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33, Jahrgang

Fulda, Dienstag den 18. September 1906

214,

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Graf Hompesch

Gin Wille, em Weg

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F65]

Verantwortlicher Schriftleiter: 3. Saum für bie An;etae«

3. Parze ller in Kulba.

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Deutsches Reich.

Berlin, den 17. September 1906.

♦ Graf Hompesch, der Vorsitzende der Zentrumsfraktion des Reichstages, feierte gestern

Frei nach dem Englischen von I. Rem».

(Nachdruck verboten.)

.Was wollen die Mäirner tun, Christian?"

„Hier ist für jeden von Euch ein Kissen und eine Decke — es wird immerhin besser sein, als gar nichts", sagte ich, auf die Sachen zeigend.

„Das will ich meinen I" rief Thompson erfreut. „Wir werden ja schlafen wie die Prinzen. Tau­send Dankt — Kameraden, seht einmal hier, was die Dame uns da gebracht hat!"

Die finsteren Mienen erhellten sich; von allen Seiten spendete man mir Dank und Beifall, mehr, als das kleine Opfer wert war; doch plötzlich ver­stummte alles: zornsprühend stürzte Christian auf uns zu. „

„Thompson, gib der Dame die Sachen zurück l Sie ist nicht stark und wenn sie sich erkältet, so kann das ihr Tod sein. Gib die Decken zurück, sage ich!"

Ein Murren entstand, und ich sah mit Schre­cken, wie mehrere Fäuste sich drohend ballte».

„Bekümmere Dich um Deine eigenen Angelegen- heilen und laß andere Leute ungeschoren!" rief Thompson, wütend. „Was bildest Du Dir wohl ein? Wenn sie die Decken zurückfordert, so soll sie sie haben; bis dahin aber behalten wir sie, und wenn Du Dein großes Maul noch einmal so weit aufreißt." t , .,

„Ich werde sie nicht zurnckfordern , rief ich.

„Ihr habt sie nötiger als ich."

Erschrocken brach ich ab: Chrtsttan sprcmg auf Thompson zu, riß ihm die Decke», welche dieser eben aufhob, aus der Hand und schleuderte sie m der Richtung meines Zeltes. .

„Da liegen sie! Wer jetzt noch einen Finger darnach ausstreckt, hat es mit mir zu tun!" schrie er. „Run wißt Jhr's und könnt Euch darnach richten!"

„Komm her, wenn Du keine Memme bist!" zischte Thompson, feine sehnigen Arme entblößend

„Sei- Ihr rasend, Ihr beide?" klang jetzt die Stimme des Steuermannes, welcher herbeieilte und sich zwischen die Streiteirden warf. „Wollt Mr.daS. Bo-t zum Kentern brjMM, Ihr Ttzll-

Konfessionen wieder einander näher zu bringen, Erfolg haben möchten."

Die,Kreuzztg." schließt noch aus einer andern Tatsache, wie ernst der Appell in Essen gemeint war. Als Beweis dienen ihr die Mahnungen, welche der Abg. Marx der kathol. Presse mit auf den Weg gab. Deshalb schreibt sie: „Der Abg. Marx "verhehlt sich selbst nicht, daß es der katholischen Presse mancherlei Ueberwin» düng kosten wird, in weitem Umfange den Geg­nern gerecht zu werden. Er scheut sich auch nicht, der Zentrumspresse (natürlich ebenso den gegne­rischen Blättern) die bisher begangenen Sünden gründlich vorzuhalten. Wenn er nun die ihm als Katholiken nahestehenden Preßorgane, und zunächst nur diese, auffordert, Verletzungen An­dersgläubiger zu unterlassen unb ihnen gegenüber elbst in Stunden berechtigter Entrüstung christ- iche Liebe und — Klugheit walten zu lassen, so st dies ein bündiges Zeugnis von dem Ernste, der seinem Vorschläge innewohnt." Wenn die ,Kreuzztg." dann abwarten will, wie sich die Zentrumspresse zu dem Marx'schen Gedanken stet­en wird, so zweifeln wir nicht, daß die katholi- chen Blätter den Anregungen des Abg. Marx olgen werden. Ihnen ist es nicht darum zu tun, Zwiespalt unter die Konfessionen zu tragen; ebenso wenig darf ihnen aber verübelt werden, daß sie auf der Wacht stehen und beobachten, was hüben und drüben vorgeht.

Was werden die liberalen Herren und die „Manchen Stellen", welche die,Kreuzztg." im Auge hat, zu den Darlegungen des konservativen Blattes sagen? An das Mißtrauen dieser Herren md wir schon lange gewöhnt; deshalb erwarten wir auch nicht, daß sie jetzt sich plötzlich bekehren werden. Anderseits verdient der Wunsch der ,Köln. Volksztg.", daß die katholischen Blätter ich mit dem "Gedanken des Abg. Marx durch- »ringen, daß aber auch die Gegner links und rechts dazu Stellung nehmen und in einen loyalen Austausch darüber eintreten möchten, allzeitige Beachtung und Erfüllung. Damit rohcb mehr erreicht als durch die Tonart und Kampfes- weise eines Evangellschen Bundes und der Blätter, die seine Helfer sind.

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nisse in den Weg. Sie treiben mich zur Ver­zweiflung!"

'„Nein, nein!" rief ich. „Christian, um Got­teswillen, beruhigen Sie sich! Mein Herz blutet, wenn ich Sie so reden höre. Denken Sie nicht so ausschließlich an mich, denken Sie auch an sich und die Anderen!"

Einige Minuten lang war er augenscheinlich außer Stande, zu antworten; seine beb­ten, jeder Nerv an ihm schien zu zucken. Endlich jedoch wurde er ruhiger. -

„Gute Nacht!" sagte er stockend. „Verzeihen Sie mir, Fräulein Hilda! Gute Macht!"

„Gute Nacht!" entgegnete ich, feine eiskalten Finger drückend. „Gott segne und tröste Sie! Noch eins, Christian: seien Sie großmütig und benutzen Sie die Decke, wenn die Reihe, auSau- ruhen, an Sie kommt. Ich müßte sonst ja denken, daß ich Sie ernstlich erzürnt hätte. Gitte NaM!

Es dauerte lange, ehe ich einschlief. Christians unerklärliches Benehmen, seine wilde Aufregung ängstigte mich. Er mußte krank fein. Aber wtff kam es doch, daß er so viel weniger Widerstands­fähigkeit besaß, als seine Kameraden?

Von Zeit zu Zeit stand ich auf und lugte durch die Spalte, welche ich absichtlich zu diesem Zwecke offen gelassen hatte. Gegen vier Uhr sah ich, ww Thompson zu Christian trat und ihm freundlich auf die Schulter klopfte. WaS die Beiden sprachen konnte ich nicht verstehen, doch ich bemerkte, doch sie einander die Hand drückten, und io war mems schwerste Sorge gehoben.

Beruhigt schlief ich ein und erwachte erst, ow ich Christian meinen Namen nenne» borte.

„Ist es schon Zett zum Frühstück?" fragte ich mir den Schlaf aus den Augen reibend. „Wie gcht es Ihnen, Ehriftian?" , t

„Gut", entgegnete er m ernstem, durchaus ruhigem Tone". Ich war gestern kindisch, ab«, das wird nicht wieder Vorkommen; ich versprech« es Ihnen." i

seinen 80. Geburtstag. Um allen Ovationen aus dem Wege zu gehen, hatte er seinen gewöhnlichen Wohnsitz in Rurig bei Jülich verlassen und sich nach Wiesbaden begeben. Graf Hompesch gehört dem Reichstage feit dessen Bestehen als nord­deutscher Reichstag an, von einer kurzen Unter­brechung zu Anfang der 70« Jahre abgesehen. Ins Herrenhaus berufen ist er seit 1863 auf Lebenszeit. Den Vorsitz der Zentrumsfraktion führt er seit 13 Jahren, immer pünktlich, ein lebendiger Protest gegen den Absentismus, ein Vorbild für die jüngeren Kollegen, immer sachlich und liebenswürdig, auch immer bereit, in der Fraktionssitzung und nach des parlamentarischen Tages Last und Mühe auch im geselligen Krerse der Fraktionsgenossen die Eintracht zu fördern, Mißverständnisse zu beseitigen, Meinungsver- schiedenheiten auszugleichen. Er ist kein Debater, die Tribüne betritt er fast nur, um namens ferner Fraktion kurze Erklärungen abzugeben; ab« wenn er spricht, dann weiß man auch, daß die Fraktion hinter ihm steht, und dazu hat sein freundliches, vermittelndes Wesen, seine Selbstlosigkeit und die Laut«keit seiner Gesinnung mehr beigetragen, als bet weiteren Oeffentlichkeit bekannt ist.

* Der Bedeutung der kommenden Reichs- tagswahleu widmet die freikonservative ,Post" einen Artikel, rvelcher hauptsächlich der Ein­dämmung der sozialdemokratischen Stimmen dienen soll. In demselben heißt es: „Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich bei diesem Wahlkampfe entscheiden, ob es möglich ift auf dem Boden des allgemeinen und gleichen Wahl­rechtes die Grundlagen d« sozialdemokratischen Macht zu erschüttern". Diese Andeutung riecht sehr stark nach Verschlechterungsgelüsten, welche die ,Post" für das jetzt bestehende Wahlrecht hegt:

* Ein freikonservativer Parteitag der Pro­vinz Schlesien soll Ende Oktober in Breslau stattfinden. Hebet die Einzelheiten steht die Be­schlußfassung noch aus.

* Ein freisinniger Volksparteitag wird für Heffen-Naffau, Baden, Hessen, die Rhempfalz und den Saarbezirk in den Tagen vom 22. bis 24. September zu Oberstem stattfinden. In einer öffentlichen Wählerversammlung werden die Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen und Kopsch sprechen.

* Die Nachforderungen an Reichsstempel­abgabe hinsichtlich derjenigen Aktien der öster­reichischen prioLegierten Südbahn-Gesellschaft mit gefälschtem Reichsstempel, welche sich nachweislich vor dem 1. September 1906 im Inlands be­funden haben, sollen nach einem Beschluß des Bundesrats aus Billigkeitsrücksichten unter b« Voraussetzung niedergeschlagen werden, daß die Stücke mit dem Kontrollstempel versehen werden und die Einreicher von Aktien der bezeichneten Art ohne Rücksicht auf die Echtheit oder Unecht­heit des aufgedruckten Reichs stempels eine Ge­bühr von 20 Pfennig für jedes Stück zu ent- richten freiwillig übernehmen; soweit von den Stücken eine Reichsstempelabgabe bereits nach­erhoben worden ist, ist sie unter der gleichen Voraussetzung zu erstatten. Die Ansprüche der Steuerverwaltung gegen diejenigen, welche die W«tpapiere mit gefälschtem Stempel in den inländischen Verkehr gebracht haben, werden nicht berührt.

* MU der Diskontoerhöhung der Reichs­bank wird sich am Dienstag der Zentralausschuß der Reichsbank beschäftigen. Gleichzeittg wird am Dienstag d« Ausweis der Bank über die

JJW8 besonderes, Fräulein Hilda. Wir sind i über eingenommen, daß wir von jetzt an Einer atoei und zwei zusammen eine dretstündtge Ruhe- fpause machen wollen. Wir find zu sechs, und s< »läßt es sich prächtig einteilen. Ganz ohne Schlaf -kann der Mensch es nun einmal auf bte Dauer (nicht aushalten."

Ich sah mich nach etwas um, was als Lager­stätte dienen konnte, doch bemerkte ich nuhts bet- EtigeS. Christian gab mir auf meine Frage, ob cken und solche Dinge vorhanden seien, anfäng- t) keine rechte Antwort, boch endlich gestand «, ß den Leuten nichts übrig bleiben würde, als 3 auf den harten Boden des Bootes auszustte- n, ohne irgend eine andere Bedeckung, als die .jU,.eiber, welche sie trugen. Da er gleich daran 'äbgerufen wurde, machte ich von der Gelegenheit ^Gebrauch, um zu meinem Zelte zurückzukehren, Rnb rasch die zum Aufbau meines Ruhebettes bet- »endeten Gegenstände zu besichtigen und zu for­mieren. Außer meiner Matratze fanden sich zwei Mchte Decken, drei Kopfkiffen und zwei große, schwere Reisedecken vor. Die beiden letzteren unb lzwei der Kiffen konnte ich entbehren, ich lud mir wiese Gegenstände also auf und warf sie auß«hald Weines Zeltes auf einen Haufen nieder. Thomp­son, der zufällig in der Nähe stand, sich, mir er- fstatmt zu.

„Wer ist zuerst an der Reihe, sich schlafen zu iegen?" fragte ich.

i „Ransome und ich", entgegnete er, feine halb «starrten Häiche reibyib.

zweite Septemberwoche veröffentlicht werben, von dessen Inhalt es wesentlich abhängen wirb, ob ber Diskont um Vi% ober um 1% heraufge- eht wirb.

* Eine der ersten Maßnahmen bes neuen Kolonialbirektors Dem bürg ist, wie bas ,Ber- iner Tagebl." hört, biejenige gewesen, baß jebes an bas Kolonialamt gelangende Schriftstück zu stuchen fei. Bei b« Uebernahme seines Amtes jat sich Herr Dernburg zuerst bie höheren und bann bte unteren Beamten b« Kolonialabteilung vorstellen lassen.

* Der .Vorwärts" erinnert baran, baß i; November ber Anarchist Schaewe seine 12jäh. rige Zuchthausstrafe verbüßt hat. Er schilbert bann in seinem Sinne bas Zusammentreffen beS Mechanikers Abolf Schaewe mit ben Kriminal- »eamten Busse unb Finke unb sein« Revolver« chießerei gegen biese, ben Metzgergesellen Siebert mb einen Schutzmann, bie ihn festnehmen wollten. Die Verurteilung Schaewes erfolgte am 7. No­vember 1894, sobaß er also an demselben Tage bieses Jahres das Zuchthaus verlaffen wirb. Bei bies« Gelegenheit erinnert ber,Vorwärts" wett« daran, baß ber Mechaniker Koschemann, ber rüher in der anarchistischen Bewegung tätig war, ebenfalls noch im Zuchthause sitzt. Ihm wurde die Absendung einer Höllenmaschine an ben Polt- zei-Obersten Krause im Jahre 1897 zur Last ge- legt, weshalb er zu 10 Jahren unb 1 Monat Zuchthaus verurteilt wurde. Koschemann, welch« unschuldig sein will, hat im Mai nächsten Jahres die Strafe verbüßt.

* Der sozialdemokratische Reichstagsabgeord­nete Rechtsanwalt Dr. Herzfeld war wegen Vergehens gegen § 108 des St. G -B. zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er bei ber Reichstagswahl 1903 sowohl in ber Hauptwahl in Rostock wie in ber Stichwahl in Berlin seine Stimme abgegeben hatte. Der General staats- anwalt beim Kammerg«icht beantragte auch bie Einleitung des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Dr. Herzfeld. Das Ehrengericht ber Anwalts­kammer Berlin lehnte jedoch den Antrag zunächst ob, mußte ihm aber auf Anweisung bes Kammer­gerichts schließlich boch stattgeben. Das ehren­gerichtliche Verfahren hat jetzt mit ber Frei­sprechung bes Angeschuldigten geendigt. Der Ehrengerichtshof war der Meinung, baß bte Frage, ob Dr. Herzfeld sich des strafbaren Tuns bewußt gewesen sei, zu verneinen sei. Die Rechtsprechung des Reichsg«ichtS habe ebenso wie diejenige bes preußischen Oberverwaltungs­gerichts in stänbisch« Praxis an b« Grundlage festgehalten, daß „bte rechtskräftige Wählerliste bie unabänberliche Grundlage für bie Wahl bilde unb den Eingetragenen, gleichgiltig, ob ihre Ein­tragung zu Recht ober zu Unrecht erfolgt ist, das Stimmrecht verleihe."

* Zu ben Bestimmungen für die Einstellun- vo« Privatwagen, welche am 1. Oktober b. I. im Bereiche des brutschen Eisenbahnverkehrs» v«banbes in Kraft treten, waren von verschie» benen Seiten Säuberungen angeregt worben. Der Minister ber öffentlichen Arbeiten hat, wie bte .Norbb. Allg. Ztg." hört, bie Eisenbahnbirektion in Hannover beauftragt, bie gemachten Vorschläge im brutschen EisenbahnverkehrSverbanbe zur Er­örterung zu bringen.

♦* Berlin, 17. Sept. 1906. Der Kaiser wird, wie nunmehr seststeht, am 22. d. M. zu einem acht­tägigen Jagdaufenthalt in Rominten em» treffen. — Die Kronprinzessin, welche zur Ze« in Tegernsee roeilt, wird infolge d« andauernd

patsche? Christian und Morgan, an Eure Plätze! Und Ihr legt Euch aufs Ohr, Ransome und Thompson! Strohköpfe, die Ihr seid!"

„Christtan fing an", knurrte Thompson. „Er ist im,Unrecht. Das Fräulein hat uns die Sachen aus eigenem Antrieb gebracht — weshalb sollten mir sie also nicht nehmen? Und Christian hat uns auf alle Fälle nichts zu befehlen!"

„Das ftimmt", nickte Findlay. „Mache keine Dummheiten, alter Junge", fuhr er in überreden­dem Tone fort, sich an Christian wendend. „Es wird heute nacht bitter kalt werden und — Du darfst nicht vergessen, daß die Andern das Ding von ihrem und nicht von Deinem Standpunkte aus betrachten."

Er hatte den Satz besonders betont, ohne daß ich recht begriff, warum; Christian dagegen schien chn beff« zu verstehen. . ,

„Ich weiß, ich weiß", entgegnete er mit beben­der Stimme. „Sage nichts mehr: ich sehe ein, daß ich mich fügen muß."

„Christian", sagte ich, seine Hand fassend, „mein treuer Freund und Wohltäter, es tut mir so-leid, daß ich diesen Austritt verursacht habe. Aber wie konnte ich anders banbeln! Es wäre ja eine erbärmliche Selbstsucht, eine Gefühllosigkeit ohne Gleichen gewesen, wenn ich die Leute hätte frieren lassen, während ich doch Ueberfluß an war­men Decten hatte."

Ich fühlte, wie seine Hand -ttterie, wahrend er stumm auf die Bank niedersank.

„Seien Sie mir nicht böse", bat ich nach ein« Pause. „Sagen Sie mir ein freundliches Wort. Ich kann Sie so nicht verlassen."

Findlay hatte sich entfernt, und Christian und ich waren fo gut wie allein. Er sah mich einen Augenblick ftarr an.

„Hilda, Hilda, Sie foltern mich!" brach er plöAich mtt einer solchen Heftigkeit aus, daß ich erschrocken zusammenzuckte. „Ich will Sie retten «nd Sie — Sie legen mix alle möglichen Hmder-

Krstes Wtatt.

• Zusammenschluß der Konfessionen. \ In seiner Breslau« Rebe hat ber Kaiser ben Zusammenschluß ber Konfessionen zur Be­kämpfung bes Unglaubens in ben Vordergrund gestellt. Derselbe Appell ist von dem Essener Katholikentage ausgegangen. Beide Steuerungen, welche angetan find, an ber Ueberbrückung der ^konfessionellen Gegensätze mitzuwirken, paffen aber keineswegs dem Liberalismus. Die katser- liche Rede verursachte ihm Beklemmungen, die Essener Mahnung nimmt er mit Mißtrauen auf. Nun kommt selbst bie ,Kreuzzeitung' unb weist |ben liberalen Herren nach, wie unrecht sie mit diesem Mißtrauen haben.

Das konservative Blatt bezieht sich zu feiner Beweisführung auf bie Rede, bie ber Abg. Marx in ber Versammlung des Augustinus- Vereins zu Essen hielt. Es stellt von vornherein fest, „baß es ben sührenben Kreisen b« deutschen Katholiken in ber Tat ernst mit dem Verlangen zu sein scheint, ein friedliches Zusammenwirken mit den Andersgläubigen zum Wohle der Nation anzubahnen". Die ,Kreuzztg." verlangt aber -nicht, daß Katholiken unb Evangelische „in bezug auf ihr Bekenntnis sich irgenb eine Konzession machen". Wenn ber Verfasser bei seinen Dar­legungen über bie praktisch bürgerliche Toleranz „zugleich ben Vorteil der eigenen Konfession im Auge hat", so kann es ihm, wie die ,Kreuzztg." feststellt, niemand verdenken, „daß er so handelt, wenn er nur dabei bestrebt ift, auch ben In­teressen ber anderen Seite gerecht zu werben". Die ,Kreuzztg." bestätigt, baß bies „unbestreitbar ber Fall ist" unb gibt zum Beweis folgenbe Darlegung: „Offen unb ehrlich stellt Marx u. a. bie Erwägung an, daß die Katholiken in Preußen und ebenso, wenn auch nicht in so aus­gesprochenem Maß, in ganz Deutschland, nun einmal bie Minberheit bilben. Es werde also -viel mehr Orte geben, wo bie Katholiken bie Rücksicht auf die Minderheit fordern müßten, als wo sie sie üben könnten. Aber ber Verfass« will, daß die katholische Minderheit in denjenigen Bezirken, in denen sie bie Minderheit bildet, mit gutem Beispiele vorangehe, den Nichtkatholiken auch den Schein einer Berechtigung von In­toleranz nähme unb so ein srieblich-schiedliches ^Verhältnis herstelle." ,

Die ,Kreuzztg." weiß aber, daß bei gewissen Leuten alles nichts fruchtet. Deshalb gibt sie „manchen Stellen", bie geneigt find, „wieder über bie Schlauheit dieses ultramontanen Planes zu philosophieren", folgendes zu benten: »Aber liegt in dem Gedanken, den Anbersgläubigen ge- recht zu werden, selbst wenn dabei Aussichten auf eigene Vorteile mitsprechen, etwas für bie Evangelischen bedrohliches? Wir sinb dies« Ansicht nickt. Wir können in eine Ausübung solcher Toleranz nur einen Segen für bie ge­tarnte christliche Bevölkerung Deutschlands er- blicken. Wenn wir uns ber freundlichen Be- .ziew.ma.en erinnern, in denen vor der Zeit des unseligen Kulturkampfes bie beiden christlichen 'Konfessionen und beten Geistlichkeit zueinander -standen, und wenn wir bedenken, baß bie da­mals in hohem Maße gegenseitig geübte Tol«anz keineswegs zum Schaden unserer evangelischen

Kirche ausgeschlagen ist, so können. wn nut wünschen, daß die jetzt von katholisch« Sette ausgehenden Bemühungen, bte beiben chrtfluchen

Kotatientbind u. Verlag ber Znlbaer Ar« tienbniderei ht Hulda. Monatsbeilage: „Huldaer SejchichtrbMrr" zernsprech« Nr. 9.