uldaer
33. Jahrgang
Fulda, Frettag den 28. September 1906.
JV» 223
Botatieu$btu4 e. Verlag der Huldaer Be» tiendructerei in Sutoa. Fernsprecher Nr. 9.
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Erscheint fag^a), «6 Ausnahme der Sonn» UHbSeieitage. Viertel« jähr: Vezngrprei, ohne öringerldhn und veft rllyeld in Zulda and auswärts 1HIL 50 pfg.
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Ä1». ase: ,,Illufttt«te§onntagszeitmg«
yle gewerbliche Stellenvermittelung.
Schon wiederholl hat die gewerbliche Stellen- oermittelung Veranlaffung gegeben, gesetzliche Bestimmungen zu ihrer Regelung p «lasten. In einzelnen Gewerben besteh« m bezug auf die Stellenvermittelung Zustände, welche sehr auf eine Ausbeutung der stellesuchend« Arbett« und Gehilfen auslaufen. DaS Berlin« Gewerbe- gericht hat einen Ausschuß eingesetzt, welch« sich mit diesbezüglichen Gutachten und Anträgen zu beschäftigen hat. Zurzest unterliegt die Stellen- Vermittelung in den Hauptgewerb« d« Rahrungs- Mittelbranche seiner B«atung.
Zunächst beschäftigte sich d« genannte Aus- schuß mit der Stellenvermittelung im Bäcker- und Schlächtergewerbe. ES wurde festgestellt, daß Zustände vorhanden find, welche eine Aenberung erforderlich mach«. Sie betreffen namentlich die Gebühr, welche die Stelle- suchenven dem Vermütler zu entricht« haben. Wie in den Verhandlungen milgeteilt wurde, beträgt im Schlächtergewerbe die Gebühr für den Nachweis einer Stelle mindestmS 10 Mk. Es wurde aber auch ein Fall festgestellt, in dem die Summe von 100 Mk. gezahlt werd« mußte. Infolgedessen herrscht auch in Meisterkreis« die Ansicht vor, daß mit dies« Mißstäad« aufgeräumt roetben müsse. Zu einem bestimmt« Beschluß ist der Ausschuß des Gew«begerichteS noch nicht gekommen, er will vielmehr d« Frage eine nochmalige Sitzung im Ollob« widmen.
Weiter ist seine Beratung üb« die Mellenvermittelung im Gastwirts-Gewerbe gedieh«; sie hat den Beschluß gezeitigt, welch« ein Verbot der Stellenv«mittelung gegen Entgelt und Erlaß eines Reichsgesetzes empfiehlt, wodurch die Stellenvermittelung ein« öffentlich« rechtlichen Charakter erhalten soll. Bei der B«atung wurde sestgestellt, daß die einträglichsten Stellen in den Hotelbetrieben meistens nur durch Agenten zu bekommen wären. Die Berufsvereine hab« dem Ausschüsse hierzu eine Statistik unterbreitet, welche über die Vermittlertätigkeit Aufschluß gibt. Danach wurden z. B. von 514 Hoteldienern 342 Stellungen durch Kommissionäre nachgewiesen, während die Stellenvermittelung d« Vereine nur in 17 t Fällen in Anspruch g«ommm wurde. Von beiden Vermittelungsstellen wurd« Gebühren erhoben. Die Vereine beansprucht« in 39 Fällen 3—15 Mark, während die gewerbsmäßigen Ver- mittler 3-72 Mark sich bezahlen ließ«.
Das sind allerdings Fragen, mit dm« sich dir zuständigen Stellen noch weit« werd« beschäftigen müssen. Schwer wird es ab« halten, ein gänzliches Verbot der privaten Stellmoermitte« lung durchzuführen. Die Vermittl« selbst werden diesem Vorhaben alle Anstrengung« entgegen- setzen. Dazu kommt, daß es viele Leute gibt, die glauben, ohne den Vermittler nicht auskommen zu können. Viel ist schon erreicht, wenn die Berufsvereine die Stellenvermittelung immer mehr in die Hand nehmen; welche Erfolge sich damit «zielen lassen, zeigen am besten die Stellmnach- weise der kaufmännischen Verbände. Nicht zuletzt bedürfen auch die kommunal« Arbeitsv«- mittelungs-Stellen noch eines weiteren Ausbaues, wenn sie ersprießlich wirken und ihre Tätigkeit auf alle Sparten der Stellesuchenden ausdehnen sollen. Jedenfalls wird die nächste Zeit eine verschärfte Agitation gegen die gew«bsmäßige Stellenvermittelung mit sich bringen.
Ueberlistet.
Novellette von E. v. Brenner.
(Nachdruck verboten.)
Aber dann mußt Du auch still Wieder hernieder uns lenken
Hin in den Kreis unsrer Pflicht, Dem unser Dasein gehört.
Gräfin Fr. Schwerin.
„Acht Noch eine herzliche Bitte lieber Erl! Nicht wahr, ich darf auf die neue Zeitung abonnieren? Wie manchen guten Rat werd' ich darinnen finden; nützliche Lehren, «probte Re- äLpte, und — nebenher sogar ein wenig Stelle- tnftif! Sich', das Blatt ist ganz ersonnen wie für em runges Frauchen!"
So sagte ich und sah bittend, auch etwas zögernd und zweifelnd in meines Bräutigams Au-
wlmte ja seine Abneigung gegen die „Blaustrumpfe" und ich fürchtete, brenn « sähe, baß eine „Frau" das von mir erhoffte Blatt rebi- 0,^5; ; tour6e er den Bitten seiner Frau nicht willfahren.
flnrförn1 l?chewd zu mir hemielrer mtt jenem das seine ernsten, männlich schönen Züge ° m , ^erllarte und meinte:
. der edlen Kochkunst und
^zu ^ktettisttk? Wie stimmt denn das, kleine Konfustonsratin? Zeig' her das ersehnte Blatt!"
Ohne aufzuschauen reichte ich ihm die Probe- Nummer zum 2. Jahrgang der Zeitung.
Seit zwei Monaten war ich Karls glückliche Braut und in kurzem sollten wir ein Paar wer- den. Mit regem Eifer sorgte und arbeitete ich :ür das Hebe neue Heim, denn die helfende Mut- terhand hatte mir schon der Himmel entzogen und ls galt, mit des teuren Vaters bescheiden« Er- parniffen recht haushälterisch umzugeb«. Wie
Deutsches Reich.
Berlin, b« 27. September 1906.
* Zwischen Preußen und Mecklenburg schwebt bereits seit einig« Zeit ein Grenz- streit. ES handelt sich um Feststellung b« Hoheitsrechte üb« einen Teil des Ratzeburg« SeeS; beide Staat« behaupt«, Eigentümer des ez« Sees zu sein. Nachdem daS Altona« dgericht sich bereits mit der Sache anläßlich einer Strafverfahrens befaßt hatte, wird jetzt auf Vorschlag des zuständig« preußisch« Regierungs- Präsidenten die Regelung d« Grenzfrage von einem aus beiden Staat« zusammengesetzten Schiedsgerichte geklärt werben.
* In Bezug auf die angebliche ynterredung zwischen dem Kultusminister und dem Kardinal Kopp tritt b« ,Dziennik Berlins!? jetzt dm Rückzug an. Er erklärt nunmehr, baß die Aussprache d« beiben Herr« sich zeitlich mit d« Obstruktion b« polnischen Schulkinder nicht in Zusammenhang bringen lasse. Diese Meldung bestätigt unsere bereits früh« ausgesprochene Vermutung, baß eine Aussprache zwischen dem Knltusminist« Studt unb dem Kardinal Kopp überhaupt nicht stattgefunben hat.
* Gegen den Landwirtschaftsminister läuft die.Freisinnige Zeitung" Sturm. Zum Ausgangspunkt seiner Angriffe nimmt bas Blatt die leib« wird« stärk« zunehmende Preissteigerung des Schlachtviehs. An Hand umfangreichen Zahlen- materials bringt das freisinnige Organ den Nachweis, daß die Viehpreise seit dem Jahre 1902 ständig in erheblichem Maße gestiegen sind. Hierfür macht bas Blatt in nicht mißzuverstehender Weise Herrn v. Podbielski v«antwort!ich. Zum .Schluß ihres „Agrarische Frivolität" betitelten Artikels apostrophiert die ,Freisinnige Zeitung" den Reichskanzl« in folgender Weise: „Sollte Fürst Bülow wirklich nicht bas Gefühl haben, wie sehr er sich infolge der Untätigkeit der von dem Minist« v. Podbielski beeinflußten Regierung gegenüber d« berechtigten Beschwerden weiter Kreise der Bevölkerung in Widerspruch setzt mit seinem am 15. Dezember 1903 im Reichstag verkündeten Grundsatz, daß es zur Bekämpfung d« Sozialdemokratie darauf ankomme, „von allen Seiten nach Möglichkeit zu vermeiden, was Unzufriedenheit schafft, die Ursachen begründet« Unzufriedenheit tunlichst aus dem Wege zu räumen." Unseres Erachtens geht bas freisinnige Blatt hierin doch etwas zu weit, wenn man auch zugeben muß, baß bie Regierung in Bezug auf b« Grenzverkehr in manchen Orten, wie beispielsweise in Aachen, größeres Entgegenkommen hätte zeigen müßen.
.'. Eine Aenberung im Wahlverfahren der Offiziere des Beurlaubtenstandes ist zur Zeit im Kriegsministerium der Gegenstand eingehrn- d« Erörterung. Die Generalkommandos sind bereits zu Aeußerungen unb Vorschlägen auf gefordert worb«. Es wird wohl noch in Erinne- rung sein, baß b« Zentrumsabgeordnete Dr. Bachem in d« verflossenen Reichstagssession ben Kriegsminister aufforderte, eine Aenberung in ber Wahl der Reserve-Offiziere zu bewirken unb namentlich bem aktiven Offizierkorps einen größer« Einfluß dabei einzuräumen. Wie es scheint, sind diese Anregungen Dr. Bachems auf fruchtbaren Boden gefall«! zum wenigsten geht man wohl nicht in der Annahme fehl, daß seine Anregung bie geplante Aenberung veranlaßt hat.
stolz war ich, wenn dann Karl mich glücklich anlächelte und die zerstochenen Finger innig küßte, mir zuflüsternd: so — gerade so — habe er sich feine kleine Hausfrau erträumt; praktisch und fleißig, doch auch für alles Schöne und Edle empfänglich, aber frei von jeder Emanzipation.
So ernst und still nun auch Karl in feinem Berufe als Arzt war, fo herzlich ungebunden konnte er lachen, wenn er bei mir saß; Vater war meist in seine Bücher vertieft und kein Lauscher hemmte unser Liebesgeplauder, wenn ich ihm immer wieder sagte, tvte ich ihn liebgewonnen, schon als ich ihn zum erstenmal sah.
Zu Weihnachten war's gewesen; der junge Arzt war gekommen, den zur letzten Ruhe Heimgegangenen Kollegen zu ersetzen, und an der Kir- chentüre war unser erstes Begegnen; gar bald war er Vaters, des alten, stillen Gelehrten geschätzt« Freund unb Liebling, schneller, ach! viel schneller noch hatte er sich in mein Herz eingeschlichen. Es kam das alte, süße Lied der Liebe mit seinen Jubeltönen auch zu uns, und an einem sonnenhell« Sommertage legte Vater unsere Hände ineinander. Seine Stimme gitterte, als er in feiner knappen, herzlichen Weise sagte: „Werdet glück- lich, liebe Kinder — aber mich dürst Ihr nicht verlassen; laßt mich bei euch bleiben, meine kurz«, letzten Lebenstage."
Geschluchzt, gejubelt hab' ich in Rührung unb Glück, hab's kaum zu fassen vermocht, daß so licht und sonnig mein Geschick sich gestaltete und habe kaum begriffen, wie nur der gütige Gott solche Wonne zu schaffen vermag. So ernst ich bis zu jenem Tage Karl fast immer gesehen, so heiter und oft herzlich lachend war er nun, wenn er seine freien Abendstunden bei uns verbrachte. Aber et konnte auch spöttisch blicken und sarkastisch fein, wenn das Thema der schriftstellernden Frauen angeregt wurde.
Nicht einen Milderungsgrund ließ er zu, keine Ausnahme; alle waren in feinen Augen Törin- nen und Emanzipierte. * Vergeblich hatte ich ihn
Nach dem jetzig« Verfahr« urteilt bas aktive OffizierkorpS Ükrer bie militärisch« Fähigkeit« des Aspirant«, während das Offiziettorps des LandwehrdezirkS zu erwäg« hat, ob b« Aspirant sich fein« sozial« Stellung nach zum Offizi« eignet Hoffentlich läßt bie Verwirklichung ber geplant« Aenberung nicht allzulange auf sich wart«, beim eS ist hohe Zeit, baß b« Willkür em Ende gesetzt wirb, mit welch« bie Herren Offiziere deS Beurlaubtenstandes bei b« Wahl vorzugehen belieben. Bei vielen dies« Herren «tscheidet nicht die soziale Stellung, sondern bie Zugehörigkeit bes Aspiranten zu ben akademischen Korporationen. Gehört ber Aspirant ein« katholischen Korporation an, so ist das für bie Herr« vielfach Grunb genug, d« Aspirant« ohne weit«eS die Befähigung zum Offizi« absprech«; die Praxis beweist bas zur Genüge. Die Unhaltbarkeit bes jetzig« Zustanbes scheint man beim auch im Kriegsministerium eingesehen zu haben, beim wie von sonst gut unterrichtet« Seite berichtet wirb, ist beabsichtigt, bas attive Offizierkorps in Zukunft allein bie Wahl vor- nehnen zu laff«. Das ist es, was bas Zenttum fOtbert, unb bie Verwirklichung dieser Absicht wirb also nicht zum kleinsten Teil bas Verdienst des Zentrums bezw. bes Abg. Bachem sein.
* Die Erträge aus der Brausteuer betrugen hn Juli 1906 1083080 Mk., im Juli 1905 da- gegen 3 490 572 Mk., im August 1906 belief« sich bie Erträge auf 4 865 395 Mk. gegen 2 703 055 Mk. im gleich« Monat des Vorjahres. D« große Minb«ettrag von nahezu 21/* Millionen Mk. im Juli ist "in ber Hauptsache burch den bereits im Rechnungsjahr 1905 begonnenen unb in ben Monaten April unb Mai 1906 fortgesetzten Ausstoß bayerischer Bi«e auf Vorrat veranlaßt worben. Dagegen läßt bie Mehreinnahme im August 1906 gegen ben gleichen Monat des Vorjahres zum «ften Male bie Wirkung ber Staffelsteuer erkennen.
* Der Frachturkundenstempel hatte in ber «st« Zeit feiner praktischen Anwendung zu mancherlei Mißständen geführt. Die Mehrzahl dieser Mißstände ist allerdings durch die zuständigen Behörden beseitigt worden; ein Mißstand, welcher sehr unangenehm empfunden wird, ist bis jetzt noch bestehen geblieben, nämlich der daß beim Transport von Gütern, welche infolge ihres Umfanges, wie z. B. Langeisen, Schienen Sttoh usw. die Benutzung von Wagen mit höherem Ladegewicht «fordern, als nach dem verladenen Gewichte nötig wäre, die Berechnung des Stempels nach dem Ladegewicht der benutzten Wag« «folgt. Zur Beseitigung dieses Mißstandes, aus bem sich nicht selten bas Dreifache b« Stempelkosten ergibt, hat ber Stahlwerksverband in Düsseldorf mit einer Eingabe an bas Reichsschatzamt gerichtet, in dies« Beziehung eine Aenberung eintreten zu lassen da- durch, daß anstelle des Wottes „Ladegewicht" das Wott „Ladungsgewicht" tritt. Es steht mit Sicherheit zu erwarten, baß diesem billigen Wunsche entsprochen wirb.
* Die Bermittelungstätigkeit der deutschen Arbeitsnachweise zeigt für ben Monat August eine nicht unerhebliche Vermehrung ber offenen Stellen. Darnach wurden 15000 offene Stellen mehr angemelbet als im Vorjahre, denen 7000 Mehrbesetzungen entsprechen. Im ganzen wurden bei sämtlichen 629 Arbeitsnachweisen 167000 Gesuche männlicher Arbeiter angemelbet, denen
gebeten, nur einmal etwas von unseren gottbegnadeten Dichterinnen zu lesen, hoffend, er würde dann bekehrt werden, aber seine Antwort war stets:
„Lily, laß Dein Mühen, die echte Frau soll sich daran genügen lassen, uns mit ihrem lieblichen Wesen und sanften Tun das Leben zu verschönern und das Schriftstellern nicht zu ihrem Berufe wählen, denn das eint sich nimmer mit den Pflichten der Frau!"
Daran denkend hatte ich heute so zögernd gefragt und leist gehofft, Karl würde, ohne weiter zu forschen, mit einem eiligen „Ja" meine Bitte erfüllen. Doch es war anders im Rate der Götter beschlossen.
Nur einen prüfenden Blick toatf er auf das Kopfstück des Blattes, und das überlegene, spöttische Lächeln spielte um feine Mundwinkel, als er eilig erwiderte:
„Das ist ja kein Kochbuch, Lily: Eine Zusammenstellung der verschiedensten Sachen ist's, von einer Frau gesammelt, geschrieben und redigiert! Nein! Nein, mein Liebchen, dieses Blatt ist nicht, was ich mir als Ratgeber für meine kleine, prccktische Frau «sehne, und ich hoffe, für Dich wohl was Besseres zu find«!"
Dabei sah er eilig nach der Uhr, sagte, seine Sprechstunde sei gekommen und eilte von dannen, dem Berust nach.
Aus dem blumengeschmückten Erkerfenster sah ich ihm nach, stolz in meinem Liebesglücke, bis er um die ferne Ecke bgo, mir noch einen freundlichen Gruß zuwinkend.
Dann aber hob ein schwerer Seufzer meine Brust. — Wie herzinnig lieb hatte ich doch mein« Karl! Wie Hat und offen lag mein Herz mit jedem Gedanken der Liebe vor ihm; wie hatte ich in der Wonnezeit unseres Brautlebens ihm jeden Wunsch abzulaufchen gesucht, wie alle seine kleinen Eigenschaften studi«t, damit ich mein Tun danach richten könne, wenn ich chrn als feine treue Hausfrau ihm das traute Heim zu verwalten hätte!
158000 offene Stell« gegenüberstehen, während bei b« weiblichen Arbeitssuchenden auf 39 000 Gesuche 54000 offene Stellen kommen. Diese Zahl« laff« auf besonders günstige Arbeits- Verhältnisse schließen. Sehnlich verhält es sich auch mit b« Facharbeitsnachweisen der Metallarbeit«.
/. In welchem Umfange bie Bedürfnisse deS Nahverkehrs in ben größeren Städten b« preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft durch Kleinbahn« befriedigt werben, soll nach einem Erlaß beS Eisenbahnministers Breitenbach fest- festgestellt ro«ben; auch über bie Verbesserung b« Wohnungsverhältnisse sollen Erhebungen angestellt werb«. Die Eisenbahndirektionen sind angewiesen worden, bezüglich der größ«en Städte ihres Bezirks, welche nach Vororten führende Kleinbahnen aufzuweisen haben, eine Zusammenstellung nach gegebenem Must« einzureichen. Dieses Vorgehen des Ministers steht jedenfalls mit d« Audienz zusammen, in welcher vor einiger Zeit bekanntlich eine Kommission der preußischen Vorortgemeinden um Einführung eines Vorortverkehrs nach Berliner Muster bei dem Minist« vorstellig wurden. Wie wir bereits gestern mitteilten, wird Anfang Oktober eine Konferenz der preußischen Vorortgemeinden in Berlin stattfinden, welche sich in erster Linie mit b« Besserung bes Vorortverkehrs beschäftigen wirb. Jebeufalls können ste bei ihren Be- ftrebungen, soweit sie berechtigt sind, ber Unterstützung bes Ministers sicher sein, das beweist sein Vorgehen.
Berlin, 27. Sept. 1906. Der Kaiser hat d« H«zogin von Sachsen-Koburg-Gotha die rote Kreuzmedaille 1. Klaffe verliehen. — Die Ernennung des Generals Linde zum Präfi- deuten des Reichsmilitärgerichts wird tm ,Reichsanzeiger" bekanntgegeben. — Der Staatssekretär des Reichspostamts Krätke ist von seinem Urlaub nach Berlin zurückgekehrt und hat die Leitung der Dienstgeschäfte wieder übernommen. — Das Reichsmarineamt läßt ntr Zeit Erhebung« darüber anfteUen, auf welche Art eine Gewichts er leichte rung der Kriegsschiffe h«beigefühtt werden tarnt. Es soll dadurch erreicht w«den, daß der Panz«güttel d« Fahrzeuge höh« üb« dem Wasserspiegel liegt und somit die Breitseite nach ob« mehr schützt. Wahffcheinlich hängt diese Maßnahme mit den Erfahrungen der Seeschlacht vonKuschimazusammen. — Zum stellvertretenden Kommandeur d« Schutztruppe in Kamerun ist anstelle des Obersten Müller, welch« zur Zett die Gouvernementsgeschäfte versieht, Hauptmann Lang seid ernannt mord«. Hauptmann Langfeld dimt bereits seit 17 Jahren in den Kolonien, ist also einer unserer ältesten „Afrikaner". — Ueber die Kaisermanöver im Jahre 190 7 verlautet in militärischen Kreisen, daß sie beim 10. Armeekorps stattfind« und zwar gegen das 7. Armeekorps. Wahrscheinlich werden also die nächstjährigen Kaisermanöver in dm westlichen Provinzen abgehalten w«den. — Eine deutsche Kabel- grammgesellichaft ist in Berlin begründet wordm. Die Gesellschaft beabsichtigt die Beschaffung und V«breitung von Telegrammen aus überseeischen Säubern. Das Kapital der Gesellschaft beträgt 300000 Mark. — Italienische Uniformen hat die Ehrmkompaguie in Rammten probiert, um zu sehen, ob die Bekleidungsstücke praktisch und geschmackvoll sind. Die neue Uniform ist nach der Art unseres Waffenrockes und d« Litewka angefertigt. Der Staff hat eine ähnlich blaue Farbe wie die Waffenröcke, während die Aufschläge hellrot sind unb bie hohen weißen Binden unsrem Auge ungewohnt vorkommen.
Wie lieb und teuer war ich auch ihm, jedes Wott, jeder Blick sagte es mir immer wieder, und dennoch trübte eine Wolke — ein Geheimnis — meinen Himmel.
DietepWolke war Karls Abneigung gegen die Blaustrümpfe. Ach! auch ich hatte einst, von ge- hcimnisvollem Drange beseelt, mich an das goldene Tor des Heiligtums der Phantasie gewagt, hatte im duftenden Blütengatten ein lichtes Bild ettväht und es hatte mir nicht Ruhe gegönnt, bis ich es auf das Papier gebannt hatte in schlichten, einfachen Worten und es hiuausgesendet hatte in die Weite, zur stillen Probefahrt. Wie wonnig hatte es mein Herz durchschauert, als bald nachher ein angesehenes Blatt meine anspruchslose Novelle brachte, als ich, durch ein Pseudonym geschützt, das Urteil einiger Autoritäten erforschen konnte und neben leisem Tadel einiger Kleinigkeiten im allgemeinen nut Lob hörte und dadurch angespornt wurde, auf der betretenen verlockenden Bahn fort- zuschreiteu.
So war es gekommen, daß ich, fern von tauschenden Vergnügungen, meine Freude, Lust und Erholung darin fand, in den freien Stunden die Gedanken zu lichten und auf das Papier zu fesseln, die oft ganz plötzlich auf mich einftürmten unb nicht stille wurden, bis sie, gleich einem Dögelein, hinausflattern durst« in die bewegte Gotteswelt. Wohl durfte ich mit ehrlich bekennen, daß ich nie eine Arbett, nie meine Pflicht versäumt hatte, um diesem inneren Bedürfnisse nachzugeben, daß ich es gleichsam nur als Erholung und Weihestunde bettachtete, und — traf mich ein Vorwurf, so war es nur d« der Heimlichkeit, erst meinem guten Vater gegenüber und später — Karl. Als wir vor einig« Monaten uns verlobt batten, faßte ich sofort den Vorsatz, Karl alles zu sagen; wie mir ber erste Drang gekommen, wie das günstige Urteil mich gelocft, wie mir das Schreiben schließlich zum Bedürfnis geworden sei und wie ich bem ernst«, gelehrten Vat« gegenüb« nur aus Befangenheit geschwiegen hätte, (Schluß folgt.)