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Kotati onsbrnd tu Verlag ber Sulbaer Ke» tienbnicterei in Sulbe. Fernsprecher Ur. 9.

Fulda, Frettag den 7. September 1906.

JW 205.

% Zum $an po-biekki

veröffentlicht die „Tägl. Rundschau" Mitteilun­gen, mit welchen sich die Berliner Blätter aus­führlich beschäftigen. Das Blatt schreM: „Staatsminsster von Podbielski hat bei dem Vortrage beim Kaiser Gelegenheit gesunden, seine Beziehungen zu der Firma Tippelskirch aufzuklären und dem Kaiser zu melden, daß die Beteiligung seiner Frau an jener Firma aufge­hört hat. Der Kaiser nahm die Mitteilung des Ministers mit großer Beftiedigung entgegen, sodaß das Abschiedsgesuch des Ministers als nicht mehr existierend betrachtet Werden kann. Nichtsdestoweniger ist als sicher anzunehmen, daß der Minister nach der gleich nach den Manövern zu erwartenden Erledigung des Falles Fischer sein Abschiedsgesuch erneuern wird und daß ihm dann die erbetene Entlassung unter Verleihung des Schwarzen Adler- a r d e n s gewährt werden Wird. Der Abbruch ">er Beziehungen des Ministers zu der Firma Tippelskirch ist auf einen dienstlichen Befehl des Kaisers an Herrn von Podbielski erfolgt."

Die „Deutsche Tageszeitung" und die „Voss. Ztg." ziehen diese Mitteilungen stark i n Z w e i- f e t. Das agrarische Blatt greift fünf Punkte heraus, welche die „Tägl. Rundschau" erfahren haben will und bemerkt dazu, daß von alledem nur der Landwirtschaftsminister, der Kaiser oder die „dienstliche" Mittelperson etwas wissen kön­nen. Es schreibt deshalb: „Wir überlassen un­seren Lesern die Beantwortung der Frage, von wem das genannte Blatt alle diese Dinge „er­fahren" haben kann. Von einem dienstlichen Befehle des Kaisers an den Minister, seine Be­ziehungen zur Firma Tippelskirch abzubrechen, kann nicht die Rede sein." Die „Voss. Ztg." glaubt ebenfalls nicht an die Wahrheit der von der „Tägl. Rundschau" gemachten Mitteilungen. Sie schreibt kurz: „Woher der Gelvährsmann der „Tägl. Rundschau" wissen will, was der Kaiser nach den Manövern und nach Erledigung des Falles Fischer beschließen wird, ist nicht zu erkennen. Noch niemand kann sagen, Wie der Fall Fischer erledigt werden wird. Also kann auch die Verleihung des Schwarzen Adlers an den General noch nicht feststehen.

Die „Freisinnige Zeitung" und oas „B e r l i n e r T a g e b l." messen der Mit- ieikung ber „Tägl. Rundschau" größere Bedeu­tung bei. Mit einem Seitenhieb auf den Land- wirtschasisminister schreibt die „Freis. Ztg.": „Wie Herr von Podbielski unter solchen Um­ständen noch Wetter in seinem Amte verbleiben konnte, ist uns unerfindlich. Jedenfalls ist dem Minister der dienstliche Befehl des Kaisers, seine oder seiner Frau Beziehungen zur Firma Tip­pelskirch zu lösen, durch den Flügeladjutanten des Kaisers kürzlich überbracht worden, währetid der Minister es in seinem Lcibblatt so darzustel­len versucht hatte, als hätte es sich bei dem Besuch des Flügeladjutanten nur um die Inspizierung des Manöverterrains gehandelt." Das „Ber­liner Tagcbl." erblickt in den Mitteilungen der „Tägl. Rundschau" einen Triumph des Landwirtschaftsministers über den Reichskanzler und bemerkt: „Mit welchem Selbstbewußtsein Herr von Podbielski dem Reichskanzler gegenüber getreten ist, dafür bringt der Berliner Korrespondent der „Feit" einen hübschen Beitrag. Herr von Podbielski

Ein Wille, ei« Weg.

Frei nach dem Englischen von I. Nemo.

44] (Nachdruck verboten.)

Ich hatte kein Geräusch vernommen, doch Mark Christians Ohr war zum Glück entweder schärfer oder besser geübt, als das meinige.

„Herein!" rief er. „Weshalb bleiben Sie draußen stehen?"

Die Türe öffnete sich langsam, und Fanny stand mit hochrotem, verlegenem Gesicht auf der Schwelle.

„Ich wollte nur — ich kam, um Sie zu fragen, ob Sie so freundlich fein wollten. Acht zu geben, wenn geschellt wird, ich mutz einen Ausgang machen."

„Einen Ausgang? Wohin?"

„Die Wäsche muß zur Mangelfrau, Herr Chri- stian, und da ich den Korb nicht allein tragen kann, so will ich eben bei Frau Howetson anftagen, ob der Peter mir helfen kann. Die Heweffon's woh­nen hier gleich nebenan an der Ecke und der Mangelkeller ist in der nächsten Gasse — ich bleibe keine Viertelstunde aus."

Chrsstian starrte sie einen Moment schwei­gend an.

"Zn der nächsten Gasse? I« welcher Gasse?"

„In der Stonestratze, Herr Christian — ge­rade der Haltestelle der neuen roten Omnibusse gegenüber."

„Aha", machte Christian . „Ist der Wäsche­korb schwer?"

„Gar nicht. Was daZ betrifft, so kömtte'ich ihn schon allein tragen, er ist nur zu groß für eine Person. Der Peter, der mir helfen soll, ist ein Heiner, schwächlicher Junge."

„Dann gleicht er wobl meinem mngen Freund frier?"

soll nämlich gesagt haben, ein Generalmajor hat doch einem Generalleutnant nichts zu sagen.

Nach den neuesten Mitteilungen sst also die Beteiligung Podbielskis bezw. seiner Frau an der Firma Tippelskirch ge IL st. Die Höhe der­selben wird von einem kaufmännischen Fachblatt auf 150 000 <M beziffert. Da die Firma aber eine sehr gute Dividende zahlt, ist der Wert ein bedeutend höherer. Wer die abgelöste Beteili­gung übernimmt, steht noch nicht fest. In all diesen Vorgängen erblicken die „Münchener N. N." ein deutliches „pater pecavi", und sie glau­ben, daß, wenn beim Volke die Entscheidung über das Schicksal der Minister stünde, Podbielski seine Entlassung schon seit Wochen in der Tasche hätte. In diesem Zusammenhänge sei noch mit­geteilt, daß in der Presse nunmehr auch der Vertrag mit der Firma Tippelskirch veröf­fentlicht wird. Wie die „Fress. Ztg." schreibt, ergibt schon eine flüchttge Durchsicht desselben, „daß er nicht ungünstiger für die Reichsregierung und nicht günsti- ger fitr die Firma Tippelskirch & (Sie. abgeschlossenwerdenkonnte. Dr. Stübel hat damit seine Verwaltung .Herrn von Tippelskirch mit gebundenen Händen über­geben, während der letztere so viel Hintertüren offen hat, daß es in der Tat als schwierig be­zeichnet werden muß, eine vorzeitige Lösung des Kontrakts herbeizuführen." Nach all diesen Mitteilungen wird die Affäre Podbielski-Tip- Pelskirch-Fischer immer interessanter. Bedauer­lich ist nur, daß sich im gegenwärtigen Äugen­blicke Wahres und Kombiniertes nur schtver aus­einander halten läßt.

Deutscher Reich. '

Berlin, den 6. September 1906.

* Der Kaiser und die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, sowie auch die Prinzen August Wilhelm und Oskar haben mit Gefolge am Donnerstag vormittag 10V. Uhr mittels Sonderzuges von der Wild­parkstation die Reise nach Breslau angetreten.

* Für den preußischen Staatshaushalt wird das Ergebnis, welches das Finanzjahr 1905 im Reiche gehabt hat, von außerordentlich günstiger Wirkung fein. Der Reichskanzler hatte bekanntlich auf Grund der ihm erteilten gesetz­lichen Ermächttgung Preußen Teilbeträge der Matrikularumlagen für 1904 und 1905 in Höhe von insgesamt 42,4 Millionen Mark gestundet. In den preußischen Staatshaushaltsetats für 1905 und 1906 waren die entsprechenden Summen reserviert worden. Nun sind mif ein­mal sämtliche gestundeten Matrikularbeiträge den Einzelstaaten infolge des Neichseinnahmeaus- falles erlassen worden, es ist ihnetr aber auch noch auf die nichtgestundeten und nicht durch Ueberweisungen gedeckten Matrikularumlagen ein Bettag von reichlich 6 Millionen Mark erstattet worden. Von letzteren werden auf Preußen etwa 31/» Millionen Mark entfallen. Die ge­nannten Summen lassen erkennen, in wie be­trächtlichen Maße der preußische Staatshaushalt entlastet werden wird.

2Z Unter dem Titel „Des Staates Heil, das höchste Gesetz" veröffentlicht die.Deutsche Tageszeitung' an leitender Stelle einen längeren Artikel, in welchem sie unter Bezug auf die innere politische Lage die Frage stellt: „Jstwirk-

„O nein", lachte Fanny. „Peter ist wenigstens um einen Kopf kleiner: er geht noch zur Schule. Aber heute wird er zu Hause fein, er hat Vakanz."

Ich stand auf und stellte mich ans Fenster, um die Tränen zu verbergen, welche mir in die Augen stiegen. Hatte Chrsstian so wenig Herz für mich, war es ihm so gleichgiltig, was aus mir wurde, daß er die kostbaren Minuten mit diesem faden Geschwätz vergeudete? Seine nächsten Worte be­wiesen mir jedoch, wie sehr ich ihm Unrecht getan hatte.

„Wissen Sie was, Fanny? Sie können sich den Gang zu Frau Hewetson schon sparen, mein junger Freund hier wird Ihnen ebensogut behilflich sein können, wie der Peter."

Ich drehte mich kurz um und starrte Chrsstian erstaunt an, doch ich sagte nichts.

„Gewiß, können würde er es freilich", kicherte Fanny. „Aber wie dürste ich es dem jungen Herrn zumute», einen Wäschekorb mit mir über die Straße zu tragen t"

„Er ist ebensowenig ein feiner, junger Herr, als Sie es sind, und was mehr ist, er weiß auch, daß ehrliche Arbeit nicht schändet. — Nicht wahr, mein Junge?"

Ich war zu verblüfft, um eine Antwort finden zu können.

„Da die Omnibusse der Stonestraße gegenüber halten, so wird es wohl am besten fein, daß Du nicht mehr hierher zurückkehrst", fuhr Christian fort, Fanny den Rücken zuwendend und mich mit einem Blick ansehend, so angstvoll flehend, daß ich plötzlich ein Gefühl hatte, als stecke mir etwas im Halse, was mir das Atmen unmöglich mache.

„Natürlich; ich werde mit Vergnügen helfen", sagte ich hastig. „Ich war zerstteut, darum ant- wortete ich nicht gleich."

Ein Leuchten flog über Chrsstians Züge.

„Das ist recht, mein Junge", entgegnete er mit leise vibrierender Stimme. „Und nun, Fanny, wann soll's losgehen? Jetzt gleich?"

«In einer Minute, Herr Christian. Ich muß

lich die Zukunft so düster und müssen wir uns widerstandslos dem Abgrund zutteiben lassen?" Sie beantwortet diese Frage mit einem ent­schiedenen Rein, jedoch nur unter der Voraus, setzung de- feften Zusammenschlusses aller staats­erhaltenden Äräfte. Sie stellt fest, mit welch schwerem Kampf die deutsche Landwirtschaft ihre heuüge Existenz errungen uno schreibt: „Die evangelischen und die katholischen Landwirte ge­hören zusammen; dann sind sie stark und dann ist es um sie selbst und das deutsche Vaterland gut bestellt." In diesem Zusam: -'hange stellt sie dem verflossenen Katholikentag folgendes Zeugnis aus: „Ein gutes Vorzeichen für die Zukunft ist auch die Kundgebung der in Essen abgeschlossenen Versammlung der Katholiken Deutschlands, welche auf eine Versöhnung der konfefstonellen Gegensätze hinzielte. Diese Kund­gebung der großartig verlaufenen Versammlung wird hoffentlich gute Früchte tragen. Die Katho- likenversammlungen haben sich immer durch eine tolerante Haltung und das Fernbalten gehässiger Ausfälle auf Andersgläubige ausgezeichnet; aber so stark wie diesmal ist die wahrhaft christliche Friedensliebe noch nicht betont worden." Em weiteres günsttges Zeichen für die Zukunft erblickt sie in dem Verhalten unseres Kassels und seines Kanzlers und schließt aus diesen Tatsachen, „wir alle müffen uns die Hand reichen über die kon­fessionellen Schranken hinweg." Deshalb gibt sie die Parole zur Sammlung und Emigkett aus. Erfreulich ist an diesen Auslassungen die hohe Wertschätzung, welche die,Deutfche Tageszeitung' dem Katholikentag einräumt. Andererseits werden aber die katholischen Landwirte am besten wissen, wo ihre Interessen gut vertreten werden.

Schwere Aaschuldigungeit gegen den Oberstleutnant Quade, den Nachfolger des Obersten Ohnesorg in der Leitung des Ober­kommandos der Schutztruppen, erhebt die ,Tägl. Rundschau'. Das Blatt deutet an, daß Oberst­leutnant Quade es gewesen fei, welcher die erste Mitteilung der Affäre Fischer in den ,Lokalanz.' gebracht habe, um sich bei dieser Gelegenheit zum Danke für die Information Reklame machen zu laffen. Ferner soll dem genannten Blatte zu­folge der Oberstleutnant Quade der Urheber einer Nachricht des .Lokalanz-' fein, in welchem behauptet wurde, daß außer Major Quade auch noch andere Offiziere der Schutztruppe in einem engen Freundschaftsverhältnis zu Herrn von Tippelskirch gestanden haben, welches Beziehungen zur Folge hatte, welche zu nicht wünfchens- roerten Kreditgewährungen führten. Der ,Berl. Lokalanz.' bezeichnet die Behauptungen der.Täg­lichen Rundschau' von Anfang bis zu Ende als eine dreiste Unwahrheit, für die es keine andere Erklärung gäbe, als die Angst und den bren­nenden Rachedurst ihrer durch die Kolonialskan­dale bedrohten ober bereits belasteten Hinter­männer. Der Oberstleutnant Quade selbst hat in einer Zuschrift an die ,Tägl. Rundschau' sämtliche Behauptungen des Blattes als unwahr bezeichnet. Wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' erfährt, ist hinsichtlich der den Oberstleutnant Quade in seiner Ehre schwer angreifenden Ausfühnmgen der ,Tägl. Rundschau' wegen Beleidigung Straf­antrag gestellt.

* In der Presse ist mehrfach die Befürchtung aufgetaucht, daß die Steuerbehörden nicht in ber Sage sein würden, den Bedarf der Zigaretten­fabrikanten und Händler tut Steuerzeichen zu

nur noch ein paar Bettücher zusammenfalten und in den Korb legen."

„Schön; so tun Sie es schnell. Mein junger Freund hat es ein wenig eilig. Er will einen Omnibus benutzen; Sie können ihm unterwegs die Haltestelle zeigen."

„Jawohl. Ich komme sogleich zurück, um ibn zu rufen", entgegnete Fanny, und mir znnickend, eilte sie zur Tür hinaus.

„Fräulein Humphries, ich hoffe. Sie nehmen es mir nicht übel, daß ich sozusagen Ihre Zustim­mung erzwang", sagte Christian, sobald wir allein waren. „Aber es würde unverantwortlich gewesen fein, eine so gute Gelegenheit zu versäumen. Eine bessere hätten wir uns gar nicht wünschen können."

Ich konnte es nicht über's Herz bringen, ihm zu widersprechen ober Einwendungen zu machen, obschon es mich kalt überlief bei dem Gedanken an die schreckliche Probe, welche ich zu bestehen haben würde.

„Fannys Begleitung und der Korb mit Wäsche wird ein so guter Schutz sein, daß gar kein Ver­dacht auflommen kann", fuhr Christian fort. „Und nun, meine Tante wohnt Landorstraße Nr. 3. Sie heißt Frau Sommers. Den Luxus eines Dienst­mädchens erlaubt sie sich nicht, was uns jetzt sehr zu statten kommt. Ich habe ihr heute morgen eine Summe Geldes eingehändigt, welche wohl für die Anschaffung der notwendigen Kleidungsstücke und der sonstigen Sachen reichen wird. Hier ist einiges Kupfergeld für die Omnibusfahrt. Wie gesagt, in drei Tagen segelt Dicksen ab; bis dahin werden Sie sich wohl verborgen halten müssen; es wäre zu gefährlich, wenn Sie sich in ihren eigenen Klei­dern auf ber Straße zeigten. Drei Tage find üb­rigens auch bald um. Adieu l Auf Wiedersehen, in Queenstown!"

„Aber werden Sie denn Ihre Tante nicht be­suchen, ehe sie dorthin abressen?" fragte ich ent­täuscht. ,Mir haben noch so vieles zu besprechen. Und dann müssen Sie mir erjäblen, tvann und

33. Jahrgain.

befriedigen. Nach von der ,Nordd. Allg. Ztg.' an „maßgebender Stelle" vorgenommenen @t« kundigungen sind diese Befürchtungen durchaus unbegründet. Die Steuerstellen sind bisher in der Lage gewesen, alle rechtzeitig eingekommenen Bestellungen an Steuerzeichen in angemessener Frist zu erledigen. Bei der großen Menge und der Verschiedenartigkeit der Zigarettensteuerzeichen und bei der selbst den aus Interessentenkreisen zu Rate gezogenen Sachverständigen mangelnden genauen Kenntnis des Bedarfs an Steuerzeichen von jeder einzelnen Sorte bei den einzelnen Be­triebsstellen sei es erklärlich, wenn einzelne Be­triebsstellen in übrigens seltenen Fällen den plötz­lichen und täglich wechselnden Anforderungen der Verbraucher nicht in jedem Augenblick sofort ge­recht rotrben könnten. Es fei übrigens Vorsorge getroffen, daß Verzögerungen in der Lieferung, wo sie eintreten, in allerkürzester Frist behoben werden könnten.

* Der Landwirtschaftsminister hat auf eine Eingabe des Deutschen Apothekervereins den Bescheid erteilt, daß er es ablehne, die von ihm genehmigte Neuordnung der Bedingungen für den Bezug und Verkauf der Mineralwässer und Quellenprodukte von Ems, Langenschwalbach und Schlangenbad einer Abänderung schon jetzt zu unterziehen. Sollte sich im Laufe der Zeit auf gründ gesammelter Effahrungen die Not­wendigkeit Herausstellen, einzelne Bestimmungen abzuändern, so soll bet der dann vorzunehmenden erneuten Prüfung auf inzwischen hervorgetretene Wünsche der Beteiligten jede mit den staatlichen Interessen vereinbarte Rücksicht genommen werden.

* Von der Görresgesellschaft. Vor einiger Zeit brachte Herr Dr. Drerup, Privatdozent in München, die Gründung eines kritischen Zentralorgans für die deutschen Katholiken in Anregung. Innerhalb des Verwaltungsausschusses der Görres-Gesellschaft sind hierüber eingehende Erwägungen gepflogen, die zu einem greifbaren Resultate geführt haben, und voraussichtlich wird der Vorstand auf der denrnächstigen Generalversannnlung, die am 25. September und den folgenden Tagen in B o n n stattftnden wird, einen entsprechenden Plan vor­legen. Auf der vorjährigen Generalversamm­lung in München wurde auch gesprochen über die Gründung einer althi st arischen Se k- t i o n, auch der Vorsitzende, Dr. Frhr. von H e r 11 i n g redete ihr in der Eröffnungsan­sprache das Wort. Auch hierüber sind ein­gehende Erörterungen gepflogen, sodaß die Gründung dieser Sektion ebenfalls in Bonn zu erwarten steht. Sie soll alte Geschichte, Ar­chäologie, Orientalin, Assyriologie, Aegyptolo- gie u. dgl. umfassen. Hoffentlich läßt nun auch die Gründung der naturwissenschaft­lichen Sektion nicht lange mehr auf sich warten.

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Ausland.

* Fürsorge des Papstes für die Arbeiter. Gegen 50000 Menschen arbeiten jährlich von Oktober bis Juni in der nächsten Umgebung Roms, in der Campagna, dem Agro Romano. Scharen von Hirten kommen zn dieser Zeit aus den Abruzzen und anderen Gebirgsgegenden mit den Herden ihrer Gutsbesitzer herunter. Sie leben in rohgebauten Hütten, afrikanischen Kraal- bautrn ähnlich, von einem armseligen Hunger-

wie Sie mit Gerald Freundschaft geschlossen ha­ben."

„Später, nicht jetzt, mein liebes Fräulein. Es ist mir heute gelungen, den mir heute folgenden Spion von meiner Spur abzubringen, aber ohne zwingende Notwendigkeit darf ich keinen zweitew Versuch dieser Art wagen. Meine Tante wird mir schreiben, wie es Ihnen geht, und", fügte er zögernd hinzu, „wenn Sie die Freundlichkeit ha­ben wollten, eine Zeile beizulegen, so würden Sie mir damit eine große Freude machen."

„Gewiß werde ich das tun," versprach ich.

„Und nun noch eins", fuhr Christian fort. „Heute morgen habe ich Gerald ein Telegramm geschickt und ihm mitgeteilt, daß Sie Wohl und in Sicherheit seien, doch et wird jetzt selbstverständlich mit Spannung auf nähere Nachricht warten. Ich meine deshalb, Sie müßten ihm ausführlich schrei­ben. Meine Tante kennt seine Adresse."

Ich stimmte natürlich fteudig zn.

Christian nickte. „Gut, dann haben wir, glaube ich, alles Nöttge besprochen. Kapitän Dicksen und seine Schwester werden Sie Freitag abend nach dem Dunkelwerden abholen und an Bord bringen".

Unser Gespräch war zu Ende, denn Fanny ex* schien. Ein Händedruck, ein Blick, in welchen ich alle Dankbarkeit legte, die ich nicht in Worten aus­drücken durste, dann schloß sich hinter mir die Türe.

„Der Korb steht unten im Flur", sagte Fanny, während wir zusammen die Treppe bmunterftie- gen. „Apropos, ich meine, wir könnten eigentlich wohl Du zu einander sagen".

„Einverstanden", erklärte Wh kurz.

„Schön. — So, jetzt fasse anl"

An der Haustüre setzten wir unsere Last einen Moment nieder und Fanny öffnete. Ich warf einen Blick auf die Straße hinaus und ttat töd­lich erschrocken zurück. Eine Schnitte Brot in dec einen Hand und ein Stück Wurst in ber anderen, saß der Mann, auf welchen Christian mich vorhin