verhandlungen von der Bourgeoisie mit Entsetzen gelesen werden würden! Was hat aber die „Arbeitett'-Pattei für bie Arbeiter getan? Nichts, gar nichts! Auch nicht die Spur von Beratungen über irgend eine Verbesserung der Lage der Arbeiter war zu entbeden. Angesichts .dieser Tatsache denkt man an die lang gehegte Hoffnung, daß die Sozialdemokratie an der Ausbeutung der Arbeiter zugrunde gehen würde. Wie lange folgen noch die Massen blindlings dem unver- ■ antwottlichen Treiben? ________________

Maer W Zeitung

2k Monatsbeilage: „Fuldaer GeschichtZbMer"

* Die Förderung der Presse läßt sich nun» mehr auch die evangelische Geistlichkeit angelegen sein. In Pommern haben die Kreis- synoden von ihrer vorgesetzten Behörde die Weisung erhallen, sich mit einer Erötterung von geeigneten Maßnahmen hierzu zu beschäftigen. Die Kreis- sunoden haben sich daraufhin auf die Annahme folgender Leitsätze geeinigt: „Die Beeinflussung der Presse hat nach zwei Seiten hin zu erfolgen. Es ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die Presse von allem in religiöser und sittlicher Beziehung Anstößigem gereinigt wird, daß sie mit geeignetem Material versehen wird, welches die christliche Weltanschauung geltend macht. UeberaU sollen Preßausschüsse gewählt werden, außerdem sollen Sonntagsblätter und Kalender verbreitet werden." Mit diesen Leitsätzen wird man sich im allge- meinen wohl einverstanden erklären können. Wir nehmen selbstverständlich an, daß das „geeignete Material" von demselben Geiste dikttett ist, der I in der verflossenen Woche in einer Rede auf der Tagung des Gustav-Adolf-Vereins in Augsburg in den Vordergrund gestellt wurde, eine Auf­fassung, wie sie sich mit den Kundgebungen der deutschen Katholikenversammlungen deckt. Selbst­verständlich ist die liberale Presse mit diesen neuen Anregungen nicht einverstanden.

* Das kirchliche Wahlrecht wird zur Zett auf evangelischer Seite für die Frauen ange- strebt. So bewachtet es die Erfurter Synode m einer Resolutton als eine Forderung der Billig- feit, daß in Erwägung des regen kirchlichen Interesses der Frauenwelt sowie der gegen früher erheblich veränderten Stellung, die heutzutage die Frau im öffenttichen Leben einnimmt, den Frauen, insofern sie die erforderlichen Bedingungen erfüllen, das akttve Wahlrecht zugebilligt werde. Wetter wurde den Gemeindettrchenräten warm empfohlen, in die von ihnen für die kirchli^ Liebestättgkeit ernannten Kommissionen auch Frauen hineinzuwählen. Dieser Beschluß fußt aus der Tatsache, daß die Frauen auf dem Gebiete der Kranken- und Armenpflege besondere, ihnen eigentümliche Gaben besitzen.

* Hebet Verletzungen des Briefgeheimnisses durch die Postverwaltung hat der Reichstags-Ab­geordnete Freiherr v. Ho den berg auf der Cum­berland-Feier in Hannover verschiedenes, isitg^ teilt. Alsbald wurde berichtet, daß dreserhalb von der Postverwaltung Strafantrag gestellt wor­den sei. Der .Hannov. Cour/ stellt aber fest, daß der Oberpostdirektion in Hannover hiervon nichts bekannt ist. Aus dieser Tatsache kann man eine Bestätigung der genannten Mitteilung des Freiherrn herauslesen. Oder gedenkt bte Post- verwaltung in anderer Weise zu der Angelegen­heit Stellung zu nehmen?

♦ Der Ausschuß der Apothekerkammern tritt am 11. Ottober zu wichtigen Verhandlungen zu- I fammen, welche im Kultusministerium stattsinden. Die Tagung wird sich haupssächlich mit dem Mangel an Apothekergehilfen und der daran- sich ergebenden Sage der Apothekenbesitzer be- schästigen.

* Neber die Erfolge der AusiedeluugS- kommission in den polnischen Sßtoinn3ctt Preußens läßt sich die Ireuzztg/ des Näheren aus. Das Blatt sieht sich zu seinem Bedauern genötigt, an Hand von statistischem Zahlenmaterial ■ festzustellen, daß trotz aller Tätigkeit der An- : siedelungskommission der polnische Besitz unauf­haltsam vorrückt. Fast 10 Quadratmeilen seien

Homburg passieren. Die Abreise des Fürsten Bülow wird, wie wir bereits früher mitteilten, wenn nicht besondere Umstände sie beschennigen, erst gegen Ende Oktober erfolgen.

.-. Eine Aeußerung des Herzogs von Cumberland wird heute veröffentlicht. Eine Abordnung der Braunschweigischen Rechtspartei war nach Gmunden entsandt worden. Der Herzog empfing die Deputation, welche ihm die Bitte unterbreitete, nunmehr die Thronfolgefrage in einem für Braunschweig günstigen Sinne zu lösen. Einer Zeitungsmeldung zufolge erwidette der Herzog, er sei bereit, den Wünschen der braunschweigischen Bevölkerung soweit als möglich entgegenzukommen; er befürchte aber, daß Kaiser Wilhelm keine Verständigung wünsche. (?) Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, ist die Aeußerung des Herzogs sehr unbestimmt ge- hallen, so daß sie einen weiteren Schluß über den Gang der Dinge durchaus nicht zuläßt.

! * Eine neue Militärvorlage kündet die

,Germauia' an. Danach werden die neuen Forderungen bereits in den nächsten Monaten dem Reichstage zugehen. In erster Linie soll es sich um eine ziemlich erhebliche Vermehrung der Genietruppen handeln, durch welche ermöglich würde, daß der Telegraphen- und Telepbondiens ausgiebiger verwendet werden könnte. Gleichzeitig soll das Automobil systematisch und ausge­dehnt im Heeresdienst eingeführt werden. Schließ- lich wird auf Grund der Erfahrungen bei den letzten Manövern eine nicht unerhebliche Der- stärkung der schweren Feldartillerie ange­kündigt. Wenn "sich diese Mitteilung bestätigt, so sieht sich der Reichstag vor nicht unbedeutende Mehrfordeningen gestellt.

* Die Wiedereröffnung des Reichstags wird voraussichtlich am 13. November, bis zu welchem Tage der Reichstag bekanntlich vertagt ist, stattsinden. Der Präsident des Reichstags soll, wie verlautet, beabsichtigen, auf diesen Tag die erste Plenarsitzung des Reichstags anzu-

Verdienst nachzugehen. Auch m santtarer Hinsicht ist für die Arbeiter, welche aus Rußland, Galizien und Italien kommen, eine gewisse Ueberwachung unerläßlich. Vor einigen Jahren schon hat das preußische Kultusministerium Anweisungen hier­zu ergehen laffen. Es bleibt nun abzuwarten, welche Erfahrungen man in der Landwirtschaft mit den russischen Arbeitern machen wird.

Die deutscheArbeiterschaft sicht btt Heranziehung ausländischer Elemente oft miß­trauisch gegenüber. Sie befürchtet von ihr gewisse Nachteile für sich. Die oberschlesische In- r u n g der deutschen Arbeite r 1 aj a t r i behauptet auch, daß die einheimischen Ar- stattfinden würde. Von einem solchen „Export ^jter die ausländische Konkurrenz wieder zu Ver­ist indessen bis jetzt nichts gemeldet worden; tm drängen suchen. Wenn das der Fall ist, so wird Gegenteil, die geschäftliche Koniunktur ist so, daß ^ie Ursache davon jedenfalls auch Set der Industrie die' nJdnstrie nitch nur die deutschen Arbeiter ^lbst und den Bedingungen zu suchen sein, unter voll und gar:j in Anspruch genommen hat, sondern Ö€nen b;e fremden Arbeiter eingestellt werden, auch das ausländische Element tn wachsendem -

an it al i en i- DflltfCbCS

Berlin, den 29. September 1906.

5b 000 Mann die Alpen überschritten, welche loh- . $er Saifer ;otI/ einec Berliner Korrespondenz nenbeii ermerb m zufolge, beabsichtigen, Mitte Oktober dem 9^8-

älÄfflSÄ Uta Fürsten Bülow einen Besuch in Hom. deutlicher Beweis dafür, daß sich^das italienische bürg abzustatten Ob diese Meldung zutrifft, ver- Element in Deutschland wohl behaglich fühlt, sodaß mögen wir zur Zett nicht zu entscheiden. Sie hat es unerklärlich erscheint, wie vor ein paar Jahren jedoch manches für sich, zumal der Kaiser beav- uoch von italienischer Seite vor einer Abwande- fjrfjtigt, an der Hochzeit des Prinzen Albrecht rung nach Deutschland gewarnt werden konnte. Don Holstein-Glücksburg teilzunehmen. Auf der Eber hatte die deutsche Arbeiterschaft von dem dorthin bezw. auf der Rückreise muß er großen Zustrom der braunen Sudlander nachter- - - —

iige Folgen zu befürchten, weshalb denn auch deut­scherseits den Unternehmern nahe gelegt wurde, bei allen öffentlichen Bauten vorerst die deutsche Arbeiterschaft heranzuziehen. Vielleicht haben dicke Verordnungen die italienischen Warnungen zur Folge gehabt. Auch in diesem Jahre war der -Zuzug italienischer Arbeiter so groß, daß die vor-1 jährige Ziffer noch überholt zu sein scheint. ,

In Den großen Industriezentren des westlichen Teiles unserer Monarchie spielt namentlich das p o l n i s ch e und g a l i z i s ch e Element unter der Arbeiterschaft eine große Rolle. Vor 13 Jahren wurden hierüber Erhebungen angestellt. Damals war die Hälfte der Arbeiterschaft noch deutsch­sprachig. Inzwischen haben aber die fremdsprachi- pen Arbeiter stark zugenommen, während die Zahl der angesessenen deutschen Arbeiter in demselben Verhältnis zurückging. Hierfür wird ein Beispiel aus dem Bergrevier Oberhausen-Duisburg ange­führt. In Betracht kommt dott eine Gesamtbe­legschaft von etwa 30 000 Mann; davon wurden über 14 Ouu als fremdsprachige Aroeiter bezeichnet. DaZ würde einem Prozentsatz von ca. 48 entspre­chen. Doch ist hierzu weiter festgestellt, daß zwei Drittel hiervon deutsch lesen und schreiben, da diese Fähigkeit als Voranssetzimg für ihre Beschäftigung verlangt wird. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, wie groß die von der westlichen Jndusttie beran- laßte Abwanderung der deutsch-polnischen Arbeiter aus dem Osten des Reiches ist.