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Rotationsdruck u. Verlag der 5 nidaer Ae» ttendrnckerei in Znlda. Fernsprecher Nr. 9.

M 224

Fulda, Samstag den 29, September 1906.

33, Jahrgang.

drittes WLalt.

♦ AMßlich da ullMMichm flnldp tcurniiig

richtet der .Fränkische Bauer', das Organ des christlichen Bauernvereins in Franken, eine vernünftige und beherzigenswerte Mahnung an seine Leser, indem er schreibt:

Bor allem ist es notwendig, daß ihr alles Dich, das verkäuflich ist und in entsprechender Mait steht, auch auf den Markt bringt und nicht zurückhaltet in der Hoffnung, daß es noch teurer würde. Das wäre dann wirklich n i ch t m e h r christlich, denn es ist unmöglich, daß dann noch Familien die Preise für das Fleisch erschwingen können. Laßt euch auch nicht durch gute Futterernte dazu verleiten, jetzt zu viel Vieh überwintern zu wollen. Das Futter ist in diesem Jahre „brausch", gewachsen,, füttert sich viel mehr zusammen, wie anderes in trockenem Sommer gewachsenes. Auf einmal langt es nicht mehr, und dann müßt ihr das Vieh ab­geben zu einer Zeit, wo es viel niederiger im Preise steht, wie jetzt. Ihr habt dann die Plage gehabt, euer Futter losgebracht und doch nichts erzielt; lieber weniger Stücke und diese recht gut durchgewintert. Das bringt euch jetzt und im nächsten Frühjahr Vorteil. Ihr müßt das eine bedenken, wenn das Geschrei im­mer st ärkerwird, dann könnenwir das Tor nicht länger halten, denn der Bauernstand hat nicht die Mehrheit, weder im Lande, noch im Reiche. Er ist immer ange­wiesen auf die Unterstützung der anderen Stände.

In ähnlicher Weise läßt sich eine aus land­wirtschaftlichen Kreisen stammende Aeußerrmg der „Trier. Landeszeitung" vernehmen:

Die Viehbestände in den einzelnen Bauern­wirtschaften sind im Verhältnis zu früheren Jah­ren reichlich, und jeder Viehzüchter ist mit Rück­sicht auf die überreichen Futtervorräte bestrebt, seine Bestände an Vieh noch zu vermehren. Die unmittelbare Folge davon ist, daß dem Vieh­händler oder dem Metzger wenig Vieh zum Kaufe angeboten und dieses wenige nur zu hohen Prei­sen losgeschlagen wird. Der Landwirt glaubt, durch dieses Verfahren sein Jnteresie am besten zu wahren. Aber er befindet sich ganz entschie­den im Irrtum. Die Futterpreise sind in diesem Jahre niedrig, und der Verkauf des Futterma- tereials ist nicht lohnend; das muß anerkannt werden. Daraus folgt aber nun n i ch t, daß i m laufenden Jahre die vorhandenen Fut­termengen im eigenen Wirtschaftsbetriebe v e r- braucht werden müssen. Man sollte sich doch an das Notjahr 1893 erinnern, in welchem nur diejenigen Landwirte vor dem äußersten Scha­den bewahrt wurden, welche noch Futtervorräte aus dem Vorjahre hatten. Wer garantiert da­für, daß wir auch im kommenden Jahre eine gute Futterernte haben? Wenn aber, wie im Jahre 1893, eine schlechte Futterernte eintritt, bann wird der Landwirt doppelt schwer getrof­fen. Jetzt, bei den hohen Viehpreisen, hält er mit dem Verkauf zurück und verbraucht durch den großen Viehbestand seine ganzen Futtermen­gen; wenn es im Jahre 1907 eine schlechte Futterernte gibt, dann muß er für teures Geld Ersatzfutter kaufen, um den notwendigsten Vieh­bestand zu ernähren, und er muß das über­schüssige Vieh für einen Spottpreis auf den Markt bringen. Der kluge Landwirt wird anders handeln: er wird das jetzige reiche Fut­terjahr benutzen, um sich für das kommen- deJahreinengroßenVorratauf- zuspeichern. Reichen dazu die Räume in Scheune unb Futterspeicher nicht aus, dann setzt er das Heu im offenen Felde unter strohgedeckte Diemen; zugleich wird er die heutige günstige Konjunktur ausnutzen, d. h. alle schlachtfähigen und auch halbwegs schlachtfahigen Tiere auf den Markt bringen. Wenn die Preise hoch sind, soll man verkaufen! Wenn jetzt alle Bauern tüchtig Vieh aufziehen und fast nichts verkaufen, dann wird nach kurzer Zeit eine große Masse schlachtreifen Viehes vorhanden sein, welches dann gleichzeitig auf den Mark gebracht toird. Und dann gehen die Viehpreise plötzlich ganz tief herunter; alsdann wird der Bauer, der heute den Verkauf seines Viehes trotz der hohen Preise ablehnt, sich genötigt sehen, sein Vieh zu wahren Spottpreisen zu verkaufen; denn alsdann wird jeder Bauer dem andern im Ver­kaufe Konkurrenz machen. Also: dieStälle auf! Auf.den Markt gefahren! Wir sind über­zeugt davon, daß bei Befolgung dieser Regel die Fleischpreise heruntergehen werden. Wenn sie nicht heruntergehen, dann wird die Regierung gezwungen sein, dieGrenzenzuöff- n e n. Das aber würde gerade den Landwirt Sm schwersten treffen.

Man kann nur wünschen, daß auch die übri­tzen Zeitungen und Zeitschriften der bäuerlichen Organisationen in dieser vernünftigen und auf- kkärenden Weise auf die Bauern einwirkep, da- Brit der Bogen nicht überspannt wird.

Römischer wochenbries.

v Rom, den 24. September 1906.

Während dieser letzten Woche feierten zwei hervorragende italienische Prälaten ihr 5 0jäh- riges Priester.Jubiläum: der Erzbischof von Neapel, Kardinal Pri sco, sowie der päpst- licheGeheim-Almosenier, Titular-Erzbischof Con- stantini, welcher Vorgänger unseres Lands­mannes, des P. Bernhard Döbbing, auf den vereinigten Bischofssitzen von Sutri und Nepi war. Ersterer, der Kardinal, hatte sich jede Feier verbeten.

Der Kaiser Franz Joseph schenkte der Pfarrkirche von Bicocca eine vollständige Para- menten-Ausstattung für die Trauermessen, welche dort alljährlich am 23. März, dem Jahrestage der Schlacht von Novara, zelebriert werden.

Der sehr geschwätzige und reklamesücht'ge Gouverneur der afrikanischen Kolonie der Ery- thräa, Abgeordneter Martini, ist in Italien eingetroffen, wo er wahrscheinlicherweise wieder einen monatelangen Aufenthalt nehmen wird. Er hat bereits eine ganze Legion von Berichterstat­tern empfangen unb bald werden die Zeitungen voller Wunderdinge aus Afrika fein. Dasselbe Spiel wiederholt sich nun schon seit Jahren — aber die Kolonie bleibt nach wie vor dasselbe Schmerzenskind einer jeden italienischen Regierung.

Kardinal Mathieu hat eine Reise nach der französischen Stadt Autun angetreten, doch hängt dieselbe keineswegs mit etwaigen kirchenpolitischen Angelegenheiten zusammen. Der Kardinal wurde bekanntlich zum Mitglied der berühmten französi­schen Akademie gewählt und muß bei feiner Ein­führung die herkömmliche Lobrede auf seinen un­mittelbaren Vorgänger halten. Dies war nun eben der verstorbene Kardinal Perraud, Bischof von Autun, in welcher Stadt Kardinal Mathieu nun Material für seine Rede sammeln will.

Der Gründer der „Lega democratica nazionaleDon Romolo Murri, ver­öffentlichte in einem hiesigen liberalen Blatte einen Brief, in welchem er sich gegen die „Klerikalen" wendet, welche ihm verübelten, daß er in Mai­land einer Versammlung der Lega beigewohnt habe, trotzdem der Papst alle. Priester, welche derselben angehören, ihres Amtes enthoben habe. Dieser Brief bestätigt die Meinung, welche man hier schon seit Jahren hatte, daß Murri sich immer mehr zum offenen Rebellen gegen die kirchliche Autorität ausbildet.

Die Feier des 20. September, des Tages der „Eroberung" Roms, ging ziemlich still vorüber. Die Stadtverwaltung beteiligte sich dabei durch das Läuten der historischen Glocke des Kapitols, welche (recht bezeichnender Weise!) in den alten päpstlichen Zeiten das Zeichen zum Be­ginn des — Karnevals gab.

Der Erzbischof von Bukarest, P. A l v in N e tz - Hammer 0. 8. B., wurde vom hl. Vater in Audienz empfangen und begab sich zum Besuche des griechischen Kollegiums in dessen Sommer­stische nach Rocca Priora.

Begünstigt durch das schöne Wetter fand gestern nachmittag der Protestumzug der anti-monarchistischen und anti-kleri­kalen Vereine statt. Es handelte sich eigent­lich darum, die am 21. September 1861 unter Pius IX. erfolgte Hinrichtung jenes Caesar Lu- catelli zu feiern, welcher als Staatsverräter zum Tode verurteilt wurde. Die Behörden befürchteten indeflen, wohl nicht mit Unrecht, daß dies nur ein Vorwand fei, um gegen Oesterreich zu de- monstrieren und hatten daher die größten Sicher­heitsmaßregeln getroffen. Ein Vorbeiziehen des Zuges vor der österreichisch-ungarischen Botschaft wurde dadurch verhindert, daß man denselben nicht vom Denkmal Giordano Bruno's, sondern vom XII. Apostelplatz abmarschieren ließ. Die Zahl der Teilnehmer wird auf 2 bis 8000 (?!) geschätzt: man weiß nämlich gar nicht, eb es sich um eigentliche Protestler ober nur um Neugierige babei handelte. Irgendwelche Ausschreitungen fanden nicht statt. Auf dem Grabe Lucatelli's wurden Kränze niedergelegt.

Der neue Präsident des katholischen Wahlvereins, Comm. Tolli, veröffentlicht einen Artikel in den Blättern, in welchem er zur Einigkeit mahnt. Im Uebrigen ist bet Artikel daburch von einer gewissen Bedeutung, daß dieser offizielle Wahlverein gewissermaßen zum ersten Male den Schaden beleuchtet, welchen die bisherige Nichtbeteiligung an den Parlaments­wahlen den italienischen Katholiken zugefügt hat unb die nunmehrige, faktisch bestehende Wahl- steiheit proklamiett.

Als eine Folge des Brandes in der Mailänder Ausstellung muß der Selbst- mord aufgefaßt werben, welchen ein angesehener Juwelier in Barletta verübt hat. Er hatte bie Resultate seines jahrelangen Fleißes in Mailand ausgestellt und hoffte mit Sicherheit, prämiiert zu werden. Beim Brande nun gingen alle seine Schätze verloren unb aus Schmerz darüber be­ging er den Selbstmord.

In Neapel starb gestern ganz unerwartet einer bet hervorragendsten Admirale Italiens, Raphael Corsi, geboren daselbst im Jahre 1838. Im Jahre 1854 trat er in bie damals bourbonische Marine ein unb brachte es schnell

zu ben wichtigsten Posten in betreiben. Vize­admiral feit 1894, wurde er drei Jahre später zur Disposition gestellt. Corsi machte bie Feld­züge von 1860 bis 1866 mit unb zeichnete sich in ben Gewässern der Erythräa ans. Von 1891 bis Ende 1892 war er Unterstaatssekretär der Marine, später Oberkommandat der Marine­station von Neapel unb Mitglied des Obersten Marinerats. Deputierter war er feit 1895. Der Verstorbene war einer der Hauptaktionäre der „Mattino" und Verwaltungsrat des Theaters San Carlo in Neapel.

Originelle Grabinschriften.

Von A. Pabst.

„Wenn ich im stillen Friedhof geh', wird mir so schwer zu Herzen", singt der klagende Mund des Dichters. In der gleichen Stimmung, wie sie uns aus diesen Worten entgegenweht, mag wohl fast jeder Besucher eines Friedhofs sich be­finden, denn die Eindrücke, die ein fühlend Herz in ben einsamen Totengärten empfängt, ftnb zu­meist tiefernster Natur. Auch bie gewöhnlichen Inschriften auf ben prunkvollen Grabsteinen so­wohl wie auf den schlichten Holzkreuzen ver­mögen im allgemeinen nichts an dieser Friedhof- stimmung zu ändern, drücken sie doch in über­wiegender Mehrzabl in dieser ober jener Form einfach den gläubigen Wunsch aus, der Tote möge in die ewige Ruhe unb Glückseligkeit ein­gegangen fein. Zuweilen entdeckt jedoch der Wanderer, welcher zwischen ben Grabeshügeln eines Totenhofes ' bahinschreitet, eine Inschrift, bei beten eigenartigen Inhalt er sich kaum einer stillen Heiterkeit erwehren kann. Und niemand wird ihm darob einen Vorwurf machen können.

Ich lasse im folgenden eine Anzahl solcher Grabinschriften Platz "finden:

Am bekanntesten ist sicher eine Inschrift, welche auf einem Grabsteine des alten Kirchhofs zu Bamberg, rechts an der Umgebungsmauer, zu lesen ist und die wohl schon manchen Besucher dieses Gottesackers seiner düsteren Stimmung ent­rissen haben wird. Sie lautet:

Sier ruht Margareta Plank, ott sei es gedankt, Im Leden hat sie nichts wie gezankt, Wand'rer gehe weg von hier. Sonst steht sie auf und zankt mit Dir.

Auf einem Friedhöfe in der Oberpfalz be­finden sich zwei solcher originellen Grabinschriften. Die eine heißt:

Er hieß Joseph Stock Und trug des Königs Rock. Er trank immer zu, Herr, gib ihm die ewige Ruh'.

Die andere:

Hier liegt ein großer Fabrikant, Der machte Zigarren, das war 'ne Schänd'. O Herr, drück' 'mal ein Auge zu Und gib ihm die ewige Ruh'.

Eine recht boshafte Grabinschrift hat der Totenhof in Bingen am Rhein aufzuweisen. Nach ben Worten auf der Rückseite des ver­witterten Grabmonumentes wurde dieses von dem vormaligen „Stadtrat und Baumeister" Wendel Dahlinger seiner am 3. März 1826 ver­storbenen „geliebten" Gattin Regina Dahlinger gesetzt. Die Vorderseite zeigt folgenden, auf den ersten Blick sehr harmlos klingenden Vers:

Wohl auch die stille Häusllchkeit Ist eines Denkmals wert. Ihr sei es hier von mir geweiht. Und wer die Tugend ehrt Auch in dem einfachen Gewand, Mir, meinem Schmerz ist er verwandt.

Bei genauerem Zusehen erweist sich diese Grabinschrift als ein boshaftes Akrostichon. Lieft man bie Anfangsworte bet einzelnen Zeilen von oben nach unten, so ergibt sich der Satz: „Wohl ist ihr und auch mir!", ein Seufzer der Er­leichterung, welcher hinsichtlich des ehelichen Zu­sammenlebens des Herrn Stadttats mit seiner „geliebten" Ehegattin tief blicken läßt.

Hat unser Thema im Vorhergehenden origi­nelle Inschriften auf Grabdenkmäler behandelt, so mag zum Schluffe auch noch eine solche am Eingänge eines Totenhofes mitgeteilt werden. Zu Günth ers, einem Dorfe des Kreises Gers­feld, also sogar in unserer engeren Heimat, soll (vielleicht vermag einer der Leser festzustellen, ob es der Wirklichkeit entspricht) in einem Stein eingehauen folgender Reim stehen:

Hier ruhen unsere Alten, Gott möge sie behalten. Denn wurden sie wieder ausersteh'n. So müßten wir von Haus und Hofe geh'n.

vermischtes.

* Dreimal um die Welt gewandert ist ein Porzellaunraler namens Laurent Revel, der kürzlich in Paris eingetroffen ist. Im Laufe der zehn Jal)re, seit denen er sich auf seiner großen Wanderfahrt befindet, hat er nranches aufre­gende Abenteuer erlebt. Einmal kreuzte er mit einem Gefährten de Cruard die Nubische Wüste, als er plötzlich von einer Schar Araber angegrif­fen wurde, die sie verwundeten, aber schließlich mit Hülfe zweier mächtiger Bulldoggen, die seine treuen Reisebegleiter waren, in die Flucht gejagt wurden. Auch in China wäre es Revel beinahe schlecht gegangen. Er sah sich die seltsame Zere­

monie der Totenhochzeit an und mußte darüber lachen; sofort nahm die aufgeregte Menge eine drohende Haltung an, und beide Wanderer wur­den verhaftet. Sein Freund konnte entfliehen und den nächsten französischen Konsul um Hülfe angehen, dem es schließlich gelang, Revel nach viermonatiger Hast zu befreien. Sein Begleiter wurde im November 1899 von Briganten in Garvin, 100 englische Meilen nördlich von Sa- cramento (Kalifornien) ermordet, und er mußte seine Reise allein fortfetzen. In Caracas wurde er in einer wilden Felseneinöde von einem Füh­rer, der ihn nach Venezuela bringen sollte, ver­lassen und seines gesamten Gepäcks beraubt, unb er irrte vier Tage im Urwalde umher, bis er wie­der zu einer menschlichen Niederlassung gelangen konnte. Während feiner langen Wanderschaft hat Revel alle fünf Erdteile durchkreuzt unb über 60 000 englische Meilen zurückgelegt. Er hat 55 000 Briefe und Dokumente gesammelt, in denen ihm von Behörden der Ortschaften, durch die er gekommen ist, seine Anwesenheit bestätigt ist. Er will nur etwa einen Monat in Paris bleiben, dann will er wieder hinaus in die weite Welt; denn es ist ihm, wie er erklärt, unmöglich, sich längere Zeit an einem Orte auf­zuhalten.

* Der Hosenbandorden. Als Vertreter sei­nes Bruders, des Königs Edward VH. von England, hat der Herzog von Connaught dem Großherzoge Friedrich Wilhelm von Baden zum Feste seiner goldenen Hochzeit den Hosenband­orden überbracht. Man weiß, daß dieser Orden die höchste britische Auszeichnung ist; früher sah man den Hosenbandorden überhaupt als die höchste Auszeichnung an. So trug z. B. der große Kurfürst von Brandenburg stets den Stern des Hosenbandordens auf seinem Rocke. Die Zahl der Ordensritter beträgt mit Einschluß des Königs und des Prinzen von Wales 26, kann aber zugunsten ausländischer Fürsten über­schritten werden. Die Ritter werden nur den souveränen Häusern und Familien des hohen englischen Adels entnommen. Der älteste Mo­narch, der den Hosenbandorden besitzt, ist der König von Belgien, der ihn 1866 erhielt; der jüngste der Äönig Wilhelm H. von Württem­berg, der im April 1904 durch den Prinzen von Wales damit investiert wurde. Die Jnvestttur geschieht stets, wenn nicht durch den König selbst, durch einen königlichen Prinzen, und man ent» sinnt sich, wie der Prinz Arthur von Connaught vor einigen Monaten die weite Reise nach dem fernen Osten unternehmen mußte, um den Kai­ser von Japan zur Besiegelung des englisch-ja­panischen Bündnisses mit dem Orden zu schmücken. Auch der Sultan ist Ritter des Ho­senbandordens ,obwohl zu dessen Abzeichen — neben dem Bruststern, dem blauen Kniebande und einer schweren goldenen Halskette — auch ein am blauen Schulterbande hängender golde­ner, mit Brillanten verzierter Schild gehört, auf dem der hl. Georg im Kampfe mit dem Drachen des Unglaubens zu sehen ist.

* Wie ein Obermeister fein soll. Hierüber bringt die „Wiener Möbelballe" folgende rei­zende Aufklärungen: Der Obermeister soll fein wie ein Vogel, so frei und unabhängig; er soll fein wie ein Hund, treu dem Grundsatz, über das gemeinfame Wohl der Jnnungsmitglieder zu wachen. Der Obermeister soll sein wie ein Roß, um mutig über alle Hindernisse hinweq- setzen zu können. Der Obermeister soll fein wie ein Fuchs, wenn es gilt, die Interessen feiner Innung wahrzunehmen; er soll fein wie ein Nashorn, damit ihn eine dicke Haut gegen alle Anwürfe schützt. Der Obermeister soll sein wie eine Biene, so fleißig in der Erfüllung feiner Verwaltungspflichten; er soll sein wie ein Fisch, um stets kaltes Blut in den Versammlungen be­wahren zu können. Der Obermeister soll fein wie eine Schlange, damit er sich durch alle Par- teiftromungen hindurchwinden kann; er soll fein wie ein Elefant, um genügende Gelehrigkeit für die Auffassungen aller behördlichen Erlasse und Vorschriften zu besitzen. Dies alles soll der Obermeister sein, — in Wirklichkeit ist er nur ein großer — Esel, der eine große Last auf sei­nem Rücken zu tragen hat.

* Erkannt. A.: „Gut, daß ich Sie treffe. Wie steht's mit den 30 Mark, die Sie mir noch schulden 3“ B.: „Wissen Sie, ich dachte mit, nächsten Montag ist Ihr Geburtstag, ich bringe Ihnen da das Geld und kann Ihnen gleich mit gratulieren." A.: „Bringen Sie nur das Geld: gratulieren kann ich mir dann schon selbst!"

* Amerikanisches Kind. „Du solltest bedenken, mein Kind, daß es in der Wett auch noch andere wünschenswerte Dinge gibt als Geld!" „Das ist ganz recht, Papa, aber man muß Geld haben, um diese Dinge kaufen zu können."

Dringend

ersuchen wir, die rückständigen Bestellungen für das vierte Quartal 1906 möglichst rasch bei den Postanstallen zu machen, damit das pünktliche Eintreffen der Zei­tung vom 1. Oktober ab gesichert ist/