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Ratati »«»druck u. Verlag der Fuldaer 2k« tiendruckerei in $«16«. Zernsprecher Ur. 9.
JW 207.
Fulda, Montag den 10. September 1906.
33, Jahrgang.
Zweites Wtcrtt.
Witze »der dar Jenseits
ZU machen ist ein billiges Vergnügen. Nur vergessen diejenigen, welche mit solchen Waffen gegen das Jenseits ankämpfen, daß sie sich das denkbar größte Armutszeugnis ausstellen. Denn bei allen diesen witzig sein wollenden Draufgängern kann man beobachten, daß sie nicht einmal die aller- elementarsten Kenntnisse haben von den Dingen, über welche sie fade Witzeleien ausgießen.
Der eine findet es unerträglich, ewig „Gott an schauen" zu sollen. Natürlich, wenn man sich Gott vorstellt als ein Bild, das der Mensch ewig betrachten soll, so ist das allerdings unerträglich. »Denn auch das schönste Bild ermüdet zuletzt, man sieht sich daran früher oder später satt. Das ist also ganz richtig. Freilich weiß jedes Schulkind, daß Gott kein Bild ist, sondern ein — Geist.
Gott also ein Geist l Ja dann kann doch nicht das Anschauen Gottes verstanden werden, als em wirkliches Ansehen? Ja natürlich nicht, dann kann dieses Wort „Anschauung" Gottes nur ein sinnbildlicher Ausdruck sein für das Hineinschauen in die Werke der Weisheit und Güte Gottes, also gerstlge Erkenntnis.
Und da ist kein Ende zu erreichen. Mag einer noch so tief erngedrungen sein in das Gebiet des Wissens und der Erkenntnis, er muß doch schließlich mit dem alten Sokrates sagen: „Ich weiß, daß ich nichts weiß". Und hier tritt niemals lieber- söttigung und Langweile ein, denn die menschliche Seele ist ja eben für die Erkenntnis der Wahrheit angelegt und das Streben nach Befriedigung dieser ihrer Naturanlage beseligt fie. „Der Mensch lebt nicht vom Brote allein, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt." Damit ist die weitere Vorstellung von der Langweiligkeit des Jenseits bereits abgetan, denn dieses ist dann kein träges Ruhen, keine geistige Erstarrung, sondern geistiges Arbeiten und Leben.
Ein anderer (Feuerbach) witzelt über die Vorstellung, als sei das Jenseits eine ewige Kirchweih. 1 „Sechs Werktage sind hier, drauf folget ein einziger Sonntag, Jenseits aber da ist ewige Kirchweih! Juhel"
Die Herren haben ganz recht, wenn fie über diese Vorstellungen spotten, aber sie vergessen dabei die Kleinigkett, daß sie sich nur selbst verspotten, denn sie find es, die diese Vorstellungen haben und nicht die christliche Religion, nicht die Kirche, welche alle grobsinnlichen Vorstellungen vom Jen- seits zurückweift: eben weil ja die Seele des Men- schen nicht sinnlicher, stofflicher, sondern geistiger Natur ist. Weil sie das immer vergessen und außer acht lassen, daher ihre törichten Vorstellungen.
Den Gipfel der Naivetät ersteigt ohne Zweifel Häckel, wenn er seinem Lesepublikum vordemonstriert:
„Den besten und am meisten berechtigten Grund für den Athanismus (au! Unsterblichkeit) gibt die Hoffnung, im „ewigen Leben" die teuere« Angehörigen und Freunde wieder zu sehen, von denen uns hier auf Erden ein grausames Schicksal früh getrennt hat. Aber auch dieses vermeintliche Glück erweist sich bei näherer Betrachtung als Illusion, und jedenfalls wurde es stark durch die Aussicht getrübt, dort auch allen den weniger angenehmen Bekannten und den widerwärtigen Feinden zu begegnen, die hier unser Dasein getrübt haben" (Welträtsel S. 240).
Das schreibt derselbe Mann, der in den höchsten Tönen wettert gegen den „Anthropismns", d. h. die Übertragung menschlicher Vorstellungen auf Gott und Jenseits. Was ist denn das alles anders, als eine rein handwerksmäßige Übertragung menschlicher Verhältnisse in das jenseitige Leben? So dumm ist fein Schulkind, daß es nicht weiß, daß das Jenseits der Platz innerster Gesinnungs- äuderung ist, des Strebens nach sittlicher Vollkom- menheit und Heiligkeit. — „Sie werden fein wie die Engel" — daß also diese menschlichen Unvollkommenheiten abfallen wie mürber Zunder und abgelegt werden wie ein schmutziges Gewand.
Wenn also Häckel, wie schon mal gesagt, graulich machen will mit der „besieren" Hälfte und dec ewig keifenden Schwiegermutter, so kann er be- ruhigt sein, diese „besseren" Hälften werden witk- 110) bessere sein, „wie die Engel", wie poetischer Liebesüberschwang sie während der Derlobungs- zu nennen beliebt, und auch für die Schwieger-
^E^e.n die Gründe des Keifens über Wlecbte Schwiegersöhne Wegfällen, da auch diese
b- ^dere geworden sind. Da Häckel an- scheinend m diesem Punkte etwas ängstlicher Na- kcmn er völlig beruhigt fein.
„„/^'^wärtigsten sind jene Geselle.., welche SÄ N^^ ^ntum vorwerfen wollen, daß es
^^^danlschen Paradieses mit Viel- p»kberel für das ^ensetts verheiße. Geradezu der- ÄC S’19 ift ber Versuch, eine solche An-
$u wollen mit dem Hin- »Wer immer sein Haus ober feine Bruder und Schwestern ober Patei Oier Mutter oder Weib ober Kinder ober .Namenswillen verläßt, ber wird <? ii n d - rtf a 111 ges bof.tr erhalten und das einige buchen. Da hören diese Zyniker vvk dle Worte „Werb ' itnb „hundertfällig".
,Daß derselbe Mann, der jene Verheißung gegeben hat. auch gesagt hat: „In ber Auferstehung werden sie weder heiraten noch geheiratet werben sondern sie werden sein wie die Enge! Gottes im Himmel" das ivissen solche Leute nattirlich auch nicht. '
Im übrigen tragen einen Teil der Schuld au diesen Angriffen auf christliche Lehren jene, welche in derb sinnlichen, dem Diesseits eninommeuea
Farben das Jenseits und die ewige Glückseligkeit auszumalen in gutem, aber nicht immer von richtigen Gesichtspuntten geleiteten Eifer für gut finden. Diese sollen nicht das Wort vergessen: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört und in keines Menschen Herz ist es hinabgestiegen ,was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben"; ebensowenig sollten sie vergeflen, daß es sich um ein Reich von Geistern und nicht von körperlichen Wesen handelt.
Selbstredend sollen damit jene falschen, oft zynischen Entstellungen des Jenseits, die an solche „Entgleisungen" anknüpfen, nicht entschuldigt fein. Wer über kirchliche Lehre reden und schreiben will, hat sich an die lehramtlichen Darstellungen zu halten. Wer das nicht tut, hat sich den Vorwurf einer unehrlichen Kampfesweise gefallen zu lasten.
Die seschlülsk der 53. Generalversammlung der Katholiken Dentschlands in Wen.
i.
Römische Frage.
Die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sendet, wie alle ihre Vorgängerinnen, dem hl. Vater in Rom, Papst Pius X., den Ausdruck ihrer innigsten Verehrung und kindlichen Treue. Die deutschen Katholiken müssen mit den Katholiken der ganzen Welt nach wie vor den Anspruch aufrecht erhalten, daß ihr höchstes kirchliches Oberhaupt, der Papst, eine volle und wirkliche Unabhängigkeit und Freiheit genieße, welche die unerläßliche Vorbedingung für die Freiheit und Unabhängikeit der katholischen Kirche ist, und können diese Freiheit und Unabhängigkeit erst bann als verbürgt ansehen, wenn ein Zustand hergestellt sein wird, dem auch der Papst selbst seine Zustimmung hast geben können. Inzwischen werben sie fortfahren, den Bedürfnissen des hl. Stuhles ihre volle Teilnahme zuzuwenden. Angesichts der sich mehrenden Schwierigkeit der finanziellen Lage des hl. Stuhles bittet die Generalversammlung alle deutschen Katholiken um nachhaltige und reichliche Unterstützung des Peterspfennigs, damit der hl. Vater in der Lage ist, den Bedürfnissen der Kirche in möglichster Unabhängigkeit und in vollem Umfang gerecht werden zu könne».
Bonifatiusverein.
Mit Rücksicht aus die enorme große Not, welche auf dem ganzen weit ausgedehnten Gebiete der katholischen Diaspora in Beziehung auf Seelsorge und Schule herrscht, sowie mit Rücksicht daraus, daß in den letzte» Jahren sehr rasch und sehr ausgedehnt neue Diasporagebiete sich gebildet habe», und im Hinblick daraus, baß durch das neue Schulgesetz die Unterhaltung der vorhandenen und die Gründung neuer Schulen in der Diaspora sehr erschwert und kostspielig geworden ist, empfiehlt die 53. Generalversammlung allen Katholiken Deutschlands und Oesterreichs die eifrige und beharrliche Unterstützung des Bonifatius v e r c i n § und des Bonifatius-Sammel- vereins und zwar durch feste Organisation des Vereins in allen Pfarreien.
St. Raphaelsverei» zum Schutze katholischer denffcher Auswanderer.
Die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ersucht alle Katholiken, welche aus besonderen Gründen zur Auswanderung nach überseeischen Ländern entschlossen sind, den unentgeltlichen Rat und den Beistand ber Vertrauensmänner des St. Raphaelsvereins einzuholen.
Die Generalversammlung empfiehlt allen Katholiken de» Beitritt zu diesem wichtigen Verein. Werbung ständiger Mitglieder für die General-
Versammlung der Katholiken Deutschlands.
„Die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Essen empfiehlt allen Freunde,k der katholischen Sache dringend, sich in die Liste der ständigen Mitglieder der Generalversammlung ausnehmen zu lassen. Die 53. Generalversammlung spricht zugleich die l-estiurmte Erwartung aus, baß überall in Deutschland, wo Katholiken wohnen, durch deren Organisation sowie durch opferwillige und arbeitsfreubige einzelne Geistiche und Laien eine systematische Agitation für die Anmeldung zur Liste i>er ständigen Mitglieder betrieben und wachgehalten w i r d."
Ort der 54. Generalversammlung.
Als Ort ber 54. Generalversammlung der .Katholiken Deutschlaiws wird W ü rzburg gewählt.
Ort der 55. Generalversammlung.
Der Antrag, die 55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in D ü s s e l d o r f ab- zuhalten, findet Annahme.
Antrag der Missivnsvereinignng katholischer Frane» und Jungfrauen.
Die 53. Generalversammlung der Katholiken Deutsthlands empfiehlt gleich ihren Vorgängerinnen die Förderung und Ausbreitung des vom hl. Stuhle wiederholt belobigten und von einer großen Anzahl deutscher Bischöfe warm empfohlenen Franen-Missionsvereins.
Sie richtet insbesondere an die katholischen Frauen und Jungfrauen Deutschland den Appell, ich an dem sie besonders ehrenden Werke, das im Laufe des Jahres 52 Missionen in alleir Weltteilen eine Unterstützung zuwenden konnte, immer zahlreicher und eifriger zu beteiligen.
Verband katholischer Jugeudsreunde.
Die 53. Generalversamnllung der Katholiken Deutschland? lenkt die Aufmerksamkeit ber beut- tiUf die zum Zluecke der religiöse», siltlnhen, sozialen und wirtschaftlichen Förderung
der schulentlassenen Jugend gegründeten „Vereine katholischer Jugendfreunde" und empfiehlt ihre Einführung in Stadt und Land, namentlich in allen Großstädten.
Die „Vereine kathol. Jugendfreunde", zusammengeschlossen in dem „Verbände katholischer Jugendfreunde" (Geschäftsstelle: Köln-Nippes, Blücherstraße 9) mit dem Sitze in Köln, sind keine neuen Jugendvereinigungen. Sie sollen an ihrem Orte eine Zentrale fein zur Unterstützung bestehender und zur Förderung neuer Einrichtungen zum Wohle der Jugendlichen in Verbindung mit ben Vereinspräsides der katholischen Jünglingsvereine ; sie sollen die direkte Tätigkeit der katholischen Laienwelt unter den Jugendlichen organisieren, und den Gedanken, daß in unseren Tagen die Jugendfürsorge zur sittlichen Pflicht geworden ist, zum Volksgedanken machen.
St. Petrus-Claver-Sodalität für die afrikanische« Missionen.
Unter warmer Anerkennung der namhaften Unterstützungen, welche die St. Petrus-Claver- Sodalität feit ihrem Bestehen (1894) den in den deutschen Schutzgebieten Afrikas wirkenden Mis- sionsgesellschasten zuwenden konnte, empfiehlt die 53. Generalverfammlung der Katholiken Deutschlands angelegentlichst und dringendst gleich ihren Vorgängerinnen die Förderung der St. Petrus- Claver-Sodalität für die afrikanischen Missionen, welche ihr Zentrum in Rom (via dell' Olmata, 16) und verschiedene Filialen und Abgabestellen in Deutschland (München, Türkenstraße 15, Breslau, Hirschstraße 33, Altötting, Düsseldorf, Clerf usw.) besitzt. Als geeignete Mittel zur Förderung dieser Hilfsmissionsgesellschaft erscheinen: Abonnements und Verbreitung ber zwei Monatsschriften „Echo aus Afrika" und „Kleine A f r i k a - B i b l i o t h e k", Beitritts erfldrungen (jährlicher Fördererbeitrag 2 JK und Spenden, und, von Seite eines hochw. Klerus Vorträge und Predigten, worin auf die St. Petrus-Claver-Sodalität und dessen weibliches religiöses Institut aufmerksam gemacht und das- selbe empfohlen wird.
(Fortsetzung folgt.)
[::] Der Goldreichium der Ozeans.
Daß mit Hilfe der Elektrizität früher unmög- sich scheinende Dinge möglich gemacht werden, ist uns heute nichts mchr neues. So waren wir denn auch nicht übermäßig erstaunt, als wir von London her die Botschaft vernahmen, daß es möglich sei, aus dem Wasser deS OzeanS — Gold auszuscheiden. Ter Entdecker dieses Problems ist der berühmte Chemiker Ramsay, der Entdecker des Heliums und verschiedener anderer atmosphärischer Elemente. Ramsay denkt, wie uns be- richtet wird, in der Tat daran, die im Weltmeere enthaltenen Goldschätze zu heben, nicht etwa, um damit den Erdball zu vergolden, wozu, nach seiner Darstellung, die Menge des Goldes hinreichen würde, sondern zunächst, um seine eigenen Taschen und die seiner Mitarbefter mit Diesem edlen Metall zu füllen. Vorläufig freilich hat die Idee der Goldgewinnung aus dem Ozean noch keine feste Gestalt angenoamttn, sondern ist noch schwankend wie die Meereswoge selbst, zumal Ramsay zugeben muß, daß das Gold im Meere noch weniger konzentriert ist, als daS Helium in der Lust; aber er ist in voller Hoffnung, und die Elektrizität ift, wie er sagt, seine Bundesgenosstn.
In welcher Weise Ramsay sich die Verwirk- ichung seines Planes denkt, ist vorläufig noch ein Geheimnis. Wie man sagt, will er die Schiffahrt in seinen Dienst stelle», indem er — gegen einen gewissen Gewinnanteil natürlich — m den Seite» und am Kiel der Dampfschiffe, Kriegsschiffe und großen Segelschiffe Maschinen anbringen will, die während der Fahrt auch die feinsten Goldteilchen aus dem Seewafser auf« äugen und dieselben mittels eines elektrischen Ver- ährens zu soliden Goldklumpen zusammenballen. So abenteuerlich uns dieser Plan auch vorkomutt, und so sehr es berechtigt erscheint, ein großes Fragezeichen hinter denselben zu machen, so wäre e§ vielleicht verkehrt, ihn kurzechand zurückzu- lveisen. Denn, daß manche Flüsse Gold enthalten, ist von altersher bekannt. In Deutschland galten von jeher der Rhein und die ®öet als goldhaltig. Zwar gibt es nur wenige Flüsse, deren Goldreichtum groß genug ist, um die Ausbeute » lohnen — ausgenommen Kolorado, Oregon, Klondike, Ural und einige in Afrika —; wenn mau aber bedenkt, daß feit vielen Millionen Jahren Hunderttausende von Flüssen ihren Goldgehalt dem Meere zugeführt haben, ist eS da i icht erklärlich, daß unendliche Goldschätze im Meere vorhanden sein müffm?
Doch lassen wir einstweilen den elektrischen Apparat, den Ramsay »nS in Aussicht stellt, »eifeite, und fragen wir uns, ob eS feinen anderen, uns gangbarer erscheinenden Weg gibt, um die Goldschätze des MeereS zu heben. Da rängt sich uns fast von selber als Antwort auf: Der einfachste Weg, die festen Bestandteile ans dem Meerwaffer, also auch das Gold, zu gewinnen. ist zweifellos, daS Wasser zu verdampfen. Durch solch einen Prozeß würden wir eine feste Masse gewinnen, die an Gewicht etwa den ein- unddreißigsten Teil deS MeerwasserS betragen würde. - Wenn nun die auf diese Weise gewonnene feste Substanz des MeerwasserS gleich- »ElL. über die ganze Erdoberfläche verteilt
würde, so würde sie diese bis zu einer Höhe von etwa 125 Fuß bedecken. Für den Laien ist es schwer, sich einen richtigen Begriff davon zu machen; wir bemerken daher zum besseren Verständnis, daß die Masse den beiden Erdteilen Europa und Nordamerika, soweit dieselben sich über den Meeresspiegel erheben, mit all ihren Bergen, Glesschern, Wäldem usw., gleich sein würde. Die Untersuchungen über die festen Bestandteile des MeerwasserS haben ergeben, daß der größte Teil aus gewöhnlichem Kochsalz besteht, nämlich über 80 Proz.; der Rest besteht aus Magnesium, Kali, Kalk, Pottasche, Gips, Magnesia und — Gold. Da letzteres daS schwerste Element ist, so würde eS, dem Gesetz der Schwere folgend, sich am Boden befinden.
Und wieviel beträgt ungefähr die Masse dcS Goldes, die sich im Ozean befindet? Ramsay behauptet, und er wird in dieser Annahme von anderen Chemikern unterstützt, daß ein Kubik- kilomrter Ozeanwaffer etwa 60 Tonnen reines Gold enthält. Die ganze Menge des Goldes würde also in der Tat genügen, den ganzen Erdball mit einer dünnen Goldschicht zu überziehen.
Es ist durchaus nicht nötig, alles zu glauben, was Ramsay sagt; doch soviel ist gewiß, daß das Gold, von dem er redet, da ist, und daß die Goldmine deS Ozeans, wenn sie ausgebeutet werden könnte, reicher ist als die ergiebigste Goldgrube der ganzen Welt. Und noch eine andere Tatsache steht fest, nämlich, daß diese Goldmine immer reicher wird; denn die Flüsse setzen ihr Werk, dem Ozean Gold zuzuführen, in ununterbrochener Weise fort. H. T.
vermischter.
* Kleine Nachrichten. Augsburg. In M ö n i n g, einem Pfarrdorfe von nicht ganz 600 Einwohnern in ber Oberpfalz, brannten vor einigen Tagen zwanzig Häuser und Scheunen ab. Mit Streichhölzchen spielende Kinder haben ben Brand verursacht. Von ben Abgebrannten waren zwei nicht versichert. — Tanger (Marokko). Wie dem „Lok.-Anz." berichtet wird, traf nach einer abenteuerreichen Rundfahrt durch Europa der ehemalige Chicagoer Bankdirekwr Stensland, der nach Defraudation von 2% Millionen Dollar aus Chicago flüchtig geworden war, vor kurzem in Tanger ein. Als ein Meister ber Verkleidungskunst hatte er bis dahin den verfolgenden De- tekttves zu entkommen gewußt. Sonntag morgen wurde er erkannt und verhaftet. — Altona. Einen großen Fahrkartenschwindel entdeckte, wie dem „Lokal-Anz." gemeldet wird, die Polizei auf den hiesigen Bahnhöfen. Angestellte derjenigen Gesellschaften, die Automaten zuni Verkauf von Bahnsteig- und Vorortskarten auf- gestellt hatten, sollen den Fiskus um große Sum nten betrogen haben. Ein Angestellter ist bereits verhaftet worden. — Essen a. d. Ruhr. In Bergeborbeck regte sich eine Köchin bei einem Wortwechsel mit einer Kaufmannsfrau so auf, daß sie einen Revolver holte und ihre Gegnerin, die Mutter zahlreicher unversorgter Kin- i)er, durch mehrere Schüsse tötete. — Zerbst. Ein weißes Rebhuhn ist auf der Nieder- l epter Flur in der Nähe der Amtsmühle geschossen worden. Am gleidjen Tage ist auf derselben Jagd auch ein Rebhahn erlegt worden, der ebenfalls weiße Beine und viele weiße Federn hatte. Er gehört jedoch nicht zu ben Alboins, sondern hat eine „Weißheit" wohl nur seinem hohen Alter zu verdanken. — Bruchsal (Baden). In einer Sa ndgrube bei Heidelsheim wurden )rei Personen von abstürzenden Erbmassen v c r- chii11e t. Zwei sind tot, der dritte wurde schwer verletzt. — Dieppe. Der Pariser Schnellzug stieß gestern nachmittag bei ber Einfahrt in i)en Hafen so heftig auf den Prellbock, baß zahlreiche Reisende, welche im Aussteigen begriffen Iva reu, auf den Bahnsteig stürzten. An 20 P e r- o h e n erlitten Verletzungen.
Literarisches.
Hochland. Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, ber Literatur und Kunst. HerauSge geben von Karl Muth. Verlag der I o s. K ö f e l 'scheu Buchhandlung in Kempten und München.
Aus dem Septemberheste heben wir hervor' „Jesse und Maria", ein literarischer Rück und Ausblick des Herausgeber? Karl Muth. Der Aufsatz dürfte alle die interessieren, die ben Streit um diesen vielgenannten Roman verfolgt haben, zumal da er die Ansichten und Aussprüche ganz hervorragender Sdjriftftetter ttnb Gelehrten über wnselben mitteilt. Aber auch allgemeiner betrach et ist der Aufsatz eine Fortsetzung bet bekannten Veremundusdebatte und eine Orientierung über die inzwischen erreichten Ziele und die ferneren Aufgaben der Katholiken auf literarischemj^ebiet. — An weiteren Beiträgen feien aus dein Sevtein berbeft genannt: „Die Welt aus der Vogelschau" voll Hofrat Univ.-Prof. Dr. Otto Willmann, „Dw Frage der sexuellen Aufklärung der Jugend" Von Univ.-Prof. Dr. Franz Walter, „Plaudereien eines alten Journalisten" von Dr. Hermanil Car dairns, „Mein Vaterland, mein Oesterreich" vor Anno. Heusler unb „Warum der Papst so alt ge vorden ist" von Selma Lagerlös, die Heilten Satt- leine, Kritik, Echo und Rundschau. Das Heil >ringt drei Kunstbeilagen, darunter eine Heliogravüre nach einer OriginasradierulN ixki Av> denken Schells. J ‘